Der Sommer war sehr groß

Wein lesen

oder Briefe schreiben?

2003

2004

Tagebuch von Henri Hochofen

September/Oktober 2004

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Mittwoch, 1. September 2004
Sauer. DSL-Anschluß wurde abgeschaltet. Habe vergessen, beim neuen Provider nachzuhaken. Kein Internet, kein Telefon, kein Kontakt zur Aussenwelt, keine Frauen, keine Ahnung, wie's weitergehen soll. Sogar Claudia tobt. Ich hatte noch so viel vor. Kowalsky, seit neuestem verheiratet, kann Termin in Haidhausen nicht einhalten, aber Preachers Man ist da. Mit seiner Kollegin vom Ende des Ganges läuft immer noch nichts. Varasdin wird vorgemerkt. Unterdessen entschärft Kip mit Hana eine schwierige Mine.

Donnerstag, 2. September 2004
Normalerweise dauert es zehn Werktage. Aber ich mach es Ihnen in sieben. Weil. Es war unser Versäumnis. Nur Gott könnte einen neuen Telefonanschluß in sechs Werktagen hinkriegen. Dank einiger kniffliger Eigenartigkeiten, geheimer undokumentierter Mechanismen ein relativ spannender Arbeitstag. K-Homeboys werden morgen erwartet. Geneviève sucht weiter einen Job, aber scheinbar nicht mehr sich selbst. Büro, Internet-Café, Kneipe. Wohne kaum noch. Der Herr hinter mir bietet Damen Äpfel an.

Freitag, 3. September 2004
Vier Homeboys. Unterwegs auf alten Pfaden. Russ-Meyer-Homeboy bestätigte einer Biergartenschönheit einen Hauch von Nichts. Ein anderer meint, im Zweifel wäre eine Zwanzigjährige immer schärfer. Junior fragt sich, ob die Lampen im Homeboy-Café 1 gleich weit von der Mauer entfernt sind. Die Lästerhomeboys feuern auf die alten Ziele. Ohne neue Munition. Sind Clubs wirklich in? Wenn wir (vier Homeboys!) schon am Bürgersteig vom Eintreten überzeugt werden sollen. Schließlich läßt sich der Ständig-aufs-Handy-schau-Homeboy doch noch von den Vorteilen des Vibrationsalarms überzeugen. Vor einer Imbißbude sind K. und ich so durchschaut worden, wie selten zuvor.

Samstag, 4. September 2004
10:20 Uhr. Damit konnte ich nun wirklich nicht rechnen, daß die Homeboy pünktlich abfuhren. Blieb mir nur die Deutsche Bahn. Die kleine Kuhle an Katharines Hals, die der Englische Patient Bosporus nennt, heißt angeblich Gefäßring. Linux Umstellung im Hause Hochofen bereitet noch Probleme. Nach einer Stippvisite bei Oma und dem Grand-Prix der Volksmusik Rückfahrt mit dem Mitternachtsexpreß. Georges Simenon, Der Mann, der den Zügen nachsah, SZ-Bibliothek 24. Kann man in einem Zug lesen. Oder auch in dem Bus, der uns ab in Dingolfing erwartete. In Wörth wurde jeder Reisende vom Lokomotivführer und Schaffner persönlich begrüßt.

Sonntag, 5. September 2004
Hatte mir mehr von unserem Internet-Ausfall-Wochenende erwartet. Milbertshofen is not New York. And this is not 1965. Claudia gewohnt kühl, kaum kokett und nicht sexualisierbar.

Montag, 6. September 2004
Schon um drei aufgewacht. Erhöhtes Krankheitsgefühl. Horace Benbow aus Faulkners Die Freistatt, SZ-Bibliothek 25, verließ seine Frau, weil er jeden Freitag Garnelen kaufen mußte. Elmar aus Afrika zurück. Mailinglist antwortet nicht. Nicht Claudia zog mich jeden Abend nach Hause. Das Internet war's. Palm und Hotspot würden mir mehr liegen. Ein Redner der Münchner Montagsdemo findet Klasse, daß auch ein Rollstuhlfahrer mitdemonstriert. Greta wiedererkannt. Nicht leutselig genug, um ein Gespräch zu beginnen. Hat Junior eigentlich seinen Kasten Bier gezahlt?

Dienstag, 7. September 2004
Internet-Pause tut mir gut. Nach der Arbeit direkt ins Tolstoi, wo es bei schönem Wetter seit neuestem draußen Pizza gibt. Eine Medizinstudentin lernt mit ihrer Mutter fürs Examen. Toxic shock syndrome... lebenslange Vorsorge und bla bla bla... Wie beim Hausarzt. Zwischen den Bieren im Faulkner gelesen. Petit bohèmiens d'une tâche bourgeoise. Anschließend ein paar Gedichte. Wirken da, wo die SZ-Bibliothek nicht hinkommt. Von Dehmel. Zwei auswendig gelernt. Politik zieht vorüber. Hans Eichel unverändert.Wandlung meines Humors bemerkt. Es wandelt sich überhaupt so einiges. Ich zähle zwar die Werktage. Aber nicht um mein neues After-Work-Dasein aufzugeben.

Mittwoch, 8. September 2004
Telefonanschluß verzögert sich bis Ende nächster Woche. Tag der Unverträglichkeiten. Merkel im Bundestag. Da hülfe auch ein neuer Redenschreiber nichts. Kerner beim Länderspiel. Wenn es um was ginge, hätte er Rot gefordert. Glück gehabt, Brasilien. Dickenbergers Philosophie des Maulwurfs aus Langeweile abgebrochen und ins Regal der verstaubten, gelesenen Bücher einsortiert. Trotz netter Anfangsjokes. Das Leben ist lesenswert. Vorletzte Bücherbundlieferung. Cechov-Taschenbuch-Kassette. Geneviève auf Dienstreise. Vier Tage frei. Aber. Melancholischer als gestern. Melancholischer als heute morgen. Vielleicht bin ich auch nur müde. Horace Benbow zu seiner Frau zurückgekehrt.

