Sehnsucht nach der Bohème Bourgeoiser End-Dreißiger blickt in eine rosige Zukunft
haben nun ach die meisterschaft

ligapokal, dfb-pokal

doch leider nicht uefacup

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Tagebuch von Henri Hochofen

Mai 2008

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Donnerstag, 1. Mai 2008 (Leningrad)
(22:47 Uhr)

Die Dramaturgie hat gestimmt. Alles strebte und fieberte dem Spiel entgegen. Ein kleiner Fahrradausflug mit dem Baby zur Einstimmung. Ein Schnitzel um fünf. Dann der Anpfiff. Es hätte so schön sein können. Bis zum unglücklichen 0-1. Wenn man wenigstens nicht um das zweite Tor gebettelt hätte. Untergang in Leningrad. Der Schuh für Klinsmann ist nun nicht ganz so groß. Über die Flügel muß mehr kommen. In solchen Spielen muß auch ein Ribery mal abspielen. Anton schläft mit seinem Weihnachtsbuch ein. Dem Buch mit integrierten Weihnachtsmelodien. Lese hundert Seiten Martel und schildere John meinen Kopfschmerz. Die Niederlage sitzt tief. Womöglich bis zum nächsten Europapokal.

Freitag, 2. Mai 2008 (Wenigstens durchgeschlafen)
(22:57 Uhr)

Anton hat durchgeschlafen!!! Die zwanzig Minuten Fahrrad am Tag durch den Brandenburger Wald tun mir gut. Berufsrückkehrer berichten von der Elternzeit. Banane scheint bei vielen Babies ein Lieblingswort zu sein. Eine Folge Kriminaldauerdienst. Hat Zapatka mal in den Kammerpielen gespielt? Google sagt ja.

Samstag, 3. Mai 2008 (Da grillt wer!)
(22:46 Uhr)

Nadja klaut den Tagesspiegel. Fliehen nach Niedersachsen. Finden den Weg aus dem Gedächtnis. Besorgen noch das Nötigste bei Edeka. Fruchtzwerge, Buttermilch und Wein. Nadja steckt auch noch Zahnputzbecher mit ein. John HomeBoy hat lediglich Telefonbereitschaft. Anton stürzt sich auf den Sandkasten und spielt mit Bart, Lisa und Maggie im Garten. Ohne Anpassungsschwierigkeiten. Wie wenn er jeden Nachmittag hier verbringen würde. Wenn Lisa in Antons Nähe mit schweren, sperrigen Gegenständen rumhantiert, werd’ ich etwas nervös. Der böse Louis wird nicht zum Käsekuchen eingeladen, so sehr die Mutter auch mit über den Zaun guckt. Obendrein ist er auch noch frech zu Anton und Maggie. Die ganze Vorstadt schmeißt den Grill an. La morena es la hija. Verspätetes Walpurgis-Feuer. Mit Extra-Viel-Grillanzünder. Elizabeth stellt Promotion und Malina erst mal zurück. Ein schmissiges Lob für Sloterdijk kann leicht zu Irritationen führen. Arno Schmidt hat nur Teile aus Finnegans Wake übersetzt. Stethoskop trägt arzt heutzutage nicht mehr so wie früher. John wird um Mitternacht noch ins Büro zitiert und raucht seine zweite Zigarette des Jahres 2008. Zukunft wird nicht thematisiert. Ebensowenig wie Flavius Josephus. Anamnesen tauschen. In Bayern wären die Menschen freundlicher als in Hannover. Hört, hört. Hat Häschen nicht noch eine Chance verdient? Lisa hat zu viel gegessen. Homeboys erobern den Golfplatz und erringen Platzreife. Das Establishment blend’t. Halten ziemlich lange durch. An diesem ersten Frühlingsabend.

