Tagebuch von Henri Hochofen
Januar/Februar 2004
Donnerstag, 1. Januar 2004
Siegfrieds Frau wirkte überrascht, als ich läutete. Der prinzipientreue McEnroe gab mir den Rest. So saß ich denn auf meiner Regensburger Parkbank, zusammen mit Admiral von Schneider und Mr. Winterbottom, und erwägte ernsthaft, eine Flasche Wein zu öffnen, besann mich todesverachtend eines Besseren und kehrte unverzüglich in die bayerische Landeshauptstadt zurück. Natürlich mit der Bahn. Natürlich 25 Minuten Verspätung. Natürlich war es Wurscht. Nebeneffekt. Traumnovelle abgeschlossen. Nicht uninteressant. Trotzdem hab ich sie in meinen Kanon der in den nächsten 15 Jahren für Claudia nicht geeigneten Bücher aufgenommen. Assoziationskette. Schnitzler-Freud-Dr. Frasier Crane. Sein Bruder Niles Crane in der Folge Dinner At Eight: One of my patients had an amusing Freudian slip, he was having dinner with his wife, and he meant to say, „Pass the salt.“, but instead he said, „You've ruined my life, you blood-suckung shrew.“ Ein bißchen Bier im Kühlschrank, und ich wäre nicht aufs Tollwood gegangen. Wer kennt schon Lupe Velez? Karrierefrau von der Au ist Mutter geworden. Alle sind wohlauf. Claudia scheint eine Übernachtungsgelegenheit gefunden zu haben.
Freitag, 2. Januar 2004
Erstes Homeboy-Treffen im neuen Jahr. Im Prinzip sind die Homeboys nie allein, auch nicht der Hawai-Alo(h)a-Homeboy, der ungewohntes Interesse an den Empfehlungen der anderen Homeboys an den Tag legte. Bedürfnisstrukturen wurden analysiert. Einer pries den sich selbst regulierenden Markt. Und der Holy Homeboy konnte seine Enttäuschung nicht verbergen, daß diverse Lieblingskneipen nicht geöffnet waren. Der Homeboy, der als kleiner Junge beim Diener-Machen immer mit dem Kopf auf dem Tresen aufschlug, soll Privatdozent geworden sein. Und Claudia wundert sich, die Frauen-Bücher und -Journale schon wieder zurück zu bekommen. Versuche nun doch nicht, meine femininen Züge in ein helleres Licht zu stellen. Thôml richtet trotz allem Grüße an Reiner S. aus. Hoffentlich findet Reich-Raniccki nicht, daß er zuviel Kopf hat. Claudia meint beim Frühstück, wegen meiner Einschlafprobleme solle ich zu einem Therapeuten gehen. Ich erzählte ihr wie so oft, daß mir Sex mehr helfen würde. Sie verstand den Wink nicht. Das Gespräch eskalierte. Ich solle es doch mal mit Sport versuchen. Beim Stichwort nächtliche Masturbation verließ ich die Küche. Mein Chef würde sagen, wir hätten ein Kommunikationsproblem. Sie vielleicht. Arbeit stressig. Keinen Schluck getrunken. Bin mittlerweile der einzige Homeboy, der sich noch an die am-dritten-Abend-muß-alles-klar-sein-Maxime hält.
Samstag, 3. Januar 2004
Reiner kann nicht von den Vorteilen einer ballaststoffreichen Kost überzeugt werden und bestellt weiterhin nur Pommes. Raubt mir meine bürgerliche Existenz durch unnötige Hinweise auf mein virtuelles Wirken. Habe von keinen verbotenen Früchten genascht. Mich lediglich über Apfelbäume informiert. Wollte einer Verklärung des Informatikstudiums keinen Anschub geben. König Ludwig is back. Sir Tôbias, dieses Jahr mit Hut, wollte es mal wieder wissen. Ob Beischlaf ohne Sex möglich sei. Zwei Nicht-Heteros lernen Reiner kennen. Das Feuerzeug mit den Strandmädchen war nicht von mir. Homeboy Junior wird von Papagena in die Kunst des Blind Date eingeführt, strapaziert ein Achternbusch-Zitat, identifiziert Skorpione und zweifelt am Mondkalender. Papagena läßt Tristan und Isolde ausfallen. Schon wieder jemand aus Regensburg, der sich an nichts mehr erinnern kann. Die zweite S-Bahn nach Dachau fährt um 6:18 Uhr. Claudia hat mir Baldrian aufs Nachtkästchen gelegt. Homeboys sollten sich den Montag Abend freihalten. Storm. Hauke Haien läßt sich einen goldenen Ring schmieden.
Sonntag, 4. Januar 2004
Böser Scherz mit einem Homeboy, der leider nur homeboyintern ausgeschlachtet werden darf. Sogar Claudia amüsierte sich. Zwei Homeboys krempeln die Ärmel hoch, irren durch das Optimolgelände, werden aus Volumengründen an der Milchbar abgewiesen und landen in einem der weniger elitären Clubs. Der eine Homeboy meinte, am Tresen könne etwas geknackt werden, worauf der andere dort eine Variation von Heidi Klum bemerkte, was dazu führte, daß sich keiner der Homeboys einen Korb holte. Mögen Leute behaupten, daß man sich Niederlagen schön reden könne. Ich aber sage (euch), die Homeboys haben heute eine Marke gesetzt und die totgeglaubte Disco wiederentdeckt. Even I was dancing. Nach Jahren der Askese. Der Supermann-Homeboy geht am Nachmittag mit der dicken Sonja in die alte Pinakothek. Herpes. Inkubationszeit 10-14 Tage. Zurückgerechnet. Die Weihnachtsküsserei zu Heilig Abend. Claudia rät zu Eiswürfeln und Zahnpasta. Ich weiß gar nicht, ob wir den richtigen Mond dafür haben. Registrierte bei der hübschen Apothekeuse einen leichten Anflug von Schadenfreude. Frischer Pulverschnee. Leise Zweifel. Carpe diem. Aber auf welche Weise? Tagesthemen-Wettermann erinnert an Guido Westerwelle. Junior und Number Four behaupteten mit hundertprozentiger Sicherheit, daß der Christa-Wolf-Roman Nachdenken über Christa W., und nicht Nachdenken über Christa T. hieße. Habe den Titel in meiner Sammlung-Luchterhand-Ausgabe umgehend korrigiert.
Montag, 5. Januar 2004
Schonung. Was die Schnäpse und Evelyn angeht. Raskolnikow Number Four steht kurz vor einem Geständnis. Vieles spricht für das zweite Homeboy-Treffen 2004. Ist doch der Januar seit jeher der Monat der Klausurtagungen und Dreikönigstreffen (Spiegel Online). Motto Homeboys United. Ein Maskenball wär mir heute lieber. Oder ein falscher Mosi-Bart.. Hauke Haien mittlerweile Deichgraf und verheiratet. Aber auch wenig Sex.
Dienstag, 6. Januar 2004, Heilige Drei Könige
In der mexikanischen Bar am Vorabend schien alles noch in Ordnung, Erzählte alles, was ich wußte. Über Junior und die dicke Sonja. Number Four wurde von Papagena mit Sir Tôbias verwechselt, welchen sie bisher ja nur mit Hut gesehen hatte. Eigentlich hätten uns die empörten Früh- und Mittvierziger vor dem Betreten von Münchens größter Ü-30-Party bewahren können. „Des is a Frechheit, gehts gor net erst nei, keine Garderobe!“ Dann hatten wir das Billet in der Hand und es war zu spät. Der Reißer-Homeboy sucht nach bekannten Gesichtern, bewegt sich mühsam vor- und rückwärts, macht unter anderem auch Ruth-Maria von F. ausfindig, während wir anderen uns auf die Füße traten und irgendwelchen Kulturschlampen nachsinnierten. Dabei sein. Erinnerungen an einen lauen Abend im Irischen Frühling inspirierten den Holy Homeboy noch zu weiteren Aktivitäten. Die Auslösefaktoren meines Herpes hatten mich bereits so sehr geschwächt, daß ich mich willenlos in alles fügte. Immerhin bekam ich noch Gelegenheit zu einer kleinen Sprechrolle. „Wo gehts'n ihr hi?“ Die Zeichen standen eigentlich schon auf „Essen gehen“, wenn uns da nicht eine Frau nach dem Weg zu diesem megageilen Club im Gärtnerplatzviertel gefragt hätte, bei dem uns fünf Minuten vorher mehr oder weniger der Einlaß verwehrt wurde. Déjà vu. Sie legte ihren Arm um Junior, der Türsteher fragte, ob dieser denn ein Lieber sei und deutete an, sich after party mehr um ihn zu kümmern. Wer den Eintritt bezahlen mußte, für unsere neue Schwester und Cousine? Don't ask. Why not living in Berlin, where I can go home, when I'm tired. With public transport. Freue mich auf einen gemütlichen DVD-Abend mit Claudia.
