Tagebuch von Henri Hochofen
Mai/Juni 2005
Sonntag, 1. Mai 2005 (Desperate House Lifes)
Gestrigen Kulturabend nachbereitet. Das mit dem Erfolg der Moulinettes in Japan und Italien war kein Witz. Claudia hat mich nicht zum literarischen Quartett geweckt. Scheint nicht allein zu sein. Die Hochzeit der Karrierefrau von der Au beginnt mit einem gemeinsamen Besuch im Hamam. Letzte Woche der Papst. Heut Mrs. Bush. Kein schlechtes Timing bei den Pointen. Neue Ergebnisse in der Sexualforschung. Allein das Lesen von Alkohol-Worten fördere den Sexualtrieb des Mannes. Das erklärt so manches. Aus der Zeit. Als ich Liebesbriefe noch auf Bieretiketten schrieb.
Montag, 2. Mai 2005 (Hochofen zum zweiten Mal in Ostdeutschland)
Nacht durchgemacht. Ein Marder auf dem Weg zum Bahnhof. Auch im Zug nicht geschlafen. Und das ohne Scheelchen Heeßes. Der Schwarze Marx in Leipzig verführt meine Kollegen zu revolutionären Ansichten. Rostocker nicht so dick, wie neulich berichtet. Ungewöhnliche Zigarettenmarken. Hat man hier kein Reval? Pater noster gefahren. Tropische Nächte.
Dienstag, 3. Mai 2005 (Letzte Tram in Leipzig fährt um 0:39)
Da hatte uns Goldfinger andere Informationen gegeben. Gut, daß ich an Auerbachs Keller vorüberzog. Und auf Gose verzichtete. Nadja dürften die Feuerzeuge nicht so schnell ausgehen. Weil jemand junge Putenbrust bestellte, wurde mir ein Spiegelei ohne Dotter serviert. Der Oberstaatsanwalt telefoniert nicht gern mit dem Ausland.
Mittwoch, 4. Mai 2005 (/(bb|[^b]{2}/)
Zum Frühstück Bayern Drei. Dame an der Leipziger Rezeption interessiert sich für oberbayerische Stauverhältnisse. Süße Spatzen beim Mittagessen. Im Zug ein Performance-Problem am grünen Tisch gelöst. Ein Zugnachbar stimmt ausdrücklich zu, Kronach Preußen zuzuordnen. Erst als ich für die Donau als natürliche nördliche Grenze Bayerns plädierte, wurde er schweigsamer und stieg in Nürnberg aus. Claudia hat versehentlich meinen Steuerbescheid geöffnet und meint zurecht, den Zahnarzt könne ich mir abschminken. Wird wohl meine letzte Steuererklärung gewesen sein. Bei der CTU überschlagen sich die Ereignisse.
Donnerstag, 5. Mai 2005 (Verdamp lang Blair)
Dritter Wahlsieg hintereinander. Wenn sie nicht Braut wäre, würde Juda Ben Hur sie zum Abschied küssen. Und ich würde gern was für mein Image tun. Und mal wieder hören. «Du hast so an Schlag!» Fühl mich so bürgerlich. Das Fernstudium setzt dem noch die Krone auf. Zwei Schmerzen ach. In meinem Frust.
Freitag, 6. Mai 2005 (Temperatursturz, Wind und Regen)
Müssen die Eisheiligen sein. Da hilft kein sonniges Gemüt. Zumal, wenn es nicht in München wohnt. Ganzen Tag mit XSD-Software, bei der ich auch noch Bugs fixen mußte, vertrödelt. Möchte leeres XML generieren. Finde meinen Wallenstein nicht mehr. Lafontaine bei Pelzig ein Schatten seiner selbst. Da wäre sogar Scharping unterhaltsamer gewesen.
Samstag, 7. Mai 2005 (Siebter Sieg in Folge)
An so eine Serie kann ich mich gar nicht mehr erinnern. Angelina malt. Nichts Neues in Niederbayern. Außer daß die Radieserl schon so weit sind. Und die namenlose Katze die Familie fest im Griff hat.
Sonntag, 8. Mai 2005 (Ja, ist denn heut' schon Weihnachten?)
Oma reicht mein Geburtstagsgeschenk nach. Zwei Büchsen mit Vanillekipferln. Diesmal teil' ich nicht mit Claudia. Wegen des angekündigten Besuch's einer Ministerialrätin oder was Ähnlichem, was mich zum Kämmen hätte zwingen sollen, mit Simone gleich nach dem Muttertagsmittagessen geflohen. Zurück nach München. Straßenschilder für die Allianz-Arena sind bereits aufgestellt. Und die immergleichen Kalauerverwarnungen von Stammleser Reiner S. werden nicht mehr veröffentlicht. Reicht, wenn sich die Kalauer wiederholen.
Montag, 9. Mai 2005 (Tag der Befreiung)
Deutsche Börse ist Herrn Seifert los. Völlig schmerzfrei. Möchte meinen, ich bin in die Arbeit getanzt. Gut gelaunt. Bis Claudia diesen Zustand auf mein alkoholfreies Wochenende zurückführte. Nicht auszudenken, wenn sich das bestätigen sollte. Hätte der Fernuni meine Adresse vorenthalten sollen. Lieferungen nehmen kein Ende. Angelina malt in der Küche, nicht im Atelier. Um Eichels neues Steuerloch von 50 Milliarden sorgt sich auch nur noch Landesvater Stoiber.
Dienstag, 10. Mai 2005 (Holocaust-Mahnmal eröffnet)
Bis zur Allianz-Arena möchte ich nun von Gedenktagen verschont werden. Ein Reisebüro mit Bahn-Lizenz fühlt sich von den billigen Lidl-Tickets diskriminiert. Was würd' ich da sagen, mit meiner Bahncard 25. Möchte morgen mit der Migration beginnen. Zehn Millionen verschiedene Benutzernamen sollten bis zur Rente reichen. Elmar lehrt seinen Kindern die Vorzüge der Entbehrung. Angelina hat einen Müllwagen mit der Aufschrift Henri Hoch vorüberfahren sehen. Ob das ein gutes Omen war? Bei bol.de zunächst auf einen 10-Euro Gutschein mit 30-Euro Mindestbestellwert hereingefallen. Und dann auch noch versehentlich ein eBook bestellt.
Mittwoch, 11. Mai 2005 (Schlafstörungen)
Freier, die sich mit Zwangsprostituierten einlassen, sollen nach einem Unions-Gesetzentwurf fünf Jahre hinter Gitter. Und für Zuhälter gilt die Kronzeugenregelung. Elmar erkundigt sich nach Romy. Hab nichts mehr von ihr gehört. Seit sie ihre Firewall aktiviert hat. Die Rechnung der Fernuni böte mir eine elegante Möglichkeit, dem Akademischen wieder den Rücken zu kehren. Erst mal die Höhe der Summe reklamieren. Wenn wir den FC Bayern nicht hätten. Genieren müßte man sich. Claudia sagt, kein einziges Münchner Museum habe Modigliani im Repertoire. Wenn man vom Auktionshaus Nusser in Schwabing mal absieht. Die Toulouse-Lautrec-Ausstellung läuft auch nicht mehr lang. Ob sich das noch ausgeht. Eineinhalb Stunden nach windigem Design-Bug gesucht.