Sonntag, 4. Mai 2008 (Ballistisches)
(23:31 Uhr)

Sonnenbrand. Das Ballistische sei es, das den Menschen vom Tier unterscheidet, meint John. Und argumentiert zurück bis zum schlägerschwingenden Höhlenmenschen. Soll der verbliebene Singlehomeboy mit der Dolmetcherin verkuppelt werden? Die Fontäne in den Herrenhäuser Gärten ist nicht zu unterschätzen. Auch Niki de Saint Phalle wird oft verhundertwässert. Nadja findet einen österreichischen Tatort über Leichenhehlerei geschmacklos. Eine Woche nach Amstetten. Anton neigt dazu, sein Badewasser zu trinken. Zumindest solange die Spielbecher mitbaden. Mitten in der Nacht fängt er an zu brüllen. Kein Schnuller, kein Wasser, nur eine Weintraube kann ihn beruhigen. Bei einer Szene in Schiffbruch mit Tiger wird mir richtig schlecht. Nicht weil ich so sensibel bin. Weil es so eklig ist.

Montag, 5. Mai 2008 (Wieso sich übel mit Kübel reimt)
(23:48 Uhr)

Der Kindergarten ruft an. Das Baby hat Eiter am Ohr. Außerdem sei es eine Treppenstufe nach unten gefallen. Der Kinderarzt meint, das Schlimmste wäre schon vorbei und verschreibt trotzdem Nasentropfen und ein Antibiotikum. Nach Bedarf. Mir steht das Schlimmste erst bevor. Habe in einer halben Stunde im Bad zweieinhalb Kilo abgenommen. Hat mich Lisa angesteckt? Nadja macht Tee.

Dienstag, 6. Mai 2008 (Immer noch übel)
(23:54 Uhr)

Vielleicht hätt’ ich doch ‘nen Tag zu Hause bleiben sollen. Nadja findet eine Hose. Erich akquiriert neue Bayern-Fans. Verzichte auf ein üppiges Frühstück und hätte besser mittags auch auf die Kokoscreme verzichtet, meint Nadja. Geraucht hab’ ich auch nicht. Abends wieder Tee. Heut’ ohne Salz. Pi endlich an Land gespült.

Mittwoch, 7. Mai 2008 (Die da oben)
(23:02 Uhr)

Erhole mich langsam. Welcher Regressionstest ist schon vollkommen? Apple kann nicht schlafen. Und die da unten beschweren sich über das, was sich die da oben so alles ausdenken. Schuld an allem ist sowieso Erich. Und Frau von der Leyen. Das Baby bekommt sein Antibiotikum. Nadja ist der Arbeitsweg zu lang. Premiere Flex ruht.

Donnerstag, 8. Mai 2008 (Der Mensch verbringt ein Drittel seines Lebens mit Schlafen, die übrige Zeit leidet er an Schlaflosigkeit)
(22:43 Uhr)

Baby-Nachtschicht. Keine Sekunde geschlafen. Beim Frühstück beschwert sich Nadja, daß ich so selten den Frühdienst übernehme. Dea tankt nicht nur bei Esso. Überstehe den Arbeitstag und ein Holzfällersteak besser als erwartet. Falle todmüde ins Bett und soll bemerkenswert tief geschlafen haben.

Freitag, 9. Mai 2008 (Kann ich auch eine haben?)
(23:16 Uhr)

Im Sommer kann man das Baby in der Kita gleich im Garten abgeben. Neue Erziehungsregel: Drück dem Baby im Auto niemals eine Milchschnitte in die Hand! China verbietet unter anderem Pringles Kartoffelchips. Wegen Kaliumbromat. Entweder ein weiterer Grund, nicht nach Peking zu fahren. Oder ein Anlaß, mir eine neue Chips-Marke zu suchen. Hasse überfüllte Meeting-Räume. Der Alte ausnahmsweise mal nicht grottenschlecht.

