Alpha-Blogger mit Nebenwirkungen

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Tagebuch von Henri Hochofen

September/Oktober 2005

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Donnerstag, 1. September 2005 (418 Begünstigungen)
Frau Scheel möchte sich drei Wochen vor der Wahl noch auf seriöser Informationsbasis mit Kirchhofs Steuerkonzept beschäftigen. Das nenne ich gute Vorbereitung auf die Oppositionsarbeit. Entwarnung bei Makaay. Ich glaub' ich hab ein bißchen Eisenmangel. Angelina schickt das erste Foto aus der neuen Wohnung. Der Balkon steht ihr gut. Erste Einführung in das bayerische Blatt. Vom Herz Kini zur Herz Sau. Tabellen des Oberstaatsanwalts gewinnen an Übersichtlichkeit. John Homeboy gewährt mir Herberge während der Bundestagswahl. Wenn schon Kuhaugen, dann Kalbsaugen, soll Hera insistiert haben. Als sie in die Jahrhunderte kam.

Freitag, 2. September 2005 (Tanke Super mit mir)
Super, Super die ganze Nacht. Wahlkampfsamba um die Zapfsäule. Kriegsrecht in New Orleans. Schlimmer als im billigsten Katastrophenfilm. Angelina schläft beim Telefonieren ein. Nein. Sie telefoniert mit dem Hörer auf der Gabel. Nein. Der Umzug ist vollbracht. Claudia sagt, wenn ich ein Übergangsmann sein sollte, hätte ich meine Sache gut gemacht. Als ich noch Feminist war, hielt ich sowieso jeden Mann für einen Übergangsmann. Aber übergehen wir diese Phase meines Lebens. Alice Schwarzer kommt gut ohne mich zurecht. Die steigende Zahl der norddeutschen Leser läßt mich über einen Password-Schutz nachdenken. An der U-Bahn Sendlinger Tor ging die schreckliche Sozialpädagogin vom April an mir vorbei. Gottlob ohne mich zu sehen. Mit Giulia und Richling im Tolstoi. Letzterer wollte mir einreden, Zickler sei bereits 1991 zu Bayern gewechselt. (Leserbrief) Dabei hat er '93 noch für Dresden gespielt. Number Four war müde. Und der Pseudobringer heiratet.

Samstag, 3. September 2005 (Großreinemachen)
Vierte Staffel von Dr. Frazier Crane ausgepackt. Es ist schön, ein paar Dinge zu besitzen, die zu agile Frauen müde machen. Zwei sexuell assoziierte Träume. Beim ersten schien es auf etwas Ungezügeltes hinauszulaufen. Der zweite war romantischer, monogamer und am Meer. SZ-Diskothek, Band 1978. Starkes Jahr. Da gefällt mir einiges. Von THE ONLY ONES bis ALICIONE. Bett und Handtücher gewaschen bei 60 Grad. SZ-Diskothek, Band 1969. Elvis, Jane Birkin und Velvet Underground. Hosen gewaschen bei 30 Grad. Meine VHS-Kassetten lassen sich jetzt synchron digitalisieren. Die Karrierefrau von der Au und Benedikt bitten zum Leopoldstraßenfest. Statt Passwordschutz versuche ich, Angelina eine Zeit lang hier heraus zu halten. Claudia meint, bei ihr hätte ich diese Rücksichtnahme immer vermissen lassen. Man lernt aus seinen Fehlern. Große Monaco-Franze-Nacht an der Münchner Freiheit hätte einen anderen Protagonisten dieses Weblogs beinahe wieder mit seiner Angelina zusammengebracht. Ich kann nichts dafür. Sie heißt nun mal genauso. Homeboy Junior, der seinen Tick abgelegt hat, sagt, Faust meinte ewig nicht im Sinne von perpetuus, sondern von aeternus. Außerdem neigt er dazu, Stalking zu verniedlichen. Benedikt zitiert Marco Polo, daß der «Waidler» höchsten Respekt verdiene. Und so setzte Junior zu einer langen Aufzählung der im niederbayerischen Flachland schon fast vergessenen Pionier-Leistungen an. Zum Einen sei die Röntgenstrahlung in Hengersberg erfunden worden, und Carl Röntgen habe dem wahren Entdecker die Patente geklaut. Der Strom heißt im Wald das Leight. Nicht Light. Und wegen des Gefälles hatte man das Leight hier schon viel eher besessen als im Gäuboden. Wo man bis aufs Roaming auf wenig zurückblicken kann. Ex arber lux. Oder meinte er ex arbore? Zu guter Letzt sei im bayerischen Wald sogar das Weißbier entstanden, behauptet Junior, was sogar die gemästet wirkende Karrierefrau von der Au und ihr Gemahl zu würdigen wußten. Leider war kein Ägypter anwesend, der die Angelegenheit genauer durchleuchtet hätte. Ansonsten war der Abend a truckane Bau-Schtay und a mayds Aufbleibats. Benedikt blieb konsequent und schenkt kein Bier an Diven aus. Ein schönes, schlafloses Gute-Nacht-Telefonat. Und steigende Freude. Denn. Das Wiedersehen naht.

