Sehnsucht nach der Bohème Bourgeoiser End-Dreißiger blickt in eine rosige Zukunft
das neugeborene wird ein jahr

so langsam kann man sich mit ihm unterhalten

wobei das thema von ihm vorgegeben wird

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Tagebuch von Henri Hochofen

März 2008

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Samstag, 1. März 2008 (Schreiben lernen)
(23:42 Uhr)

Ikea-Futon-Bett zusammengeschraubt. Mit Bayern Eins und Heute im Stadion. Zweiter Sieg in der Veltins-Arena innerhalb von zwei Wochen. Geht doch. Nadja hat sich ein Fahrrad bei amazon bestellt. Weil ihr das Angebot des hiesigen Fahrradhandels vom Design her nicht zusagt. Bam-Bam entdeckt das Zeichnen. Hin und wieder hält er sogar den Stift schon richtig in der Hand. Was ihm mit dem Löffel nicht so gut gelingt. Worte der Woche. Heia heia, Auto. Nach wie vor ersetzt er das “u” mit konsonantischen Übertreibungen. John steht in regem Kontakt zu Praxismaklern und kann sich momentan, nach zehn Jahren Exil, durchaus den Schritt in die Selbständigkeit vorstellen.

Sonntag, 2. März 2008 (Wink mit dem Sandkasten)
(23:50 Uhr)

Letzter Tag der Elternzeit. Morgen beginnt Nadjas Job. Und das Baby muß in den Kindergarten. Potters parken acht Hausnummern zu früh. Sie suchen eine größere Wohnung in Willmersdorf. Ihre Eltern haben schon ‘nen Sandkasten gebaut und erhöhen den Druck. Harry will die Softwarearchitektur aus ihrem Elfenbeinturm herunterholen, und führt neue Tierlaute in der Familie ein. Die Bestürzung über den verschwundenen weißen Plastikbecher war allgemein groß. Das Baby beginnt ein neues Werk und rüttelt an der Staffelei. Potters haben auch keine Geschäftsidee.

Montag, 3. März 2008 (Kita)
(22:55 Uhr)

So viel wie die SPD zur Entstehung der Linkspartei beigetragen hat, ist es nur folgerichtig, daß der Parteirat Becks Kurs bestätigt. Das Baby kommt ausgeschlafen in den Kindergarten. Wenn die Kollegen nicht schlafen können, kommen sie auch schon mal um fünf ins Büro. Ich weiß, ich wiederhole mich. Aber im Erdgeschoß raucht man zu viel. Scrum fällt aus. Erwarte den ganzen Tag den Hilferuf von Schwester Borkhild. Der blieb jedoch aus. Alles ging gut. Mit reichhaltigem Nahrungsangebot läßt sich das Baby besänftigen. Nadja muß auf Arbeit Mittag essen. Socializing. Müssen hinbringen und abholen teilen. Sonst nimmt die Fremdbetreuung überhand. Filmabend. Der unsichtbare Dritte.

Dienstag, 4. März 2008 (Unmergeable)
(23:05 Uhr)

Warte auf den Codefreeze, um das Unmergeable einzuchecken. Dem Vegetarier ist die gefüllte Aubergine zu öko. Das Baby hat sich in der Kita schon den Ruf einer siebenköpfigen Raupe erworben und heute sogar Mittagsschlaf gehalten. Nadja xingt und teamspeakt. Nur ich komm’ zu nichts.

Mittwoch, 5. März 2008 (Das Jahr des Streiks)
(23:08 Uhr)

Wintereinbruch zum Streikbeginn. Apple freut sich auf den Sommer und möchte zelten. Erich droht mit Dienst nach Vorschrift. Das Baby quängelt in der Kita nur dann, wenn Schwester Borkhild sich um andere Kinder kümmert. Ganze Familie guckt Desperate Housewives. Bei Weißbier, Keksen und Chips. Gmail-Pop3-Features noch sehr beta.

Donnerstag, 6. März 2008 (Papa allein zu Haus)
(23:14 Uhr)

Ich hasse projektübergreifende commits und muß schon wieder nach oben ziehen. Nadja hat das Licht im Logan brennen lassen, was man wegen der Taxiknappheit an Streiktagen unbedingt unterlassen sollte. Trotzdem läßt sie ihr after-work-beer nicht ausfallen. Und so bin ich mal wieder auf mich allein gestellt. Glück im Unglück. Bayern hat keine Probleme in Anderlecht. Und das Baby ist müde.