Mittwoch, 7. Januar 2004
Kürzer treten, Prioritäten neu setzen. Vielleicht doch wieder Claudia umwerben. Das Gute ist so nah. Froh, nicht über den Schimmelreiter referieren zu müssen. Unklare Bauchschmerzen. Reiner kritisierte unlängst, meine Leiden zu breit zu schildern. Aber mir ist nun mal so schlecht. Kein Abusus. Kein Fisch. Nichts Es sei denn, der Körper geht zwei-drei Tage zurück. Nicht kollabiert. Erstaunlich eigentlich. Claudia herzlos. Sie könne mich nicht täglich pflegen. Wenn sie erstmal mein Alter erreicht hat. Nicht mal einen Tee setzt sie zu. US-Behörde verbietet Schlangstehen vor Flugzeug-Toiletten. Erwarte mir von Elite-Unis hierzu innovative Problemlösungsansätze. Davon könnten auch die Ü-30-Parties profitieren. Mit Homeboy Juniors Buchvorschlag begonnen. „Der grüne Heinrich muß gelesen werden!“ Reiner sammelt weiter Indizien im Zusammenhang mit dem elften September. Premiere für das Traubenkernkissen.
Donnerstag, 8. Januar 2004
Ausgerechnet in diesem Zustand taucht Primavera wieder auf. Ich trug es mit Fassung. Frau von F. hatte auf der Ü-30-Party einen ganz lustigen Abend, und Silvester in Paris war auch berauschend. Es ist wie bei Dr. Frasier Crane nicht mehr zu leugnen. I am middle-aged. Heinrichs Postwagen fährt durch ein großes ansehnliches Dorf, wie sie in der flachern Schweiz häufig sind. Hätte vielleicht nicht so jammern sollen. Claudia läßt mich einen Organspendeausweis ausfüllen. Nicht genug. Fand kein Organ/Gewebe, das ich guten Gewissens weitergeben könnte. Außer zur klinischen Forschung.
Freitag, 9. Januar 2004
Will mich Claudia mit Zynismus bezirzen? Widerstandskräfte wachsen. Bin aber noch nicht überm Berg. Chef konstruiert eine Akten-Rutschbahn. Es kommt neue Arbeit auf Verschwörungstheoretiker Reiner S. zu. Bush will bemannten Mars-Flug verkünden. Fast eine Gelegenheit. Bei der, von der ich den Namen nicht weiß.
Samstag, 10. Januar 2004
Reiner S. erwartet nicht, daß wegen der Marsgeschichte jemand in Dallas erschossen wird. Ansonsten eine Lebensgeschichte aus dem Osten der Republik gehört. Und ein Plädoyer für Al Bundy und amerikanische Action-Filme. War richtig erfreut, daß sich der lauschige kleine Italiener als Bella Italia entpuppte. Anschließend im Homeboy-Café Nr. 1., wo nach dem Schichtwechsel nicht abkassiert wird. Der Typ nebenan meinte, ab 30 sei alles vorbei. Es muß an diesem creative writing course liegen. Ihren zuletzt gezeigten Biss hat Claudia jedenfalls nicht von mir. Auf der Suche nach Feuer hab ich bemerkt. Sie schreibt einen Essay auf Englisch. Titel so ähnlich wie the impossibility to be excentric, exhibitionistic and egocentric without losing your friends. Nur ein Heliozentriker würde dies nicht auf mich beziehen. Für meine Verhältnisse phantastisch geschlafen. Road-Movie-Traum. Mit dem Taxi durch den Freistaat. Number Four. Et iste in Arcadia. Irgendwo zwischen Abruzzen und Rom. Wenn es jetzt auch an die Witwen-Renten geht, eröffnen sich für einige Homeboys neue Chancen.
Sonntag, 11. Januar 2004
Apocalypse now. Director's Cut. Reiner was here. Eine Kulturschlampe neben der anderen. Doch Holy Homeboy war nicht auf dem Posten, was zu wüstesten Spekulationen Anlaß gab. Im Homeboy-Pub Nr. 17 hat Reiner die rechte Seite nicht dicht gemacht, was uns strategisch ins Hintertreffen brachte. Wir konnten uns vom 0-1 nie mehr richtig erholen. An der andern Ecke wehten zwar blonde Haare im Wind und eine Bluse aus einem andern Jahrzehnt. Trotzdem war es Zeit für Varasdin. Sogar Lennon konnte überredet werden. Vielleicht hat sie mich an die erste Rothaarige erinnert, die ich je begehrte. Ihre Stationen Deggendorf, Otto, Regensburg, Alte Filmbühne, München, Varasdin. Krankengymnastin. Ich ließ mir meinen Bechterew nicht raushängen. Meinen alten Wirt hätt ich nicht erkannt. Und selten in den letzten Jahren schlug in der Brust das Herz mir Csárdás her und hin. The good ones are already taken. Reiner meint, Claudias zuletzt gezeigter Putzfimmel, ja, die Küche ist geputzt, resultiere aus unterdrückter Sexualität. Er liest gerade Machiavelli, vielleicht wär Claudia wirklich was für ihn. Heinrich schildert breit seinen Werdegang, wir haben immerhin bereits den ersten Schultag hinter uns. Ein bißchen Freud-Sekundär-Literatur. Ein suchtverdächtiger Leser unterschätzt die Verbreitung von Triebverzicht und Askese.
Probleme mit IP-Telefonie.
Montag, 12. Januar 2004 (Made in the European Union)
Süß und unschuldig geträumt. Vorhaben Sublimation gescheitert. Mit Joggen auf Kriegsfuß. Kann mich nicht aufraffen. Bin eher ein Typ für Sex und Badminton. Aber beides hängt mehr oder weniger von Claudia und Konsorten ab. Asiatischer Kollege wundert sich über mein Sicherheitsbedürfnis. Jobkiller Rabatt. Sokrates ist ein Mensch. Dreiteiliger Artikel über Mehmet Scholl bei Spiegel-Online. Fast geweint. Simone mit guter Zensur. Der Chef meint, wenn es mir im neuen Job nicht gefällt, ich könne immer zurück. Der verlorene Sohn. Übrigens eines jener Gleichnisse, die Heinrich Lees Mutter nicht so gut gefallen haben wie zum Beispiel die Speisung der 5000. Walmart würde so ein Wunder mit 4999 anpreisen. Hormone pendeln sich ein. Aufregungen des Jahreswechsels legen sich.
Dienstag, 13. Januar 2004 (Gerda weniger stürmisch als erwartet)
Fünfzehn Minuten TV-Morning-Standup-Walking. Frühschicht. Claudia meint, meine Einträge seien widersprüchlich. Beispiel gestern. Gescheiterte Sublimation, sich einpendelnder Hormonspiegel. Widerlegt das Morgenrot den Sonnenuntergang? Pinakothekbesuch XII. Moderne. Wieso sind die Baselitzschen Orangenesser verkehrt aufgehängt? Hat Jesus auch Orangen gegessen? Lieblingswerk. Im Schaufenster oder Abstellraum. Weiße Gipsfigur an grünem Tisch. Schmutzige Gedanken hinter diesem Vorhang im ersten Stock. Es war dunkel, wir waren allein und sie wirkte nicht schüchtern.