Donnerstag, 9. September 2004
Türkische Ehebruch-Gesetzesinitiative. Schön, daß dies die junge Braut, die Karrierefrau von der Au, voraussichtlich nicht davon abhalten wird, in der Türkei zu heiraten. Pinakothek-Besuch XXVI. Alte. Lieblingsbild. Entkleidung Christi. El Greco. Vögeln heißt im Russischen tarakanit. Aber ein tarakan ist kein Vogel, sondern eine Kakerlake. Meine Cechov-Ausgabe ist gut kommentiert. Vormittags die Möwe, nachmittags drei Schwestern, und der Abend gehört dem Kirschgarten. Hattrick. Bahnpreise ziehen schon wieder an. Hatte mir – es liegt weit zurück, vor unserer Zeitrechnung – von Rot-Grün auch hier was anderes erhofft. Webcam müßte für die nächsten sieben Tage aufs Internet-Café umgelenkt werden.

Freitag, 10. September 2004
Von Pulverschnee geträumt. Sehr vergnügliche, mich besonders ansprechende Einakter von Cechov. Partei über uns besitzt Bohrmaschine und Kreissäge. Man müßte Schlagzeug spielen können. Stundenlang vor mich hingeträumt. Cechov würde sagen, Sujet für eine Erzählung entwickelt. Das Shakespeare-Stück, das ich suchte, bei Hugendubel (OEZ) nicht vorrätig. Dafür lag SZ-Bibliothek 26 bereits auf. Rilke. Die Aufzeichnungen des Malte Laurids Brigge. Eine frühe Szene erinnert mich an Freddy Frinton. Beim Free&Easy früher um Acht mehr los. Vegiburger war auch besser. Reiners Lieblingsbedienung im Tolstoi. Sollte nicht mehr im Café telefonieren, wenn andere Gäste den Feuilleton studieren. Wenig los in Varasdin. Lediglich ein in Saudi-Arabien lebender Heizungsfachmann plauderte von Palmen und Butterpreisen. Junior investiert.

Samstag, 11. September 2004
Bayern noch lange nicht da, wo wir hinwollen. Wenigstens ein Sieg. Freundin des Oberstaatsanwalts meint, wenn man länger als drei Monate in einem Tipi wohnt, bräuchte man eine Baugenehmigung. Illusionen kommen und gehen. Schlimm wäre es, wenn sie blieben.

Sonntag, 12. September 2004
DVD-Wohlfühlsonntag. Claudia daheim. Sechs Folgen Frasier. Erster Teil Herr der Ringe. Neues Faible für den Aldi-Bergkäse. Gekocht. War gut. Gegen Abend erkannte ich mich. Malte Laurids Brigge erinnert mich doch sehr an die Duineser Elegien, an die ich mich ohne die zweihundert Seiten starke Interpretation, die schon in der Schublade liegt, nicht mehr heranwage. Wenigstens wenn ER anruft, könnte Junior seinen Chat unterbrechen.

Montag, 13. September 2004
Malte war krank. Und ihm war vieles vergangen. Ein ehemaliger Kollege von der Warenverteilung, Namen hatte ich vergessen, gegenüber im Internet-Café. Just der, der mich regelmäßig auf die Palme brachte. Ein anderer ehemaliger Kollege kann für 100 Euro brauchbares PDA besorgen. Hat Ude Angst, daß die Zuschauer ausbleiben? Beim Eröffnungsspiel. Münchner Hochschulen rücken zusammen. Würden bei Fusionen nur nicht so enorme Kräfte freigesetzt. Da läßt sich Rilke gleich viel besser nachvollziehen. Denn Bleiben ist nirgends.

Dienstag, 14. September 2004
Malte Laurids Brigge furchtbar schwer zu lieben. Leben wird kürzer. Hochofen in der 42-Stunden-Woche. Ein Anfang und ein Schluß. Und ein Plot, der nicht funktioniert. Shakespeare-Gesamtausgabe und B-Ware-PDA bestellt. Sublimiere ich zu viel? Vernachlässige ich Claudia? Aber wie Malte meint, eine Geliebte, die nachgiebt, ist noch lange keine Liebende. Ein Homeboy, der nachgibt, ist noch lange nicht der Klügere. Freue mich auf Marcel Reich-Ranickis Lyrik-Kanon.

Mittwoch, 15. September 2004
42-Stundenwoche spielt mich Nietzsche in die Hände. Schon um den 511. Lehrsatz der Überzeugungstreuen aus Menschliches, Allzumenschliches zu widerlegen. Eliza nimmt nach Neun keine feste Nahrung mehr zu sich. Zahnarzttermin steht. Internet-Point restlos gefüllt. Mit Claudia bei Antonio verabredet. Ging von ihr aus.
Brachte nichts ein.

Donnerstag, 16. September 2004 (Hochofen wieder online)
Ernst ist das Leben, heiter ist der Betriebsausflug. Wenn ich im Bus auch nicht über Wallensteins Prolog hinausgekommen bin. Busfahrer winkte mehrmals mit dem Zaunpfahl. Hauptsache, Allianz versichert. Elmar rief vom Königsplatz aus an. Anton trinkt Bier aus Dosen. Bettinas Schrittmesser scheint frisiert. Ostdeutsche ohne Gregory Peck aufgewachsen. In Benediktbeuren wirken Salesianer, und im Klosterbräustüberl gibt es Scheiterhaufen.

Scheiterhaufen auf der Speisekarte

Freitag, 17. September 2004 (Schnorrer allerorten)
Schröder analysiert. Haste ma' nen Steuervorteil? ISDN-Telefon gekauft. Claudia bekommt eigene Nummer. Erwäge, mich von ein paar Büchern zu trennen. Zwecks Lebensraum. Meine Lieblingsszene aus dem Hotel New Hampshire in der Verfilmung verpfuscht. Lieblingsszenen sind wohl immer verpfuscht. Dazu Nastassja Kinski als Susi, der Bär. Wahnsinnig häßlich. Stressiger Urlaubstag. Nicht an Sex gedacht.

