Single bleiben ist nicht schwer

am anfang hätte sex sein sollen

der tragödie nächster teil

2003

2004

Tagebuch von Henri Hochofen

März/April 2004

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Montag, 1. März 2004 (Bundesregierung hat doch kein Blut collect)
Wohngemeinschaft betreffende Umfrage beendet. Ergebnis vorerst ohne Konsequenzen. Aber sobald ich es mir leisten kann, hol ich mir ein 25-jähriges Au-Pair aus Südamerika. Sollte bald Rilke lesen. Vom meteorologischen Frühlingsanfang keine Spur. Brauche bessere Einkaufslogistik. Halte mich in der Woche länger bei Lidl und HL auf als in meiner Küche. Gegenüber kommt doch die Sonne raus. Gerade als ich mit dem Hausmeister telefoniere, in Sachen blaue Papiertonnen, fällt Claudia ins Wort, es stünden doch vier hinterm Haus. Merci, Cherie. Seit Jahren wohnen wir hier. Da haben mir gestern Dutzende von Experten erklärt, warum die Wahlbeteiligung in Hamburg bei ungewöhnlich hohen 78,8 % liege. Den gleichen Experten wird es sicherlich nicht schwer fallen, Gründe für die Wahlbeteiligung von 68,7 % anzugeben. Carlos gesperrt. Hoffentlich wird er nicht durch einen richtigen Abwehrspieler ersetzt.

Dienstag, 2. März 2004 (and the Oscar goes to Wolfgang Schäuble)
Cold and grey Munich morning. And the snow flies. Nüchtern geblieben. Muß wieder zum Facharzt. Erkenntnisgewinn aus Hamburg. Personalisierung wird bei der Partnerwahl immer wichtiger. Andere Inhalte spielen kaum eine Rolle. Man sollte nicht zum Arzt gehen. Nicht ohne seinen Anwalt. Ersterer hat heut was gesehen, was er beim letzten Mal nicht gesehen hat. Operation am 17. März. Schicksalsergeben unterzeichnete ich die Einverständniserklärung für Patienten III. Klasse. Beginne mein Testament. Möchte, daß meine Festplatte gelöscht wird. Die Bücher gehen an Homeboy Number Four, der hat keine. Die DVDs an Junior. Und der Tisch an Homeboy K. Der Inhalt der schwarzen Koffer soll vernichtet, ich selbst möchte verbrannt werden. Keine öffentliche Beisetzung. Meine Asche soll in die Donau gestreut werden. Und man möge von Beileidbekundungen vor dem Ableben Abstand nehmen. Die Karrierefrau von der Au will mich noch mal sehen. Die OP wird für gewöhnlich überlebt. Ich denke eine mögliche Komplikation weiter. Diese beträfe Teile meines Körpers, für die der operierende Spezialist sich wohl nicht zuständig fühlt. Auf Deitsch: Ois andere is eahm scheißegal! Bei so verübter Teilheitlichkeit scheint wenig verwunderlich, daß es im Klappentext meines Kursbuch Gesundheit heißt: alternativmedizinische Verfahren breiten sich aus. Sind hoffentlich nicht bösartig.

Mittwoch, 3. März 2004 (Einigung auf Schäuble war Bundespräsid-Ente)
Soll doch der Schäuble die Schmalz-Jocobsen heiraten. Blut abnehmen, EKG. Zur OP-Vorbereitung. Claudia hat mich noch nie so affektinkontinent erlebt. Leider wirken Grenzsituationen bei mir nicht stimulierend, wohingegen Tyrone Slothrop auf Raketenexplosionen mit Erektionen reagiert, was Kurzzeit-Partner Darlene nicht lange grübeln ließ. „... and what does it matter, but God's sake why shouldn't this stupid Blitz be good for something?“ Coca-Cola steht auf der Leitung. Suizid könnte wieder eine Alternative werden. Schnellwirkendes Gift wäre der Grosshesselohe Bridge auf jeden Fall vorzuziehen. Claudia, etwas ängstlich, hat einen Termin bei meinem Analytiker vereinbart, wofür ich aber wirklich keine Zeit habe. Ich spreche nicht von morgen. Wenn ein Mann ein Drittel Jahrhundert alt ist und operiert wird, dann macht er sich so seine Gedanken, Sugar. Unabhängig von jedem worst-case Szenario, das neue Stadion werd' ich auf jeden Fall noch erleben. Und wenn sie mich reinrollen. Nein, ich bin nicht schwermütig. Und ich werde auch nicht schwermütig sterben. Auf jedem Schiff, das dampft und segelt. Gibts einen, der Schäuble rauskegelt.

Donnerstag, 4. März 2004 (Schröder macht sich Nominierungen nicht so schwer)
Wie auch das Kabinett zeigt. Heute letzter Urlaubstag. Mit Morgenurin. Und nochmaliger ärztlicher Voruntersuchung. Was für ein Urlaub. Erythrozyten, Leukozyten, keine Spermato-Zoten. Wenn publik wird, welche Massen Salat ich in dieser Woche verzehrt habe, setzt der Tierschutzbund die Nacktschnecke auf den Index für bedrohte Tierarten. Hausarzt hat gar nicht nach OP gefragt, mußte ja nur Narkosefähigkeit überprüfen. Erweitere mein Damokles-Mobile mit einer eingeschränkten Lungenfunktion. Sonnenschein. Und die Seance bei Peter Sachsa [im deutschen Raketen-Entwicklungs-Handlungsstrang] hat das Ziel, Kontakt mit dem ehemaligen Außenminister Walter Rathenau aufzunehmen. Die Waltons angesehen. John-Boy schaut so treuselig wie Homeboy K., dessen ehrliches Lächeln nicht nur im Homeboy Café 17 aufgefallen ist. Wieder mit Bechterew-Gymnastik begonnen.

Freitag, 5. März 2004 (ICE liegt auf Ice)
Disziplinierte Frühmorgen-Gymnastik. Claudia liest laut vor. Aus der Süddeutschen. Vor der Arbeit zum Facharzt. Mir ist nach Sartre. Das Telefon ist abgestellt. Im April wieder. Überstunden haben mir gut getan. Medikamente sind teuer. Primavera wird mir fehlen. Der Verfahrenstechniker zeigt bereits Homeboy-Attitüden.

Ein Bier
(vom Verfahrenstechniker)
 
wir habens in den April geschoben,
dort ists, so hoffe ich, gut aufgehoben.
Wenn die Bäume sprießen
lassen wir es fliessen.
Wir schauen hübschen Mädels nach
leider recht vergebens, ach.