Mittwoch, 14. Januar 2004 (Clement denkt über Privatisierung der Autobahnen nach)
Der junge grüne Heinrich tötet ziemlich viele Tiere. Claudia guckt Ich bin ein Star, holt mich hier raus! Dschungelprüfungen erinnern mich an 1984. Hätte mir Moderation und Darstellung niveauloser vorgestellt. Gibt es eigentlich eine EU-Richtlinie gegen gen-manipulierte Prominente? Mit Hans-Olaf Henkel, Jürgen Trittin und ähnlichen Paaren wäre die Show etwas reizvoller. Holt uns hier raus, wir wollen zu Sabine Christiansen! Auf der Autobahn Ratiopharm kommt ihnen zwischen den Ausfahrten Ikea und Allianz-Arena ein Fahrzeug entgegen. Muß Reklamation für die Bezügestelle formulieren, ob es sich bei der überwiesenen Netto-Summe von ca. 72 Euro um ein Versehen handle. Was ich hoffe. Ansonsten ein illusionsloser Morgen. Trotz zweier Sonnenstrahlen. Claudia nimmt zwei Aspirin. Nicht der richtige Zeitpunkt, dieses erhöhte Bauchspeichel-Krebs-Risiko zur Sprache zu bringen. Number Four scheint in Italien den Frühling abzuwarten. Wo die Zitronen blühn. Bin beim Einarbeiten einer neuen Kollegin ungeduldig. Noch gilt es ein paar Projekte abzuschließen. Papagena schlägt mir die Tür vor der Nase zu. Und Herr E. aus Straubing führt mich aller Voraussicht nach ins Schwabinger Kneipenleben ein.
Donnerstag, 15. Januar 2004 (Hochofen versäumt die letzte U-Bahn um drei Minuten)
Herr E. gewährt mir Einblick in seine Plattensammlung. Und in die Geschichte von Reggae und Punk. Seh mich schon in den Plattenläden stöbern. Noch nie so viele Brüste auf einmal gesehen wie in der Herrentoilette der Kneipe, in die mich Herr E. anschließend führte. Taxi nötig. Es sieht nach Diclofenac aus. Würde mein Leben gern ein bißchen langsamer drehn. Abspielgeschwindigkeiten auf Herrn E's CD-Player verstellbar. Wieso ziehen die Krankenkassen zum Quartalsbeginn nicht automatisch 10 Euro mehr ein und zahlen die Summe am Quartalsende an die Berechtigten zurück? Müssen erst das Rechts-der-Isar und mein Urologe überfallen werden?
Freitag, 16. Januar 2004 (Beagle von Spirit überfahren)
Der Spiegel ist Reiners Homophobie auf der Spur. Nackten Männern das Auto geklaut. Claudia hat diesen lasziven Blick. Und trinkt grünen Tee statt Kaffee. Es kommt Sturm auf. Beischlafwahrscheinlichkeit 75 Prozent. Sage alle angesetzten Blind Dates des Wochenendes ab. Kommunikationsproblem in der Arbeit, diesmal nicht mit dem Chef. Klo verstopft. Claudias Tampon. Turnt ab. Papagena bleibt dem Ü-30-Genre treu und will mir den Schwarzen Peter zuspielen. Reiner baut auf meine Beziehungen. Wir machen alle Fehler. Eben noch den Blick auf die Ü-30-Party. Und jetzt eine E-Mail von einer Siebzehnjährigen. Das nächste Dunkle geht auf sie. Hoffentlich entscheidet sich Klose für Werder. Überlasse Claudia den Klempner. Und geh mit einer Ex-Freundin essen. Wahrscheinlichkeit bleibt unverändert.
Sonntag, 18. Januar 2004 (Popeye wird 75)
Junior gönnt sich mal wieder ein Bierchen. Reiner hackt so schnell nicht mehr auf Herpes rum. Und Luke Ullus, vermutlich ein getarnter Homeboy, wittert ein Gelage. Aber am Freitag blieb alles im Rahmen. Stand doch gestern ein Baby-Besuch an. In der Oberpfalz. Wieder einmal konnte ich meinen reichen an den Homeboy-Babies gewonnenen Erfahrungschatz weitergeben. Sternstunden der Pädagogik. Ein Kind lernt laufen. Sie, Ärztin, sieht in meinem Stadium keine Alternative zur Operation. Antike Möbel von 1920, eine geniale Ausziehtisch-Mechanik. Er, Lehrer, vor der Geburt unausgelastet, entwirft und konstruiert eine pompöse Wohnzimmer-Couch, hat aber Probleme mit der Motorhaube der Schwiegermutter. Mittlerweile leidet auch diese junge Familie an chronischem Schlafmangel. Der K.O. ereilt sie kurz vor Mitternacht. Die Polenta war noch warm. Nicht das Mama-und-Papa-Kind verkürzte die Nacht, sondern das mutmaßlich absichtlich in meinem Gemach versteckte schnurlose Telefon signalisiert mir ab fünf Uhr früh hartnäckig und lautstark, daß es schlecht um seinen Ladezustand stünde. Im idyllischen Schwandorf mit seinen beiden Doppeltürmen endet das Abenteuer. Ohne Spinatlasagne. Abstecher nach Niederbayern. Morgen wieder im Einsatz. Als Flughafentaxi 1705. Ein beheizter Pool in Gran Canaria. Simone im Prüfungsstress. Und Papagena findet Baby-Besuche süß. Nicht wenn ich komme. Nächstes Opfer. Karrierefrau von der Au.
Montag, 19. Januar 2004 (A 92, zwischen Wörth und Landshut Nord, 4km Stau wegen Unfall)
Erzfeind des grünen Heinrich vom Turm gefallen. Homeboy Number Four droht für morgen Comeback an. Hat genug von der vita contemplativa. Schön wie sich die Allianz-Arena, die ein Wunschkind war, entwickelt. Primavera macht sich rar. Claudia hat Rucola gekauft. Als das Kind Kind war. Hatte es auf jedem Berg die Sehnsucht nach dem immer höheren Berg. Lange nicht mehr an den Himmel über Berlin gedacht. (Vorher ein Tippfehler: Himmler über Berlin) Der Film, bei dem Claudia eingeschlafen ist. Im Kino. Diese Babybesuche. Mein Mitgefühl bringt mich noch ins Grab. Reiner neigt zu Idolatrie. Der grüne Heinrich wird von Klassenkameraden verpfiffen. Und ein Leser diagnostiziert bei mir Hybris, angesichts meiner vielen Leiden und Heimsuchungen. Schon wieder was Unheilbares.
Dienstag, 20. Januar 2004 (Gerster-Uhr läuft ab)
Harald Schmidt Wiederholungen haben begonnen. Ohne Nathalie trink ich kein Schöfferhofer Weizen mehr. Simone lernt mit einem poetischen Kommunisten Biologie. Claudia spricht mir ein bißchen viel von Babies. Die letzten Tage. Hoffentlich verläßt sich Detlev nicht auf Persona. Hat nichts mit Warmhalten zu tun. Klingt so abwertend. Eher nenn ich sie mein As im Ärmel. Eine unruhige Nacht wie diese. Im April. Und ich bin einer von ihnen. Ein Acht-Stunden-Zombie. Der grüne Heinrich wird an Verwandte abgeschoben. Hitzfeld verändert ein paar Parameter. Sehe goldenen Frühling. Primavera lächelt wieder. Zögere einen fälligen Arztbesuch hinaus. Number Four müßte schon auf dem Brenner sein.
Mittwoch, 21. Januar 2004 (Lisa Fitz VorCosta, aber nur Zweite)
Mag Lisa Fitz auch ihre öffentlich-rechtliche Fernseh-Show verloren haben. Verhungern wird sie nicht. Claudia mußte sich übergeben. Bezügestelle hat noch nicht gehandelt. Operation Kulturschlampen. Besorge mir heute den Volkshochschulkatalog. Der Ex-Chef meiner Kassiererin muß einen trockenen Humor gehabt haben. Er habe über Sachen gelacht, die sie für traurig befand. Supermarkt-Filialleiter. Vielleicht wär das was für mich. Heinrich und Anna wechseln ihre Taufnamen. Obwohl es noch nie regnete.
