Tagebuch von Henri HochofenMärz 2007<<< aktuell >>>Donnerstag, 1. März 2007 (Der Informationsvorteil schafft Anerkennung in der Gruppe)
Richie hat einen Hänger. Versuchen, die Situation zu federn. Bin früher von der Arbeit nach Haus. Um über Offiziersanwärter in der DDR zu diskutieren. Und über den Informationsvorteil von Gruppenratsvorsitzenden und Wandzeitungsredakteuren. Theos zweiter Vorname wieder offen. Es wird also ein Frühlingskind. Zumindest meteorologisch. Freitag, 2. März 2007 (Partielle Leistungsverweigerung)
Elternabend. Schulwechsel geht klar. Eine Problemklasse hätte Strategien partieller Leistungsverweigerung entwickelt. Nadja zitiert ständig aus Elizabeths Hebammenbuch. Haben beide eine leichte Erkältung. Ausgerechnet jetzt. Sorgen. Schalke kriegt das Flattern. Samstag, 3. März 2007 (Falscher Alarm)
Bayern gewinnt bei Hertha. Poldi endlich in Bayern-Form. Spaziergang durch die Nachbarschaft, sehe Führungstreffer durch Eingang einer überfüllten Sportkneipe. Auch Ingo träumt wieder von der Meisterschaft. Akku-Ladegerät kaputt. Dabei hab’ ich extra das Teure genommen, das die Akkus schont. Lennon schenkt mir die Varasdin-CD. Seine Firma wurde schon wieder aufgekauft. Es droht Thürigen. Fährt im Sommer mit dem Fahrrad nach Berlin. Die Currywurst in Berlin angeblich besser als in München. Mondfinsternis nicht zu sehen. Nadja hebt den Wehenalarm wieder auf. Sonntag, 4. März 2007 (Internettagebücher)
Nadja. Untätig. Hochschwanger. An die Wohnung gefesselt. Teilt ihr Leid mit Erlebnisberichten Mitschwangerer. Und wieder ist ein unspektakulärer Tag zu Ende gegangen. Dabei waren wir in der Zitadelle. Haben uns die Sonne auf den Bauch scheinen lassen. In Richies Zug wurde eine Notbremse gezogen. Vitamin C. Orangen. Keine Wehen. Findet Nemo statt Tatort. Montag, 5. März 2007 (Deutscher Meister wird nur der FCB)
Aral-Meisterscheibe vor den Schreibtisch gestellt. Tenor. “So sind sie, die Bayern.” Ja, so san’s. Man fürchtet sich wieder. In der Liga. Und bald auch international. Bin nicht das einzige Vereinsmitglied in der Firma. Aber das mit der niedrigsten Mitgliedsnummer. Lateinstunde mit Richie. Caesar. Schwerpunkt Deponentia. Keine Blumentopferde bei Kaisers. Nadja glaubt nicht mehr an eine vorzeitige Entbindung. Dienstag, 6. März 2007 (Blumentopferde)
Die Provokation mit der Meisterschale führt letztendlich zu Mehrarbeit. Der chinesische Blumenhändler, der schon letzte Woche meinte, “abe leide keine Amalyllis”, weist mich heute zurück mit “abe leide keine Blumenede”. Nadja möchte den Efeu einpflanzen. Weil sie unlängst die Feuerzangenbowle ansehen mußte, war heut’ was Biographischen zu Rühmann angesagt. Wie ich Theo kenne, will der morgen raus. Zur Championsleague. Mittwoch, 7. März 2007 (Bayern im Championsleague-Viertelfinale)
Getränke und Chips. Championsleague im Free-TV. Darauf freue ich mich seit zwei Wochen. Beim Handspiel-Ausgleich hatte ich ein Déjà -Vu. Number Four bemängelt die Chancenauswertung. Theo sehr rücksichtsvoll. Hält sich ruhig. Nadja moniert, daß Murakami es mit Marken hat. Sie trägt Nike, er trägt sowieso. Eine angebliche Ähnlichkeit zwischen mir und einem Pferd sorgt für Erheiterung. Donnerstag, 8. März 2007 (Schon wieder falscher Alarm)