Tobias sucht eine Frau, die sein allergrößtes Kunstwerk gebiert. Ohne Witz. Lady Di leider tot. Claudia wundert sich, daß ich mir Sandalen gekauft habe. Lidl-Schnäppchen. Nach Lektüre der letzten Einträge hätte sie nicht damit gerechnet, daß ich den Sommer noch erlebe. Alles subjektiv. Pantha rhei. In dubio.

Samstag, 6. März 2004 (Ailton spielt mit Katarrh)
Über den Nationen steht die Menschheit. Jeder Satz der Union erhöht Munitionsvorräte von Müntefering. Steuerreform light. Vier Jahre kein Kündigungsschutz. Warum überhaupt? Paarungssuche eingestellt. Katharsis. This is Henri. Speaking. Bewußter. Um Slothrop herum verschwinden ständig Menschen, und Leni will ihrer Tochter Mensch sein, <Mutter> sei eine Kategorie des Zivildienstes. Bei Licht geschlafen. Belastende Träume. Wo sind sie hin? Die sexuellen Andeutungen, versteckten Glückssymbole. Wieso träumen? Würde Generalprobe für das Spiel in Madrid als gelungen bezeichnen. Junior und Reiner kondolieren. Und schon wieder die Union. Strafsteuer für Kinderlose. Als chronisch kranker Kinderloser rechne ich mit höchstens einem Prozent des Jahreseinkommens.

Sonntag, 7. März 2004 (Ronaldo fällt aus, Raul fraglich)
Mit Winterbottom und Pommeroy im Homeboy Café 17. Der Karrierefrau von der Au kam ein anderer Termin dazwischen. So trafen wir uns denn in Varasdin. Wirt noch immer erkältet, so daß die Höhepunkte des Abends von der sächsischen Aushilfe geliefert wurden. Aschenbecher ausleeren. Morgenstern zitieren. „Palmström, etwas schon an Jahren, wird an einer Straßenbeuge und von einem Kraftfahrzeuge überfahren.“ Muttermilch bis Montag früh bereits abgepumpt. Anke verläßt eine Runde ungern als erste, was psychologisch hinterfragt wurde. Uwe zeigt wenig Interesse an Diskretion, meinen Gesundheitszustand betreffend. Hätte Claudia meinen heutigen Traum vielleicht besser verschwiegen. Bin Mitglied in einer großen WG. Man kennt sich. Keine Freunde. Zweck-WG. Eine junge Frau, kurzes hellblondes Haar. Keine Ähnlichkeit mit einem mir bekannten Wesen, hat es irgendwie in ein Bett der Wohnung verschlagen. Angekleidet. Es ist unklar, ob es sich um mein Bett handelt. Nicht daß ich mich danebenbenommen hätte. Zumindest schien es ihr sicherer, ihren Standort zu wechseln. Ich hatte die Angelegenheit bereits vergessen, aber so nach einer [gefühlten] Stunde spricht sie mich zielstrebig an. Sie schien Französin, sprach aber auch Englisch und ein paar Brocken Deutsch. Nach einigen inquisitorischen Fragen über meine Aufenthaltserlaubnis und meine finanzielle Situation, was ich alles euphemistisch beantwortete, meinte sie trocken. „Dann kannst du mich haben“ Wollte entgegnen, ob sie nicht ein bißchen materialistisch eingestellt sei, da wachte ich auf. Claudia, bei der Freuds Traumanalyse nicht so lang zurück liegt wie bei mir, meint, die Blonde entspräche der Erfüllung eines von mir verdrängten Wunsches nach Ehe. Interessanter finde ich die Frage, was Claudia zu dieser Interpretation veranlaßt haben könnte.

Montag, 8. März 2004 (Drei Echos für vier Helden)
Der rollende Nasa-Roboter, der den Mars erforschen soll, erinnert an Woody Allen's Monsterbrust. Das mit den Traumdeutungen in der Küche scheint einzureißen. Claudia träumte, daß sie von Schumi und Baricchello auf einer Sänfte am Strand spazierengetragen wird. Na ja. Wenn ich mir die Szene so vorstelle, kommen mir höchstens eine Bahre und zwei Rettungssanitäter in den Sinn. Stressige letzte Arbeitswoche im alten Job. Noch nichts abgeschlossen. Noch nichts übergeben. AZ zu schlecht, um Primavera hinterherzuschauen. Sagnol will mit Manschette spielen. Lizarazu wieder fit. Bsirske sollte sich mal ein Call Center ansehen. Meiner Aldi-Lieblingsverkäuferin merkt man die Arbeitsbedingungen des 19. Jahrhunderts nicht an.

Dienstag, 9. März 2004 (Ailton spielt wirklich mit Katar)
Litt heute morgen an den hohen Mietpreisen in München. Traum von einem klaren Sieg des Fc Bayern. Gegner konnte nicht identifiziert werden. Den Schlußpunkt setzte Santa Cruz mit einem Außenrist-Schuß aus ca. 18 Metern ins Kreuzeck. Selbtsbeobachtungen stärken den Verdacht meines Facharztes. Wenn die Zeit nicht drängte, würde ich den Trainer wechseln. Zeugnisse sind eine Farce. Number Four fürchtet die Investition in ein Bücherregal. Für chronisch Kranke sollte Cannabis auch ohne heilsame Wirkungen freigegeben werden. Das neue Stadion wird billiger. Einkaufen. Das letzte Mal feste Nahrung. In diesem Monat. Wenn man Gemüse so bezeichnen darf.

Mittwoch, 10. März 2004 (Zinedine received what God had in merCy done)
Epikur. Was soll ich tun? Zwar hink' ich heut nicht mehr. Dafür schmerzt die Lendenwirbelsäule. Hoffentlich kann Bayern die Hinspiel-Leistung bestätigen. Ein anonymer Leser fragte im Rahmen der Aktion Leser lesen mit H.H. bezüglich der Enden der Parabel, ob mir schon schlecht geworden sei. Verstehe nun, was er gemeint haben könnte. Auf MVV-Fahrten erhol' ich mich mit Heine. Claudia möchte im Call-Center aufhören. Und in Schwabing bedienen. Seh sie dann nicht mehr oft. Raul und Guti dabei. Die Anspannung wächst. 23:15 Uhr. Jetzt ist die Luft raus. Real hat sich die Bälle zugeschoben. Hätte nur durch aggressives und geschlossenes Forechecking unterbunden werden können. Auch diese Freude ist mir nicht beschieden. Würde mich am liebsten heut schon operieren lassen.

