Der ewige exiSTENZkampf

a bissel was wird schlimmer

immer

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Tagebuch von Henri Hochofen

Januar/Februar 2005

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Samstag, 1. Januar 2005 (Neujahr)
Meine erste Silvesterparty, die den Namen verdient. Attraktive Blondine veranstaltet ein heiteres Beruferaten und identifiziert vorüberziehende Juristen und Mediziner, wobei sie sich beim Geschäftsführer einer Papierfabrik krass verschätzte. Dessen Freundin, eine Journalistin aus Deggendorf, kennt Number Four, der demnächst mit Geld zugeschissen wird, noch von ganz ganz früher. München eignet sich nach Gertrude prima zum Siedeln. Martin, der auf der Damentoilette die Brille nicht wieder runterklappte, benötigt für seinen Silvester-Aufriß ganze 17 Sekunden. Ungelogen. Philosophin Cordula verleitet Junior, der den Mitternachtswalzer ausließ, zu einer späten Fünf-Uhr-Diskussion über Eugenik und die Würde des Menschen. Was mich daran erinnerte, daß Kanzler Gerhard sich wie bei jeder medienpräsenten Katastrophe wieder ausgezeichnet in Szene setzte. Es ist ja nicht seine Schuld, daß verhungernde Kinder sich nicht so gut verkaufen wie Erdbeben und Überflutungen. Beim Umsteigen am Odeonsplatz werde ich in eine Rauferei verwickelt. Gut, daß die Messer stecken blieben. Da vergißt man glatt den Cashmere Schal, der Junior abhanden kam, und den süßen female native speaker, der wissen wollte, wo das Bier zu finden sei.

Sonntag, 2. Januar 2005 (Verurteilt aus Mangel an Beweisen)
Soll man die geplanten Spezialgefängnisse für Terrorverdächtige als Fortschritt feiern? Lars von Triers Dogville. Faszinierend. Und für mich ein Happy End. Außerdem mit einem Buch begonnen, auf das ich mich aus verschiedenen Gründen schon lange gefreut hatte. SZ-Bibliothek 39, Marcel Proust, Eine Liebe Swanns. Die gleichnamige Verfilmung soll mich laut Claudia sexuell geprägt haben. Bloß weil sie eine Szene nachspielen mußte. Immatrikulationsunterlagen und Vorlesungsverzeichnis der Fernuni Hagen gewälzt. Noch drei Jahre Leid? Es muß sein. Sonst kann ich die Wohnung nie alleine übernehmen.

Montag, 3. Januar 2005
Ärger an mehreren Fronten. Auch beruflich. Beinahe juristischer Selbstmord in Form einer cholerisch-zynischen E-mail. Dazu kein Mittagessen. Kantine im Betriebsurlaub.

Dienstag, 4. Januar 2005
Schlagkräftige Argumente in der Sache glätteten innere Wogen. Einen der vielen Italiener in Arbeitsplatznähe ausprobiert. Endlich mal einer, der den Namen schmuddelig verdient. Mußte mich setzen. Man hatte mich schon gesehen. Und es roch auch noch aufdringlich nach Fisch. Ein clean vorm compile hätte die meisten meiner gestrigen Probleme gelöst. Claudia sagt, die Leitung sei tot. Aber bei M-net hat sie nicht angerufen. Nach 20:00 Uhr niemand zu erreichen. Claire feiert diesen Winter zwei Wochen später als im letzten Jahr. Geburtstag, Job und Wohnung.

Mittwoch, 5. Januar 2005
8:30. M-net muß TOTE Leitung messen. Leitet Störungsmeldung an Techniker weiter. Büro umgeräumt. Mehr Spielraum unterm Schreibtisch. 14:00. Nachhaken bei M-net. Ob denn die Leitung nun schon gemessen sei. Und daß der Techniker sich bei mir melden wollte. 16:00. Bei mir hat sich immer noch kein Techniker gemeldet. Erneuter Anruf. Ja, sagt M-net, es sei nicht ihre Schuld. Schuld trage die Telekom. Von deren Technikern hätten sie keine Telefonnummer. Da kann man nur Faxen machen.

Donnerstag, 6. Januar 2005
Muß bei Reiners Aussagen - er springt übrigens nicht bei Pro7 ein - wegen seines Faibles für Weltkriegsthematik auf political correctness bestehen. Laufbedienung im Homeboy-Café 2 immer schlechter. In Varasdin blüh'n schon wieder die Rosen. Aber die Preise sind gestiegen. Oder lag es an der Arithmetik... Unser Tischnachbar Savalas meinte, der anwesende Fernsehkommissar wäre genauso ein Nasenbohrer wie wir auch. Wenn ich geahnt hätte, daß der Typ neben Maria (MariaMariaMaria) auch in diese Kategorie eingruppiert werden hätte können... Vielleicht hätte ich mich an das Erfragen ihrer Telefonnummer herangewagt. Denn da saß er wieder. Der Henri, den ich von früher kannte. Den ein Blick in zwei Augen 75 Kilo leichter werden ließ. Nun wiege ich mehr und müßte sie halt suchen, wenn ich so scharf d'rauf bin... Aber wo, aber wie?. Zu viel geraucht. Swann lebt zu viele tausend Meter über diesen Niederungen, wo in solchem schmutzigen Gewäsch herumgeplanscht und herumgekläfft wird, als daß die Spritzer der Witze dieser Verdurins ihn treffen könnten.

Freitag, 7. Januar 2005 (A bissel was geht immer)
Und wieder strebt ein Familienmitglied vor mir in die Rente. Büroeinkauf bei Lidl. Pro7 will meine Sexsucht nicht so reißerisch, sondern in einer guten Bildsprache verfilmen. (MP3: O-Ton [wurde verfremdet, um die Redakteurin zu schützen]) Eigentlich ein interessantes Sujet. Schließlich bin ich ein Sexsüchtiger, der's geschafft hat. Und weiter clean bleibt. Zumal Maria nicht gefunden wurde. (Leserbrief) Und mich für einen ganz gewöhnlichen Aufreißer gehalten hätte. Wenn sie gesehen hätte. Wer gestern in Varasdin alles an meinem Tisch saß. Promiske Däninnen. Offenherzige Britinnen. Und wenn es stimmt, daß Grabschen nur den Busen umfaßt, und nicht den Arsch. Dann ein nicht-grabschender Homeboy. Dazu die auf einen prominenten Kommissar wartende Karrierefrau von der Au. Engerl und Teiferl. Und ein Mond, der den Bosporus küßt.