Kleines Persistierproblem. Nadja hat die Küche noch gemütlicher gestaltet. Letzte Baby-Bücher gekauft. Kühlschrank gefüllt. Für alle Fälle. Bei Film auf Arte läßt sich der Zweikanalton nicht abschalten. Jacques mag Butter nur in zwei Formen. In Kräuterbutter. Oder unter Nutella. Die Wehen vom Nachmittag haben sich wieder verkrümelt. Sagt Nadja zu Richie am Abend. Freitag, 9. März 2007 (Der längste Tag meines Lebens)
Um halb fünf meint Nadja, ich bräuchte heute nicht zur Arbeit zu gehen. Leichte Blutung. Leichte Wehen. Alle zehn Minuten. Gemütlich zum Krankenhaus gefahren. Konnten unterwegs sogar noch den Plastikmüll wegbringen. Die Hebamme meint, statt Hochofen-Rasch hätte Nadja besser weiter Rasch geheißen. Das sei weniger zu schreiben. Das CTG bestätigt regelmäßige Wehen. Es sieht alles nach einer Bilderbuchgeburt aus. Es war nur kein Zimmer frei. Nicht vor acht. Also schickt man uns erst mal zum Spazierengehen. Um die Wehen zu verstärken. Die Wehen kommen häufiger, aber nicht unbedingt intensiver. Beim Acht-Uhr-CTG reicht’s immer noch nicht für einen Kreissaal. Kommen auf eine Vorwehenstation. Der Oberarzt entscheidet, uns nicht wieder nach Hause zu schicken. Bekommen einen homöopathischen Wehencocktail. Und ein Frühstück. Beim CTG darf man nicht lachen. Ein müder Körper produziert keine Wehen. Es gibt drei Akupunkturstellen, die Wehen erzeugen. Wenn Ihr Körper bereit dazu ist. Erwähnen Sie in einer solchen Situation niemals die Studie, die besagt, daß Akupunktur zwar hilft, aber daß es völlig egal ist, ob die richtigen Akupunkturstellen getroffen werden oder nicht. Wehencocktail und Akupunktur bringen nichts ein. Die Wehen bleiben weiterhin wenig intensiv. Nadjas Kliniktasche enthält keinen Schlafanzug für mich. Und keine Handtücher. Wehe, Wehe. Wenn ich nur ein Ende sähe. Samstag, 10. März 2007 (Der erste Schrei)
Nadja möchte nach ein paar Stunden Schlaf wieder nach Hause fahren. Die Wehen hätten sich angeblich verkrümelt. Wie schon vor drei Tagen. Das CTG deckt diese Hypothese nicht. Ein Oxytocin-Spray soll die Wehen anschubsen. Die angeschubsten Wehen bringen die Fruchtblase zum Platzen. Vor der Zeit. Das Köpfchen noch Meilen vom Muttermund entfernt. Bettruhe für Nadja. Richie sagt einen Termin mit dem Vermieter ab. Sonntag, 11. März 2007 (Ausscheidungsprozesse)
Es ist soweit. Das Elternvirus hat mich erwischt. Nerve Number Four und Simone mit Details der Geburt. Wenn ich die Geschichte ein weiteres Mal erzähle, bin ich es selbst, der das Baby herausgepreßt hat. Leite alle weiteren Anrufe am besten auf die Mailbox weiter. Aber damit nicht genug. Bayern spielt nur 1-1 gegen Bremen. Und ich hab keine anderen Sorgen als das Schlafverhalten unseres Neugeborenen. Der Kinderarzt prüft die Reflexe. Das Arzt-Anpinkeln klappt schon ganz gut. Richie und Anhang im