Samstag, 18. September 2004 (Bayern kehrt zurück)
Hatte nach 70 Spielminuten nicht mehr damit gerechnet. Vielleicht ist jetzt der Knoten geplatzt. Mit SZ-Bibliothek 27 begonnen. Wolfgang Koeppen, Das Treibhaus. Keetenheuve stillt zunächst seinen Appetit nach Menschenfleisch. Hat er von Novalis. Konnte es ihm nicht gleichtun. Herr der Ringe II und III. Harry Potter spricht mich mehr an. Sollte es mich auf die Wiesn verschlagen, so wohl aus rein Ovidschem Interesse.

Sonntag, 19. September 2004 (Verfassungsschutz gewinnt stark dazu)
Wahlen in Ostdeutschland. Psychoanalytiker bei Christiansen. Menschen im Osten brauchen Zuwendung. Suse unterstützt mein USB-Modem nicht. Simone kann nicht drucken. Schrecklich verbrachter Sonntag. Und alle Probleme ungelöst. Dazu der Zahnarzt morgen. What a holiday. Hasse Computer. Zurück-zur-Natur-Aussteiger-Freie-Liebe-Laune. Claudia scheint ihren Wiesn-Rekord gebrochen zu haben.

Montag, 20. September 2004 (Hochofen verliert an Wert)
Nach zwanzig Minuten Hämmern und Meißeln. „So, die erste Wurzel hammer schon!“ Ein Goldzahn weniger. Claudia meinte, ich hätte ihn mir einpacken lassen sollen. Nun kenn ich sie also. Die Wahrheit der Lachgrübchen. Neues USB-Modem gekauft. Laut SuSE-Hardwaredatenbank voll unterstützt. Es wählt. Bekomme aber ständig ein No Carrier. „Desktop“ aus den Bootparametern entfernt. Funzt immer noch nicht. Bill Gates ist wieder im Geschäft. Essen mit Simone bei Oma. Wie früher nach der Schui. Keine Milchprodukte, sagt der Zahnarzt. Und daß ich ETWAS Geld auf die Seite legen solle. Hypovereinsbank bietet mir seit Monaten periodisch Sofortkredite an. Unaufgefordert. Das schreit nach Verschwörungstheorien. Notebook-Netzteil defekt.

Dienstag, 21. September 2004 (Ein Spiel dauert 90 Minuten)
Dann spielt Makaay. Trotz des möglichen Scheiterns. Sehe durchaus Aufwärtstendenz. Mein dentales Mitteilungsbedürfnis erfordert im Gegenzug. Zuhörerqualitäten. Claudia jammert über Migräne. Gesundheitliche Zusammenfassung der vorherigen Exfreundin dauert gute Stunde. Mein Kiefer kam zu kurz. Und weil bereits erste Hochofen-Leser anregen, nach der SZ-Bibliothek zur Bild-Bestseller-Edition zu wechseln. Nein. Da locken mich mehr. Die Kanons von Marcel.

Mittwoch, 22. September 2004 (Kaufrausch)
Dentales Mitteilungsbedürfnis wird stärker. Sicherlich keine Phantomschmerzen. „Nicht unwahrscheinlich, daß es sich entzündet.“, sagte der Arzt. Keetenheuve irrt von Weinstube zu Weinstube. Russ-Meyer-Homeboy wird Namensgeber nicht mehr kennenlernen. Schmerzen aushaltbar, aber stet und ausstrahlend. Meditation und Medien verschaffen keine Linderung. Sogar sexuelle Phantasien ziehen nicht. In diesem Zustand sollte man nicht einkaufen gehen. Gigantische Summe. Was will ich mit einer Halloween-Maske und zehn Geschirrtüchern? Wenigstens nicht zu den Christbaumkugeln gegriffen.

Donnerstag, 23. September 2004 (CSU beschließt Aufhebung der Lernmittelfreiheit)
Jetzt läßt also auch die CSU ihre Testballons steigen. Schon Keetenheuve, Gott sei seiner Seele gnädig, sah jeglichen Parteiwillen von den Samensträngen der Volkskraft abgeschnitten. Weiter keine Milchprodukte. Grünes Licht für Alkohol. Kneipentour. Beethoven, Tolstoi, Castro und Irish Spring. Junior aus Lissabonn zurück. Schön, aber die blinden Bettler. Sieh, Milbertshofen ist so nah. Weibliche Alkoholfahne sammelte an der U-Bahn ein bißchen Geld, damit sie sich was zum Essen kaufen kann. Der Friedländer erinnert Junior immer an die Getränkeindustrie. Wallensteins Lager. Ich ergänze: Piccolo Mini. Nichts Neues von laufenden DFG-Projekten. Antike scheint letztendlich doch nicht von der Renaissance erfunden worden zu sein. Nachdem der Russ-Meyer-Homeboy mit der Abteilungsleiterin zu flirten begann und ich mit Junior allein da saß, entdeckte selbiger seine kreative Phase. Schließlich spielte man im Irish Spring unsre Musik. „Fünf Bier sind genug für dich, Junior.“- „Ich will 6! Ich will 6!“

Freitag, 24. September 2004 (SPD-Werte steigen)
Macht mir Angst. Bedroht die neue Linkspartei. Und damit nicht-neoliberales Denken. Reiner glaubt immer noch ans Service-Personal. Intel mahnt alles ab, was inside im Titel trägt. Sommer 2002. Claudia am Strand. Henri inside. Es ist einer dieser stürmischen Tage, an denen ich zu einer Lüge fähig wäre. Reiner freut sich, daß ich seinem Glauben gefolgt bin. A. Karenina ist aber auch süß. Wieder einen Platz im Irish Spring bekommen. Zugangswege nach Varasdin versperrt. Es geht mir gut. Bin dennoch nicht zu Hause. Das Blut der Bohème. Will fließen.

