Jenseits von Kombi- und Mindesthohn

warten auf den neuen job

und trotzdem realistisch bleiben

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Tagebuch von Henri Hochofen

Januar/Februar 2006

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Sonntag, 1. Januar 2006 (Alles Gute! Und vor allem Gesundheit!)
Lasse das neue Jahr ruhig angehen. Verzichte auf das Pistenvergnügen, das sich Shirley und die Kinder nicht engehen lassen wollen. Unser Italiener um die Ecke wünscht ein schönes neues Jahr. Und vor allem Gesundheit. Was unseren Nebentisch sehr rührte. Weil Gesundheit doch das Wichtigste wäre. Und auch Shirley läßt sich zu einem Siehst Du?! hinreißen. Man entdeckt ein Loch in meiner oberen Wangenpartie. Und stellt merkwürdige Analogien von mir zu Pferden her.

Montag, 2. Januar 2006 (So, jetzt ist der Urlaub schon zu Ende, gell?)
Rheuma-Schub. Rückreise nach München. Kurztrip ins Deutsche Museum erweist sich als anstrengender als Skifahren. Nehmen die Bahnhofszenen denn kein Ende. Nichts Neues am Jobmarkt. Benedikt besucht die Marc-Ausstellung und liest pakistanische Blogs. Mein Vermieter hat das WC komplett ausgetauscht. Muß mein letztes Monat in Milbertshofen also nicht mehr mit Eimer nachspülen. Miete-Dauerauftrag gekündigt. Habe versehentlich Shirleys Krankenakte eingesteckt.

Dienstag, 3. Januar 2006 (Das weiß' ich nicht, da müssen Sie jemanden mit einer orangen Jacke fragen)
Shirleys Nachtzug bleibt nicht im Schnee stecken. Im Gegensatz zu dem nach Paris. Umzugkartons bei OBI befinden sich in Reihe 17. Benedikt kritisiert die zunehmende Belanglosigkeit von Blog-Kommentaren. Number Four stellt eine Herberge während meiner Obdachlosenzeit in Aussicht. Shirley entdeckt eine Firma, bei der ich mich noch nicht beworben habe. Diclofenac soll mir einen schmerzfreien Morgen bescheren, wie ich ihn lang' nicht mehr erlebt hab'. Habe Roland Kaiser Song im Ohr. Muß meine Geburtsurkunde rauskramen. Ob ich nicht doch zwanzig Jahre älter bin als vermutet.

Mittwoch, 4. Januar 2006 (Nicht, daß es der Blinddarm ist)
Fit wie ein Turnschuh. Schmerzfrei aus dem Bett gesprungen. Um halb sieben schon geduscht. Aber dann in der Arbeit starke Bauchschmerzen. Schubweise. Diclofenac? Der halbe Liter Joghurt, gestern abend? Ein Souvenir aus Österreich? Keimübertragung durch ein Telefonat mit Benedikt? Hätte vielleicht nicht in die Kantine gehen sollen. Die Nudeln sollten mir zehn Stunden später wieder begegnen. Nachdem ich Shirley nochmal sagen konnte, daß ich sie liebe, falls ich die kommende Nacht nicht überleben sollte. Das Fieberthermometer war unauffindbar. Leichter Schüttelfrost.

Donnerstag, 5. Januar 2006 (Wenn es harmlos ist, helfen Pfefferminztee und Cola)
Salzstangen hatte ich nicht zu Haus. Krämpfe nehmen ab. Gehe nicht zur Arbeit. Blinddarmrisiko nimmt ab. Shirley ruft meinen Hausarzt an. Kaufe ein neues Fieberthermometer. Richling kann den Kennedy-Mord auf seiner Liste abhaken.

Freitag, 6. Januar 2006 (Magen-Darm-Grippe kursiert)
So was erfahre ich immer erst dann, wenn ich schon betroffen bin. Mit Shirley den Feuerreiter angeguckt. Wobei das Programm in München zwei Sekunden früher ausgestrahlt wird als in Mecklenburg. War Hölderlins Leben nicht abwechslungsreich genug? Oder warum mußte man ihm noch eine schwule Affäre andichten? Da hatte ich einmal im Leben einen Waschbrettbauch. Und niemand konnt' es sehen. Shirley sagt, mein Telefon fabriziert ohrenbetäubende Nebengeräusche. Und Claudia mailt, bei mir sei dauernd besetzt. Wenigstens fährt das Schiff FC Bayern laut Uli Höneß in ruhigen Gewässern.

Samstag, 7. Januar 2006 (Brauchst du Geld?)
Das Auto nach Haus' gebracht. Simone wurde um neun bereits abgeholt. Sah mir nach 'ner Hochzeit aus. Die heutige Siegerin Kathi Wilhelm soll im Rennen zuvor drei Minuten Vorsprung gehabt und dann zweimal daneben geschossen haben, d(ies)es (bayerischer hier nicht veröffentlichter Kraftausdruck). Betandwin fördert die Freude am Sport. Magath hätte gern noch einen bösartigen Spieler. Pfizer setzt auf RFID-Kontrolle gegen Viagra-Fake-Präparate dubioser Zusammensetzung. Da muß man ja erbrechen. Habe sie nun mit meinen eigenen Augen gesehen. Die ratiopharm-Zwillinge Folke und Gyde wurden gegen zwei jüngere ausgetauscht. Gibt es keine Charakterrollen mehr? Für Frauen meiner Generation? Shirley lernt beim Friseur. Und ich hab' immer noch ein bißchen Bauchschmerzen.