Freitag, 7. März 2008 (Einkäufe erledigt meine Frau)
(23:18 Uhr)

Apple macht Käsespätzle. Richie wählt Mathematik. Das Baby legt den Jaguar in die Garage. Nadja sucht eine Pension für Ostern. Ich verschleudere meine Zeit mit dem Katalog von Westfalia Technika. Nadjas Fahrrad wird voll montiert geliefert. Morgen kümmern wir uns um eine Spülmaschine. Telefonmarketing-Offensive. Mir will man Unterhosen andrehen. Und Nadja ‘ne Kiste Wein. Pallhuber läßt grüßen.

Samstag, 8. März 2008 (Eine vernünftige Distanz)
(23:10 Uhr)

Das Baby ist schon sehr notebookfixiert. Sag nur “Schni-Schna-Schnappi, das kleine Krokodil”. Spülmaschine bei Quelle gekauft. Nadja schließt sie an. Auch Bremen geht in Stuttgart unter. Bayern zieht davon. Oder wie Uli Höneß meint. Setzt “eine vernünftige Distanz”. Mein Zahnweh ist verschwunden. Ferienwohnung in Dresden für Ostern gebucht. Auf der Wiesn darf geraucht werden. Nadja testet ihr Arbeitsnotebook. Und Frau Metzger soll ihr Mandat zurückgeben, weil sie ihr Wahlversprechen nicht brechen will.

Sonntag, 9. März 2008 (Nichtraucherschwäche)
(22:06 Uhr)

In der Arbeit die Kollegen. Zu Hause verführt mich Nadja zum Rauchen. Dabei wäre ich von meiner Konstitution her. Eindeutig Nichtraucher. Mit dem Baby auf den Spielplatz. Ist gerne draußen. Hat es von der Mama. Verlegen die Geburtstagsfeier um einen Tag nach vorne. Das Baby wollte schließlich einen Tag vorher raus. Schaltjahr haben wir auch noch. Die neuen Legofahrzeuge begeistern das Baby, dessen Affinität zu allem Runden immer sichtbarer wird. Reifen, Uhren, Bälle. Ist wohl so, bei Jungs. Die Großeltern schlagen einen Ballettkurs vor, weil er sich so schön zur Musik bewegt. Aber da ist das letzte Wort noch nicht gesprochen. Steinbrück glaubt nicht mehr an einen Sieg bei der nächsten Bundestagswahl. Dabei kann sich Westerwelle sogar eine Ampel vorstellen. Weil die Union nur noch regieren will, “um jeden Preis, mit jedem faulen Kompromiss und egal mit welchem Partner”. In Hessen kann man mittlerweile gar niemanden mehr tolerieren. Auch der HSV hält Distanz. Nadja sieht sich die ersten Langenscheid-Vokabelkarten an. Schwierigkeitsgrad A2. Africa. Asian. Attractive. Und immerhin. Ascension Day. Fällt heuer sowieso auf den ersten Mai.

Montag, 10. März 2008 (Geburtstag ohne Party)
(22:08 Uhr)

S-Bahn pünktlich. Apple löst sich auf. Erich macht alles schriftlich. Die Slowenen wollen kein Ajax programmieren. Das Baby darf in der Kita ausgelassen draußen spielen. Wenn es noch einmal über die Unmengen Spielzeug am Fußboden stolpert, führe ich das Penzberger Modell wieder ein. Richie hat Lampenfieber und würde zur Ablenkung sogar frühmorgens babysitten. Nadja vereinbart einen Termin in der KFZ-Werkstätte. Der Logan muß zum Kundendienst. Das Baby schreit nachts immer noch im 60-Minuten-Takt.

Dienstag, 11. März 2008 (Rauch’ ma no’ a’ Hoibe)
(22:10 Uhr)

Be Berlin. Oder. Wowi, bi staad. Das Baby hat vom Kindergarten ein Tatü-Tata bekommen. War wieder mit den Großen draußen. Und auch zu Hause schleicht er gern um die Weintrauben rum. Elmar hat seine Kompilierprobleme beseitigt. Erich verscherbelt keine Raketentechnologie. Ich rauche nur noch halbe Zigaretten. Auch Homeboy Junior kommt langsam in die Jahre. Nadja äußert sich über ihren behenden Arbeitsstil und sagt alle ausstehenden Bewerbungsgespräche ab.

