Tipitipitipso, beim Calypso ist dann alles wieder gut.

schluß mit kalypso

odyssee zur ostsee

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Tagebuch von Henri Hochofen

März/April 2006

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Mittwoch, 1. März 2006 (Denn nicht lange mehr weilet Odysseus fern von den Seinen)
Trotzdem. Der Arbeitsplatzwechsel nach Berlin/Mecklenburg erweist sich schwieriger als gedacht. Claudia meint beim Essen im Bella Italia, diese Erkenntnis hätte ich mit Edmund Stoiber gemein. Penelope war schon immer eine gute Partie. Vorschläge für eine Verlegung des Bombodroms werden gesammelt. Vielleicht holt Klinsmann jetzt einen österreichischen Langlaufcoach ins Boot. E-Plus rät zu UMTS-Handy. Und die SZ meint, ich bräuchte meine Lieferung erst bezahlen, wenn sie angekommen ist. Vogelgrippe weitet sich aus. Doch meine Paranoia stagniert.

Donnerstag, 2. März 2006 (Und Poseidon entsage seinem Zorn)
Workflow Engine läuft. Nach Unterhaltungen über die Vogelgrippe muß Elmar sich immer Schokolade kaufen. Gute Atemschutzmasken sind teuer und müssen täglich gewechselt werden. Penelope gönnt mir einen Preview. Zwei, drei Vorstellungstermine an einem Tag. Esther möchte nie, daß morgen ist. Und stellt ihren neuen Freund vor. Oma geht's wieder gut. Die Waschmaschinenpreise scheinen zu verfallen und die Löcher in den Taschen meiner Cordhose mehren sich. Number Four hat keine Nähmaschine. Die Geschäftsidee stirbt zuletzt.

Freitag, 3. März 2006 (Unter ihnen begann der graue Held Halitherses, Mastors Sohn, berühmt vor allen Genossen des Alters, Vögelflüge zu deuten, und künftige Dinge zu reden)
Der Virus hat die deutsche Großstadt erreicht. Penelopaia sanft cholerisch. Und dann wieder wild friedlich. Kurz nach zwölf ist wahrscheinlich der ungünstigste Zeitpunkt, das Büro zu verlassen. Gar nicht mal, daß man zwanzig Minuten auf die U-Bahn warten muß. Nein. Die Mitmenschen, die einem dabei begegnen. Sind's. Die mich Gummihandschuhe und Schlafbrillen verlangen lassen. Zweimal angerempelt. Zweimal angesprochen. Etwas viel. Für den kurzen Weg nach Hause. Wenigstens wird man mit Sechs-Tage-Bart nicht angebettelt. Wobei in München nach wie vor Euro gefragt sind. Wohingegen man in Berlin nach benutzten Fahrkarten verlangt. Zehennägel geschnitten.

Samstag, 4. März 2006 (Rette mich aus dem Meer vor dem schrecklichen Grimme Poseidons!)
Number Four verfugt das Bad, verschickt das Foto seiner Südtiroler Skihütte und beschwert sich, daß Robbie Williams zu oft gespielt wird. Auf Energy. Er kennt Radio Enjoy noch nicht. Bayern kehrt rechtzeitig, hoffentlich rechtzeitig, zu den Sterblichen zurück. Karl-Heinz läßt sich schon wieder von seiner Frau vertreten. Schollis Ausgleich im Stehplatzbereich miterlebt. Nach dem neuerlichen Rückstand losgerannt. Zum Nachtzug, in dem sich für meinen Geschmack zu viele HSV-Fans aufhielten.

Sonntag, 5. März 2006 (Da hemmte der Gott die wallenden Fluten)
Auch GPRS macht Probleme. Penelope wartet mit Nußkuchen. Stundenlange Toolsuche für die Geschäftsidee. Bis die Fritz-Box nicht mehr wollte. Zorro sorgt sich um Dereks Amerika-Geschäft. Wegen der horrenden Überweisungsgebühren. Schneechaos in München gemütlich in Mecklenburg verfolgt.

Montag, 6. März 2006 (Freudig spannte der Held im Winde die schwellenden Segel)
Meine Vorstellungstermine bringen mich in Gegenden der DDR, die Penelope nur aus Erzählungen kennt oder in die sie nie mehr einen Fuß setzen will. Ein Arbeitgeber in spe hat alle Kunden mit roten Fähnchen auf einer Deutschlandkarte markiert. Job würde Anzug und Krawatte erfordern. Penelope startet meinen Server neu. In Stralsund mußte ich eine von Möwen gesäumte Brücke überqueren. Mit mulmig-viralem Gefühl. Daniela kündigt E-Mail an. Sie müsse mir was erzählen. Tippe auf Hochzeit.

Dienstag, 7. März 2006 (Weh mir, ich elender Mann! Was werd' ich noch endlich erleben!)
«...dass wir Sie trotz des positiven Eindrucks Ihrer Unterlagen und Ihrer persönlichen Vorstellung....»
So viel Chips kann ich gar nicht essen. Wie ich nötig hätte.

Mittwoch, 8. März 2006 (Und die Sonne sank, und Dunkel umhüllte die Pfade.)
    Sehr geehrter Herr Hochofen,
wir sind Personalvermittler und haben wohl irrtümlicherweise Ihre Unterlagen erhalten.
- Abizeugnis
- Lebenslauf und Bild
- Zeugnisse ...
Alle diese Unterlagen lauten auf Henri Hochofen, geb. am XXXXXX ...
Wir haben als Kandidaten einen Consultant SAP BI mit Namen Henri Hochofen.
Seine Webadresse unterscheidet sich von Ihrer nur wie folgt:
henri_hochofen@xxx
Ihre Unterlagen werden wir komplett vernichten.
Es wäre wohl sinnvoll, wenn Sie Ihre Mailadresse verändern, um weitere Irrläufer zu vermeiden.
Mit freundlichen Grüßen
Sandra Langer
Von meinem Namensvetter aus dem Ruhrgebiet weiß ich nun also, daß er ABAP beherrscht und sich vor einigen Jahren in Venedig eine Finnin angelacht hat (siehe: 2. Juni 2003). Ich finde, der sollte sich eine andere Wohnadresse suchen, in einem anderen Land. Dann gäb's auch weniger Mißverständnisse. Wie soll man? Bei solchen Personalvermittlern Arbeit finden? Der FC Bayern konnte den Hebel, dessen Existenz wir uns eingebildet haben, nicht umlegen. Und die acht bis neun Spieler, die seit Wochen meilenweit von ihrer Bestform entfernt sind, konnten selbige auch im wichtigsten Spiel des Jahres nicht abrufen. Die Saison ist gelaufen. Und es liegt noch Schnee. Penelope testet ICQ und bestellt einen Mietwagen. Number Four meint, mit der Einführung leistungsorientierter Bezahlung im öffentlichen Dienst könne man den Sozialstaat gleich abschaffen.