Sonntag, 8. Januar 2006 (Nach Heilige Drei Könige muß der Baum raus)
Ein bißchen antriebsarm registriere ich, was alles ansteht. In diesem Monat. Exodus. Bewerbungsgespräche. Ein Referat. Herbergssuche für Februar. Dereks Newsletter soll sich selbständig verschickt haben. Shirley hat zwei Gehirnhälften. Und «heuer» ist ein süddeutscher Ausdruck.

Montag, 9. Januar 2006 (Das wär' aber ziemlich wichtig)
Zorro kann keine Rechnungen mehr ausdrucken. Mein Büro wirkt recht verwaist. Ich taufe Shirleys Rechner auf den Namen Bechterew. Sollte der Atomausstieg wackeln, drohen Grüne mit Massenprotesten. Bauen wir die Dinger eben im Iran.

Dienstag, 10. Januar 2006 (Nimm' Dein Diclofenac)
Nach dem Ski-Urlaub rechnet man eigentlich mit dem Frühling. Bei der Schwerbehindertenmusterung. Hätte ich heute locker meine 20% eingesteckt. Weil ich mit Frollein Ingeborg am Umlaut arbeite, komme ich kaum dazu, mit Shirley zu telefonieren. Bayern will mehr Ein-Euro-Jobs. Ich will hier raus.

Mittwoch, 11. Januar 2006 (Ein paar kleine Änderungen sind noch nötig)
Diclofenac. Shirley macht Werbung für's Elbsandsteingebirge. Stehe der Omnipräsenz der neuen ratiopharm-Zwillinge machtlos gegenüber. Wähle ein neues Briefkastenschild aus. Wenn Kühe auf Matratzen schlafen, geben sie mehr Milch. Ich wäre auch produktiver. Mit Matratze im Büro.

Donnerstag, 12. Januar 2006 (Du erhältst eine Bierkur)
Robuste Waidler reden sich leicht. Der junge Handke erinnert mich an jemand vom Teerplatz. Eine weitere Umlaut-Stunde mit Frollein Ingeborg. By George, she's got it. Auf meinem Almighurt lockt ein Fußball, anstelle von Erdbeeren und Himbeeren. Schmeckt trotzdem nicht nach Leder. Shirley schwärmt von einem Fünf-Stunden-Epos.

Freitag, 13. Januar 2006 (Such mal nach milliondollarhomepage)
In Anbetracht solcher Geniestreiche. Und nicht zuletzt wegen der mühsamen Jobsuche. Hole ich. Ebenfalls eine Geschäftsidee aus der Schublade. Claudia hält sie für nicht vielversprechend. Die ersten zehn Umzugskartons sind gepackt. Mein Wecker klingelt zu früh. Laut ZIB3 gibt es neue Hoffnung für Rheuma- und Psoriatiker. Vielleicht hätt' ich doch riestern sollen. Aber der Vogelgrippevirus mutiert ohnehin bereits. Und ich bin nicht der Typ, der eine Pandemie überlebt. Fange wie Shirley wieder mit dem Rauchen an.

Samstag, 14. Januar 2006 ('s ist ein sonderbar Ding um die Minne)
24 Indigo ist für den Message Music Contest nominiert. Da hat sich das Theologiestudium doch noch gelohnt. Endlich trudeln wieder Vorstellungsgespräche ein. Letzter Wochenendeinkauf in Milbertshofen. Heut' hätt' ich mich sogar zu Frau Huber in die Schlange gestellt. Beim ersten und letzten Mal kann man warten. Mit Number Four darüber räsoniert, daß sich unsere Energieprobleme evtl. mit Getreide lösen lassen. (Stichwort Heizen mit Weizen). Eine Pensionsberechtigung eingeholt. Weitere Themen. Minnenopfer und der Homeboy im Besonderen. Auf der Dreifach-Geburtstagsparty war mein Beitrag zum Buffet wie üblich sofort vergriffen. Doch auch der Zitronenkuchen war ein Gedicht. Castorp hat keine bleibenden Schäden vom Kocherlball davongetragen. Number Four scheitert auch bei seiner zweiten Begehung des Zauberbergs. Udo hat schlechte Nachrichten aus Varasdin. Die Karrierefrau von der Au rät Tourist(inn)en von Aserbaidschan ab. Benedikt versteckt sich bei der Damenwahl hinter mir. Yvonne erklärt mir die Tücken der Langzeitarchivierung. Und sowohl Shirley als auch Number Four können nicht beim Umzug helfen. Und damit der Abend nicht ohne Pointe zu Ende geht, sind wir noch an einem Haidhausener Café vorbeigegangen. Wo Gordon bleu angepriesen wurde.

Sonntag, 15. Januar 2006 (Achtung, jetzt kommt ein Karton)
Shirley schickt mir einen Cartoon und sucht bereits Wohnungen aus. Schwere Zeiten für Bode Miller. Tschechien plant Alkoholkontrollen auf Skipisten. Brauche mehr Umzugskartons. Dabei komm' ich jetzt schon kaum durch die Wohnung. Verliere die Neigung zum systematisch beschriftenden Einpacken. Auch Chile bekommt eine Staatschefin.