Sonntag, 4. September 2005 (Kanzler-Duell)
Der Kanzler liebt seine Frau. Und Angie liebt Herrn Kirchhof. Papiere geordnet. Wohnung begehbar. Tischflächen teilweise freigeräumt. Im Klee, da hat der Sep. ein Bett gemacht, da blüht ein süßer Zeitvertreib. Blaumeisen sind keine Zugvögel. SZ-Diskothek, Band 1982 und 1994. Meist gefallen mir die doch die Songs am besten, die ich schon kenne. In diesen Jahren Close Watch und Loser. Claudia will ein paar Tage zu Maria. Sterne meinen es gut. Mit mir.

Montag, 5. September 2005 (Gemeinsam sind wir stark)
Wenn man ein Taxi braucht, kommt keins. Merkwürdig, daß in den Teilnehmerlisten der morgigen Veranstaltung genau zwei Namen fehlen. Mehrmals hintereinander im Armdrücken verloren. Mein Bart ist zu aggressiv. Die Nacht ist zu kurz. Die Röcke zu lang. Und das Leben sehr schön.

Dienstag, 6. September 2005 (Immer wieder Weißbier)
Die Karrierefrau von der Au wickelt Immobiliendeal in Hinterhof ab und gewinnt einen Machtkampf gegen das Baby. Frieda packt aus. Die Wahrheit über den bayerischen Wald. Dort sei es, wie in Australien. Lauter ehemalige Strafgefangene, die sich wild vermehrt haben. Zwischen Zwergenbecher und Seniorenteller muß es noch was anderes geben. Zwei Weißwürste hören das Zwölf-Uhr-Läuten. Im Tal soll's nicht nur Porno-Dirndl geben.

Mittwoch, 7. September 2005 (Einkaufen im Tal)
Energiekrise hat Milbertshofen erreicht. Kein warmes Wasser mehr. Schröder-Köpf legt nach. Vielleicht sollte auch Merkels Lebensgefährte nicht länger schweigen. Und Schröder vorwerfen. Daß er keinen Einblick in die Probleme ostdeutscher Arbeitsloser hat. Als Wessi, mit makelloser Erwerbsbiographie. Während ich im weißen Bräuhaus allein zwei Getränke bestelle, bemüht sich Angelina eine Woche vor der Wiesn eine Umkleidekabine in einem Trachtenshop zu bekommen. Dirndl gefunden. Angelina fällt todmüde ins Bett und verschläft eine kleine Familienfeier.

