Living in Berlin

die ersten tage in der diaspora

bayern vs berlin

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Tagebuch von Henri Hochofen

Mai/Juni 2006

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Montag, 1. Mai 2006 (In Berlin lebt man viel billiger)
Die Monatskarte kostet doppelt so viel wie in München. Würde der MVV auch so hinlangen, hätte sogar Milbertshofen einen Kiez. Preiswerte Tickets gibt's nur für Hartz-IV-Empfänger. In der DDR hat man sich abgewöhnt, den Vorhang zuzuziehen. Ich oute mich als Wessi. Und verbringe den ersten Abend. Allein in Berlin.

Dienstag, 2. Mai 2006 (Ein Jahr Nadja)
Gegen sieben Uhr hat einer meiner beiden Balkone etwas Sonne. Und wie schon im letzten Jahr beginnt auch heuer am zweiten Mai ein neuer Lebensabschnitt. Bekomme keinen Büroschlüssel. Aber Fachliteratur für die Freizeit. Das heitere Leben im öffentlichen Dienst hat ein Ende. Ströbele fordert eine türkische Version der Nationalhymne. Die Partei über mir hat jeden Abend gegen 23:00 Uhr Sex. Oder sie testet ihre Boxen. Neues Fahrrad beim An- und Verkauf. Im Wedding trifft authentische Ruppigkeit auf unverhofften Charme. So heißt es in einem Stadtteilmagazin. Da fühlt man sich doch fast wie in Bayern. Heizung abgeschaltet.

Mittwoch, 3. Mai 2006 (Eingewöhnung)
Kollegen gehen von Zeit zu Zeit gemeinsam ins Kino. Da man mit den Freundinnen in der Regel die sensiblen französischen Filme sehen muß, bleiben nur Mission Impossible oder Rüdigers Anatomiefilme. Nadja fährt bald Lupo und läßt sich auf keine Diskussion ein. Ich schlafe zu wenig. Und implementiere mallard ducks.

Donnerstag, 4. Mai 2006 (Je später der Abend)
Es hat Vorteile. Wenn man. Bei Biergartenwetter. Keinen Schlüssel fürs Büro besitzt. So schlendere ich das erste Mal gemütlich den Ku'damm hinunter. Nach Halensee. Montiere das letzte Ivar-Regal. Und empfange um halb elf. Einen Überraschungsbesuch.

Freitag, 5. Mai 2006 (Giro de Berlin)
Erste produktive Arbeitsleistung von Herrn Hochofen. Kollegen geben Tipps fürs Malern. Fahrradtour mit Nadja durch Berlin. Vom Ku'damm zur Goldelse. Am Kanzleramt und Parlament vorbei. Ja. Ich erwäge. Öfter einen Blick darauf zu werfen. Einer muß sich ja kümmern. Flammkuchen an der Oranienburger Straße. Wo man die Damen vom Edelstrich angeblich an den Schuhen erkennt. Unschuldig wie immer vermutete ich. Lediglich. Die Damen gingen. Aufgedonnert,wie sie waren. In so was wie's P1. Singen an der Krummen Lanke das Lied derselben.

Samstag, 6. Mai 2006 (Das Double ist verteidigt)
Nadja bringt Balkone auf Vordermann und mag kein Eis mit Apfelstrudelgeschmack. Unsere Krumme Lanke, also der Bach nebenan. Heißt nun doch nicht krumme Lanke. Sondern nur Panke. Kaufen Tisch für die Küche und entdecken Ausflugsziele für die nächsten Wochenenden. Auch der Waschsalon ist nicht weit. Mit den gleichen Maschinen hab' ich schon in der Münchner Augustenstraße gewaschen. Schräg gegenüber vom Café Jasmin, das damals leider noch kein Geheimtipp war. Letzter Tag der Melancholie-Ausstellung. Intelligente Debatten über schnell wachsende Kiefernwälder, Heimat- und Sachkunde-Unterricht und Gasöfen verhindern unser rechtzeitiges Erscheinen. Begnügten uns mit dem Katalog (45 €) und einem köstlichen Weißbier im Sony Center. Das merkwürdige Getränk, das man mir auf «A Weißbier, bitte!» gestern servierte, ist vergessen.

Sonntag, 7. Mai 2006 (Schwarz fahren in Berlin)
Leider wird man auch am Wochenende erwischt. Und das DB-Stadtbahn-Ticket gilt nicht für U-Bahn und Bus. Den Weddinger Kiez bisher nur im Stadtplan und im Internet gefunden. Dabei sagen nicht wenige. Ich liebe dieses raue Stadtviertel, mit seinen ehrlichen Bierpreisen. Trotz Kurort, Kunst, Kultur. Man will sich hier nicht verprenzlbergern lassen. Christiansen frägt Meck-Pomm-Urlauber Bush, wie er zur deutschen Debatte über die Vereinbarkeit von Karriere und Familie bei Frauen stünde. Ganz oben auf der Leiter. Hänge ich die ersten Poster auf. In Küche und Schlafzimmer. Und bekomme am späten Abend einen wunderschönen Hörbrief.