Krankenhaus-Bistro essen lassen. Kein Fruchteis auf der Speisekarte. Nadja liefert die ersten Tropfen Vormilch. Die Fingernägel sind zu lang, sollen aber laut Hebamme noch nicht geschnitten werden. Warum eigentlich nicht? Wir sollen Handschuhe anziehen. Auf der Wickelkommode gefällt es ihm noch nicht so recht. Das Kindspech müßte langsam raus sein. Großeltern machen erste Großaufnahmen und bringen Blumen mit. Seitdem das Neugeborene gespuckt hat, wirkt es friedlicher. Montag, 12. März 2007 (Alles hängt immer von der Tagesform ab)
Kommentar
Hallo Henri, wir sind entsetzt!!!!!!!!! das bayrische urgestein henri hochofen ist vater eines preußischen kindes!! wir wünschen euch alles gute und hoffen euch bald wieder in münchen begrüßen zu dürfen. Liebe Grüße Karrierefrau von der Au & Udo erstens schreibt man entweder bayerisch oder bairisch, zweitens dankeschön, und drittens ist noch nicht entschieden, ob wir uns nicht eine bayerische kinderschwester ins haus holen… Dienstag, 13. März 2007 (Erster Spaziergang im Park)
Im Frühtau zur Arbeit. Damit ich den halben Urlaubstag wenigstens heute nutzen kann. Nadja wartet mit dem Leihwagen. Kaum öffnen wir die Krankenzimmertür, fängt das Neugeborene an, zu schreien. Ein Stubenhocker? Gerät es nach mir? Im zweiten Versuch, nach Stillen und Windeln, gelingt es uns dann doch, es an den Schwestern und Ärzten vorbei nach draußen zu schmuggeln. Mittwoch, 14. März 2007 (Das Neugeborene kommt heim, nach Spandau)
Das Neugeborene schreit beim Wickeln mehr als bei der Blutentnahme. U2 in Ordnung. Erste Autofahrt zu uns nach Hause. Ohne Tränen. Johns Wickelaufsatz für die Waschmaschine, mit dem wir geplant hatten, erscheint nun als Notlösung. Wickelkommoden bei Ikea ausverkauft. Auch im Internet-Shop. Bestellen eine bei myToys. Und einen Heizstrahler mit dazu. Das Neugeborene schläft nur während des Stillens ein. In der Wiege wacht es sofort wieder auf. Es hält sich eigentlich nur bei uns im Bett ruhig. Dabei hatte uns der Kinderarzt eindringlich davor gewarnt, es bei uns schlafen zu lassen. Nadja findet Kröten eklig. Donnerstag, 15. März 2007 (Weight Watchers)
Hebamme setzt altertümliche Waage ein. Und meint, das Neugeborene hätte von gestern auf heute 80 Gramm Gewicht verloren. Kleine Panikattacke meinerseits. Stilllektüre. Sturm auf die Apotheken in der Nachbarschaft. Baby-Waage ausgeliehen. Nadja will noch mehr auf Ernährung achten. Das Neugeborene schimpft immer noch sehr. Beim Wickeln. Der Nabel ist übrigens schon abgefallen. Gestern schon. Simone kann auf dem verschickten Foto nur das Ohr des Neugeborenen sehen. Meine Frau würde das Baby manchmal gern auf den Balkon schieben. Aber ich habe Angst vor Regenwetter. Das Neugeborene zuckt im Schlaf manchmal zusammen. Und. Es lächelt manchmal. Freitag, 16. März 2007 (Nadja meint, der Stuhlgang wird dickflüssiger…)