Donnerstag, 12. Mai 2005 (Tous les soirs la Goulue)
Schlagzahl erhöht. Die armen Eintrommler. Cousine Annika hatte keine Zeit für Toulouse-Lautrec. Also ging ich allein. Zu Fuß. Ich zu Fuß. Hört sich an wie. Ich auf Wasserski. Ich weiß nicht. Hatt' es mir ein bißchen frivoler vorgestellt. Lieblingsbild. La passagère du 54 ou Promenade en Yacht (1895). L'automobiliste erinnert mich an meinen Englischlehrer. Angelina findet blaue Reiter toll. Übungsaufgaben, Wäsche, Einkaufen, Zölibat. Wie schaffen das andere? Wieso sagt mir keiner mehr, ich wäre zu zartbesaitet. Und nimmt mir alles ab.
Freitag, 13. Mai 2005 (Studenten neigen stärker zur Alkohol- oder Drogensucht als die Nicht-Akademiker in ihrer Altersgruppe)
Also doch. Intelligenz säuft. Hoffentlich haben die Gäste der Karrierefrau von der Au nicht bei Onur Air gebucht. Muß mich für Meisterfeier und Abschied vom Olympiastadion schonen. Nadja kann's nicht lassen, auf meinem Workaround rumzuhacken. Zahlstelle der Fernuni meint, ich müsse schriftlich Widerspruch einlegen. Dann werde der Fall genau geprüft. Ein Diptychon darf man nicht auseinanderreißen. Ob Varasdin was für Angelina wäre? Claudia sagt, mittlerweile hätten wir 100 Müller-Prämiendeckel. Spiel' lieber Lotto. Bis zur Rente steh' ich diesen Schlafmangel nicht durch.
Samstag, 14. Mai 2005 (Die Schale ist zu Hause)
«Jo, jo, jo, jo. Der war scho' Abseits...» Abschied vom Olympiastadion. Ein paar Tränen. Für Lizarazu und Scholl. Wegen Platzregens ließen diesmal wir die Leopoldstraße ausfallen, im Gegensatz zu 2003. Dafür ein letztes Mal im Wirtshaus zum lustigen Bauern. Eine letzte Pizza Diavola. Auf der Leinwand eine Dokumentation über die Meisterschaft von 2001. Vier Minuten im Mai. Und schon waren wir. In Meisterlaune. Pöbelnde Clubfans hin oder her. Herr E. hält den Dienstweg ein und vertraut auf die bayerische Ministerialbürokratie. Ingo ist ein Individuum. «Ich kann keine rechthaberischen Leute leiden.»- «Rechthaberisch samma selber!»- «Na, i net!» Reinhilde sammelt die Indiskretionen ihres Chefs, der sich ausgiebig mit dem weiblichen Schönheitsideal zu beschäftigen scheint. Eine Luftmatratze war Rummenigge, der gern in München übernachtet hätte, nicht komfortabel genug. Die Ehe verweichlicht. Richling wollte gar nicht ausgehen. Hat aber nach eigener Aussage einen Koller bekommen. Verneint jeglichen sexuellen Zusammenhang. Dokumentarfilmteam in Varasdin. Erschwerte das gemütliche Ausklingen des Abends. Josepha führte strenges Regiment. Number Four fand empört verschlossene Türen vor. Ein Kleinkünstler, den ich in Varasdin noch nicht gesehen habe, spielt nicht für die Gäste, sondern für die Kamera. Die Zugangswege zu den sanitären Einrichtungen waren von Regieassistenz und Tontechnik versperrt. Wenigstens erklärte Homeboy Number Four, der seine Laborschlüssel behalten darf und seine Gedanken um das Große Los kreisen läßt, noch den Alpha-Zerfall, bevor er Einblick in seinen Potentialtopf gewährt.
Sonntag, 15. Mai 2005 (Der Herr ist gütig und gerecht)
Alte Kontakte aufgefrischt. Humanum est.
Montag, 16. Mai 2005 (Wenig Wege führen nach Rom)
Ohropax ist auch nicht mehr, was es mal war. Eine Dreiviertelstunde voller Pioniergeist am nördlichen Ende Münchens herumgekurvt, in der Hoffnung, eine noch unbekannte Route zur Allianz-Arena zu entdecken. Vergeblich. Muß mich wenigstens zu Hause besser vor'm Job schützen.
Dienstag, 17. Mai 2005 (Parken vorm Büro)
25 Euro. Wegen Parkens ohne Parkscheibe. Mit Zeitüberschreitung. Elmars Urlaubsvertretung fängt gut an. Die einen können nicht drucken, die andern nicht ins Internet. Und ein VIP braucht eine neue Kennung. Hinter dem Betreff Fremder Führer verbarg sich doch kein Nazi-Spam. Homeboy Junior, den ich noch nie freiwillig in ein Taxi steigen sah, will mich zu einer 350-Euro-Pauschalreise überreden. Angelina findet, es wird höchste Zeit, einmal den alten Peter hinaufzusteigen. Computerprobleme der Karrierefrau von der Au konnten ohne mich gelöst werden. Halsschmerzen. Claudia hat mich angesteckt. Nicht zu Simones Grillfest gefahren.
Mittwoch, 18. Mai 2005 (Peindre ou Faire L'Amour)
Raten französische Filmemacher. Deutsche Psychologen empfehlen Malen oder Neutrales Fluchen. Ich hab' gekocht. Nicht viel gehabt vom freien Tag. Vitamin C, Halsbonbons und Kartoffelchips. Allianz-Arena wirklich nur über Autobahn erreichbar. Tony Almeda abgelöst. Angelina bedauert, daß sich das Verzehrkino in München nicht durchgesetzt hat.
Donnerstag, 19. Mai 2005 (Schöner Klonen)
Gestern keine Billig-Nudeln bei Wal-Mart. Heute kein Bahn-Ticket bei Lidl. Und wenn ich Stammzellen brauche, bekomme ich sicher nur liegengebliebene Eizellen aus Fruchtbarkeitsbehandlungen unglücklicher Single-Frauen. Wiggerl Kögl schießt das erste Bayern-Tor in der Allianz-Arena. Angelina war scheinbar schon mal in Varasdin. Daß ihr Frida gefallen würde, hätte ich mir denken können. Neben Seehofer und Geißler kommt jetzt auch Klaus Peter Kisker in mein Schattenkabinett. Claudia hält es für äußerst unwahrscheinlich, daß eine Jung-Poetin einen Leserbrief zu www.hochofen.de verfassen würde.
