Tagebuch von Henri Hochofen
Juli/August 2005
Freitag, 1. Juli 2005 (Lieber will ich sündigen mal)
Traue der Stabilität des Systems nicht. Nadja entwickelt fleißig. Schröder läßt sich das Mißtrauen aussprechen. Weiter ohne Vision für neue Politik. Herr E. legt auf. Reinhilde war lange der einzige zahlende Gast. Das Ministerium unterstützt eindeutiges Mobbing. Und Jasmin gelingt es, im Anschluß an einen Kneipenabend, draußen mit untergehender Sonne am Fluß, ein paar Minuten mit mir zu telefonieren. War das Telefonsex? Wenn ja, dann. Communicatus Interruptus. Vielleicht kam ihr Mann grad hinzu. Vielleicht hätte ich ihren Schlafanzug doch nicht beschlagnahmen sollen. Wegen der niedrigen Besucherquote ging der Abend weiter. In Varasdin. Dabei wollte ich den Alkohol meiden. Wegen eines Alptraums, in dem Jasmin eine tragende Rolle übernahm. Der Konflikte nicht scheuende Benedikt fühlt sich ausnahmsweise nicht als Tattergreis. Ein Tief sorgt für Abkühlung und Regen. Es hieß Yassin. Nicht Jasmin. Gottseidank. Hochs halten länger.
Samstag, 2. Juli 2005 (Kurztrip nach Niederbayern)
Jasmin ist traurig. Das wollt' ich nicht. Auto heimgebracht. Papa werkelt zehn Tage nach der OP bereits im Garten rum. Seit die namenlose Katze eine Glocke hat, hat sie keine Maus mehr gefangen. Oma hat meine Hosentaschen geflickt. Und Jasmin ist immer noch traurig. Ich muß jetzt eine Schachtel Zigaretten rauchen.
Sonntag, 3. Juli 2005 (Küchendienst)
Jasmin ist ein bißchen weniger traurig. Am Checkpoint Charlie wird es ernst. Kann mich den Protestaktionen nicht anschließen. Denn ich führte meinen eigenen Kampf. Zwei Stunden mit der Saugglocke. Gegen Überlauf und Ausguß. Obwohl ich nicht gekocht habe. Und die Cafetière so gut wie nie benütze. Als auch das Aufschrauben nichts bewirkte. Von einer Küchenflutung abgesehen. Da sah ich meine Tage in Milbertshofen bereits gezählt. Zumal ich feststellte, daß der Schaumstoffbelag des Teppichs am Küchenboden festklebt und sich nur mit einem Schaber lösen läßt. Aber wie Olli Kahn sagt. «Immer weiter. Immer weiter.» Ich hab's geschafft. Alles fließt. Claudia liegt irgendwo am Ammersee. Die Lust auf die Tour ist mir schon nach einer Etappe vergangen. Rückgemeldet. Kleine Kurskorrektur bei den Belegungen fürs nächste Semester. Der FcB trainiert bereits. Lafo und Gysi schon bei Elf Prozent. Das möcht' ich erleben, daß sie auch noch an der SPD vorbeiziehen. Vielleicht an dem Tag, an dem Gerhard Schröder zum Ehrenvorsitzenden ernannt wird. Mit Homeboy Number Four über Ost- und Genfer See parliert und über kluge Arbeitskollegen. Und anschließend, ich war gar nicht darauf gefaßt. Sonny Homeboy Junior wieder an der Harp. Öffentlich. Live in Schwabing. Zusammen mit Depardieu. In der Session. Der Musikkritiker neben mir meinte. Er hätte eine kaputte Harp erwischt. Aber er hat ohnehin meistens gesungen. «So hab ich den Song noch nie gehört. Zu zweit gesungen. Na klar. Is' a Riesennummer. Ham' ja auch die Stones gespielt. Sicher. Von Robert Johnson adaptiert....» Und auch Jasmin läßt mich wieder glücklich sein.
Montag, 4. Juli 2005 (Kommissar Ehrlicher geht in die Politik)
Dunkle Wolken. Keine E-Mail von Jasmin. Zwischen Unruhe und Vorfreude. Homeboy K. hat endlich wieder Nachtdienst. Zigarettenqualm. Auch keine sms. Augustiner Helles. Abfluß schon wieder verstopft. Toru will nicht in die Scheidung einwilligen. Wassermelonen lassen ein Faß zum Überlaufen bringen. Und Claudia hält nichts von Paartherapie.
Dienstag, 5. Juli 2005 (Schröder verspricht Wahlkampf wie noch nie)
Hoffentlich halten die Deiche. Heute kann mich auch meine Antimaterie nicht erschüttern. Jasmin hört niederbayerische Staumeldungen, aber ich reise ohnehin per Bahn an. Fertigstellung von Dereks mp3-Shop läßt mir nicht viel Zeit zum Packen. Claudia freut sich auf die sturmfreie Bude. So glücklich zu sein, steht mir nicht, meint sie.
Mittwoch, 6. Juli 2005 (Die Einheit vollzieht sich)
Regensburg. Unser Vermieter holt mich vom CinemaxX ab. In einem blauen Mazda. Und fährt mich zur gebuchten Pension. Bis Jasmin eintrifft, klärt er mich über die Bevölkerungszusammensetzung des Stadtteils auf. Gibt Gastronomie-Tipps. Und erwähnt am Rande. Daß er ein Verhütungsmittel vor die Balkontür geschoben hat. Bauarbeiten. Bagger und Preßlufthammer. Aber wenigstens ein Bett, das nicht aus den Fugen geriet, wie noch in Wien. Jasmin gesteht, daß sie im Osten geboren ist. Ich kann mich gut in ein ostdeutsches Schicksal hineinversetzen. Und stelle mir vor. Ein Weihnachten in Ostberlin. Und sie ist mein Westpaket.
Donnerstag, 7. Juli 2005 (Unser erstes selbstgemachtes Frühstück)
Rechne nicht mehr in Murmeltiertagen. Scheinen Murmeltierwochen zu sein. Auch wenn Handwerker schon gegen sieben im Hof rumhämmern. Auch wenn meine Haare nicht geschnitten sind. Auch wenn ich vor lauter Muskelkater nicht mehr laufen kann. Auch wenn Jasmins Handy laufend läutet. Auch wenn der ersehnte Spaziergang im Regen den Kaugummi in meiner Jeansjacke aufweicht. Auch wenn die Sight-Seeing-Tour nicht von Erfolg gekrönt war. Auch wenn unsere Versuche, den Alltag nachzustellen, mich nur noch verliebter machen. Ich bin glücklich. So glücklich, daß ich aufpassen muß. Mich nicht an diesen Maßstab zu gewöhnen. Für den Fall, daß Jasmins Mann eine neue Chance bekommt. Eins-Zwei-Drei angeguckt.