Richie fährt nach Mecklenburg. Das Neugeborene wirkt munterer. Hat die Augen länger offen. Nadja trinkt Milchbildungstee. Hebamme wiegt wieder. Heute angeblich wieder Gewichtszunahme. Wir trauen nur noch unserer eigenen Waage. Und wiegen jeden Abend. Einmal. Das Baby scheint 30 Gramm schwerer zu sein als bei Krankenhausentlassung. Am späten Vormittag liefert Hermes. Wickeltisch und Heizstrahler. Montage mit Hindernissen. Aber Nadja hat ja schon wieder den Schraubenzieher in die Hand. Der Arzt hat gemeint, dass der Stuhlgang eventuell nur alle vierzehn Tage auftreten kann. Ich habe eher den Eindruck, das Neugeborene kackt alle vierzehn Minuten. Schlafe auch diesen Abend mit dem Baby ein. Der Ikterus ist noch nicht weg. Samstag, 17. März 2007 (Still, still, still, weil’s Kindlein schlafen will)
Claudia hat gratuliert. Sie meint, das Neugeborene hätte am gleichen Tag Geburtstag wie ein bekannter arabischer Terrorist. Und wie Lord Waldemar. Karl weiß die Gitarre der Homeboys zu würdigen. Die Schwiegereltern bringen neue Baby-Fotos und Kuchen mit. Wie üblich ein Kuchen, den ich so absolut gar nicht mag. Aber non disputandum est. Das Neugeborene schläft nur an der Brust ein. Entfernt sich die Brust anschließend weiter als 30 Zentimeter. Geschrei. Geschrei. Geschrei. Abends versuche ich, das Neugeborene mit Mozart zu beruhigen. Bringt alles nur wenige Minuten Entlastung. Für die Brust. Bayern verliert in Frankfurt. Das Neugeborene hat noch keinen Sieg erlebt. Erster kurzer Spaziergang durch Spandau verläuft komplikationslos. Gewichtszunahme bestätigt sich. Werner Guhl gestorben. Benedikt will mir den SZ-Artikel zuschicken. Wie gern’ wär’ ich noch mal nach Varasdin. Mit dem Neugeborenen. Sonntag, 18. März 2007 (Richtig wickeln)
Was ist anstrengender? Ein Neugeborenes oder ein Zwanzigjähriges? Wollten eigentlich gemeinsam Tatort gucken. Allein das Neugeborene konnte es nicht einrichten. Nadja mißversteht meine Pflegestandards am Wickeltisch. Windeln gehen gut weg. Montag, 19. März 2007 (Schalla-Lalla-La)
Mit dem Neugeborenen im Bioladen. Und an der Havel. Schnuller der Größe Null schwer zu kriegen. Zumindest die kieferorthopädisch geformte Variante. Griechischer Wein scheint das Neugeborene stärker zu beruhigen als Biene Maja. Haben die Defluoretten im Krankenhaus vergessen. Nadja stretcht sich wieder in ihre Jeans. Und auch ich hab’ zwei Kilo abgenommen. Gleichnis des Tages. Die Liebe ist wie ein Baum. An Fernsehen denke ich nur noch unter dem Aspekt des Versäumt-Habens. Heute war’s der Bulle von Tölz. Dienstag, 20. März 2007 (Besuch aus Niederbayern)
Wieder kurz mit dem Neugeborenen draußen. Es klappt immer öfters mit dem Schnuller. Ankunft der Niederbayern-Großeltern. Erweiterung der Garderobe. Spieluhr. Windeln. Sparvertrag. Muß Nadja beim Elternabend vertreten. Mein erster Elternabend. Tratsch und Klatsch. Die Eltern zitieren ihre Kinder. Ein Lehrer soll es nicht so mit der Körperhygiene haben. Ein Schüler klagt: Aber ich kann mich doch nicht melden, weil ich doch nie was weiß. Nadja hat ein Baby-Buch verlegt. Das Neugeborene lächelt mich in Simones Strampelanzug an. Und meine Eltern fanden nur ein einziges Restaurant in der Spandauer Altstadt.
