Geld stinkt nicht

eierlegende woll-milchsau

Non olet!

Geld stinkt nicht

Die Sonne verschwindet hinter den Dächern, langsam setzt der Ladenschluß ein. König Kunde ist betrübt. Was hat ihn nur so ruiniert? Er residiert als Untermieter in einer heruntergekommenen Sozialwohnung am Rande der Stadt und wird bei jedem Konsumversuch an die Schufa verwiesen, welche böswillig verbreitet: König Kunde hat kein Geld. Als ob Geld so wichtig sei? Sollte es einst nicht lediglich die Zirkulation der Waren vereinfachen? Angesichts des gestauten, oder gar global abgeleiteten Geldflusses zweifelt König Kunde am Prinzip. Non olet. [deutsch: Geld stinkt nicht] Genau hier liegt der Fehler. Geld müßte nach Ablauf eines kurzfristigen Verfallsdatums unerträgliche Fäulnisdämpfe absondern. Es ist uns zur Urerfahrung geworden, daß materielle Güter nicht dauern, und der Volksmund versieht Bargeld noch immer mit diversen Bezeichnungen aus dem vergänglichen Alltag. Wir konzentrieren uns hier lediglich auf den Begriff „Eier“ und plädieren für die Abschaffung des bargeldlosen Zahlungsverkehrs und die europäische Einheitswährung: rohe Eier! [bayerisch Oier roh, was auch onomatopoetisch an den scheidenden Euro erinnert] König Kunde wird konsumieren wie nie zuvor, Handel und Industrie investieren, die Wirtschaft florieren. Der kleine Sparer, das Schreckgespenst der konsumierenden Überflußgesellschaft, und der Sparstrumpf unter der Matratze würden verschwinden. Mögen auch die Kühlschränke größer werden.

© Henri Hochofen 2003