Samstag, 25. September 2004 (Çok iç, az ödem!)
Nachmittag. Fußball. Ergebnis stimmt. Abend. Wer ohne Sünde ist, werfe den ersten Stein. Nacht. In der Eusebio-Bar wird man zwar nicht bedient, aber man sieht sich. Heute Reiners Arbeitskolleginnen, Frenchy, Claire und Tiramisu. Verkniffen uns jegliche Schelmerei und zogen weiter ins Kemanci. Radenkovic hat einen Doppelgänger von mir ausgemacht, allerdings ohne Y-Chromosom. Karrierefrau von der Au kritisiert Juniors hellblaukarierte Hemden. Historische Fachgespräche. Sogar noch in Varasdin. Reiner will sich nicht von Verehrern fotografieren lassen. Karrierefrau v.d.A. wird immer häufiger zensiert und hat Angst, daß ich in München vom Auto überfahren werde. Junior erinnert, daß Horváth gar von einem Ast erschlagen wurde. Werbe weiterhin um mehr Verständnis für Neurotiker.

Sonntag, 26. September 2004 (Skandal ersten Ranges)
Stoiber sieht den Euro beschädigt. Den Eindruck habe ich schon lange. Siggi Jepsen aus Lenzens Deutschstunde, SZ-Bibliothek 28, hat bei Gewitter zu Hause zu sein. Goethes Exhumierung ausgewertet. Sieht mir sehr nach Bechterew aus. Meine grauen Haare mehren sich, sagt Claudia. Hab mich gestern etwas voreilig für beschwerdefrei erklärt. Zweifle an meinen Zielen. „Der Mensch braucht doch a Ziel!“ Wäre ich nicht wieder glücklicher. Ohne? Ein Boot ohne Ruder. Ein Meer ohne Haie.

Montag, 27. September 2004 (Pressefreiheit ja)
Politiker-Statements zum Wahlergebnis nein. Charlie schreibt meinen Namen auf seinen Briefkasten. Und schickt mich aufs falsche Postamt. Der Oberstaatsanwalt zieht Ludwig Hirsch Ajax vor. Claudia verboten, in der Küche zu heizen. Der Rohölpreis, die Zahnarztrechnung, die im Frühling droht. Number Four hat neues Handy. Kein Fotohandy. Hat wohl erkannt, daß die Pixeleuphorie allmählich zu Ende geht. Preachers Man erschließt mir neue Zielgruppen mit Faible für Mittelalter, Vampire, Buffy, Rollenspiele, Fetisch, Lack, Leder und Piercing, Körperkult, Depression und Okkultismus. Hoffe nur, „Buffy“ ist nichts Unanständiges. Eliza hat Angst, daß sie nach der Wies'n nicht mehr so gut aussieht. Die ehemalige Bassgitarre läßt die Schulmedizin aufstöhnen und sucht Freiwillige zur Massage.

Dienstag, 28. September 2004 (Europapokal wie in vergangenen Zeiten)
Es gibt wieder Fußball in München. Und Homeboy Number Four durfte mit dabei sein. Wenngleich ein wenig abgelenkt von Ingo. Mit Tangens und Cosinus. Die Tausende von Quelle-Katalogen, die ich Anfang der Neunziger Jahre in der Oberpfalz am Fließband auf Paletten gestapelt habe. War das alles umsonst? Elmar beichtet Mitgliedschaft in der SPD, und Colleague 2004-04 hält meine erfaßten Daten nicht für glaubwürdig. Ein junger Diplomand macht Siggi Hoffnung, über den Terminus Jepsen-Phobie ins Wörterbuch der Psychologie aufgenommen zu werden. Claudia findet selbiges Wörterbuch erstrebenswerter als die Schlagwortnormdatei der Deutschen Bibliothek. PDA da. Ingo kennt PDA nur von der Periduralanästhesie her. Was Claudia aufgriff, indem sie die Vermutung anstellte, ich wäre betäubt gewesen, als ich mir das Ding zulegte. An einem Tag wie diesen lass ich mir alles gefallen. Spare mir sogar die naheliegenden Wortspiele mit Ajax und Meister Proper.

Mittwoch, 29. September 2004 (Frau Merkels Zähne vom Tisch)
Ein running gag weniger. Für Münti. Meinem Zahnarzt dagegen. Fällt immer was ein. Charlie vom PDA begeistert. Ich selbst hatte noch keine Gelegenheit. Ingos Landeswettbewerbsaufgabe angesehen. Lösung ohne Trigonometrie. Number Four immer noch ergriffen. Homeboy Junior hat schon wieder eine neue Domain in Betrieb genommen. Claudia, die heut mit einem dunkelblauen Dirndl (steht ihr nach wie vor gut) unterwegs ist, meint, damit wäre er eine Person des öffentlichen Lebens und müsse nicht länger geschont werden.

Donnerstag, 30. September 2004 (Microsoft meidet Wald- und Wiesenmessen)
Gdiscan. Fünf DLLs vulnerable. Tôbias versichert Dr. Ringsgwandl, keine Stimmen zu hören. Und erst recht nicht zu kiffen. Homeboy Junior hat es bisher zu nichts gebracht. Lidl-Kondome eingesteckt. Bin grenzenloser Optimist. Die Jepsens können keinen Kranken in der Familie brauchen. Ein ehemaliger Kicker- und Tennispartner, kaum älter als ich. Gestorben. Ich riestere nicht.

Freitag, 1. Oktober 2004 (Kampf Mensch gegen Maschine)
Zweiundzanzig Stunden vorm Bildschirm gesessen. Und am Ende ist doch der Provider schuld.

Samstag, 2. Oktober 2004 (Sexsucht sehr schambesetzt)
Tagung der Deutschen Gesellschaft für Sexualforschung (DGfS). Haben Schreib- und Sexblockaden miteinander zu tun? On the road mit Heute im Stadion. So macht Auto fahren Spaß. Vorausgesetzt, Bayern gewinnt. Schinkennudeln bei Oma. Vater Jepsen hat Visionen. Die namenlose Katze wächst mir langsam ans Herz. Mitternacht am Hauptbahnhof. Hierher werden die Verwundeten also getragen. Die im Bierzelt umkippen. Es ist ein Fest, und kein Besäufnis, sagt Ude. Alea iacta. Claudia kein Single mehr. Wiesnbekanntschaften soll'n nicht lange halten.

