Tagebuch von Henri Hochofen
Juli/August 2004
Donnerstag, 1. Juli 2004 (Kompromiß zu Arbeitslosengeld II steht)
Der größte deutsche Kassenerfolg aller Zeiten wird fortgesetzt. Mit ganz neuer Besetzung. Keine Rolle für mich. EM entpuppt sich als Lesezeit-Vernichter. Peter Glotz meint, wenn man ein Volk sechs Jahre durch die Wüste geführt hat, kann man ihm nicht erklären, daß es jetzt nach Westen geht. Da bräuchte es einen Moses dazu. Wenn ich den Vergleich weiter-spinnen darf. Dann ist die Globalisierung das Goldene Kalb der SPD. Andretzky hält Baggios Wetteinsatz für einen Ausflug nach Vulgarien. Wenn er wüßte, daß wir die wirklich vulgären Elemente nicht genehmigt und den Schulbrunnen gerettet haben. Nachdem es Homeboy Junior auf dem TUNIX etwas zu heimelig war. Aufbruch ins Homeboy Café 2. Die übliche Ethik-im-Journalismus-Debatte, die ich etwas entspannter führen könnte, rechtzeitig zum Anpfiff beendet. Junior trachtet nicht mehr danach, die Sterne zu besitzen. So wie mir Meteorit Claudia langsam schnuppe wird. Bei dem Kometen rechts neben dem Fernsehgerät hab ich mich zudem um Lichtjahre verschätzt. Und mögen sich alte Schiffe auch nach ruhigen Häfen sehnen, so gilt dies nicht für junge Ruderboote. Homeboy Junior leistete sich einen falschen Einwurf nach dem anderen und stand ständig im Abseits. Griechenland und Scharapowa im Finale. Hitzfeld derzeit nicht in der nötigen Verfassung. Wie hätte er dann die nächste Saison bei Bayern überstehen wollen? Homeboy Marcel schätzt Irving wegen der gelungenen Bettszenen.
Freitag, 2. Juli 2004 (Almighurt Käsekuchen-Mandarine wieder im Programm)
Seit Wochen schichte ich in HL- und Lidl-Märkten die Kisten um. Und dann kommen sie alle auf einmal. 15x Käsekuchen, 2x Erdbeer. Kleine Aufmerksamkeiten für meine Mitbewohnerin. Werden mir nichts nützen. Lass' ich mir dennoch anrechnen. Noch nagt auch an ihr der Zahn der Enthaltsamkeit. Suse-Dell-Auflösungs-Problem übers BIOS lösbar. Daß die Erkenntnis immer erst am Feierabend kommt. Mittlerweile teile ich mir den Schreibtisch mit drei Monitoren und vier Rechnern. Lazy-Battery-Effekt tritt auch bei Menschen auf. Elmar wußte noch nichts von meinen vier Semestern Philosophie, und leider auch Theologie. „Ach, DAS hat dich so kaputt gemacht!“ Wie in der „literarischen Schreibübung Stadt aus Glas“ (O-Ton Junior) ein paar Paul Austers vorkommen, so taucht auch in Das kurze Leben ein Onetti auf. Ich vermute bei Justins Mitbewohnerin eine Schwäche für Humanisten. (→ Leserbrief)
Samstag, 3. Juli 2004 (Don Octavio del Flores gestorben)
Der Onetti am Schluss doch sehr verworren. Trotzdem. Fand die eine oder andere Inspiration. Auch wenn mir eine Muse lieber wäre. Mit Onetti verschwindet auch Schnitzlers Traumnovelle (SZ-Bibliothek 12) im Regal. Bereits zur Jahreswende gelesen. Homeboy Number Four wieder im Gelben Trikot. Ein anderer Homeboy hält das Download-Angebot von http://www.allofmp3.com/ für legal, doch fehlt ihm das Lex-Appeal, auch mich davon zu überzeugen.
Sonntag, 4. Juli 2004 (Wo bleibt die Katharsis?)
Und wieder registriere ich mit Bedauern, daß die Katharsis beim tragischen Helden eines Abends selbst nicht einsetzt. Auf der Obenansicht meiner Hirnregion sitzt der Schmerz bei elf Uhr. Zusätzlich Übelkeit. Bei meinem letzten Traum werfe ich einen Blick durchs Wohnzimmerfenster. An der Wäscheleine hängt ein Kinderschokoladen-Osterhase. Und ein Fuchs klettert wie ein Eichhörnchen auf einen kräftigen Getreidehalm und knabbert daran. Auf einer Traummetaebene kommt mir der Gedanke, Männer träumen doch in Farbe, das Fell des Fuchses leuchtet eindeutig rot. War außerdem sehr überrascht, den Traum im Traum selbst interpretieren zu können. Auch die Sexualsymbolik. Vermute, daß mein Über-Ich den Alkoholspiegel langsamer abbaut als meine Restpersönlichkeiten. Zeitsprung. Homeboy-Café 2. Vorabend. Sunny homeBoy # 4 wirkt wenig erschöpft nach 1400 Fahrradkilometern. Unsere Rückschlüsse von seiner neuen Kolorierung auf seine Reisegarderobe konnten von Tiramisu, welche beim Fahrradtaschen-Auspacken mitgeholfen hatte, bestätigt werden. Judith, die sich nach den Preisen für römische Sklaven erkundigte, könnte die alte Alte Filmbühne tatsächlich noch gekannt haben. Der München-Halbmarathon hat Claire und Tiramisu noch selbstbewußter gemacht. Einen solchen Pointenhagel ist der gemeine Homeboy nicht gewohnt. Allerdings hab ich selten an einem Abend so viele Fettnäpfchen umfallen hören. Wobei ich mich mit Junior abwechselte. Die weißen Jogginghosen. Die Fragen nach dem Ex. Oder nach der Religion. Erfolgreich verdrängte Wahrheiten kommen ohne Gesprächsprotokoll auch nicht mehr ans Tageslicht. Aber Claire fährt lieber im Dunklen Rad. Außerdem zeigt sie bei Abschiedsformulierungen gerne ihren Stachel. Rehakles pflückt die Äpfel der Hesperiden. Gestrigen Nikotinabusus hätt ich Claudia gern verschwiegen. Um mir die fällige Fitnessdebatte zu ersparen. Wenn man sich nicht mehr an seinen letzten Freiluftsport erinnern kann, müsse was passieren, meint sie. Vielleicht jogg' ich morgen. So nichts Rheumatisches dazwischen kommt. Auf meinen Hinweis, daß ich mich auch an meinen letzten Sex nicht mehr erinnern kann, ging sie nicht ein.
Montag, 5. Juli 2004 (So weit die Füße tragen)
Auch wenn ich mit einer Vier-Stopp-Strategie unterwegs war. Ich bin gelaufen. Im Morgengrauen. Wenn man anschließend pfeifend ins Büro geht. Des is' a net normal. Hoffentlich werd ich kein Inline-Skater oder Sublimierer. In der Euphorie wird man unvorsichtig. Und geht ans Telefon. Süddeutsche Zeitung. Vertrieb. Wegen des Probeabos vom Mai, das mir Claudia eingebrockt hat. Bei meinem sonnigen Gemüt sah ich die Dame nicht als Verkäuferin, sondern als Mensch. „Sehr gut hat mir das Probeabo gefallen... ja, berufstätig... da ich schon länger ohne Zeitung lebe, hab ich sie ziemlich vollständig durchgelesen... ein besonderes Angebot? Wissen's, i hob ja koa Zeit! Ich kauf doch jede Woche von den Kollegen dieses Buch...“ Als ich dann erklären wollte, daß man beim Buch nicht so leicht was weglassen kann, wie bei der Zeitung, weil beispielsweise die Bettszenen oft recht unvermittelt auftauchen, wurde schnell klar, daß die Dame vom Vertrieb einen zahlenden Kunden einem Menschen vorgezogen hätte. Als Henri Hochofen noch Peter-Handke-Fan war, wußte er nicht, was für Bücher dieser schrieb. Als Henri Hochofen noch Peter-Handke-Fan war, kannte er nur den Himmel über Berlin. Und ich wollte, so wäre es heute noch. Die Angst des Tormanns beim Elfmeter. SZ-Bibliothek 13. Ich glaub, das hab ich als Kind schon mal gelesen. Sollte ich mich je mit so was anfreunden. Dann morde ich selbst. Mich. Vielleicht bin ich ein Heilewelt-, Heilesprache-Typ. Wenn's so weiter geht, steig ich um auf Konsalik.