Donnerstag, 8. September 2005 (Obstsalat)
Besprechung im Biergarten. Undercover-Einsatz. Eine Frage der Zeit, wann die Grünen den Solarpanzer entdecken. Zwei Bananen, Kiwi, Apfel, Birne, Weintrauben und ein Pfirsich. Das ist nicht wenig für zwei Menschen, die noch was anderes vorhaben. Als nur essen. Obwohl. Müdigkeit und ein Schwarz-Weiß-Film sind nicht der schlechteste Koch. Angelina trocknet meine DVD-Tränen. Rom war unbeschreiblich schön.

Freitag, 9. September 2005 (In Dirndl und Lederhose)
Verlobung. Im kleinen Rahmen. Alles dokumentiert. Kleinere Differenzen bezüglich Wein- und Zigarettenangebot. Claudia macht das offizielle Foto. Ich suche einen Aufsatz über den Einfluß der Periode auf die Stimmung der Frau. Wenn die Wahl ohne Dresden noch nicht entschieden ist, dann möchte ich nicht wissen, was dort alles im Briefkasten landet. Ich sehe Flugzeuge mit Riesen-SPD-Bannern und CDU-Lautsprecher-Patrouillen.

Samstag, 10. September 2005 (Don't bring me a parcel, Mr. Postman)
Gut, daß Angelina nicht über Berlin nach Haus' gefahren ist. Mein Päckchen, das laut DHL-Zettel in der Angerer Straße abzuholen gewesen wäre, wurde in die Max-Liebermann-Str. geliefert. Somit kostet mich das Abholen eines Päckchens acht(!) Streifen. Nicht auszudenken, wenn Schröder auch diese Wahl nicht verliert. Ohne Gegenentwurf zu Neoliberalismus. Mit Christian Wulff an der Spitze müßte sich die Union mit dieser Frage gar nicht beschäftigen. Bayern und Agassi siegen weiter. Wahlspot der SPD gesehen. Da würd' ich eher Whiskas kaufen. Der Wähler ist dumm. Und darauf beruht die Demokratie. Oder zumindest die Wahlwerbung. Eltern aus Norwegen zurück. Meine Verlobte meint, daß auch wir dort mal angeln werden. In einer hoffentlich noch fernen Zukunft.

Sonntag, 11. September 2005 (Kaiser Franz wird 60)
Und es ward Licht. Und Gott sah, daß das Licht gut war. Von Pumuckl-TV und ein paar unerträglich leichten Telefonaten mit meiner Verlobten abgesehen. Ein verzweifelter Kampf gegen MySQL.

Montag, 12. September 2005 (Packen für den kalten Polar)
Durchgemacht. Für den Oberstaatsanwalt. In jeder Diät gibt es sogenannte A-Tage. Die Klausur scheint korrigiert. Ergebnis kommt per Post. Fliehe nach Norddeutschland. Angelina stellt mir eine Checkliste zusammen. Acht Stullen sollten für die Fahrt reichen, schätzt sie. Hab' mir den Breitengrad genauer angesehen. So weit nördlich war ich noch nie. Brüderle hindert mich lautstark daran, einzuschlafen. Die Flut kann kommen. Briefwahl erledigt.