Donnerstag, 9. März 2006 (Also schlummerte dort der herrliche Dulder Odysseus, überwältigt von Schlaf und Arbeit.)
Flucht in die Arbeit. McDonalds-Bahntickets-Viererkette erstanden. Zum Mitnehmen. Penelope sehr müde. Und in Sachen kompetente Personalberaterin bat man mich, auch den Briefwechsel zu veröffentlichen, der dem Vorschlag der Namensänderung vorausging.
    Hallo Herr Hochofen,
bitte um Prüfung der Anlagen, hier ist etwas falsch !
Lebenslauf und CV sind zwei völlig verschiedene Personen !
Freundliche Grüße
Sandra Langer
    Sehr geehrte Frau Langer,
ich habe Ihnen nur meinen eigenen Lebenslauf geschickt.
Mein Name ist Henri Hochofen.
Und einem kurzen Blick in meinen Personalausweis nach zu urteilen, scheint diese Angabe auch richtig zu sein.
Mit freundlichen Grüßen,
Henri Hochofen
    Hallo Herr Hochofen,
woher kommen dann die weiteren Anlagen ?
Ich habe diese Mail so erhalten.
Bitte prüfen Sie das mal nach.
Freundliche Grüße
Sandra Langer

Freitag, 10. März 2006 (Ach noch viele schreckliche Trübsal stand mir bevor, vom Zorne des Erderschüttrers Poseidon!)
Mein Rechner übersteht die Brandung nicht. Candlelight-Dinner mit Claudia in der Bahia. Wo es Spitzen-Pizzen gibt. Telemachos meint, mit dem roten Vinylhut aus dem Kaufhof sähe Penelope aus wie der Paddington-Bär. Die Presse packt die Anti-Bayern-Dossiers aus. Wie üblich nach einer schmerzlichen Niederlage. Number Four kündigt Ski-Urlaub an und teilt mich fürs Blumengießen ein.

Samstag, 11. März 2006 (Und laß die Herolde wieder füllen mit Weine den Kelch)
Notebookzubehör besorgt und Buster-Keaton-DVDs. Claires Parkettboden wird schon wieder renoviert. Auch sie findet Unterschlupf bei Number Four. Das Bienenwachs für Dreadlocks und Kunsthaar ist aus dem Bad verschwunden. Homeboy Junior, der heute Mittdreißiger wurde, kauft den Wein bei Norma und mißt den Erfolg des Abends am Verbrauch desselben. Wobei ich als Störgröße in die Statistik eingehen dürfte. Die Freundin von Thomas beneidet mich. Weil ich bald nach Schwerin, Rostock, Stralsund oder Berlin ziehe. Lotta in Love soll Verliebt in Berlin bald den Rang ablaufen. Die patchwork-erfahrene Evelyn schreibt unter Pseudonym für Wikipedia. Und manche Themen würden bei Wikipedia auf der Strecke bleiben. Bei 80 Prozent männlichen Autoren. Das Thema Fußball wurde mehr oder weniger schnell abgehandelt. Auch Rüdiger schwärmt vom netten Nachtleben an der Ostsee. Wobei ich's mit coolen Lounges ja nicht mehr so habe. Interessant, daß Journalisten und Medienleute wirklich einen Blick ins Impressum werfen. Natürlich macht Schokolade glücklich. Frau Drexler ist bald unkündbar. Penelope hat bei betandwin gewonnen. Wok-WM. In Prag hat man Müll vor die deutsche Botschaft geworfen. Woraus Homeboy Junior Rückschlüsse auf den Chef vom Dienst zieht. Mußte bis zum Schluß des Abends bleiben, um die Dame am Eck, nennen sie wir künftig Lore, richtig einzuordnen. Junior kein Single mehr. Man denkt nach kleinen Anstößen schon über Spülmaschinen und Wäschetrockner nach. Zu erwähnen wäre noch das Blätterteig-Gebäck. Mit Fisch innen drin. Und das Partyspiel, bei dem sich jeder einen Apfel ausstechen mußte. Verpaßte die Nacht-Tram um Nasenbreite. Aber. Und vielleicht hat sich das Blatt nun endlich gewendet. Die Tram wurde in einen kleinen Unfall verwickelt und konnte nicht weiterfahren. Wie ich freudig bemerkte. Im Taxi. En passant.

Sonntag, 12. März 2006 (Griechen sind wir, und kommen von Trojas fernem Gestade)
Während Claire zum Joggen ging, im Meditationsraum ihre Yoga-Übungen abolvierte und sich Tortillas in der Pfanne brutzelte, bäckt Penelope einen Schokoladekuchen. Zorro erhöht seine Preise. Und Claudia meint, jetzt wäre der richtige Zeitpunkt, Rügen aufzukaufen. Die Ikea-Regale sind da. Echos für Wir sind Helden und für Peter Kraus. Mein 200 MB-Download über das ungesicherte WLAN-Netzwerk aus der Nachbarschaft bricht mehrmals vorzeitig ab. Das Notebook entwickelt sich zum neuen Lebensmittelpunkt.

Montag, 13. März 2006 (Und ich rief dem Kyklopen von neuem mit zürnender Seele)
Ganzen Tag nach unerklärlichem Bug gefahndet. Claire bereitet ein sehr übersichtliches Mahl zu und erinnert sich an Ecuador. Es gibt kein Olivenöl mehr. Number Four soll ein Kehrpaket bekommen. Einer meiner vielen Chefs erkundigt sich, wann ich denn nun genau in Richtung Berlin zöge. Penelope möchte worst-case-Szenarien ausblenden. Warten.

Dienstag, 14. März 2006 (Beim Abendschmaus singt Demodokos von dem hölzernen Roß)
Kleines Redesign. Rund dreißig Klassen geändert. Penelope schafft Platz für meine ungelesenen Bücher. Baguettes am Bahnhof. Claire ließ sich vom Chef zum Essen einladen. Und schildert, wie sie. In großer Gefahr. Dem Tode entronnen. Da lob' ich mir das friedliche Ithaka. Unterhaltungen mit mir seien. Wie wenn man mit jemand Tennis spielt. Und der andere haut die Bälle irgendwohin. Reality bites. Aber. Es gibt ja auch Tennislehrer. Und Ballmaschinen.