Dienstag, 6. Juli 2004 (Gewerkschaft läßt sich bezirzen)
Muskelkater. Und was heißt? Kein Sublimierer werden? Junior gibt neue E-mail-adresse und Handynummer bekannt. Beim Schmökern im Verteiler fällt auf. Wieso ist uns Anouschka noch nicht vorgestellt worden? Wenn Claudia mit dem Studium fertig ist, hol ich mir eine Krankengymnastin ins Haus. Tôbias bloggt, er sei medizinisch nachweisbar kein voller Säufer. Ja, der Fortschritt. Wachstumsprognosen gehen nach oben. Terror-Ultimatum läuft aus. Und eine Tochter von Beate Uhse schickt mir einen 75-Euro-Gutschein. Schön, daß man mich nicht vergessen hat.
Mittwoch, 7. Juli 2004 (Armstrong in Gelb)
Ich hasse Mannschaftszeitfahren. Übrigens wird haßen in der SZ-Ausgabe von Das Hotel New Hampshire konsequent mit scharfem ß geschrieben. Von Python und Java geträumt. Ominöses Entwicklungstool mit Geheimzeichen. Die Hochgeschwindigkeitskassiererin bei Lidl ist mir zu hektisch. Zumindest ohne Einkaufswagen. Vogelgrippe in Thailand. Wieso fährt Simone nicht nach Griechenland? Kein Sommer für Ambre Solaire. Hätte große Lust, gegen die Abholzung des Regenwaldes zu protestieren (→ Leserbrief). Die neue Frasier DVD eingeweiht. Jack Russel Terrier Eddie wird kastriert. Das heißt, auch bei den Cranes hat keiner mehr Sex.
Donnerstag, 8. Juli 2004 (Großer Lauschangriff auf Ärzte, Anwälte und Journalisten)
Man vergesse nicht die Physiker. Und Pädagogen jeder Couleur. Sonderbares Verhalten im Zusammenspiel mit Firewall und Tomcat. Manchmal geht's, manchmal nicht. Werbeplakate vor U-Bahn-Schächten gehören verboten. Lothar Matthäus würde sich nicht vor der Verantwortung drücken. Den Bock zum Gärtner machen? Beziehungsweise zum Greenkeeper. Muskelkater läßt nach. Vielleicht tu ich's morgen nochmal. Der Regen kühlt mein Verlangen. Claudia lernt. Und Justin weiterhin rein zweckorientiert.
Freitag, 9. Juli 2004 (Joyce-Liebesbriefe versteigert)
Bestehe darauf, daß Claudia meinen vernichtet. Sonst veröffentliche ich ihren zu Lebzeiten. A propos Joyce. SZ-Bibliothek 14 aufgeschlagen, Ein Portrait des Künstlers als junger Mann. Mit der englischen Ausgabe, ein Präsent von Homeboy K., noch in der Zeppelinstraße, bin ich nie sehr weit gekommen. Zumindest sieht sie sehr benutzt aus. Im Literaturhaus lesen heute unter anderem Heike Geißler und E. A. Markmiller. Mal sehen, ob sich da ein Homeboy zur Begleitung finden läßt. Pinakothek-Besuch XXI. Moderne. Bei so viel abstrakter Malerei darf man sich über verwirrte Gäste nicht wundern. Vor Motherwells Je t'aime, 1955-57. „Ist der nur so alt geworden?“ Lieblingsbild zunächst Les Romains de la décadence, Couture, auf einer Photographie von Thomas Struth. Aber dann trat ich vor Kandinskys Träumerische Improvisation, schämte mich und brach den Besuch sofort ab. Und jetzt gehe ich an den Fitness-Stepper. Für die Freunde der Sportschau. Webcam läuft weiter.
Samstag, 10. Juli 2004 (Die Legende vom Vermittlungsproblem)
Schröder meint, man müsse den Menschen die Gewißheit vermitteln, daß die SPD ein schlüssiges Gesamtkonzept besitze. Ob eine Kommission so was auf die Schnelle hinkriegt? In Autorenlesungen stehe ich vor dem gleichen Problem wie in Hochschulvorlesungen oder im Schulunterricht. Meine Gedanken schweifen ab. Schöne Aussicht vom dritten Stock des Literaturhauses. Alles wird sehr schnell vorgetragen. Es sind auch ein paar Kulturschlampen da. Und schon hab ich den Anschluß verloren. Und nur wenige Autoren sind in der Lage, mich wieder einzufangen. Junior schien mir nicht objektiv. Auch meine Adjektivschwäche wurde nicht gelindert. Anschließend trafen wir auf Number Four und die ehemalige Bassgitarre, die sich beruflich umorientieren will und/oder eine Familie zu gründen im Begriff ist. Meine Seeumrundungs- und Notarztparanoia möchte ich so schnell nicht mehr thematisieren. Ansonsten empfiehlt die Bassgitarre Korbresistenz und Alkoholexzeß. Noch mehr Korbresistenz kann ich Claudia nicht zumuten. Schon wieder Fahrt nach Niederbayern. Möchte daheim Linux installieren. Außerdem lockt das Studiengenossenfest. Alle Homeboys zugleich in der Heimat.
Sonntag, 11. Juli 2004 (Edite, Bibite, Collegiales!)
Mit Homeboy Junior auf der Autobahn. Staumeldungen erreichen uns wie üblich zu spät, schließlich war letzte Woche „Klestil an den Folgen eines Herzstillstands verstorben.“ Fluktuation im Lehrerkollegium sehr gering. Meine, bei zwei verschiedenen Sportlehrern, in zwei aufeinanderfolgenden Jahren, bei der gleichen Turnübung, an zwei verschiedenen Stellen gebrochene Nase weckte niemands Schuldbewußtsein. Ein Jungarzt reicht nach sieben Jahren endlich seine Premierenkritik ein. Das Übliche, was man Freud auch immer vorwirft. In Portugal schon Sommerferien. Dr. Friedrich Wilhelm Joseph Fichte bewundert die Krawattennadeln des Lehrers, der aus seinem Cabrio grundsätzlich keinen Mädchen zuwinkt, weil die immer gleich reinhüpfen. Der Marcel Reich Ranicki der lateinischen Literatur wagt sich mittlerweile an andere Lektüre heran als zu unserer Zeit. Caesar weiterhin ein bellum allergicum. Mein spärlich vertretener Jahrgang heute ohne Exzesse, da bis auf Tokio, Number Four und mich jeder von seiner besseren Hälfte begleitet wurde. Anzahl der in Erwartung stehenden Damen überraschte nicht. Bei der Kausalkette Wassergeburt → Babyschwimmen → Planschbecken → Psychoanalyse hab ich ein paar Glieder nicht mitgekriegt. Claudia meint, solange ich über sie schreibe, dürfe ich auch die Fixsterne der Vergangenheit nicht verschweigen. Nun. Einige waren da. Dies muss genügen. Dann kam die Vesper. Homeboy K.'s Schwester hätte mit einem normalen Homeboy-Abend in der Homeboy-Kneipe 8 gerechnet. (Sogar Oma hat es letzte Woche mit Simone dorthin verschlagen.) Aber das Homeboy-Quartett wurde erfreulich ergänzt. Es gibt eben doch noch Babysitter, standfeste Ehepaare und eineiige Zwillinge. Leider war es sehr laut, so daß ich die Konversation erst verfolgen konnte, nachdem Schwäbli zwei Tische in die Flucht geschlagen hatte. K. soll mit Anna-Karenina operiert haben. Ein paar Abenteurer hinter uns planen Arbeitsaufenthalt auf Bohrinsel. Dübeln in Dubai. Number Four will sich mit der ihm auserkorenen Rolle beim unlängst von Junior geforderten Homeboy-Gründungsmythos nicht anfreunden. In der Pfleggasse bringt der Kontrollverlusthomeboy schließlich den Abend auf den Punkt. „Schöne Felg'n!“
Montag, 12. Juli 2004 (TFK: Pilotprojekt Hartz IV)
Schluß mit den Absagen. Trainerfindungskommission soll Langzeitarbeitslosen nominieren. Claudia 39 Grad Fieber. Hab selbst schon Halsweh. Vitamin C, Zink, Salbei-Bonbons und ein paar Kondome. Möchte wegen des Zölibats meinen Einkaufstil nicht ändern. Warten auf die Berge. Und auf Ullrich-Wetter. 100 Jahre Pablo Neruda. Toda la noche he probado a encender la calefacción, pero no pudé. Dedalus' Englischlehrer wittert Ketzerei. Was kostet ein Ticket nach Nickelsdorf? Und wieso erfährt man das nicht auf den Seiten der Deutschen Bahn? Bei dem Tomcat, den ich direkt von Apache runterlade, tauchen die Probleme nicht auf. Dachte ich zunächst.
Dienstag, 13. Juli 2004 (Rechtschreibreform weiter unter Beschuß)
Wenigstens ein Lichtblick. Zum Halsweh ein Katarrh. Claudia scheint's auch noch nicht besser zu gehen. Liegt im Bett und guckt Verbotene Liebe. Mädchendummheiten. Würde man in Österreich sagen. Dedalus am liebsten allein oder in Gesellschaft phantasmagorischer Kameraden. Ich hätte nicht rauchen sollen. Mehrmals schweißgebadet aufgewacht. Nicht daß bei körperlicher Schwäche die Libido zunähme. Es läßt einfach die Fähigkeit zur Sublimation nach. Champions-League-Endspiel nächstes Jahr in Istanbul. Vielleicht kann die Karrierefrau von der Au ihren Hochzeitstermin entsprechend anpassen. Hausmeister versteht Spanisch. Heizung läuft.