Samstag, 8. Januar 2005 (Vor verschlossenen Toren)
München. Schwabing. Ein Mietshaus, in dem eine Party gefeiert wird. Und kein Nachname der Gastgeber. Claire, Number Four und Junior gehen nicht ran. Und Telefonjoker John-Homeboy aus Hannover sagen die Namen der ca. 24 Parteien auch nichts. Hätte Dr. Werner, einen Stock höher, nicht einen gemischten Salat beim Pizza-Service bestellt... Die Tore wären verschlossen geblieben. Claires Mutter hakt ganz genau nach, in welcher Beziehung die Homeboys zu ihrer Tochter stünden. Ihr Onkel moniert, Henri sei kein bayerischer Name. Und auch in Schlesien könne er sich nicht erinnern, diesen Namen je gehört zu haben. Wohingegen Heinrich akzeptiert wäre, was Junior über die Assoziationskette Faust-Goethe zu einem stolzen wenig prüden Schiller-Wort verleitete. Margarita ging zu früh. Tiramisu ist mit den Homeboys wieder Mascarpone. Claire hat gelbe Rosen im Bad und ein fürs Büro gedachtes Bild von Mann und Kind im living-room. Aber keine Party-Musik. Junior verleugnet Elvis. Konzentriert sich nur noch auf pelvis, vermutet Claudia. Und Number Fours Tanzstunden machen sich immer mehr bezahlt.

Sonntag, 9. Januar 2005 (Zu kurz)
Rollo rauf um halb drei. Kottan ermittelt wieder. Jeden Sonntag. Swanns letzter Satz. „Wenn ich denke, daß ich mir Jahre meines Lebens verdorben habe, daß ich sterben wollte, daß meine größte Liebe einer Frau galt, die mir nicht gefiel, die nicht mein Genre war!“ Nehm' ich eines Tages in meine Biographie auf, Claudia. Rollo runter um fünf. Heimnetzwerk steht. Müde. Als Kardinal Lehmann die Hoffnung ausdrückte, daß die Liebe stärker sein möge als der Tod. Da war's mir, als spräche Marcel Reich-Ranicki.

Montag, 10. Januar 2005 (Nach fünf Tagen Trainingslager ist Kahn eben aggressiv)
Dreimal Morgengrauen in vier Tagen. War zu viel. DynDns funktioniert gut. Pro7 dürfte ich abgewimmelt haben, nachdem publik wurde, daß ich keinen Modellpatienten für das gewünschte Krankheitsbild abgebe. Und mangels Sexappeals besteht auch wenig Risiko für eine Überdosis.

Dienstag, 11. Januar 2005 (Deutsches Tsunami-Frühwarnsystem)
Fertig in drei Jahren. Aber nur, wenn Toll Collect die Federführung übernimmt. Von neuer Arbeitszeitverordnung Gebrauch gemacht. Fand die ersten dreißig Minuten in Tortilla Flat sehr amüsant. SZ-Bibliothek 40, John Steinbeck. Brechdurchfälle verhindern Backstage-Besuch der Karrierefrau von der Au. Dafür hat sie gestern Wachtveitl im Fernsehen gesehen. Ihr Mann schwärmt von der freien Wirtschaft. Cecilia hofft auf guten medizinischen Befund. Reiner verwechselt Niveau mit political correctness. Finanzierungsprobleme bei meiner Dienstreise. Ist es wirklich kein Mobbing, wenn alle Kollegen auf einer Geburtstagskarte für deinen Zimmernachbarn unterschreiben, ohne daß du es mitbekommst. Der Club Bertelsmann bedankt sich für meine Treue und schenkt mir eine Woche Aufenthalt an der Türkischen Riviera, für zwei Personen. Aber erstens hab ich zum ersten Januar gekündigt und zweitens muß man die An- und Abreise selbst übernehmen. Und weil's mir gerade einfällt. Primavera kriegt ein Kind. Gut, daß ich sie nie angesprochen habe.

Mittwoch, 12. Januar 2005 (Deep Impact gestartet)
Zeugnisse beglaubigen lassen. Das ganze Jahr noch nicht ernsthaft an Sex gedacht. Mein Plattenladen wird zu DVD-Shop umgebaut. Mit eigener Erwachsenenabteilung. Ob auch die Verkäufer wechseln? Oder erzählt dir die Chefin weiterhin bei jedem Kauf. „Da ham's aber an besonders schönen Fund gemacht!“ Zwei Tage Urlaub, Dienstreise und eine Rückenmassage beantragt. Letztere bereits von Claudia abgelehnt. Ich soll mir doch mein Traubenkernkissen in die Mikrowelle legen.

Donnerstag, 13. Januar 2005 (Ferias habeo)
Montag kleines Jourfix. Mittwoch großes Jourfix. Donnerstag Projekt-Treffen. Von Zeit zu Zeit ein Kickoff-Meeting. Diesen Urlaub hab ich nötig. Über die Weinpreise in Tortilla Flat bin ich mir noch nicht im Klaren. Wenigstens scheint die Höhergruppierung durch zu sein. Nein, dieses Wochenende tu' ich keine gute Tat. Brauche Ruhe. Cecilia hat neben meinen Sympathiebekundungen nun auch meinen Abschiedsbrief ins Netz gestellt. Es gibt sogar. Bereits. Die ersten Kommentare.

Freitag, 14. Januar 2005 (Mosi ermordet)
München hat wieder einen Mord, die Boulevardpresse für dieses Jahr ausgesorgt. Und auch im Taxi gibts Gesprächsstoff. (Taxi, weil Maria nicht in Varasdin war und weil Lennon, der mich begleiten sollte, auf dem Weg dorthin mehrere Außenspiegel im Wege standen). So war denn die zweite Frage meines Fahrers: „Was sagen die Leut? Zum Moshammer-Mord?“ Sollte das nicht andersrum laufen? Konnte nicht viel sagen. War ja nur im Homeboy-Café 17. Mit Lennon. Uns beiden ging Moshammer gottlob am Arsch vorbei. Lennon hätte zuerst seinen Hund erwürgt. Der Chauffer schildert mir das Revier, in dem er Mosi immer rumfahren und fremde Menschen in den Rolls-Royce einsteigen sah. Das Motiv sei noch unklar. Für Atemkontrollspiele würden normalerweise andere Requisiten benutzt. Keine Telefonkabel. Jetzt würde Moshammer doch noch Filmstar. Aber nur, wenn der Täter kein zufällig aufgelesener Stricher war, entgegne ich. Bei den Strichern sei heute gar nicht so viel kontrolliert worden. Und das Schärfste wäre, meinte er, wenn dem Täter auch der Sedlmayr-Mord angehängt werden könnte. M – eine Stadt sucht einen Mörder. Erst haben sie König Ludwig umgebracht. Und jetzt auch noch das. Dabei hat mich heute nur die Libido aus dem Haus getrieben. Ging es Mosi denn anders? Das Internet als Kontaktbörse hat den Charme der Pionierzeit verloren. Nach einer harmlosen Einladung auf ein Glas Wein wird man gleich verdächtigt. „Suchst du nur jemanden zum Poppen“ In was für einer Welt leben wir eigentlich? Vielleicht sollte ich wirklich mal wieder auf eine Ü-30 Party gehen. Oder wie Lennon für Homeboys and Friends treffender formuliert. Auf eine Dreißig-Jahre-über Party.