Samstag, 10. Mai 2008 (Wii Fit Balance Board)
(22:36 Uhr)

Wir müssen langsam an die Taufe von Leonardo denken. Besorgen Kerze in katholischem Kerzenladen. Bringe das Baby vor der erdrückenden Geschäftsführerin in Sicherheit. Nadja möchte auf die Schöne Party. Mein Spiegelbild, geworfen in einem Schaufenster irgendwo zwischen Schöneberg und Tiergarten, zwingt zum Handeln. Kaufen Spielekonsole Wii und das Wii Balance Board. Mein BMI deckt sich mit den Eindrücken am Schaufenster. Das Balance-Board will mich in den nächsten sechs Monaten auf einen Body-Mass-Index von 22 bringen. Tennis mit Nadja im Wohnzimmer. Fast wia im richtigen Leben.

Sonntag, 11. Mai 2008 (Der BMI wird häufig überbewertet)
(23:42 Uhr)

Das Baby wacht wie üblich viel zu früh auf. Familientreffen an der Müritz. Runden in C. Bei Cousin Ludwig zeigt sich Anton nicht so unverkrampft wie bei den Homeboy-Kindern. Der Sandkasten verbindet. Aber auch mit Ludwig konnte man vortrefflich ums Spielzeug kämpfen. Dessen Taufe könnte leicht um ein Jahr verschoben werden. Oder nach MV. Nadja raucht am Steg. Anton fasziniert von Bäumen, Pusteblumen, Gras, Gänseblümchen, Gießkannen, Keramikschafen, salzigen Erdbeeren und dem Croquet-Zubehör. Eine Schnecke macht Heia-Heia. Hüte werden vom Kopf gerissen oder über’s Gesicht gezogen. Die Schwiegereltern versorgen Nadja mit Lesestoff, was diese gerne annimmt, um sich vor Pynchon zu retten, und legen uns die neue Udo-Lindenberg in den CD-Player. Nachdem ich mich vergewissert habe, daß sie uns nicht auch noch einen Joint in die Zigarettenschachtel geschmuggelt haben, fahre ich los. Zurück nach Berlin, wo mich das Balance Board fragt, wieso ich seit gestern ein Kilo zugenommen hätte. Schlafe mit Nadja bei Colombo ein.

Montag, 12. Mai 2008 (Weight watcher)
(23:54 Uhr)

Anton schläft durch bis kurz vor sechs. Verbringe zwei Stunden auf dem Wii-Balance-Board. Auch Anton wippt mit zum Basis-Step. Das alte “Muskeln sind schwerer als Fett”-Problem. Im Südpark fühl’ ich mich nicht wohl. Das Baby freut sich, wenn ein Spielzeugauto am Kinderwagen hängt. Als Anton den Becher runterwirft, holt Nadja den Bobo Siebenschläfer raus. Und Anton wundert sich. Und denkt nach.

Dienstag, 13. Mai 2008 (Wann beginnt die Fettverbrennung?)
(22:58 Uhr)

Apples Angelurlaub in Gefahr. Anton kann man schon fast alleine baden lassen. Fordert Champignons, Zitronenjoghurt, Saft und Bobo Siebenschläfer. Letzterer bringt ihn auch heute stark zum Nachdenken. Nadja bastelt an Leonardos Taufkerze. Vierter Tag auf dem Balance-Board. Vierte Gewichtszunahme in Folge. Bewegung stärkt in erster Linie den Appetit. Noch lebt die Hoffnung.

Mittwoch, 14. Mai 2008 (Papa-Schwemme)
(22:02 Uhr)

Erich boykottiert das Uefa-Cup-Enspiel ebenso wie ich. Auch heute geht das Barometer nach oben, aber nur weil ich erst nach dem Abendessen aufs Balance Board steige. Der Kita-Streik nächste Woche findet statt. Herr Wanninger versucht, den Antrag auf Wiedererstattung der Zertifizierungskosten, einzureichen. Daß jetzt auch noch bei Siebenschläfers ein Papa und eine Mama vorkommen, wird Anton langsam zu viel.