Montag, 8. Mai 2006 (Döner-Lotto)
Der vegetarische Döner um die Ecke schmeckt jeden Tag anders. Heute war nicht mal Schafskäse drin. So langsam schwimme ich mich frei. Im neuen Job. Trotz Geniemangelscham. Tante Erika wird 60. Zorro bestätigt die Übergabe der Jahreskarte. Gieße zum ersten Mal die Blumen. Auf beiden Balkonen. Und klopfe mir selber auf die Schulter. Nadja läßt sich bayerisch versichern.

Dienstag, 9. Mai 2006 (Mehmet Scholl hängt weitere Saison dran)
Wenn er in den WM-Kader berufen wird. Dann schau' ich mir alle Spiele an. Die ersten Homeboys laden sich ein. Nadja beendet ihre wissenschaftlichen Studien. Ein unbekannter Helfer hat ihren Namen von meinem Klingelschild entfernt. BND bleibt in Pullach. Bis auf die Kresse ist von den Balkonpflanzen noch wenig zu sehen.

Mittwoch, 10. Mai 2006 (Mit dem Rad in die Arbeit)
Wählte für die Jungfernfahrt. Mit dem Rad von Möbel Yildiz. Bisher ist ja nur Nadja damit gefahren. Die längere Variante. Am Parlament und an der Gedächtniskirche vorbei. Vorm Reichstag wird eine Tribüne aufgebaut. Vermutlich verlegen sie die aktuelle Stunde ins Freie. Kein Wunder. Bei diesem traumhaften Frühling. Ein Kollege rechnet die Niederschlagsmenge im Mai hoch aufs ganze Jahr und fürchtet die Verwüstung Berlins. Nadjas Name steht wieder an der Tür. Sie meint, irgendwann stellt sich bei meinem Körper ein Bedürfnis ein. Ein Bedürfnis, täglich mit dem Fahrrad zu fahren. Aber bei einem Dienstweg von über 35 Minuten. Einfach. Da sehe ich fürs Wochenende schwarz.

Donnerstag, 11. Mai 2006 (Es platzt, es platzt... eine Bombe, ein Fahrradschlauch... und so Joghurtbecher sind auch nicht sehr stabil)
Auf der kurzen Route zur Arbeit. Berliner Frauenhoferstraße kann der Münchner nicht das Wasser reichen. An der Ecke Leibniz-Kant springt mir die Kette raus. Mit Automechanikerhänden taste ich mich ins Büro. Wo wir im Meeting von verschiedenen Optionen erfahren. Eine ist die, daß wir uns einen neuen Arbeitgeber suchen. Das war die Bombe. Die sicherste E-Mailaddresse wäre eine vom Arbeitsamt. hochofen@hartz4.de. Auch auf dem Rückweg springt die Kette raus. Kurz darauf fahre ich auf der Felge. Bei Möbel Yildiz kauf' ich kein Fahrrad mehr. Über das Regal, das aus dem Kühlschrank fiel, möchte ich mich nicht auslassen. Die Joghurts konnten entsorgt werden. Nach Abspülen mit Nadja und Claudia telefoniert. Letztere meint, übergangsweise könnte ich bei ihr unterkommen. Wenn es hier in Berlin so schnell wieder zu Ende ginge.

Freitag, 12. Mai 2006 (München-Nürnberg in 78 Minuten)
Ich warte auf eine Hochgeschwindigkeitsstrecke von Berlin nach Mecklenburg. Nadja kann. Unter anderem. Mit den Ohren wackeln. Ihr neuer Wagen steht vor der ersten Bewährungsprobe.

Samstag, 13. Mai 2006 (Meisterfeier in München)
1200 Kilometer hin und zurück. Mit kleinen Pausen an unzähligen Raststätten. Nadja bedauert Rosickys Abwesenheit und kämpft mit den Pommes frites. Liza, Jeremies und Ballack verabschiedet. Anschließend Leopoldstraße. Schinkennudeln. Und Korso. (→ Exklusivfotos)

Sonntag, 14. Mai 2006 (Harald Schmidt bei Christiansen)
Weiter wie bisher. Und den Rest macht Brüssel... Simone ist mit nach Oberfranken gefahren. Ich lebe zwar in West-Berlin. Aber ich halte mich doch überwiegend im östlichen Teil meiner Wohnung auf. Im Westen fehlt noch so was wie 'ne Couch. Die Liberalen, die in Rostock tagen, schulen um zu Neo-Grünen. Da haben wir bald eine große Opposition. Beck wird bereits mit Kohl verglichen.

Montag, 15. Mai 2006 (Scholl und Kuranyi bleiben zu Hause)
Rechnung für Zorro. Lohnsteuerkarte und Studiennachweis angefordert. Drei Richtige im Samstagslotto. Bisher nachgelesene Design Patterns. Strategy, Observer und Decorator. Aktion Insolvenz läuft weiter.

Dienstag, 16. Mai 2006 (Auch WM-Maskottchen-Hersteller stellt Insolvenzantrag)
WM-Gartenzwerge hätten sich besser verkauft als Goleo. Nadja macht sich Sorgen, daß die Geschichte von den Tätern geschrieben wird. Ulrich Mühe übertreibt. Und warum soll der Geheimdienst keine Journalisten anheuern dürfen?