Freitag, 20. Mai 2005 (Total unentspannt)
Die Karrierefrau von der Au erinnert es an einen Schwimmreifen, Elena an einen alten Autoreifen und Claudia bedauert, daß für Flutlicht und Rasenheizung keine Solarzellen in die Leuchtkissen integriert wurden. Angelina googelt nach Vanillekipferln und Diptychon. Udo meint, das Geniale an seiner Hochzeit sei, daß alles total unentspannt ablaufe. Die Karrierefrau von der Au schlief wie üblich am Tisch ein. Statistiker sprechen nach jahrelangen Beobachtungen von einer Einschlafwahrscheinlichkeit von über 75 Prozent. Sie möchte gegen eine drohende berufliche Degradierung ankämpfen. Der vom neuen und alten Papst gesegnete Geröllheimer lernt zwei Frauen in der U-Bahn kennen und bringt sie gleich mit. Junior kam vom der Maximilianstraße. Allein. Der Spitzname, den man mir anhängen wollte, wird sich nicht durchsetzen.
Samstag, 21. Mai 2005 (Siegesserie geht weiter)
Silke, deren Verlobter erst morgen aus Tokio zurückkommt, langweilt sich, obwohl Devrim ein paar Gstanzl zum Besten bringt. Letzterer gesteht. Er werde nie müde. Und wenn er sagt, der Paul ist schon vor Zwölf gegangen. Dann meint er. A.M. Das Knoblauchbaguette im Lamms ist immer noch sein Geld wert. Hab das Auto wieder zurückgebracht. Weil ich den Sender des Autoradios nicht wechseln konnte, kenne ich nun Schnappi und seinen Freund, das Lama. Weise das Urlaubsmitbringsel meiner Eltern zurück. «Des ziag i net o!»- «Warum? Des is a Dreiviertel-Lange-Hos'n!» Mehmet Scholl hätte Makaay ruhig zwei-, dreimal öfters anschießen können. War gut drauf, wollte gleich nach dem Spiel nach München zurück. Bayerwaldexpreß hatte zehn Minuten Verspätung. Anschluß in Plattling wartet nicht. Keine Ansage, keine Hinweise, kein Personal. Nur empörte Reisende. Teenager, die nicht wissen, wie sie nach Hause kommen und ins Handy brüllen, daß sie jetzt festsitzen, in diesem Kaff. Das Glockenbachviertel bringt Richlings Hormonhaushalt durcheinander. In diesem Zustand dürfte er an einem Lotteriegewinn viel Freude haben.
Sonntag, 22. Mai 2005 (Münti kündigt Neuwahlen an)
Leider noch mit Gerhard Schröder. Mögen die Flüsse nicht über die Ufer treten! Und alle linksorientierten Kräfte in diesem Land sich vom Neoliberalismus befreien! Ahlen sichert die Klasse. Es ist halb zwölf. Rüttgers ist immer noch nüchtern. Claudia hat nichts mitbekommen. Vom politischen Erdbeben. Tagesthemen melden Niederschlagsmenge meiner Heimatgemeinde. Sind das die Daten meines Physiklehrers? Oder hat Kachelmann eine eigene Wetterstation installiert?
Montag, 23. Mai 2005 (Frankfurt-Paris unter vier Stunden)
So lang hab ich am Wochenende für Deggendorf-München gebraucht. Doppelte Objekte in der Arbeit entdeckt. (Ausnahmsweise nicht sexistisch gemeint) Zu lange geblieben. Alles tut mir weh. Einer muß ja die für die anstehende Konferenz in Frage kommenden Biergärten testen. Macht ja sonst keiner. Bei diesen Temperaturen. Nadja und ihr Hiwi treffen schon einen Tag vorher ein. Das heißt, ich muß noch eine Location abchecken. Welch ärmliche Existenz, meint Claudia, die auf einen Lotto-Gewinn baut und jeden Montag zurückgeworfen wird. Auf sich selbst. Früher hab ich die Lottozahlen noch am Samstag geschaut, gefolgt vom Wort zum Sonntag. Ich war kein Realist. Das Sportstudio kam meist sehr spät. Sex gab es damals noch nicht. Müßte mehr fürs Studium tun. Da hat mir Angelina auch noch ein Buch ans Herz gelegt. 700 Seiten, kleingedruckt. «Haruki Murakami gelingt es, die Qualitäten von Stephen King, Franz Kafka und Thomas Pynchon unter einen Hut zu bringen...» Das erinnert mich daran, daß ich Thomas Pynchon eine zweite Chance geben wollte. 2009. Toru hat seinen guten Job in der Kanzlei gekündigt.
Dienstag, 24. Mai 2005 (Medikament gegen eiaculatio praecox)
Was hat die Wissenschaft gegen chronisch verfrühte Orgasmen. Alles dreht sich nur um Arbeitszeitverlängerung. Toru würde eine Frau mit sechs Fingern heiraten, bei vier Brüsten ist er unsicher. Hoffentlich läßt Uli Santa Cruz nicht ziehen. Taxi zu Angelina sehr teuer. Sie arbeitet an ihrem ersten Triptychon. Jemand hat eine Datei gelöscht. Seit zwei Wochen kein Hauptgericht mehr gewählt. In der Kantine. Die Beilagensalate kann ich auch schon nicht mehr sehen. Lafontaine sagt endlich JA. Man wählt nur mit dem Herzen gut. Ludwig Stiegler meint, ihm fehle die Demut. Pronold wundert sich über seine Naivität. Die letzten hundert Tage im Amt hat man einen Kanzler zu schonen.
Mittwoch, 25. Mai 2005 (Cuba-Zelt unauffindbar)
Gefahr am Arbeitsplatz. In Elmars Familie ist ein Scharlach-Fall aufgetaucht. Angelina würde mir den Tee ans Bett bringen. 24 Indigo beim Stustaculum-Festival nicht auf der Open Air Bühne wie angekündigt. Dickinson war übers Wochenende mit dem Oberstaatsanwalt in Wien. Haben mit österreichischem Kultstar eine Vorstadtkneipe auf Vordermann gebracht. Derrick entpuppt sich als Bernini-Kenner und wirft Renaissance und Barock in einen Topf. Mit wie viel Cuba libre kann man noch Auto fahren? Atemtechnik hin oder her. Mangels Bierangebot im Cocktailzelt. Mein erster Caipirinha. Kano ist einundreißig Jahre alt und wird einen roten Vinylhut tragen. Promiskuität beim Stustaculum wird übertrieben dargestellt. Eigeninitiative auch hier nötig. Und mit Salsa. Geht scheinbar auch nix.
Donnerstag, 26. Mai 2005 (Summer in the city)
Zwei Pfund Brot innerhalb von 24 Stunden scheint mir ein bißchen viel. Mister Aufziehvogel hat seine geblümte Krawatte wieder gefunden. Simone ist über die Kiste mit der SZ-Bibliothek gestolpert und nimmt einen Band mit in die Schweiz. Claudia meint, ich könnte mal wieder einen Haarschnitt vertragen. Aber ich gehe lieber. Zu einem Profi. Ex-US-Außenminister Powell will Baseballmannschaft kaufen. Hat der irgendwo Erdöl gefunden? Antriebsarme Lernversuche. Geweint. Bei Alf und den Waltons.