Mittwoch, 14. Juli 2004 (Esser läßt das Klagen)
Und das Herz ist still. In unserem Schulungsraum ist es zu laut. An Apple a day keeps the edv-team away. Konnte mich nicht von der Arbeit lösen. Trotz Unzufriedenheit und Selbstvorwürfen erstaunlich viele hübsche Frauen auf dem Weg zur U-Bahn wahrgenommen. Claudia spült schon wieder ab. Genest schnell. Wohingegen bei mir. Jedes Leiden der Beginn einer langwierigen Kettenreaktion. Ärger über Immunschwäche. Trotzdem Glück, daß ich keine Frau bin. Mit mei'm Bechterew. Da fällt es schwer, zu jemand aufzusehen. Aus der Reihe Hochofen blamiert sich. Beim Bäcker. „I hätt' gern des Essener ['ɛsn̩ɐ] Brot!“- „Sie wollen ein Essener [ɛ'zeːn̩ɐ]?“ Die Internet-Explorer- Schriftgelehrten, die die Lautzeichen nicht vollständig entziffern können, seien auf die Hieroglyphen verwiesen. Lohnsteuererklärung unterschrieben. Hoffen auf Merz. Claudia sagt, die Engelke hat jetzt auch so 'ne Art Andrack. Schon wieder halb eins. Kein' Strich gelesen. Nichts aufgeräumt. Lediglich ein bißchen Konversation mit meiner Mitbewohnerin. Macht einem die Ataraxie nicht gerade leicht.
Donnerstag, 15. Juli 2004 (Fischer in China)
Starker Auftritt. Peloton vor den Pyrenäen. Endlich. Unerwartet tiefer Einstieg in den Quellcode. Lösungsweg immerhin vorgezeichnet. Überfüllte U-Bahn. Halte mich nicht gerne fest. Ohne Sagrotan. Noch weniger schätze ich untergründigen Körperkontakt. Vielleicht fällt nächste Woche mein Fahrradverbot. Claudia heimgefahren. Um mehr umsorgt zu werden.
Freitag, 16. Juli 2004 (Ad maiorem Dei gloriam)
Dedalus auf Exerzitien. Feierabend. Ein Nachmittag, wie ich ihn liebe. Warm. Aber nicht wolkenlos. Sturmfrei. Und in Frankreich lockt der Tourmalet. Wo war Ullrich? Wann verjährt illegales Schachspiel? Tag der ausgelassenen Möglichkeiten. Kein Sonnenrot-Festival. Kein Friedensengelfest. SPD-Werbebanner für die Agenda 2010. Auf Spiegel Online. Ob auch im Arbeitsamt Agendafahnen prangen? 1000 neue Ganztagsschulen. PISA-Test kapiert. Kassenbeiträge sinken- die Gesundheitsreform wirkt. Exportweltmeister Deutschland- der Konjunkturmotor läuft an. Und verdanken tun wirs euch.
Samstag, 17. Juli 2004 (Tour de France)
Route Paris-Dakar würde Ullrich mehr liegen. Mit dem neuen Träger der Wundmale Reiner S. vorm Homeboy Café 2 gesessen. Endlich mal wieder eine Top-Bedienung. Ob P. Pio und Therese Neumann auch beim Joggen gestürzt sind? Ließen Frenchy, der wieder Single zu sein scheint und mich seinem Begleiter als „ein Homeboy“ vorstellte, unbehelligt passieren. Stephen Dedalus, weiterhin sehr katholisch, beichtet seine Sünden der Unkeuschheit. Meine sind bald verjährt. Aufreißtipps für Reiner. Von den Auerhähnen lernen. (→ Leserbrief) Déjà-vu am Hauptbahnhof. Kann mich immer noch nicht erinnern, woher. Der Typ Frau, wegen dem ich wieder mit dem Drehen anfangen würde.
Sonntag, 18. Juli 2004 (GOOD MORNING, CHINESE TOWER!)
Samstag. 15:00. Bergetappe bei Karrierefrau von der Au (kurz KvA) angesehen. Frustrierend. 17:00. Verschiedene Straßenfeste in der Au nur kurz vom Gewitter unterbrochen. Der Schwester von Uwe die Philosophie eines Weblogs näher gebracht. Ähnliche Probleme wie Clarissa mit dem ständig ausbüchsenden Jean-Marie sollte ich viel viel später noch mit dem gegen halb sieben aus Regensburg erwarteten Castorp bekommen. Als auch die Wirtin aus Varasdin beim Straßenfest auftauchte, schien der weitere Verlauf des Abends vorgezeichnet. 23:50. Uwe blieb beim Baby. Seine Schwester mußte heut früh raus. Der Rest machte sich auf ins Gärtnerplatzviertel. Per Bus. Wegen der Straßensperre setzte uns dieser jedoch nicht dort ab, wo wir hinwollten. Wie lang dauert das jetzt wieder, bis wir beim Gärtnerplatz sind? „Mit diesem Körper und diesen Beinen! Keine sechs Minuten“,meinte ein vom Alkohol Gezeichneter, eine Reihe vor uns. Sonntag. 00:20. Alle Kneipen überfüllt. So ging es gleich nach Varasdin. Gut daß wir reserviert hatten. Doziere freimütig und offen über die perfekte Beziehung. Daß meine Theorien für soviel Gelächter sorgen, sollte mich beunruhigen. 03:30. Es spricht nicht mehr viel für den Kocherlball. 04:00. Neuer Tisch. Neues Glück. Vier Wasser, vier Kaffee und eine Apfelschorle. Castorp schnappte was von Fahrrädern auf. 04:40. Der Tisch war verschwunden. Jetzt mußte alles sehr schnell gehen. Devrim konnte die KvA von ihrer Schlüsselrolle bei der anstehenden Operation überzeugen. Lerne. Tarne dich beim Flirten mit erfolgreichen Frauen. 04:50. Taxi zum Englischen Garten. Kocherlball. 05:00. Chinesischer Turm. Fast alle Tische reserviert. Frühstücken trotzdem. Schmalznudeln mit Zucker würde ich eher Krapfen nennen. Sonnenaufgang. 05:30. Devrim, der seine früheren Erfolge meist beim Schnapsstand feiern konnte, bringt uns in Position. 05:45. Strategie prinzipiell richtig. Wiedersehen mit dem Tisch aus Varasdin. KvA hielt ihre Mission für beendet, konnte jedoch noch zu ein paar ganz schnellen Gläsern Prosecco überredet werden. 06:15. Ein Nebenflirtschauplatz macht die KvA darauf aufmerksam, daß sie ihre Weste verkehrtrum trägt. Devrim teilt einer der Berockten mit, daß wir nur wegen ihnen hergekommen seien. Castorp und ich ignorieren unsere Existenz. Irgendwann hat die Karrierefrau von der Au die besten Argumente und verabschiedet sich. Anders als die Kameraden schob ich gelegentlich alkoholärmere Getränke ein. 08:00. Castorp deutet manchmal auf die Tanzfläche. Er meint, daß es weiter vorn recht lustig sei. „Nächsts Johr miass ma do nei! Do herausd is' a Scheiss. Do miass ma nei!“ 08:20. Im Männerklo treff ich auf mehr Frauen als Männer. 08:45. Castorp lernt Danny&Sahne kennen und geht einigen Tattoos auf den Grund. Beide wollten nicht beim Heueinfahren helfen. „Dein Freund hälts aber nicht mehr lang aus...“ In der Tat war Castorp auf der Suche nach einem festen Halt. 08:55. Der Zierbaum erfüllt diese Rolle nicht. 09:00 Der Zierbaum fällt ein zweites Mal. 09:20. Castorp erschüttert die Grundfeste der maibaumartigen Schnapsstandbeschilderung. 09:30. Castorp findet, hier arbeiteten sehr nette Leute. Zum Beispiel der, welcher wegen ihm den Schilderpfosten halten mußte. 09:35. Schilderpfosten vom Security-Team gesichert. 10:10. Da Castorp wiederholt umzukippen droht, ordne ich den Rückzug an. Er aber entkommt wankend zur nächsten Theke und kehrt mit neuem Bier zurück. Kocherlball neigt sich dem Ende zu. Jedoch steht die Blaskapelle für das normale Sonntagvormittagsprogramm schon bereit. 10:20. Versuche, Castorp peu-a-peu vom Ort der Versuchungen zu entfernen. Irgendwie erreichen wir die Biertische und setzen uns zu zwei alten Großmüttern, die vorübergehend Asyl gewähren, gegen Elf jedoch Freundinnen erwarten. Der Kocherlball macht auch was aus. Und das schöne Wetter, meinten sie. Daß es so zuginge heute. Plötzlich fiel Castorp nach hinten. Ohne einen Tropfen zu verschütten. Wir hätten ihn viel leichter zurück auf die Bank bekommen, wenn er das Glas losgelassen hätte. „Hams des Übergewicht kriagt?“, meinte die Erfahrene, die das von ihrem Mann kennt. Die andere hatte auch mal einen Rausch, vor 50 Jahren, 1949, auf der Wiesn, da waren Amerikaner da und tranken Whiskey aus Flaschen. Seitdem sei sie vorsichtig. 10:40. Stimmen vom Nebentisch. „Den muass ma schlafa lassen, dann wird er von selber wieder...“ Unser Tisch. „Na, do kann er net schlafa. Mia brauch ma den Disch!“ 11:00. Castorp im Taxi. Uwe übernimmt.