Kommentar
Lieber Herr Hochofen, beim googlen bin ich auf Ihre Seite gestossen. Ich bin in gerade in der “bösen” Rolle des Schriebens von Absagen. Viele Bewerber sind einfach nicht geeignet. Natürlich halte ich nicht viel von “Leider” und “wir bedauern Ihnen mitteilen..”, das ist ja letzlich doch nur geheuchelt. Gibt es nach Ihrer Ansicht eine angenehme Absage, die Sie nicht in eine tiefe Depression schickt? Für einen oder mehrere Vorschläge bin ich Ihnen im Voraus dankbar. Mit schönen Grüßen nach Berlin Sehr geehrter Herr K., bitte entschuldigen Sie meine verzögerte Antwort. Leider muß ich Ihnen mitteilen, daß wir uns entschieden haben, Ihnen die Arbeit nicht zu erleichtern. Obwohl. Die Wahrheit ist der beste Koch. Mit freundlichen Grüßen, Mittwoch, 21. März 2007 (Das Neugeborene ist (uns) gewogen)
Das Neugeborene hat sein Geburtsgewicht wieder erreicht. Simst Nadja. Atme auf. Meine Eltern haben kein Glück mit dem Wetter. Lassen den Schirm im KaDeWe. Opas Aktien fallen. Aber das Neugeborene beschert uns zwei Dreier mit Zusatzzahl. Latein-Aufholjagd mit Richie. Schwerpunkt Cäsar-Wortschatz.
Kommentar
hallo Henri, Herzlichen Glückwunsch ! Hast Du einen Baby-Blues oder bist Du nur übernächtigt ?Auf dem Foto ist von Vaterfreuden nicht viel zu sehen. Was das Ein- und Durchschlafen angeht: vielleicht ist es noch zu früh ihn mit “die Nacht” in den Schlaf zu singen … Viel Glück Richling dankeschön… und abgesehen davon, daß der baby-blues häufiger bei frauen vorkommt. “die nacht” gibt’s für das neugeborene nur am wochenende, genau wie bei seinen vorfahren… Donnerstag, 22. März 2007 (Alles Knuth)
Das Neugeborene ist nun auch amtlich dokumentiert und besitzt eine Geburtsurkunde. Bei Ikea schreibt man Du. Spiegel fürs Bad. Vorführung des ersten Baby-Films. Freunde und Bekannte ohne Faible für Home-Videos sollten in den nächsten Jahren Besuche meiden. Nadja stellt sich für eine medizinische Studie zur Verfügung. Der Frühling bringt bereits an seinem ersten Tag mehr Schnee als der gesamte Winter. Eisbär Knuth kann trotz Unterstützung der Berliner Medien dem Neugeborenen nicht die Schau stehlen. Auch Kahn fürs Hinspiel gesperrt. Freitag, 23. März 2007 (Die Wanne ist voll)
Das Neugeborene wird zum ersten Mal gebadet. Samstag, 24. März 2007 (Creme de la creme)
Das Neugeborene schläft die Nacht durch. Nadja bringt Frühstück ans Bett. Großzügiger Spaziergang, wie üblich die Havel entlang. Kaufen Pampers. By the way. Gelbsucht immer noch nicht weg. Nadja kann mit den Ohren wackeln. Und das Neugeborene hat immer noch Haare auf den Ohren. Ich habe da in eine sehr alte Familie eingeheiratet. Nadja spricht mit dem Baby. Wie soll ich mich dabei verhalten. Wie macht der Hund? Wauwau. Wie macht die Katze? Miau. Wie macht der Papa? I-A. Ich hab’ einfach Sorge, daß das Neugeborene noch keine Ironie versteht. Bei Der Kuckuck und der Papa versuche ich, das Lied zu wechseln. Ansonsten hat das Neugeborene wohl etwas Blähungen. Versuche mich an einer bayerischen Creme. Zubereitet im Wasserbad. Eigelb setzt sich unten ab. Experiment mißlungen. Sonntag, 25. März 2007 (Süßes)
Nadja reagiert empfindlich auf das Wort Top-Figur. Obwohl sie gestern noch danach gegoogelt hat. Das Neugeborene schläft gern im Kinderwagen. Wenigstens was. Versuche, mir die bayerische Creme schön zu reden. Süß ist sie ja. Das Eiweiß wird von Nadja zu Baisers umgearbeitet. Die Baisers kann man als gelungen bezeichnen. Muß das Neugeborene nun wohl doch häufiger wiegen. Oder weibliche Meßfehler a priori miteinrechnen. Fotos bestellt. Bei Rossmann. Und Pixum. Zum Produktvergleich. Das von mir gegründete Spandauer-Eltern-Kind-Programm (SeKip) sah heute vor, daß das Neugeborene am Nachmittag nackt im Wohnzimmer eine Viertelstunde strampeln durfte. Das zugrundeliegende Handtuch liegt mittlerweile im Wäschekorb. Wie es aussieht, muß ich die bayerische Creme allein verzehren. Hätte Nadja nichts von den 500 Millilitern Sahne erzählen dürfen. Montag, 26. März 2007 (No milk today)
Terminvereinbarung mit ehemaligen Arbeitskollegen gestalten sich als schwierig. Harry kann immer, will aber nur, wenn Rüdiger nicht kann. Der Latein-Fünfzehn-Tage-Plan ging von falschen Prämissen aus. Diese ersten Wochen mit dem Neugeborenen werden als die arbeitsintensivsten Wochen im Leben des H. Hochofen in die Annalen eingehen. Das Flaschendrehspiel auf Radio Eins geht mir langsam auf den Keks. Die Muttermilch schien heute etwas knapp. Nadja kurz im Unterzucker. Der Schwiegervater bringt die Küchen-Jalousie an. Dienstag, 27. März 2007 (Stammformen?)