Mittwoch, 15. März 2006 (Es siegte der böse Rat der Genossen)
Schön, daß Hotels für ihre Gäste WLAN anbieten. Und schön, daß Number Four neben einem Hotel wohnt. Penelope sorgt sich um Flügelbestände. Muß an einem Poster gegen meine Genossen mitarbeiten. Heute in der Reihe Claire und Er. Leere Weinflaschen. Volle Aschenbecher. Und geheime Telefonanrufe. Meine Mutter kommt nicht ins Internet und möchte wissen, was sie denn für eine Domäne hätten. Erhard wundert sich, daß man in Marokko nichts von der Vogelgrippe hört. Aber. Wenn's kommt, kommt's. Mit Herrn E. über die geniale Strategie des deutschen Fußballs nachgedacht. Ausgeruht und ohne Europapokalstreß zur WM reisen. Ein US-Amerikaner sucht verzweifelt nach seinem Hotel. Help me! I'm lost! Penelope und Telemachos bestätigen Platzecks Schreckgespenst des zweiten demographischen Wendeschocks.

Donnerstag, 16. März 2006 (Einen günstigen Wind' sandt' ihnen Pallas Athene)
Es muß doch einen bayerischen Sprachkurs auf CD geben. Das erste Mal, diese Woche, einen Laden von innen gesehen. Reiseproviant besorgt. Mitbewohnerin Claire noch kurz erklärt, wie die Haidhausener Parkuhren ticken. Gepackt. Matratze hochgeklappt. Number Fours Blumen gegossen. Lebensmittel verteilt. Penelope braucht sich nicht zu sorgen. Nach so einer Irrfahrt. Und nach so vielen tausend Kilometern in den Knochen. Bin ich praktisch unbezirzbar. Im Nachtzug gen Berlin. Zum nächsten Vorstellungsgespräch.

Freitag, 17. März 2006 (Ithakas sonnige Höhn sind meine Heimat)
Schon wieder ein neuer Fingernagel-zwicker. Vergess' die Dinger immer im Schließfach. Gespräch trotz Wissensabfrage gut gelaufen. I hope, we've got Manhattan. Penelope muß sich mit Haftpflichtversicherungen, Vollkasko und Eigenbeteiligungen beschäftigen. Ein Kratzer an der Stoßstange eines KFZ-Mechanikers kostet ca. 1000 Euro. Zumal der Wagen des selbigen auch Pralldämpfer besitzt. So eine Stoßstange kommt immer wieder zurück. Man könne nicht wissen, was unter der Stoßstange passiert sei. Und ein Tipp von ihm persönlich. Mietwägen mit Einparkhilfe sind 'ne Riesensache.

Samstag, 18. März 2006 (Jetzo landeten wir am sandigen Ufer der Insel)
Ausflug auf den Darß. Penelope diskutiert zwischen Reetdächern und Steilküste über Bildung und Erziehung. Und über die schwierige Stellung der Lehrer in Mecklenburg-Vorpommern. Picknick im Mietwagen. Seit ich gegen Werder Bremen tippe. Gewinne ich regelmäßig. Bei Oddset und Betandwin. Die 17 & 4-Szene von RTL, die Stefan Raab entdeckt und Hannes Marx in seinen Humorverteiler aufgenommen hat. Amüsiert mich mehr als der Buster Keaton gestern abend. Die Party auf der MS St.findet auch heute ohne uns statt. Wir machen auf Familie und Samstagsabendshow. Ohne Familie.

Sonntag, 19. März 2006 (Schlummerten dort ein wenig, und harrten der heiligen Frühe)
Ausgeschlafen in die Ausstellung. Trotz eines Anfangsverdachts soll der ausstellende Künstler nicht blind gewesen sein. Fast alle guten Schauspieler, die man so in Film und Kino wahrnähme, kommen aus der DDR. Heißt es. Ob dies auf die höheren Geburtenquoten oder auf eine fundamental bessere Ausbildung zurückzuführen ist, konnte nicht geklärt werden. Da Penelope auch noch singen und das runde Leder treten kann. Erübrigt sich die Partnersuche für diverse uneheliche Gemeinschaftsprojekte.

Montag, 20. März 2006 (Erst befiehlt uns die Göttin, der zauberischen Sirenen süße Stimme zu meiden, und ihre blumige Wiese)
«Sehr geehrter Herr Hochofen. Gestatten Sie mir die Frage. Hat dieser private Grund etwas mit Fräulein Penelope zu tun?» Wie der Leser weiß, fällt mir das Lügen schwer. Hoffentlich geht dieses Spiel nicht in die Verlängerung. Ein Anruf der Autovermietung entlastet unsere Nachmittagsplanungen. Beim Fotografen stinkt es wie auf einer Open-Air-Toilette. Und für biometrische Passbilder heißt es neuerdings: Jetzt bitte nicht lächeln. Sollte man auch für Bewerbungsfotos einführen.

Dienstag, 21. März 2006 (Abfahrt mit Götterwind)
Mitten in eine Die-Zukunft-war-früher-auch-besser-Auseinandersetzung platzt ein Telefonanruf. Man beschäftigt sich wieder mit dem Berliner Wohnungsmarkt. Der Wind hat sich gedreht. Der Himmel präsentiert sich bayerisch-blau. Sonne. Angeblich zum ersten Mal. Seit Monaten. Vitamin D. Spaziergang zum Hafen. Pizza. UMTS-Handy funktioniert tadellos. Penelope zeichnet einen Elefanten. Mit großen Ohren und mit Doppelkinn. Der Wasserzähler-Einbauer bäckt keinen Kuchen. Telemachos hat einen neuen mp3-Player und sitzt mit einer Axt im Klappstuhl. Eine adipöse Beifahrerin möchte mit mir den Liegeplatz tauschen. Weswegen mein Reisebericht hier abbricht.