Samstag, 15. Januar 2005 (Ein Single-Homeboy weniger)
Wie jeden Monat ein neues Kreditangebot der Hypo-Vereinsbank im Briefkasten. Das Erfolgsmodell von John-Homeboy findet erste Nachahmer. Junior, der gern mit dem Alter schummelt, stellt uns Nina vor. Mit der kann man Schlittschuhe stehlen. Auch wenn sie dem anwesenden Single-Homeboy gleich den Hetero abspricht. Wer sich im Beethoven nicht positionieren läßt, wird zweimal von seinem Platz vertrieben. Wenigstens rächte uns das Schicksal, indem die Damen, die unseren Tisch beanspruchten, auch versetzt wurden. Number Four vertagt seine Entscheidung und geht erst mal zum Bergsteigen. Allein in Varasdin. Lediglich der Nasenbohrer, der Maria vom Kindergarten her kennt, steckt kurz seinen Kopf durch die Tür. Eine sentimentale Vier-Uhr-SMS. Die vom Empfänger unvorteilhaft interpretiert werden könnte.

Sonntag, 16. Januar 2005 (Moshammer-Mord aufgeklärt)
Bis auf die Schnelligkeit der Münchner Polizei. Keine Überraschung. Claudia sucht mir einen Blind-Date-Vorschlag raus. Selten hat mich eine Telefonstimme so abgeturnt. Ob es der Ruhrpott-Dialekt war? Oder die Tastatur im Hintergrund? Selbst ein an sich netter Joke konnte meine Voreingenommenheit nicht überwinden. Sortiere meine Papiere. Vier neue Ordner angelegt. Kann nichts wegwerfen. Spüre trügerischen Stolz aufkeimen. Auf das Wiedererstarken meiner romantischen, nostalgischen Persönlichkeitseinheiten. Back to the roots. Masturbation rehabilitiert.

Montag, 17. Januar 2005 (Aufweichung des Stabilitätspakts)
Vielleicht bekommt auch unsere Generation irgendwann eine richtige Währungsreform. Meinen Multimedia-PC zu Mediamarkt gebracht. Wegen des defekten Lüfters. Die Frau vor mir beschwert sich, daß auf ihre CD-Rohlinge nur 60MB passen. Und der Freiberufler ist mit seinem Navigationsgerät schon zum dritten Mal da. „Ezt mog i's nimma! Ezt loß' i's do!“ Das Leben geht weiter in Tortilla Flat, auch ohne Danny. Wenn der Autor nicht so schwer zu lesen wäre, hätte ich gleich mit der schönen Frau Seidenman begonnen. Meines Erachtens könnten auch die Polen eine Rechtschreibreform vertragen. Claudia zeigt mir die Meldung von den homoerotischen Aphrodisiaka des US-Verteidigungsministeriums und meint, das Zeug gibt's schon und heißt Weihrauch und Myrrhe.

Dienstag, 18. Januar 2005 (Is coming home)
Nicht nur Harald und die Meisterschale. Auch Reich-Ranicki soll wieder kommen. Daß Junior unlängst die Lokal-Gazetten zierte, wurde hier schon erwähnt (20. November 2004). Wer hätte gedacht, daß sich nun auch die bessere Hälfte seines Wochenendes in der Presse finden ließ. In einem überregionalen Blatt. Da sitzt man mit zwei Personen der Zeitgeschichte im Restaurant und muß sich dennoch umsetzen lassen. Die schwierigste Passage von SZ-Bibliothek 41 hinter mich gebracht. Der Autor schreibt sich Andrzey Szczypiorski. Und die schöne Frau Seidenman stellt nicht ohne Verwunderung fest, daß die Röntgenologie sie mehr fesselte als der Gedanke an ihren abwesenden Mann. Mit Elmar das Elend des Arbeiterschicksals beklagt. Die Klitschkos können ratiopharm-Zwillingen nicht das Wasser reichen. Mein Lieblingsporno liegt auf dem eingereichten Mediamarkt-Rechner. Kann es sein, daß ich manchmal zu Selbstmitleid neige?

Mittwoch, 19. Januar 2005 (Die Pause ist vorüber)
Ein bißchen warmspielen muß er sich noch. Pinakothekbesuch XXIX. Alte. Lieblingsbild: Regatta, von Francesco Guardi. Weil sich die Form im flackernden Licht auflöst. After-Work-Biere in Milbertshofen. Und Schinkennudeln. Vermute, daß die Brillen von Individuum R von dessen Frau ausgesucht werden. Claudia hält meine rheumatischen Beschwerden für eine Form von Auto-Aggression. An wen sollte ich sie sonst auslassen?

Donnerstag, 20. Januar 2005 (Bush vereidigt)
Schmidts CIA-Spot war gestern schon lahm. Ansonsten zufrieden. Neverending Bugfixing im Job. Schon wieder After-Work. DJ Empty Dancefloor legt Reggae und Northern Soul auf. Derek Wilder bestätigt Wochenendtermin. Bei Schallplatten kommt es auf die Dicke an. Richtig gute Scheiben wiegen mindestens 200 Gramm. Ingo hält Stadionbesuch morgen für unwahrscheinlich. Hab seine Jahreskarte untervermietet. Der Oberstaatsanwalt hat sowieso jeden Freitag Bandprobe. Angesichts der zunehmenden DNS-Möglichkeiten brauche ich meine Gedanken zum perfekten Verbrechen nicht weiterzuspinnen. Zu starke Schuppenbildung. Gelernt, großzügig zu kalkulieren. La vie est brève.

Freitag, 21. Januar 2005 (Bayern souverän)
Mit Alwin gefroren. ARD verteilt Bayern-Fahnen made in Taiwan. Die kleinen beruflichen Erfolgserlebnisse, die das Bugfixing so mit sich bringt, können über meinen desolaten körperlichen Gesamtzustand nicht hinwegtrösten. Schickeria in Varasdin. An einem Tisch mit Bruno Jonas, Ronan Keating, Winona Ryder, Mario Basler und Matthias Richling. Lediglich mein Allerweltsgesicht konnte niemandem zugeordnet werden. Auch wenn der rote Schal mich Münti heißen ließ. Lorenz aus Köln erzählt, wie der Karrierefrau von der Au seinerzeit nach Erhalt meiner liebenswerten Postkarte nichts Besseres einfiel, als erstmal kotzen zu gehn. Man ersparte mir weitere Details. Zumal die Karrierefrau von der Au sich nach Abwimmlung us-amerikanischer Jungautoren auf die Schilderung jüngster Après-Ski-Erlebnisse und alltäglicher Ehe-Szenen konzentrierte. Maria war nicht da. Und weil immer wieder kolportiert wird, ich hätte es in dieser Angelegenheit an Initiative mangeln lassen. Als Feminist der ersten Stunde, vertrete ich seit jeher die Meinung, die Frau müsse den ersten Schritt machen, und natürlich auch den zweiten. Ich bin die Hebebühne. Aber einsteigen kann ich nicht.