Freitag, 8. Juli 2005 (Im Lesesaal)
Obwohl wir uns längst verabschiedet haben, macht mich Jasmin fünf Stunden später noch im Lesesaal ausfindig. Spätestens da muß mein poetisches Gedächtnis kapituliert und ihr unbegrenzte Schreibrechte erteilt haben. Kontraste am Bahnhof. Hier ein Abschied von Jasmin, der Nebeneinsteiger lautstark auffordert, sich an uns ein Beispiel zu nehmen. Und am anderen Ende des Gleises. Hagen. Hauptbahnhof. 22:30 Uhr. Trostlosigkeit. Tristesse. Und ein Hotel, das den Namen nicht verdient.
Samstag, 9. Juli 2005 (Studientag)
Mit Toto aus Südfrankreich anschließend noch in die Hagener Innenstadt, die sich vom Hauptbahnhof nur unwesentlich unterschied. Wenigstens schien die Sonne. Und die Pizza war fantastisch. Wir sprachen über die Riviera und die Ostsee, Klinsmann und Sepp Maier, die Liebe und den Wein. Über Languedoc Roussillon, das in Septimanie umbenannt werden soll. Über die Liebe. Über Compilerbau, wobei, das Thema kam nicht von mir. Und über die Liebe.
Sonntag, 10. Juli 2005 (Hannover, Berlin)
Kein Duschgel im Hotel. Und immer noch kein Rasierschaum. Hannover und Berlin schließen meinen Deutschland-Trip ab. John-Homeboy und Gemahlin sind in Erwartung. John kennt übrigens auch eine Jasmin aus Garmisch, aber nicht nur die Haarfarbe stimmt nicht überein. Die Kinder fühlen sich recht wohl in ihrer Heimat Niedersachsen, wie ich in einer objektiven Befragung feststellen konnte. Homburg, Homeboys und Hormone bestimmen den Gesprächsverlauf. Zu spät am Checkpoint Charlie. Zur Freude von Homeboy Number Four sind die Holzkreuze weg. Im Zug träum' ich von Jasmin. Und im Wagen 34 ist die Klimaanlage ausgefallen. Ganz abgesehen davon, daß der Reisebegleiter drauf und dran war, das eine oder andere scheinbar herrenlose Gepäckstück aus dem Zug zu werfen.
Montag, 11. Juli 2005 (T-Mobile will Armstrong-Team platt fahren)
Warten auf die erste Bergankunft. Elmar dokumentiert fleißig. Jasmin tröstet, bedrückt und erfreut. Kollegen fordern Kommunikation per ICQ. Claudia doziert über Liebe, Affäre und Partnerschaft. Dabei wollt' ich nur wissen, was sie ihrem Geliebten erzählte. Als sie noch mit mir zusammen war. Köhler hat noch ein paar Verständnisfragen. Also auch hier dunkle Wolken. Über dem gestern noch so ersehnten Monat September.
Dienstag, 12. Juli 2005 (Nichts Neues in den Alpen)
Mal soll man aktiv warten, dann soll man wieder passiv warten. Wer kennt sich da aus. Mit Angelina wäre es sicher unkomplizierter. Würde mich gerne einfrieren lassen. Unbezahlte Überstunden wegen eines Wolkenbruchs. Mir droht eine doppelte Urlaubsvertretung. Claudia sagt, ich müßte cooler werden. Toto aus Südfrankreich hat mir zum Snowboard geraten. Ich kauf mir eine Schachtel Zigaretten und laß ein bißchen Zeit verstreichen. Bin zu verliebt, um cool zu sein.
Mittwoch, 13. Juli 2005 (Und die Welt hebt an zu singen)
Man zeige mir einen Menschen, der glücklicher ist als ich. Und ich quadriere den Kreis. Nothing lasts forever. Oder wie Claudia immer sagt. Man soll den Tag nicht schon am Vorabend loben. Microsoft-Sicherheitscenter spielt mir einen üblen Streich. Das Selbstmörderhaus hat den Besitzer gewechselt. Tour für Jens Voigt vorzeitig beendigt. Wie weiland. Als ich in jenem legendären 1000-Meterlauf an John Homeboy vorbeizog. Mir das gelbe Trikot überstreifte. Und an der 200-Meter-Grenze einen Kräfteeinbruch erlitt. BUGA macht Defizit. Vielleicht gibt's da auch einen Ausstellungskatalog. Mein Zeitgefühl ist ein wenig durcheinander. Schlafe beim Essen ein. Wache um halb vier auf. Topfit. Das muß der Jetlag sein.
Donnerstag, 14. Juli 2005 (Kneipp-Woche)
Wechselbäder stärken das Immunsystem. Ein trauriges und trotzdem schönes Zwanzig-Euro Telefonat. Claudia meint, da hätte ich auch gleich selber nach Köln fahren können. Um mit Angelina über den Friedhof zu spazieren. Wollte mich betrinken. Aber ich hab' gar keine Lust, die Flasche zu entkorken. Neue persönliche Bestleistung bei der Heimfahrt mit dem Fahrrad. Beinahe hätte ich einen den Spazierstock-Quer-Über-Den-Lenker-Halter zu Sturz gebracht. Immerhin keine unbezahlten Überstunden. Heute.
Freitag, 15. Juli 2005 (Limes wird Weltkulturerbe)
Mir ist er zu süß. Ein blaues Sommerkleid streift meine Erinnerung. Erste Programmier-Experimente mit Hibernate und Threads, wobei ich den gewünschten Effekt nur mit einem periodischen sleep(250) erzielen konnte. Am Telefon meldet sich der Vorsitzende einer Kommission für Sowieso. Die übliche Konfrontation mit meiner Antimaterie. Junior lädt die anwesenden Homeboys in den Biergarten, wo man mir den Radi frisch zubereitete, jedoch besser das Schnittlauchbrot ausgetauscht hätte. Es war mal an der Zeit, Junior auf einen kleinen Tick anzusprechen. John steht kurz vorm Oberarzt. Number Four findet Zürich doch nicht mehr erstrebenswert. Vierzig-Stunden-Woche im neuen Job macht ihn müde. Angeblich hält sich jeder Homeboy insgeheim für den einzig normalen Menschen. Juniors interessanter Vortrag über das digitale Fernsehen und die geeignete, stockwerkabhängige Antenne wurde von der einen oder anderen sms unterbrochen. Es galt Sperlinge zu beschlagworten. Fahre gern am Karolinenplatz vorbei. Großangriff auf Google- und MSN-Cache. Wegen des verschwundenen Junis. Witzeleien über Fernwärme.