Dienstag, 13. September 2005 (Sonniges Rostock)
Das Lidl-Ticket läuft langsam aus. Ein Herr aus Straubing geriet in Zugzwang, hatte jedoch wegen einer eineinhalbstündigen Verspätung Pech und wird sein ursrpüngliches Ziel nicht mehr erreichen können. Aber im Endeffekt ist das Wurst. Überhaupt sei er ja Anfang August 1700 Kilometer gefahren. Für 50 Euro. Nach Hamburg, Reeperbahn, Stadtrundfahrt, weiter nach Berlin. Und mit dem Nachtzug zurück, Über Halle, Fürth. In Fürth hat der Zug etwas warten müssen. Dafür ging das Umsteigen in Berlin, Bahnhof Zoo, recht zügig. «Ich weiß nicht, ob Sie Straubing kennen. Vielleicht haben Sie schon davon gehört. Hat das zweitgrößte Volksfest in Bayern... Ein großes Zuchthaus gibt's da auch, ich glaub' sogar, das größte in Bayern... Und sonst. Es liegt halt an der Donau. Ich bin ja selber nur a Zuagroaster, so sagt man da. Gebürtig komme ich, das kennen Sie vielleicht auch, aus Furth im Wald, Drachenstich... Normalerweise wär ich jetzt schon in Wernigerode. Jetzt bin ich in Fulda...» Was die Zugtoiletten angeht. Prostagutt will Granufink nicht das Feld überlassen und schlägt eiskalt zurück. (Siehe 20. August 2005). Und endlich Ankunft in Rostock. Bei Sonnenschein. Kein roter Teppich, aber zumindest eine rote Windjacke. Ob es an der Studie liegt, nach der hier angeblich die dicksten Deutschen wohnen, daß man den Bahnsteig so breit gebaut hat? Ein Paulaner Weißbier im Kakadu. An den Imbißbuden scheint mir hier kultivierter diskutiert zu werden als in München. Angelina meint, ich würde nie ein richtiger Ossi werden, da kann ich noch so viele Bananen-Sandwiches verspeisen. Von meinem Vorschlag, eine Geschirrspülmaschine anzuschaffen, rücke ich wieder ab. Ist ja fast alles selbst getöpfert. Oder beschriftet mit Made in the German Democratic Republic.

Mittwoch, 14. September 2005 (Wieso? Weshalb? Warum?)
Zu welcher Spezies gehörte eigentlich Herr von Bödefeld? Lerne mit Skript und Diktiergerät in Café, Pizzeria und Bibliothek. Angelina zeigt Interesse für den Investiturstreit. In ganz Mecklenburg gibt's keine solche Schwulenszene wie in Rostock. Tanitas Prüfungsstress ist vorbei, Vroni läuft die 100 Meter fast unter 15 Sekunden. Angelina hat kein Eis mehr gekriegt. Und Heinz möchte wissen, wie ich mich denn fühlte unter all den Hartz-Vier-Empfängern. Und weil immer mehr von einem Automatismus Verlobung-Ehe reden. Landesvater Stoiber spricht da eher von ergebnisoffenen Verhandlungen über eine privilegierte Partnerschaft. Uli meint, wir hätten uns alle zu lieb. Trotzdem siegen wir in Wien. Hätte meine Briefwahl gleich als Dauerauftrag einrichten sollen. Schließlich muß die Wahl sowieo wiederholt werden. Die Zweitstimmen hätte man in Dresden doch abgeben können. Hätte 'nen Haufen Geld gespart. Wenn ich anfange, meine Briefe mit Dein Fjodor Henrijewitsch zu unterschreiben. Dann muß es wohl was Ernstes sein.

Donnerstag, 15. September 2005 (Heute schon gegreppt?)
Man dreht mir unter zwei Zwiebelstreifchen und ein bißchen Paprika ein Wiener Schnitzel als Zigeunerschnitzel an. Serviererin nur wegen der Wiedervereinigung noch kinderlos. «Früher haste ja gewußt! Du kriegst Arbeit! Du kriegst 'nen Kindergartenplatz!» Zehn Euro im Internet-Café gelassen und mangels Doku letztlich nur gegreppt. Zu wenig gelernt und mich viel zu wenig um Angelina gekümmert.

Freitag, 16. September 2005 (Banagodda! Mhmmmm, wie legger!)
Kleinere Umbauten. Ein ausziehbarer Telearbeitsplatz im Flur. WG beschließt statt Schlüsseln Anbringung von Drehscheiben an den Badtüren. Pizzeria am Hafen. Schiffe ziehen vorüber. Schade, daß Sir Toby nicht dabei sein konnte. Wieviel Amaretto enthielt das Tiramisu?