Freitag, 27. Mai 2005 (Cuba-Zelt unübersehbar)
Bug für Nadja gefixt. Gewichtige Gründe gegen das Anlegen einer kurzen Hose. Mister Aufziehvogel war ein Einzelkind. Woher kam nur Richlings Interesse am Besuch des Stustaculum? Dieses Mal hatte ich Probleme, das Cocktailzelt zu finden. Claudia meint, auf meine alten Tage entwickelte ich mich noch zum Alkoholiker. Falstaff saß in der ersten Reihe. Richling verklärt das Ozonloch. Hab ihm verboten, erneut zu versuchen, "gemähte Wiese" auf Bayerisch zu artikulieren. Du heiliger Monaco Franze. Das ist ja wie eine Koranschändung.
Samstag, 28. Mai 2005 (Jeder denkt das Eine)
Nach meinem letztjährigen Fahrradverbot selbiges vom Keller hochgeschleppt. Aufgepumpt. Und losgeradelt. Stockholm, Schweden. Die Frisur sitzt. München, Schwabing. Der Arsch hält. Den Luitpoldpark überqueren erstaunlich wenig Flugzeuge. Lange her, daß ich so gelassen auf der Wiese lag. Höchstens der Kinderspielplatz war ein wenig zu nah. Angelina hat von einer neuentdeckten vom Aussterben bedrohten Affenart gehört. Die Hochland-Mangabe, deren Aussehen an 70er Jahre Männerfrisuren erinnert. Der Hippie stammt also vom Affen ab. Und auch beim way of live in der Kommune sind Ähnlichkeiten mit dem geerbten Verhalten nicht zu leugnen. Wenn eine enthemmte Europäerin drei Glas Weißwein (oder war es Reiswein) trinkt. Wer würde da an ein Gespräch über Ehe, Wechseljahre, Brustkrebs, Rheuma und Colitis denken? So was hätte ich eher von Maltas Schwester Kreta, nach der vierten Tasse Kaffee, erwartet. Wo soll ich mir heute abend das DFB-Pokal-Finale ansehen?
Sonntag, 29. Mai 2005 (Forever Number One)
Also noch ein Titel im Münchner Olympiastadion. Vor der größten Leinwand Europas. Dachten wir. Nur war es in Halbzeit eins zu hell. Zehn Euro Eintritt. Der Ball war alles andere als rund, und in der Mittellinie waren lauter Kurven drin. Gut, daß wir gewonnen haben. Nairobi ist die Hauptstadt Kenias. Kalkutta liegt am Ganges. Und von Bangkok wollen wir besser gar nicht erst sprechen. Richling hatte ein paar Cola-Weizen zuviel. Er vermutet, ich hätte in einem früheren Leben eine Frau mit zwei Kindern sitzen lassen. Josepha sagt, wir hätten am Tag zuvor einen denkwürdigen Abend in Varasdin versäumt. Dimitri verrät mir die schönste aller griechischen Inseln. Claudia zickt. Zunächst. Langer Spaziergang. Netten Biergarten entdeckt. Frankreich sagt NON. Merci. Obwohl ich im Prinzip die EU-Verfassung befürworte. Aber nur wenn im Gegenzug Bundesregierung und Bundestag aufgelöst würden. Sollte es Bereiche geben, welche nicht von der EU geregelt werden, könnten diese auch von den Ländern übernommen werden. Angelina findet, daß Angie zu wenig lächelt. Toru lädt die Batterien einer ehemaligen Kollegin auf.
Montag, 30. Mai 2005 (Workaround the clock)
Wenn ich mein Leben jemals wieder Revue passieren lasse. Dieser Tag taucht sicherlich nicht auf. Unfassbare Performance-Mängel wecken krankhaften Ehrgeiz. Kaum entschließe ich mich, mit dem Fahrrad in die Arbeit zu fahren, kommt der Wetterumschwung. Wenn ich weiter so wenig esse, werd' ich meinen Bauch ohne Sport los. Heute lächelt Angie, und Angelina hat schlechte Laune. Tôbias löscht zum wiederholten Mal sein Tagebuch.
Dienstag, 31. Mai 2005 (In einem knallroten Gummiboot)
Manchmal ist phantastisch genau das richtige Wort. Mag das Stadion auch nicht über den Fußweg von links zu erreichen sein, wie der Oberstaatsanwalt, dessen Ballack-Kritik endlich abflaut, und ich leidvoll feststellen mußten. Irgendwann kommt man an. Wird eingelassen. Und sieht hinein. Es ist wirklich wahr. Wir haben ein Fußballstadion. Nein. Wir haben einen Tempel. Angelina vergißt meine tägliche E-Mail. Auf Gottschalk hätte man verzichten können. ZDF-Lautsprecher waren ohnehin nicht zu hören. Ingo will kein Spiel mehr auslassen und plant bereits die Saisoneröffnung mit anschließendem Schierlingsbechern. Toru verschweigt seiner Frau etwas. So hat's mit Claudia auch angefangen. Klebrige Haltestangen verstärken meine Abneigung gegen den MVV. Es ist halb zwei früh. Und ich hätte Lust auf ein Eis.
Mittwoch, 1. Juni 2005 (Auch Niederlande sagen Nee)
Es geht doch. Sehe Entwicklungen, die mich bald wieder Stellenanzeigen lesen lassen. Bierhoff sollte wissen, daß sich Lehmann in München über Jahre hinweg jeden Pfiff verdient hat. Angelina wird von Alpträumen geplagt. Benedikt muß für eine private Single-Party noch zwei männliche Junggesellen auftreiben. Worüber sich Charlottes Eltern mit mir unterhalten wollen, kann ich mir so gar nicht erklären. Herr Honda sieht eigenen Tod voraus.
Donnerstag, 2. Juni 2005 (Harald Schmidt verschlafen)
Vielleicht hätte ich doch nicht das Rad nehmen solllen. Zunächst die Tantalus-Fahrt an einladenden Straßen-Cafés und Biergärten vorbei. Und dann bei Colombo eingenickt. Erst zu den Golden Girls wieder aufgewacht. Angelinas Vorstellungen von Niederbayern bedürfen einer Korrektur. Toru hatte lange keinen Sex. Und Kumiko hat ein Fläschchen Parfum geschenkt bekommen. Nächste Fernuni-Lieferung. Widerspruch gegen den Gebührenbescheid erfolgreich. Vertrauensfördernde Nasensprays. Schade, daß die Forschung. Zu meiner Disco-Zeit. Noch nicht so weit war.
Freitag, 3. Juni 2005 (Schröder schlägt Denkpause vor)
Jawohl. Kurs halten. Nach sechs Monaten hat Nadja meinen Wiki-Eintrag beantwortet. Bei Benedikts Single-Party herrscht zwei-Flaschen-Wein-Pflicht. Eine kleine Architekturänderung liefert sechsmal schnellere Zugriffszeiten. Claudia wird klar, daß ich es ernst meine. Batterieleuchten fürs Fahrrad gekauft. Für 40 Euro. Die Quersummen von Angelinas und meiner Telefonnummer unterscheiden sich. Fingerabdruck-Scanner in den DVD-Theken scheinen sich verbessert zu haben. Neuen Mitgliedsausweis beantragt. SZ-Discothek abonniert. Konsumrausch. Gabriel konzentriert sich auf die Erneuerung in der Opposition. Richling feiert Geburtstag angeblich auf Ida.