Montag, 16. Januar 2006 (Das geht in zehn Minuten)
Muß ein verführerisches, aber unmoralisches Angebot ablehnen. Shirley spielt ein paar worst-case-Szenarien durch. Und WISO lüftet den Pandemie-Notfallplan. Merkel macht sich wie der Papst besser als erwartet. Stoiber. In dieser Position. Hätte gemeint, er wäre der Papst. Die Zeit läuft mir davon. Dieses stinktierartige Wesen mit den Hamsterzähnen, das auf jedem meiner OBI-Kartons einen LKW belädt, geht mir langsam auf den Geist. Wo bleibt der deus ex machina?

Dienstag, 17. Januar 2006 (Und wie lang' sind Sie noch da?)
Meeting über Meeting. Bei diesem debil grinsenden Individuum mit dem Bierbauch und Obi-Trainingsanzug soll es sich laut Shirley um einen Biber handeln, weil Biber als fleißig gelten.

das soll ein biber sein

Auch Claudia kann nicht beim Umzug helfen. Der Betriebsarzt informiert über die Vogelgrippe und bittet zur Impfung. Panettone schmeckt mir nicht. Von Menschen mit Atemschutzmasken geträumt.

Mittwoch, 18. Januar 2006 (Ist im Bad alles in Ordnung?)
Die Partei über mir kann beruhigt werden. Mein Auszug hat nichts mit dem Wasserschaden zu tun. Schrank und Tisch sind zerlegt. Das Wohnzimmer fast komplett verpackt. Shirley hat Angst vor der Spekulationssteuer. Die Nächte, die ich hier noch schlafen werde, kann man an einer Hand abzählen. Einen Vorstellungstermin in Berlin bestätigt. Wer nicht gestört werden will oder wer Einblick in die Krankenakten der Bekannten nehmen will, braucht nur öffentlich auf seinen bevorstehenden Umzug hinweisen.

Donnerstag, 19. Januar 2006 (Ich hab' schon mal jemand von der Leiter fallen sehen)
Erzählt mein Mitreisender. Damals konnte er zum ersten und einzigen Mal von seinen Erste-Hilfe-Kenntnissen Gebrauch machen. Es muß gefährlich wirken, wenn Rheumatiker im Liegewagen nach oben klettern. Shirleys Recherchen ergeben. Es gibt gar keine Spekulationssteuer.

Freitag, 20. Januar 2006 (Sie müssen sich in München nicht abmelden)
Das Mecklenburger Einwohnermeldeamt, das fürderhin für mich zuständig ist, erledigt das für mich. Mein neuer Landesvater heißt nun. Tja, wie heißt er denn eigentlich. Harald Ringstorff. Rauhe Umgangstöne machen mich etwas nachdenklich. Nachsendeauftrag. Umzugswagen. Ein weiteres Vorstellungsgespräch. Allerdings erst in einer fernen Zukunft. Shirley hat immer noch keine grauen Haare.

Samstag, 21. Januar 2006 (Den Nußkuchen könnt' ich verkaufen)
Shirley übertrifft sich selbst. Kocht und bäckt in zahllosen Gängen. Und mußte abends doch mit mir zum Essen gehen. Ins Kakadu. Nach dem Kino. Oliver Twist. Weil mein Vorschlag, Woody Allen, sich familienintern nicht durchsetzen ließ. Ein defekter Zigarettenautomat kann den Abend nicht verderben. Ledigich der Eiskonfekt-Absatz im Kino stimmt mich schwermütig.

Sonntag, 22. Januar 2006 (Du hast keinen Bezug zur Natur)
Eiseskälte. Sonnenschein. Shirley will zum Schwanenteich. Eisstockschießen wird hier mit Eishockey verwechselt. Skulpturen im öffentlichen Raum können was vertragen. Verschieben Bertolucci auf ein ander Mal.

Montag, 23. Januar 2006 (Und was hat Sie nach Rostock verschlagen?)
Haben das Kilo Nudeln doch noch verzehrt. Eine kleine kurzfristige Hoffnung erfüllt sich nicht. Ein Kuß im Lift und Treppenhaus. Und schon wieder sitze ich im Nachtzug und übe mich in small talk. Käseherzen im Pausensnack.

Dienstag, 24. Januar 2006 (Dann merken Sie sich zuerst mal. Es heißt Mehklenburg, und nicht Mäcklenburg.)
Zurück in München. Durch geschickte Kartonverlagerung wird die Wohnung wieder begehbar. Glatteis auf der Akropolis. Shirley entdeckt die Neurokognitive Therapie. Jetzt brauch' ich nur noch zu lernen, organische, aggressiv dominante Strukturen im Körperinneren (Gehirn) wahrzunehmen und zu beeinflussen. Karsten würde diese Therapie auch nicht schaden. Gottlob hat Zorro heute Abend keine Karten für die Allianz-Arena besorgt.

Mittwoch, 25. Januar 2006 (Wir machen sowieso neue Fenster rein)
Vermieter entbindet mich von der Pflicht, die Wände zu streichen. Claudia beschwert sich, weil ich mich gar nicht mehr rühre. Elmar ist seine Minusstunden los. Shirley sieht wieder ein Licht am Ende des Tunnels. Thomas Schaaf sollte nach Italien wechseln. Es war ein mal ein Interface, das verwandelte sich in eine Oberklasse, und anschließend über eine Factory wieder in ein Interface. Entwurfsmuster trifft den Nagel auf den Kopf. Stoibers zehn Minuten im Transrapid vom Hauptbahnhof zum Flughafen, die schon lange im Internet kursieren, haben mittlerweile Harald Schmidt erreicht. Vielleicht sollte ich Shirley meinen Aufschlag beibringen.