Montag, 19. Juli 2004 (Bayern-Kader fast komplett)
Eine Lust auszuziehen war in seinen Füßen, die darauf brannten, sich aufzumachen ans Ende der Welt. Dedalus entscheidet sich gegen das Priesterseminar. So wie Florida-Rolf gegen Hannover. Mein letztes freiwilliges asoziales Jahr liegt auch schon etwas zurück. Von wegen, man sieht mir das Stigma nicht an. Attraktive junge Frauen eilen mir auf dem Bürgersteig entgegen. Heben die Salami auf. Lächeln mich an, daß mir beinahe die Joghurts aus den Händen gleiten. Vielleicht sollte ich grundsätzlich auf Plastiktüten verzichten. Liegengebliebene Post geöffnet. Rechnungen bezahlt. Derby verloren. Claudias Blumen gegossen.
Dienstag, 20. Juli 2004 (Ullrich hatte gute Beine)
Eine äußerst unangenehme Periode meines Lebens geht zu Ende. Wunde zu. Fahrad fahren erlaubt. Mangels Mitbewohnerin alleine bei Antonio. Zur Feier des Tages. Obwohl in einem beruflichen Meeting, wenn ich alles richtig verstanden habe, angedeutet wurde, daß diese Fragebögen zu Hartz IV für einige von uns interessant werden könnten. Einstündige Wanderung. Auf der Suche nach einer Cashpool-Bank. Der auf www.hochofen.de gelandete Googler der Woche suchte nach: Hetero? Da gibts doch was von ratiopharm. Wäre ein guter Untertitel für Traumschiff Surprise. Omnipräsente Vorberichte. Dauernd dieses Rumgetunte. Nervt schon bei Sokrates.
Mittwoch, 21. Juli 2004 (5000 Euros für Wessi-Beamte, die arbeitslose Ossis)
Beraten. Heiraten hatte ich zuerst gelesen. Wäre ähnlich umstritten. Temple möchte wissen, ob Dedalus glaube, daß Jean Jacques Rousseau ein aufrichtiger Mann war. Morgen kommt Claudia zurück. Konkurrenz bei Lidl. Wegen der Almighurt-Käsekuchen-Palette. Scheint noch einer die Regale zu filzen. Wilhelm seit Tagen nicht erreichbar. Was wird aus Nickelsdorf? Seine Mutter meint, er hätte sich aufgemacht, in Richtung Wien. Acht Tage bleibt er mindestens weg. Was denk ich da an Eichendorff? Zumindest hat er die Bergtour überlebt. Wo er so großen Respekt vor hatte. Mit Klinsmann kann man leben. Er kennt die Regeln. Zum Beispiel. Man darf öffentlich-rechtlich nicht über ARD-Sportmoderatoren herziehen. Es sei denn, es handelt sich um Du-Weißt-Schon-Wen. Ich darf den Namen aussprechen. Lord Waldemar. Hartmann.
Donnerstag, 22. Juli 2004 (Immer wieder Armstrong)
Kampf Mensch gegen Maschine. 14 erfolglose Stunden. Problem nicht gelöst. Aber gut beleuchtet. Frustrierend. Ich hasse Computer. Ich hasse Open Source. Schlechte Vorzeichen für das Wiedersehen mit Claudia. Dazu sorgt Dedalus für gewohnte intellektuelle Kränkungen. Vergesse jede Definition. Unangenehm im philosophischen Diskurs. Oder sind Definierer nur Munitionslieferanten für Sophisten und Rechtsverdreher? (→ Hoffnungslose Leserbriefe)
Freitag, 23. Juli 2004 (Ich liebe Open Source)
Es ist wie mit den Frauen. Solange die Bugs lösbar erscheinen, hat man Spaß daran. Was für ein freier Tag. Mehr für Arbeitgeber geschuftet als im Büro. Außerdem bei der Folge The Candidate von Dr. Frasier Crane minutenlang gelacht. Laut. Jahreskarte für die letzte Saison im Olympiastadion eingetroffen. Dieses Hochgefühl am Vormittag. Und ich hätte Claudia nach Nickelsdorf begleitet. Als Alternative bietet Homeboy Junior: einen Schmuddel-Italiener in Berg am Laim.
Samstag, 24. Juli 2004 (Bay. Staatsregierung bald straußfrei)
Homeboy Junior, der noch nie in New York war, kann seine Musikinstrumente endlich adäquat aufbewahren und führt uns durch Berg am Laim, außerdem läßt er nichts über Frauen kommen, die er einst geliebt hat. Homeboys eben. Number Four verurteilt das neue Ringsgwandl-Stück und kann sich an keine Gesangseinlagen mehr erinnern. Die Kritik betraf, so schien es mir, diese Art von Satire allgemein. Haarspalten und Kalauern weiterhin erlaubt. Als dann Filmkritiker Junior auch noch Woody Allens Gesamtwerk kategorisierte, war klar, daß ich mich nicht auf die Speisekarte konzentrieren konnte. Außerdem forsche Töne vom Entertainment-Homeboy, der das Conferencier-Talent der anderen in Frage stellte. Womit wir wieder beim Virtuosentum wären. Wer nicht in der Lage ist, einen Homeboy richtig zu spielen, bekommt nur Tonleitern serviert. Der Abend führte in der üblichen Weise dezimiert in die Innenstadt, wo Junior für Lennon, nicht ohne Stolz seinen großen Winter reminiszierend, Investoren und Partnersuchende in Einklang brachte. Zunächst die gründliche Marktbeobachtung, im richtigen Moment zuschlagen und gegebenenfalls das Produkt wechseln. Erstaunlicher Frauenüberschuß in Homeboykneipenneuentdeckung 17 & 4. Ob es daran lag, daß sich die Bedienung, gerade als wir aufbrechen wollten, zärtlich auf Juniors Schoß niederließ? Um ihn zu einem weiteren Getränk zu überreden. Junior ließ nicht fünfe grade sein, meinte aber, er käme wieder. Der Fangschuß, SZ-Edition 15, Marguerite Yourcenar, könnte Thomas Mann gefallen haben. Im Nachwort wird ein Ehrenkodex erwähnt, der verpflichtet, Frauen, die man nicht liebt, respektvoll zu behandeln. Gottlob liebe ich Claudia.
Sonntag, 25. Juli 2004 (Realsatire ist eine als Satire empfundene Wirklichkeit)
Junior macht mich auf meine unsaubere Handhabung des Begriffes aufmerksam. Brauche aber einen Terminus für eine als Wirklichkeit empfundene Satire. Silvester, der Bruder von Number Fours Mitbewohnerin, nahm im Homeboy-Café 2 dessen Platz ein. Juniors Kinder sollten am besten vom Papst erzogen werden. Der Christopher Street Day ließ uns kalt. Es war alles wie immer. Papyrus 7Q5 wird von Junior nicht dem Markus-Evangelium zugeordnet. Aber er glaubt ja auch nicht an die „Chimäre des Fortschritts“. Gestrige Bedienung vom 17 & 4 hatte ihren freien Tag. Junior vergaß seine Jacke, Silvester sein Fahrrad und ich den kategorischen Imperativ. Mit leiser Melancholie an letzten Sex mit Claudia gedacht. Nicht ohne von Erinnerungen an den besten Sex mit ihr überfallen zu werden. Es muß ein Ende haben. Der talentierte Mr. Ripley, SZ-Edition 16, der schon im Film keine Sympathien weckte, hat eben seinen zweiten Mord begangen. Immerhin wird das Zubereiten von Artischocke allgemein als schwierig empfunden. Vielleicht kann Homeboy Number Four sich wohntechnisch von Dickies Lebensstil inspirieren lassen. Der hat einen Raum im Sommer nicht benutzt. Um ihn als Szenewechsel für den Winter aufzuheben.
Montag, 26. Juli 2004 (Kann Kerry auf der Wechselwelle surfen?)