Donnerstag, 11. März 2004 (Nach der Reform ist vor der Reform)
Die Zeit vor einem unangenehmen Ereignis weiß ich nicht zu leben. Aufstehen, Arbeiten, Aufgeben. Möchte heut abend alles übergeben haben, um morgen meinen Schreibtisch aufzuräumen. „Henri, Du bist doch politisch interessiert, was hältst du von der Zuwanderungsdebatte?“ Die Frage bekam ich auch schon zur Gesundheitsreform. Und zum Bidungswesen. Hänge mir ein Schild um. EPIKUREER. No politics. Bin nicht interessiert. Bloß Opfer. Gesine-Schwan-Interview. Verspricht u.a., Deutschland in Europa so zu präsentieren, daß es erhebliche Sympathiegewinne verbuchen kann. Mitleid mit Rau. Maßloser Ärger. Wird nicht konkretisiert. Auf jeden Fall bin ich eine halbe Stunde nach einer Implosion –ja, für gewöhnlich artikuliere ich meinen Ärger nur durch einen klingonischen Gesichtsausdruck – nicht umtrunkfähig. Ein ernster Gast stimmt nicht zum Hochzeitshaus. Jonas als Barnabas darüber, daß es beim Merzschen Steuerkonzept jetzt doch zwoa Bierdeckel werden: „San doch no a Haufa Vereinfachungen dazua kemma.“ Epikureische Lehre nicht fundamentalistisch.

Freitag, 12. März 2004 (Es gibt doch Ratiopharm)
Letzter Arbeitstag. Keine Sentimentalität. Zuviel Stress. Nicht mal die Ratiopharm-Zwillinge lösen meine Anspannung. Bin kein Freund von Abschiedsvorstellungen. Verstieß heut aber ausnahmsweise kaum gegen die Etikette. Kuchen kommt später. Muß Claudia erst bitten. Rosendorfer wollte ich eigentlich meinem chinesischen Kollegen empfehlen, jetzt ist es mein Abschiedspräsent. Neben einem hochfeinen Wortspiel. Gracias. Am Abend DJ Empty Dancefloor.

Samstag, 13. März 2004 (SPD vor der Spaltung)
Ich würde die jetzige SPD in NSPD (Neoliberale sozialdemokratische Partei Deutschlands) umbenennen, damit sie vom Wähler leichter von der linken Partei, die neu gegründet werden soll, unterschieden werden kann. Herr E. am Plattentisch. Wie immer gut aufgelegt. Und auch die gleiche Bedienung. Reiner S. hat Kopfweh und eine Wohnung gefunden. Junior freut sich auf seinen Ski-Urlaub und Englisch-Kurs, bei dem er Tausende von Euro sparen kann. Er hat ja soviel Zeit. Zeit ist nur ein Vorteil, der das Single-Dasein gegenüber der Zweisamkeit aufwertet. Zu nennen wären da sicher noch eine gute Karte im Theater statt zweier schlechter oder wirklich guter Sex. Katastrophale Abwehrfehler und zwei verweigerte Treffer (für uns und gegen Bremen) vergrößern den Abstand zu Werder. Reiner droht Schläge an. Drum sei hier gesagt. Er redet nicht gescheit daher. Außerdem ist die Antwort auf die Frage aller Fragen nicht mehr 42. Sondern Google. Der Hausherr sucht eine Heuristik. Und bemerkt, daß wir alt werden. Von Dr. Müller-Wohlfahrt abgesehen. Der Oberstaatsanwalt kondoliert. Von der Oberpfalz aus. Und der Hausherr wurde von der Gemahlin über die Fernsehbilder informiert. Was zur Empörung beitrug.

Sonntag, 14. März 2004 (Regierungswechsel in Spanien)
Kann mich nicht konzentrieren. DVD-Berieselung. Ich bin OK, du bist OK. Sie hat OB, ich hab OP. Homeboy Number Four auch buchlos glücklich.

Montag, 15. März 2004 (Zapatero kündigt Rückzug aus Irak an)
Terrorismus erringt Punktsieg. Ansporn zu weiteren Taten. Keine feste Nahrung mehr. Heute noch Joghurt und Traubenzucker. Morgen gar nichts. Und am Mittwoch sowieso nicht. Mir ist jetzt schon schwindlig. Warten auf den vorüberziehenden Kelch. Erster Gang zur Videothek. Good Bye Lenin. Amüsiert. Zweiter Gang zur Videothek. Harry Potter Eins. Dritter Gang zur Videothek. Harry Potter Zwei. Etwas Warmes braucht der Mensch. Wildmoser wird von Karl Auer abgelöst. Ihm wäre das „Heinz“ sicherlich mehr zugute gekommen als seinem Vorgänger. Als Wurstfabrikant.

Dienstag, 16. März 2004 (Frühling kommt, der Sperling piept)
Duft aus Blütenkelchen. Werd von a'm Arzt operiert. Und weiß nicht von welchem. M(ein) V(ater) E(rklärt) M(ir) J(eden) S(onntag() U(nsere) N(eun) P(laneten). Hoffentlich wird Sedna als Planetoid eingruppiert. Achtzig Gramm Glaubersalz. Die Prozesse laufen. Claudia fährt mich in die Klinik.

Di, 16. März 2004 bis Mo, 22. März
Die schonungslos offene Dokumentation meines Krankenhausaufenthaltes finden sie in einem Henri Hochofen Special.
→ „A null problem is not amusing
Vorsicht. Keine Frühstückslektüre.

Montag, 22. März 2004 (Vaterlandslose Globalisierung)
Witwen und Weise! Bin wieder da. Benny Bürgerschreck probierts mit Patriotismus. Identifiziere mich noch mehr mit Rick Blaine als früher. „I stick my neck out for nobody.“, was bayerisch so viel heißt, wie „I reiß ma für neamads an Arsch auf.“ Noch hat sich im Vergleich zur Klinik nicht viel geändert. Lediglich die Mahlzeiten bringt mir keiner ans Bett. Der Call-A-Pizza-Mann soll draußen warten. Und daß ich den Namen der Klinik allen verschwiegen habe, lag nicht an meinem übergroßen Ego und auch nicht an den Iden des März, wie Claudia vermutete.

Dienstag, 23. März 2004 (ProSiebenSat1 mistet aus)
Türck, Rohner. Ein halbes Jahr früher. Und Harald Schmidt hätte sich in kein Erdloch verkrochen. Um ein Haar wäre ich wieder in der Klinik gelandet. Die Sache ist noch nicht ausgestanden. Claudia meint, ich nähme alles zu darmatisch. Wer hat Ariel eigentlich den Persilschein ausgestellt? Anzeige erstatten. Per Internet. In Nordrhein-Westfalen. Darf Tôbias nicht mitkriegen.

Mittwoch, 24. März 2004
Desinteresse an Profanem.

