Sehnsucht nach der Bohème Bourgeoiser End-Dreißiger blickt in eine rosige Zukunft
Theo, wir fahr'n nach Berlin

Ich habe diese Landluft satt,

will endlich wieder in die Stadt

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Tagebuch von Henri Hochofen

Februar 2007

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Donnerstag, 1. Februar 2007 (Trainerkarussel dreht sich weiter)
(23:14 Uhr)

Magath geht nach Hamburg. Nur Heynckes geht’s nicht so doll. Karls Umzug klappt reibungslos. Obelix trägt zu schwer. Soll man Regelmäßigkeit dem Leben vorziehen? Claudia angerufen. Sie meint, ich soll doch endlich die Kisten mit den alten Tagebüchern online stellen. Dann wär’ ich sie los. Überlege ernsthaft. Es sind verdammt viele Kisten. Rückgemeldet. Und. Gottlob. Der Proxy-Error ist online. Die letzten Minuten beim Handball-Halbfinale angesehen. Vielleicht würde mir Handball besser gefallen, wenn die Tore kleiner wären.

Freitag, 2. Februar 2007 (Stoiber weg, Magath weg, Drei Punkte weg)
(22:25 Uhr)

Schwere Zeiten. Böse Transparente. Nadjas Wohnung leert sich. DVD-Player weg. Fernseher weg. Ehebett weg. Der Countdown läuft.

Samstag, 3. Februar 2007 (Letzter Abend in Rostock)
(23:17 Uhr)

Kylie hilft bei Richies Zimmer. Das Meerschwein wird beinahe vom Akkuschrauber erschlagen. Vor lauter Brunch kann man sonntags nicht frühstücken gehen. Nadjas Firmen-Notebook zurückgebracht. Kurzer Imbiß am Steintor. Letzte Malerarbeiten. Geburtstags- und Einweihungsparty beim Schwager. Nadjas altes Sofa macht sich ganz gut. Vorzüglicher Nudelsalat. Mit irgendwelchen (Sonnenblumen?)Kernen. Beteilige mich nur an zwei Themen. Bibliotheksklau. Und der, die oder das Nutella.

Sonntag, 4. Februar 2007 (Republikflucht)
(22:11 Uhr)

Karls Studentenbude besichtigt. Betrachtet man Nadjas Schwarzwohnung oder meine erste Wohnung, als ich aus einem Kellerverließ von 10qm auf die Grasnarbe hochblicken konnte, hat sich die Generation deutlich verbessert. Sie weiß es nur noch nicht. Mackensuche im Auto. Beim Warten auf den Schwager, der das Babysitten übernimmt und von der 3D-Show schwärmt. Gegen 19:00 Uhr war es endlich soweit. Nadja über die Grenze in den Westen geschmuggelt. Erster Besuch im neuen Stammlokal.

Montag, 5. Februar 2007 (Umzugshilfe)
(23:09 Uhr)

Maman vom Bahnhof abgeholt. Nadja muß nicht im Bürgeramt anstehen. Niedrige Eisenwerte. Floradix. Letzte Vorbereitungen des Umzugs. Rostocker Wohnung scheint Maman mehr zu begeistern als die Berliner.

Dienstag, 6. Februar 2007 (Bin froh, dass die Evolution vorbei ist…)
(00:02 Uhr)

Frühstück beim Bäcker. Frikadellen für die Spediteure, die schon um halb acht anrauschten. Die eingerichtete Halteverbotszone wurde ignoriert. Der Fahrer meint, ich solle 110 rufen. Was ich zunächst für einen Witz hielt. 110 verwies mich ans Ordnungsamt. Die schicken nach ‘ner halben Stunde zwei Politessen vorbei, die den Fahrzeughalter aus dem Bett klingeln. Die Spediteure erinnern mich an die Pyramidenbauer in Ägypten. Nach ihrer Ration Zaubertrank. Der Chef beispielsweise sprintet mit der Waschmaschine auf dem Rücken die Treppen hoch. Allein. Ich bin froh, daß die Evolution vorbei ist und beginne mit dem Auspacken der Bücherkisten. Nadja bekommt Linsensuppe.

Mittwoch, 7. Februar 2007 (Schleppen, schleppen, schleppen…)
(22:31 Uhr)

Wundsalbe für meine Hände. Kann kaum mehr auf die Tastatur tippen. Maman bohrt. Nadja dirigiert. Und ich schleppe Kisten in den Keller. Ein kleines ungesetzliches, hier nicht weiter thematisiertes Malheur. In der kleinen Kneipe ist es zu verraucht für unser Feierabendalkoholfrei.