Mittwoch, 22. März 2006 (Schon war die dritte Wache der Nacht, und es sanken die Sterne)
Konnte nicht schlafen. Elmar präsentiert arabischen Römertopf. Penelope schickt mir zwei Songs von Wir sind Helden. Bei Homeboy Number Four solls schöner werden. Diese Woche ein neues Regal. Und ein neues Telefon. Trinke das erste Weißbier in zehn Minuten. Weil ich mich am falschen Treffpunkt wähne. Herr E. wie üblich ohne Handy. Einstein hat vor vier Tagen jemand kennengelernt und möchte heiraten. Vorher muß aber noch mal telefoniert werden. «Des is' wia mit am Tamagotchi. Ma' muaß si drum kümmern.» Nach dem zweiten Weißbier kam das Kopfweh. Auch konnte ich den Spielstand beim Länderspiel nicht mehr richtig identifizieren. Der Pleitegeier im Baader-Café hat nichts mit der Vogelgrippe zu tun.

Donnerstag, 23. März 2006 (Und nun schlief er so ruhig, und all sein Leiden vergessend)
Ein mir unbekannter Online-Dienst hat ungeprüft zehn Euro von meinem Konto abgebucht. Letzte offizielle Präsentation im alten Job. Penelope repariert und bastelt. Und möchte wissen, ob ich schon ausgepackt habe. «A bear? On Paddington station?» Mrs Brown looked at her husband in amazement. «Don't be silly, Henry. There can't be!» Number Four klagt über die Arbeitswoche und brät sich um elf eine Gemüsepfanne. Träume von einem Fluß. In dem mehrere Meter dicke Baumstämme hinuntergespült werden bzw. das Flußbett zu verstopfen drohen. Im Radio wird gemeldet, daß das ganze Land die nächste Katastrophe erwarte. Claudia, die mich in Berlin öfters besuchen will, deutet meinen Traum beim Afterwork nur mit «Du Schwein!»

Freitag, 24. März 2006 (Als nun östlich der Stern mit funkelndem Schimmer emporstieg)
Der Auflösungsvertrag ist in die Wege geleitet. Mediziner streiken weiter für 30 Prozent mehr Lohn. Ärzte ohne Grenzen. Starte bald eine Spendenaktion. Berliner Polizisten pauken Englisch. Sollten lieber Bayerisch lernen. Benedikt, vom Burn-Out-Syndrom geplagt, kündigt sein Erscheinen an und möchte, daß auf seiner Beerdigung Nearer, My God, to Thee gespielt wird. Der Tisch am ersten Wiesn-Wochenende ist bereits reserviert. Freddy hat am 30. Januar seinen ersten Wohnsitz nach München verlegt. Die Karrierefrau von der Au sucht Ablenkung. Und möchte eine Firma gründen. Bankkaufleute schreiben die besten Liebesbriefe. Steine im Bauch gelten als glaubwürdigere Todesursache als in den Brunnen zu fallen. Störtebeker doziert über Berlin. Mit den Achtzigern sei es heute nicht mehr zu vergleichen. Und auch Prenzlberg soll verloren haben. Periboia kann sich nicht recht erklären, warum ich Bayern verlasse. Und Penelope modelliert und programmiert bis zum Morgengrauen. Number Four nimmt einen weiteren Obdachlosen auf.

Samstag, 25. März 2006 (Aber die Nymphen weben auf langen steinernen Stühlen Feiergewande)
MacDonalds-Ticket, die erste. Eine Dame meint besorgt zu dem Großvater eines neben ihm sitzenden sechsjährigen Jungen. Verzeihen Sie, hier ist Raucher..- Das ist schon in Ordnung, entgegnete dieser, und zündet sich eine Zigarette an. Bayern fast Meister. Penelope entbindet mich während der Sportschau von haushaltlichen Pflichten. Erhalte. Im Rahmen einer neuerlichen Unaufmerksamkeit einer Personalberaterin. Die schön aufbereitete Bewerbungsmappe von Udo Springer. In Penelopes Viertel gibt es mehr Kneipen, als bisher angenommen.

Sonntag, 26. März 2006 (Opferte selber funkelnden Wein, und gab ihn dem Städteverwüster Odysseus)
Penelope zeigt mir ihre Arbeitsmappe. Telemachos langweilt sich und entdeckt den Gameboy wieder. Familie sammelt weiter Bußgelder.

Montag, 27. März 2006 (Es regnete Zeus, naßstürmend sauste der Westwind)
Schweres Gewitter über Norddeutschland. Analyse der körperlichen Beschaffenheiten eines Faultiers. Habe mir vorgenommen. Von Zeit zu Zeit. Lotta in Love. Zu gucken. Wo ich München doch verlasse. Und sie dort über die Isarbrücken fahren. Im Bett siegt die Vernunft.

Dienstag, 28. März 2006 (Und Odysseus freute sich dieses Empfanges)
Alea iacta. Zweiter Termin in Berlin. Am Ende kam das Du, mein erstes Jourfix und der gewünschte Arbeitsvertrag. Sage in Greifswald ab. Verplane meinen Resturlaub. Penelope schickt mir ein paar Wohnungsvorschläge. Tendiere zu Charlottenburg-Wilmersdorf. Ick glaub, da fühl ick mir janz wohl. Mit Number Four auf den neuen Job angestoßen. Wütende Proteste der Mutter meiner Vormieterin. Wegen der Telefonrechnung. Was macht die erst, wenn das Inkasso-Büro an der Haustür steht.

Mittwoch, 29. März 2006 (Wer hat den Mann mit dem Koks bestellt?)
Claudia meint, es reicht langsam mit den Odysseus-Phrasen. Die Irrfahrt hat ein Ende. Mit Goldfinger das weitere Vorgehen ausbaldowert. Der Auflösungsvertrag zieht sich noch etwas hin. Meine Nachfolgerin beginnt am Montag. Penelope erzählt vom Kohlenmann und daß Ofenheizungen wieder in sind. Ausgerechnet jetzt. Werde mich mit dem Gedanken anfreunden müssen. Wieder in Flugzeuge zu steigen. Am Bahnhof fallen mir zwei Alkoholiker vor die Füße. Um Mitternacht. Am Semmelstand.

Donnerstag, 30. März 2006 (Genehmigungsverfahren für Transrapid läuft)
Da lodert die Flut. In zehn Minuten vom Flughafen zum Münchner Hauptbahnhof. Und dann über sechs Stunden nach Berlin. Die bayerische SPD erlaubt sich, eine regional andere Meinung vorzutragen. Der zweite Posterentwurf der Kollegen amüsiert mich ebenso sehr wie der erste. Number Four erzählt verkürzt den Vorabend mit spannenden Geschichten aus dem Amt. Penelope trinkt drei Weißbier und wirkt sehr beschwingt. Bei einer Ofenwohnung müßte ich den Hängeboden mit übernehmen. Der Rheumatismus macht mir zu schaffen. Wohingegen Ingo die Wettskandale zusetzen. Trotzdem will er. Nächste Saison. 'Nen 400 Euro Platz.