Samstag, 16. Juli 2005 (Immobilien machen nicht glücklich)
Ich seh's an meinem Luftschloß. Was hab' ich da nicht reingesteckt. Abkaufen tut es einem sowieso keine(r). Und allein drin wohnen ist auch nix. Richling möchte vorm Kocherlball noch nach Varasdin. Aber dieses Jahr hab' ich mir vorgenommen. Nüchtern einzutreffen. Treffpunkt um fünf Uhr a.m. am Chinesischen Turm. Privat-Wiki installiert. In der Hoffnung, daß viele dunkle Wolken, wenn sie erstmal analysiert und notiert sind, sich letztendlich doch nur als Ansammlung von Wassertröpfchen herauskristallisieren. Hartz I. geht. Hartz IV. bleibt. Lafo in den Umfragen schon bei 12 Prozent. Mittlerweile besteht wegen ständiger kleiner Regengüsse die Gefahr, daß der Kocherlball ausfallen könnte. Dann stünde ich da. Und hätte mich umsonst aufgespart. Den EQ, den man mir neuerdings zuspricht, muß ich irgendwann bei Claudia aufgeschnappt haben.
Sonntag, 17. Juli 2005 (Kocherlball 2005)
Er fand also doch statt. Benedikt sagt bereits um drei ab. Number Four verschläft. Kommt aber noch rechtzeitig, um Richling bei der aktiven Partnersuche zu unterstützen. Auch Baggio hat sich ein bißchen umgesehen. Richling hat schon mal bei ihm gekauft. Mal wieder Anlaß für ein So klein ist die Welt. Dann auch noch ein bekanntes Gesicht aus Niederbayern. Die Karrierefrau von der Au meinte, sie hätte keinen Babysitter. Aber zuverlässige Quellen berichteten, daß ihr Mann bereits um ca. vier Uhr nach Hause gekommen sei. Gibt es einen besseren Babysitter? Bei der Heimfahrt hab' ich mich mehrfach verfahren. Was ich erst bemerkte, als ich plötzlich die Isar überquerte. Dann weckt mich Benedikt um elf. Wegen eines „Wie war's?“. Wenig später läutet das Telefon erneut. Bekomme Überraschungsbesuch. Mein Magen spielt verrückt. Das Altpapier ist schon weg. Die Betten sind in der Maschine. Sorgen bereitet noch das Bad. Claudia ist nicht da.
Montag, 18. Juli 2005 (Sonderurlaub)
Kurzfristig Urlaub eingereicht. Wegen eines sportlichen Kräftemessens mit meiner Besucherin Lara. Fahrradetappe die Isar entlang. Das Bergtrikot ging knapp an mich. Ein Siegerkuß bei voller Fahrt kann ins Auge gehen. Der Regen überraschte uns. Und anschließend überraschte uns auch, daß die Toiletten in Biergärten bei Regen früh geschlossen werden. Lara bestellt Banane auf die Pizza. Ich bleibe bei Salami.
Dienstag, 19. Juli 2005 (Vita activa meets vita contemplativa)
Ausgeschlafen. Auf dem Sportprogramm heute. Bergwanderung mit tierischem Panoramablick. Tretbotfahren um eine einsame Ente im Staffelsee. Und Lara will auch noch Tanzen gehen. Claudia meint, ich solle auf mich aufpassen. Der Oberstaatssanwalt drängt auf Karten für den Liga-Pokal.
Mittwoch, 20. Juli 2005 (Game, Set and Match)
Lara möchte wissen, ob es in Münchner Discos immer so offenherzig zuginge. Und wieder ging der Sieg an mich. Am Centre Court. Wenn auch nur mit 6:4. Wie lange dauert der Zyklus? Leute in Schwabinger Kneipen, die aussehen wie Olli Kahn, wirken nicht gerade vertrauenseinflößend. «Die Rationalität ist das Schlagzeug des Geistes.» Lara leicht kränklich. Endlich. Die große Stunde meines Traubenkernkissens. Dafür blieb mein Kamillentee unberührt.
Donnerstag, 21. Juli 2005 (Köhler verkündet Neuwahlen)
Neuneinhalb-Minuten-Frühstück. Lara erholt sich. Wanderung um Andechs. Schon wieder Regen. Teilen das letzte Zitronen-Kaubonbon. Steine am Ammersee. Eis in Neuhausen. Diskrepanzen bei der Auslegung des Wortes Jetzt. Lara schläft nicht nur bei Frazier ein. Außerdem will sie wissen, wie verrückt ich wäre und ob ich etwa gar an UFOs glaube.
Freitag, 22. Juli 2005 (Vergangenheitsbewältigung)
Nußkuchen zum Frühstück. Lara kauft sich einen Kunstdruck. Ein Anruf erfordert Biergartenkulisse und versetzt sie in Euphorie. Die Gelegenheit wollte ich nutzen und ihr meine letzte noch unbekannte dunkle Seite nicht vorenthalten. Die da wäre. Meine Bekanntschaft mit den Homeboys. Die sich relativ artig im üblichen Café antreffen ließen. Der Schnäppchen-Homeboy begrüßt uns gleich mit dem neuesten Aldiangebot. Number Four lästert u.a. über Checkpoint Charlie, Kocherlball und Theater im Englischen Garten und bringt zwei „Wie kam's?“ an die Frau. Junior hat sein Umzugstrauma immer noch nicht überwunden und täuscht Amnesie in Sachen Umzugskartons vor. Im Ramen von mißlungener Vergangenheitsbewältigung läßt auch Number Four noch mal eine Unterm-Tisch-Szene aus dem Jahre 1995 Revue passieren. Damit dürfte Lara einen relativ repräsentativen Homeboy-Überblick gewonnen haben.
Samstag, 23. Juli 2005 (Der Kaffee ist fertig)
Lara kürzt die Koteletten. Und schneidet mein Haar. Unterliege im Fingerhakeln. Tränen, Schweiß und Possessivpronomen. Und wieder eine melancholische Bahnhofszene. Ihre Augen, die mich anleuchten. Die Lichter des letzten Waggons, die in der Dunkelheit verschwinden. Wie in Trance steige ich anschließend in einen falschen Zug und merke es erst beim übernächsten Halt.