Mittwoch, 12. März 2008 (Cup der Verlierer)
(23:55 Uhr)

Das Baby soll beim Abgeben im Kindergarten nicht geweint haben. Der Kampf um die Sahnehäubchen hat begonnen. Apple will nicht mehr zu Fuß nach Hause laufen. Claudia hat angerufen. Wie’s uns so geht. Selbst nicht viel erzählt. Zu lange im Büro. Widersprüchliche Zahlen. Bayern mit kontrolliertem Siegeswillen in eine versöhnliche Niederlage geschlittert. Tottenham und Marseille sind draußen. Der Weg zum Triple wird übersichtlicher. CSU und SPD sollten ihre Vorsitzenden austauschen. Regen. Eiskalter Wind. Nadja und Richie geh’n früh ins Bett. Hoffentlich kein Virus. Nur das Baby wacht immer wieder auf. Simone schickt verspätetes Geburtstagspaket. Mit Monaco-Franze-Lätzchen. Nadja hat einen eigenen Branch.

Donnerstag, 13. März 2008 (Desperate Housemen)
(23:38 Uhr)

Tschetschenien hat die Raketenpläne aus meiner Hand. Ich handelte nur auf Anweisung. Ein Autoresponder schützt vor Telefonanrufen. Simone möchte da Vinci digitalisieren. Das Zufüttern steht unmittelbar bevor. Apple wünscht dem Baby Durchfall. Wegen der bevorstehen “24 hours alone with the baby”. Eine halbe Stunde nimmt mir Richie ab. Weil Nadja geschäftlich zum Flughafen muß. Und ich meinen Bus verpaßt habe. Man kann doch gute Noten bekommen. In Berlin. Mit Bremen verabschiedet sich trotz des schönen Tors von Diego der nächste potentielle unangenehme Gegner vom Uefa-Cup. Das Baby wird schneller wütend als gewöhnlich, wenn es nicht kriegt, was es will.

Freitag, 14. März 2008 (Sonderurlaub)
(10:53 Uhr)

Das Baby brüllt in der Nacht. Läßt sich nicht mal mit der Extraportion Milch beruhigen. Und Nadja irgendwo in Bayern. Das Telefon im Flughafen-Modus. Vielleicht ist der kleine Virus weitergewandert. Leicht erhöhte Temperatur. Nicht einfach. Als Alleinerziehender. Bringe das Baby in den Kindergarten. Wo mich die kleine Lena vollquatscht. Und mir erzählt, daß unser Baby noch sehr klein ist. Den Spind kannst du nicht aufmachen. Schon gerät die Keksdose ins Visier. Man schickt mich schnell raus. Das Baby weint. Kurz und schmerzlos. Ach. Gott. Der Logan soll zur Inspektion gebracht werden. Die freie Vertragswerkstatt, die Nadja mir ausgesucht hat, weist mich darauf hin, daß Dacia evtl. Probleme mit der Garantie machen könnte. Wieder ein hilfloser Ruf. Nach Real-Life-Unit-Tests. Nadja hat ihre Pin vergessen. Ein Renault-Händler kann mich vielleicht dazwischenschieben.

Von der Autowerkstatt ist das Baby recht begeistert. So viele Räder. Leider ist der Heimweg sehr beschwerlich. Bei BVG-Streik und eiskaltem Wind. Die Mama hat ihm gefehlt. Temperatur ist abends etwas gestiegen. Dazu ein Schnupfen. Demichelis sollte froh sein, überhaupt zu spielen. Armageddon auf Pro7. Paßt zu Nadjas ironischer Osterkarte aus Mecklenburg.

Samstag, 15. März 2008 (Ohne Energie)
(22:58 Uhr)

Endlich mal nicht über den Tisch gezogen worden. Und das von einem Renault-Dacia-Vertragshändler. Premiere-Flex gekauft. Smartcard bestellt. Nadja sollte vor Gericht gehen. Das Baby hat immer noch erhöhte Temperatur. Interessant in dieser Welt. Ist nur noch das Tatü-Tata. Das Nebelhorn des Münzschiffs vorm Kaiser tut’s auch noch.
Erstes Kaufhaus-Karussell
Sally Kern aus Oklahoma kennt Studien, die belegen, daß keine Gesellschaft, die Homosexualität vollkommen angenommen hat, länger als ein paar Jahrzehnte überdauert hat. Wenn die ganze Gesellschaft Homosexualität annimmt, ist das natürlich richtig.
Bayern geht in Cottbus unter. Hatte mir den Abend so schön vorgestellt. Mit Weißbier und Sportschau. Aber Fußball ist kein Wunschkonzert, und der Fan kann keine Wünsche äußern.