Donnerstag, 15. Mai 2008 (Was trinken die andern? Kaba, Kaba hält sie gesund…)
(23:08 Uhr)

Patche ein Maven-Plugin. Anton gewöhnt sich an den Kakao am Morgen. Nadja holt ihn mit dem Fahrrad ab. Zu müde für’s Balance Board. Und für die Abendzigarette. Taufkerze vollendet.

Freitag, 16. Mai 2008 (Leichtigkeit steigt)
(22:13 Uhr)

Emergency. 241 Konflikte. Großeinkauf nach Feierabend. Nadja leistet sich ein breakfast at tiffany’s mit Herrn Sagnol. Auch Richie registriert sich am Balance-Board. Ich erzwinge die Wende. 0,9 Kilo weniger. Führe die Gewichtszunahmen im Wochenverlauf auf meinen ungebremsten Saftkonsum zurück. Anton legt das Telefon in den Kühlschrank. Nicht ohne einen Molkedrink herauszunehmen. Und er schmeißt schmutzige Wäsche, Clopapier und Nachttopf zu Nadja in die Badewanne. Dr. Wiefelspütz gefällt die Musik auf Radio Eins nicht. Klinsmanns Pläne überzeugen Lahm. Er bleibt.

Samstag, 17. Mai 2008 (Subotnik)
(22:57 Uhr)

Nadja träumt davon, die Müllhalde hinterm Haus in einen Garten zu verwandeln. Der Vermieter freut sich. Sie jätet mit Richie und Anton Unkraut, entfernt den Schutt. Die Partei unter uns fegt sogar seine Kippen auf. Richie möchte den Kurs wechseln und verdrängt mich vereinzelt aus den Wii-Fit-Bestenlisten. Die Übung Kobra ist für Rheumatiker nicht geeignet. Schimmel im neugekauften Bio-Apfelmus. Anton verputzt drei Kartoffelpuffer.

Sonntag, 18. Mai 2008 (Neuerlich Ballistisches)
(22:20 Uhr)

Drei Portionen Nudeln verzeiht das Balance Board nicht. Nadja sät den Rasen aus. Auch Anton tritt den Samen schön fest. Hoffnung auf Regen bestätigt sich nicht. Richie schwankt schon wieder bei der Kurswahl. Anton kaum zu bremsen. Schmeißt Wäscheklammern vom Balkon, Hausschuhe in die gefüllte Badewanne, einen Teller Nudeln über Schlafanzug und Fußboden und wird stinkesauer, wenn er Biene Mama nicht seh’n darf.

Montag, 19. Mai 2008 (Da haben wir den Salat)
(23:00 Uhr)

Anton möchte schon um sechs Uhr morgens sein Bilderbuch angucken und alle Gegenstände benamt haben. Die Hummel hätt’ ich nicht als Verwandte von Biene Maja vorstellen dürfen. Jetzt wird sie ihren Namen Mama nicht mehr los. Herr Sagnol hat Palü auf einem Fahrrad in der Kantstraße gesehen. Apple muß sich vor niemanden rechtfertigen. Meine Weiterentwicklungsziele gehen in Ordnung. Richie beginnt mit Geraden und quadratischen Funktionen. Das Balance Board ist mir gewogen. Hab mittags nur Salat gegessen. Und kaue jetzt langsamer. Nadja wird beim Chinesen nicht satt. Muß Tschetschenien eventuell mit den Indern drohen. Erich will zum Abschiedsspiel von Kahn. Dieter lästert über Sloterdijk. Dea über Hoffenheim. Hab meine Collocation-Phobie abgelegt.

Dienstag, 20. Mai 2008 (Reden und Schweigen)
(22:43 Uhr)

Kita-Streik. Erster Tag. Nadja nutzt die Schlafphasen für’s Home Office und kauft ein neues Sparschwein. Indien zieht immer. Mit ein paar Spielarten des test-driven-development stoße ich auf wenig Gegenliebe. Die Zeit bis zu Leonardos Taufe wird etwas knapp. Erwägen Edelmetall.

 
 

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