Sonntag, 24. Juli 2005 (Armstrong siegt zum siebten und letzen Mal)
Claudia hat sich einen Schwangerschaftstest gekauft. Hab' gar nicht gemerkt, daß sie Sex hatte. In der letzten Zeit. England kommt nur noch für FKK-Touristen in Frage. Wieder nichts gelernt. Hab den ganzen Tag gegessen oder geraucht. Von der ein oder anderen sms abgesehen. Brüte was aus.
Montag, 25. Juli 2005 (Ehapa Verlag bringt Carl Barks Werkedition heraus)
Mein Donaldistenherz schlägt höher. Lara will Tennisstunden nehmen. Kahn hat Schmerzen. Sagnol will Taten sehen. Raab versucht zu voltigieren. Gegen Elf eingeschlafen. Um zwei wieder aufgewacht. Drei Mails von Lara. Bin ich wirklich schon wach? Es muß ein Traum sein. Leg mich nochmal hin.
Dienstag, 26. Juli 2005 (Bayern braucht noch ein paar Tage)
Claudia findet es unbayerisch, keinen Zwetschgendatschi und keine Weißwurst zu mögen. Dem Oberstaatsanwalt senior ist die Allianz Arena etwas zu laut. An Laras verlorene Sonnenbrille gedacht. May Kasahara jobbt in einer Perückenfabrik. Ingo läßt anfragen, warum ich für Schierling noch nicht zugesagt habe. Ich denke nicht mehr über die nächste mail hinaus. Schließlich kam schon wieder ein Dementi. Es war alles nur ein Traum.
Mittwoch, 27. Juli 2005 (Jedem Ende wohnt ein Anfang inne)
Aufgrund eines unveröffentlichten Leserbriefes werden die letzten Monate ein weiteres mal überprüft. Wahrscheinlich werden sie wie schon bei Claudias Affäre mit einem Kommilitonen. Wenn erst mal Gras über die Sache gewachsen ist. Unverändert wieder publiziert. Die zweite ebenfalls nicht veröffentlichte Zuschrift meines neuen Stammlesers erinnert Claudia an Männer. Aber. In uns'rer WG wird erstens kein Zimmer frei. Und zweitens vermiete ich nur an Frauen. Schließlich glaube ich an Alles wird besser und nicht an nichts wird gut. Mario böte Asyl. Und May Kasahara denkt darüber nach, für den Rest ihres Lebens Jungfrau zu bleiben.
Donnerstag, 28. Juli 2005 (Habe nun ach, Philosophie)
Und leider auch Theologie. Aber ohne Psychologie hilft das alles nichts. Am Brunnen vor dem Thor. Das Telefon wird immer wichtiger für mich. Ich glaub, ich hab' in diesem Monat schon mehr telefoniert, als im ganzen letzten Jahr. Dabei kommt man beim FC Bayern nie durch. Wäre ohnehin umsonst gewesen. Da die Jahreskarte mittlerweile eingetroffen ist. Ingo freut sich, daß ich zur Saisoneröffnung auf einer Familienfeier bin. Derek glaubt an das Gute in der GEMA. Das Thermometer auf der Apotheke in der Knorrstraße zeigt 40 Grad. Toru Okada liest wieder Tageszeitungen. Außerdem wird Richling nicht müde zu betonen. Wenn Sie JEMALS nach Hameln kommen. Dann trinken Sie NIEMALS Härke. Falstaff leiht mir für die Semesterferien seinen SVHS-Recorder. Vielleicht gelingt damit eine synchrone Aufnahme. Kunigunde hat nasse Socken bekommen. Und Junior, der sich artig für Claires Mailadresse bedankt, hat für morgen ein dreistufiges, wetterunabhängiges Abendprogramm eingereicht. Endlich mal wieder ein Tag ohne Leserbrief.
Freitag, 29. Juli 2005 (Mehr FDP, mehr Forschung)
Mehr Wahlforschung. Wie man das künftig verhindern kann. Phönix wiederholt die lange Ossi-Wessi-Nacht. Aus Leipzig. Bei meinem Bäcker kann man sich belegte Semmeln frisch belegen lassen. Ein Wolkenbruch verhindert Zusammenkunft mit Homeboys und Claire. Lara will mir Skat beibringen. SVHS hat einfach nur eine höhere Auflösung. An meinen Synchron-Problemen ändert das nichts. Dereks Konzert kommt Mitte August auf Bayern 2. Claudia sagt, ich solle vor lauter Verliebtheit nicht mein Fernstudium vernachlässigen. Freeware gefunden, die Siemens S65 smi-Mails in Textdateien konvertiert. Mein Arbeitsplatzrechner wollte partout nicht mehr hochfahren. Auch nicht im abgesicherten Modus. Festplatte ausgebaut. Gesichert. Und Stunden später. Eine Linux-CD eingelegt. Da muß XP Angst gekriegt haben. Was das Radeln gegen Einbahnstraßen betrifft, hab' ich von Doris eine falsche Information bekommen. Das kostet 15 Euro. Eine rote Ampel 60 Euro. Wird Zeit, daß ich mein rotes Mofa, Baujahr 73, mit nach München bringe. Ein bißchen auffrisieren. Und es sind wieder Geschwindigkeiten von 25 km/h drin.
Samstag, 30. Juli 2005 (Kein Stau auf der A92)
Verspätete Morgendosis Hochofen führte zu Irritationen. Mit Kottan und Navigationssystem staufrei nach Niederbayern. Die namenlose Katze hat ihr Glöckchen verloren und fängt nun auch Fledermäuse. Sarah hat 'ne neue Küche. Esther Probleme mit den Kollegen. Und Simone einen antiken Geschirrschrank für die Aussteuer. Sevilla ist die Hauptstadt von Andalusien. Und Venezuela soll gar nicht gefährlich sein. Angelina macht Bekanntschaft mit Tante Lynn und hat sich eine schöne Wohnung angeguckt. Wenn unsere Liebe vergeht, möchte mich ihre Freundin Belinda kennenlernen. Wenn sie nicht vergeht, wäre ich bereit, über eine längere Leihgabe meines Lieblingsbildes an Belinda zu verhandeln. Man sollte nie über den nächsten Winterurlaub hinaus planen. Hitzige Diskussion mit Kottan über den Osten, Rechtsradikale, PDS, Berufsbeamtentum, Leistungsprinzip, Frau und Karriere etc. BUGA soll steril sein. Wie üblich durfte die Story von den 32 Kamelen und der verwechselten Schlafzimmertür nicht fehlen. Neue Details im Fall des dominanten Zwergpapageis. Und Papa erzählt. Wegen der jüngsten Almkuh-Amokläufe. Wie er Simone vor 23 Jahren das Leben rettete. Indem er sie, auf der Suche nach Wiesenchampignons von einer Kuhherde überrascht, über den elektrischen Weidezaun schleuderte...