Donnerstag, 26. Januar 2006 (Eine Kleinigkeit hätt' ich noch)
Zorro initiiert schon wieder eine Sonderaktion. Mungbohnen. Koreander. Rosmarin. Liebstöckel. Lorbeerblätter. Alles seit Jahren abgelaufen. Neben unzähligen Dosen. Wo kommen die ganzen Bohnen her? Auf Tüten mit Haribo-Schnullern löst sich das Haltbarkeitsdatum im Laufe der Jahre. Shirley kontaktiert den Dispatcher und findet mich überhaupt nicht faszinierend. Der einst verlorene Ohrring konnte im Zuge der Bettabbauarbeiten noch immer nicht sichergestellt werden. Letzte reguläre Nacht in Milbertshofen. Komme bei Number Four unter. Im Bibliothekszimmer. Sein OP-Termin bleibt geheim.

Freitag, 27. Januar 2006 (Hast du in deinem Leben überhaupt schon mal Schwierigkeiten gehabt?)
Vielleicht hätte ich nicht mit einer Gegenfrage antworten, sondern meine Schwierigkeiten einfach aufzählen sollen. Allein schon die an diesem Tag. Auf dem Weg zu der Umzugsfirma aus Pasing, bei der ich meinen Transporter bestellt habe. Die fünf Minuten ab Bahnhof Pasing kamen mir nach drei-vier Kilometer etwas großzügig geschätzt vor. Als ich dann aber nach meiner Ankunft (zu Fuß) erfahren mußte, daß das Auto nicht hier, sondern in der Lortzingstraße (500 Meter von hier) für mich bereitstünde, platzte mir der Kragen. Gut daß mein Telefonjoker so eine musische Allgemeinbildung besitzt. Sonst wäre ich nach weiteren drei Kilometern verzweifelt. Den sinnlosen Wutausbruch wegen der Entfernungsangabe sparte ich mir. Schließlich wartete Maman bereits mit dem Anhänger bei mir zu Haus. Sie war die erwartet große Hilfe. Dies wurde mir jedoch an anderer Stelle noch in wenig schmeichelhafter Form zum Vorwurf gemacht. Makaays drittes Tor flößt sogar Number Four noch Respekt ein. Simone und Berthold helfen beim Entladen. Die mir von Shirley zugeteilte Arbeitsagentin scheint sehr engagiert. Und meine Hoffnungen steigen.

Samstag, 28. Januar 2006 (Ich hab mir ein paar Folgen Verliebt in Berlin angeguckt)
Die Freunde der Serie wachsen. Ich schichte um. Und treffe ein paar folgenreiche Entscheidungen. Habe die Hauptmieterunterlagen von Homeboy Junior ins Altpapier gegeben, führe mein Hochbett unseren Brennholzvorräten zu und erkläre mich bereit, mich von einigen Büchern zu trennen. Shirleys konstitutionelle Monarchie erhält ein paar neue Regelungen. Außerdem muß sie ein paar unerwünschte Geschenke zurückgeben. Das erste Mal seit langem freue ich mich mal über einen Sieg des 1.Fc Nürnberg. Oma meint, wenn ich nach Potsdam zöge, würde mein schreckliches Hausen doch so weitergehen wie bisher. Simone wünscht sich ein qualitativ ansprechendes Hörspiel mit drei Rollen, von denen ich maximal zwei übernehmen kann.

Sonntag, 29. Januar 2006 (Ich hab' meine Kerze brennen lassen)
In Deggendorf soll kein Herzinfarkt mehr behandelt werden. Passau ist nun die Kleinstadt mit Herz. Breche das letzte Mal auf nach Milbertshofen. Mit Bayern Eins. Ein Wochenende im Zeichen der Sechziger. Von Adriano Celentano über Elvis bis zu Peggy March. I will follow her. Sechzig verliert in Rostock. Bei Richling meinen Röhrenmonitor gegen einen Flachbildschirm eingetauscht. Schließlich wohnt Number Four im vierten oder fünften Stock. Geschäftspartner akquiriert. Richling moniert, ich würde nicht mehr alle Leserbriefe veröffentlichen. Erstens hab' ich keine Zeit. Und zweitens bekomme ich mittlerweile so viel Spam, daß ich eigentlch nur noch die Mails von Shirley wahrnehme. Nord- und Südpol ziehen sich an.

Montag, 30. Januar 2006 (Wo mechst etz parken?)
Mein Online-Seminar dauert drei Stunden. Es sollten meine letzten drei Stunden in Milberthofen werden. Shirley, Georg, Horst und Felix widmen sich Simones Hörspiel. Number Four, kurz vor der OP, zeigt mir mein Quartier und die Speisekammer. Wenn jemand kein Geschenk weiß. Er bräuchte ein Telefon. Eines, das läuten kann. Mit Sex sieht es in meiner neuen Bleibe schlecht aus. Das Fenster läßt sich nicht verdunkeln. Und die Türe ist aus Glas. Das vermeintlich heiße Jobangebot erinnert Shirley an Jean-Luc. «Wenn die so programmieren wie ich, und die programmieren sicher net' besser. Dann möcht' ich in kein Flugzeug mehr steigen.»

Dienstag, 31. Januar 2006 (Wie sieht ein Holzwurm genau aus?)
Mit Claudia ins Bella Italia. Kleine Beziehungskiste. Wegen Shirleys Schlafanzugs. Ein Butterkeks verfehlt sein Planungssoll. Wunde Finger. Kein Internet. Kein Heim. Kein eigener Kühlschrank. Schwermut, Durchfall und Psoriasis.