Verträgt es das Neugeborene, wenn Nadja Kuhmilch trinkt. Experimente. Letzter halber Urlaubstag. Langer Spaziergang. Nadja kauft in der Spandauer Altstadt Brot für zwölf Euro. Mit historischer Ritterkruste. Wenn es wenigstens besser geschmeckt hätte. Wieder drei Eierlöffel aus der Eisdiele. Lateinlehrer hätte ich mir als Job gut vorstellen können. Mittwoch, 28. März 2007 (Ein Freund steht draußen vorm Balkon. Davon fällt die Welt nicht runter.)
Nadja wiegt das Baby mehrmals. Scheint alles in Ordnung zu sein. Dissonanzen vorm Lateinunterricht. Baby-Blues. Das Neugeborene scheint Zarah Leander und Die Drei von der Tankstelle zu mögen. Der kleine grüne Kaktus macht es nervös.
Kommentar
Herzlichen Glückwunsch zum Neugeborenen. War schön zu lesen Hallo Henry, sorry, ich will eigentlich nichts sagen, sondern mir das witzige “Präparat” von Apollo-Optik ansehen!!! Woast schoah, gell? Rüdiger hallo, alte kollegen, ja, das kann alles als anleitung verstanden werden, zur verhütung oder zum nachmachen… Donnerstag, 29. März 2007 (Der Sturz)
Immer noch Baby-Blues. Erste Ostereinkäufe. Wegen des Osterhasen-Mangels im vergangenen Jahr. Lateinendspurt. Eine halb volle Flasche kann nur ein kleines leeres Faß zum Überlaufen bringen. Bin mit dem Neugeborenen vom Schreibtischstuhl gefallen. Ist unverletzt geblieben. Gottseidank. Leider hat’s niemand gesehen. So daß mir die Lebensrettungsmedaille verwehrt wird, welche mir laut John homeBoy lebenslang freien Eintritt in Museen gewährt hätte. Spring gefällt mir immer mehr. Freitag, 30. März 2007 (Form follows function)
Neue Kategoriestruktur für den Proxy-Error. Stau auf der Autobahn. Folge dem Golf, der vor uns von der Autobahn abfuhr. Das war ein Fehler, denn Erich, mein Beifahrer, hat’s nicht so mit der Kartographie. Nadja war den ganzen Tag nicht draußen. Neues Namensschild für die Tür. Pupsen und Kacken wird vom Neugeborenen mit einem sehr intelligenten Gesichtsausdruck begleitet. Samstag, 31. März 2007 (Tüten-Unterschiebung)
Erster Bayernsieg seit der Geburt des Neugeborenen. Bei Real schreiben sie mir 44 Plastiktüten auf statt der gekauften vier. Das Neugeborene badet im Eimer. Gefiel ihm besser. Zumal die Haare trocken blieben. Nadja schaut den Anfang des großen Gatsby an. Ich den Schluß. Über die Familienfernsehzeit insgesamt kann man nicht klagen.