Mittwoch, 17. Mai 2006 (Bitteschön)
Träume von coitibus interruptis. Mein Schlafzimmer liegt neben einem Gefängnishof. Und die Insassen machen sich einen Spaß daraus, die Nachbarn zu terrorisieren. Eine ältere Dame ist so empört, daß sie einem der vermeintlich anständigen Insassen die Flinte in die Hand drücken will. Mit dem Auftrag, den Haupt-Übeltäter abzuknallen. Ich hoffe, das kommt von irgendeinem Film. Das erste Mal mittags fremdgegangen. Hoffentlich hat Gastronom Huth das nicht gesehn. Hauptstadt-Bürokratie. München, Metten und Rostock sind ohne Namen und Anschrift des Wohnunggebers ausgekommen. Berlin nicht. Bei Verlängerung des Ausweises wird sogar auf der Geburtsurkunde beharrt. Lehmann fliegt vom Platz. Nadja zitiert Professor Hademar Bankhofer. Und der deutsche Einzelhandel vervollkommnet seine Umgangsformen. Die kleinen Preise danken. OBI sagt Danke. Anton Schlecker sagt danke. DANKE,IHR REAL,-BERLIN-WEDD. Dunkin' Donuts verteilt Donuts und Kaffee-Gutscheine am U-Bahnhof. Und bevor ich es vergesse. Saturn sagt auch danke.

Donnerstag, 18. Mai 2006 (Erster Regen in Berlin)
Kollegen bedauern, daß die Agentur für Arbeit Prostituierte nicht vermitteln darf. Nicht mal Ein-Euro-Jobs. Nadja gibt ihre Abschlußarbeit ab und hat drei Stunden in der Zeit gelesen. Eine kleine Vergangenheitsdiskussion. Im Stile von. Die Zukunft war früher auch besser.

Freitag, 19. Mai 2006 (Tarifstreit im öffentlichen Dienst beigelegt)
Adrenalin. Einspielen einer neuen Version. Und der Kollege mußte weg. Nichts ging mehr. Korrupte Datensätze. Schweiß. Und ein Bugfix. In letzter Sekunde. Zorros Überweisung läßt auf sich warten. Nadja füllt den Kühlschrank. Dart-Scheibe aufgehängt. Im Gesellschaftszimmer. Ein Vorteil, in Wedding zu wohnen. Hier gibt es keine Rechtsradikale. Kaum bin ich weg. Schafft die TdL die 42-Stunden-Woche ab.

Samstag, 20. Mai 2006 (Die spinnen, die Berliner)
Besuch im Improvisationstheater bestätigt alle Vorurteile. Nadja nimmt maßgeblichen Einfluß aufs Programm. Und so erleben wir die Abenteuer von Ludwig dem Metzger, der sich mit einem vegetarischen Papst anlegt. Auf Guido und Uta ist Verlaß. Das erste Mal am Brandenburger Tor. Die Mauer ist offen. Der kalte Krieg vorbei. Die Bauarbeiten für den WM-Globus kommen gut voran. Euselia wundert sich, daß in Berlin so viele Verrückte rumlaufen. Auf der Friedrichstraße drehen sie mir die Süddeutsche an. Obwohl ich mir den Bayern nicht anmerken ließ. Esther möchte wissen, ob es Biergärten gibt. In Berlin. Nadja behauptet. Ja.

Sonntag, 21. Mai 2006 (Preußen in Berlin)
Die Dartscheibe im living room erfreut sich größter Beliebtheit. Suse kann mit meiner TV-Karte nichts anfangen. Niemand der anderen Couch-Potatoes will mich ins Museum begleiten. Und Benedikt frägt, wie es sich lebt unter all den Preußen. De facto muß ich sagen. Es san kaum Preiß'n do! Ich wähn' mich mehr. In. Klein-Istanbul.

Montag, 22. Mai 2006 (Much ado about nothing)
Wenig Schlaf. Wenig Kontobewegung. Wenig Anlaß zu einem Streit. Und doch aus allem das Maximale rausgeholt.

Dienstag, 23. Mai 2006 (In the rich man's world)
Zorros Lohntüte angekommen. Fortschritte mit Hibernate. Homeboy Junior soll Pizza bekommen. Nadjas Petersilie wird von professionellem Anbieter ersetzt.

Mittwoch, 24. Mai 2006 (Lebenswandel)
In Kreta soll's gute Programmierkurse geben. Da unser Kantinenwirt, Herr Assauer, immer nur ein einziges Gericht anbietet, erweitert sich mein Speiseplan. Zu meinem vegetarischen Entsetzen. Um Cordon bleu. Und Nackensteak. Nadja parkt vor der Tür. Der Braunbär ist in Tirol. Ein bißchen Dart. Und. Bed and Java.