Sonntag, 3. Oktober 2004 (Just another Unification Day)
Mit den obligatorischen Dokumentationen vom Mauerfall. Einem optimistischen Bundespräsidenten. Und ohne Sex. Grüne läuten den Bundestagswahlkampf ein. Thea war Holmsens beste Milchkuh und folgte aufs Wort. Tôbias liest die Deutschstunde etwas schneller als ich. Beim PDA fehlt das Sync-Kabel. Wer hat das Bummerl? Auch Dr. Frasier Crane führt seine Blind-Dates immer in die gleichen Lokale. Er kann die Frauen besser miteinander vergleichen, wenn sie die einzige Variable des Abends darstellen.- Einfache Gleichung mit einer Unbekannten. Regeln von Solitaire nachgeschlagen. Drei Stunden gespielt. Drei Stunden zu viel.

Montag, 4. Oktober 2004 (Merkel beschwert sich über Seehofer)
Hoffentlich fällt ihm Stoiber nicht wieder in den Rücken. Rick Blaine alias Reiner S. sieht schwarz. Mit windigen Aktionen versucht Kollege Arthur, sich eine CD zu erschleichen. Karstadts gäben gute Studentenwohnheime ab. Hätte gern in einem Haus mit Rolltreppe gewohnt. Hilke Jepsen wirft Gehäuse leerer Wellhornschnecken in ihren Schlüpfer. Schöne Frauen sind so anstrengend. Wankelmütig. Kaum ist man mal zwei, drei Jahre nicht so freundlich und zuvorkommend wie gewöhnlich. Schon wird man weitergereicht. Claudia seit Samstag abwesend. Ich gieße nicht. Früher. Wollt' ich 60 werden. Vielleicht wären 40 Jahre genug. Zuviel Déjà-vu. Eliza läßt sich nicht analysieren.

Dienstag, 5. Oktober 2004 (Internationaler Tag des Lehrers und der Epilepsie)
Danke, Anke. Wenn Harald Schmidt zurückkommt, bin ich geliefert. Müßte dann beruflich kürzer treten. Wiki aufgesetzt. Erhoffe Synergieeffekte. Arthurs Nelkenzigaretten immer noch nicht alle. Nach Elfstundentag. Dunkelheit. Keine Boccia-Spieler im Park. Wenigstens kein Déjà-vu heute. Innere Ruhe. Hoffentlich hat selbige nichts mit der Müdigkeit zu tun. Warenlieferung aus Schottland. Als Claudia wissen wollte, was drin wäre, erzählte ich den alten Witz vom KasBrot (Käsebrot).

Mittwoch, 6. Oktober 2004 (Plädiere für privilegierte Partnerschaft)
Zwischen CDU und CSU. Aber keine politische Union. Es sei denn, Seehofer setzt sich durch. Hilke Jepsen trifft sich mit dem Maler in der alten Mühle. Jetzt hab ich mein PDA. Jetzt nehm' ich es auch mit ins Meeting. Yakumo-Karrierehomeboy. Kollegen erwägen angesichts drohenden Birnenwechsels die Anschaffung einer Abteilungsleiter. Müller am Hauptbahnhof weigert sich, mein Brot in der Mitte durchzuschneiden. Radikale HändchenhaltenInDerÖffentlichkeitVerweigerer, wie ich einer bin oder besser war, mangels Verweigerungsgelegenheit, mit dem Rücken zur Wand. Nun hat es auch Samantha erwischt.

Donnerstag, 7. Oktober 2004 (Die zarteste Verurteilung eines Keksherstellers)
Weil schon 1901 die erste Tafel Milka lila war. Hans Albers' blaue Augen gibt es schon seit 1891. Jelinek hat Angst vor der Zeremonie. Eine bessere Übersetzerin hätte Pynchon nicht finden können. Das Drehen des Hahns auf der Personaltoilette, der die Spülung außer Kraft setzt, sollte geahndet werden. Die Landesjustizkasse Bamberg möchte zehn Euro von mir für die Entgegennahme einer Ausschlagungserklärung, die das Nachlaß-Gericht Coburg von mir angefordert hat. Wie viele Minuten müßte man dafür absitzen?

Freitag, 8. Oktober 2004 (Nationalmannschaft in Teheran)
Gewinn der Weltmeisterschaft weckt nicht solche. Nennen wir es mal Begeisterung. Unangehmen Bug entdeckt. Programmierer aus Varasdin schimpft mich arrogantes Arschloch und droht mir körperliches Leid an. Erst will er noch seinen alten Mathelehrer erschießen. Preachers Man geht mit seiner Band auf Tournee. Soll auf zwei Hochzeiten tanzen. Mußte U-Bahn zweimal verlassen. Mir ist immer noch schlecht.

Samstag, 9. Oktober 2004 (Faster Horses, Younger Women, Older Whiskey, More Money)
Mit Kortison hab ich auch schon gute Erfahrungen gemacht. Wegen ihrer rapide abnehmenden Halbwertszeit lege ich keine Gelübde mehr ab. Obwohl gesünderes Leben indiziert wäre. Forget it, Jake. We're in Bavaria. Sollte ich Frau Merkels Gesundheitsmodell unrecht getan haben? Man präsentiert einem ja keine Zahlen. Der Krieg ist aus, Klaas Jepsen lebt. Da immer mehr Leser den Google-Translator benutzen, hab ich diesen Service kurz getestet. Google-Translator für den 1. April 2003: Chronic Beischlafmangel. Of diario to diarrhea is only walked. Diary of Henri blast furnace. Tuesday, 1 April 2003. Claudia does not huestelt in the act ways SA R-S danger of Sex to think. Just as little I dare it, mean account balance up to call. If it rained at least! Humanitarian assistance may not be identified with one of the conflict parties. A dogma seems to be. Johannes Rau has doubts about the goettlichen mission of George W Bush. What now is that called? Is Rau a Agnostiker or a Pazifist bare? This Asia journey of national father Stoiber does not taste to me. Particularly since it carries so far no breathing mask. Den National Father Stoiber zum Neutrum zu degradieren, könnte der Opposition gefallen. Karrierefrau von der Au wird mit career woman of that outer ones, Reiner Schabernack mit Pure Schabernack übersetzt.