Donnerstag, 22. Januar 2004 (Franz Josef Strauß ruht weiter in Frieden)
DFB beantragt Verlängerung der Halbzeitpause, Claudia hätte nichts gegen ein Vorspiel einzuwenden. Der Zuschauer benötigt mehr Zeit am Würstlstand. Wenn wir 99 Prozent aller Würstlstände schließen, veranschlage ich für die benötigte Pausenzeit 120 Minuten. Von Claudia geträumt. Nichts Erotisches. Zum neunten oder zehnten Mal im noch jungen Jahr stellt mir der Boss, gerade als ich gehen wollte, jemanden zur Schulung ins Büro. So komm ich nie mehr in die Pinakothek. Der chinesische Kollege fehlt wegen des beginnenden Jahres des Affen, der ägyptische Kollege wegen des Pilgerfestes. Nur ich warte auf den Feierabend. Demnächst wird der EU-Gerichtshof befinden, der Mauerfall sei rechtswidrig gewesen. Wieviel Sympathie ich für Claudia hege, kann nur der ermessen, der weiß, welche anderen Zeitgenossen ich hier verschweige. Teils aus rechtlichen Gründen, teils, um sie möglichst schnell zu vergessen. Annas Vater, der Schulmeister, wußte auf der Beerdigung von Lees Großmutter, väterlicherseits, Jeder noch zu sagen, was sie vor dreißig Jahren gern gehört. Scheiß-Ü-30-Parties. Spiegel Online, Chefs wegmobben. Hoffentlich kommt da kein Homeboy auf dumme Gedanken.
Freitag, 23. Januar 2004 (Dialysepatienten sollen Fahrgemeinschaften bilden)
Ulla Schmidt macht weitere Einsparungsvorschläge. Warum nicht gleich Wohngemeinschaften? Außerdem sollten sich Unfallopfer besser absprechen, zwecks besserer Belegung der Rettungsfahrzeuge. Bei meinem heutigen Traum muß mein Über-Ich geschlafen haben. Seit gestern Magnesium und Eisen. So früh einsetzende Wirkung? Kälteeinbruch. Wurde zum Kartoffelschälen beordert. Claudia erwartet Gäste.
Samstag, 24. Januar 2004 (Sensationelle Mars-Fotos)
Waage-Löwe kann nicht mit Skorpionen. Number Four, der seinen Aszendenten nicht kennt und den Braten roch, bewahrt mich vor Homeboy-Notruf. Wenigstens wurde sein Auto nicht gestohlen. Claudia sorgt sich um seine Gesundheit. Erkältungsgefahr. Er macht mich auf drei mir bisher verborgen gebliebene Wortspiele aufmerksam.
- Nero Burning Rom
- Latex- Eine Einführung
- B. Langlos
Weiter Spekulationen um Junior. Keine Zigarette seit sieben Tagen. Nicht mal im Homeboy-Café Nr. 1, in dem die, wie K. sagen würde, leicht anämische Bedienung ausnahmsweise lächelte. Der Grüne Heinrich identifiziert sich mit dem Sinnspruch.
Widersacher, Weiber, Schulden
Ach kein Ritter wird sie los!
Homeboy-Schicksal.
Euroindustriepark. Zwölf Liter Soja-Milch, Cornflakes und Müsli. Ein Mann gibt nicht auf. Hoffentlich hat mich niemand beim Rückwärts-Einparken beobachtet. Ohne Diclofenac erstaunlich fit. Das Magnesium? Oder Eisen? Masturbation ist keine Lösung. Zumindest wenn man sich selbst so wenig lieb hat wie Reiner, der im übrigen zu viele Interviews liest. Und wie er hinzufügt. Zu viel Tagebuch.
Sonntag, 25. Januar 2004 (Scheherazade neu übersetzt)
Reiner mußte sich im Café Mozart erst eingewöhnen und macht von Berichterstattungs-Veto-Recht Gebrauch. Herrlich winterliche Verhältnisse. Sturmfreier Number Four leistet uns humoristischen Beistand. Genießt die neue Matratze. Und hat den Taugenichts bereits nach drei Seiten durchschaut. Tôbias darf man nicht mit den Akten, die ich grade wälze, in Verbindung bringen. Heiterer Diskurs mit dem Taxifahrer, warum wir die hübsche Dame an der Maximiliansstraße, nach ihm eine Art Nutte, nicht ein Stück mitgenommen haben. Ließ mich an der DVD-Videothek absetzen. Fingerscan funktioniert. Nach gestrigem Minority Report heute Bourne Identität. Claudia zuliebe. Potente so süß. Kein Homeboy will jemandes Feen- und Elfenwelt zerstören. Zwölf Stunden später. Doch Probleme mit Fingerscan. Mein psoriasitisch fast stündlich wechselnder Fingerabdruck überfordert das System von Cinebank. Mensch gegen Maschine. Mein Kampf mit dem DVD-Ausleih-Automaten nimmt Polizeipräsident-Pilchsche Züge an. Und bei jedem „Schrammel“ funktioniert 's. Den zur Zeit vergangenheitsbewältigenden Reiner lassen entgangene Wortspiele keine Ruhe.
Montag, 26. Januar 2004 (Hochofens Diclofenac-Hauptlieferant Aventis von feindlicher Übernahme bedroht)
Lottzahlen rund um Ex-Freundinnen bringen kein Glück. Seit zehn Wochen nicht mal drei Richtige. Erstes Cornflakes-Müsli-Sojamilch-Frühstück. Claudia faßt an meine Stirn. Kein Fieber. Heinrich Lee dachte sich alle Mädchen als eng verbündet und gleichsam Eine Person, mit welcher man im Ganzen gut stehen müsse, wenn man ein Theilchen gewinnen wolle. Sollte es bei ihm mit Anna klappen, werd ich darüber nachdenken. Guido macht Werbung für die Deutsche Krankenversicherung. Und ich dachte, das Projekt 18 wäre tot. Claudia weiß, was mir fehlt. Wenn sie nur wieder. Ein bißchen Marihuana. Wie früher. Alles wäre leichter.
Dienstag, 27. Januar 2004 (Vögel in Asien, Vorsicht vor dem Supervirus)
Monotonie des Morgens. Lohn immer noch nicht überwiesen. Herr Schnäbele kümmert sich persönlich drum. Mir fehlt die Geduld für den Lehrer-Beruf. Hochofen nicht zu ersetzen, da kann die Journaille schreiben, was sie will. Zwingli, der Schweizer Reformator, besiegelte, wie Heinrich Lee meint, sein Wirken mit einem schönen Tode auf dem Schlachtfeld. Erinnert mich an einen ehemaligen Kollegen, der fand, einen Weltkrieg sollte jeder mitgemacht haben.
Mittwoch, 28. Januar 2004 (Bundesregierung kämpft für Hochofens Diclofenac-Produzenten)
Claudia hat die letzten Wochen zu oft Recht behalten. Wenn nicht zu viele warten, such ich mir vor der Arbeit einen Hausarzt. Den Tod auf dem Schlachtfeld würde ich in der Tat dem auf dem OP-Tisch vorziehen. Wartesaal voll. Werte dies als hohe Überlebensrate und Wiederkehrerquote. Termin morgen 9:00 Uhr. Primaveras Lächeln holt mich wieder runter von der Palme. Psychiatrisch auffällige Menschen brauchen Leute, die auf sie eingehen und nichts fordern, das sie nicht mehr leisten können. Hat mein Analytiker mal gesagt. Plural von Abkürzungen wie DVD war mir bisher unklar. Unzufriedenheit macht sich breit. Chips-Packung von Lidl eindeutig zu groß. Mir ist schlecht. Stolpe sammelt noch ein Jahr ganz toll Kollekte. Reiner, Schnauze.