Donnerstag, 8. Februar 2007 (Drin)
(22:54 Uhr)

Nadja bringt die Fritz-Box in Gang. Wieder erwarten mich Kisten für den Keller. Wachen in der Nacht auf. Seltsame Geräusche über uns. Wir sind uns sicher. Tiere.

Freitag, 9. Februar 2007 (Mausefalle)
(22:49 Uhr)

Nadja ruft gegen 10:00 Uhr an, daß sie eine Maus gesehen hat. Die Maus soll in meinem Rucksack sitzen und rausgucken. Um 10:45 traut sie sich nicht mehr in das Zimmer. Nachmittags holt sie vier Mausefallen beim Baumarkt. Und eine im Zooladen. Richie trifft ein. Wir verschweigen die Story von der Maus. Bis selbige während des Abendessens in die Küche stolziert. Nadja flüchtet mit 180 ins Kinderzimmer. Richie und ich versuchen, die Maus zu stellen. Sie entwischt uns um Haaresbreite und verschwindet spurlos.

Samstag, 10. Februar 2007 (Mäuse-Aida)
(23:38 Uhr)

Die freundliche Mausefalle klappert gegen fünf Uhr früh. Es stimmt. Mit Speck fängt man sie. Wollte nur noch schnell auf Clo. Und die Maus anschließend an der Havel aussetzen. Da. Ich traue meinen Augen nicht. Ein zweites Exemplar der gleichen Spezies, vermutlich sogar des gleichen Alters, huscht am Wäschekorb vorbei. Versuche, wieder sie zu stellen. Diesmal entdecke ich das Mauseloch. Eine kleine Maueröffnung um das Toilettenabflußrohr. Nadja rührt den Künstlergips an.

Sonntag, 11. Februar 2007 (Wieder kein Tatort)
(20:09 Uhr)

Der Vermieter hat nichts von den Mäusen gesagt. Aus Rücksicht auf meine schwangere Frau. Der Kammerjäger ist verständigt. Ein Angehöriger des Tierschutzvereins kann keine toten Tiere sehen. Bayern feiert ersten Sieg des Jahres. Der Kabelanschluß in Richies Zimmer nur Makulatur. Küche schon gemütlich. Computer-Probleme verhindern den Tatort.

Montag, 12. Februar 2007 (Achtung, jetzt kommt ein Karton, ich weiß, den hatte ich schon mal,)
(20:05 Uhr)

Richies tränenreicher erster Schultag. Nadja arbeitet am Flur. Neue Pläne für den Proxy-Error. John-HomeBoy will alle Kinder mitbringen. Seit ich verheiratet mit, strahlt er keine Ehe-Werbe-Spots mehr aus. Kartons nehmen kein Ende.

Dienstag, 13. Februar 2007 (Mehr Mäuse als erwartet…)
(20:02 Uhr)

Kaffeekränzchen in der Nachbarschaft. Versuchen, Richie einen Schulwechsel zu ermöglichen. Berliner Hebamme engagiert. Theo hat sich gesenkt.

Mittwoch, 14. Februar 2007 (Kammerjagd.)
(18:57 Uhr)

Richie bekommt Besuch aus Mecklenburg. Auch Nadjas Ärztin zieht den Geburtstermin vor. Eisenwerte bessern sich. Erich schlägt mich als scapegoat vor. In Englisch the friendly mouse trap besprochen. Once the mouse is in, the door drops. Ein Unit-Test ist nicht dreckig. Nur wenn man es richtig macht. Kammerjäger empfiehlt unter anderem Nutella für die Mausefalle.

Donnerstag, 15. Februar 2007 (Elternabend)
(23:52 Uhr)

Klinik-Informationsabend. Fünfzig schwangere Frauen in einem Raum, mit der Möglichkeit, Fragen zu stellen. Gottseidank ist in Deutschland die Bigamie verboten. Neues Bett eingetroffen. Und zusammengebaut.

Kommentar
 
  • tobias ( 15.02.2007 um 19:17 Uhr )

    * Die seite hat nie existiert, schon gar nicht an dem ort, an dem Sie versucht haben, sie zu lokalisieren.

    Hören Sie manchmal stimmen? und haben Sie auch das gefühl, daß Sie überall gemobbt werden? Vielleicht finden Sie hier hilfe

    TOLL!

  •  
  • Henri Hochofen ( 27.02.2007 um 08:22 Uhr )

    schön, wenn du dich von der fehlerseite angesprochen fühlst…

  • Freitag, 16. Februar 2007 (Die Axt im Haus)
    (19:46 Uhr)

    Nachbar stellt mich auf dem Weg zur Arbeit. Ich soll meine handwerklichen Tätigkeiten nach 22:00 Uhr unterlassen. Eher wirsch als freundlich. Ich versprach, es meiner Frau auszurichten. Planen Vierspaltentabelle. Bringen Kartonmüll zu Ikea. Homeboys verschieben ihre Ankunft.