Donnerstag, 25. Mai 2006 (Homeboy-Alarm)
Zum ersten Mal im Kino. In Berlin. Das Leben der anderen. In den Hackeschen Höfen. Hat mir gefallen. Soll auch noch gut recherchiert sein. Junior landet in Tegel und kauft sich sechs chicken wings, woraufhin wir den Pizzateig gehen ließen. Er nimmt an einer Forbildungsmaßnahme teil. Und verleitet uns zum Nachdenken über den idealen Lebenspartner. Edel sei der Mensch, hilfreich und gut. Und langweilig. Außerdem. Hat er sich. Fußball für Angeber. Mit aufs Hochbett genommen. Man ahnt. Schreckliches. Nadja und Euselia beim Dart nicht zu schlagen. Auch nicht von Juniors gefährlich wirkender Holzfäller-Technik.

Freitag, 26. Mai 2006 (Amoklauf bei der Eröffnung des neuen Hauptbahnhofs von Berlin)
Gegen viertel sieben hatte Euselia es recht eilig. Nadja verträgt kein Eis mehr. Die Sorgen um mein Gewicht verlieren ihren akademischen Charakter. Können Junior nicht weiter Gesellschaft leisten und reisen nach Mecklenburg-Vorpommern. Möge dieser seinen Abend nicht am Hauptbahnhof gestaltet haben.

Samstag, 27. Mai 2006 (Homeboys unverletzt)
Junior konnte sich erfreulicherweise von der Messerstecherei fernhalten. Fahrt an die Mecklenburger Seenplatte in zwei Portionen. Nadja bringt mir das Angeln bei. Damit ist ein weiteres Kindheitstrauma überwunden. Henri, stimmt des, wos m'a d'Heidi erzählt hot? Daß du net fischen kannst? Trotz Regens. Zwischen Flieder, Birn-, Apfel- und Lebensbäumen. Und zwischen Kormoranen, Enten und Stechmücken. Umherflaniert. Karl kennt nur arrogante Bayern.

Sonntag, 28. Mai 2006 (Apotheke am Helmholtzplatz)
Sturm. Ich glaub', ich hab' es schon erwähnt. Kinder feieren hier nicht nur. Geburtstag, Ostern und Weihnachten. Nein. Da gibt es auch noch. Kindertag. Und statt Firmung. Jugendweihe. Sommer im Balkon gesehen. Die Coolen sitzen immer da, und die Doofen da. Nadja fehlt 'ne Einschlafstrategie.

Montag, 29. Mai 2006 (Fast verschlafen)
Wegen eines Polizeieinsatzes im Westend verzögert sich die Weiterfahrt um unbestimmte Zeit. Mein früher Feierabend verschwindet am S-Bahnhof Jungfernheide. Hannover-Homeboys deklarieren E-Mail- und SMS-Einladungen als schriftlich und zugleich fortschrittlich. Junior markiert sein Revier mit Wurfpfeilen und läßt Schloß Gripsholm links liegen. Nadja verplant ihr Budget.

Dienstag, 30. Mai 2006 (Die Angst der Jury vor der Preisverleihung)
Handke soll den Heine-Preis nicht bekommen. Mehr als 50 Prozent meiner nicht vorgesetzten Kollegen erkrankt. Claudia beschwert sich, weil ich nicht mehr anrufe. Maman hat schlechte Nachrichten. Nadja räumt auf.

Mittwoch, 31. Mai 2006 (Rich Text)
Es gibt Dinge, die würd' ich in keine Spezifikation schreiben. Der Haushalt kommt zu kurz. Halsschmerzen und Vitamin-C-Bomben. Von einem Kaugummi-Automaten am neuen Hauptbahnhof geträumt.

Donnerstag, 1. Juni 2006 (Heimfahrts-Vorbereitungen)
Ingo &Co wollen in der Tat auf die teuren Plätze. Block-Jahreskarten soll es nur noch für Firmen geben. Simone steht kurz vor ihrem Schluß-Examen. Number Four weiß, was man zur Taufe schenkt. Nadja sattelt ihr Lieblingsspielzeug oben drauf. Und ich freu' mich ein bißchen zu wenig.

Freitag, 2. Juni 2006 (On the road again)
Keine Singles unter den Kollegen. So wird wenigstens freitags christlich Schluß gemacht. Obwohl der Atheismus hier recht verbreitet ist. Wie wir mittags bei Herrn Assauer klären konnten. Es gab übrigens Fisch mit einem Namen, der mich an einen italienischen Violonisten erinnerte. Proviant besorgt. Gepackt. Blumen gegossen. Nadja und Euselia losen aus meinem MC-Fundus das Unterhaltungsprogramm für die Fahrt. Leider ist Georg Ringsgwandl für den Norddeutschen auf der Autobahn zwischen Hof und Regensburg schwer zu vermitteln.