Donnerstag, 29. Januar 2004 (Verkehrsbehinderungen im ganzen Bundesgebiet)
Zwei Schmerzen ach in meiner Brust. Kein Diclofenac. Um keine Symptome zu überlagern. Peile beim Homeboy-Klassiker-Rodeo auf dem Grünen Heinrich, Gestüt Keller, eine überdurchschnittliche Marke an, unter der Annahme, daß Number Four sich nicht lange halten könnte. Wie schon Junior. Am Dienstag gehts zum Spezialisten. Claudia faselt von Gerechtigkeit, schließlich hätte ich in meinem Programm einen bösen Gag über diese Materie vorgetragen. Gerechtigkeit?! Wenn ich alles bekäme, worüber ich mir den einen oder anderen Scherz erlaubte. Dann hätte ich viel häufiger Sex. Vier-Augen-Supervision in der Arbeit hinter verschlossenen Türen. Junior wieder Willkommen im Club. Nun ranken sich die Gerüchte um den zeitlosen Homeboy Number Four.
Freitag, 30. Januar 2004 (Bush stockt sein Heer auf)
Statistisch gesehen wird der Kandidat mit dem meisten Hair zum Präsidenten gekürt. Sehr gut geschlafen. Claudia schreibt schon wieder was. Vier-Personen-Stück, bestehend aus Dr. debil., Dr. labil., Dr. habil. und Dr. missphil. Hoffe, es ist keine Parabel auf die Homeboys. Bin so gut gelaunt, ich sollte gar nicht außer Haus. In this material world. A propos. Januarlohn immer noch nicht da. Hab einen nach der Pfarrei St. Georg suchenden Passanten zu St. Lantpert geschickt. Tägliches Salat-Anmachen nervt. Bei Telefonsex kann schon mal ein Gerät kaputt gehen. Reality-Wortspiel des Tages kommt von einem Leser. Übrigens ist Junior jetzt wieder telefonisch erreichbar.
Samstag, 31. Januar 2004 (Fußballbundesligastart)
Nur ein Homeboy an der Front. Wir anderen brav im Homeboy-Café Nr. 1. Out of Rosenheim. So dick ist Sonja nun auch wieder nicht. Funktionärs-Homeboy liest wieder. Ansonsten Real-Romantik. Saturday Night. Zu Hause. Auch die Karrierefrau von der Au kann sich dem pluralis maternalis nicht entziehen. Trainiere mein E-Mail-Programm zur Junk-Früherkennung. So lassen sich zum Beispiel Reiners ungenügend kommentierte Links zu Online-Magazinen schon vor dem Öffnen eliminieren. Wenn ich morgen vormittag mit einer Freundin von Claudia spazieren gehe, rechne ich mir hinterher gute Chancen aus. Militat omnis amans. Bayern patzt schon wieder gegen den Tabellenletzten. 24 Indigo, ich sag nur Derek Wilder, veröffentlicht Hörproben.
Sonntag, 1. Februar 2004 (Handballeuropameisterschaft)
Zwei Münchner Seen erfolgreich umrundet. Schnitzel in Schwabing. Juniors Sisal-Teppich ruiniert. Reiners Herz schlägt nicht für Wortspiele. Eher ein Mann für Elfen und Feen.
Montag, 2. Februar 2004 (Costa Cordalis kennt die Gesetze des Show-Business)
Und Caroline Beil dachte, nur an Lisa Fitz wäre nichts echt. Claudia meint, wenn man ein Online-Tagebuch führt, auch dann müsse man heutzutage etwas nachhelfen, um jung und gut auszusehen. Anruf im Morgengrauen. Der Chef. Eine Tabelle sei verschwunden. Wenn jeder Administrator-Rechte genießt. Übernachtungsgast hat Stiefel vergessen. Hole Eltern vom Flughafen ab. Abstecher nach Freising.
Dienstag, 3. Februar 2004 (BUND arbeitet Pläne für Al Qaida aus)
Claudia bietet an, mich zum Spezialisten zu chauffieren. Und zeigt wenigstens ein bißchen Mitleid. Man macht mir Hoffnung. Allerdings gibt mir der Arzt Dinge mit, die ich bei Beate Uhse in der Ecke vermuten würde, die mein Interesse weniger erweckt. Eine Art romantischen Pflichtgefühls war es, welche den Grünen Heinrich antrieb, Anna mit Judith zu hintergehen. Im Stile eines Homeboys. Herr E. am Wochenende DJ. Abschlagszahlung eingetroffen. Brauche mehr Ruhe.
Mittwoch, 4. Februar 2004 (Schröder hätte bei Studiengebühren nicht studieren können)
Neuer Elan. Mehr Zeit fürs Frühstück. Sollte ich mich während des Broterwerbs nicht zu sehr aufregen, plane ich anschließend einen Babybesuch bei der Karrierefrau von der Au. Ohne sein Studium wäre Schröder nicht Kanzler geworden. Her mit den Studiengebühren. Karrierefrau-von-der-Au-Filofax nach wie vor prall gefüllt. Geschäfte zwingen sie vielleicht zu Wohnsitzverlegung nach Turin. Klärte sie über Bisphenol A auf. 25 Minuten am Tivoli. Bayern schwimmt.
Donnerstag, 5. Februar 2004 (Statistikreform verringert Arbeitslosenzahlen)
Homeboy Number Four macht mich neugierig. Bayern ohne Witz, ohne Spielfreude. Hoffentlich hat Uli Plan B in der Schublade. Reiners Chancen auf die Stadionkarten am Sonntag stehen gut. Claudia leichenblaß, als sie mich schmerzverzerrt aus dem Badezimmer kommen sah. Sehnsucht nach der Vollnarkose. Höhensonnige radelnde Bassgitarre grüßt mich trotz allem. Scheint nicht schwanger zu sein. Number Four bekommt am Valentinstag das Ehrenzeichen der niederbayerischen Landsmannschaft überreicht. Der neue elektrische Tee-Kocher landet in der Rumpelkammer. Wenigstens klappt 's bei Reiner mit der Sublimation.
Freitag, 6. Februar 2004 (CIA-Chef Tenet hat nie behauptet, daß der Deutschen Telekom von seiner Seite ein Markenrechtsverfahren droht)
Homeboy Junior steigt in die Münchner Ballsaison ein. Hoffentlich weiß mein Arzt, was er tut. Reiner sammelt Informationen, um mein E-Mail-Programm zu cracken. Herr E. legt am Abend in der Maxvorstadt auf. Scheinbar klappt es mit Reiners Sublimation doch nicht so gut. Hat nur Ruth-Maria von F. im Kopf. Und Hinterlist für potentielle Opponenten. Die SPD lebt. Zumindest ein bißchen. Jetzt Münti in Sicherheit wiegen und einen Linken wählen. Vergesse glatt meine heutige berufliche Eruption. Reiner denkt auch an Claudia. Daß die Schnittmenge der beiderseits bekannten Frauen klein ist, könnte auch an den kleinen Grundmengen liegen.
Samstag, 7. Februar 2004 (Warten auf den nächsten Rücktritt)
Amüsanter Abend mit „DJ Empty Dancefloor“ (Name leider schon vergeben). Herr E. bemühte sich weitestgehend, kommerziell zu sein. Wunderkerzen. Keller-Experten. Blind-Date-Opfer. Und es bediente ein Typ Frau, der mir vor neun Jahren mal gefallen hat. Was sich nicht geändert hat. Aber auch nie etwas einbrachte. Number Four rät mir, Tee zu trinken. Claudia noch gar nicht zu Hause. Herr E. wirkte entsetzt angesichts meiner Zeche von 17 Euro. Wenn er wüßte, daß Junior der gestrige Abend über 200 Euro kostete. Zeit für eine Inventur. Welche Homeboys sind noch Single? Bremen gewinnt schon wieder in der letzten Minute. Druck auf Bayern wächst. Moderator liefert einen Fauxpas nach dem anderen.