Sonntag, 31. Juli 2005 (Ballack hat immer noch nicht verlängert)
Der Kanzler bedauert die Arbeitslosenzahlen auch. Und er kann nicht alles über Nacht lösen.
Der Oberstaatsanwalt sucht einen Webprogrammierer. Derek hat in Nürnberg über 100 CDs verkauft. So langsam wird mir klar, warum ich in Regensburg so wenig Frauen kennenlernte. Mein Begleiter in die Tangente. Und mein Kneitinger-Kompagnon. Beide unabhängig voneinander dem eigenen Geschlecht zugetan. Bin gespannt, wer sich als nächstes outet. Jolie zieht bei Pitt ein. Ab einer gewissen Distanz könnte man seine Telefonsex-Aversion überwinden. Ab morgen wird gelernt.
Montag, 1. August 2005 (Keine Tabakwerbung mehr)
Die um ein Jahr ältere Cecilia ermahnt mich, gut auf mich aufzupassen. Weil. A nuestra edad ya no podemos hacer "desarreglos". Claire ist am Freitag gar nicht nass geworden. Und der Oberstaatsanwalt hätte gestern doch den Briefkasten leeren sollen. Im Kurzgespräch mit Angelina konnte ich der Versuchung widerstehen, mir Zigaretten zu holen. Träume von einer maklerlosen Wohnung. Wenn es mir jetzt gelänge, ein wenig zu lernen, wäre ich heut' sehr zufrieden mit mir. Bei Minimal hatt' ich kurz das Gefühl. Eine Leberwurst hätte mich angelacht. Dabei weiß ich gar nicht, wie die schmeckt. Claudia meint, das Werbeverbot wirkt bereits. Noch so eine Provokation. Und ich hol' mir doch noch Zigaretten. In Zeiten der Veränderung sollte man keine Horoskope lesen, die man nicht selbst gefälscht hat.
Dienstag, 2. August 2005 (Henri Hochofen raucht die roten Gauloises)
Zigaretten gekauft. Stressige Tage angesagt. Hab mich beim Klausurtermin verguckt. Der Oberstaatsanwalt macht auch Druck. Wird man leutseliger, wenn man verliebt ist? Erzähle Nichtlesern Dinge, die sie eigentlich nichts angehen. Sogar meine Antimaterie verpufft. Hoffentlich werd' ich nicht krank. Werde Angelina am Wochenende meine Briefmarkensammlung zeigen. Claudia hat sich nach Sex in the city mein Tantra-Buch geborgt. Wenn das heut' Nacht wieder nichts wird mit dem Lernen, stell' ich den Wecker auf vier Uhr. Und koch' Kaffee.
Mittwoch, 3. August 2005 (Und i, ois brava Bua)
I' rauch natürlich mit. Zwei Wochen Teilzeit. Jasmin hat ein neues Handy. So bekam und sendete ich meine erste MMS. Ihr Katarrh macht mir Sorgen. Der Hauptgrund, der gegen Merkel spricht. Sobald er spricht. Jörg Schönbohm. Er hat die Enteignung selbständiger Bauern nie überwunden. Dabei wird im Westen auch enteignet. In Bochum mußte ein Hobbyzüchter seine Cannabisplantage an die Ruhr-Universität abtreten. Der Horizont rückt wieder näher.
Donnerstag, 4. August 2005 (Vorfreude)
Das Filofax, das die Karrierefrau von der Au zuviel hat, hat Homeboy Junior definitiv zu wenig. Hab ich ihm doch erst am 28. April alle Zugangsdaten gegeben. Die Umfragewerte kippen. Union bringt es fertig und verliert erneut. Muß mir morgen selbst ein Bild über die Stimmung im Osten machen. Erdbeeren gekauft. Herr E. wieder in Amt und Würden. Angelina guckt Colombo, hustet, nimmt Bronchicum und badet zu heiß. Jemand will mir einen Fleurop-Strauß unterschieben. Warum eigentlich nicht. Claudia hat auch mal einen bekommen.
Freitag, 5. August 2005 (Start in die Bundesligasaison)
Vor der immer überraschenden, heute recht rotwangigen Angelina angekommen. Geschwind noch eine Rose und das SZ-Rätsel besorgt. Einen versäumten Kuß nachgeholt. Familie John-Homeboy mittlerweile fünfköpfig. Wir warten auf den Multivan. Keine Kneipe in Leipzig gefunden, die Essen und Bundesligafußball zusammen bot. So fiel unsere Wahl. Ganz subito. Auf unsere Standard-Schnell-Pizzeria. Neben der Baustelle, bei den Spatzen. Und waren rechtzeitig zum Anpfiff wieder im Hotel. Angelina verfolgt das Geschehen mehr oder weniger aufmerksam. Makaay erlöst uns spät. Und Angelina klaut einen Apfel.
Samstag, 6. August 2005 (Schön ist es, auf der Welt zu sein)
Frühstück in fünfhundert Jahre altem Handelsgebäude. In der Thomas-Kirche der Montagsdemonstrationen gedacht. Es gibt auch einen Ost-Struwwelpeter. Romantischer Nachmittagsausflug ins Leipziger Gewerbegebiet. Da mußten wir Auerbachs Keller wieder aufschieben. Knoblauch macht munter. Zumindest fühlte sich Angelina heute weniger müde als ich. Ich weiß nicht, wie viel nach mir sie eingeschlafen ist.
Sonntag, 7. August 2005 (Hang on, Snoopy)
Immer noch müde. Es half nichts. Wir mußten raus. Fräulein Fanny wollte sauber machen. Zwecks weiterer Terminplanung hab ich Angelina den DFB-Spielplan überlassen. Sie interessiert sich für Schweißdrüsen-Operationen. Claudia meint, das wird wohl ein Wink gewesen sein. Als ob es am letzten Winkel der Welt Chirurgen gäbe.
Montag, 8. August 2005 (Linkspartei für Freigabe aller Drogen)
Natürlich nur bei umfassender Aufklärung. Zu Risiken und Nebenwirkungen lesen Sie bitte das Parteiprogramm. Angelinas Blutdruck ist zu niedrig. Der Sommer ist vorbei. Trotz Teilzeit nicht genug gelernt. Anatomieatlas bestellt. Bevor der Leser es andersweitig erfährt. Ich erwäge noch in diesem Jahrzehnt einen Heiratsantrag. Hauptschnittstellenklassen. Akteursschnittstellenklassen. Anwendungsfallakteursschnittstellenklassen. Und da sagen einige, Brokkoli wäre ein überflüssiges Gemüse.