Samstag, 3. Juni 2006 (Auf dem Rummel)
Oma besucht. Die ersten Kirschen verzehrt. Schloß Egg besichtigt. Die Führung hatte ich spannender in Erinnerung. Früher warf man eine brennende Zeitung in den Hungerkerker. Heute knipst man das Licht an. Aber. Der Rhododendron blühte. Haben uns mehrmals in Rindberg verfahren. Simone lernt fürs Schluß-Examen ein bißchen Allgemeinbildung. Abends ging es auf das niederbayerische Pendant zu dem, was anderswo Rummel heißt. Losen, Schießen, Auto-Scooter. Wobei wir unsere fünf Kleingewinne nicht mehr einlösen konnten. Am Schießstand gibt es keine Bayern-Fahnen mehr. Bechterewler sollten sich beim Auto-Scooter nicht in der Nähe der Bande aufhalten. Im Bierzelt wagen wir keine Experimente. Die Tante warnte vor am lauwoarma Giggerl und am druckan Kaas. Drei Tische weiter sitzen zwei Herren aus der Dreigroschenoper. Die Schneekoppe ist ein wenig höher als der Fichtelberg. Aber in der Geographie ist es wie in der Informatik. Lebenslanges Lernen.

Sonntag, 4. Juni 2006 (Wo taufen sie denn?)
Pompöses Frühstück. Das Sakko vom Zedernholz befreit. Es wurden gesehen. Junior. Der wie üblich fotografierte. Number Four, der uns durchs Gymnasium führte. Kinosaal, Festsaal. Abschlußfotos. Die anwesende Lehrerin braucht ihre rechte Hand noch zum Korrigieren. Kaffee und Tiramisu im Donau-Lokal. Ein freier Nachmittag in Berlin hin oder her. Reinickendorf kann sehr weit sein. John-Homeboy soll seinen Diener manchmal verweigert haben. Franka heißt schon lange nicht mehr Oschu und hat Verständnis für die Priorisierung München, Berlin, Wien. Bier auf Wein, das laß sein. München auf Berlin, das haut nicht hin. Frau Doktor Weiß promoviert in Finnland und bringt die gute alte Regensburger PT-Cafeteria aufs Tablett, wo sich bis heute das Rauchverbot nicht durchsetzen ließ. Die Kreidefelsen vom Einbürgerungstest sollen abgebrochen sein. Auf der Suche nach den Wurzeln muß John nach dem Jagen, Fischen und Sammeln nun auch die Höhlenmalerei entdeckt haben. Zum Stil kann die Gemahlin noch nichts sagen. Nur daß er sich 'nen Modigliani-Bildband besorgt hat. Euselia schafft es rechtzeitig zu Verliebt in Berlin. Nadja bescheißt bei Wer wird Millionär. Number Four fliegt mit Claire in ein Land, das im Interesse der Sicherheit der Reisenden hier noch nicht genannt werden kann.

Montag, 5. Juni 2006 (Der Shop geht nicht)
Hochofen-Blitzführung durch Regensburg. Brücke aus dünnem Stahl. Steinerne Brücke. Eisdiele mit Türsteher. Und der Dom. Es mußte weitergehen. Nach Berlin. Im Radio das Wunder von Bern. Am Telefon. Zorro. Unerklärliche Zustände beim Online-Shop. Und so wollte der Pfingsturlaub. Da auch E-Plus Leitungsprobleme hatte. In einem ungemütlichen verrauchten und reichlich unanonymen Internet-Café zu Ende gehen. Bei der nächsten Reise in den Süden. Möchte ich. Unbedingt. Adriano Celentano hören.

Dienstag, 6. Juni 2006 (Der Fluß des Geldes)
Nach jeder bezahlten Rechnung plant mein Chef, sukzessive die Gehälter zu überweisen. Er will schon morgen damit beginnen. Karl-Heinz hätte wie ich lieber seinen alten Jahreskartenplatz behalten. Aber er ließ sich von den Großverdienern Ingo und Zorro zum Wechsel überreden. Nadja arbeitet an ihrem Grundlinienspiel und muß mehr schlafen. Simone brilliert bei ihren Prüfungen. Und weil ich das Kasseler verweigere. Mehren sich die Zweifel. An meiner Herkunft. Oblomow neben Nurejew beerdigt. Heidenreich ins Regal gestellt.

Mittwoch, 7. Juni 2006 ('54 '74 '90 2006)
Fanparty am Brandenburger Tor mit den Sportfreunden Stiller. Das ZDF gräbt alles aus, was blond ist. Galgenhumor unter den Kollegen. Nadja hat entdeckt: das Eröffnungsspiel beginnt schon um sechs. Ferner beobachtet sie drei Fahrräder bei Ebay. Zorro veranlaßt nächste Preiserhöhung. Kafka Tamura wird 15. Und. NUR EINS IST SICHER. DERJENIGE, DER AUS DEM SANDSTURM KOMMT, IST NICHT MEHR DERJENIGE, DER DURCH IHN HINDURCHGEGANGEN IST. Finanzielle Unzufriedenheit. Im Prenzlberg wäre eine Eisdiele zu übernehmen.

Donnerstag, 8. Juni 2006 (Man wird also doch bezahlt)
Auch in der Probezeit. Planungssicherheit bis KW 26. Niebel fällt in Möllemanns Fußstapfen. Selten doofes WM-Karten-Verteilen mit Gottschalk und Kerner. Morgen beginnt mein SZ-Schnupperabo. Wohingegen die Prämie WM-Sessel sich zu verspäten scheint. Tamura hält sich seit seiner Kindheit regelmäßig in Bibliotheken auf. Nadja hat nur Berliner Weisse im Kühlschrank.