Sonntag, 8. Februar 2004
Mit Ingo und Junior über eine Stippvisite im Homeboy-Café Number One nach Varasdin. Die Wahlmünchner Übersetzer waren von den leidenschaftlich vorgetragenen semantisch-idiomatisch-etymologischen Erläuterungen der beiden, lateinische Wurzeln im Bayerischen betreffend, so fasziniert, daß auch der Grüne Heinrich keine Melancholie aufkommen ließ. Höchstens weil der Kreisler-Liederabend auf das nächste Milbertshofener Stadtteilfest verschoben wurde. Seneca unvergessen. Homeboy Number Four und Junior verpaßten sich knapp. Auch Gertrud konnte Ingo, der das Fluchtachterl wie einen Schnaps handhabte, bei seinen Eigenräumen und Matrizen nicht weiterhelfen. Und Junior schickt um drei Uhr morgens noch einen Schüttelreim, der vermutlich wie beinahe alles kreative Schaffen die persönliche Lebenssituation des Autors widerspiegelt.
schüttelreim zum cybersex
(sent by homeboy junior)
There are seldom nice chats
in the worldwide Scheißnetz
Hielt wieder mal ein Plädoyer für Ansichten eines Clowns. Wenn einem süßer Weltschmerz schon als Kitsch ausgelegt wird.
Sogar der Jurist aus Varasdin wurde im Stadion gesehen. Eisiger Wind. Bayern sorgt erst mal für Ruhe. Gegen Real hätten wir 3:7 verloren. Da staunten Ingo und ich noch über Juniors Schüttelreim, bis uns ein Leser auf dessen Quelle Gisbert Amm verwies.
Montag, 9. Februar 2004 (Jack Nicholson: Es gibt wenig Filmstoffe, die ehrlich sind und trotzdem lebensbejahend.)
Gilt auch für Tagebucheinträge. Entscheide mich heute zu Ehrlichkeit. Leidend von oben bis unten. Für den Nacken gibts wenigstens Diclofenac. Kann kein Müsli mit Weizenkleie mehr sehen. Frühstücke seit zwei Stunden. Muß spätestens um eins im Büro sein. Und im Küchenradio Bayern Eins. Claudia wird aus meinem Traum nicht so recht schlau. Mehr oder wenig gut Bekannte werden von mir in einem geliehenen Wagen irgendwohin gefahren. Ich steig „kurz“ aus. Da gerate ich in eine Beerdigung. Musik. Kutsche. Und Herren mit Zylinder. [Claudia sieht hier ein Pensis-Symbol] Das Ganze muß länger gedauert haben, als beabsichtigt. Als ich zum Wagen zurück kam, fand ich nur noch die Karosserie vor. Auf der Straße führte eine Spur von zerlegten Einzelteilen nach mehreren Kurven in eine menschenleere Hochhaus-Allee. Ich rufe den Namen des mir vertrautesten Fahrgastes. Und wache auf. Seit fünf Tagen keine Chips. Kochsalzarme Kost. Hilft. Sagt Claudia. Reiner scheint bei der Suche nach einer Urlaubsbegleitung bereits fündig geworden zu sein. Ohne finanzielle Interessen.
Dienstag, 10. Februar 2004 (Nur drei Prozent der deutschen Frauen lassen sich mit ihrem Chef ein)
Karriere keine Alternative. Kampf gegen die Verwaltung, Teil zwei. Nichts Neues von der persönlichen Gesundheitsreform. Ungewöhnlicher frühmorgendlicher Frohsinn von Homeboy Nr. 4. „As lebm is wia a dram“ Nein. S'Lebm is wia a U-Bahn. Lieblingsbild bei Pinakothekbesuch XIII, Alte. Tintoretto, Vulkan überrascht Venus und Mars. Weil ich schon länger nicht an Sex dachte. Annas Sargbauer erzählt dem Grünen Heinrich von der mächtigen Hansa. Solange Fortschritte erkennbar sind, keine Auflehnung gegen Claudias Diätplan. Jetzt auch abends Weizenkleie.
Mittwoch, 11. Februar 2004 (Kanzler für Rat am Telefon empfänglich, aber nicht für öffentlichen)
Schon wieder Schnee. Diesen Morgen Claudia so gut gelaunt. Angeblich wegen Bayern Alpha. Argumente für einen Fernseher. Verblüfft mich mit wunderschönen Details der Vorgeschichte des Trojanischen Krieges. Indessen lebt der Grüne Heinrich bereits seit zwei Jahren im Künstlermilieu der deutschen Hauptstadt. Vielleicht kam das Vollkornbrot noch zu früh. Friedfertig. Geschwächt. Claudia sexy. Immer das Gleiche. Wie gewöhnlich abweisend. Vereinbart Blind Date für mich. Morgen. Danke. Waschtag. 30 und 60 Grad. Fünf Sekunden zeitversetzte Oscar-Übertragung. Armes Amerika.
Donnerstag, 12. Februar 2004 (Emissionspoker: Hochofen bekommt kein CO2-Zertifikat)
Erwäge, mich beim Blind Date von einem Homeboy vertreten zu lassen. Wenn noch einer Single sein sollte. Man weiß so wenig. Die Freunde des Grünen Heinrich schlagen auch im Februar zu. Fasching. Im Chemie-Unterricht wird scheinbar gerade wieder die Herstellung von Roheisen durchgenommen. Claudia hat viermal versucht, bei Neun Live durchzukommen, und anschließend den Speicherplatz in der Fernbedienung gelöscht.
Freitag, 13. Februar 2004 (Kein deutsch-französisch-britisches Triumvirat)
Blair und Chirac haben sich informiert, was aus der Troika Schröder-Scharping-La Fontaine geworden ist. Blind Date brachte nichts ein. Wenn Homeboy Number Four mich und Claudia um halb acht morgens aus dem Bett klingelt. Wonach sieht das aus? Morgen mehr.
Samstag, 14. Februar 2004 (Valentinstag)
Mein Be my valentine, Claudia wurde abgelehnt. Homeboy K. hält Vortrag über das gigantische niedersächsische Kanalsystem. Hochgeachtetes Publikum. Büchner und Nietzsche waren drin. Ein für Homeboy K. charakteristischer Verneiger, diesmal vor der Gemahlin. Und viel Spaß im Labor. Buffet und Bankett. Man traf sich. Man sieht sich. Aber dies ist ein weites Feld. Eben noch in Hannover. Und abends schon in Varasdin. So klein ist die. Ja, genau die. In Niederbayern kennt jeder jeden. Auch ein weites Feld. Junior und der exitus praecox. Der Grüne Heinrich, Oblomow, Resi, Die Wände. Der Homeboy, der nicht alleine ging, wirkte angesichts normalen Single-Homeboy-Gebarens gereizt. Obwohl nur mit Bällen jongliert wurde, die er selbst ins Spiel brachte. Bin kein Freund von aggressiven Abgängen. Die anderen Homeboys lammsfromm. Oddset. Setze auf Frankfurt, Hannover, Hertha und Bayern. Alles oder nichts. Es kam anders. Plädiere für Teamcheffe Effe. Jemand muß es Uli und Franz sagen. Sonst gerät auch der zweite Platz außer Reichweite. Rheumaschub an Gelenken klingt ab. Heute kein Diclofenac.
Sonntag, 15. Februar 2004 (Unterwegs mit Homeboy Junior)
Nachtwanderung. Reichenbach. Cornelius. Baader. Klenze. Am Einlaß. Jakobsplatz. Sendlinger. Rosen. Marienplatz. Residenz. Ludwig. Adalbert. Barer. Georgen. Leopold. Und schließlich Pizza Hut. Mitternachtspizzen. Ein Carpe-Diem-Bier in der Brezn. Die Kurse, die sich Claudia im VHS-Katalog angekreuzt hat, sind wenig hilfreich. „Als Frau allein die Welt erobern“,„Vielleicht möchte ich eine Therapie machen“ und „Bauch-Beine-Po-Gymnastik“. Fehlt noch ein Selbstverteidigungskurs. Das Tor, das Bayern in der letzten Minute verweigert wird. Bremen bekommt es wöchentlich. Junior liest Mensching zu Ende und äußert sich nicht negativ. Homeboy K. wurde sein Studienplatz sofort nach dem Abitur zugeteilt. Seine Frau hat Schnitzel gemacht. Claudias Interesse an meiner vernünftigen Ernährung läßt dagegen spürbar nach.