Mittwoch, 1. Februar 2006 (All you can eat)
Habe die Gefahren dieses Aufrufs von Pizza Hut unterschätzt. Verspüre merkwürdige Übelkeit. Claudia meint, ich müßte das doch gewohnt sein, von mir zu Hause. Da gab es selten Pizza. Und wenn, dann wurde die Pizza Salami nicht erst nach dem Essen aufgetragen. Das besucherunfreundlichste Wohnviertel von ganz München, ja ich spreche von Haidhausen, hängt mir eine Ordnungswidrigkeit an. Shirley ersteigert neues Ladegerät. Beim Poker um zwei freie Plätze nebeneinander mal wieder im Raucherabteil gelandet.

Donnerstag, 2. Februar 2006 (Sie brauchen nur zwei Sätze schreiben. Ist ganz einfach.)
Vorstellungsgespräch in Brandenburg/Berlin. Idyllisch gelegener Firmensitz. Telepathische Unterstützung von Frau Dr. MacLaine. Acht-Mann-Gremium. Keine Fragen über meine Lebenssprünge. Dabei hätt' ich heute eine kurzweilige Nummer vorbereitet. Schade. Daß ich die Klausur im Nebenzimmer ohne Google lösen mußte. Einer der anderen Bewerber soll noch idealistischer sein als ich. Unvorstellbar. Nach dieser traurigen Episode wollte ich nur noch essen. Mit Frau Dr. MacLaine. Egal was. Nur nicht indisch. Auch dies sollte anders kommen. Selbst unser Zwischenimbiß war indisch. Ein VW-Bus wird geklaut. Caj sei ein russisches Wort, meinten zwei Expertinnen. Und indische Soße schmeckt gar nicht mal so schlecht. Rosenthalplatz scheint mir näher am Alex zu liegen, als Dr. MacLaine mir weismachen will. Und wieder steh' ich mit dem Nachtzug bei Wannsee. Wieder kann ich nicht bleiben und muß zurück. Kann verstehen, was in Namensvetter Kleist und Namensbase Vogel vor sich ging. Sie wollten auch hier bleiben. Holzwürmer sollen kleiner sein. Bis übermorgen ist ein erträglicher Abschiedsgruß.

Freitag, 3. Februar 2006 (Wir sind im Stadtcafé)
Der genesene Homeboy Number Four lädt ins Stadtcafé. Ich jedoch flüchte in die Arbeit. Wenn mein MacDonalds-Mitarbeiter nicht bekifft war. Dann haben die Ausbilder ihre Arbeit zu gut gemacht. Dr. MacLaine geht früh zu Bett. Hat einen Morgentermin. Und in München wartet schon die nächste Konferenz.

Samstag, 4. Februar 2006 (Der Shop geht net)
Zorros Shop hat ein besonderes Talent, im ungünstigsten Moment auszufallen. Im Ski-Urlaub. Im Zug. Heute, als Homeboy Number Four sein Vormittagsschläfchen halten wollte. Kämpfe weiter gegen die Verkehrsschikanen in Haidhausen. Heute gegen die Einbahnstraßenflut. Von der ich weggespült wurde, weil ich Geld wechseln mußte. Um den Parkautomaten zu bezahlen, der nur Münzen nimmt. Oder Aral-Geldkarten. Der Münchner Wertstoffhof ist gratis. In Deggendorf muß man blechen. Bayern mit nachlässiger Chancenverwertung. Frau Dr. MacLaine trifft pünktlich ein. Siebzig Zentimeter Matratze sind weniger als man denkt.

Sonntag, 5. Februar 2006 (Kennst du das Land, wo die Zitronen blüh'n?)
Karges Frühstück in Haidhausen. Spaziergang durch die Innenstadt. Am Deutschen Museum vorbei. Nach 25 Jahren wage ich es. Der großen Kränkung von einst. Wieder in die Augen zu sehen. Kaufe mir den Original Rubik's Cube, den Dr. MacLaine und Dr. Number Four in den Achtzigern gelöst haben wollen. Die Demonstration bleiben sie schuldig. Weil Richling keinen Sinn darin erkennen kann, Puzzle-Teile in die richtige Stellung zu bringen, wird der Abend zur geplanten ersten Geschäftssitzung. Von juristischen und alpinen Unterbrechungen abgesehen. Pomeranzen und Apfelsinen bringen Goethe und Eichendorff ins Spiel. Aller Polemik Number Fours zum Trotz bleibt Gott eine Arbeitshypothese.

Montag, 6. Februar 2006 (Der Lüfter eiert)
Grenzenlose Mobilität. Dem Bechterewler, der sich danach sehnt. Bleibt eigentlich nur. Die UMTS-Flatrate-Notebook-Karte von E-Plus. Number Four geht mit dem Staubsauger auf meinen Rechner los. Der vermutete Prozessor- und Netzteilschaden entpuppt sich gottlob als Wackelkontakt. Die Polizei knipst bei meinen Parkbemühungen im Tal das Megaphon an. «Host d'as etz bald!!!» Conrad zeigt sich sehr kulant. Dr. MacLaine vertritt mich beim Seminar. Und ein disaströs retardierender Abend findet nach einem Blick auf die Silhouette der Stadt sein verdientes Happy End. Zumal ich auch auf meinen Eintrittskarten für die Allianz-Arena nicht sitzenbleibe.