Samstag, 22. Januar 2005 (24 Indigo im Backstage)
Souverän in die zweite Runde, und das ohne die Stimmen der Homeboys, die Flutlicht-Skifahren dem grandiosen „Who's got the love?“ vorzogen. Tumultartige Szenen, als Rebekka Bösl fünfzig Gratis-CDs verteilt. Radencovic ergattert eine davon. Udo und Lorenz, die an der falschen Kasse stehen und Gabelstapler mit Hebebühnen durcheinanderbringen, verpassen den Gig. Die Musiker sollten anschließend auch in Varasdin aufspielen. Doch der Drummer konnte der Traumhochzeit zwischen Leopold und der Rößl-Wirtin nicht beiwohnen. Man hat viel gelacht, Istanbul gepriesen und Begrüßungsrituale verschiedener Völker analysiert. Wobei bei der Würdigung der berührungslosen Gesten nicht nur der epidemiologische Aspekt völlig vernachlässigt wurde. Maria war nicht da. Weil ich mir wieder mal einbilde, eines gefunden zu haben, den Wortschatz des anwesenden Deutschlehrers um den Begriff Sujet erweitert.

Sonntag, 23. Januar 2005 (Nach Hause, nach Hause)
Kam ich nicht. Mußte Fahrt am Hohenzollernplatz unter-brechen. In der folgenden U-Bahn eingeschlafen. Wenigstens nett geträumt. Verliebte mich in eine schöne Unbekannte. Als ich meinen gefürchteten Reißerspruch ansetzen wollte, wache ich an der falschen Haltestelle auf. Wie im richtigen Leben.

Montag, 24. Januar 2005 (Bet and Sin)
Claudia wundert sich zurecht, wenn ich ich mein Büro erst um dreiviertel zehn verlasse. Wo ich doch nur bis acht bezahlt werde. Meine Schiedsrichterkarriere endete in den frühen Neunziger Jahren mit einer zugegebenermaßen ebenfalls sehr fragwürdigen Entscheidung. Neue Pläne bei der Union. Woran erkennt man Sex mit einer (einem) Zwangsprostituierten? Bzw. woran leichtfertig nicht? Stelle mir das schwierig vor. Besonders wenn man verheiratet ist. Eliza erkundigt sich wie üblich nach Junior. Wenn das Chlor nicht nötig und ich nicht so neurotisch wäre. Dann würd' ich gerne schwimmen gehn. Oh Gott. Ich sublimier schon wieder.

Dienstag, 25. Januar 2005 (Umerziehungslager Koalition)
Naturgeiler Unions-Generalsekretär sorgt jeden Tag für Stimmung. Leichte Halsschmerzen. Das sind die Stunden, in denen sich eine Wohngemeinschaft entscheidet. Jedoch. Es kommt kein Tee von nebenan. Herr Filipek versucht, die schöne Frau Seidenman aus den Händen der Gestapo zu befreien. Cecilia glaubt nicht mehr an el amor. Mediamarkt rührt sich nicht. Und Kaiser Franz hat Freude gehabt. Wieder geträumt. Wieder verliebt. In eine noch unbekanntere als in meinem Wochenendtraum. Die Schwarzhaarige sah wenigstens. Jemandem ähnlich.

Mittwoch, 26. Januar 2005
Halsschmerzen stärker. Dachte, bei einer Tonsillektomie würden einem die Mandeln entfernt. Dazu die Kälte. Und Gliederschmerzen.

Donnerstag, 27. Januar 2005 (Es ist also wahr)
Ein deutscher Schiedsrichter! Bestechlich! Vielleicht kann man auf dem Weg der Aufklärung den Deutschen Meistertitel von Rapid Wien rückgängig machen. Elmar läßt meine Tarnung auffliegen. Thailändisch essen. Mag kein Obst im Gemüse. Wann sagt man Willkommen an? Und wann Willkommen bei? Krankenakte Hochofen wird ergänzt. Katarrh und Rheumaschub. Aber wie's aussieht. Kein Fieber. Kein Herpes. Und keine gesteigerte Libido. Ist das Turiner Grabtuch vielleicht doch echt? Plädiere für DNA-Analyse. Die DNA von Jesus Christus. Wie steht die katholische Kirche zum heimlichen Vaterschaftstest? Schon wieder einen Abend mit Bugfixing verbracht.

Freitag, 28. Januar 2005 (Ziege positiv getestet)
Dachte an den nächsten Fußballskandal. Gottlob war's nur BSE. Neue Studie räumt mit Single-Klischees auf. Läse man mehr www.hochofen.de, hätte man sich den Untertitel Von wegen Sex und Sause sparen können. Deutsche Autobauer testen Mittelklassewagen von Toyota. Kinseher bei Sabine Sauer. Der übliche Werdegang. In Niederbayern aufgewachsen. Im Frauenhofer bedient. Und nur so reingeschlittert. Unbezahlte Überstunden. Wegen des Sch...Internet-Explorers. Diese Woche mehr als fünfzig Stunden gearbeitet. Da hilft auch kein Prosecco. Zwei Wochen Urlaub wär'n nicht schlecht. Wie Cecilia sie sich einfach nehmen kann. Mitten im Sommer. In Santiago de Chile. Eine Stadt übrigens, die mich nicht im Geringsten interessiert.

Samstag, 29. Januar 2005 (Alle spielen für Bayern München)
Kaum ist der deutsche Fußball wieder sauber. Schon gewinnt bei Oddset die wahre Kompetenz, wenn auch nicht viel. (Leserbrief) Man kann froh sein, daß Mosi nicht von Alphons Clenin gefunden wurde. Der Richter und sein Henker, Dürrenmatt, SZ-Bibliothek 42. Was hab' ich heut' eigentlich gemacht? In einem Traum jemanden geohrfeigt, was nicht oft vorkommt. Claudias Haare aus der Dusche entfernt. Geduscht, falls ich spontan entscheide, mich Radenkovics Ausflug ins Spiegelzelt anzuschließen. Jedoch. Kälte, Trägheit und Allgemeinzustand. Das sind starke Argumente. Geh nicht mal auf ein Bier in Milbertshofen.

Sonntag, 30. Januar 2005 (Irak hat gewahlt)
Ich mein' gewählt. Stundenlang nach einem Linux-Treiber für meine Webcam gesucht. Eher krieg' ich eine Muse ins Bett. Der Oberschiedsrichter und sein Paul Breitner. Ticket für Dienstreise gelöst. Claudias neuer Partner-Vorschlag baut auf den Piroschka-Effekt. „Worüber kann man mit dir sprechen sonst? In deinem Profil steht nicht zu viel, manche sache sind nicht wahr... Foto gibt es nicht, ich kann dir nicht sagen, schöne Lächeln z.B. :-) Dein Sternzeichen ist nicht Widder sondern Fische.“ Je älter ich werde, desto klarer sehe ich. Wie kurz nach dem Weltkrieg! Ich geboren bin.