Dienstag, 9. August 2005 (Discovery sicher gelandet)
Daß Angelina den Sparpreis 50 buchen konnte. Und ich nicht mal den Sparpreis 25. Muß was mit dem Solidaritätszuschlag zu tun haben. Vermutet Claudia. Papst Benedikt verspricht allen Gläubigen, die nach Köln reisen, den Ablaß. Gilt das auch für Online-Beichten? Number Four bemüht sich um Karten für die Allianz Arena. Außerdem meint er, endlich sei mein Tagebuch mal zu was nütze gewesen. Elmar erkundigt sich aus Italien, ob Montag wirklich Feiertag sei. Merkwürdiger Traum über Sex und Spionage im Lehrerzimmer. Hoffentlich geht das Theater jetzt nicht wieder von vorne los.
Mittwoch, 10. August 2005 (37,1 Grad Celsius)
Verärgert. Wenn die gefallenen Argumente wenigstens wahr oder belegt wären. Würde ich mich vielleicht nicht so aufregen. Langsam hab' ich keinen Bock mehr zu deeskalieren. Mein neuer Anatomie-Atlas nimmt ein wenig von meiner misanthropen Stimmung und läßt den Menschen als komplexes Gesamtkunstwerk erscheinen. Angelina hat sich Appenzeller gekauft. Und Aprikosen. Und Möhren für das Zwergkaninchen. Ihr neuer Vermieter verlangt eine merkwürdige Bescheinigung. Beim FC Bayern nicht durchgekommen. Scheine verstärkt an die Zeugen Jehovas zu denken. Wenn ich geladen bin. Ist das jetzt Sublimation? Oder tut's ein einfaches crucifix nicht mehr?
Donnerstag, 11. August 2005 (Der Zorn verfliegt)
Wenn die Menschen überall so klug wären wie Edmund Stoiber. Dann bekommt Edmund Stoiber ein Problem. Eine neue Legislaturperiode Gerhard Schröder übersteh' ich nicht. Ein ehemaliger Stammleser versucht, Angelina zu diskreditieren. Claudia meint, so was hätte sie auch schon mal erlebt. Wen meint sie da wohl? Zumindest habe ich keine E-Mails an Rüdiger, Detlev und Werner geschrieben. FC Bayern erteilt verbindliche Kartenzusagen nur noch zwei Wochen vor Spiel. Jede Liebe hat seine eigene Geschichte. Es gibt kein Vorher. Und kein Nachher. Nicht, solange sie besteht. Was Sichtschnittstellenklassen in solchen Phasen des Lebens zu suchen haben, erschließt sich mir nicht.
Freitag, 12. August 2005 (Schönbohm kritisiert Stoiber)
Jetzt wart' ich nur noch, daß auch der Gauweiler einen Kommentar abgibt, der die Presse interessiert. Eine neue Wohnung ist wie ein neues Leben. Akiki Wakabayashi hat wieder ganze Arbeit geleistet. Morgen könnte es das erste Mal so weit sein. Daß ich durch eine Prüfung fliege. Und das bei einem windigen Leistungsnachweis. Auch wenn Claudia beschwichtigt. Ich hätte doch sogar den Führerschein beim ersten Versuch geschafft. Ja. Das hat schon einige verwundert. Simone will meine Kreditkarte in Spanien hinterlegen. Da fällt mir gleich wieder das alte Wort so manchen Homeboy-Vaters vom juristischen Selbstmord ein. Angelina passen ihre Hosen nicht mehr. Ich hab ihr ein paar Pfunde abgenommen. Das muß es sein, was Freud mit Übertragung meint.
Samstag, 13. August 2005 (Mut zur Lücke)
Wenn in drei von vier Aufgaben Sequenzdiagramme gezeichnet werden müssen. Und das genau der Aufgabentyp ist, mit dem ich nichts zu tun haben wollte, und auch im nächsten Sommer nichts zu tun haben will. Dann kann man nicht mal sagen. Daß man die Klausur versemmelt hat. Es war nicht mehr drin. Für das, daß Bayern sich durch den August irgendwie durchmogeln wollte, läuft es schon ganz gut. Zwerchfellerschütternde Information heitert mich etwas auf. Angelina fängt einen Fisch. Und bevor Florian Silbereisen nochmal zu Varasdin ansetzt. Gehe ich doch noch ein Bier trinken. Schröder beginnt wahlkampfübliche George Bush Kritik. Richling findet, ab 25 sollte man mit dem Ende einer Beziehung umgehen können. Heidi vergnügt sich am Notausgang.
Sonntag, 14. August 2005 (Papst sieht große Müdigkeit unter den Christen)
Kein Kunststück. Wenn die ganze Linke um Millionen goldener Kälber aus dem Osten tanzt. So interpretiert zumindest Claudia unseren Landesvater. Mußte dreimal Perl kompilieren. Um die Applikation des Oberstaatsanwalts zum Laufen zu bringen. Angelina arbeitet einen neuen Lebensplan aus. Das erinnert mich wieder an Sequenzdiagramme. Eine Affäre klingt reizvoller. Als Lebensabschnittspartnerschaft. Richling sucht Gegner fürs SZ-Bundesliga-Tippspiel. Ich hab' zur Zeit andere Sehnsüchte.
Montag, 15. August 2005 (Henri and Hobbes)
Der Brunnen führt wieder Wasser. Und Angelina hat einen Haufen Interpretationsarbeit vor sich. Deckel zu und alle Fragen offen. Erwäge, schon am frühen Vormittag eine Zigarette zu rauchen. Bin unschlüssig. Rechts droht die Vernunft. Mit nüchternen Phrasen. Und links ein reißender Strom. Mit trunkenen Fischen und Meerjungfrauen. Träumte von einem Tiger heute Nacht. Um den ich mich kümmern mußte. Und ihn ins Bett brachte. Und es war kein Stofftier. Neue Rubrik eingeführt. Angelina hat mit meiner Jobsuche begonnen.
Dienstag, 16. August 2005 (Gemeinsam für den Wechsel)
Wahlplakat der CSU. Die Bundesrepublik kommt in die Menopause. Bei einer halben Million ausgewiesenen Treffern in einschlägig bekannten Suchmaschinen mit dem Suchbegriff "große single mädchen" auf Rang 1 zu landen, hält Claudia für bemerkenswert. Vera heult sich bei mir über ihre Gewichts- und Sexprobleme aus. Als ob ich da nicht meine eigenen hätte. Nachdem ich bei Penny nach lateinischen Vokabeln gefragt wurde, versagte ich am Chipsregal. Hab zu den billigen gegriffen. Aber wenigstens zu Hause die Größe besessen, sie nach ein paar Handvoll zu entsorgen. Elmar ist aus dem Urlaub zurück und erkundigt sich gleich nach Berlin. Angelina verbessert ihre Rückhand.