Sonntag, 10. Oktober 2004 (Vioxx-Skandal weitet sich aus)
Gut, daß ich bei Diclofenac geblieben bin. Lehmann kann sich aufhängen, Klinsmann ist ein Killer. Loddamaddäus bräuchte einen Pressesprecher. Und Alt-Mettener Sepp Maier bleibt ein Bayer. Hundertprozentig harmonisch scheint mir Claudias neue Affäre nicht zu sein. Spontanerektionen. Siggi Jepsen volljährig geworden. Raucht etwas viel. Eine Stunde Translate-Googlen und man ahnt. Dem Komiker droht ein ähnliches Schicksal wie Schachgroßmeistern. Google liefert auf Knopfdruck eine Pointe nach der andern. Beispiele. Egypt police hunt explosives buyer wird zu Ägyptenpolizeijagd-Explosivstoffkunde. Survivors: Scene like battle zone zu Überlebende: Szene mögen Schlachtzone. Rowling: Another Potter character to die = Rowling: Ein anderer Töpferbuchstabe zum Sterben

Montag, 11. Oktober 2004 (Wirtschaftweise fordern Ende der Schwarzmalerei)
Oder wie Google übersetzt. Restaurant economics demand end of the black painting. Was mich an eine weiße Übermalung denken läßt. Sollte Pinakotheken nicht so vernachlässigen. Aus gegebenem Anlaß Buchbinder Wanninger bestellt. 24 Indigo am Sonntag im Wirtshaus zum Isartal. Könnte sogar Claudia gefallen. Kartoffelchipskonsum nimmt zu. Schlafe zu wenig. Und es bleibt trotzdem nichts übrig vom Tag.

Dienstag, 12. Oktober 2004 (Merz laß nach)
Weichen für Harald Schmidt gestellt. Erwarte für mich günstigere Gleitzeitregelung. Umsetzung löst Bürokratielawine aus. Roadmap beschlossen. PDA noch nicht sinnvoll genutzt. Diclofenac geschluckt. Ziel. Morgen Gymnastik. Siggi Jepsen beendet seine Strafarbeit. Und in der alten Pinakothek surren bereits die Elektroöfen. Besuch XXVII. Heutiges Lieblingsbild. Nicolas Lancret, Der Vogelkäfig. Erinnert mich an meine Aussteigerträume. Mit DSL-Anschluß.

Mittwoch, 13. Oktober 2004 (Letzte Runde. Kerry-Bush)
Wozu? Software für Wahlcomputer ist bereits geschrieben. Daß ich zu antizipatorisch diskutiere, ist bekannt. Scheint jetzt auch auf meine Arbeitsweise abzufärben. Mir unbekannte Schmerzen an der linken Schläfe. Dunkle Vorahnungen. Dazu der Rheumatismus. Dabei sagte man mir noch gestern in der Arbeit, ich mache immer so einen fröhlichen Eindruck. Claudia, die mal wieder einen Abend zu Haus verbringt, ohne – ich will ihm noch keinen Namen geben. Claudia wertet dies als Indiz für meine stete Verdrängung. Bei mir ist alles Verdrängung. Sex. Lesen. Frasier. Bei ihr heißt dergleichen. Versinken im Augenblick.

Donnerstag, 14. Oktober 2004 (Signalstörung, Getriebeschaden)
MVV-Ausfälle häufen sich. Hasse überfüllte U-Bahnen. Rollo Martins hat zu viel durcheinander getrunken. Der dritte Mann, SZ-Bibliothek 29. Neue Büromöbel. Libido,Liebe,Lieb. Claudia sieht nur die Alliteration. Nicht die Antiklimax auf dem Weg ins Klimakterium. Mondlandung läßt Reiner keine Ruhe. Erste E-Books und Dictionaries auf dem PDA.

Freitag, 15. Oktober 2004 (Jeder fünfte Deutsche fühlt sich krank)
Meine überwiegend ohne Diclofenac absolvierten Auftritte schlauchen mich zunehmends. Einsiedelei liegt meiner Konstitution mehr. Harry Lime stirbt auch im Buch. Herr E. zurück an den Plattentellern. Blondie. Kim Wilde. Und Silke Groß schreibt, sie findet mich süß. Die Zeiten sind vorbei. Clockwerk Orange, für den ich mich zu zartbesaitet hielt, soll ich mit Bud-Spencer-Augen betrachten. Munich-Slim Werbung im neuen In mit echten Vorher-Nachher-Fotos. Sind Gesichter auf den Nachher-Fotos immer verdunkelt? Vandalismus an der Haltestelle Theresienstraße. Probleme mit rechtem Auge. Kartoffelchipsattacke mit Unmengen Salat gesühnt.

Samstag, 16. Oktober 2004 (Una salus victis, nullam sperare salutem)
Gegen Schalke punktet man nicht en passant. Das Wochenende war gelaufen, mußte aber noch überbrückt werden. Sex unwahrscheinlich, Claudia zu frisch verliebt. Keine Ex in Reichweite. Alkohol verstärkt die Niedergeschlagenheit. Blind Date kein Thema. Samstag abend nur Alleinerziehende im Netz. Zwanghaftes Solitaire. Nach drei Stunden war der Akku leer. Oddset-Gemeinschaftstipp mit Experten Ingo ausgewertet. Alle Spiele falsch.