Samstag, 4. Juni 2005 (Nahles fehlt das Konzept für den Wahlkampf)
Wo sollte das herkommen. Nachdem es sieben Jahre ohne ging. Anstrengende Woche wieder reingeschlafen. Aus aktuellem Anlaß. Wie entsorge ich zugeschickte Beate Uhse Kataloge? Altpapier fällt flach. Da steht ja überall. Herr Hochofen, lassen Sie sich diese Chance nicht entgehen. Super aufregender.... Das zerrt ein Nachbar aus dem Container und dann heißt es wieder, der Hochofen ist total pervers. Witterung läßt Benedikt von einer Anreise mit dem Fahrrad absehen. Ohnehin besser. Am Tag der Organspende möchte ich nicht verunglücken. Wer weiß, was da in Ärzten vorgeht. Bassgitarre immer noch nicht schwanger. Kunst & Krempel im Mettener Festsaal. Herr Honda hinterläßt Toru einen leeren Karton.
Sonntag, 5. Juni 2005 (Ein Single kommt meistens allein)
Was ist passiert. Zunächst steigen wir in Langwied aus. Irgendwo am Ende der Zivilisation. Und finden die Location nicht. Ein Gewitterschauer drohte von links. Benedikt ruft an. Und hört keine Musik. Im Hintergrund. Nur lustiges Kindergeschrei. Es mußte also 35 Lenze dauern. Bis ich sagen konnte. Ich war auf einer echten Single-Party. Vielleicht sind wir in einem grotesken Moment erschienen. Auf alle Fälle führten Gruppenzwang, Psycho-Talk und Katalogisierungstrieb zu einer kleinen Vorstellungsrunde, wer man sei und warum man da sei. Survival of the fittest. Benedikt hat von dieser Selbsthilfegruppe gehört und wohl gemeint, das wär genau das Richtige für ihn. Dieter versucht es mit «Hallo erst mal, ich weiß nicht, ob Sie's schon wußten. Ich bin seit kurzem Single...» Natürlich grenzt einer der Herren seine Partnerin zwischen 27 und 37 ein. Warum müssen denn die Frauen immer jünger sein? Gottlob war ein Jungspund (28) anwesend, der geschickterweise Frauen vorzieht, die ein bißchen älter sind als er. «Weil man sich mit denen einfach besser unterhalten kann.» In dem Moment hab ich kurz an Junior gedacht. Hätte ich kein Auge auf die Hausherrin geworfen, hätte ich meinem «Ich bin kein Freund von Vorstellungsrunden!» nichts hinzugefügt. «Ich bin willenlos und mach' alles, was der Benedikt sagt.» Wenn Dorothy ihre Träume und Wünsche zwei Minuten länger geschildert hätte, wir hätten heute noch Tränen in den Augen. Enya, die Hausherrin, entpuppt sich als ehemalige Sozialpädagogin. Die Serie wird mir langsam unheimlich. Es gibt also Wasser-, Feuer-, Erde- und Luftzeichen. Scheinbar waren zu viele Wasserzeichen da. Johannes hat die Anleitung zum Unglücklichsein studiert. Dieter sieht in der Ehe einen potentielle persönliche wirtschaftliche Katastrophe. Simplify your life. Mein Leben mit Tao. Ich bin OK. Du bist OK. Leider kam das letzte Wort, an das ich mich erinnern kann, von Dorothy. «Wo bist du aufgewachsen, Henri?»- «Niederbayern.»- «Ja, das kennt man. Weil du hast keine Anstandsformen... Das wollt' ich dir einfach mal gesagt haben.» Manchmal kann ich Pontius Pilatus gut verstehen. Wenigstens hat Benedikt sich gut unterhalten, was unter Insidern so viel heißt wie, er war mit dem Buffet zufrieden. Im Taxi könnte er sich verlobt haben. Aber das geht schnell bei Katholiken. Die italienische Angelegenheit, die Number Four versprach, hat sich mal wieder verschoben. Richling läßt seinen Geburtstag in Varasdin ausklingen. Und die Karrierefrau von der Au frägt, wie die Sexorgie gelaufen sei. Und zu guter Letzt ist Kumiko die ganze Nacht nicht nach Haus' gekommen. Stichwort neues Parfum.
Montag, 6. Juni 2005 (Kriminal-Tango)
Nadja mit Kollegen gebührend empfangen. Auch wenn man sich die nördlichste Großstadt Italiens ein wenig wärmer vorgestellt hat. Wir zogen los. Die übliche Route. Vom Homeboy-Café 17 übers Homeboy-Café 1 direkt nach Varasdin, wo Josepha sich von ihrer besten Seite zeigte. Gratis-Fleischpflanzerl, Gratis-Runde. Das Verlassen des Lokals ist also auch am Montag nicht so ganz einfach. Es wurde spät. Hab' Claudia, den Schlüssel nicht findend, aus dem Bett geklingelt. Und obwohl sie mir einen durchaus paarungswilligen Eindruck machte. Wer machte den nicht, um diese Stunde. In meinem Zustand hätte ich sogar Rita Hayworth einen Korb gegeben.
Dienstag, 7. Juni 2005 (Der letzte Tango in der Max-Emanuel-Brauerei)
Eine Reservierung für fünfzehn Personen wird einem nicht mal eine halbe Stunde freigehalten. Man findet Unterkunft in einem leerstehenden Lokal, in dem das dunkle Weißbier a Schwarze heißt, was nicht nur die anwesenden Nicht-Bayern sehr verwirrte, nachdem ich seit Monaten nicht müde wurde, zu erklären, daß man zum Weizen Weißbier sagt. Lucene kann auch sortieren. Und wir überlegen, eine dialekt-gefärbte Projekt-Hotline einzurichten, mit Spracherkennung. In meinem neuen DVD-Player springt die Alexis-Sorbas-CD.
Mittwoch, 8. Juni 2005 (Blind Date)
Performance-Fragen zufriedenstellend gelöst. Da Nadja noch einen halben Tag für Kultur eingeplant hat, zeigte ich ihr die üblichen Kirchen, Plätze und Türme. Anschließend schnell nach Hause, um mich frisch zu machen. Für ein Blind Date. Für das ich mir am Donnerstag eigens freigenommen habe. Sie heißt Jasmin, kommt aus Garmisch, ist verheiratet, ihr Mann auf Dienstreise. Und wäre da nicht dieser unwiderstehliche Blick. Ich hätte mich nicht darauf eingelassen.