Solche Schlagzeilen sollten sich die Kollegen von Spiegel Online besser für Guido aufsparen. Schaufenster meiner Apotheke mit Olympia-Motiven dekoriert. Man gibt es also zu. Langsam hab' ich das Gefühl, daß Claudia mein ehemals ungebloggtes Tagebuch häufiger in Anspruch nahm als die Online-Version. Woher soll ich wissen, ob die Lidl-Kondome was taugen. Ich trete nicht mehr auf. Tom Ripley verbringt einen Tag in München, im Englischen Garten. Natürlich bei Regen. Libido macht mir Angst. Nicht, daß sie größer wäre als früher. Aber früher bin ich hinaus! Auch unter der Woch'. Und heut'? Heut' wart' ich, daß Claudia klopft. Zeit, mich neu zu erfinden? Zu revolutionär. Eher Zeit, mich neu aufzulegen.
Dienstag, 27. Juli 2004 (Junior vom Verfassungsgericht gestoppt)
Bleibt Homeboysache. Chianti, Pasta, Kaffee, Torte. Kollegen sorgen für schlechtes Gewissen. Und Lemke strebt Betriebsausflug nach Landshut an. Ehebruch mit Claudia. Nach Matthäus 5,28. Verschärfung auch bei der FIFA. Wer sein Trikot beim Torjubel über den Kopf zieht, hat bereits die Nichtausziehregel gebrochen in seinem Herzen. Gelbe Karte. Sempruns „Was für ein schöner Sonntag“ (SZ-Edition 17) könnte mich neu positionieren. Gymnasiallehrer Herr E. spottet über SZ-Bildungsbürgertum, findet Trolleys für DJs uncool und wird von jedem Türsteher eingelassen.
Mittwoch, 28. Juli 2004 (Rheuma-Kolloquium)
Der Arzt bittet ein paar Patienten herein. Stellt ihre Symptome vor. Und der Patient wird mit Applaus verabschiedet. Auch wenn keine Psoriasis dabei war. Schöne Schwellung. Geiles Röntgenbild. Weiter so. Bei einem sollten/wollten die anwesenden Kapazitäten gar die Diagnose stellen. „Noch nicht verraten!“ Weil der Hauptvortrag von der Pharmaindustrie gesponsert wurde, kamen die Nebenwirkungen einer neuen Spondylarthritis-Infusions-Therapie etwas zu kurz. Diclofenac on demand, wie ich es praktiziere, soll einer kontinuierlichen Einnahme gegenüber von Nachteil sein. Lodda Matthäus' Unterstützung der Entscheidung für Jürgen Klinsmann währte eine Woche lang. Bayern spielt sich ein, ich spiele Lotto. Claudia meint, mein Mathematikstudium wäre umsonst gewesen. Halte mich für ein Glückskind. Trotz allem. Ich sag nur. 1980. Frühlingsfest Deggendorf. Hauptgewinn. Ein Bayernbär. Man vergesse auch nicht meinen zweiten Platz bei einem Luftballon-Wettbewerb. Um die gleiche Zeit.
Donnerstag, 29. Juli 2004 (Kloster Andechs stellt Insolvenzantrag)
Bei unserem ersten Andechsbesuch hat Claudia gekotzt. Daß freie Journalisten immer über Kaiser Franz herziehen müssen. Darüber soll Number Four sich mal beschweren. Nach ereignisreichem Arbeitstag erwerbe ich hochwertiges Reinigungsgerät und putze das Bad. Glanz soll Claudia beschämen. Das Geheimnis heißt Scheuermilch. Wenn ich je als Handtaschendieb anfangen sollte, spähe ich mir Frauen auf Stöckelschuhen aus und flüchte treppab. Ein SS-Offizier aus Buchenwald wundert sich, was ein Spanier in der Arbeitsstatistik zu suchen hätte. Der einzige, der mir regelmäßig schreibt, ist und bleibt der FC Bayern. Gang durch den Park erklärt, warum Hundebesitzer(innen) nicht lang drum rum reden. Harry and Sally immer noch bezaubernd.
Freitag, 30. Juli 2004 (Blue Moon)
Elmar fünf Wochen im Urlaub. Die Frau mit dem Kinderwagen hätte leicht den Lift benutzen können. Nicht immer steht ein Gentleman bereit, wenn die Rolltreppe am Hauptbahnhof plötzlich stehenbleibt. Dann wär es wieder an mir gelegen. Dritte Heimreise kurz hintereinander. Hattrick. Im Regionalexpreß langsamer vorangekommen als erwartet. Mit Semprun. Auf der 8. Sitzung des panrussischen exekutiven Zentralkomitees im Februar 1919 hat Dscherschinski erklärt: „Ich schlage vor, die Konzentrationslager beizubehalten, um die Arbeit der Häftlinge, der Individuen ohne regelmäßige Beschäftigung, zu nutzen, also all derjenigen, die nicht ohne einen gewissen Zwang arbeiten können ...“ Dann schon lieber Hartz IV. Vollmond verpaßt. Simone doch nicht über München nach Frankfurt. Bekommt letzte Tipps für ihre erste Asienreise. Eher Thai-Ginseng als Gesang auf der ruhigen Geburtstagsfeier im elterlichen Hause. Eine den Tag zuvor älter gewordene Cousine läßt verlauten, der Zug sei abgefahren. Und Frau Dr. Pfeffer schätzt den Kocherlball, weil sie dann auch vom Sonntag was hat. Open Air am Bodensee. Das heißt für viele Anwesende und Verantwortung Kennende Sex, Drogen und Schlimmeres. Von solchen Veranstaltungen erfährt man immer zu spät.
Samstag, 31. Juli 2004 (Verschiedenheit von Mann und Frau)
Gott sei Dank. Feldmaus flüchtet vor unsrer namenlosen Katze auf die Geissblattlaube und hat sich nach Aussage von Familienangehörigen dort erhängt. Kein Platz im Homeboy-Café 17. So betrat ich unbekanntes Terrain, was prompt einen Pizzeriakellner auf den Plan rief. „Sind Sie allein? Folgen Sie mir!“ Erhob mich und folgte ihm zum Katzentisch. Nun war ich die Maus. Unweit saß Primavera, aber ich hab versucht, nicht hinzusehen. Gut, daß ich den Semprun dabei hatte. In Buchenwald wurde grad die Sonntagsnudelsuppe ausgeteilt. Anouschkas Anwesenheit führt zu unpolemischer Debatte mit Homeboy Junior über Billy Wilder. Nihilistisches Wehwehchen beim Nachhauseweg. Wurde von der allein heimkommenden Claudia nicht kuriert.
Sonntag, 1. August 2004 (Eurogames in München)
Als ob in Athen nur Heteros starten dürften. Sogar Claudia fühlt sich an die Paralympics erinnert. Nun verstehe ich auch das Breton-Zitat am Anfang. „...solche Bücher suche ich, die man wie zuschlagende Türen verläßt und deren Schlüssel man nicht suchen muß...“ Interessanter desillusionierender Roman. Schrankschwuchteln, postpubertäre Hormonstörungen. Homeboys überraschen mit neuen Termini. Melancholie.
Montag, 2. August 2004 (Bayern gewinnt Ligapokal 2004)
Auf die Siegerehrung könnte ich verzichten. Kann man sich den Pokal nicht zuschicken lassen? Der 75-Euro-Gutschein entpuppt sich als Mogelpackung. Wirklich gratis ist nur ein Werkzeugset mit u.a. Schrauber-Bit-Verlängerungsstück und 8-tlg. Steckschlüssel-Satz. Claudia findet das pervers. Vielleicht sollte ich mal wieder am Lerchenauer See spazieren gehen.
Dienstag, 3. August 2004 (Das Ende des Weltspartags)
Kinder arbeitsloser Eltern stecken wieder alles unter die Matratze. Pinakothekbesuch XXII. Alte. Moreelses blonde Schäferin tastet ihre rechte Brust ab. Nein, es war die linke. Lieblingsbild aber Adam Elsheimer, Flucht nach Ägypten. Stand vor Altdorfers Alexanderschlacht, als das Telefon läutete. Mein leiblicher Vater ist gestorben. Vor drei Monaten war die Beerdigung. Dreißig Jahre nichts von ihm gehört. Zunächst kühl aufgenommen. Erst jetzt bringt Claudia ein bißchen Quelle-Fluß-Apfel-Stamm-Metaphorik mit rein. Er war ein Freund von Dagobert. Ich von Donald. Ein Bild auf einer Kanone der Veste Coburg. 100 alte Mickey-Maus-Hefte aus den 60er Jahren. Nicht erhalten. Mein kleiner Teddy-Bär. Brumm brumm brumm. Das dürfte alles Positive sein, an das ich mich erinnern kann.