Donnerstag, 25. März 2004 (Reform soll wieder positiven Klang bekommen)
Noch mehr Hohlkörper in der Regierung? Wundkontrolle liefert noch keine Entwarnung. Claudia kauft Äpfel, Sauerkraut und Buttermilch. Langsam wird das Zeitfenster für rechtzeitige Genesung vor Jobantritt knapp. Kein gutes AbdOmen. Wenn ich jetzt nicht depressiv werde. WANN DANN? Neues Style-Sheet. Von Claudia angeregt. Survival of the fittest Ich dürfte gar nicht hier sein. Immunsystem bricht zusammen. Du sollst dein Unglück lieben, Henri. Unfähig, mich wohlzufühlen. Bis die Sache ausgestanden ist. This is not Romeo.

Freitag, 26 März 2004 (Nachdenken über Darmstadt)
Es fing alles mit diesem Kondom an. Mit dem dlf-Siegel. (Deutsche Latex-Forschungsgemeinschaft) Und wo sitzt die Staatliche Materialprüfungsanstalt? Darmstadt. Dann kam die Panne mit Beagle. Kakerlaken und Ratten in der Mensa. Und jetzt auch noch die Terrorzelle. Es häuft sich. Simone wechselt zu O2. Und unsere namenlose Katze hatte eine weit schwerere Operation als ich. Vorteil, sie weiß es nicht. Und sie zieht Mitleid von mir ab.

Samstag, 27 März 2004 (42-Stunden-Woche)
Kein idealer Zeitpunkt, in den öffentlichen Dienst zu wechseln. Nicht die einzige Kröte. Drei Jahreskarten in der Schublade. Und nicht im Stadion. Sportschaufreundliches Ergebnis. Homeboy K. bleibt realistisch und fährt künftig häufiger nach Niederbayern. Mein neues Hobby, Verdauung, ersetzt das alte, Sex. Anstatt zu überlegen, wie ich Claudia rumkriege, gehe ich dreimal täglich um den Block und verwende die eingesparte Zeit für das Kauen der Mahlzeiten.

Sonntag, 28 März 2004 (Stuttgart-Bremen 4-4)
Wunschergebnis. Selbstgemachter Druck. Pizza-Service-Wiener-Schnitzel entpuppt sich als Cordon Bleu. Energieüberschuß.

Montag, 29 März 2004 (Emission Impossible)
Homeboy K. soll mal das Zaza inspizieren. Vielleicht Alternative fürs Mezzo. Subjektiv schreitet Genesung fort. Laxans tut seinen Job. Bahnpreise werden schon wieder erhöht, sagt Claudia. Die Grünen sehen weiter zu. Dabei könnte man im Zuge der Retro-Welle Busse und Bahnen wieder verstaatlichen. Eine halbe Million Arbeitslose in die öffentlichen Verkehrsbetriebe stecken. Service nähme zu, Preise ab. Mit jedem neuen Rentner. Claudia sucht einen Haken. Angeln will gelernt sein. Herr Schnäbele, der noch eine Unterschrift braucht, geht nicht ans Telefon.

Dienstag, 30 März 2004 (Oaner hot immer des Bummerl)
Wundkontrolle. Verdränge die beobachteten gravierenden hygienischen Mängel bei der deutschen MassenKassenpatientenHaltung. Und bete. Wir brauchen mehr Fachärzte. Daß mein Arzt eine völlig andere Therapie in Angriff nimmt, wie der operierende Kollege mir empfahl, und sich auch von meinen Zitaten nicht beirren ließ, ob aus Lebenserfahrung oder Geschäftstüchtigkeit, ist keine beruhigende Perspektive. Er plant langfristig mit mir. Muß völlig entgiftet sein. Höre Claudia mit Interesse zu, ohne Hintergedanken. Und die Sonne stimmt mich mild und optimistisch.

Mittwoch, 31 März 2004 (Kann denn Untreue Sünde sein?)
Esser rechnet mit Freispruch. Großer Schritt für meine Resozialisierung. Vier Stunden außer Haus. Auflösungsvertrag unterzeichnet. Abschied vom alten Job. Claudia hat zwar nicht gebacken, aber beim Konditor um die Ecke einen Rabatt ausgehandelt. Ägyptischer Kollege schon wieder in Ägypten. Der Ex-Chef kocht Tee. Hat mit der Strukturontologie begonnen. Rombach soll gestorben sein. Verpflichtet zur nächsten Lektüre. Bei dem hätt' ich in keiner Vorlesung gefehlt. Hoff', ich hab den Tag gut verdaut. Nahrungskette war für sechs Stunden unterbrochen. Denke bereits wieder an Amusement. Nichtintellektuelles. Sich in eine Kneipe setzen. Ein Bier ansehen und Apfelschorle bestellen. Entspannen mit Councellor T. Auf dem Prolodeck. 17:45 Uhr. Ratiopharm geht fremd. Will man sich von den Zwillingen Folke und Gyde lösen? Spiele mit den Muskeln des Verbrauchers. Im Kapitalismus. Um meinen Protest zu bekunden. Wechsle von Laxans ratiopharm auf Laxoberal. Boehringer Ingelheim.

Donnerstag, 1. April 2004 (Per Anhalter durch Bayern)
Auch Edmund hat seinen Adams gelesen. Die Antwort ist also wirklich 42. In der Logik von Globalisierung und Osmose folgerichtig. Die Erde ist eine Scheibe. Umstellung des Biorhythmus macht einen anderen aus mir. Neues Quartal beim Hausarzt. „Herr Hochofen, bitte!“ Es steht auch der Rentner neben mir auf. „Heißen Sie auch Hochofen?“ Erinnert mich an diesen unsäglichen Poetry Slam, bei dem ich als letzter Sprecher ausgelost wurde. Und ein profilneurotischer Power-Slammer, dem es schwer fiel, nicht auf der Bühne zu stehen, stürmte aufs Podium mit den Worten „ICH BIN HENRY HOCHOFEN!“ Olli Kahn hätte ihn verklagt.

Freitag, 2. April 2004 (Quis tabulam radit?)
Siemens. Be fired. Wir gehören nicht mehr zur Familie. Letzter „Urlaubstag“. Wieder Wundkontrolle. Facharzt plant langfristig mit mir. Unüberhörbar, was er in der Kabine nebenan empfahl. Erzählt jedem dasselbe. Wenn der Ernst des Lebens am Montag beginnt, muß alles bis dahin ein Mordsspaß gewesen sein. DVD-Homeboy verzichtet auf ein Gratis-Wochenende in der Schweiz. Mußte Festplatte formatieren. Außerdem beschwört er die katholische Soziallehre und wünscht sich eine Reinemachefrau.

Samstag, 3. April 2004 (El pueblo unido jamas sera vencido)
Europäische Aktionstage gegen Sozialabbau. Erinnerungen an die gute alte Zeit. Mit Che. Und Locksley. „Lasst das Geld den Kranken- Holt es von den Banken“ Der Jahn hat gestern den Club geschlagen. Bayern siegt am Betzenberg. VfB bleibt dran. Frankfurt rutscht rechtzeitig vor dem Spiel gegen Bremen wieder auf einen Abstiegsplatz. Laxoberal abgesetzt. Lieferservice braucht 90 Minuten. Junior ist mit seinem momentanem Lebensstandard nicht zufrieden. Er bräuchte einen neuen AB. Kategorie Lebensstandard kommt in meinem täglichen Überlebenskampf nicht mehr vor. Worüber andere klagen und jammern. Dies alles ist bei mir bereits serienmäßig integriert.