Donnerstag, 9. Juni 2005 (Tanze Samba mit mir)
Mein Wunschmurmeltiertag ist nicht mehr der 23. Mai 2001. Bisher sah ich die Ehe mehr als sexhemmende Institution. Das Gegenteil ist der Fall. Zumindest für die Personen außerhalb der Ehe. (Bevor die katholischen Homeboys wieder aufmucken, es gab keine kirchliche Trauung) Um nicht zu schnell in den Alltag zurückzufallen, mit dem Zug nach Niederbayern gefahren. Meinen Eltern DSL eingerichtet. Möchte morgen schon wieder nach München zurück. Das Fernstudium ruft.
Freitag, 10. Juni 2005 ('Cause I'm the unknown Stuntman)
Glaube nicht, daß ich, von meiner Seite aus, dem, was man Liebe nennt, je so nah gekommen bin. Beziehungsweise, daß ich ihm je näher kommen könnte. Wie Oma sagt. Auf Eisheilige und Schafskälte folgen irgendwann die Hundstage. Erneut das Auto ausgeliehen. Jasmin hat an der Schwerkraft gedreht. Flog über die Autobahn. Lee Majors im Radio. Trotz aller Bemühung um lautloses Liebesspiel muß Claudia was mitbekommen haben. Schließlich wollte sie wissen, bei welcher Stellung denn das Vorratsregal umgekippt sei. Jasmin hat zwar die Statik verbessert, aber die Dosen, Nudeln, etc. liegen immer noch im Zimmer verstreut. In Sachen Murmeltiertag denkt Reinhilde, daß nichts ein Championsleaguefinale toppen könnte. «Jetzt nimmt er den linken Fuß hoch. Schon wieder!» Herr E. berichtet weiter nichts Gutes von der Front.
Ich hätte vorgezogen, von Jasmin zu träumen, doch Richling hatte ein Varasdin gut. Annemarie, die Lateinerin aus einem Chat von 2001 wohnt immer noch in der Au. Und der Aushilfskellner schüttet mir ein volles Bier über die Hose. Der Boden blieb trocken.
Samstag, 11. Juni 2005 (Linkspartei vereinigt)
Vielleicht lass' ich mir mal die Mitgliedsunterlagen zuschicken. Die von CSU und SPD liegen ja auch schon rum. Jasmins Erinnerungen an mich verblassen bereits. Belize-Aussteiger bekommen Heimweh. (Leserbrief) So treib' ich mit exzessiver Masturbation die Devisen zurück ins Land. Wissensbasierte Systeme haben an sich nichts mit Sex zu tun. Kann mich nicht konzentrieren. Versuche stattdessen, ein Video zu digitalisieren. Ton und Bild nicht synchron. Bei meinem sündteuren Multimedia-PC. Ein Leser mißgönnt mir meinen Murmeltiertag.
Sonntag, 12. Juni 2005 (Schlaflose Nächte)
Jasmin hält mich heiß. Nur der nächste Termin steht noch nicht. Claudia meint beim Frühstück, wenn ich nicht in einer Dreiecksgeschichte untergehen will, bräuchte ich eine zweite Frau. Vielleicht hast du recht. Sagte ich, mit entsprechendem Blick. Ok. Sie hat nicht an sich gedacht. Sonst bietet sich keiner an. Ära Elena ist letzte Woche zu Ende gegangen. Aber der Sommer. Fängt ja g'rade erst an. Belize hat Varasdin gefunden. Massenüberfall an portugiesischem Strand. Da hilft nur noch FKK. Und Bezahlen über Biometrie. Auch Ismael will nach Paris. Leser kritisieren Polygamie und Polygone. Angelina sieht das nicht so eng und glaubt, daß sich meine Wünsche erfüllen könnten. In Belize scheint's ziemlich langweilig zu sein. (Leserbrief)
Montag, 13. Juni 2005 (Heißer noch als Gulaschsaft)
Als Chirurg oder Pilot hätt' ich heute nicht in die Arbeit gehen dürfen. Meine Ruheatmung kommt quasi nicht mehr vor. Weil ich kaum eine Minute. Nicht an Jasmin denke. Hab für eine Pinakothek-Pause ausgestempelt. Besuch Nr. XXX. Neue. Das Teil von Marino Marini soll ein Reiter sein. Heutiges Lieblingsbild. Hans von Marées. Die Hesperiden II. Paul Breitner ist mit dem Papst verwandt. Und du Henri. Liebst eine Frau mit Phantasie. Mir hätte ja ein Hotel in Innsbruck gereicht. Aber Jasmin braucht ein Alibi. Das Alibi heißt Wien. Für 24 Stunden. «Die nackte Wahrheit - Klimt, Schiele, Kokoschka und andere Skandale.» Katalog kaufen reicht. Egal wie weit. Hauptsache, der Termin ist nah. Richling meint, das Zeug, von dem Karina schreibt, hätte man uns in Varasdin schon mal vorgesetzt.
Dienstag, 14. Juni 2005 (Süß wie die Liebe und zart wie ein Kuß)
Jasmin hat das Hotel gebucht. Ich den Zug. Und die Welt hebt an zu singen. Triffst du nur das Zauberwort. Kaum fordert Schröder mehr Freiheit für Stammzellenforschung, gibt es schon einen neuen 100 Meter Weltrekord. Jasmin möchte ein Bild von mir. Oh Gott. Ich glaube, es war meistens sehr dunkel. Auf allen vorzeigbaren ist Claudia mit drauf. Letztere meint übrigens, daß Karina es langsam übertreibt mit ihren Reiseberichten. Jasmin deckt mich mit E-Mails und romantischen Bildbotschaften ein. Ich bin so verdammt glücklich. Draußen geht das erste Sommergewitter nieder. Und ich wünschte, ich könnte mit Jasmin kurz um den Block geh'n. Ohne Schirm. Und dann. Geduld. Henri. Geduld.
Mittwoch, 15. Juni 2005 (Demokratische Linke einigt sich auf Namen)
Elmar ruft bereits um acht Uhr früh an und beschwert sich über das Wetter. Weil ich gestern zum wiederholten Male den Sommer angekündigt habe. Regierung verliert wie üblich eine Runde beim Bundesverfassungsgericht. Köhler sollte vorsorglich gar kein Gesetz mehr unterschreiben. Jasmins Foto verhindert eine cholerische Attacke. Eine Stunde früher Schluß gemacht. Mittlerweile liegen zwei ungeöffnete Uni-Lieferungen auf dem Tisch. Software-Engineering gefällt mir gar nicht mehr. Jasmin läßt einmal läuten. So konnte ich unbesorgt zurückrufen. Sie erzählt von langen Durststrecken. Und von einem Land, in dem Milch und Honig fließt.