Montag, 31. Januar 2005 (Hilary Clinton von Magenvirus geschwächt)
Und hierzulande spricht man noch vom DFB-Skandal. Oder von Bill Gates in der Pinakothek. Ein User mit Netscape 4.72 erfordert Browserweiche. Ja, wir schreiben das Jahr 2005. Konnte mich nicht adäquat um Jobinteressierte kümmern. Beim Staat beschwert sich keiner, wenn man mal ein Buch liest, meinte einer. Natürlich ein Fachbuch. Spielte den guten Bullen. Ingemar-Stenmark-Homeboy plant bereits den nächsten Riesentorlauf. Morgen um halb fünf aufstehen. Und da war er wieder, der Satz, mit dem ich schon bei Radio Gong in Ungnade gefallen bin. Ich hasse Außendienst.

Dienstag, 1. Februar 2005 (Hochofen im Ruhrgebiet)
Werde außerhalb Bayerns wie üblich mit Österreichern verwechselt. Open-Source Entwickler überwiegend Nichtraucher. Visionen. Klartext. Geselligkeit. Und ich verkauf' dir ein Auto, aber du darfst nicht fahren. Werbung für Eclipse. Und Vereinspolitik. In Essen hätt' ich mit Cashpool keine Probleme.

Mittwoch, 2. Februar 2005 (Hochofen am Kölner Dom)
Vorbeigefahren. Alle wetten gegen Toppmöller. Sonst wär' er Deutscher Meister. Und hätte seinen Job nicht verloren. Technischer Teil des Meetings nicht uninteressant. Habe John-Homeboy, der verstärkt auf Hölderlin und Chiffre-Anzeigen setzt, sein eigenes Erfolgsmodell erklärt. Wenn er wirklich wieder nach München kommt, sollte man sich jetzt schon um einen Krippenplatz bemühen. Cecilia versteht sich nicht mit Ärzten. Hab ihr kompetente Ferndiagnose angeboten. Andrack nach der Show klatschen zu sehen, bin ich noch nicht gewohnt. BVB American Express. Zahlen Sie einfach mit ihrem guten Namen. Die Petersilie hat meine Abwesenheit nicht überstanden. Soll nicht immer alles auf Claudia schieben.

Donnerstag, 3. Februar 2005 (Mayer-Vorfelder gehört nicht zu denjenigen, die davonrennen)
Wenn die Zeiten ungemütlich werden. Wo soll er auch hin? Kein einziges Tagesziel erreicht. Zu viele fremde Baustellen. Macht so ein Papst ein Testament? Bode Miller paralympisch. Am Bahnhof geht einer vorbei. Mit weißen Kontaktlinsen. Schien kein Kostüm zu sein. Zu oft Minority Report gesehen. Vor Erschöpfung eingeschlafen. Spätfolgen einer Dienstreise.

Freitag, 4. Februar 2005 (Max Schmeling tot)
Toni Berger tot. Werde immer einsamer. Und komm' zu nichts. Juniors Bier-Trinken-Gehn-Motive äußerst fragwürdig. An Empty Dancefloor hat es heute nicht gelegen. Lio and The Only Ones. A Schnitt heißt niederbayerisch Pfiff. Hatte in der Nacht apokalyptischen Alptraum. Die Frau, die mir gefallen hätte, liegt mit jemand auf dem Sofa. Anschließend Gewitter mit schweren Explosionen. Die Straßen verwandeln sich in reißende Ströme. Befestige dezimeterdicke Lehrbücher an meinen Beinen. Werd' mich doch nicht umbringen wollen...

Samstag, 5. Februar 2005 (Einziger Heimsieg: Bayern München)
Konnte nun auch Claudia von den Risiken eines Blind Date(')s überzeugen. Flüchtete nach Varasdin. Traf dort auf Junior. Vielleicht hätte ich gleich wieder umkehren sollen. Erinnerte mich jedoch zu spät, daß selbiger sich gestern noch beklagte, wie wenig Amusement er in der Konversation mit mir finde. Versuchte deshalb, den Ball flach zu halten, jegliche Anfragen abzuwürgen oder zu ignorieren. Um die Männersehnsüchte, die im Raume standen, nicht zu beeinträchtigen. Die Josephine Baker von der Au, Störtebeker und Fred Feuerstein wollten mir Pippi Langstrumpf zuschmusen, aber hier wäre sogar der anwesende Fernsehkommissar abgeblitzt. Widewitt, und das zweite etwas schüchterne Mädchen, das sie am Faschingsball aufgelesen hatten, erwies sich als erstaunlich kußfest. Wer mich frägt, ob ich bei der SPD bin, darf sich nicht über eine entsprechende Anschlußdiskussion wundern. Dann schon eher darüber, daß einer ein volles Schnapsglas in den Aschenbecher schüttet und es zwei Minuten später am Tresen wieder füllen läßt. Das Leben sei schön, hieß es, trotz trauriger Geschichten aus Konstantinopel. Ein Happy-End ist keine Erfindung Hollywoods. Vom Fasching nicht beeinträchtigt begeht Monsieur Guéret, Leviathan, SZ-Bibliothek 43, nachdem er Angèle halb erschlagen hatte, seinen ersten Mord. Ich hab's nicht so mit Geckos und Chamäleons. Was sich nicht auf Julien Greens Roman bezieht.

Sonntag, 6. Februar 2005 (Mit Weimar punktet Stoiber nicht)
Menschen in Chanteilles wenig sympathisch. Fast zu wenig Tote. Der Laotse-Homeboy braucht kein schlechtes Gewissen zu haben. Claudia meint, ich wäre empfindlich. Ich nenne es konsequent. Die Wohnung wird zu voll.

Montag, 7. Februar 2005 (Rosenmontag)
Vielleicht bin ich doch kein Faschingsmuffel. Vielleicht lag es lediglich an meiner FC-Bayern-Perücke. Fand mich sehr ausgelassen im Seniorenball. Barney stellt mich seinen Freunden vor. Darunter ein Boxer und ein Herr aus den neuen Ländern. Einer ging als Penis, was weniger Frauen in die Flucht schlug als von mir erwartet. Trotzdem noch nach Varasdin, wo man uns einem Traditionswirt zuwies. Barneys blaues Toupet kam sehr gut an, richtig goldig fand ihn unsere 62-jährige Tischdame jedoch erst mit seinem natürlichen Haar. Es wurde viel gestreichelt und umarmt. Trotz des Giesinger Schlittenhunds konnte auch ich mich nicht entziehen. Die Dame wollte Faschingslieder hören, findet daß ältere Menschen sterben oder sich zumindest vom Show-Business zurückziehen sollten. Abfällige Äußerungen über Heesters und seine Frau Gemahlin werden hier nicht wiedergegeben. Barney stimmt in die Kanonade ein. Und Basil Hallward steht kurz vor der Vollendung des Bildnisses von Dorian Gray, SZ-Bibliothek 44, Oscar Wilde. Dieser Autor liegt mir, glaube ich.