Dienstag, 7. Februar 2006 (Ich möchte nach Neuschwanstein)
Beim nächsten Mal schauen wir uns die Route zu Hause an. Nicht erst in Garmisch. Mußten mit Schweinebraten und Wiener Schnitzel in Ettal vorliebnehmen. Schnappten wenigstens ein kleines bißchen Buchheim-Museum auf. Und beinahe hätten wir's noch ins Kino geschafft. Für melancholische Charakterzüge schämt sich selten einer. Ein dicker Mann raucht beim Essen. Und Fahrten in die Alpen wirken in jeder Beziehung anregend.

Mittwoch, 8. Februar 2006 (Katastrophenalarm in Deggendorf)
Unausgeschlafenes Frühstück am Bahnhof. Krapfen mit Käse. Bringe das Auto sicher nach Hause. Der Schnee vor unsrer Haustür wird mit Lastwägen abtransportiert. Die Kanalisation wirkt überlastet. Muß endlich mit meinem Referat beginnen. Bremen und Hamburg bewahren sicheren Abstand.

Donnerstag, 9. Februar 2006 (O mei, o mei!)
70cm Matratze können leerer sein, als man denkt. Roadmap fürs Referat festgelegt. Brandenburg/Berlin hat sich für einen anderen Bewerber entschieden. Werd' ich wenigstens kein Systemadministrator. Adresse ändern lassen. Bei AOK, FCB, O2 und bahn.de. Die E-Plus Notebook-Karte funktioniert tadellos im PC mit PCMCIA-Adapter, wenn man GPRS deaktiviert. Dr MacLaine meint, das O mei hätte ich von Number Four übernommen. Kann man sich einen Arbeitsplatz patentieren lassen?

Freitag, 10. Februar 2006 (Das ist ein Taster. Was Sie mit dem Taster vorhaben, entzieht sich meiner Kenntnis.)
Déjà vu. Der Rechner fährt schon wieder nicht mehr hoch. Diesmal nutzt das Rütteln an der Abdeckung wenig. Der des Wackelkontakts verdächtigte Schalter wurde sofort unschädlich gemacht und dabei beschädigt. Bei Konrad meint man, das wäre ein reines Ersatzteil. «Do schauts schlecht aus!» Die Überbrückung der Kontakte mit dem Schraubenzieher brachte leider auch nichts. Number Four rät zum Kauf eines neuen Rechners. Selbigen habe ich dann nach einem langen Backup-Abend im Büro unter der Anleitung von Dr. MacLaine auch bei Dell bestellt. Dr MacLaine will von Pech nichts wissen, spricht von einer Verquickung ungünstiger Umstände und sucht mir Stellenangebote raus mit Anforderungen wie Hauptschulabschluß mit Berufserfahrung.

Samstag, 11. Februar 2006 (Die Kunst der Stunde)
Der Rechner läuft wieder. Der Wackler lag beim Datenkabel. Da hätt' ich den Schalter nicht kaputt zu machen brauchen. Kreditantrag an die CC-Bank gefaxt. Number Four kommt früh vom Dokumentarfilm zurück. Von Junior wird kolportiert, den Samstag Abend nicht allein verbracht zu haben. Anläßlich der großen Schluß-Liquidation der Feichtinger AG, die am Montag unwiderruflich schließt, ergänzt Number Four die Titelseite um ein Wortspiel-Manual. Evi Sachenbacher darf nicht starten. Ohne Schienbeinschoner hat man nichts zu lachen. Dr. MacLaine sorgt für eine schlaflose Nacht.

Sonntag, 12. Februar 2006 (Eine Sensation liegt in der Luft)
Endspurt in Sachen Seminararbeit und -vortrag. Trotzdem in die Arena. So viele Leute haben mich sich noch nie bei mir nach ihrem Sitzplatz erkundigt. Baggio tauscht mal wieder Loge mit Block 321. Ingo zitiert einen Reporter. Mit dem Fußball ist es wie mit einem Flügel. Zum Tragen braucht man neun Mann. Aber richtig spielen können nur zwei. Ein leicht überheblicher Arbeitssieg. Wir haben ja auch wieder jemanden drin. Im Tor. Zorros Ballackkritik wird von Spiel zu Spiel leiser. Dr. MacLaine feilt an ihrer Veröffentlichung. Und ich sehne mich nach ein paar Stunden Schlaf. Number Four hält die Äußerungen eines Staatschefs, den ich nicht nennen will, um der Verfolgung zu entgehen, für nicht so abwegig. Und Henryk Broder denke genau so. Vielleicht ist Satire gefährlicher als ich dachte.

Montag, 13. Februar 2006 (Rundherum gelungen)
Es ist vollbracht. Schönfärbers haben das Referat gelobt. Endlich. Ich bin wieder da. Essen gegangen. Ohne flaues Gefühl im Magen. Freiheit. Brandenburg/Berlin soll sich beim Boss von meinen Referenzen überzeugt haben. Wer hat Number Four wohl den Bademantel geliehen? Claudia meint, wenn ich weiter so aus der Wäsche plaudere, schmeißt er mich bald raus. Werde mich benehmen. Dr. MacLaines Patienten können bereits wieder Verliebt in Berlin gucken.