Sonntag, 17. Oktober 2004 (24 Indigo in Munich City)
Trommelte eigens Fan-Club zusammen. Doch die Bedienung vom Wirtshaus zum Isartal meinte, man hätte das Event gestern abgesagt. Warum, wisse er nicht. Weiter ins Beethoven. Neue Plakate für die Fortsetzung der Dschungelshow. Eliza fiel Dirk Bachs üppige Brustbehaarung auf. Ich meinte, dies täusche, weil er so klein sei. „Glaubst du, das sind seine Schamhaare?“ Der Katalysator-Homeboy versprühte Funken ohne Ende. Aber Eliza ist wahrscheinlich doch keine Krankengymnastin. Mochte Jenny Treibel und Effi Briest. Was bleibt mir, als auch Keyserlings Wellen, SZ-Bibliothek 30, zu lieben? Hätte ich gleich nach dem Werther lesen sollen. Vielleicht wäre mir so manche Erfahrung erspart geblieben. Eliza noch öfter auf der Wiesn als Claudia. Findet Homeboys komisch.

Montag, 18. Oktober 2004 (Affäre Buttiglione)
Könnte mir Bully gut als Jesus vorstellen. Der Sohn des Manitu. Und samma doch moi ehrlich. War Jesus nicht wirklich...? Shakespeare-Geburtstag bringt Drei Richtige mit Zusatzzahl. Ramadan. Trotzdem Schlangen vor der Kantine. Klinsmann hätte auf Bayern hören sollen. Mister D.W. woaß mittlerweile, wia's laaft. Nach zwanzig Jahren Showbusiness. Vorstellungsrunde mit Namensschildern. Letzte so große Vorstellungsrunde bei meinen Konfirmandentagen. Was würdest du auf eine einsame Insel mitnehmen? Oder war es keine Insel? Was sollt' es sonst gewesen sein. Die Astrid jedenfalls. Nahm ihren Hamster mit.

Dienstag, 19. Oktober 2004 (Take a walk on the wild strike)
Everybody had to pay and pay. Bochum darf nicht sterben. Anruf von der Änschi ausch Schtuttgart. Möge dieser Kelsch an mir vorüberziehen. Sonst gibt's nächste Woche schon wieder keinen Sex. Subversion installiert. Pinakothekbesuch XXVIII. Alte. Im Raum XIII. Rote Wände. Kein Lieblingsbild. Frauen hatten zu viel Rouge auf den Wangen. Auch die Pompadour. Wahrlich kein goldener Oktober. Nie mehr Substanz zur Championsleague. Number Four versuchte, während des Fußballs kühlen Kopf für zwei Zufallsgrößen zu bewahren, was ihm auch gelang. Griff im Frust zu SZ-Bibliothek 31. Ian McEwan, Der Zementgarten. Was soll ich übers erste Kapitel sagen. Außer. Ich masturbiere selbst. Im zweiten hört Jack dann auf, zu baden und sich die Zähne zu putzen. „Wenn mich jemand wirklich mochte, war mein Argument, dann würde er mich auch akzeptieren, wie ich war.“ Nicht das, was ich heute brauche. Lege noch ein Rohmer-Video ein. Wintermärchen.

Mittwoch, 20. Oktober 2004 (GM Enterprise: Rückkehr der Opelaner)
Erwäge Fortsetzung des Studiums. Claudia erwägt Auszug. Lehmann dürfte wieder ruhiger werden. Eliza fand Homeboy-Abend nett. Entsetzter Blick auf die Uhr. Verwerfe Fortsetzung des Studiums. Bin zu hilfsbereit.

Donnerstag, 21. Oktober 2004 (Bundestagsfraktionen endlich in Kritik an Softwarepatenten einig)
Unicode-Darstellungs-Probleme. Au-Pairs dürfen bei Visumsbeantragung noch keine 25 sein. Und haben gar nicht so wenig Rechte. Vielleicht sollt' ich doch richtig untervermieten. Falls Claudia ernst macht. Wieder ein Rohmer-Film. Schön. Aber nichts fürs Kino. Süße Erstsemester in der U-Bahn. Elmar kritisiert den Lehrkörper seiner Kinder und plädiert für Gesamtschule. Von Walldorf hält er auch nichts. Schalte zu wenig ab.

Freitag, 22. Oktober 2004 (Fehlersuche und Bugfixing)
Informatiker und Psychoanalytiker haben viel gemeinsam. Zehn Stunden. Am Freitag. Gesetzliche Höchstarbeitszeit verhindert Schlimmeres. Sprich mit ihr. Aus der Stadtbücherei. Kommt ganz ohne Transvestiten aus. Daß ich mir von diesem Wochenende keinen Sex verspreche, bestätigt mir die stoische Ruhe. An der Kasse. Wo die Kassiererin keinen Barcode auf der Bergbauernmilch ausmachen kann, sich nach einer Weile selbst auf den Weg zum Kühlregal macht und ihr erst, als sie wiederkommt, ein „Zweite Kasse, bitte!“ einfällt. Wo der Typ vor mir es fertigbringt, dreimal hintereinander die falsche Geheimnummer einzugeben. Ob ich in dieser Situation auch so schwitzen würde? Jeden Tag neue seltsame Anwandlungen. Dachte, ab 25 verändert man sich nicht mehr und legt sich höchstens noch ein neues Image zurecht.

Samstag, 23. Oktober 2004 (Mehmet Scholl, Mehmet Scholl, Mehmet Scholl!)
Mehmet Scho-oll: MEHmet SCHOLL! Da nimmt man sogar in Kauf, daß Mutti bei einem Fehlpass applaudiert. In keinesfalls zynischer Absicht. Früher suchte man sich auf Kuren selber einen Schatten, heute will man seine Kinder verkuppeln. WC-Benutzung am Münchner Hauptbahnhof kostet mittlerweile 1,10 Euro. In Worten: Zwei Mark Zwanzig. Oder polemisch: Ein Arbeitsloser muß eine Stunde und sechs Minuten arbeiten, um einmal am Hauptbahnhof zu scheissen. Schwere Zeiten für Laxoberal. Was gab's noch am Hauptbahnhof. Bild-Test-Aktion, die mich vage an den Pepsi-Test erinnerte. Mach den Bild-Test. Jede Zeitung schreibt anders. Nur dein Geschmack entscheidet. Und dann war da noch die Wasserstoffblondine, die irgendwo in der Nachbarschaft wohnt und die ich gern mal nach dem Weg fragen würde. Hab Claudia den Inhalt des Zementgartens vorgetragen. Sie hegt den inzestuösen Verdacht, daß das Buch vom gleichen SZ-Redakteur ausgewählt wurde, der schon das Hotel New Hampshire für die Sammlung rekrutierte. Und vermutlich sei er kein Einzelkind.