Dienstag, 8. Februar 2005 (Faschingsendspurt)
John HomeBoy klingelt mich nach vier Stunden Schlaf aus dem Bett. Spaziergang durch Nordschwabing leitet meine persönliche Sozialreform ein. Zogen an seiner zumindest möglichen neuen Wirkungsstätte vorbei. Auch wenn John dazu noch in ein paar Fördervereine eintreten müßte. Man faßt die letzte Lektüre zusammen. A la Descartes. Gebe mich als Karnevalist zu erkennen und geleite ihn zu seinem nächsten Termin. Ich selbst, rheumalos und im stolzen Schwung, den jede Neupositionierung mit sich bringt, erschließe mir eine neue Location. Ich glaube, ich habe getanzt. Die üblichen Verdächtigen drohen mir Umarmungen und Händedrücke an. Eine Linse fiel mir aus der Brille. Brach nicht. Barney trieb uns weiter in den Dreigroschenkeller, wo die Damen, die mir an die Brüste fassen wollten, sich auf keinen Tauschhandel einließen. Purple Rain. Helau.

Mittwoch, 9. Februar 2005 (Politischer Aschermittwoch fad)
Der Homeboy-Weckdienst funktioniert vorzüglich. Heute schon um halb acht. Nußkuchen im Studentenviertel. John HomeBoy sehr milde gestimmt in diesen schweren Zeiten, wo die Sinnfrage bereits. Den Mantel an der Garderobe abgegeben hat. Bis auf die Restunruhe. Thomas Mann kein Schriftsteller. Im Gegensatz zu Hölderlin. Spekulationen über KaWus und KiWus. Dorian Gray benimmt sich das erste Mal daneben. Rufe dienstliche E-Mails ab und erledige einen Auftrag gleich privat. Bräuchte jemand, der mir ab und zu Tee und ein bißchen Ablenkung bringt. Mosi hat früher im Schwabinger 7 verkehrt. Harald Schmidt beinahe live. Mit Analyse von Länderspiel und Bandenwerbung.

Donnerstag, 10. Februar 2005 (Hermann Maier wieder Weltmeister)
Christian Neureuther soll beim Fußball bleiben. Nordkoreanischer Nachrichtensprecher verkündet Atomwaffenbesitz. Erfuhr es erst nach Ladenschluß und konnte nicht adäquat reagieren. Kollegen hinterlassen mir eine 50 Mails pro Minute liefernde Endlosschleife. Sybil Vane weiß, wann der Vorhang gefallen ist. Milbertshofener Mieten angeblich im Durchschnitt mit die niedrigsten in München. Claudia schläft kaum noch hier. Mehrere Spontanerektionen, einige in ihrer Entstehung noch ungeklärt. Daß man bei Strato pro Adresse nur einen Forwarder eintragen kann, halte ich für antiquiert. Der Oberstaatsanwalt gibt am Wochenende ein Benefizkonzert. Elmars Sohn will so dick werden wie sein Papa.

Freitag, 11. Februar 2005 (Arthur Miller tot)
Claudia, die gestern den Watergate-Artikel gelesen hat, hält Miller für Deep Throat. Gute Kontakte zu US-Präsidenten habe er wohl schon, seit Marylin ihm Kennedy vorgestellt hatte. Herr Obermeier hält nicht viel von Teamarbeit. Schinkennudeln bei Niko. Hoher Altersdurchschnitt an der Bar. Die Mittfünfzigerin, die einen Drink und eine Kerze für 's in-Lesen bestellte, hat sich in selbigem ca. 30 Events angestrichen. Sehr schlecht zu Fuß. Schmerzen. Erst im Morgengrauen eingeschlafen.

Samstag, 12. Februar 2005 (Trostloses München)
Jelinek kritisiert die Münchner Society wegen ihres Nichterscheinens an Mosis Begräbnis. Ich nehme an, sie selbst konnte sich an besagtem Tag keinen Menschen aussetzen. Oder war sie da? Reizende Bar unweit des Josephsplatzes entdeckt. Vom 0,3-er-Weißbier abgesehen. Schwulenweißbier meinte ein Allgäuer, wohnhaft am Glockenbach. Number Four spendiert Damen Schnäpse nur noch nach Vollzug. Anders als früher. Mein roter Schal wirkt als rotes Tuch. Bis man sich mit dem Handy rasieren kann, dauert es noch ein bißchen. Dorian Gray hat seinen natürlichen Teint zurückerlangt. Diverse sexuell motivierte Träume. Sitze mit Claudia und einigen ihrer Freunde in einer gemütlichen Kneipe. Wir verstehen uns gut, flirten wie früher. Schließlich beugt sie sich zu mir und flüstert: «Wir wollen es tun!» Schnell findet sich ein Grund, die Kneipe vorzeitig zu verlassen. Die Sterne stehen gut.

Sonntag, 13. Februar 2005 (Bayern ohne Chance in Bielefeld)
Ich hoffe, es war der Boden. Barney mimt für Medizinstudenten den Prüfungspatienten. Claudia hat meinen Traum noch nicht gelesen. Martha und Hans, eines von Bronsteins Kindern, Jurek Becker, SZ-Bibliothek 45, müssen einen Tag vor einer Abiturprüfung wegen eines in der Liebeslaube gefangengehaltenen KZ-Aufsehers auf Sex verzichten. Cousine 3 hat Job in Haidhausen bekommen. Und Maman frägt, ob ich nicht mal auf die Idee käme, zu Hause anzurufen. I telefonier' net gern.

Montag, 14. Februar 2005 (Valentinstag)
Wie üblich. Keine Rosen. Dreitausend Mails an einem Wochenende erscheint mir doch ein wenig viel. Gingers Blumen hab' ich auch umsonst gegossen. Hatte endlich wieder Gelegenheit, mich mit M. zu beschäftigen. Cecilias Urlaub ist vorbei. Mediamarkt schiebt die Schuld auf Lieferprobleme bei Fujitsu Siemens. Hätte Claudia damals heiraten sollen.

Dienstag, 15. Februar 2005 (Wir müssen uns daran gewöhnen)
An gewählte DFB-Präsidenten. Daß ich immer öfter in Milbertshofen zum Schinkennudeln Essen gehe. Daß ich eine Weißwurst nie probieren werde. Herd im Sozialraum hat keinen Strom. Sagte ich endlich wieder M.? Sagte ich Claudia heiraten? Aussetzer. Zu viele Bugs. Bei beiden. Da fällt mir ein, daß ich am Samstag in Varasdin. Ein ehemaliges Techtelmechtel eines Homeboys gesehen habe. Cecilia bekam auch keine Blumen. Fürchte langsam um meine Daten. Auf dem Mediamarkt-PC. Wahrscheinlich legen sie es darauf an, daß entnervte Kunden nach vier Wochen Warten auf die Garantie verzichten und die Ersatzteile auf eigene Rechnung besorgen. So wie ich. Morgen.

Mittwoch, 16. Februar 2005 (USA schickt Roboter an die Front)
Bitte mit Microsoft inside. Wirkt androider. So lange wie ich im Büro bleibe, sollte ich mir die Abende nicht mit Tagträumen verderben, rät Claudia. Das Bloggen hat mein Sexualleben in der Tat nicht bereichert. SZ-Online liegt nicht völlig verkehrt. «... der normale unbekannte Blogger erzielt im Vergleich zu etablierten News-Angeboten keine Breitenwirkung, ähnlich wie einzelne Heuschrecken in einem Maisfeld nicht weiter auffallen.» Muß die Angelegenheit Mediamarkt auf Freitag verschieben. Rechenzentrum hat meinen PC gesperrt. Ein Trojaner, der mich zwei Stunden kostet. Und keine Spur von Helena. Pulverschnee. Lüde sogar mich zum Skifahren ein. Allein – ich muß langsam wieder an meinen Zahnarzt denken.