    Samstag, 17. Februar 2007 (Guitar man)
    (23:38 Uhr)

    So. Jetzt sind nur noch die acht Kisten mit meinen Erinnerungen übriggeblieben. Der Umzug ist fast fertig. Elizabeth läßt raten, wann sie aus Hannover losgefahren ist. Und Number Four tankt in Leipzig. Man drückt mir ein Hochzeitsgeschenk in die Hand, das in keinen Fettnapf paßt. John und Number Four schieben die Idee auf den abwesenden Junior, obwohl der sich doch mit Fettnäpfen gut auskennt. Spazieren mit Bart, Lisa und Maggie an einem brennenden Mülleimer vorbei, die Havel entlang in die Spandauer Altstadt. Wurde im evangelischen Museumscafé Zeuge einer weiteren bitteren Niederlage. John und Number Four fischen einen Ring aus dem Gully. Sieben Pizzen bei Call-a-Pizza. Und kein Gratiswein. John macht sich Gedanken über die hohen Lohnkosten in Deutschland. Plaudern über Modigliani und Kollegen. Denn ernst ist die Kunst und heiter das Leben.

    Sonntag, 18. Februar 2007 (Helau)
    (22:14 Uhr)

    Homeboy-Konvoi. Zur Gedächtniskirche. Zum Faschingsumzug. Lisa sammelt Kamellen. Bart guckt nur zu. Und Maggie ist es zu laut. Outdoor-Kaffee am Savigny-Platz. Eine Puppe, die aus dem Fenster fliegt. Und schon waren sie wieder weg. Die Homeboys. Erster gemütlicher Tatort in der neuen Wohnung.

    Montag, 19. Februar 2007 (Nachzahlen ohne malen)
    (20:32 Uhr)

    Der nächste Kollege hat entbunden. Sehr geburtenreiche Abteilung. Richies Direktor meldet sich nicht. Obelix kann sich nicht ruhig halten und unterstellt mir ein Restless-Legs-Syndrom. Steuerbescheid ist da. Grausam wie erwartet. Und die Betriebskosten-Nachzahlung. Die war nicht mal erwartet.

    Dienstag, 20. Februar 2007 (Bayern weckt Appetit aufs Rückspiel)
    (22:51 Uhr)

    Erich und Konsorten sagen ein Debakel voraus. Nadja macht einen Ausflug in die Innenstadt. Frau Heppel besuchen, die auch gerade umzieht. Kommt müdest zurück. Zwei Premiere-Kneipen in der Nähe gefunden. Meine bayerische Herkunft ließ sich nicht lange leugnen. Van Bommel erzielt das hochverdiente zweite Auswärtstor.

    Mittwoch, 21. Februar 2007 (Ist Kino ein gesellschaftliches Ereignis?)
    (21:21 Uhr)

    Ein Kollege nimmt mich in die Kurzwahl auf. Nadja berichtet vom letzten Stoiberschen Aschermittwochsversprecher. Ihre Eisenwerte sacken wieder ab. Sie wünscht sich noch einen Kinobesuch vor der Geburt. Ich zöge einen gemütlichen Abend im Wohnzimmer vor. Sinnfreie Diskussionen. Angeblich kann ich nicht nachgeben.

    Donnerstag, 22. Februar 2007 (Hybris im Badezimmer)
    (20:11 Uhr)

    In den Proxy-Error soll eine Timeout-Exception eingebaut werden. Nadja hört wieder Mäuse. Der 600-Euro-Kleiderschrank fürs Bad ist da. Und wieder habe ich einen Schraubenzieher in der Hand. Ich dachte, es lief ganz gut. Und wollte zu viel. Beim Hochklappen kracht der Schrank in sich zusammen. Die Holzstifte brechen ab. Die vorgebohrten Löcher. Vernichtet. Rausgebrochen. Mein handwerkliches Waterloo. Mein elfter September. Kein Schraubenzieher ist mehr, wie er vorher war. Nadja bekommt einen Lachkrampf. Theo Schluckauf. Und ich blaue Flecke an dem Knie, das unter dem Schrank lag. Wir versuchen wegen der Symmetrie der Seitenteile am Wochenende einen Workaround.

    Kommentar
     
  • ruediger ( 22.02.2007 um 20:19 Uhr )

    Sag mal Henri, Du hast seit drei Wochen nix mehr in ProDiario eingetragen. Wie sollen wir das denn abrechnen?