Dienstag, 14. Februar 2006 (Es bediente Sie Giuseppe)
Rudern ist Dr. MacLaines Sache nicht. Das Personalbüro läßt verwundert anfragen, ob meine gesamte Korrespondenz künftig wirklich nach Mecklenburg geschickt werden solle. Wo die Vogelgrippe jetzt schon in Vorpommern ist. Number Four zeigt sich gegen ein Uhr früh recht utilaristisch, hedonistisch und auf der Suche nach dem dritten Wort. Hat man mir das richtig erzählt? In Niedersachsen streiken die Politessen. Mein Knöllchen wird immer bitterer. Und auch meine Angelina Pectoris macht sich wieder etwas bemerkbar.

Mittwoch, 15. Februar 2006 (Mögen Sie Ouzo?)
Mit Werner beim Griechen. Ihm haben sie Teleworking bewilligt. Er meint, er liefere am Wochenende auf dem Kanapee mehr als andere, die die ganze Woche einen Bürostuhl besetzen. Dr. MacLaine möchte nun doch selber paddeln. Esther hatte gestern Notenkonferenz. Und Simone muß den Felix umbesetzen. Ornithologen rätseln um Herkunft des Virus. Tutanchamun nahm' nicht nur den üblichen roten, sondern auch weißen Wein mit ins Grab. Vielleicht sollte man auch König Ludwig noch mal ausbuddeln. Am End' verbirgt sich in dem beigefügten Weißbierglas ein norddeutsches Pils.

Donnerstag, 16. Februar 2006 (Die kannst du doch auch so löschen...)
Meinte Herr E. auf meine Klage, daß ich mir für meine 1000 sms bald ein Datenkabel besorgen muß. TV Smith werde zur Zeit erstaunlich wahrgenommen. Herr E. hat von Fans eine Rose bekommen. Bei der Band, in der die Bassgitarre früher gespielt hat, kenne ich auch die neue Bassgitarre. Alwin nimmt kein Bier mehr unter 0,5 an. Für Claudia und Dr. MacLaine geht ein weiteres Mal die Titanic unter. Im Nicht-Hetero-Café kurz den Server neu gestartet. Guantanamo verurteilt. Die Stadt München verurteilt. Weil sie ab 1. Februar eine Zweitwohnsteuer erhebt. In Höhe von zehn Prozent. Wer hat das Thema nur so klein gehalten? Das Baader-Café führt keinen Minz-Shake mehr. Den Verwaltungsaufwand im Gesundheitswesen beklagt. Balkonszenen sind nicht immer romantisch.

Freitag, 17. Februar 2006 (Da muß ich erst den Akt holen)
Nachdem Gott die Klapperschlange, die Kröte und den Vampir geschaffen hatte, blieb ihm noch etwas abscheuliche Substanz übrig, und daraus machte er einen Streikbrecher. So warnen Kollegen. Weil ich mich mangels Zeit am Streik nicht beteiligen konnte. Dr. MacLaine studiert den Vogelzug. Die Karrierefrau von der Au und Gemahl sorgen sich um meine Tamiflu-Vorräte. Werde mir nächste Woche in den Katastrophengebieten selbst ein Bild von der Lage machen. Number Four beim Dinieren mit Lambada-Annie gestört.

Samstag, 18. Februar 2006 (Eine Praline zwischen zwei Schachteln)
Bayern arbeitet weiter an der Unbesiegbarkeit. Aus Solidarität mit Dr. MacLaine eine Samstagsfrühschicht eingelegt. So viel Geschichtsverfälschung ist erlaubt. Mettner Handballer erklimmen Tabellenspitze. Simone angeschlagen. Eine besorgte Mutter macht sich Sorgen um ihre Tochter im großen Berlin. Hat von KO-Tropfen gehört. Aber die Gefahren liegen hier. In Niederbayern. Die Schinkennudeln haben als Grundlage nicht gereicht. Auch der Ouzo war nicht förderlich. Nach dem ersten Pfief sollte man einen Schnitt machen. Gottseidank war ich zu Hause nicht mehr in der Lage, die Chipsletten aufzureißen. Hätte nicht lange Freude an ihnen gehabt. Papa klärt mich über die Gefahren der Zweisamkeit auf.

Sonntag, 19. Februar 2006 (Fahren Sie nach München?)
Mama war auf Wellness. Oma kocht Schweiners. Simones Hörspiel ist im Kasten. Mal wieder mit Wochenendticket in die bayerische Landeshauptstadt. Richling scheut auch vor sBetrug nicht zurück. Dr. MacLaine von meinem Baukastentrauma erzählt. Number Four zeigt ungewöhnliches Interesse für Eisschnelllauf. Vogelgrippe erreicht das Festland. Fürchte die Quarantäne.

Montag, 20. Februar 2006 (Sie haben die Zeit voll ausgenutzt)
Wieder im Seminar. Wieder warfen sich Schönfärbers mächtig ins Zeug. Tendiere nun doch zu einer (leichtgewichtigen) Workflow Engine. Dr. MacLaine versucht kollaboratives Experiment. Richling sitzt mit Tante Petra in einem Boot. Der Föhn kündigt den Frühling an. Esther muß korrigieren. Drei Tage nach dem Zwischenzeugnis. Pandemie-Szenarien werden konkret. Bärbel Höhn würde Fußball-WM ausfallen lassen.

Dienstag, 21. Februar 2006 (Bist du gegen den HSV a net do?)
Ballacks Außenrist ließ sogar Zorro verstummen. Ein saudummer Elfmeter. Simone will den Jäger anders anlegen. Spülung bei Number Four für Freunde des Zwei-Spülverfahrens nur bedingt zu empfehlen.