Freitag, 9. Juni 2006 (Also laßt den Ball laufen!)
Habe bei meiner gesamten Korrespondenz die falsche Postleitzahl angegeben. Hoffentlich kommt der FC Bayern damit klar. Bei Herrn Winter hat's gebrannt. Bloodhound Gang und Johnny Cash kommen bei der Hochzeit vielleicht nicht so gut. Es sei denn, er ist gut versichert. Hätte am Berliner Hauptbahnhof beinahe Gleis sieben nicht gefunden. War spät dran. Konnte Architektur nicht würdigen. Treffe vier Minuten vor dem Eröffnungsspiel in Rostock ein. Und verpasse keine Minute. Chips und Weißbier sind vorbereitet. Die Bildungssenatorin trinkt ein Wowereit-Weizen. So nennt man hier die Berliner Weisse mit Himbeer-Sirup. In das Polenspiel fällt eine Debatte. Darüber, daß eine Abiturnote nicht unbedingt das Wissen widerspiegelt. Aber. Auch. Beim Fußball. Mag nicht immer der Bessere gewinnen.

Samstag, 10. Juni 2006 (Fußball am Balkon)
Weil ich den Ausschank von Weißbier in falschen Gläsern unterbinde, werde ich mit dem Fernfahrer des fast gleichnamigen Films in Verbindung gebracht. Omnia quae feminae volunt. Prangte auf dem T-Shirt eines Zielgruppen-Reißers. Wenn du mit Weibe eine Fahrradtour beginnst. Vergiß die Route nicht!

Sonntag, 11. Juni 2006 (Nachmittag am Meer)
Nachdem wir einen Brunch verschlafen hatten. Blieb uns nur noch der späte Nachmittag. An der Ostsee. Nadja wagt sich sogar ins Wasser. Und demonstriert mir die Harmlosigkeit hiesiger Quallen. Weil ich mich mehrere Stunden lang nicht bewege. Werde ich schon wieder mit einer Kunstfigur in Verbindung gebracht. Oblomow. Jodelküche mit aglio olio. Und eine kleine Familienfinte.

Montag, 12. Juni 2006 (Institution der Woche: Österreichische Koordinierungsstelle für ein "grenzüberschreitendes Bärenmanagement")
Man hört von keinem Fauxpas mehr. Des bayerischen Ministerpräsidenten, des Problem-StoiBer. Urlaub in Italien? Oder mit Kollegen Schnappauf auf Bärenjagd? Frau Schuster fordert meinen Laufzettel. Und Elmar kann seinen Account nirgendwo finden. Wegen meines blauen Frottee-Schlafanzugs und der vielen leeren Chipstüten. Erkennt nun auch Nadja. Wie zuvor schon Claudia. Ähnlichkeiten mit Bewohnern der Sesamstraße.

Dienstag, 13. Juni 2006 (Tabakwerbeverbot)
Rauchen wird wieder interessant. Underground. Avantgarde. Jetzt erst recht. Keine SZ im Briefkasten. Den politischen Teil finde ich im Altpapier. Der Sportteil ist noch vermißt. Nadja möchte auf die Fanmeile.

Mittwoch, 14. Juni 2006 (Berlin! Berlin! Wir warten in Berlin!)
Ein Problem schneller gelöst als erwartet. Gut gelaunt in den Feierabend. Rüdiger ein schönes Spiel gewünscht. Zigaretten, Bier und Chips besorgt. Wie soll ich mich während der WM um einen neuen Job bemühen? Wieder keine Zeitung. Nadja besucht ein Reisebüro. Und die Karrierefrau von der Au plant Familienausflug nach Berlin. Nicht mal Frau Merkel hat Karten für ihren Lebensgefährten bekommen.

Donnerstag, 15. Juni 2006 (Fronleichnam in Berlin)
Hier sind sie kein Papst. Mußte arbeiten. Unerfreulicher Tag für Nadja. Schnitzel hängt mir zum Hals raus. Der Kaiser empfiehlt jedem, der es sich leisten kann, mit dem Hubschrauber über Deutschland zu fliegen. «Wir leben in einem Paradies.» Radio Eriwan meldet keine besonderen Vorkommnisse. Number Four geht's gut. Eine Dorflehrerin aus der Präfektur Yamanashi hatte unkeusche Gedanken. Doch dafür ist's zu heiß.

Freitag, 16. Juni 2006 (Arbeit suchen in Deutschland)
Bundesagentur für Arbeit drei Tage offline. Sehr professionell.
Unsere Stellen- und Bewerberbörse wird für unsere Mitarbeiter in den Agenturen erweitert.
Die Umstellung hat am 16. Juni 2006 begonnen und wird voraussichtlich in den frühen Montagmorgenstunden des 19. Juni 2006 abgeschlossen sein. Für die zeitweise Einschränkung Ihres Zugangs zu unserem Online-Angebot bitten wir Sie um Verständnis.