Montag, 16. Februar 2004 (Agonie 2010, SPD in Bochum)
Grüner Heinrich weiter in der Schuldenfalle. Claudia, die wohl eine Zusammenfassung gelesen hat, meint, wir wären Brüder im Geiste. Den herausklingenden Vorwurf des Dilettantismus konnte ich nicht entkräften, jedoch verwies ich zur Abgrenzung immerhin auf meine stets vorhandene Working-Class-Hero-Attitude. Altpapier-Berg wächst. In der rot-grünen Landeshauptstadt München wurden zur Jahreswende die Papier-Container entfernt. Mit dem Hinweis, daß Hausverwaltungen kostenlos eine blaue Papiertonne beantragen können. Hätte ich meinen Glauben an den Leib-Seele-Dualismus nicht verloren. Gern würde ich diesen Körper für ein paar Wochen verlassen. Pasta. Chilenischer Wein. Einzige Lichtblicke dieser bitteren Tage. Als jugendlich-glühenden Verehrer sieht Claudia mich nicht mehr. Brachte mir die Apotheken-Umschau mit. Auch die Aufhebung der Sperrstunde wird die Bierpreise in Varasdin nicht senken.
Dienstag, 17. Februar 2004 (Toll Collect bringt Verkehrsminister nicht ins Stolpern)
Claudia geht auch auf mein Angebot einer privilegierten Partnerschaft nicht ein. Nicht daß wir uns nichts mehr zu sagen hätten. Notfalls beschwert sie sich über das Tagebuch und die Umfrage. Endspurt beim Grünen Heinrich. Wendet sich doch noch alles zum Guten? MOMA-Ausstellung lockt mich nach Berlin. Weiterhin fördert die erzwungene ständige Selbstbeschäftigung mit meinem vegetativen Nervensystem den Schwermut. Bräuchte eine parasympathische Gegenoffensive. Vielleicht erwähne ich Claudia gegenüber, daß ich mir bei regelmäßigem, gemeint täglichem, Sexualleben eine Verbesserung der Gesamtsituation vorstellen könnte. Gesetzliche Krankenkassen berechnen doppelt so hohe Zahnersatz-Policen wie im Dezember. Vielleicht sollte man sie noch ein paarmal die Probe machen lassen. Oder doch zu einer einzigen Organisation zusammenfassen.
Mittwoch, 18. Februar 2004 (No Sex in the City)
Nähme sich Claudia nur ein Beispiel an Carrie, Samantha, Miranda und Charlotte! In der Version, die mir vorliegt, übrigens die, deren Restauflage Keller selbst aufkaufte und dem Feuer überantwortete. In dieser Version kehrt der Grüne Heinrich in die Heimat zurück. Verliebt in Findelkind Dortchen Schönfund. Ein Koffer voller Geld. Jedoch war die Mutter tot. Das Elternhaus verkauft. Und er selbst starb kurz darauf. An das retardierende Moment meiner eigenen Katastrophe kann ich mich gar nicht mehr erinnern. Muß in der Arbeit grundlegende Reformen auf den Weg bringen. Pinakothekbesuch XIV. Neue. „Etz ham de scho wieder um'grammt!“ Lieblingstitel: Satan und Tod, von der Sünde getrennt, Füssli. Lieblingsbild: Die Falknerin, Hans Makart. Bücherlieferung angekommen. Anders als bei Homeboy Junior liegt in meiner eine Rechnung bei. Zunächst als Sekundärliteratur zum Grünen Heinrich den Tell begonnen. Doch ach – es wankt der Grund, auf den wir bauten.
Donnerstag, 19. Februar 2004 (Der Superkommissar geht um)
Er hat die Kraft und wir sind klein und dumm. Leser lesen mit Henri Hochofen. Ab heute Thomas Pynchon, Die Enden der Parabel. Tipp vom belesenen Verfahrenstechniker. Single-Homeboys treffen Faschingsvorbereitungen. Warte auf den Arbeitsvertrag. Claudia möchte einige meiner Probleme auf die Göttinger Studie bei Spiegel Online zurückführen. Falle aber per definitionem nicht unter die dort erwähnten Langzeitstudenten. Mit 12 Semestern. Fünf Euro in den Fasching fehlinvestiert. Hätte die Größe beachten sollen.
Freitag, 20. Februar 2004 (Henri Hochofen hat keine 24-jährige Freundin)
Ich habe ein anderes Leben. Familie Johnny Cash kämpft, wie ich neuerdings, gegen Witze über Enddarmleiden. Kein Hämorrhoiden-Medikament Slogan „And it burns, burns burns. The Ring of Fire“. Claudia versucht sich an meinem Philishave. Annäherungsversuch im Bereich des Möglichen. Aber mir ist so nach Lebensabschnittswechsel zumute. Schwere Brände in der Region um Valparaiso. Ihr Name war Cecilia. Der Chef vermutet angesichts meines neuen Haarschnitts, daß ich meinen Arbeitsvertrag bereits bekommen hätte. Unvorsichtigerweise ein mathematisches Hilfegesuch erhört. Das hat man von der guten Laune. Die Rothaarige gebeten, ihr Bunny-Shirt aufzutragen. Frau Giesecke wirft mal wieder einen Blick auf die Suchmaschinen-Suchbegriffe der WWW.HOCHOFEN.DE-Leser. „wie weckt man die sexuelle lust bei einer frau“ So was gibt jemand in Google ein. Sieht mir von der Thematik stark nach Reiner S. aus. Selbiger fragte heute auch an, wer wohl unter der IP-Adresse 66.6.66.6 zu erreichen sei. Muß eine Enttäuschung für ihn gewesen sein.
Samstag, 21. Februar 2004 (Ganz in Weiß)
Die Herren in den weißen Westen. Der Altersdurchschnitt paßte sich der Kleiderordnung an. Ohne Diclofenac sollte ich nie mehr auf eine solche Veranstaltung gehen. Aber es war eine Freude, den Ingemar-Stenmark-Homeboy auf der Piste zu sehen. Geschmeidig umkurvte er die Hindernisse, ließ kaum eine Markierung aus. Mag sein, daß er die eine oder andere Stange mitnahm. Eingefädelt hat er nicht. Als er gegen Mitternacht den Kopfsalat mit einer Paprikaschote verwechselte, teilte ich das Brot mit ihm und den Traum, nicht beherrscht zu werden. Reiner holt sich seine Sex-Tipps nicht bei WWW.HOCHOFEN.DE. Merkwürdiges Licht. Hoffentlich wird Werder heut nicht Deutscher Meister. 18:00 Uhr. Die Liga bleibt spannend. Ingemar-Stenmark-Homeboy verklärt das gestrige Rennen.
Sonntag, 22. Februar 2004
CD-Release-Party von beyond the void. Der Homeboy, der mich begleitete, wollte noch ins Holy Home, wo ihm schlecht wurde. Just, als das Bier am Tresen stand. Trotzdem hegte er die Hoffnung auf eine rasche Genesung, und man zog weiter ins Homeboy Café Number Two. Spürte schon dort seine leichte Unzufriedenheit, daß der Konsum von 0,5 Liter Weißbier mehr Zeit in Anspruch nimmt als der von 0,2 Liter Cola. In Varasdin war ihm die Luft zu schlecht. Und im Café Number One vernahm ich nach meinem ersten Schluck ein „Etz zoih ma langsam.“ Einige Zeit später blickte er wieder von seiner Lektüre auf: „Host du scho' zoiht?“ Aber das Tüpfelchen auf dem Iieeh(!) war die Frage, warum ich heut so unleidig sei. Die Contenance war dahin. Homeboy-Grundsatzdiskussion. Erst war ich Bestandteil eines Teigs, der nicht aufgeht. Dann gehörte ich zur Hefe und hörte eine Teilschuld raus, daß kein Teig da war. Und zu guter Letzt greift Claudia grinsend die Metapher auf, und meint, ich wäre eine Zutat, die dick mache. Ich habe verstanden. Wochenendgestaltung wird sich ändern. Gehe wieder in meine anonyme Lieblingsdisco und ihr könnt mich alle gern haben. Pinakothekbesuch XV. Moderne. Erstes Mal am Sonntag. Lieblingsbild. Bernard Schultze, Groteske Promenade.