Mittwoch, 4. August 2004 (Merkel und Westerwelle können Schröder/Fischer nicht das Wasser reichen)
Wird Wasserträger Stoiber zitiert. Number Four kalauert doch auch. Über einen Sonntagsausflug an einen Moorsee. „Lang, kurz, lang.“ Was die hier für ein Bier ausschenken? Am Glas stand HB. „Hoaßt des net Hacker Bschorr?“ Genus von studia hätte ich wissen müssen. Wie komm ich auf studiae? Dafür verwechselt Junior Heraklit mit Demokrit. Was wieder mehr für Störig als für Hirschberger spricht. Und Biedermann mit Catterfield, was für keine von beiden spricht. Seine MP3-Sammlung hat sich voll gelohnt, auch wenn Number Four meint, hintergrundbeschallungsorientiert müßte sie noch mit Carla Bruni ergänzt werden. Und wenn ich mich nicht irre, wurde S. Hawkings zu S. Hawkens reduziert. Ein Antrag auf eine Homeboy-Neuaufnahme wurde mehrheitlich abgelehnt. Bekomme Abmahnung von der VG Bildkunst, welche das gesamte urheberrechtlich geschützte Weltrepertoire der bildenden Kunst vertritt. Mutmaßungen über Jakob begonnen. SZ-Bibliothek 18. In dessen Alter hat so ein Tag drei Stücke: die Zeit vor der Arbeit, die Arbeit, die Zeit nach der Arbeit. Dr. Söder fordert angesichts der neuen Arbeitslosenzahlen, Schröder solle augenblicklich seinen Urlaub abbrechen. Mehr Sex-Shops in München als Cashpool-Banken. Claudia meint. Ich schau' falsch. Ingo wittert Frauengeschichten. Weil ich mir das schönste Wochenende des Jahres, Schierling, entgehen lassen will. Er ist kein Stammleser.
Donnerstag, 5. August 2004 (Wo bleibt das Nirwana?)
Stunden mit Encodingproblem verschwendet. Richtig stressiger Arbeitstag. Magaths erste Auftritte stimmen optimistisch. Claudia braucht koan Sex mehr. Und wenn, dann geht's mich nichts an. Intimsphäre und so. Ich hab mein Privatleben überwunden. Das Sein und das Nichts. Ob ich das jemals lesen werde? Wenn wir wenigstens ein Sommerloch hätten. Dem Johnson liegt keine Übersetzung ins Hochdeutsche bei. Manche Sätze lassen sich semantisch nicht erschließen. Simone hat sich gut in Thailand eingelebt. Ginger will mir einreden, daß ein Flugzeug gegen die Erddrehung schneller fliegt. Dann weiß ich, wohin unser Kanarienvogel seinerzeit verschwunden ist. Er wollte eigentlich nur Regenwürmer holen. Muß etwas hoch geflogen sein. Bis er wieder runterkam, hat sich die Erde weitergedreht, und er landet auf der Freiheitsstatue in New York, wo er noch nie war. Wie der Homeboy mit dem rollenden R.
Freitag, 6. August 2004 (Rechtschreibreform frißt ihre Kinder)
Wir sind das Folk! Zufrieden und müde von der Arbeit nach Hause. Erster Meilenstein erreicht. Claudia hat sich den Hirschberger bestellt. Ich lass' mich nicht mehr provozieren. Abendplanung in Juniors Hände gelegt.
Samstag, 7. August 2004 (Da machscht wasch mit, bischt Rente kriegscht!)
Meinte ein siebenundzwanzigjähriger Badener in der letzten U-Bahn mehrmals. Als ich Reiner am Telefon eine Andeutung über anwesende Frauen machte. „In zwanzig Minuten bin ich da!“ Allerdings hat er uns im Hofbräu-Garten nicht gefunden. El número cuatro tenia obligaciones. Juniors neue Psychoanalytikerin (kennt auch Herrn E.) gibt Englischkurs für halbnackte Bedienungen in der Anschlußlocation. Two Thumbs up. Therapie schlägt gut an. Junior will sich nicht mehr verstellen. Künftig um seiner selbst willen geliebt werden. Wie im Ulrich-Seminar. Auf der anschließenden Ü-30 Party gab der Rehagel unter den Homeboys die Taktik bekannt. Die Räume eng machen. Das magische Dreieck, Junior, ich und Reiner, verteilte sich an strategisch günstigen Punkten, bis auch Junior einsehen mußte, es fehlten die Bälle. Bremen schon wieder im Glück. Bayern selbstkritisch. Das riecht nach Championsleague. Homeboy-Online-Aktivitäten waren schon erfolgreicher.
Sonntag, 8. August 2004 (Wiederauferstehung von Oskar Lafontaine)
Während sexsüchtige Homeboys orientierungslos in Bogenhausen herumirrten, führte das Schicksal mich an alte Wirkungsstätte. Weihnachtsfeier im Homeboy-Café 17. Christbaumkugeln. Lametta. Süßer die Renntiere nie springen. Die Jungfrau Maria verteilt Zigaretten und Spirituosen. Eine Stripperin als Santa Claus. Lennon hat es gut. Im Blickpunkt stand natürlich auch die Dame, der einst das ehrliche Lächeln von Homeboy K. auffiel. Schade nur, daß es nach drei nichts mehr zu essen gab, daß irgendwann die Polizei auftauchte und der Security-Chief das Bier der renitenten Gäste auf den Fußboden kippte. Also meines und Lennons. Im ersten Taxi wurde mir schwindlig. Im zweiten nicht mehr so sehr. Mutmaßungen über Jakob beendet. Den Nicht-Germanisten, dem das gefallen hat, möchte ich kennenlernen. Wenn ich knobeln will, scheitere ich lieber am Rätsel des SZ-Magazins. Sporadischer Sex verstärkt Leiden von Sexsüchtigen. Ich dagegen. Bin clean.
Montag, 9. August 2004 (Montagsdemonstrationen)
Wir wollen unsere Stasi-Jobs zurück. Erste Selbstmorde in der SPD. Claudia in Italien. Müde. Vitamin C und Zink. Diesmal keine Kondome. Harry Mulisch, Das Attentat, SZ-Edition 19. Nach Johnson durchaus erwähnenswert, daß man hier nicht jeden Satz mehrmals lesen muß. Hab's nicht mehr so mit Überraschungen. Erzählt einer aus der Ichperspektive, wüßte ich gern, wer spricht. Rufnummerunterdrücküng kann ich auch nicht leiden.
Dienstag, 10. August 2004 (Hartz IV zur Chefsache erklärt)
Die Pläne liegen bereits auf dem Tisch und werden zügig eins zu eins umgesetzt. In der Kantine. Nach dem Dessert. Liefen die letzten zwanzig Jahre an mir vorüber. Ohne Erkenntnisgewinn. Lediglich entsetztes Staunen. Über die verstrichene Zeit. Mulischs Attentat restlos aufgeklärt. Erwäge ernsthaft, demnächst einen Harry Potter dazwischen zu schieben. Der Mensch lebt nicht vom Krieg allein. Sportschau ohne Lord Waldemar. Haben die Potters der Bundesliga dann nicht zu leichtes Spiel? Bei der Torhüterfrage sieht Klinsmann, der bei Auswechslungen gern die Werbetonnen eintrat, wohl den größten Handlungsbedarf. Kafkaesk.
Mittwoch, 11. August 2004 (Brief vom Nachlaßgericht)
Sehr geehrter Herr Hochofen, nach Aktenlage sind Sie kraft Gesetzes und durch Ausschlagung ihrer Halbgeschwister zum Alleinerben berufen. Wittere die Schuldenfalle. Übergebe die Angelegenheit meinem „Agenten“. Number Four scheitert am Imperfekt von fugere. Schreibt der Jurist aus Varasdin seine Memoiren? Und vor wem ist er geflohen? Illegale Zigaretten geraucht. Wenn ein externer Anbieter auf deinem System nachweislich folgendermaßen vorgegangen ist.
> yast2
> rm /var/spool/mail/root
> touch /var/spool/mail/root
Und wenn anschließend nichts mehr geht... Aber die Isar fließt noch nicht bei München in die Donau. Neurosen kommen auch nicht mehr so gut an. Bei Frauen. Wie früher. Ingo hat das schönste Wochenende des Jahres im Krankenbett verbracht.
Donnerstag, 12. August 2004 (Neid und Mißgunst in der ARD)
Für Monika Lierhaus leg ich meine Hand ins Feuer. Erbe wird ausgeschlagen. Nach Rücksprache mit allen Experten. Number Four setzt nach. (→ Leserbrief) Im Bayerischen gibt's koa Imperfekt. Wegen Serverausfalls nicht in der Kantine gewesen. Kochen ohne Claudia macht keinen Spaß. Sexuell sehr aufgeschlossen. Masturbation gegen die Midnight-Crisis. Wetterumschwung. Das Schwitzen hat ein Ende.