Sonntag, 4. April 2004 (Freunde, Römer, Mitbürger! Hört ihm zu!)
Michael Sommer gestern in Berlin: „Junge und Alte, Frauen und Männer, Auszubildende und Studenten, Arbeitnehmerinnen und Arbeitslose, Rentner und Kranke! Wir lassen uns nicht gegeneinander ausspielen. Wir sind heute gemeinsam aufgestanden, damit es besser wird. Und wir werden nicht ruhen, bis es endlich besser ist!“ [Und was ist mit den transsexuellen konkursnahen Ich-AGs mittleren Alters?] Ein Sommer, wie er früher einmal war. Mit Generalstreik von Mai bis September. Und nicht so kompromißbereit wie im letzten Jahr. John-(Home)Boy sorgt für die Verschiebung eines Homeboytreffens in den Homeboy-Cafés 3, 1 und 17. Anschuldigungen. Lippenbekenntnisse. Ein Hauch von Versöhnung. Beinahe Vollmond. Und beinahe hätte sich auch Tiramisu dazugesellt. Number Four hat Angst, daß sich sein Akku leert, wenn er den Vibrationsalarm nicht abstellt. Weil er so viele sms bekommt. Eine Dame mit viel Persönlichkeit versetzt Junior einen gefühlten Karriereschub mit Outsourcing-Möglichkeit. Mehr als freundlich gesinntes Auseinandergehen. Möge Junior nicht wieder in der U-Bahn eingeschlafen sein. Wehmütig an der Abzweigung nach Varasdin vorbeigezogen. Kein Csárdás. Und kein Gulaschsaft. Bremen zeigt Nerven. Bayern is back. Von Wasservergiftung noch nie was gehört. Bisher. Schraube meine Trinkmenge von derzeit 10-12 Litern pro Tag deutlich zurück.

Montag, 5. April 2004 (ora et labora)
Artikel Eins. Das Prinzip Gießkanne hat ausgedient. Meint Stolpe. Bloß weil es an Zielwasser mangelt. Muß man Blumen jetzt mit Spritzen gießen? Der Osten verdummt, verarmt, vergreist. Aus der Reihe Hochofen hilft ein Drei-Fliegen-Mit-Einer-Klappe-Vorschlag: Bafög nur noch für Antragsteller, die sich bereit erklären, im Osten zu studieren, wo Studieren im Schnitt um 10.000 Euro billiger ist. Und diese ersparte Summe steckt man in die ostdeutschen Universitäten. Artikel Zwei. Hab mich bei der Schlagzeile verlesen. Regierung geht auf Distanz zu WeltekeL. Claudia sagt, dies entspränge meiner dünkelhaften Abneigung gegen das Bankenwesen. Die Pointe überlasse ich der zugehörigen Tarifrunde. Ver.di fordert vier Prozent mehr Lohn. Premiere im neuen Vollzeitjob. Der Name stand schon an der Tür. Aber der Schlüssel war noch nicht da. Zunächst dachte ich, ich hätte die NullNull gezogen. Der Blick aus meinem Büro reicht genau ins Männerclo. Immerhin hab ich jetzt Fenster über der Grasnarbe. Job verspricht, interessant und abwechslungsreich zu werden. Es gibt sie noch, die gute alte Stechuhr, die einen Arbeitnehmer wie mich vor der Selbstausbeutung schützt. Oma freut sich, daß ich in der Kantine was Warmes zu essen kriege. Das Beten hat genützt. Diskussion über die anstehende Tarifrunde mit einem der neuen Chefs. Sozial ausgewogener „Hochofen-Hilft-Vorschlag“ für den öffentlichen Dienst: Volles Weihnachts- und Urlaubsgeld nur noch für Arbeitnehmer mit minderjährigen Kindern oder Enkelkindern. Rest 50 Prozent. Strotze wieder vor political correctness. Beim Nachhauseweg klopft mir Alma auf die Schulter. Auf der Luisenstraße. Sah gut aus. Nicht unvorteilhaft verändert. Homeboy Number Four hat von Wimps noch relativ wenig gehört. Ach ja. Bin feierlich vereidigt worden. Mir war es kurz. Als stünde ich vorm Traualtar. Der Schweiß rann mir von der Stirn. So wahr mir Gott helfe.

Dienstag, 6. April 2004 (Galacticos jetzt Realfußballer)
Es ist so weit. Die Jobs erfordern eine Kommunikation mit Claudia über Pinnwand und Kühlschrank. Wenigstens konnte ich bei ihr fernsehen. 24. Atemberaubendes Action-Format. Und Lehmann will Kahn doch nicht verdrängen. Erster Wurm am neuen Arbeitsplatz. Konnte eliminiert werden. Gleitzeitregelung doch nicht so freizügig. Zumindest nicht nach oben. Wenn mir 8:00 Uhr zu spät ist, dann darf ich gerne früher kommen. Das viele Sitzen tut der Wunde nicht gut. Und auf die Sendung von Fotos einer gewissen Kategorie legt ein Mann in meiner Situation keinen großen Wert.

Mittwoch, 7. April 2004 (in corpore insano)
Weltekel ruht. Andere Sorgen. Übermüdung. Nach dreimal Aufstehen. Augenreizung. Iritisgefahr. Nach der Arbeit sofort ins Bett. Braniff BigPacks (Filtercigarillos) Werbung im Briefkasten. Warum sollte ich wieder mit dem Rauchen anfangen? Einer wie ich vertraut auf die Selbstzerstörungskräfte des eigenen Körpers.

Donnerstag, 8. April 2004 (Burn-Out-Syndrom)
Gründonnerstag. Da sahen schon ganz andere schlecht aus. Claudia heimgefahren. Habe ihr Osternest bereits gefunden. Im Pornokoffer. Muß die Zahlenkombination ändern. Keine Schokolade. Trockenobst und eine Büchse Sauerkraut. Vielleicht revanchier ich mich. Mal bei ihrem Frauenarzt nachfragen. Ob sie Gutscheine für die Praxisgebühr ausstellen. Morgen Diclofenac.