Sonntag, 24. Oktober 2004 (Habseligkeiten: schönstes deutsches Wort)
Nun ja. Heute werden wir nicht politisch. Arsenal und VfB fangen sich erste Niederlagen ein. Registrierung bei iTunes g'rad nicht möglich. Erfährt man wie üblich, nachdem man alles ausgefüllt hat. Wollte Song aus Alle sagen I love you downloaden. Ein bißchen im Katalog des Friendscout24-Homeboys geschmökert. I'm through with love. I'll never fall again.

Montag, 25. Oktober 2004 (Vier Fäuste für ein Hallelujah)
Teufel zuliebe. Daß sich Reiners Dateianhänge, die amerikanische Präsidentenwahl betreffend, nicht öffnen lassen, spricht für seine Verschwörungstheorien. Elmar müßte eigentlich zu Hause bleiben. Enderlin aus Frischs Mein Name sei Gantenbein, SZ-Bibliothek 32, verdankt seinen Ruf nach Harvard einer Arbeit über Hermes. Rendez-vous mit der Vergangenheit von Spätschicht bedroht. Fühle mich von den steten Kreditangeboten der Hypovereinsbank immer mehr belästigt. Und heute liegt auch noch der Speiseplan der Arbeiterwohlfahrt Milbertshofen im Briefkasten. Vielleicht sollten wir mal wieder die Fenster putzen.

Dienstag, 26. Oktober 2004 (Alles Placebo)
Bei meinen Loser-Allüren brauch ich's mit Akupunktur also nicht zu probieren. Sex wäre ohnehin das angenehmere Placebo. Allein der Irrealis. Sogar der Oberstaatsanwalt fand an der heutigen Leistung von Bayern nichts zu kritteln. Oliver Bierhoff kann sich vorstellen, daß Mesmer oder Schumacher den Nationalspielern Vorträge halten, zum Beispiel zum Thema „Wie erreiche ich große Ziele?“. Vielleicht sind Sportpsychologen für Nationaltrainer und -manager keine so schlechte Idee. Reiner wirbt weiter für seinen E-Mail-Anhang. Mühsame Tests in der Arbeit. Eine Dienstreise bleibt mir eventuell erpart. Claudias Freund gut situiert. Mir ist nach Sanostol.

Mittwoch, 27. Oktober 2004 (DFB-Elf bestreitet Eröffnungsspiel)
Werde ich hellhöriger oder mehren sich Unstimmigkeiten in meinem Umfeld. Sollte mir Beispiel an Gantenbein nehmen. Offiziell weniger wahrnehmen. Darüber hinaus seltener in der ersten Person sprechen. Singular und Plural. Zweimal Chaplin. Goldrausch und Lichter der Großstadt. Laut Klappentext gehört der Augenblick, in dem das Mädchen zum ersten Mal die Augen öffnet, zu den bewegendsten Momenten, die je auf einer Leinwand zu sehen waren. Muß eine besondere Leinwand gewesen sein, bei der dieser Moment zu sehen war. In der zugehörigen DVD zumindest kommt besagte Szene nicht vor.

Donnerstag, 28. Oktober 2004 (Beckstein macht Terror)
Tanzverbot zu Silvester käme mir mehr gelegen. Claudia blüht auf. Sex macht sexy. Leider gilt auch die Umkehrung. Schon wieder unbezahlte Überstunden. Aus Dummheit. Es geht das Gerücht, ich bekäme kein Weihnachtsgeld. Dann droht der Billigzahnarzt. An der polnischen Grenze. Nehme mir zu viel vor. Denke zu wenig an den Tod. Ignoriere den Verfall. Und WM-Karten werd' ich wohl auch keine bekommen.

Freitag, 29. Oktober 2004 (Merry Christmas)
Harald Schmidt is coming home. Zweimal im Monat aufzulegen wird Herrn E. zu viel, und wenn sich dann auch noch Gäste wie die Karrierefrau von der Au und Homeboy Junior über die leeren Ränge beschweren... Istanbul ist nicht mehr wie es war. Mütter und Väter sollten grundsätzlich im Hotel übernachten. Verdauungsprobleme gehören nicht in die Sexanbahnungskonversation. Depressive Komiker müssen aufpassen, keine komischen Depressive zu werden. Nach drei Maß' kann keiner unbeschränkt geschäftsfähig eine vierte bestellen. Dieser Meinung Juniors mußte ein Herr aus Varasdin widerlallen. Das ZDF sourct zu viel out. Bayerische Kommunisten dürfen kein Graf Arco Bier trinken. Radenkovic steppt mit dem Bären. Angela Merkel ist in Hamburg geboren. Und Claudia meint, wenn ich um halb sechs nach Hause komme, müßte ich mit dem Dolby-Surround-System vorsichtiger sein. Die Diskussion meiner Händchen-Halten-Aversion betrachte ich als abgeschlossen. Und Ok. Ich habe nicht nie geliebt.

Samstag, 30. Oktober 2004 (No comment)
Frustbewältigungsszenarien. Betrinken mit Edith? Hat schon was vor. Masturbation? Morgen ist Halloween. Möchte im Falle eines Falles nicht wieder auf das Horneberger Schießen anspielen. Auch zum Freibier mit DeeDoubleYou konnte ich mich nicht aufraffen. Chaplin-Kurzfilme liefen spurlos vorüber. Es blieb nicht viel übrig, um mich abzulenken. Habe mich auf ein Sujet festgelegt. Noch nicht auf Umfang und Form. Vermute, es wird ein Romänchen. Recherche-Literatur ausgewählt. Wenn ich schon im Dichterviertel wohne.

Milbertshofen, ein Dichterviertel?

Sonntag, 31. Oktober 2004 (Lidl-Kondome gefühlsecht)
Zufrieden.

© Henri Hochofen 2004