Freitag, 31. März 2006 (Valentinaden)
Resturlaub eingereicht. Die Mutter meiner Vormieterin liefert sich einen valentinesken Schlagabtausch mit Number Four, der ein ganzes Stück jünger ist als selbige und in ein Heim gehört. Und überhaupt? Was hat er mit ihrer Tochter angestellt? Erstes technisches Problem für die Geschäftsidee gelöst. Penelope sammelt meine Wohnungsanforderungen. Groß muß sie sein. Mit Balkon. Preiswert. Nah an der S-Bahn. Nicht in Neukölln. Und ohne Provision.

Samstag, 1. April 2006 (Wenn schon Wedding, dann Hinterhof-Parterre)
Noch vor dem Morgengrauen treffen die Hannover-Homeboys bei Number Four ein, mit dem Ziel der Weiterreise in eine Südtiroler Skihütte. Nur ich bleibe in Deutschland zurück und mache mich auf Wohnungssuche. Bedauerlicherweise kann Ihr Anschlußzug nach Berlin nicht warten. Verbringe ein ungemütliches Stündchen am Göttinger Bahnhof. Der Patenonkel eines zugbegeisterten kleinen Jungen heißt auch Henri. Unterdessen hat Penelope schon halb Berlin durchwandert und eine ambitionierte Tagesordnung ausgearbeitet. Zunächst galt es, mich vom Bahnhof Zoo zum Ernst-Reuter-Platz zu treiben, um festzustellen, daß sich unsere Zielperson doch am Bahnhof Zoo befindet und für seine Dienstleistung 199 Euro verlangt. Wohnung eins, in Charlottenburg, entbehrte nicht an Reiz. Nur hätte ich, an den rheumatisch schlechteren Tagen, immer im benachbarten Charlottchen auf Toilette gehen müssen. In selbiger Kneipe dreht der Moderator vom ZDF-Nachtstudio eine Ehrenrunde nach der andern, wie John-Homeboy, stets ein Baby unterm Arm. Penelope möchte, daß ich mir ein Anwesen in der Sigmaringer Straße ansehe. Und es schien ihr was daran zu liegen, keine öffentlichen Verkehrsmittel zu nutzen. Auf dem Weg dahin. Das Anwesen war nicht der Rede wert. Auf einer Parkbank machen wir noch eine Besichtigung in Wedding aus. Können bei Heppel & Ettlich übernachten. Glücklicherweise ist der Sohn Vegetarier und ich falle nicht, wie gewöhnlich, durch einen Anruf beim Pizza-Lieferservice negativ auf. Frau Heppel würde nie im Leben eine Zweitwohnung anmelden. Daß im Interesse der Steuergerechtigkeit – schließlich sollen Zweitwohnungsanmelder wie ich nicht benachteiligt werden – Außendienstmitarbeiter die Klingelschilder putzen, wußte sie zu diesem Zeitpunkt noch nicht. Im worst case würde sie einfach mit einem Einlaß reagieren. Auf eine Diskussion über die Finanzkraft des Bundes läßt sie sich an diesem Abend aber nicht mehr ein. Was die Ästhetik des Fernsehturms angeht, herrscht Einigkeit. Ohne rhetorische Fähigkeiten habe man an der Spitze eines Ministeriums nichts zu suchen. Ich sage immer, so lange der Müller seine Tore macht, braucht er keine Interviews zu geben.

Sonntag, 2. April 2006 (Die Dimitrow-Straße heißt jetzt Danziger Straße)
Heppel & Ettlich zaubern zwei Kaninchen aus dem Hut. Es gibt wenige Ruinen in der Danziger Straße. Unser Besichtigungsobjekt war eine davon. Aber es lohnt der Aufregung nicht. Denn wir zogen weiter in die Schliemannstraße. Und was man hier anbot. War eine Beleidigung aller sieben Sinne. Wollte schon im Treppenhaus kehrt machen. Wegen eines undefinierbaren Geruchs. Aber die Karawane hinter uns ließ das nicht zu. Ein Blick auf die sanitären Anlagen gab mir den Rest. Penelope verlor schon fast den Mut. Aber wir hatten ja noch einen Termin. In Berlin-Mitte. Ein Haus von Wedding entfernt. Und hier war sie. Die Wohnung, die ich suchte. Mit netten Vormietern, die eine Etage tiefer ziehen wollen. Zwei große Zimmer mit Balkon. Eine Küche mit Sitzgelegenheit. Und ein Badezimmer. In dem ich mich zumindest umdrehen kann. Verzichte auf das Malern. Und kaufe den Großteil des Mobiliars. Wenn alles gut läuft. Und ich eines Tages Teleworking bekomme, muß ich die Straße nie mehr verlassen. Unter mir ist ein Supermarkt. Ein paar Häuser weiter ein Altersheim, gefolgt vom Friedhof. Habe meine neue Heimstatt gefunden.

Montag, 3. April 2006 (Er hält stolz die Nase in die Höh)
Ein Streifschaden im Schutzblech kostet bei Sixt ca. 550 Euro. Bei Hagel vielbelächelt mit dem Plus-Einkaufswagen unterwegs. Penelope liebäugelt mit Rent-a-car. Endlosschleife Tschaikowskij. Die Entfernung meiner Wohnung vom Büro beträgt 7,9 Kilometer. Wieso baut man Gemeindesäle immer in den ersten Stock, wenn sie auch von Rollstuhlfahrern besucht werden sollen?

Dienstag, 4. April 2006 (Nachtzug über Berlin)
Der Hausverwalter meint, es wäre noch eine Sache zu klären. Schon wieder Hagel, als ich das Haus verlasse. Um meinen Mietbewerbungsbogen zu faxen. Am Bahnhof Rostock darf aus Abrechnungsgründen nichts mehr für Kunden kopiert werden. Penelope hat Palmkatzerl im Garten und erwägt, mich für Ostersonntag neu einzukleiden. Ein Baby schläft im Nachtzug ganz allein im Kinderwagen vor der Toilette. Eine zweite Mitfahrerin möchte München verlassen und sucht Arbeit in Greifswald, wo die Leute viel freundlicher als in München wären. Ihr Zitat erinnert an Herrn Permaneder. Außerdem hatte ich noch einen Sammler von Brauereiwerbemitteln im Abteil. Nachzahlungforderung. Aus der alten Wohnung. Sie, Herr Hochofen, Sie ha'm viel verbraucht!