Karfreitag, 9. April 2004 (Arsenal sucht neuen Keeper)
Wenn Lehmann jetzt eine 22-jährige Freundin hätte, die ihn trösten könnte. Muß meine vita dolorosa anders organisieren. Bisheriges Konzept mit dem Fünf-Uhr-Tagesbeginn gesundheitlich nicht durchzuhalten. Karfreitagsgerüchte um Ulla und Hans. Kanzler wäscht seine Hände in Unschuld. Online Pizza bestellt. Pizza-Mann kommt, freudig lächelnd. Mit einem Special-Oster-Gutschein winkend. Als ich ihm auch einen Coupon in die Hand drücken will. „Das haben Sie nicht gesagt!“- Ich hab 's geschrieben. „Sie müssen verstehen. Bei uns kann keiner Deutsch. Beim nächsten Mal rufen Sie an. Jetzt haben Sie zwei Gutscheine...“ A propos Gutscheine. Angesichts meines Buttermilch-Verbrauchs hat Claudia mich letzte Woche bei der Müller-Partei angemeldet. Unwahrscheinlich, daß die Aktion wartet, bis ich 500 Liter Buttermilch getrunken habe.

Karsamstag, 10. April 2004 (Apocalypse Now)
Auf Claudias 30 Zentimeter Bildröhre hilft auch der Director's Cut nichts. Hab mir das erste Mal die Wunde angesehen. Wo bin ich da hingeraten? Warum haben sie mich nicht gleich eingeschläfert? Ohne mit einer Aufzählung zu beginnen und ohne Selbstironie Ingo klar gemacht, daß er einem schwer kranken Mann gegenüber sitzt. Varasdin-Tickets storniert. Bremen bekommt Elfer geschenkt. Bayern bleibt dran. Und mein heutiger Stadion-Nachbar, Well-Informed-Meikäl, diagnostiziert bei Kahn aus eigener Erfahrung einen Bänderriß, überstimmt den Schiri noch öfter als ich und liefert Hintergrundstories über die körperliche Verfassung der Spieler. Allein in Claudias Bett. ARD. Monika Lierhaus. Anne Will. Mehr brauch i net. Rezension von Hermann Schmitz über Heinrich Rombachs Phänomenologie des gegenwärtigen Bewußtseins aus dem Jahre 1981 gelesen. Was ich intellektuell beurteilen konnte, kam mir pedantisch und recht eigensinnig vor. Lektüre verzichtbar. Harmloses Beispiel diese Fußnote von Schmitz. „Principiis obsta! Möge sich die sprachliche Mißbildung «unverzichtbar» (statt «unerläßlich») nie wieder aus Politiker- und Zeitungsjargon in einen philosophischen Text verirren! Das Suffix -bar paßt nur zu transitiven Verben: Dann und nur dann, wenn A den oder das B x-en kann, ist B von A x-bar.“ Ob sich dieser fromme Wunsch erfüllt hat, konnte von mir leider nicht überprüft werden. Unverzichtbar liefert bei Google ungefähr 240.000 Treffer.

Ostersonntag, 11. April 2004 (17:00-Uhr-Bier et Morbi)
Unerklärliche Müdigkeit. Zeitweiser Schwindel. Trotz Bewegungslosigkeit und absoluter Inaktivität. Mit Latein am Ende. Weiter Strategie des schleichenden Verfalls? Oder Lebenswandel, in Siebenmeilenstiefeln, mit Drogen. täglichem Diclofenac und Kredit-Aufnahme? Cette maudite tâche bourgeoise! Cette tâche humide! Und Stuttgart läßt sich auch nicht abschütteln. Mit meiner Schicksalsergebenheit ist's nicht so weit her. Noch nicht. Jammern ist ok. Aber daran leiden. NEIN!

Ostermontag, 12. April 2004 (Kruzifix no a moi)
Wieso hängen sie nicht einfach das Grundgesetz im Klassenzimmer auf? Wenigstens kaum Klagen über Rheumatismus, heute. Warum nicht auch die Love-Parade nach Osteuropa outsourcen. Baldrian-Packungsbeilage liest sich wie das Wort zum Sonntag. «Jeder Tag fordert aufs neue die ganze Aufmerksamkeit. Auch ein „Abschalten“ ist in unserer hektischen Zeit kaum mehr möglich.» Brotbackautomaten aus der Küche entfernt. Letztes selbstgebackenes Brot liegt zwei Jahre zurück. Als nächstes fliegt Claudias Getreidemühle.

Dienstag, 13. April 2004 (Sieben Euro für die Maß)
Und Wireless Lan kost' extra. Es gibt doch Wireless Lan? Wundkontrolle. „Bei so tiefe Riss, manchmal, es dauert ein bißchen!“ Die Kuh Elsa ist tot. Liebäugele mit DVDs für 200 Euro. Geh schließlich auf keine Ü-30-Party mehr. Wo bleibt der Amazon-Gutschein. Wie im vergangenen Jahr.

Mittwoch, 14. April 2004 (after work party)
Das müssen alles Halbtagskräfte sein. Büro vorteilhalft umgestellt, Telefon eingerichtet, Schlüssel erhalten. Claudia erwischt mich um halb zwei beim Frühstück Machen. Sie kam grad von der Arbeit. Muß vom Wecker geträumt haben. Nach wirklichem Läuten wieder eingeschlafen. Ist das schon Paranoia. Oder Parapsychologie. Tôbias kann keine Ordnung halten. Ernährungsumstellung gelungen. Flur vor meinem Büro wird häufiger geputzt als diverse Arztpraxen. Müde wie bei meiner Maurerlehre.

Donnerstag, 15. April 2004 (Was macht die SPD?)
Es ist so ruhig. Noch Ferien? Geheimsitzung beim Kanzler? Wer nächste Schlagzeile liefert, fliegt raus. Der André Heller über mir sammelt auf Nachhauseweg Verpackungsmüll von der Straße auf. Seine Frau mehrsprachig unterwegs. Berufsunfähigkeit, Haftpflicht, Unfall. Man befördert mich zum Buchhalter meines Daseins. Träume von artgerechter Lebensweise. Claudia meint, ich bilde eine Gattung für mich allein. Simone kauft sich ein Auto. Und ich versuche, mich von rohem Fenchel zum Buttervollkornbrot aufmuntern zu lassen. Laut Hademar Bankhofer ein Gute-Laune-Gemüse. Dreimal im Monat darf man sich einen halben Gleittag genehmigen. Beruflich. In Verbindung mit 13 Urlaubstagen besteht also langfristig die Möglichkeit, einmal in der Woche auszuschlafen.

Freitag, 16. April 2004 (Quidquid id est, timeo Danaos et dona ferentes)
Welteke tritt zurück. Mona k.o. Kurz nach Verlassen des Büros, verstärkt von meinen ersten Sonnenstrahlen, Momente des Glücks. Gelassenheit, wie ich sie. Lang nicht mehr. Erinnerungen an den, der ich war. Muß man erst 40 Stunden in der Woche arbeiten? Um die Zeit wiederzugewinnen. Claudias Anstecknad(d)el gekommen. Empty Dancefloor wird zu fester Freitagabendgröße. SZ gekauft. Aus reiner Muße. Nehm ich zu Herrn E. mit.