Freitag, 13. August 2004 (Bierdeckelphilosophie)
Ab siebzehn Uhr im Homeboy-Café 17. Wenn man von Bierdeckeln Rückschlüsse auf ihre Benutzer ziehen kann, so wären Ingo und Lennon leicht berechenbar und linientreu. Wohingegen ich. „Das is ja ka Bierdeckel!“- „Des is eher eine Getränkekarte...“ Adliger Besuch in Varasdin. Ruth-Maria von F. zeigt Rheinländerin Nina das Münchner Nachtleben. Sie hat immer noch keinen Fahrradhelm und noch die eine oder andere Rechnung mit mir offen. Auch Piloten haben Kummer. Aber man fliegt sich. Wenigstens konnten die Damen für Schmalznudeln begeistert werden. Obwohl am friedlichen Höhepunkt des Abends, Ruth und ich hatten unsere Aggressionen im Griff, eine andere Sache zu eskalieren schien. Jemand mußte eine falsche Bemerkung gemacht haben. Ich tippe auf einen bayerisch-rheinländischen Übersetzungsfehler. Mir fällt nur der Bergsteiger ein, der sich kurz vorm Gipfelkreuz ein wenig umsieht, um das Panorama zu genießen. Und dann in eine Gletscherspalte stürzt. Gottseidank fuhr bereits. Die U-Bahn.
Samstag, 14. August 2004 (Just for one day)
Enttäuschende erste Halbzeit in Magaths Heimpremiere. Nach der traditionellen Nachspielpizza entschlossen, den Abend ruhig ausklingen zu lassen. Der Ruf der Wildnis war stärker als ich. Alle Wege führen nach Varasdin. Sie existiert also doch. Die Frau mit Charme und mit Humor. Die schreibt und liest. Und malt. Und vieles mehr. Und obendrein fast Single ist. Nachdem ich sie, nicht ohne über Juniors Marotte mit der letzten U-Bahn zu lästern, zur Nachtlinie begleitet hatte, mußte ich nochmal zurück nach Varasdin. Schirm vergessen. König Ludwig meint, ich hätte versagt, überhaupt sei dies sein Revier. Victor Jara und Gemahlin wollten wissen, wann ich sie wiedersähe. Zwei Wochen abzuwarten, sei zu lang. Radenkovic diktiert mir vielversprechenden Brief. Im Stile von: Nach Prüfung aller vorliegenden Fakten kann vom Antragsteller eine gewisse Sympathie nicht geleugnet werden... Und die Wirtin stellt noch ein letztes Fluchtachterl hin.
Sonntag, 15. August 2004 (Epikur hin oder her)
Diesen Kopfschmerz war es wert. Sie vergaß, ihren Knödel zu bezahlen. Ich, sie zu fragen, ob sie kochen könne. Nichts gelesen. Derek Wilders Homepage macht mehr Mühe als ursprünglich beabsichtigt.
Montag, 16. August 2004 (Thomas Linke nachnominiert)
Nur eine von Klinsmanns überzeugenden Lösungen. Zweieinhalb Mann-Tage für Fernwartung liefern mehrseitigen Bericht, für den allein schon ein Mann-Tag veranschlagt werden kann. Claudia kommt am Mittwoch zurück. Dem Zyperngras geht es gut. Im Herz der Finsternis, SZ-Edition 20, macht man sich ernsthaft Sorgen, daß Herrn Kurtz etwas zugestoßen sein könnte. Abspülen unumgänglich. Dereks laufende Bilderleiste fertig. Kirstin Otto hält die Stimmung bei der griechischen Goldmedaille im Synchronspringen für vergleichbar mit der Fußball-Europameisterschaft. Duineser Elegien zur Suggerierung von Leidenschaft nicht geeignet.
Dienstag, 17. August 2004 (DSV ging auch mit Almsick baden)
Aufgestanden. Gearbeitet. Eingekauft. Gegessen. Ohne poetische Minute übermüdet eingeschlafen. Es bleibt. Ein Traum. Damit Claudia morgen gleich wieder was zu analysieren hat.
Irgendein Waschsalon in Argentinien. Sehe zunächst nur Kaffeeautomaten, Trockenhauben, Schminknischen, keine Kunden. In irgeneinem der verwinkelten Räume treffe ich auf den Geschäftsführer. „Busco una lavadora.“ Nach kurzem Small-Talk antwortet er dann auf Deutsch. Wie er mich erkannt hat? „Sie haben studiert und sprechen perfekt.“ Erfreulich, wenn man dem deutschen Klischee entspricht. Anstatt einer Waschmaschine präsentiert er mir ein merkwürdiges Gerät mit u.a. messerscharfer rotierender tellergroßer Klinge. [Harter Schnitt] Befinde mich plötzlich vorm Waschsalon. Mit besagtem Gerät. Mir wird klar, das Ganze ist ein Film. Ich spiele die Hauptrolle. Anthony Quinn kommt vorbei und schneidet sich an der Klinge. Bin erfreut, daß der Film auch in den Nebenrollen gut besetzt ist.
Askese weitet sich auf Träume aus.
Mittwoch, 18. August 2004 (Olympia is coming home)
Kugelstoßen auf historischem Gelände. Genau da, wo ich 1988 stürzte und meine Brille zerbrach. Auf deutsche Pferde ist Verlaß. Opa-Überraschungsparty am Samstag wird unbestimmt verschoben. Fahre wahrscheinlich allein. Pinakothekbesuch XXIII, Alte. Ziemlich viel los. Muß an den klimatisierten Ausstellungsräumen liegen. Bei Rembrandts Auferstehung von 1661 dachte ich an das Fifa-Verbot des teilweisen Trikot-Ausziehens beim Torjubel. Lieblingsbild heute Konincks Flachlandschaft. Hier gleißt, nach Audioguide, der Fluß in seiner Mitte silbergrau. Claudia findet, ich hätte zugelegt. Als nächstes fährt Homeboy-Familie K. nach Italien. Postkarte angefordert. Homeboy Junior entwickelt Faible für Mürbegebäck. Und mein Notar bereitet die Erbausschlagung vor.
Donnerstag, 19. August 2004 (Workoholism)
Als ich das Büro um 22:45 Uhr verließ, mußte ich mich mangels Licht die Wände entlang tasten, um schließlich festzustellen, daß die Ausgänge verschlossen waren. But I'm not the only one. Folge dem Workoholic vom Nachbargebäude. Bekomme keine Pizza mehr bei Antonio. Bin nicht gut auf mich zu sprechen.
Freitag, 20. August 2004 (Sonderzug nach Oberfranken)
Wenn ich meinen nächsten Überraschungsbesuch in Angriff nehme, erkundige ich mich vorher, ob die besuchte Person in der Lage ist, die Tür zu öffnen. Ich sah eine Zeitlang recht alt aus. Opas Lebensgefährtin war Sauerstoff kaufen. Ob ich schon 150 Pfund an meiner Seite hätte? Diese Zahl wollte ich so nicht stehenlassen. Ob's nicht doch noch mal was mit Claudia wird? Man macht sich Sorgen um mich. Und gibt Tipps. „Schön muß sie sein, reich muß sie sein und dumm muß sie sein..., na ja, wenn sie net dumm is', hast du ja nichts vom Reichtum...“ Außerdem gesteht Opa in seiner Eigenschaft als Hobbymaler, daß er einem Kunstdruck, der an der Wand hängt, leichtsinnigerweise seinen Namenszug aufsetzte. „Ich hab mir 'dacht, da kommt's jetzt auch nicht mehr drauf an...“ Für die einzigen Irritationen der pünktlichen Bahnfahrt sorgt die Ansage im Zug: „Dieser Zugverband besteht aus drei Zugteilen mit drei unterschiedlichen Fahrzielen...“ Im Verfolger, SZ-Edition 21, verlebt Johnny Carters eine Viertelstunde in anderthalb Minuten. Lektüre der 90-Seitenerzählung (mit reichlich Platz zwischen den Zeilen) dauert nicht viel länger, so daß ich schon in Nürnberg für Lesenachschub sorgen mußte. Julio Cortàzar wird gespeichert.
Samstag, 21. August 2004 (Gold für Chile)
Homeboy Junior kam Dreiviertelstunde zu spät. „I hob mi verduscht!“ Fräulein Tolstoi kokettiert mit Intellektuellenproblem und Angie schmilzt bei Lederhosen dahin. Meine Erinnerungen an gestrigen Abend wirken vernebelt, unwirklich. War nicht präsent. Wollte aber auch nicht heim. Junior schüttet bestellten Schnaps ins Pils. So geht's nicht. Nicht in Varasdin. Die Wirtin räumt die Flasche nicht ab. „Do host no a weng wos drin! Trink aus!“
Sonntag, 22. August 2004 (Munchs „Der Schrei“ schon wieder gestohlen)
Gedanken an Sex mit Claudia erkalten. Claude Simon, Die Akazie, SZ-Bibliothek 22. Lange Sätze lassen mich manches überlesen, wobei aber feststehen dürfte, daß einer der namenlosen Protagonisten sich durch fayencefarbene Augen auszeichnet. Auch die kleinen Bayern kommen weiter. Simone sicher aus Thailand zurück. Griechen doch nicht fertig geworden. Mit flächendeckendem Doping. Tagträume.