Donnerstag, 17. Februar 2005 (Leben auf dem Mars)
Vielleicht wiederholen sie dann endlich Mein Onkel vom Mars mit Ray Walston. Am frühen Morgen unterstellt man mir Eigenmächtigkeiten. NameVirtualHost-Einstellung im Apache funktioniert. Den M.Bug konnte ich präzisieren. Martha bekommt ihre erste Filmrolle, natürlich in einem Nazifilm. Lege Cecilia das Kloster nahe. Und bevor mich noch jemand fragt, ob ich sauer bin. Nein. Nicht sauer. Schlauer. BVB, zumindest hieß er gestern noch so, vor Insolvenz. Wo bleibt der Kanzler?

Freitag, 18. Februar 2005 (Die neuen Tarife von T-Com)
Spiegel Online rundherum magenta. Harald Schmidt hätte Reiner gestern gefallen. Kaum setze ich die Wirtschaft und Handel erschreckende häßliche Fratze des sich seiner Rechte voll bewußten Verbrauchers auf. Schon sagen die vom Mediamarkt, das Ersatzteil wäre da. Ich könne den Rechner morgen abholen. Netzteil umsonst gekauft. Einjahresvertrag mit Fitness-Center abgeschlossen. Am Sonntag zeigt mir Clubleiter Gerd die Geräte. Und jetzt zieh' ich los und such' mir eine neue Stammkneipe.

Samstag, 19. Februar 2005 (Trainingsspiel im Olympiastadion)
Bestellformular für die Jahreskarte in der Allianz-Arena ausgefüllt. Walther Ulbricht tot. Kurz darauf stirbt Arno Bronstein. Staub gesaugt. AOL weist mit php-mail() versendete Nachrichten ab. (Behelf: phpmailer) Reparierten Rechner abgeholt. Lieblingsporno nicht in Mitleidenschaft gezogen. Friedlicher Samstag Abend in Milbertshofen.

Sonntag, 20. Februar 2005 (Das Ende der Hochrechnungen)
Man trägt anscheinend weiter roten Schal. Das heißt, für mich persönlich. Die sozialdemokratischen Unterstellungen hören nicht auf. Claudia stellt den Fernseher leise. Grünenchefin Roth bei Christiansen. Ein wandelnder Katechismus. Es kam übrigens Jahre nicht mehr vor. Daß ich mehr Sport als Sex hatte. Es ist wieder so weit. Fitnessclub-Besuch Nr. 1. Ließ mir nur die Ausdauergeräte zeigen. Auf dem Rückweg lagen bei Antonio Pizza Salami und gemischter Salat bereit. Bin stolz. Selbstzufrieden. Und auf Claudia, denke ich, hat es auch Eindruck gemacht.

Montag, 21. Februar 2005 (Mathematisches Kabarett)
Der Enthusiasmus von Heide Simonis schien mir so fehl am Platze. Da mußte ich mir mal anschauen, wie die Sitze in Schleswig Holstein berechnet werden. Nach dem Landeswahlgesetz beruhen sie auf dem sogenannten Höchstzahlenverfahren. Was mit der Anzahl der abgegebenen Wählerstimmen herzlich wenig zu tun hat. Hätten 1000 CDU-Wähler die FDP gewählt, so gäbe es eine Mehrheit für Schwarz-Gelb.  

Sitzberechnung (Schleswig-Holstein 2005) nach vorläufigem amtlichem Endergebnis

Mehrheit für SPD/Grüne/SSW

CDU:30 / SPD:29 / FDP:4 / Grüne:4 / SSW:2


CDU SPD FDP Grün SSW
1 576100 554844 94920 89330 51901
2 288050 277422 47460 44665 25950,5
3 192033,33 184948 31640 29776,67 17300,33
4 144025 138711 23730 22332,5 12975,25
5 115220 110968,8 18984 17866 10380,2
6 96016,67 92474 15820 14888,33 8650,17
7 82300 79263,43 13560 12761,43 7414,43
8 72012,5 69355,5 11865 11166,25 6487,63
9 64011,11 61649,33 10546,67 9925,56 5766,78
10 57610 55484,4 9492 8933 5190,1
11 52372,73 50440,36 8629,09 8120,91 4718,27
12 48008,33 46237 7910 7444,17 4325,08
13 44315,38 42680,31 7301,54 6871,54 3992,38
14 41150 39631,71 6780 6380,71 3707,21
15 38406,67 36989,6 6328 5955,33 3460,07
16 36006,25 34677,75 5932,5 5583,13 3243,81
17 33888,24 32637,88 5583,53 5254,71 3053
18 32005,56 30824,67 5273,33 4962,78 2883,39
19 30321,05 29202,32 4995,79 4701,58 2731,63
20 28805 27742,2 4746 4466,5 2595,05
21 27433,33 26421,14 4520 4253,81 2471,48
22 26186,36 25220,18 4314,55 4060,45 2359,14
23 25047,83 24123,65 4126,96 3883,91 2256,57
24 24004,17 23118,5 3955 3722,08 2162,54
25 23044 22193,76 3796,8 3573,2 2076,04
26 22157,69 21340,15 3650,77 3435,77 1996,19
27 21337,04 20549,78 3515,56 3308,52 1922,26
28 20575 19815,86 3390 3190,36 1853,61
29 19865,52 19132,55 3273,1 3080,34 1789,69
30 19203,33 18494,8 3164 2977,67 1730,03
31 18583,87 17898,19 3061,94 2881,61 1674,23

Sitzberechnung (Schleswig-Holstein 2005), wenn 1000 CDU-Wähler die FDP gewählt hätten

Mehrheit für CDU/FDP

CDU:30 / SPD:28 / FDP:5 / Grüne:4 / SSW:2


CDU SPD FDP Grün SSW
1 575100 554844 95920 89330 51901
2 287550 277422 47960 44665 25950,5
3 191700 184948 31973,33 29776,67 17300,33
4 143775 138711 23980 22332,5 12975,25
5 115020 110968,8 19184 17866 10380,2
6 95850 92474 15986,67 14888,33 8650,17
7 82157,14 79263,43 13702,86 12761,43 7414,43
8 71887,5 69355,5 11990 11166,25 6487,63
9 63900 61649,33 10657,78 9925,56 5766,78
10 57510 55484,4 9592 8933 5190,1
11 52281,82 50440,36 8720 8120,91 4718,27
12 47925 46237 7993,33 7444,17 4325,08
13 44238,46 42680,31 7378,46 6871,54 3992,38
14 41078,57 39631,71 6851,43 6380,71 3707,21
15 38340 36989,6 6394,67 5955,33 3460,07
16 35943,75 34677,75 5995 5583,13 3243,81
17 33829,41 32637,88 5642,35 5254,71 3053
18 31950 30824,67 5328,89 4962,78 2883,39
19 30268,42 29202,32 5048,42 4701,58 2731,63
20 28755 27742,2 4796 4466,5 2595,05
21 27385,71 26421,14 4567,62 4253,81 2471,48
22 26140,91 25220,18 4360 4060,45 2359,14
23 25004,35 24123,65 4170,43 3883,91 2256,57
24 23962,5 23118,5 3996,67 3722,08 2162,54
25 23004 22193,76 3836,8 3573,2 2076,04
26 22119,23 21340,15 3689,23 3435,77 1996,19
27 21300 20549,78 3552,59 3308,52 1922,26
28 20539,29 19815,86 3425,71 3190,36 1853,61
29 19831,03 19132,55 3307,59 3080,34 1789,69
30 19170 18494,8 3197,33 2977,67 1730,03
31 18551,61 17898,19 3094,19 2881,61 1674,23