Samstag, 17. April 2004 (Flucht in den Feuilleton)
Herr E. gestern etwas poppig. Hat Yazoo gespielt. Seine Freundin spricht von finnischem Dosenbierraub, daß 20 % aller Finnen 100 % des im Land getrunkenen Alkohols zu sich nehmen, es sind just die, welche in Kaurismäki-Filmen mitwirken, und daß auch kleine Open-Airs wie z.B. Weigendorf ungeahnte Reize entfalten. Weltkulturserbe Milosevic findet weiterhin Unterstützung bei Peter Handke. Bayerns zweiter Platz akut gefährdet. Hoffe, daß auch Schwarz-Weiß-Maler an der neuen Farbgestaltung nichts mehr auszusetzen haben.

Sonntag, 18. April 2004 (Der Autor dieses Eintrags muß ab heute genetisch gekennzeichnet werden)
Das Fenster ist offen. Regen, Blitz und Donner. Werder macht Sack nicht zu. Dann entscheidet eben das Torverhältnis. Claudia möchte wissen, ob der Pynchon, den ich in der Küche liegengelassen habe, schon mal verfilmt worden ist. Könnt' ich mir durchaus vorstellen. Müßte erst bei Uhse alle Pornos durchgucken. Bei meiner heutigen Leseportion wurde jedenfalls nichts ausgelassen. Vergewaltigung, Kinder, Tiere und Perversionen, die ich erst bei Google nachschlagen muß. Bin schon sehr auf die Interpretation des Verfahrenstechnikers gespannt, der mir dieses Buch anheimstellte. Papst und Bush sollten Ämter tauschen.

Montag, 19. April 2004 (Münti sammelt für die Ausbildungsplatzabgabe)
Mit Erfolg. Immer mehr Firmen geben Ausbildungsplätze ab. Ein Kollege fordert als Zulassungsvoraussetzung für Lehrerinnen die Ehe. Zwecks innerer Ausgeglichenheit. Übrigens. Alle, die in meiner Abteilung angefangen haben und zu diesem Zeitpunkt unverheiratet waren. Alle die. Die heiraten nie. Kein Eintritt mehr für Karl Moik beim Italiener. Muß Pizza-Hut nehmen. Tôbias kann das orale und rektale Ende der selben Sache nicht auseinanderhalten. Amalgam ≠ Analgum. Der Jurist aus Varasdin verweist mich auf die neuere Rezeption des LBS-Wie-Uncool-Spots. Die vom Bausparträger intentionierte Wirkung, nämlich den motorsportbegeisterten bei Mutti wohnenden Thomas schlecht aussehen zu lassen, ja, ihn globaler spießbürgerlicher Rach- und Vergeltungssucht für nichtgelebte eigene Freuden auszusetzen, diese Wirkung scheint sich umzukehren. Womit das Bedürfnis, dem Bausparer eine reinzuhauen, nicht geadelt wird. Habe auf die Gefahren dieses Werbespots bereits im August letzten Jahres hingewiesen.

Dienstag, 20. April 2004 (Die Briten sind das Volk)
Lasse bald auch über meine Verfassung abstimmen. Mir fehlt die Objektivität. Die Kollegen beginnen, sich zu wundern, wohin ich dauernd verschwinde. Mit der Tüte aus der Apotheke. Festplatte gibt merkwürdige Geräusche von sich. Werde wohl wieder einen Homeboy-Kredit aufnehmen müssen. Morgen Außendienst in Bogenhausen. Auf den Spuren von John homeBoy. Post-it von Claudia. Ich soll sie morgen früh auwecken. Sie muß zum Arzt. Verschwimmende Grenzen zwischen Müdigkeit und Zufriedenheit. Will sagen, bin zu müde, um unzufrieden zu sein. Komm zu gar nichts mehr. Letzte Masturbation liegt weit zurück. Die ungelesenen Bücher stapeln sich wieder. Und es geht schon gegen Mai.

Mittwoch, 21. April 2004 (Integrationspflichtkurse)
Zuwanderungsarbeitsgruppe sichert Deutsch-als-Fremdsprache-Job von Tôbias. Außendienst brachte nichts ein. Mediamarkt. Kurzschluß-Kauf. Taxifahrer explodiert, als mich ein nichtbestellter Kollege ein-laden wollte. Diebstahl! Kriegt sich nur schwer wieder ein. Hab mein Baby noch nicht ausgepackt. Sex in der Kaserne. Wer wird dann noch. Vor der. Laterne stehn? Chiemgau-Revoluzzer läutet Jazz-Saison ein. Für mich kommt Ulrichsberg zu früh. Intellektuelles Streben will er mit Pfadfinder- und Feuerwehrabzeichen nicht vergleichen. Alles zu pauschal. Und ich? Ohne Libido, ohne Ressentiments. Eigentlich der ideale Zeitpunkt, Claudia reden zu lassen. Und ihr mit ein paar Ein- bis Viersilbern Aufmerksamkeit und Interesse zu signalisieren. Sie ist nur leider. Nie zu Hause.

Donnerstag, 22. April 2004 (Earth Day, Girls Day)
Bloß i bin net fi-day. Wundkontrolle. „Herr Hochofen, was macht die Wunde? ...So langsam muß es zu werden, sind jetzt schon fast drei Wochen seit der Operation...“ Fand es angebracht, darauf hinzuweisen, daß bereits fünf Wochen vergangen sind. Dominoeffekt zertrümmert 50 % unseres Haushaltsgeschirrs. Hätte nicht abspülen sollen. Wenigstens Münti bricht nicht ein. Legt weiter Auszubildende um. Ersten Blick in die Software meines Fujitsu-Siemens-Babys gewagt.

CSU-Werbung in Fujitsu-Siemens-Rechnern

Da steckt doch der Stoiber dahinter. Mediamarkt bucht schnell ab. Drei Null-Euro-Wochenenden stehen bevor.

Freitag, 23. April 2004 (Keine Rose für Henri Hochofen)
Zwei Arbeitskollegen tragen meine berufiche E-mail-adresse in Spamlisten ein. Statt roter Rosen zum St.Georgs-Tag ein Post-it von Claudia. Das Bad ist überfällig. Mit Wanne abbrausen und einem Seifenwechsel in 0,8 Sekunden wäre es nicht getan. Gibt es in einer Wohngemeinschaft sowas wie Seelenwanderung? Oder Persönlichkeitstausch? Als Vollzeitkraft wohne ich kaum. Schmutz ist nicht von mir. Extra früher Feierabend gemacht. Will mich um 's Baby kümmern. Reiner sucht Begleitung für die Ausstellung „conspiracy – nichts ist wie es scheint!!!“. Karrierefrau von der Au mailt: „Für Dich solls rote Rosen regnen.“ Fünf Minuten später zieht ein Gewitter heran.