Donnerstag, 16. Juni 2005 (Ratifizierungsprozeß gestoppt)
Wie heißt es bei Spiegel Online: Im kommenden Jahr dürfe die EU "nicht jeden Mist beschließen" und müsse den Bürgern deutlich machen, dass Europa die Antwort auf die Globalisierung sei, nicht das Problem. Im übernächsten Jahr geht's dann wieder. Bin ein bißchen geknickt. Hatte einen Disput, den ich nicht haben wollte. Vielleicht bin ich auch kein Teamworker. Die Sonne scheint. Nadja hat einen Bug für mich gefixt. Mein Fahrrad verliert keine Luft. Der zarte Jasmintee mit seinem betörenden Duft überzeugt mit seiner wohltuenden Wirkung. Es gibt also auch gute Nachrichten. Oder wie mein Hautarzt heute sagte. «Das ist keine Warze, sondern eine Zyste.» Toru Okada kommt gar nicht mehr raus aus seinem Brunnen. Wenn man mit dem Buch rumläuft, hängen sie einem gleich den Frauenversteher an. Sagt zumindest Reinhilde. Die Brunnenmetapher muß mir Angelina noch erklären. Für wen hat Jasmin wohl reserviert? Ich würd' gern mal einchecken. Als Mr. and Mrs. Smith.
Freitag, 17. Juni 2005 (Flasche leer)
Der VfB braucht keinen Ersatz für Kuranyi. Bei Trappatoni darf man eh nicht über die Mittellinie spielen. Claudia versucht ständig, mir Jasmin auszureden. Wegen Angelinas Leserbrief. Auf der Knorrstraße hat mich ein Rollerblader überholt. Viel mehr kann die Stadt München nicht unternehmen, um die Leute von Scientology fernzuhalten. ( → siehe Bild) Der Server ist jetzt hinter der Firewall. Im Serverraum ist es definitiv zu kalt. Bleib' heute zu Haus. Muß morgen was fürs Studium tun. Schließlich geht es nächstes Wochenende. Nach Wien.
Samstag, 18. Juni 2005 (EU-Finanzgipfel gescheitert)
Der Kanzler punktet nicht mal mehr in der Außenpolitik. Nur George Bush kann ihn noch retten. Tía Cecilia hat eine neue Nichte. Wieso traut mir eigentlich keiner zu, noch eine Woche warten zu können. (Leserbrief) Was hab' ich denn für Leser? Ein kurzer Blick in die Google-Statistik sagt mehr als tausend Worte.
Der Frischkäse Henri schmeckt leicht und lecker. Sagt Jasmin. Die teuren Rasierklingen gekauft. Die, die Gillette empfiehlt.
Sonntag, 19. Juni 2005 (Multikulti)
Herr E. nimmt mich mit auf eine Grillparty in Bogenhausen. Très noble. On parlait français. Anschließend noch in Number Fours Weinkeller. Er war aber nicht da und ließ via Handy wissen. Tempora mutantur. Dafür könnte Herr E. einen Sänger für seine Boygroup gefunden haben. Einen ohne Bierbauch. Reinhilde behauptet, der Unscharfe verfolge jedes Mal die gleiche Strategie. Sehnsucht steigernde nächtliche Sms von Jasmin. Zu einer Beziehung mit einer verheirateten Frau meint Cecilia lapidar, a veces es necesario correr riesgos y "meterse bajo las patas de los caballos". Además a nuestra edad ya no podemos pretender encontrar a alguien "casto y puro". Noch sechs Tage. Der Horizont rückt näher. Und was keiner weiß. Jeder denkt das Eine...
Hoffentlich wird's nicht zu heiß...
Montag, 20. Juni 2005 (100 Jahre Jean-Paul Sartre)
Werde das Sein und das Nichts, das McEnroe teilweise ins Bayerische übersetzt hat, wohl nicht mehr lesen. Es sei denn, es wäre Jasmins Lieblingsbuch. Sie liest ja auch eines von mir. Aber ob das mit der Monogamie g'rad die richtige Lektüre für sie ist. Claudia meint, das war ungeschickt, ihr ausgerechnet dieses Buch zu nennen. Noch 110 Stunden. Hätte noch eine Übungsaufgabe zu rechnen. May Kasahara hat Toru die Leiter weggezogen. Ich bin so unruhig. Muß mir Zigaretten kaufen. Eine rauchen. Wie wenn Bayern kurz vor Schluß eins zu null führt, und man nicht weiß, wie's ausgeht.
Dienstag, 21. Juni 2005 (Längster Tag des Jahres)
Und am Samstag schon die längste Nacht. Für die Millionärssteuer hätte man sieben Jahre Zeit gehabt. Gottseidank nimmt die Schweiz weiterhin Bürger auf. Kämpfe täglich gegen Inkonsistenzen, die der Entdecker selbiger selbst verursacht hat. Kumikos hemmungslose Affäre hatte mit Liebe nichts zu tun. Sie hat ihren Lover verlassen, kehrt aber auch nicht zu Toru zurück. Tja. Das ist nun wieder eine Stelle, die sollte mir zu denken geben. Aber sollte und müßte können nicht bestehen. Gegen die Botschaft eines Fotos. Von Jasmin. Gegen den Zauber einer Nacht. Im östlichen Wien. Richling erzählt von Krebs und Hartz, vom Freiberuflertum und von verpatzten Gelegenheiten, und auch von Hibernate. Ich konterte mit Poesie, Sünde, Weißbier. Und ich hatte einen romantischen Gedanken. Wenn man schon wieder an die Liebe glaubt. Vielleicht sollte man dann auch wieder an's Schreiben glauben.
Mittwoch, 22. Juni 2005 (Deutscher Bauerntag in Rostock)
Es geht um die Zukunft der niederbayerischen Zuckerrübe. Ich liebe es, acht Tage, bevor wir live gehen, völlig neue Features integrieren zu müssen. Wieder zwei unbezahlte Überstunden. Aus Dummheit. Da brauch' ich kein schlechtes Gewissen mehr zu haben, wenn ich ab und zu. Einen verträumten Blick. Auf Jasmins Foto werfe. In der Schweiz ist der Zugverkehr zusammengebrochen. Sowas am Samstag. Und ich verklag' die deutsche Bahn. Wegen seelischer Grausamkeit. Man muß der neuen Abseitsregel Zeit geben. Hätte Richling nicht für seinen letzten Leserbrief loben sollen. Wenigstens kann man nicht sagen, daß ich mir Angelina warm halte. Und wenn doch, dann nicht unter Vorspiegelung falscher Tatsachen. (Leserbriefe)
Donnerstag, 23. Juni 2005 (Birds singing in the sycamore tree)
Wurde gespielt. Als ich aussteigen wollte. Sweet dreams till sunbeams find you. Paßt zu meiner Stimmung. Schon wieder um halb sieben im Büro. Stars shining bright above you. Hab nicht alles geschafft, was ich mir vorgenommen habe. Papa im Krankenhaus besucht. Simones Geschenk hinterlegt. Sucht erneut Pflegeeltern für vier Katzenbabies. Jasmin fährt morgen schon nach Wien. Und am Samstag ist ein grüner Persona-Tag. Dann sollten als Reiseapotheke Vitamin C und Diclofenac genügen. Jasmin konnte sich ihren gestrigen Traum merken. But in your dreams, whatever they be, Dream a little dream of me. Bin während des Abendessens eingeschlafen. Erst zu Berlin Mitte wieder aufgewacht. Gabriel scheint die Körperschaftssteuerreform von 1998 immer noch als recht gelungen anzusehen. While I'm alone, blue as can be. Jasmin. Dream a little dream of me.