Mittwoch, 5. April 2006 (Ich bin ein Berliner)
Ausnahmsweise gut geschlafen. Im Nachtzug. Vom Ski-Urlaub geträumt. Aber wo war der Schnee. Vom Gipfel springen zwei große, edle schwarze Pferde weiter bis ins Tal. Gefolgt von einer ganzen Herde. Und in unmittelbarer Nähe kämpft ein Löwe mit einem anderen Raubtier. Versuche, mich in Sicherheit zu bringen. Hausverwaltung gibt grünes Licht. Mein Ex-Vermieter schreibt eine geradezu rührende Bescheinigung.

Herr Henri Hochofen ... ist ein zuverlässiger Mieter. Es gab keinerlei Schwierigkeiten und die Zahlungen sind pünktlich erfolgt. Wir bedauern, daß er aufgrund eines Wohnortwechsels das Mietverhältnis auflösen mußte.
Ich würde mich glatt selbst aufnehmen. Number Four bittet mich, die Blumen im Südtrakt nicht zu vernachlässigen. In München kehrt der Winter wieder. Und Penelope hat Schnupfen. Und findet, ein Buch sei dem Notebook vorzuziehen, weil man es auch mal in die Ecke werfen kann.

Donnerstag, 6. April 2006 (Wie leicht man sich ein Magengeschwür einfangen kann)
Schlußstrich gezogen. Versuche, die fliegenden Blumentöpfe und Beschimpfungen geduldig zu ertragen. Penelope guckt Berlin Mitte und verteidigt die Zigarette danach, davor und zwischendrin. Trotz meiner feministischen Tendenzen komme ich als Teilnehmer des nächsten Frauentreffens nicht in Frage.

Freitag, 7. April 2006 (Lehmann Nummer Eins)
Die Schmierenkomödie erreicht ihren Höhepunkt. Und Klinsmann erzählt, wie schwer ihm diese Entscheidung gefallen ist. Womöglich ebenso schwer wie die Absetzung Kahns als Kapitän. Die Entlassung von Sepp Maier. Und die Berufung von Köpke. Lehmann passe besser zur Spielphilosophie. Auf die Philosophie bin ich gespannt. In den drei Spielen. Freue mich auf jedes Gegentor. Penelope bemüht sich um Neutralität. Vielleicht sollte auch der DFB langsam mitteilen. Daß. Während der WM. Nicht Klinsmann. Sondern Beckenbauer. Die Mannschaft übernimmt.

Samstag, 8. April 2006 (Die Orchidee schmückt wieder das WC)
Number Four kommt vom Ski-Urlaub zurück. Und hat viel zu erzählen. Auch Brixen sei sehr sehenswert. Bayern verliert in Bremen. Ich verliere bei betandwin. Maman empfiehlt mir für die Wohnung in Berlin. Eine Putzfrau. Um Penelope zu entlasten. Böte Stoff für eine weitere feministische Debatte.

Sonntag, 9. April 2006 (Themenwoche bei der ARD, Krebs)
Ich hasse Krimis. In denen sich jemand an einen PC setzt. Und ein Password errät. Penelope entdeckt das Brauchtum zum Palmsonntag und baut Petersilie an. Wo bleibt der erste schwule Tatort-Kommissar. Angeblich komme ich langsam in ein Alter, in dem ich mich zur Prostata positionieren muß.

Montag, 10. April 2006 (Kleine Passionsgeschichte zu Kahns Glanzparade)
Der erste amtierende SPD-Vorsitzende, über den ich mich noch nicht negativ äußern konnte, ist zurückgetreten. Beim Kollegen Beck werde ich die Schonfrist ignorieren. Neues aus der Fußball-Bibel. Gelitten unter Master-Card-Botschafter Jürgen Klinsmann. Gekreuzigt und begraben. Am dritten Tage auferstanden. Damit hat Klinsmann nicht gerechnet. Jetzt hat er einen Märtyrer aus ihm gemacht. Oder wie Augenzeugen gerne formulieren. Wahrlich. Dieser Mann ist des Fußballgottes Sohn. Tröstet mich über die Extremsituation an meinen letzten Münchner Arbeitstagen. Da serviere ich mundgerecht an einem Nachmittag. Was ich mir selbst in Wochen angeeignet habe. Und muß noch kurzsichtige Kritik einstecken. Number Four meint angesichts eines mich amüsierenden Kalenderspruchs von Winston Churchill. Der Mann habe nicht umsonst den Literaturnobelpreis bekommen.

Dienstag, 11. April 2006 (Ich bin ein Berliner)
Jetzt auch schwarz auf weiß. Der Mietvertrag ist unterschrieben. Spaziergang. Münchner Spinnweben fallen ab. Es riecht wieder nach Abenteuer. Darf in Sachen Gesundheitstipps nicht mehr auf die Quelle Hademar Bankhofer zurückgreifen. Penelopes Erkältung immer noch nicht auskuriert.

Mittwoch, 12. April 2006 (Berlin! Berlin! Wir fahren nach Berlin!)
Vor dem Frühstück gejoggt. Mit der ganzen Familie. Weil ich gestern damit liebäugelte. Zwei mal in der Woche die 7.9 Kilometer von der Arbeit nach Haus zu laufen. Penelope läßt sich beim Zahnarzt ihren Hasenzahn restaurieren. Der Speisekammerschlüssel ist verschwunden. Harter Fight auf St. Pauli. Zwei Notebooks im Bett. Erinnern mich. An das Diabetikerzimmer im Altenheim. Frau Wolters und Frau Heinl. Die saßen sich zu den Mahlzeiten immer gegenüber. Und blickten aneinander vorbei. Jede auf ihren eigenen Fernseher.

Donnerstag, 13. April 2006 (Noch immer kein Frühling)
West-Paket für Ostberlin geschnürt. Ice Age 1 geguckt. Penelope fürchtet Krankenzimmer-Atmosphäre und Mono-Kultur, möchte nicht immerzu Rechenschaft ablegen müssen und vergreift sich bei den Kartoffelchips. Zusammen haben wir alle Symptome eines IT-Burnouts. Gemeinsam sind wir schwach.

Freitag, 14. April 2006 (Das Gewand und Don Camillo)
Mit dem üblichen Karfreitagsprogramm stieß ich auf wenig Begeisterung. Immerhin konnte ich den Wurstverzehr unterbinden. Höre das erste Mal den Begriff Jugendweihe. Ostereier bemalt. C64-Emulation installiert und mit Penelope Summergames gespielt. Goethe und Number Four halten Tauris für die Krim.