Sonntag, 16. März 2008 (Rainy Sunday)
(22:56 Uhr)

Nadja geht vor Gericht. Das Baby läuft ohne Windeln ‘rum. Bleibe trocken. Und komme wegen des erneut ausfallenden Zoobesuchs gut in meinem Java-Buch voran. Das Baby spielt teilweise schon wie ein Großer. Und schiebt sämtliche beräderte Gegenstände mit Motorengeräuschen durch die Wohnung. Molkedrinks und Gummibärchen (natürlich in minimalen Dosen) sind begehrter als Eiscreme. Der Selbstlaut “u” will sich immer noch nicht einstellen. Bremen hält Abstand. Nach Schinkennnudeln für alle wollen die großen Kinder Spiel des Wissens spielen. Obwohl Nadja sich nicht konzentrieren kann.

Montag, 17. März 2008 (Gewichtsausgleich)
(21:38 Uhr)

Das Baby hat Nadja nicht schlafen lassen. Heut’ abend werde ich für die Nachtschicht eingeteilt. Neuestes Wort: Pullover. So ungefähr. Bei der U6, oder war’s die U7, kommt raus, daß das Baby das Zuwenig an Größe mit Gewicht ausgleicht. Was mich wieder daran erinnert, daß Chips, Kaubonbons und das Dessert beim täglichen Mittagessen auch mir zu schaffen machen. Benny Goodman mit Glen Miller verwechselt. Apple soll Intimschmuck-Inhaber geoutet haben. Erich stellt sich das schwierig am Flughafen vor. Raketentechnologie ja. Passwörter nein. Man muß Strategiewechsel labyrinthischer sehen. Ein Schritt nach rechts. Zwei nach links. Irgendwann kommt man auch mal voran. Ein Leser sorgt sich um meinen Pagerank. Karl sucht ‘ne neue Wohnung. Und die Kollegen woll’n die Meisterschale sehen.

Dienstag, 18. März 2008 (Notduschen)
(23:11 Uhr)

Das Baby muß im Morgengrauen notgeduscht werden. Im Kindergarten gab’ es Linsen. Eiskalt. Scheiben kratzen. Tschetschenien und Jahresgespräch bringen mich um den Feierabend. Ein Hibernate-Mapping tut sein übriges. Die Einkäufe, wegen derer ich mit dem Auto gefahren bin, mußten von Nadja mit dem Kinderwagen übernommen werden. Der Codefreeze soll dieses Mal rigider gehandelt werden. Erich hat ein Rauschen im Ohr und Apple verzichtet auf das Abendessen.

Mittwoch, 19. März 2008 (Finale)
(23:25 Uhr)

Erich seufzt. “Könnt’ morgen nicht schon Donnerstag sein!” Der Wunsch wurde erhört. Die Externe teilt weiter aus. Und Apple scheint schon wieder krank zu werden. Bayern mit alter Souveränität. Wobei Breitner und Hartmann Demichelis über’n Schelln König loben. Die Kinder tragen die Einkäufe nach oben. Das Baby wirkt an und für sich fröhlich. Solange man ihm nicht mit leeren Flaschen und Joghurtbechern kommt. Nadja bringt eine LinkedHashMap mit nach Hause.

Donnerstag, 20. März 2008 (Vierter Tag in der Viertageswoche)
(22:33 Uhr)

TK mit Tschetschenien. Die Rakete läßt sich bau’n. Wer will schon den Tomcat patchen? Nadja stellt das Osterkulturprogramm zusammen. Grünes Gewölbe. Hygienemuseum. Auch in diesem Kurzurlaub droht eine Familienepidemie. Das Baby hat jetzt schon einen Katarrh und schläft schlecht. Ich bin. Übermüdet.