Freitag, 24. Juni 2005 (Wem Gott will rechte Gunst erweisen)
Endspurt. Der, der mich ständig auf die Palme bringt, läßt sich auch heute wieder einiges einfallen. Da ich ihm erst vorgestern ein Ei gelegt habe. Zeigte ich mich dieses Mal kooperativ. Stadtplan von Wien gekauft. In Milbertshofen öffnet eine neue Kneipe. Dann haben wir wieder zwei. In weniger als zwanzig Stunden. Bin ich. Mit Jasmin wieder vereint. Auch wenn Claudia die Stimmung drückt. Mit ihrem. In weniger als 48 Stunden seid ihr schon wieder getrennt. Drei Wecker an unterschiedlichen Orten plaziert. Da sollte nichts mehr schief gehen. Kreta Kano hat ihre Kleider verloren. Und der Taugenichts, ich mußt' ihn wieder hervorkramen, kehrt nach Wien zurück – und es war alles, alles gut!
Samstag, 25. Juni 2005 (Harmony and Understanding)
Wecker brauchte nicht zu läuten. Claudia hat sogar belegte Stullen vorbereitet. Konnte mich im Zug nicht konzentrieren. Kreta Kano wollte körperlichen Sex mit Toru Okada. Da traf ich auch schon ein. Kurz vor der wunderbaren Jasmin. In einem leichten Sommerkleid. Mit sehr viel Blau. Und mit ihren leuchtenden Augen. Mit sehr viel Grün. Wir halten die Beine in ihren Lieblingsbrunnen. (Die Metapher werden wir nicht los!) Wir fahren an ihrer alten Wohnung vorbei, kaufen den obligatorischen Ausstellungskatalog. Ungezählte Küsse. Geschwollene Hoden. Und endlich. Das Hotel. Dritter Stock, links. Ein niedliches verwinkeltes Zimmer. Zu wenig getrunken. Zwei Krämpfe im Bein. Nach Richlings Berechnungsformel hätte jeder von uns über zehn Liter Wasser trinken müssen. Riesen-Pizza a la Amalfi. Die Gretchenfrage. Die Fotos ihrer Kinder. Und schon wieder ein neuer Wunsch-Murmeltiertag.
Sonntag, 26. Juni 2005 (Bed and Breakfast)
Frühstück im Bett. Jasmin meint, ich hätte gegähnt und nichts von der Käseplatte genommen. Die Verletzungen hielten sich dieses Mal auf beiden Seiten in Grenzen. Und die drei Worte der Zuwendung, die sparsam zu verwenden, ich mir seit Jahren bewußt auferlegt habe. Fielen wie Regentropfen vom Himmel. Und der Schauer wollte nicht enden. Die ganze Heimfahrt seh' ich aus dem Fenster. Mit glasigem Blick. Und erkenne nichts. Als Jasmin. Mit ihrer roten Hose am Bahnsteig stehend...
Claudia wollte wissen, wie das alles weitergehen soll. Da ist ja nicht nur dieser liebende Mann. Ohne Fehl und Tadel. Da ist auch noch ein Ferienhäuschen an der Riviera. Unweit von Castiglioncello. Nicht zu vergessen. Jasmins Ängste vor demselben in Grün!
Meine grünen Augen machen mich so sentimental.
Montag, 27. Juni 2005 (I'm a lover and I'm a sinner.)
Some people call me the space cowboy. Jasmin mußte ihre E-Mail-Adresse wechseln. Ich hoffe, das war lediglich eine Vorsichtsmaßnahme. Some call me the Alpenblümchen. Collina hängt noch ein Jahr dran. Die Karrierefrau von der Au ist endlich unter der Haube. Ein neues Performanceproblem weckt Nadjas Mitleid. Klinsmann will Torhüterfrage schon im Mai 2006 entscheiden. Ich würde es den Torhütern erst am Spieltag selbst sagen. Claudia meint, meine Koteletten müßten weg. Aber Entscheidungen solcher Tragweite lasse ich nur noch von Jasmin oder Simone treffen.
Dienstag, 28. Juni 2005 (Vertrauensfrage naht)
Der Kanzler bringt es fertig und fängt sich zum Abschied eine weitere Verfassungsklage ein. Claudia findet, die Holzkreuze am Checkpoint Charlie sollten bleiben. Ich mag nicht wissen, wen sie da wieder geküßt hat. Hitze unerträglich. Alle Bürotüren geöffnet. Man kann nicht mal auf Toilette gehen, ohne gesehen zu werden. Und schon wieder ein merkwürdiges Verhalten entdeckt. Wer arbeitet eigentlich mit dem System? Aphrodite meint es gut. Mit den grünen Personatagen. Jasmin interessiert sich für meine Kindheit und googelt durch meine niederbayerische Heimat. Was Belize angeht, hatte Claudia ausnahmsweise recht. (Leserbrief)
Mittwoch, 29. Juni 2005 (Glücklich)
Schließlich ist das Hotel fürs Wiedersehen schon gebucht. Und auch die Bahntickets sind gelöst. Nach dem Rundschreiben des Chefs zur Freischaltung des Servers geht der Tomcat gleich in die Knie. Möge es nur der erste Ansturm gewesen sein. Recht unterhaltsame Länderspiele. In Berlin werden Klassenzimmer aus Kostengründen nicht mehr feucht gewischt. Jasmin schickt mir ein paar Songs. Melancholisch wie die Liebe. Das Glück ist kaum auszuhalten. Jetzt müssen sich nur noch Richling und Karina anfreunden. Und dann haben wir ihn. Den Frieden auf Erden. Und den Menschen ein Wohlgefallen.
Donnerstag, 30. Juni 2005 (TUNIX 2005)
Wie immer letzte Pfandrückgabe um halb elf. Und Schlangen beim Bier. Derek hat seinen MP3-Shop noch nicht mal angeklickt. Benedikt schwärmt von der Hochzeit der Karrierefrau von der Au. Junior war in Petersburg mit Tina. Seine Unterstellungen greifen nicht. Ich schwärmte von Wien. Dickinson hat wieder seine Fahrradlampe dabei und der Oberstaatsanwalt aunahmsweise mal Ballack gelobt. Number Four, mit dessen AB Junior massive Probleme hat, nimmt sein Handy nicht mit in die Arbeit. Und Jasmin schafft es, aus einem Dia-Abend eine sms herauszuschmuggeln. Pinakothek-Besuch XXXI. Moderne. Sie haben schon wieder umgeräumt. Thomas Hirschhorn war mir zu viel zum Lesen. Lieblingsraum. Warhol. Lenin, Triple Elvis und Last Supper. Ersetzt die Messer noch mit Uli Höneß. Oder mit Franz Beckenbauer. Und ich gehe in keinen anderen Raum. Der Server brach mehrmals zusammen. Bin wenig optimistisch.
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