Mittwoch, 17. August 2005 (Kompetenzteam steht)
Chancen auf radikale Steuerreform steigen. War heut so milde gestimmt, als einige um eine Zeile Code kämpften wie eine Löwenmutter um ihr Erstgeborenes. Vielleicht war ich auch nur müde. Elmar konnte auch nicht schlafen. Angelina verzehrt schon wieder Selbstgebrautes und will mir Skat beibringen. Mit Claudia über postmoderne Sexualverhältnisse diskutiert. Über serielle Monogamie. Über die sogenannte reine Beziehung. Und ob sie die Wohnung übernehmen will. Oder ob wir beide ausziehen.
Donnerstag, 18. August 2005 (Yps ist wieder da)
Ich denke an eckige Eier. An riesige vierblättrige Kleeblätter. Und an Brillen, die um die Ecke sehen, mit eingebauter Wasserpistole. Wegen Netzer-Delling das literarische Quartett versäumt. Claire ist in Italien bis aufs Hemd ausgeraubt worden. Rundmail. In vier Sprachen. Alles geklaut. Ci hanno rubato tutto. Nos robaron. We were robbed Wohingegen der immer sympathischer werdende Papst in Köln mit zwei Fremdspachen auskommt. Weil Angelina sich im Tennis keine Chancen mehr ausrechnet, will sie's jetzt mit Ping-Pong versuchen. Claudia hat was über den Wandel der Rolle der Frau gelesen. So schlimm finde ich es dann auch nicht. Wenn eine Frau morgens bis abends vorm hochOfen steht.
Freitag, 19. August 2005 (SPD-Umfragewerte steigen nicht)
Trotz Stoiber. Wenn es einen Gott gäbe, könnte man anläßlich des WJT glatt katholisch werden. Ohne Gott ist evangelisch praktischer. Fotos von Angelina entwickeln lassen. QSC-Modem zurückgeschickt. Muß mir angesichts der eingetroffenen Wahlunterlagen und wegen unseres Landesvaters über die Stimmung im Osten wieder selbst ein Bild machen. Auf Frau Auerbach ist wie immer Verlaß. Zug und Mietwagen stehen bereit. Nur die Stullen sind noch nicht geschmiert. Ich pack' die Badehose mit ein. Und freu mich auf Angelina und auf Wannsee. Und auf eine ausführliche Erklärung, warum es im Norden länger dämmert.
Samstag, 20. August 2005 (Im hohen Norden)
Die Party stieg nicht in Berlin. Sondern in Schwerin. So weit nördlich war ich seit 25 Jahren nicht mehr. Die Bahnkilometer dieses Sommers übersteigen die Bahnkilometer meines ganzen Lebens. Kaum ein Kontrolleur, der mir nicht schon an die Bahncard gewachsen ist. Auch nicht der, der Salem raucht. Granufink-Plakate in einer ekligen Zugtoilette vielversprechend plaziert. Angelina mietet nur noch bei Sixt. Tränen im Auto. Telefonieren am See. Essen im Dunkeln. Mein Leibgericht ohne Beilagen. Im Schlaf gesprochen.
Sonntag, 21. August 2005 (Im Auge des Tigers)
Mußten schon um zehn auschecken. Und für die Schiffbrüchigen spenden. Und das bei einem Wetter, wie ich es aus München gewohnt bin. Deutliche Niederlage beim Minigolf gibt dem Schlägerausgeber Gelegenheit, seinen Standardspruch zu reißen. Ausflug in den Zoo. Mein Mut vor unzureichend gesicherten Gehegen hält sich in Grenzen. Angelinas Lieblingstiere sind Tapire und Wasserschweine. Auf Claudias Theorie, daß jemands Lieblingstiere auch was über dessen Partner aussagen, möchte ich hier nicht eingehen. Hegen Zweifel an der Nashornmonogamie. Als der Himmel aufklärt, kommen wir doch noch zur geplanten Landpartie. Hannover-Werbe-SMS von John Homeboy. Spielt angeblich lediglich auf Schwitters und die Merzkunst an. Zwergenbecher vorm Innenministerium. Ein Tag ist viel zu kurz.
Montag, 22. August 2005 (Dortmund verliert in Braunschweig)
Angelina ergänzt ihre Lieblingstierpalette um Faultiere. Was Claudias Theorie belegen würde. Im Jahr 2020 droht nach Experten jede Woche ein Flugzeugunglück. Davor noch die Vogelgrippe-Pandemie. Sollte keine Zeit mehr verlieren. Umsetzungsantrag gestellt. Wohnungssuche in Berlin. Manche Wortspiele und Assoziationen drängen sich auf. A priori. Da brauch' ich nicht im Konversationslexikon nachzuschlagen.
Dienstag, 23. August 2005 (Designierter Friedensnobelpreisträger holt die Gummistiefel raus)
Er will sich ein Bild über die Lage in den bayerischen Hochwassergebieten machen. Hoffentlich werden die Wahlplakate nicht naß. Hab' ich nun einen süßen, kleinen Mund oder eine große Klappe. Alles ist so subjektiv.
Mittwoch, 24. August 2005 (Schröder kritisiert mangelnden Hochwasserschutz in Bayern)
Nur die dümmsten Götter würden es bei diesem Populismus weiterregnen lassen. Wobei ich persönlich die Lage entspannter sah. Hätte mich gerne von Angelina aus München evakuieren lassen. Pegel sinken. Hörsäle meiner Alma Mater sollen nach einer weiteren Asbestsanierung gesprengt werden. Nachdem ich die Applikation des Oberstaatsanwalts so halbwegs zum Laufen brachte, konnte ich mich endlich mal wieder mit den angenehmen Dingen des Lebens beschäftigen. Dementoren setzen Harry Potter zu. Wahlkampf setzt Münti zu. Mit Warten auf Godot wollte John-Homeboy wahrscheinlich auf die Brunnenmetapher anspielen. Ich hätte in den Fünfziger Jahren sicher nicht zur Avantgarde gehört. Jasmin und Angelina sind ein- und dieselbe Person. Prinzessin und Königstochter. Samstag und Sonnabend. Der Himmel klärt sich auf.