Montag, 23. Februar 2004 (Rosenmontag)
Kratzen von Schneeschaufeln. Daneben ein Schrei des Entsetzens von Claudia in der Küche. Sie versäumte die letzten Wettervorhersagen. Countdown für Bayern-Real läuft. Der Oberstaatsanwalt hätte uns vorletzte Woche gern nach Hannover begleitet. Habe keine Lust, bei zeitgenössischer Literatur fünfmal pro Seite nachzuschlagen. Lese Pynchon mit Mut zur Lücke. Ein junger Mann am Münchner Straßenkarneval (Marienplatz) wollte mir 25 Euro für meine Schildkappe geben. Taz-Autoren sollten sich nicht mit dem FC Bayern beschäftigen. Arbeitsvertrag eingetroffen. Resturlaub beantragt. Sexuelle Unruhe. Claudia auf Oly-Ball. Erste Anzeichen für eine mögliche Wiederaufnahme geregelter Verrichtungen des täglichen Lebens. Werde mich beim Fitness-Studio um die Ecke nach den Preisen erkundigen. Claudia hat nicht zugelegt. Es ist für mich.
Dienstag, 24. Februar 2004 (Championsleague-Kehraus)
Pynchon-Wortschatz pendelt sich ein. Östlich von Suez keimte bei Pilot der Verdacht auf, daß sein Leben ungenützt verstrich. Mir ist was Ähnliches passiert, nördlich von Schwabing. Meide Viktualienmarkt. Muß fürs Spiel nüchtern bleiben. Kieser Training für mich kontraindiziert. Kaufrausch. Hasse Supermarkt-Aktionen. Was mach ich mit drei Faschingskrapfen. Claudia will keinen. Bevor Stammleser ihre Zeit mit Sex und simplen Zweizeilern vertrödeln, sollten sie lieber meine lateinische Link-Liste sinnvoll erweitern.
Mittwoch, 25. Februar 2004 (Am Aschermittwoch noch nicht alles vorbei)
Grandiose Bayern-Leistung, wenn man vom Thor absieht. So auch Chancen in Madrid. Druck für Kahn wird zu groß. Mit Ingo noch nach Varasdin. Ein besoffenes, langweiliges Bruderpaar mit Begleitung Edeltraud verhindern vielversprechende Tisch-Bekanntschaft. Diese Gesellschaft wurde nach einigen Weißbieren abgelöst von der wie 29 aussehenden, trinkfesten Alice, der Stiefschwester von Luna, ihrem Freund Heiner und Van Gough, dem Weinbauern aus der Pfalz, dessen erklärtes Ziel Lunas Telefonnummer zu sein schien. Van Gough wird im Mai Vater, für Alice dagegen trotz zunehmenden Spirituosen-Genusses immer fader. Erinnere mich noch an Kneipen in der oberen Au, etliche Donauzuflüsse, einen Patentamt-Witz und daß eine Taxifahrerin Ingo beinahe über den Haufen gefahren hätte. Politischer Aschermittwoch ging unbemerkt an mir vorüber. Erhoffe mir Trost bei Miss X., die mir schon die schlimmen Stunden von Barcelona (1999) erleichtert hat.
Donnerstag, 26. Februar 2004 (Omne Animal Triste)
Höfliche Morgengespräche zwischen Miss X. und Claudia. Mein Gästebett induziert Alpträume. Das frühe Aufstehen. Kontaktaufnahme mit Rheuma-Selbsthilfegruppe. Nach zwei freien Tagen komme ich gemäß des ersten Newtonschen Gesetzes nur schwer auf die Beine. (Corpus omne perserverare in statu suo quiescendi vel novendi uniformiter in directum, nisi quatenus a viribus impressis cogitur statum illum mutare) Unverantwortliche Spiegel-Online-Schlagzeile über erhöhtes Mundtumor-Risiko bei Oralverkehr. Wo sich manche Frauen ohnehin schon so schwer damit tun. Führungszeugnis beantragt, schnelle Sachbearbeiterin in der Meldestelle. Ex-Altenheim um Arbeitsnachweis gebeten. Daß ausgerechnet gläubige Moslems oder Christen immer wieder behaupten, nicht-kapitalistische Seinsweisen würden der Natur des Menschen widersprechen. Auf den Spuren von Herrn E. im Plattenladen. Vier CDs erworben. Wohin verschwinden meine Tee-Löffel? Und wozu trag ich seit Neuestem stets ein Päckchen Tempo-Taschentücher mit mir durch die Gegend? Angesichts der Unmöglichkeit, mit zwei stark verschmutzten Händen ein Taschentuch aus der Jackeninnentasche zu entnehmen, ohne die Jacke zu versauen. Claudia mit Detlev im Kino. Retourkutsche? 300 Gramm Kartoffelchips. Konnte nicht widerstehen.
Freitag, 27. Februar 2004 (Audienz im Weißen Haus)
Deutscher Bundeskanzler wird nicht abgehört. Für Pynchon fehlt mir Background. Bei der Suche nach Sekundärliteratur auf abenteuerliche Theorien gestoßen. Meine Stimmungen momentan etwas unberechenbar. Um ein Haar hätte gegen 18:00 Uhr nach langer Zeit mal wieder ein Notarzt das Haus Hochofen besucht. Es wäre eine der Geschichten geworden, über die sich Rettungskräfte wochenlang amüsieren. Die Schlange verteilt ihr Gift gleichmäßig.
Samstag, 28. Februar 2004 (Schröder bringt Bush zum Lachen)
Reiner gibt einen Überblick über die letzten 20 Jahre. Lieblingsbedienung im Homeboy Café Nr. 17 hat eine neue Frisur. Lennon schätzt Chancen an der Bar höher ein als an Tisch Neun. Freihändig Fahrrad fahren. Wer kennt es nicht? Dieses jugendliche Hochgefühl, diesen Übermut. Unerfreulich, wenn einem das gleiche Verhalten im Herren-Pissoir begegnet. Ergänzt durch existentialistische Fragen: „Schäumt des nur bei mir so?“ Claudias Fernseher aus der Küche verbannt. Ingo und der Oberstaatsanwalt werden im Stadion von Falstaff und Reiner ersetzt. Letzterer sammelte in Varasdin fleißig Adressen (Kreta-Urlaub scheint gerettet) und schaut sich eine Wohnung an. In der Straße von Verena. Wo der Ferrari parkt. Müdigkeit und Kälte verhindern ein mitternächtliches Haus-Verlassen.
Sonntag, 29. Februar 2004 (Aristide flieht)
Wollten die USA nicht alle Flüchtlinge aus Haiti zurückschicken? Reiner meint, seine wirklichen Präferenzen hätten im Tagebuch nichts verloren. Das hohe Gut der Meinungsfreiheit fördert so manch irrige Ansicht zu Tage. Die Schauplätze von Slothrops sexuellen Abenteuern stimmen exakt mit den Einschlägen deutscher V2-Raketen in London überein. Und der junge Dr. Bleagh und seine OP-Schwester erholen sich von einer schwierigen Lobotomie. Slothrop kristalliert sich als die Hauptfigur des Romans heraus. Probleme mit der Leiste. Der Samstag-Abend zu Hause, mit Pynchon-Sekundär-Literatur, erfüllt mich mit stillem Frieden und Behaglichkeit. Jetzt g'winnt die Riesch sogar im Slalom. Wiederentdeckung der Vorteile des Single-Daseins. Gültig für Dreiundzwanzig Stunden am Tag.
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[weiter zum März 2004]
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