Last, but not least ... |
Nadja läßt sich in den Kreissaal bringen. Das Ding muß jetzt raus. Wie schon oft erwähnt, gehöre ich eher zu den klassischen, konservativen Vätern, die gern vor dem Kreissaal warten würden, bis die Hebamme kommt und ruft: “Es ist ein Junge!” Bist du aber erst mal drin, kommst du ohne Gesichtsverlust nicht mehr raus. Schon das Vorlesen der möglichen Risiken der PDA hätte mir genügt. Kurz vor Bundesligaanpiff erschrickt Nadja heftig. Die Fruchtblase platzt ein zweites Mal. Was im Verlauf dieser Schilderung plausibel ist, weiß ich nicht. Ich schildere nur, was mir gesagt wurde. Der Muttermund öffnet sich nun innerhalb von zwei Stunden vollständig. Zu schnell für das Baby? Bei jeder Wehe sackt der Puls bedenklich in den Keller. Der Arzt hat keine Zeit, bei der Geburt vorbeizuschaun. Er würde nur kommen, wenn der Puls im Keller bliebe. Also waren wir allein. Nadja und ich. Und die Hebamme. Damit blieb auch der letzte Fluchtweg verschlossen. Gottseidank war dies ein gebärfaules Wochenende. Und wir konnten die Hebamme für uns alleine beanspruchen. Ein Finale mit allen Extras. Bis auf Kaiserschnitt. Oder Primärsektion. Wie man heute sagt. Wieso steht eigentlich kein Phrasenschwein im Kreissaal? “Ich kann es schon sehen!”- “Nur noch einmal pressen! Dann ist es da!” Wieder Akupunktur. Entsetzliche Schmerzen. Eine Gebärposition, die das Letzte aus den Räumlichkeiten herausholt. Fußende des Bettes wurde tiefergelegt. Nadja hält sich am Seil fest. Ich halte Nadja fest. Und die Hebamme versucht, das Baby rauszuholen. Ich war drauf und dran, um Hilfe zu schreien. Von der Nabelschnur um den Hals hatte ich gar nichts mitbekommen. Plötzlich lag er da. Theo Vinzenz Hochofen. In einen Augenblick der Spannung, des Entsetzens, der Angst, daß irgend etwas schief gegangen ist. In diesen Augenblick fällt der erlösende Schrei. Das Neugeborene lebt. 55 Zentimeter, 3740 Gramm. Geboren um 17:39 Uhr. Nach dem Bundesligaabpfiff. Noch vor der Sportschau. Nach der Erleichterung hab’ ich sogar noch die Nabelschnur abgeschnitten. Was ich auch nicht vorhatte. Der erste Strampelanzug und das Neugeborene wirkt bereits nach wenigen Minuten wie ein alter Hase. Omas Beten ist mal wieder erhört worden. Zum Nähen kam sogar ein Arzt vorbei.
Ist schließlich Frühling. In Berlin. Die ganze Fahrt über hält er die Augen offen. Scheint viel munterer als gestern. Vielleicht klingt die Gelbsucht schon ab. Dem Saugreflex steht man als Mann etwas hilflos gegenüber. Morgen soll es nach Hause kommen. Windeln, Wundschutzcreme, Pflegetücher besorgt. Abendessen für Richie zubereitet. Der dauernde Altruismus liegt mir an und für sich nicht so. Schulterzerrung. Das Neugeborene scheint schon etwas zuzunehmen.
Gegen Ende war es gar nicht mehr amused. Nadja schläft wie üblich beim Sieben-Uhr-Stillen mit dem Baby ein. Ich guck mir noch meinen ehemaligen Mitbewohner im Fernsehen an. Brillierte wieder.
Das Neugeborene bekommt zum ersten Mal Post. Aus Hannover. Die dort ansässigen Homeboys lassen Lisa, die schon
Es ist nicht ganz klar: wer hat erlösend geschrien ?
Das kann auch nur von Ihnen mißverstanden werden…