Donnerstag, 25. August 2005 (Something in your eyes)
Zu viele Kaubonbons. Zu viele Kartoffelchips. Zu viel Rheuma. Zu wenig Angelina. Schöne Mails und Sms. Im Background Frank Sinatra. Something in your smile. Number Four schaut sich Wohnungen in Schwabing an. Ich überlege, ob ich meine auf Verdacht noch im August kündige. Wäre vielleicht zu optimistisch. Something in my heart. Sollte jemandem einen FDP-Zugang einrichten. Lautsprecher aus einem Kombi-Kofferraum fordern auf, in den Briefkasten zu sehen. Für die Wahlzeitung der sozialistischen Alternative. Kann man leicht mit Gysi/Lafontaine verwechseln. Hermiones Katze erscheint in neuem Licht. Lovers at first sight in love forever. Claudia hat unser Telefonat belauscht und gemeint, wir würden locker mit 50 Worten auskommen. It turned out so right for strangers in the night.
Freitag, 26. August 2005 (Homöopathie beruht auf Einbildung)
Religion auch. Arzthelferin warnt vor Arachidonsäure. Harry Potter expectat patronum. Seit seiner Bibelmetapher mochte ich Peter Glotz ganz gern. Verlobte müssen laut Strafgesetzbuch nicht gegeneinander aussagen. Erdbeeren statt Kartoffelchips. Neue Reisepläne geben Richling in drei Wochen die Gelegenheit, an meiner Statt das Spiel gegen Hannover zu besuchen. Angelina schläft zu wenig. Freu mich schon. Morgen. Auf meine Bundesligapremiere. In der Allianz-Arena.
Samstag, 27. August 2005 (Erstes Nachmittagsspiel in der Allianz-Arena)
Der Oberstaatsanwalt deckt mich mit Arbeit ein. Ingo will einen Rang tiefer. Zwecks früherer Entlarvung vermeintlicher Gefahrensituationen. Treffer von Mehmet Scholl heben die Stimmung noch ein bißchen mehr. Zumal wenn ihm gleich ein Makaay-Solo folgt. Karl-Heinz R. meint, daß wir noch viele schöne Nachmittage an gleicher Stelle verbringen dürften. Eine Fledermaus hat sich unters Dach verirrt. Die Karrierefrau von der Au wollte nach Varasdin. Aber nicht die Bierpreise dort sind das Problem. Sondern die Taxipreise. Mit Number Four in die Kronleuchterbar. Mußte ihn aus naheliegenden Gründen gleich wieder nach Hause schicken. Nicht ohne bei seinem Rotwein-Weißwein-Bowlen-Rätsel zu versagen. Philosophische Betrachtungen während meines dritten Weißbieres. Ich wußte, Angelina saß nicht am Tresen. Wenn ich sie nun doch die ganze Zeit vor mir sehe. Ist das dann dasselbe wie Doppeltsehen? Wird die Blondine, neben mir an der Bar, viel Freude haben, an ihrem Prosecco mit Apfelsaft? Werde ich auch in Berlin so eine Kneipe finden? Kann man bei der Verwendung eines Apfels als Wurfgeschoßīvon einer Umkehr des Tell sprechen? Was ist der Unterschied zwischen Maßlosig- und Unendlichkeit? Und wie krieg ich meinen Bauch weg, bis Angelina kommt?
Sonntag, 28. August 2005 (Hans Clarin ist tot)
SZ-Discothek, Band 1993. Kein berauschendes Jahr. Habe geträumt, daß Christiansen ein Wetttauchen zwischen Merkel und Merz überträgt. Es ist an der Zeit, Claudias Oben-Ohne-Fotos aus dem Album zu nehmen und meine Handy-Pin zu ändern. Angelina will nicht alles alleine machen. Und setzt einen Anforderungskatalog auf. Den ganzen Tag am Perlsystem des Oberstaatsanwalts verzweifelt. Ich glaub' ich kauf mir eine Waage. Horst wurde die Publicity dann doch etwas zu viel.
Montag, 29. August 2005 (Abgestürzt)
Maggie sagt Papa zu mir, will sich aber nicht von mir im Kinderwagen schieben lassen. Die Karrierefrau von der Au scheint einen Karrieremann geheiratet und die Isar noch nicht oft abgegrast zu haben. Die Stellen hinter der Muffathalle kennt sogar schon Angelina. Zwei Schnittlauchbrote allein sind keine Grundlage. Maggies Schaufel und Eimer wurden sichergestellt. Von einem Dirndlkauf ohne exakte Körpermaße wurde mir abgeraten. Esther bringt meine Lederhosengarnitur von zu Hause mit. Zeigt mir ihre Wohnung. Spielt mit Nils. Raucht drei Schachteln Zigaretten. Mit meiner tatkräftigen Unterstützung. Gibt ihr Auto günstig ab. Telefoniert mehrmals mit Angelina. Und läßt sich in Varasdin, das wegen morgen beginnenden Betriebsurlaubs schon heute aufgesucht werden mußte, gottseidank brav in ein Taxi setzen. Ich denke, daß auch Alkohol eine Rolle spielte. Daß mir so schwindlig war. Als eine wunderbare Stimme aus dem Off über Umzugkartons und Arkadien plauderte.
Dienstag, 30. August 2005 (Paul? Wer ist eigentlich Paul?)
SPD kann nichts mit Kirchhof anfangen. Lederhose glücklicherweise lang. Mars, Uranus und Saturn verlieren an Einfluß. Angelina tut mal lieber die Möhrchen und schwärmt von ihrem neuen Energy-Drink. Briefwahl beantragt. Kopfweh läßt nach. Nach langer Zeit mal wieder den Wallenstein herausgeholt. Der Zug des Herzens ist des Schicksals Stimme. Ich glaub', ich vertrag' kein leichtes Weißbier. Claudia hat einen Mietvertrag in Haidhausen unterschrieben. Keine WG. Ab 1.12. Operation Umzug gewinnt an Eigendynamik.
Mittwoch, 31. August 2005 (Wer ist eigentlich Vera?)
Der ehemalige Lebensabschnittspartner von Angelina, der mich vorgestern noch bat, alle Inhalte, die ihn persönlich beträfen, zu entfernen, was ich Depp auch noch tat, hat auf seiner Homepage einen Link hierher gesetzt, wie die Auswertung meiner Referer ergab. Gegen eine wörtliche Veröffentlichung seiner schmähenden Leserbriefe hätte er nichts einzuwenden gehabt, aber eine Ironisierung und Karikierung derselben schien ihm nicht erträglich. Erstaunlich, dass er dafür an Ironisierungen und Karikierungen Angelinas so sehr Gefallen findet, daß er den Besuchern seiner eigenen Homepage diese nicht vorenthalten will. (Leserbrief)
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