Die Rechnungen für den Lohn dieses Monats scheinen noch nicht geschrieben. Ein Gewitter läßt das Strandbad ins Wasser fallen. Stattdessen führt uns Frau Heppel in eine Kneipe. Mit einem Namen. Der mich an den Spitznamen meines Deutschlehrers erinnert. Das Berliner Pils soll Kopfweh machen. Das Radler wurde an den leeren Tisch vorm Fernseher gestellt. Und dem Faßbier fehlten Kühle und Kohlensäure. Vermutlich werden Fässer hier langsamer geleert. Ein Berliner Boulevard-Blatt verteilt WM-Zubehör. Aufkleber und Flagge. Für 50 Cent. Werd' ich auf meinem Balkon hissen. Sobald Olli Kahn ins Tor zurückkehrt.

Samstag, 17. Juni 2006 (Berliner Hochzeit)
Nadja wurde von der Witterung kalt erwischt. Herr Winter endeckt am Tage seiner kirchlichen Trauung, daß letzte Woche auch sämtliche Gürtel und Hosenträger dem Brand zum Opfer gefallen sind. Die Posaunisten werden lediglich vom Familienchor übertroffen. Unweit der JVA Plötzensee gingen die Festlichkeiten weiter. Ein bißchen Small talk. Herunterhängende Geranien. Aufschlüsse über Schwimmbäder, Hotels und Wahlstuben. Nadja wundert sich. Daß alle so entspannt wirken. In unserer Situation. Mußte wegen einer Süßkartoffel in den sauren Apfel beißen. Obwohl der Gastgeber nichts ißt, das besser schwimmt und tiefer taucht als er, fand man ziemlich viel Meeresgetier am Buffet. Zwei Spiele. Ein Gedicht. Diverse musikalische Einlagen. Und ein früher Aufbruch. Wollte nicht zu den letzten gehören. Bin ja noch in der Probezeit. Nach einem kleinen Scharmützel eröffnet mir Nadja auf dem unsäglichen WM-Sessel (SZ-Probeabo-Prämie), was sie mir nicht verzeihen kann.

Sonntag, 18. Juni 2006 (Sanguinisch)
Lebensabschnittsplanung. Nadja das erste Mal zum Fernbahnhof Gesundbrunnen gebracht. Muskelkater. Kommt von meinem Gang in den Waschsalon. Mit einem gefühlten Zentner Wäsche. Ottfried Fischer trennt sich an einem Wochenende von Frau und Geliebter und kugelt sich die Schulter aus. Ent-Täuschungen.

Montag, 19. Juni 2006 ('Ne Boulette werd' ich nie)
Letzter Arbeitstag von Camelot. Betriebsbedingte Kündigungen sind nicht so schlimm. Sagt Rüdiger. Mit Hinweis aufs Arbeitsamt. Das Konzept für die Insolvenz ist fast fertig. Bei Herrn Assauer werden Hacksteak, Klopse, Fleischpflanzerl und Frikadellen in meinen Augen etwas zu häufig serviert. Ich habe meine Tage. Meint Nadja. Kritik der reinen Vernunft.

Dienstag, 20. Juni 2006 (Zwei Klappmesser bitte)
700.000 auf der Fanmeile. Flucht nach Mecklenburg. Mit Nadja zum ca. 29. Mal Zeugin der Anklage geguckt. Sie schmökert in Eigenartige Ostfrauen. Und ist überrascht. Ob der Wirkung eines Zehchens Knoblauch. Ich las die SZ. Wurde ausnahmsweise nicht geklaut. Mathieu Carrière hat sich kreuzigen lassen. Ein Weddinger Waffen-Laden bietet an:

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Mittwoch, 21. Juni 2006 (Armut in Berlin)
Drei Obdachlose steigen an drei aufeinanderfolgenden Haltestellen in mein U-Bahn-Abteil ein. Und jeder sagt seinen Vers auf. Die eine war schwanger. Die andere in der Logopädie. Und der dritte sprach von einem Banküberfall. Kann eine Rubrik eröffnen. Wo ich überall nicht gewesen bin. Wieder nicht auf der Fanmeile. Und nicht beim Fête de la Musique. In meinen Blumenbeeten soll sich Unkraut tummeln. Ein älterer Berliner fühlt sich berufen, mich aufzuklären, wie ich meinen Schirm in die Hand zu nehmen hätte. Damit ich niemanden mit der Spitze verletzen kann. Nadja wünscht sich einen spielfreien WM-Abend.

Donnerstag, 22. Juni 2006 (Deutschland, ein Sanierungsfall)
Schluß mit den Wintermärchen. Und wieder wird einem Kollegen ein Angebot gemacht, das er nicht ablehnen kann. Höchste Zeit, Bewerbungen rauszuschicken. Aber wann? Die Halbzeitpause ist täglich fest verplant. Rüdigers Freundin hat sich beim Fête de la musique die Bänder gerissen. Temperaturen etwas kühler. Allianz möchte 7500 Stellen streichen. Und Steinbrück die Konzerne entlasten. Nakata muß mitansehen, wie zwei Katzen geschlachtet werden. Unkraut gejätet. Nadjas Lieblingsspieler ausgeschieden.