Nicht die FDP hat also Schuld, wie der bayerische Landesvater Stoiber meint. Nein, die CDU-Wähler haben es verbockt. Claudia meint, das wäre eine Polemik. Und Reiner zieht mittlerweile Marika Röck Harald Schmidt vor. Hesses Unterm Rad, SZ-Bibliothek 46, müßte aus John-HomeBoys Lieblingsperiode stammen. In dieser habe der Autor noch nicht angefangen, Fragen zu beantworten. Bin der sensiblen Heranwachsendenerzählungen ein wenig überdrüssig.

Dienstag, 22. Februar 2005 (Das letzte Winter-Europapokalspiel im Olympiastadion)
Ingo in neuseeländischen Rugby-Socken. Der Oberstaatsanwalt, am Bürgersteig parkend, konnte sein Sitzkissen nicht finden. Und auch dem Bombenleger wäre ein 3-0 lieber gewesen. Rummenigges Frau reicht morgen unsere Jahreskartenbestellungen ein. Hab mich bei M. in neue Thematik eingearbeitet. Einer, der es wissen muß, meint, ich politisiere kopflastig. Nehme mir für morgen frei. Wegen des Bush-Besuchs. Nicht, daß keine U-Bahnen fahren.

Mittwoch, 23. Februar 2005 (Bush in Deutschland)
Wieso erinnerte mich das ganze Szenaro an einen Castortransport? Mein Weg ins Fitnesscenter. Mit meiner alten Adidas-Fußballtasche, oder ist es die von meinem Vater. Fast schon Routine. Noch tut es mir gut. Junior verbreitet Wein und Gesang. Die Frauen, die zu mir passen, existieren nicht wirklich. So auch Fräulein Smilla Jaspersen, die mit dem Gespür für den Schnee, SZ-Bibliothek 47, Peter Hoeg. Versuchte, den ehemaligen Barkeeper über die geilen Preise seiner ehemaligen Wirkungsstätte zu informieren. Die puristische Texterkennung meines Siemens-Handys wollte jedoch partout «geile» nicht akzeptieren und schlug stattdessen immerzu «heike» vor. Kannte mal zwei geile Heikes. Hebammen wissen, was aus ihnen geworden ist. Saß so nahe an der Tür, daß mich Eintretende mit dem Türsteher verwechselten und unterwürfig grüßten. Die Zukunft liege am Mars, meinten die sozial und ökologisch engagierten Kameraden vom Nebentisch. Und während in Wales Galaxien aus dunkler Materie entdeckt werden, bejubelt Number Four ein Eins zu Null.

Donnerstag, 24. Februar 2005 (Bremen, Stuttgart, Schalke)
Konzentrieren sich alle auf die Bundesliga. In der Nacht vom Papst geträumt. Wurde auf einer Sänfte durch mein niederbayerisches Heimatkloster getragen. Hab den Kollegstufenleiter vor einem Attentat gewarnt. Wieso träum' ich nicht von Claudia. Wenn ich mich nicht selbst zensiere, bin ich der nächste, der wegen seines Blogs den Job verliert. Wieso reg' ich mich immer auf? Wieso is' ma net ois wuascht! Smilla scheint sich auf den Mechaniker einzulassen.

Freitag, 25. Februar 2005 (Sushi-Time)
Hätte nicht erwartet, wieder in die Sushi-Runde eingeladen zu werden. Als Beilagen wurden dieses Mal Forellenkaviar und Garnelen gereicht. Letztere mit Augen. Wegen meiner Nahrungsverweigerung meinte Silke, womit ich denn sonst Frauen beeindrucke. Mit Essen sicherlich nicht, war meine ehrliche Antwort. Herr E. legte gar nicht auf, als ich kam. Fühlte sich im Anschluß fremdbestimmt. Das schlechte Gewissen begleitet mich bis nach Varasdin. Mir fehlte die Grundlage. Hätte mit Richling im Bergwolf einkehren sollen. Alkohol und Nikotinabusus mit verheerenden Folgen bei der Heimfahrt. Auch einen Flirtversuch hätte ich mir sparen können. Wenn ich mangels Geistesgegenwärtigkeit das Lokal verlasse. Ohne sie nach ihrer Telefonnummer zu fragen.

Samstag, 26. Februar 2005 (Muskelfaserriß bei Mehmet Scholl)
Bayern siegt in Freiburg. Vroni aus Haidhausen fühlt sich leicht durchschaut, genießt bei Fön Alpenblick und gibt mir wertvolle Tipps für die Prärie. Jonathan und Frau feiern Premiere in Varasdin. Number Four klärt uns auf über den Gräfin-Mariza-Komponisten Emmerich Kálmán (die Akzentstriche wurden uns verschwiegen), wie der Ska den Reggae gebar und im übertragenen Sinne über die Freuden einer 60-Stunden-Woche. Ehebruch in Varasdin wird einem nicht leicht gemacht. Frauen zwischen zwei Gefühlen werden allein nach Hause geschickt, um die Angelegenheiten am nächsten Tag in aller Ruhe zu entscheiden. Ein erfrischender, serpentinischer Frühmorgenspaziergang bei klarem Himmel und Minusgraden führt mich zweimal über die Isar und irgendwann nach Milbertshofen. Heiser geworden.

Sonntag, 27. Februar 2005 (Sicherheitsverwahrung)
Fall Söder zwingt zum Nachdenken. Claudia kocht zwar fleißig Tee. Trotzdem. Der Heiserkeit gesellt sich ein wenig Halsweh dazu. Fräulein Smilla auf hoher See recht draufgängerisch.

Montag, 28. Februar 2005 (Kälteste Nacht des Jahres)
Idealer Zeitpunkt, um Smillas Abenteuer zu beenden. Der Eskimo kennt keinen Schmerz, der Niederbayer schon, zumindest der zugereiste. Rheuma kehrt zurück. Wenigstens schreitet die Genesung der Familie der Karrierefrau von der Au gut voran. Entwickler von M. halten sich etwas zurück. Denke zu selten an den Tod.

© Henri Hochofen 2005