    :-)

  •  
  • Henri Hochofen ( 27.02.2007 um 08:23 Uhr )

    überweis mir alles auf mein paypal-konto…

  • Freitag, 23. Februar 2007 (Da steckt doch der Hartz dahinter)
    (22:40 Uhr)

    Eigentlich wollte ich nur den Service-Öl-Hinweis bei der Kilometeranzeige von Nadjas Lupo abschalten lassen. Dann hat man mir die Volkswagen-Werkstatt die ohnehin bald fällige Inspektion aufgeschwatzt. Um mir ein paar Stunden später eine detaillierte Mängelliste zu präsentieren.

    • Blinker Glühlampe vorn, Lack blättert ab
    • Wischer vorn schmieren, Verschleißanzeige gelb
    • Wischer hinten eingerissen
    • Batteriesicherungshalter oxidiert
    • Verbandskasten abgelaufen 2006/12
    • Türfeststeller vorne links knackt
    • Laub im Wasserkasten
    • Drosselklappe extern verkokt
    • Zahnriemen rissig
    • Nockenwellendeckel undicht
    • Federwegbegrenzer hinten defekt
    • 4x Reifen stark rissig/porös
    • Felge vorn rechts beschädigt
    • Stoßdämpfer vorn rechts undicht/schwitzt
    • Ölwannendichtung undicht
    • Motorwäsche

    Hochofen, Fahrzeughalter, vorne links, schwitzt. Automobilbetrieb nicht ganz dicht. Über die veranschlagten Preise will ich gar nicht sprechen. Nur eines. Bei jeder Inspektion werden die Fußmatten gereinigt. Gratis. Aber da geht es mir wie dem Mann in der Nescafé-Werbung. Ich habe gar keine Fußmatten. Zu Hause wartet der gestern zusammengebrochene Ikea-Schrank. Wo ist die Wochenendsfreude?

    Samstag, 24. Februar 2007 (Tanze Ikea mit mir)
    (23:44 Uhr)

    Darf man einem 2,44m-hohen Ikea-Schrank egozentrische Züge unterstellen. Es dreht sich alles um ihn. Wir laborieren immer noch an unserem Workaround. Schwiegereltern sind aus Chile zurück. Kaufe bei Real ein. Bayern gewinnt. Erkläre die Krise hiermit für beendet. Blutwurst soll sehr eisenreich sein.

    Sonntag, 25. Februar 2007 (Ikea, Ikea, die ganze Nacht…)
    (23:11 Uhr)

    Der Ikea-Schrank steht. Endlich Pax. Kurzspaziergang zur Havel. Der Vermieter scheint das Kellerschloß ausgetauscht zu haben. Meinungsverschiedenheiten über die blaue große Truhe. Nadja nimmt ein Vollbad. Theo scheint bis März durchzuhalten. Schalke verliert. Bayern gewinnt den Spieltag. Nadja möchte wissen, warum der Bischof von Augsburg bei Christiansen so ‘ne Telekom-Mütze aufhat.

    Montag, 26. Februar 2007 (Warten auf das Baby)
    (07:22 Uhr)

    Die erste Fremdsprache läßt sich schulbehördlich nicht so einfach wechseln wie gehofft. Wegen des Zahnriemens wieder öffentlich und entsprechend lang unterwegs. So komme ich wenigstens dazu, das Vater-Buch zu lesen. Bei Logging liegt die Betonung auf der ersten Silbe. Schwiegereltern schwärmen von Patagonien und der Isla negra. Nadjas Geruchssinn verfeinert sich. Auch die Übelkeit kommt zurück. Erwarten die Wehen. In der Fritzbox waren noch die Zugangsdaten des Rostocker Providers konfiguriert. T-Online-Hotline bis 24:00 Uhr. Nadja kann nicht schlafen und träumt rekursiv. Angeblich wegen Murakami.

    Dienstag, 27. Februar 2007 (Das Krümelmonster hätt’ ich noch verstanden)
    (23:53 Uhr)

    Nadja hat Herrn von Bödefeld als Bildschirmschoner eingestellt. Bekomme drei Prozent mehr Elterngeld. Die Fahrzeit zur Arbeit könnte mit dem Regionalexpreß klein gehalten werden. Wenn der nicht dauernd zu spät käme. Lennon macht Urlaub in Berlin.

    Mittwoch, 28. Februar 2007 (Senkwehen, Übungswehen, was auch immer)
    (22:50 Uhr)

    Das CTG zeigt bereits erste Wehentätigkeiten. Wobei meine Kollegen meinten, das wären Senkwehen. Aber Kollegen sollte man in der Schwangerschaft besser nicht zu Hause zitieren. Nadja recherchiert in der Geschichte Spandaus. Der Bulle von Tölz hat ‘ne Kollegin aus MeckPomm. Und Number Four will PDFs generieren.

     
     

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