Samstag, 24. April 2004 (A quart of ale is a dish for a king)
Nicht aber a heart of Mabel. Zumindest nicht in Amsterdam. Eigentlich ist ein Baby wie das andere. Tag des Buches und bayerischen Bieres nüchtern und lektürelos überstanden. Ein Kollege, der, welcher auch das Shakespeare-Zitat (oben) des gestrigen Tages ausgrub, meint „Buch und Bier - das raten dir .. die für Wein & Weib zu unmusikalisch sind (Was für den verehrten Kollega wohl kaum zutreffend sein dürfte, vid. resp. aud. Herrn Hochofens suizidal-swingende Lebensberatung)“ Nach drei Wochen im neuen Job schon durchschaut. Ich scheine meine Mitmenschen zu Ironie zu nötigen. An meine Vollzeitbeschäftigung gewöhnt sich mein Umfeld nur schwer.

Sonntag, 25. April 2004 (Taxi nach Milbertshofen)
Als Ingo und ich eintrafen, naschten Junior und Number Four bereits am Baum der Erkenntnis. Worst-Case-Szenarien für's heutige Derby, die sich nicht bestätigten. Junior überrascht durch neuen Trumpf im Ärmel, beleuchtet einen eher unbekannten Aspekt in Goethes Leben und führt anhand der Demonstration eines deutschen Herkunftsgesprächs in multiple Identitäten ein. Hierbei wird der fremdländisch aussehende X nach seiner Herkunft gefragt. Wenn sich dabei ergibt, daß X in München geboren ist, so geht die Untersuchung weiter, „aber deine Eltern?“, solange bis das sich einstellende Ergebnis den Erwartungen des Fragestellers entspricht. Frei nach Ingo. «Dei Urgroßvater kimmt aus Ghana? Hob i ma glei scho denkt, daß du a Schwarzer bist.» Mathematisch gesehen wird der Gegenüber auf das Niveau des Untersuchenden herunterdifferenziert, um ihn anschließend integrieren zu können. Um die von Reiner prophezeiten hohen Stromkosten meines neuen Rechners zu umgehen, rät mir Number Four, Akkus zu verwenden. In Varasdin blühen die Rosen bereits. Und wieder einmal spielen Unbekannte auf Reiners latente Vorlieben an. Ob er ein Problem damit habe, daß sein bürgerlicher Name (wird aus Personenschutz verschwiegen) homosexuelle Assoziationen wecke. Selbst Henri scheint Susanne nicht unverdächtig. Sie zeigte großes Interesse an der Riemanschen Vermutung und bedauerte, daß US-Schauspielerinnen bis auf Meryl Streep ab 25 nur noch mit Lifting eine Chance hätten. Möge sie mit ihrem Freund den Boxkampf noch rechtzeitig erreicht haben. Fünf Minuten zu lang in Ingos Seele geblickt. Erste U-Bahn verpaßt. (4:28 Uhr, nächste 5:11) Der Taxifahrer verspricht sich auch vom Rentnerdasein nicht mehr viel. „I hob mit der Welt abgschlossn.“ War zu müde, um ängstlich zu sein. Er war um die 65 Jahre alt und hat sich noch nie angegurtet. Daß er dann doch immer bezahlen müsse, konterte er mit einem lapidaren „Geld hob i gnua!“ Oberstaatsanwalt nimmt Lady-Shave mit ins Stadion. Spiel der Rede nicht wert. Aglio e Olio mit Claudia. Deutet meinen nächtlichen Alptraum als Kastrationsangst. Des geht m'a grod no ob.

Montag, 26. April 2004 (Aventis, Advent is'!)
Bescherung für Manager nicht mehr weit. Eclipse sehr komfortabel. Claudia erkältet. Schuhbänder gerissen. Arbeitslosengeld II verschiebt sich. Aber die Mär vom Meister der Herzen wird pünktlich fortgeschrieben.

Dienstag, 27. April 2004 (Claudias Immunität aufgehoben)
Verheugen im Prinzip für Volksabstimmungen. Aber! Kühlschrank abgetaut. Frauenrechtlerinnen setzen Unisex-Tarife durch. StudentINnen früher nicht so materiell eingestellt. Ailton wird nervös. Arbeite weiter an der bijektiven Zuordnung aller meiner nach dem Waschen übriggebliebenen einzelnen Socken. Claudia vertraut auf ihre Selbstheilungskräfte. Ich nicht auf meine. Soviel Sagrotan wie heute hat die Küche nie gesehen.

Mittwoch, 28. April 2004 (Lehmann fällt wegen Hexenschuß aus)
Darum hat er keine 21-jährige Freundin. Abschaffung des Remis. Oder wie man sich mit 34 Null-zu-Null-Spielen für den Uefa-Cup qualifiziert. Erfahre bald, wer mein Projekt leitet. Pinakothek-Besuch XVI. Alte. Nach all dem Selbstmitleid haben mir die Beweinungen Christi fast ein wenig gefehlt. Lieblingsbild zunächst der Blick aus dem Fenster von der Showtreppe aus. Auf die Wiese. Ja, der Bikini. Anschließend Jacob Jordaens Der Satyr beim Bauern. Claudia fordert Wadenwickel. Ich plädiere für Ratiopharm.

Donnerstag, 29. April 2004 (Die Hauptschuld am Debakel trage ich)
Hunde mit O-Beinen haben eigentümlichen Laufstil. Nein, das hat nichts mit dem gestrigen Spiel zu tun. Lese immer, Eichel steht vor Milliardenproblem. Eichel IST ein Milliardenproblem. Zitiere wie Spiegel Online den Biologen Joel Peck. „Bei sexuellen Organismen nimmt die Hilfsbereitschaft zu, wenn die Lebensbedingungen härter werden.“ Das muß Orgasmen heißen. „Wenn eine Spezies asexuell wird, entwickelt sie ein immer fieseres Verhalten.“ Erklärt dem Leser so einiges. Häng' ich Claudia, der es wieder besser geht, an die Pinnwand. Neuer Rechner sehr leise. Leider auch die Soundkarte. Mutti holt Erlaubnis ein, meine Dosensammlung zu entsorgen. Vier Wochen Vollzeit. Und die Kindheit wird ausgelöscht. Dazu das Plakat vom Park. Schwermut und Altersdepression.

Freitag, 30. April 2004
Sicherheitspatches-Download. Von der Microsoft Homepage. Damit war der Tag gelaufen. Bill Gates hält nicht viel von Mirrors.


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© Henri Hochofen 2004