Mittwoch, 22. Februar 2006 (Du warst etwas praller)
Arbeitsmeeting in Thüringen. Zwei Kollegen, bei denen ich nicht weiß, warum sie da waren. Kneitinger, dessen Job interessanter klingt, als vermutet, meint, das Bier in der Papiermühle wäre besser als unser Regensburger Heimatbier. Noch immer leben wir in der besten aller möglichen Welten und noch immer ist er um kein Beispiel verlegen. In Sachen Dr. MacLaine empfiehlt er einen Ehevertrag. Bei der Vogelgrippe werde übertrieben. Und man solle doch qualifizierte Stimmen, und sei es nur eine einzige wie im Fall der neurokognitiven Therapie, ernst nehmen.

Donnerstag, 23. Februar 2006 (Sind wir die ersten?)
Wir sollten langsam das Klischee des Morgenmuffels ablegen können. Hoffentlich wird das UMTS-Netz noch weiter ausgebaut. Stundenlanges Debuggen. Wegen eines harmlosen Parameters, der erst in Mecklenburg übergeben wurde. Weil der Zug so oft hielt, zwischen Berlin und Schwerin. Mutmaßte man tote Schwäne auf der Strecke. Ob man sich E-Books auch vorlesen lassen könnte, fragte Dr. MacLaine. «Es gibt da ein paar Dienste...»- «Ja. Pflegedienste.»

Freitag, 24. Februar 2006 (Darf man fragen, was das für private Gründe sind?)
Vorstellungsgespäch. Vielleicht bin ich zu ehrlich. Von einem klaren Nein würde ich recht schnell erfahren. Sonst geht's in die zweite Runde. Dr. MacLaine verweigert die Meenzer Fasenacht.

Samstag, 25. Februar 2006 (Davon halte ich nichts)
Beschäftige mich mit einer Dissertation von Joachim Rothhaupt mit dem Titel «Die Bedeutung der Väter für die Psychodynamik von Patienten mit Spondylarthritis anyklopoetica (Morbus Bechterew)». Nach Claudia hat nun auch Dr. MacLaine dieses Werk entdeckt. Und so diskutiert man fröhlich über anale Abwehrmodi und Ambivalenzkonflikte, «die einhergehen mit heftigen anal-sadistischen Aggressionen wie starken unbewußten homolibidinösen, homosexuellen Bedürfnissen.» Immerhin wird Zander widersprochen, demzufolge eine Eheschließung zu den Auslösefaktoren des Leidens gehören soll. Als Korrelat einer affektiven Zurückhaltung angesichts starker promiskuider Tendenzen. Man könne den Bechterew aber auch als symbolisierte Phallizität verstehen. Das schreibe ich nun wieder Rothhaupt zu. Die «befürchtete (weil kastrationsbedroht) und gleichzeitig gewünschte Erektion, ein knickender Phallus». Mein Rücken als unbewußt «originelle Neuverwendung eines Organs» So heißt es bei Overbeck. Ich erspare dem Leser die genaue Quellenangabe. Beim nächsten Vorstellungsgespräch soll ich es auf die Frage nach meinen Schwächen mit Ungeduld probieren. Blake Edwards würde ich nun nicht gerade als Franzose bezeichnen. Der historisch-dialektische Materialismus konnte uns den mühsamen Fußmarsch ebensowenig ersparen wie Johnny Cramer, Schmidtchen Schleicher und Henri Valentino.

Sonntag, 26. Februar 2006 (Und alle Glocken läuten)
Mußten für Alkohol- und Nikotinabusus teuer bezahlen. Meine Rheumatiker-Übungen führen im Hause MacLaine zu allgemein verstärkter sportlicher Betätigung. Shirley beherrscht sogar noch den Spagat. Mein Nebenmann im Sechser-Liegewagen wollte sich partout nicht hinlegen.

Montag, 27. Februar 2006 (Wenn ich Dell höre, krieg' ich Kopfschmerzen)
Vielleicht bestätigt eine Schlagzeile von Spiegel Online mein letztwöchentliches Playdoyer gegen die Comedysierung der deutschen Medien. Habemus Pappnas. Erste positive Signale aus Mecklenburg. Lote beim Chef die Möglichkeit eines Auflösungsvertrages aus. Dell unterstützt nur noch den neuen PCMCIA-Standard Express-Card. Auf der Suche nach einem Adapter für meine neugekaufte, scheinbar alte PCMCIA-Karte läßt der deutsche Einzelhandel kein gutes Haar an Dell. Ebensowenig Vertrauen setzt Elmar ins deutsche Schulsystem. Number Four hat den neuen Badspiegel angebracht und stürzt sich unmaskiert in den Rosenmontag. Dr. MacLaine übernimmt das Ruder.

Dienstag, 28. Februar 2006 (Mach doch mal den Frühling)
Beantworte keine XSL-Fragen mehr. Dr. MacLaine meldet fleißig Bugs. Number Four jetzt mitbewohnerinnenfrei. Idas Blumentopf heißt President Palmer. Die ersten drei Staffeln Twenty-Four erworben. Keine Rückmeldung von E-Plus. Ein Arbeitgeber sagt mir persönlich am Telefon ab. Mit großem Bedauern. Und der Bitte, meine Unterlagen weiterreichen zu dürfen. Zorro plant große Frühjahrsaktion. Natürlich bis gestern.

© Henri Hochofen 2006