Montag, 23. August 2004 (Ein-Euro-Flops)
War früh dran. Statt Praline und Brigitte liegen Illustrierte wie Madame, Feine Adressen und Atrium auf. Mit Papierbögen wedelnd laufen gut acht Sachbearbeiterinnen geschäftig durch den Flur. Eine geht schon heim. „Tschau-i! Gute Besserung“ Einfache Erbausschlagung ohne Kinder kostet 12,76 Euro. Da lass ich mir öfter was beglaubigen. Claudia verschmäht Iglu-Gemüsepfanne. Esse zu viel.
Dienstag, 24. August 2004 (Siebenmeterkrimis)
Gedopte Sportler bauen Führung im Medaillenspiegel aus. Pinakothek-Jahreskarte um eine Saison verlängert. Bin noch immer nicht durch. Besuch XXIV, Moderne. Lieblingsbild heute. Ernst Ludwig Kirchner, Frauen beim Tee. Obwohl diverse Akte zur Auswahl standen. Bemühe mich um neues Image. Aber wie ich heute morgen hörte, kann man seine genetische Persönlichkeit nicht einfach abschütteln. Heimat-Lidl noch schmuddeliger, als ich ihn in Erinnerung hatte. Beruflichliches Projekt tritt in erste Design-Phase. Geneviève sagt, sie will essen gehn, sobald sie wieder sie selber wäre. Claudia meint, so ein Prozess könne Jahre dauern. Was sind ein paar Jahre, wenn der Braten frisch zubereitet wird? Nun macht auch Gerhard Bekanntschaft mit Eiern. Wie sein Vorgänger. Springreiten-Reporter verkündet Mannschaftsgoldmedaille bereits vorm vorletzen Reiter. (Es gibt jedoch nur ein Streichergebnis) Er habe sich ganz kurz verrechnet. Weil der Computer ausgefallen war.
Mittwoch, 25. August 2004 (Halkia zur Dopingprobe)
Oder ist sie religiös? Neuer Bürostuhl. Da bleibt man gerne länger. Man kommt ins Freie, sieht auf die Uhr und meint, man wär ein Tier. Dann zieht man die Mittagspause ab und sieht, man hat kaum mehr gearbeitet, als sich Landesvater Stoiber täglich von jedem wünscht. Verdrängen. Verdrängen. Antenne Bayern sucht Comedy-Autor. Woraus wir lernen. Homeboy Junior liest wieder Stellenangebote.
Donnerstag, 26. August 2004 (Notfallpläne)
Wegen der möglicher Seuchen Asiatischer Grippevirus und Hartz. Die ganze Woche schon schlecht geschlafen. Nun auch noch Loserträume. Im ersten geleite ich eine homeboybekannte Dame durch den Park. Wir kommen an einem riesigen Baum vorbei. Dreißig Meter hoch, acht Meter breit. In den Stamm wurde eine Wendeltreppe geritzt, oben erkennen wir ein Baumhaus. Gestern stand er noch nicht da und auch andere Spaziergänger schauten verwundert zu ihm empor. Kurz darauf will sich besagte Dame aber nicht mehr zur U-Bahn begleiten lassen, sie habe kein Vertrauen zu mir. Aber einem Homeboy könne man doch vertrauen, protestierte ich, doch der Disput eskalierte und sie verschwand. Keine Angst vorm Homeboy! Der reißt nicht! Claudias Analyse können wir erraten. Im zweiten Traum beginne ich einen neuen Job in einem hervorragend besuchten Baumarkt mitten in der Fußgängerzone. Werde eingewiesen. Habe blauen Stift in der Hand. Male gedankenabwesend auf einen Eiseneimer einen Buchstaben, wie ich ihn schon auf anderen Gegenständen gesehen habe. Später sehe ich, daß ein Vorgesetzter just diesen Eimer herausnimmt und zur Seite stellt. Der Kollege, der normalerweise Leiterplatten bestückt, kehrt Kleinteile zusammen und wird von einem anderen Vorgesetzten bedauert. „Oaner wie du! Der miassat bei Siemens oabatn!“ Diclofenac wird auch nicht weniger. Traue kontinuierlicher Einnahme nicht. Claudia hat gesagt, in München hätten vier Bordelle geschlossen. Habe wohl mit meiner Askese wieder einen Trend gesetzt. Neugierig, wie Hockeydamen ohne Mundschutz aussehen.
Freitag, 27. August 2004 (Saharet neu erwacht)
Geschlafen wie ein Baby. Diclo wirkt also noch. Ein Kollege versucht, am Nimbus meiner Unsichtbarkeit zu kratzen. Dopingpatriotismen. Griechen verzögern 200-Meter Start. Ungarn stoppen Kontrolleure und verhindern die Urinprobe. Claudia macht Papstwitz. Wenn Tôbias so drauf ist, wie sein heutiger Blogeintrag vermuten läßt, darf sich Regensburg auf ein turbulentes Wochenende freuen. Homeboy Junior comes to where the flowers are. Number Four findet meinen Einsatz für die deutsche Bibliothek übertrieben. Sein Bruder ist ja in der Schlagwortnormdatei, oder ist das die Personennormdatei. Sogar Sherlock Holmes ist drin. Vergessen wir auch nicht Pinakothek-Kurzbesuch XXV. Alte. Lieblingsbild. Federico Barocci, Christus und Magdalena. Die Männer sind alles Verbrecher. Im Prater blüh'n wieder die Bäume. Donna Clara. Bel ami. Nein, nicht in Varasdin. Am Theatrongelände. Die Isarbellen. Vor uns eine unangenehme Großfamilie, die zusammen sitzen wollte. Junior freut sich morgen auf klassisches Mundharmonika-Konzert.
Samstag, 28. August 2004 (Debakel in Leverkusen)
Man möge mich die nächsten Wochen nicht auf Fußball ansprechen. Wieder Theatron. Junior pünktlich. Diesmal ließ mich Eliza eine Stunde warten. Sie habe verschlafen, aber – ach wie süß – von uns geträumt. Besser als verduscht. Der Mond schien helle. Wein paßt besser zum Theatron als Juniors Plastikbier. Eliza, immer noch mit rollendem R, aber ohne Teleskopschuhe, zeigt uns Schwabing. HOMEBOY GOES LEOPOLDSTREET. Eine Frau, die die Homeboys zu handlen [sprich: händeln] weiß. Waren stolz auf sie. Auch wenn Junior die letzte U-Bahn verpaßte.
Sonntag, 29. August 2004 (Pläne liegen wieder auf dem Tisch)
Und werden ab 2006 zügig eins zu eins umgesetzt. Wenn ich von der Bürgerversicherung überzeugt bin, wieso warte ich bis 2006? Eliza meint, sie wäre nach dem Ameisenbär des rosaroten Panthers benannt. Bremen patzt genauso. Damit hält sich der Rückstand in Grenzen. Olympiade endlich zu Ende. Dem Homeboy Number Four sagt angeblich auch keiner was. Hana, die Pflegerin des englischen Patienten, SZ-Edition 23, hat sich die Haare geschnitten.
Montag, 30. August 2004 (Schröder tritt nicht zurück)
Es kann nicht um Personen gehen, sondern es kann nur um die Sache gehen. Und früher ging es scheinbar um Personen. Weitere Zeichen für das Finale einer großen Liebe. War das erste Mal beim Friseur. Seit dieses Online-Tagebuch existiert. Und nein, das war nicht der Grund, daß es zu Ende ging. Claudia ohnehin nie zu Hause. Fußballdebatte mit Homeboy Number Four. Selbstgerechtigkeit und Arroganz. Hüben wie drüben. Gut daß Homeboy K. im richtigen Moment telefonisch dazwischenfunkt. Kündigt sich gewohnt vage an. Ob es bei Number Four wirklich nichts zu essen gibt? Simone hat eine neue Wohnung in Regensburg gefunden und will weiter Handball spielen, solang' der Körper no' mitmacht.
Dienstag, 31. August 2004 (Ende der Pressefreiheit)
Keine Paparazzi mehr im Schlafzimmer von Oliver Kahn. Der englische Patient scheint einen Freund gefunden zu haben. Muß mich langsam für einen Zahnarzt entscheiden. Spiele auf Zeit. Eliza macht Claudia nervös. VG Bild-Kunst ausgezahlt. Hoffentlich setzt sich Magath durch. Fleckenspray, Waschen und zu müde zum Lesen. Irgendwas mach ich falsch.
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[weiter zum September 2004]
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