Samstag, 15. April 2006 (Osterhasen gesucht)
Osterhasen bei Minimal und Spar. Schon gegen Mittag vergriffen. Einkauf für MacEnroes Gemüselasagne. Heute im Stadion auf Bayern Eins. Im Webradio. In Mecklenburg-Vorpommern. Das nenne ich Lebensqualität. Erst recht, wenn Mehmet Scholl für die Entscheidung sorgt. Gemüse geschnitten. Auf dem Balkon. Während ich die Lasagne designe, rührt Penelope einen Zitronenkuchen zurecht. Gleichzeitig erhalte ich Einsicht in das Pionier-Liedgut der DDR. «Wenn Mutti zur Arbeit geht...» Heinrich Dorfmann ist nicht dabei gewesen. Beim Krieg. Der Paddington-Bär fährt das erste Mal mit der U-Bahn. Und angesichts des morgigen Osterfestes lasse ich mir wegen der zu erwartenden Konfrontation mit dem intellektuellen Bürgertum den Goethe raussuchen, komme aber nicht mehr dazu, etwas einzustudieren.

Sonntag, 16. April 2006 (Vom Eise befreit sind Strom und Bäche)
Ein bißchen mehr Einsatz gestern hätte sich gelohnt. Entdecke die ostdeutsche Avifauna. Am größten deutschen Binnensee leben unter anderem die Rohrdommel, Gänse, Enten und der schwarze Milan. Penelope verschmäht durstend auch das Müritzwasser nicht. Wer sein Handy beim Hehler kauft. Hat sehr schnell die Polizei im Haus. Auch wenn man die SIM-Karte wechselt. Über Penelopes Zitronenkuchen wurde fast so viel gesprochen wie über die dänische Erdbeergrütze. Zorros Shop muß auch am Ostersonntag laufen.

Montag, 17. April 2006 (Zufrieden jauchzet groß und klein)
Umzugswagen gechartert. Mit Dokumentation begonnen. Harmonisches Abendessen. Selbstgemachte Pizza Caprese. Nachtzugabteil schon ab Binz verdunkelt. Solche Leute sollten sich ein Einzelzimmer nehmen.

Dienstag, 18. April 2006 (Umzugsplanung abgeschlossen)
Letzte Münchner Runde. Obwohl einige Kollegen dies mit peinlicher Hartnäckigkeit zu verhindern suchten. Muß das benutzte Produkt nun doch an prominenter Stelle erwähnt werden. Wegen mir braucht man das andere Schaustück, die anstehende Entscheidung betreffend, nicht verschieben. Die Verschleuderung bewilligter, öffentlicher Gelder kann ich auch aus der Ferne anprangern. Mit Number Four einige italienische Süßgerichte Revue passieren lassen. Zivildiensstellen in Mecklenburg angeblich schon besetzt. Umzugskredit bewilligt. Auflösungsvertrag unterschrieben. Penelope guckt Maischberger.

Mittwoch, 19. April 2006 (CSU will Blasphemie-Gesetz verschärfen)
Die sollen mal lieber was gegen Blasmusik unternehmen. Oder die Philosophie verbieten. Elmar darf nicht fliegen. Number Four muß neulich durch Niederaltaich gelaufen sein. Und es hat ihm nicht einfach nur gefallen. Nein. Da war auch ein «besser als Metten»!

Donnerstag, 20. April 2006 (Polterabend)
Wieso kauft Junior seinen Herd nicht im Musterhausküchenfachgeschäft? Number Four feiert seinen Wohngesellenabschied. Mit Tomaten, Pizza und Tiramisu. Aber ohne Mascarpone. Die Juristin aus Varasdin bricht ihr Fasten nicht. Der anwesende Vegetarier braucht eine Extrawurst. Und keiner kennt Number Fours private E-Mail-Adresse. «Ich hab nichts zu schreiben.» Sagt er. Und dann reißt Junior einen Joke, von dem er noch auf dem Nachhauseweg zu schwärmen imstande ist. Einen Joke, der klar macht, warum die Homeboys als so exklusiver Club betitelt werden. Einen Joke, in den er alles hineingelegt hat. All die entbehrungsreichen Jahre in Niederbayern. Wir hatten ja gar nichts. «Im Computer braucht man nichts zu schreiben!» Anschließend lobt er Erasmus von Rotterdam so über den Klee, daß Number Four seinen gefürchteten Anti-Pointen-Feldzug wiederaufnahm. In Zeiten wie diesen. Wo es nur noch schlechte Pointen gibt. Penelope verbietet mir, krank zu werden. Jedoch. Es droht. Ein Katarrh. Uli Höneß gratuliert mir zum Geburtstag.

Freitag, 21. April 2006 (Fischtag)
Letzter Arbeitstag in München. Konnte der Dezernatskollegin Pilch demonstrieren, daß der Snackautomat tadellos funktioniert. Möge auch sie inzwischen ihr Frühstückchen bekommen haben. Noch eine letzte Amtshandlung für die Abteilung Öffentlichkeitsarbeit. Sanfte unpolemische Schlußmail. Der Chef gratuliert mir zum Geburtstag. Und Claudia lädt mich zu Ricardo ein. Den Lachs in Pfeffersoße gewählt. Mit Zucchini, Blattspinat und Paprika. Köstlich. Ein würdiger Abschied. Handtücher und Betten bei Number Four aus dem fünften Stock geworfen. Die Anwohner meinten. Eine ungewöhnliche Methode für einen Umzug. In Niederbayern erwartet mich zu meiner Erleichterung ein fünf-köpfiges Umzugskommando. Der Sprinter war in einer Dreiviertelstunde eingeräumt. Und dann gab's schon wieder Fisch. Oma macht sich Sorgen wegen der Fahrt nach Berlin. Tränen. Als ob wir uns nicht wiedersähen. Simone sichert die Vizemeisterschaft