Freitag, 21. März 2008 (Se hace ‘l camino al andar)
(23:38 Uhr)

Aufbruch nach Dresden. Wider Wettervorhersage auch mit heiteren Abschnitten. Das Baby macht sich gut auf der Fahrt. Und Nadja wundert sich, was ihre Eltern im zweiten Weltkrieg in Cottbus verloren hätten. Das Navi führt uns ins Zentrum. Aber Nadja verfehlt das Grüne Gewölbe. Gleich in zweierlei Weise. Das hat man von einem verstaubten Reiseführer. Das Baby sortiert BrotDas Baby genießt seine Mobilität in der Fußgängerzone. Trotz des ein- oder anderen glimpflichen Sturzes. An jedem Gitter wird gerüttelt. Café marnier beim Fliegenden Holländer. Spaziergang durch den Zwinger. Beziehen unsere Ferienwohnung. Unweit des blauen Wunders. Mit herrlichem Ausblick auf die Elbe und auf Dresden. So einen Ausblick kriegst du in keinem Fünf-Sterne-Hotel. Zum Essen empfiehlt man uns. “Al camino”, wo der Kellner schon Erfahrungen mit Kinderwägen hat und uns eine Parklücke zuweist. Richie kann die Tomatensuppe empfehlen. Nadja die Shrimps. Ich die Pizza. Und das Baby den Brotkorb. Ansonsten muß ich zugeben. Dresden. Ist. ‘Ne schöne Stadt.

Samstag, 22. März 2008 (Hygienemuseum und Krankenhaus)
(22:57 Uhr)

Obwohl Nadja morgens von Hungerkrämpfen (?) geplagt wird, machen wir uns auf den Weg zum Hygienemuseum. Ich hatte aufgehört, die Außer-Betrieb-Schilder und Windows-Fehlermeldungen zu zählen. Als Nadjas Schmerzen wiederkehrten und wir uns aufmachten. Ins nächstbeste Krankenhaus. Das nächste muß nicht immer das schnellste sein. Nach fünf Stunden Warten, zwischendurch besorgten wir uns einen Döner und Sushi um die Ecke. Nach fünf Stunden wollten sie Nadja gleich hier behalten und operieren. Was Nadja verweigerte. Sorgen. Wenigstens hat Bayern gegen Leverkusen gewonnen. Das Baby lernt ein neues Wort: Tee.

Sonntag, 23. März 2008 (Grippale Infekte)
(23:07 Uhr)

Nadja schmerzfrei. Vorerst normales Programm. Mit Osterhase. Frühstück im Schwarzmarkt-Café. Österreicher am Nebentisch. Rauchertischen im Innenhof. Alte Meister im Zwinger. Die sixtinische Madonna. Natürlich. Aber genauso gut gefallen hat mir auch. Der Pfad der Tugend. In “Die ruhende Venus” von Palma il Vechio. Nicht zu verwechseln mit der schlummernden Venus. Straßenfest in Spandau. Ansonsten störungsfreier Verkehr in ganz Berlin. Premiere-Smartcard aktiviert. Vielleicht hätten wir uns bei der Filmauswahl nicht von Richie leiten lassen sollen. Piraten der Karibik III. Etwas lang und metaphysisch. Das Baby war nicht brav, sondern krank. Hat schon wieder Fieber. 39,1.

Montag, 24. März 2008 (Hintertürchen)
(22:24 Uhr)

Das mit den dreizehn Erkältungen im Jahr scheint mir eine vorsichtige Schätzung zu sein. Richie muß staubsaugen. Das Baby darf trotz Erkältung Karussell fahren. Im Tatü-Tata. Am Abend entdeckt es selbständig, wie man das Dolby-Surround-System ein- und ausschaltet und gerät darüber in langandauernde Ekstase. Ekelhafte Exkremente vor der Haustür. Benutzen nur noch den Hintereingang.

Dienstag, 25. März 2008 (Teleworking)
(23:30 Uhr)

Nadja kann von zu Hause arbeiten und muß eventuell nicht ins Krankenhaus. Auch das Baby braucht noch nicht in den Kindergarten, genest aber schnell. Apple wird bald in Alm-Öhi umgetauft. Ich hasse gettext. Muß langsam meine Ziele definieren. So abwegig hätte ich einen Olympia-Boykott nicht gefunden. Benutze weiterhin den Hintereingang.

Mittwoch, 26. März 2008 (Schweizer Käse)
(22:47 Uhr)

Mr. Gettext ist im Urlaub. Um Apple muß man sich langsam Sorgen machen. Selbst Igor lästert schon über die Kantine. Neue Anforderungen für Schleswig-Holstein. Nadja sagt, das Baby habe gar nicht geweint, heute im Kindergarten. Sie darf nun. Offiziell. Code reviewen. Oder deutsch. Programmzeilen überprüfen. Lucio wartet mal wieder auf ein Angebot aus Barcelona oder Madrid. Hauptsache Italien. Bayern Alpha geguckt. Länderspiel weitgehend ignoriert.