Freitag, 23. Juni 2006 (Jauch übernimmt Christiansen)
Und möchte weiter bei RTL bleiben. Und mit Krombacher den Regenwald retten. Herr Assauer hat mit der WM nichts verdient. Die Übernahmespezialisten geben sich in unserem Büro die Klinke in die Hand. Firma wird meine Probezeit wohl nicht überstehen. Fahrt nach Mecklenburg reicht kaum für die Süddeutsche. Nadja wartet mit Schnittchen.

Samstag, 24. Juni 2006 (Unterwegs in Südschweden)
Vernissage und Sekt an der Schwedeneiche. Waldspaziergang im Mecklenburger Hinterland. Beckmann macht jeden Fußball-Talk kaputt. Und runiert sogar politische Pointen. Jürgen Klopp tut mir leid.

Sonntag, 25. Juni 2006 (Muse und Muße)
300 Seiten Murakami. Nakata kann nicht mehr mit Katzen sprechen. Und besucht zwei Bibliotheken. Nadja widmet sich ihrer Wachsfigur. Es geht sich auch noch ein Bier im Kakadu aus. Small talk über Langzeitarchivierung. Solidarisierung mit gleichgeschlechtlichen Tischnachbarn. Und Rotwein zum farbigsten Spiel der WM-Geschichte.

Montag, 26. Juni 2006 (Que sera, sera)
Endlich mal ein passendes Lied zum Elfmeterschießen. Kafka am Strand beendet. Las sich wie ein Harry Potter. Auf dem Weg zur Arbeit kam mir ein großer weißer Hund unbekannter Rasse entgegen. Mit schwarz-rot-goldener Schleife hinterm Ohr. Rüdigers Katze ist vom Balkon gefallen. Nur leicht verletzt. Nadja möchte, daß ich etwas mehr Existenzangst an den Tag lege.

Dienstag, 27. Juni 2006 (Auf der Fanmeile)
Falle mit Kollegen auf drei angeblich verfügbare Endspielkarten herein. Erste Bewerbung abgeschickt. Kann mir nicht helfen. Siegfrieds Mappe sieht etwas professioneller aus. Nach dem Brasilienspiel. Fanmeile inspiziert. Freundliche, friedliche Atmosphäre. In der Tat. Die Welt zu Gast bei Freunden. Sogar Pommes werden mehrsprachig angeboten. Claudia hat angerufen. Liebeskummer. Zidane kann's nicht lassen. Nadja entdeckt eine Zecke. Das einzig Positive an der GEZ soll die Kinowerbung sein. Rüdiger guckt nur Stefan Raab und würde nie bei Lidl oder WalMart einkaufen. Eva Hermann, die ich schon inmitten der Famile an Herd und Küche wähnte, liest immer noch die Tagesschau. Hat Ulla Schmidt bei der letzten Gesundheitsreform nicht Beitragssenkungen versprochen? Vielleicht sollten Arzneimittel von Staatsbetrieben produziert werden.

Mittwoch, 28. Juni 2006 (Arbeiten, Essen, Schlafen)
Hätte bei Herrn Assauer Spiegeleier gegeben. Belegschaft bevorzugt Italiener. Burn Out. Von neun bis zwölf. Nadja meint, es ginge vielen so.

Donnerstag, 29. Juni 2006 (Der letzte Nörgler der Nation)
Warte auf den Tag, an dem ich nicht mehr allein bin. Auf den Tag, an dem Klinsmann die Unfehlbarkeit wieder aberkannt wird. Am S-Bahnhof verkaufen sie kleine Käfige. Mit Kunststoffvögeln. Und Batteriegezwitscher. Kurt Beck fühlt sich gedemütigt. So langsam gehen die Aufträge aus. Unangenehme Fehlersuche. Noch ohne Erfolg. Herr Assauer bekommt jede Woche einen Anruf. Ob er nicht 'nen Internet-Auftritt einrichten wolle. So viel zum Markt. Stiftung Warentest besinnt sich nach den WM-Stadien auf seine Kernkompetenz und testet Orangensaft. Acht Konzentratsäfte entsprachen nicht der Fruchtsaftverordnung. Nadja bittet mich, die Poster aufzuhängen. Vor dem Einschlafen.

Freitag, 30. Juni 2006 (Usability)
Modernste Fahrkartenautomaten am neuen Hauptbahnhof Berlin. Am ersten Automat wählt man seinen Zug. Dann wird ein Zettel mit Strichcode ausgedruckt, bei dem es sich nicht um die Fahrkarte handelt. Mit diesem Zettel muß man zu einem geeigneten Kassenautomaten, der in der Lage ist, den Strichcode zu lesen. Wenn das gelingt, beginnt der Zahlvorgang. Und es werden zwei weitere Belege gedruckt. Einer davon ist die Fahrkarte. Bei Netto spielen sie die Nationalhymne. Nadja kämpft gegen den Patriotismus. Ob positiv oder negativ. Ich habe mir wie üblich einen anderen Spielverlauf gewünscht. Bet-and-Win-Vermögen nahezu erschöpft.

© Henri Hochofen 2006