Samstag, 22. April 2006 (Berlin, Berlin, wir fahren nach Berlin! Schon wieder!)
Breche im Morgengrauen auf. Pausen. Stretching. Alle hundert Kilometer. Cola wirkt spät, aber sie wirkt. Penelope schläft gemütlich ihren Schwips aus und erwartet mich in Wedding. Wo ich trotz diverser falscher Abzweigungen. Pünktlich ankam. Es galt nicht nur 40 Kisten hinauf-, sondern auch noch die Möbel des Vormieters hinunterzuschleppen. Das alles mit Penelope allein. Es gelang. Aber die Folgen. Penelope lädiert sich die Knie. Und ich mir den Teint. Kaufen noch schnell eine Matratze bei Real. Beziehen kann ich die Wohnung erst am nächsten Wochenende. Richling gratuliert zum Geburtstag. Langsam nimmt das überhand. Habe ein für alle Mal die Hintergründe meines Geburtstags ins A bis Z gestellt. Geben das Auto am Alex ab. Und gönnen uns einen Eisbecher unter dem schönsten Fernsehturm der Welt, der nicht in Moskau steht, wie Number Four mutmaßt. Penelope möchte hinauffahren. Und auf die Kuppel des Parlaments. Ich möcht' erst mal herausfinden, wieso die Goldelse Flügel hat. Ein Gegner des privaten Eigentums klaut Penelope in Rostock den Fahrradsattel.

Sonntag, 23. April 2006 (Familiennachmittag)
Memory. Penelope ärger dich nicht. Wintergames. Waffeln essen am Balkon. DVD. Harry Potter und der Feuerkelch. Ohne Elfen. Richling verschickt Nacktfotos von Frau Merkel.

Montag, 24. April 2006 (We had joystick, we had fun)
In Oberfranken gibt's kein IKEA. Besorge externe Festplatte und einen Joystick und vertrödle den ersten Resturlaubstag. Penelope dagegen vollendet ihre Rohfassung.

Dienstag, 25. April 2006 (Sommer am Balkon)
Erster sommerlicher Tag in Mecklenburg-Vorpommern. Penelope schaut sich einen gebrauchten Fiat Punto an. Doch Hugo hat die Probefahrt nicht überzeugt. Bremsen, Vorderachse, Servolenkung. Mit Telemachos neue Spiele für den C-64 Emulator heruntergeladen. Frogger und Golf. Rommé ums Tischdecken. Die Bienen entdecken die Weide. Das Schlafzimmer wirkt größer und erlaubt Twist und Wiener Walzer. Charleston hatten wir nich'. Bayern schafft das Kurssystem ab. Lehmann obenauf. Erwarte eine Reaktion von Alice Schwarzer auf Eva Herman. Wolf Singer bestätigt meine alten Theorien aus den frühen Neunziger Jahren. Und der freie Wille bleibt nicht mehr als ein gutes Gefühl.

Mittwoch, 26. April 2006 (Sexuell aktivste Deutsche leben in Meck-Pomm)
Vielleicht versteht man jetzt, warum ich mich so häufig hier aufhalte. Schwerer Rheumaschub. Kann kaum laufen. Und das Privatrezept von John-HomeBoy ist schon abgelaufen. Hoffentlich bekomme ich auch hier in der DDR. Mein Lieblings-Diclofenac. Ich glaube, es war der Twist. Aber Penelope will davon nichts wissen. Sie schiebt es auf die Kartoffelchips.

Donnerstag, 27. April 2006 (Sie sind aber nicht in der Rosa-Luxemburg-Straße geboren, Herr Hochofen)
... sondern aus dem süddeutschen Raum? Mein neuer Arzt hat die Situation schnell erfaßt. Das Viagra-Geschäft läuft besser als erwartet. Pfizer scheint Aventis übernommen zu haben. Ausgerechnet die stärksten Lehrlinge in der Künstlergruppe modellieren Nasen und Ohren zarter als in natura. Es gibt Orte, an denen sich Penelope kein Avocado-Baguette bestellen würde. Letzter Schultag für Telemachos. Karlsruhe ernennt www.hochofen.de zum offiziellen Fußball WM 2006 Blog. Untertitel. Der Untergang. John HomeBoy ruft schon wieder zur Taufe.

Freitag, 28. April 2006 (Mit Triebwerkschaden nach Berlin)
Schlüsselübergabe. Penelope und Telemachos begleiten mich. Jedoch. Eine Vormieterin möchte ihr Zimmer bis zur letzten Minute abwohnen. So wird die Aktion Kisten auspacken verschoben. Es reicht gerade noch zu einem nächtlichen Rundgang und asiatischem Dinner. Und zur Erkenntnis, daß man sich zur Wohnungssuche mehr Zeit nehmen müßte. Das unbayerische Wort oll fällt immer öfter. Und in der WG nebenan feiern angetrunkene Bayern und Eintracht Fans den Pokalsieg von morgen.

Samstag, 29. April 2006 (Pokalfinale)
Penelope träumt von einer Abrißbirne. Und auch meine neue Wohnung taucht in dem Traum auf. Ohne Leiter ist man in einer renovierungsbedürftigen dreimeterfünfzighohen Wohnung aufgeschmissen. Gesundheitspark und Humboldthain dienen Neu-Weddingern zur Orientierung auf dem Weg zu OBI. Wir trockneten die Tränen. Verspachtelten die Risse und Löcher in der Wand. Überließen den Abbau einiger elektrischer Eigenkonstruktionen dem Vormieter. Und verbrachten sieben Stunden am Potsdamer Platz, der künftig nur noch POPLA genannt wird. Zwei Hamburger schwärmen von bayerischen Aldi-Märkten, wo hochwertige Spirituosen aus Italien und Österreich verhökert würden. Nach einem Imbiß setze ich mich von der Shopping-Fraktion etwas ab und genieße meinen ersten Berliner Capuccino. Ice Age II. Mit geschmuggelten Kartoffelchips. Und das Pokalfinale live im Sony Center. Bei nicht gerade frühlingshaften Temperaturen, aber WM-reifen Sicherheitsmaßnahmen. Rum führte man nicht. So mußte Peelope mit einer Bratwurst vorlieb nehmen. Der Kaiser hat ein bißchen überzogen.

Sonntag, 30. April 2006 (Then we take Berlin)
ENDLICH. Nachdem die ersten Regale mehr oder weniger fachgerecht montiert wurden, verläßt die letzte Vormieterin die Mauern. Die Wohnung gehört uns. Mit großem Elan wirbelt Penelope von Zimmer zu Zimmer. Ich darf jetzt schon gespannt sein, wo ich meine Sachen eines Tages wiederfinden werde. Nach dem Dönerladen um die Ecke beschließen wir mit Mein Freund Harvey den Abend. Bei etwas besseren Umgangsformen wäre mir tieferer Schlaf beschieden gewesen.

© Henri Hochofen 2006