Donnerstag, 27. März 2008 (Lalelu)
(23:08 Uhr)

Schleswig-Holstein kommt früher als man denkt. Großer Zapfenstreich um 22:00 Uhr. Das Baby kriegt Bio-Kinder-Hustentee.

Freitag, 28. März 2008 (Ande ohne Ende)
(23:47 Uhr)

Erich hat e-Tick. Beim CMS ist die Lernkurve recht mühsam. Igor raucht bewußt. Wieso wechselt man beim Alten immer nur den Kommissar aus, und nie den Assistenten? Krimi mußte wegen Ungenießbarkeit vorzeitig abgebrochen werden. Das Baby hustet weniger. Dafür hab’ ich Halsweh. Potters kommen mit in den Zoo.

Samstag, 29. März 2008 (Distanz bleibt unverändert)
(22:13 Uhr)

Spandauer Arkaden. Wochenendeinkauf. Heute im Stadion auf dem Hometrainer. Potter hat mich zum Sport animiert. Obwohl er selbst sein Lauftraining vorzeitig abgebrochen hat, wie ich hinterher erfuhr. Podolski schießt ein Bundesligator und rettet den Punkt, der die vernünftige Distanz aufrecht erhält. In einer unvorsichtigen Minute. Nach einem kurzen Spaziergang durch Spandau. Abonniere ich Premiere Blockbuster. Für einen Monat. Erster Film. Bandidas. Nadja findet Salma Hayek (Frieda) hübscher als Penelope Cruz. Der Schlüssel und die Truhe bieten dem Baby noch immer morgenfüllende Unterhaltung.

Sonntag, 30. März 2008 (Grzimek hat in Berlin promoviert)
(23:18 Uhr)

Wir fahren in den Zoo. Das Baby entdeckt, daß Verkehrsampeln mein Fahrverhalten beeinflußen. Potters und Nadja hatten mit mehr Sonne gerechnet. Wegen der eigenen Fähigkeit, die Laute nachzuahmen, hat das Baby große Freude an den Elefanten. Das Baby im NilpferdhausSonst beeindruckten vor allem das Nilpferdhaus und die schwimmenden Pinguine. Das Tapir und Knuth fanden kein Interesse. Habe den Berliner Zoo zu Unrecht mit Grzimek assoziiert. Ginny erkundigt sich sehr genau nach den Kinderwägen und ist bei “Unsere Erde” eingeschlafen. Ganz Süddeutschland liegt unter Wasser. Hat Harry nicht aus einem Science-Fiction-Roman, sondern aus einem Geologiebuch. Eine Wohnung wird nicht gesucht. Man sieht sich nur um. “Happy Feet” kein Film für uns. Stellen wir nach wenigen Minuten fest. Nadja setzt Schiffbruch mit Tiger so sehr als rhetorische Allzweckwaffe ein. Da wird mir nichts anderes übrig bleiben, als es selbst zu lesen. Eines Tages. Das Baby entdeckt sich selbst als Objekt, das man verschwinden lassen kann und spielt erstmals Verstecken. Tatort mit Charlotte Lindholm. Sehr unterhaltsam. Für junge Eltern.

Montag, 31. März 2008 (After work und Happy hour rund um die Uhr)
(23:56 Uhr)

Die Externe sagt das Bodenturnen ab. Dea verpaßt die S-Bahn und zieht dennoch keinen Rock an. Hauptsache schwanger. Man muß das Budget beim Teamevent nicht ausschöpfen. Unser Code soll schöner werden. Stories über die schöne Zeit in Volksarmee und Bundeswehr, über Senegalesen, die Antilopen müde laufen, Wodka und über den russischen Humor, der nicht so pragmatisch sein soll wie der deutsche. Trink’ mal in Berlin fünf Bier. Und versuch anschließend, nach Haus’ zu kommen. Der BVG fährt zwar. Aber ich verlange, daß S- und U-Bahnen mit Toiletten ausgestattet werden. Mußte Fahrt von Mitte nach Spandau mehrmals unterbrechen. Neues Wort vom Baby. Banane.

 
 

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