Samstag, 17. September 2005 (14. Sieg in Folge)
Oberstaatsanwalt stört das Frühstück. Lange Schlangen an den Eisdielen. So muß es vor der Wende gewesen sein. Angelinas spätgotische Tauffünte besichtigt. Bayerns vierzehnten Sieg in Folge verifiziert. Sind nach den Schinkennudeln noch lange zusammengesessen. Auch wenn man hier im Norden meint: wir haben zusammengesessen.

Sonntag, 18. September 2005 (Wahltag)
Frühstück mit Angelinas kompletter WG. Auch Felix ist aus Italien zurück. Tuborg kriegt man überall. Neuerliche Bahnhofsszene mit Angelina schließt eine viel zu kurze Woche ab. Weiterreise nach Hannover. John-HomeBoy diktiert ein paar Gutachen. Jim Knopf kämpft gegen Drachen. Michaela gewinnt ein Eis. Afghanistan hat gewählt. Und es würde mich nicht wundern, wenn Herr Schröder einen Regierungsauftrag für sich erkennen würde. Der Begriff Zwangsprostituierte fällt bei John-HomeBoy ein wenig zu oft. Kindergartenmütter müssen zusammenhalten. Und die leerstehende Immobilie in der Nachbarschaft weckt das Bedürfnis, mal probezuwohnen.

Montag, 19. September 2005 (Semesterabschluß)
Mit Halsweh aufgewacht. Beinahe hätte mich wieder eine Eisenstange von John-HomeBoy erschlagen. In Hagen lassen sich die unteren Trittstufen des ICE immer noch nicht ausfahren. Mündlicher Leistungsnachweis einfacher als erwartet. Und auch bei der Klausur im August hat es dank großzügiger Korrektur gereicht. Claudia meint, ich solle mich wegen zweier windiger Scheine nicht so aufführen, wie wenn ich das Double gewonnen hätte. Angelina, die sich Latein für Angeber scheinbar schon besorgt hat, schickt mich in die Apotheke. Wallenstein endlich um die Ecke gebracht. Wäre peinlich, wenn ich ihn auch dieses Jahr zum Betriebsausflug mitnehmen hätte müssen. Dudley auf Diät gesetzt.

Dienstag, 20. September 2005 (No Woman No Cry)
Daß der Jurist aus Mossenberg keinen ehrenhaften Abgang hinbekommt. Scheint mir etwas unwürdig. Umckaloabo entfaltet seine Wirkung. Schäuble plädiert für Jamaika. Vielleicht fallen endlich die traditions-bedingten Rechts-Links-Differenzierungen. Es gibt nur noch eine riesige Mitte. Und nur eine Linkspartei. Bahn hat von Luft und Liebe noch nichts gehört. Mußte schon wieder einen Kredit bei den vermögenden Homeboys beantragen. Verbringe mehr Zeit im ICE als in meiner Küche. Angelina hat gebucht. Bayern siegt weiter.

Mittwoch, 21. September 2005 (SPD will Unionsfraktion sprengen)
Legalitätsstrategie zur Machtergreifung. Dem Oberstaatsanwalt fällt jeden Tag was Neues ein. Quidditch fällt dieses Jahr aus. In einem Traum meint ein Astrologie-Experte, ich könnte wählen zwischen Hund und Katze. Angelina besorgt den Rotwein. Amazon will mir weismachen, daß Kunden, die Bücher von William Shakespeare gekauft haben, sich auch für Bücher von Bastian Sick interessieren. Urlaub neigt sich dem Ende zu.

Donnerstag, 22. September 2005 (Im Frühtau zu Berge)
Vor dem Betriebsausflug 2005 noch kurz ins Büro geguckt. Erfolglos. Seilbahn bringt uns auf die Alm. Zwei Meter Schnee unter mir hätten mich etwas beruhigt. Strahlender Sonnenschein. Glückliche Kühe. A sauers Lingal kriegt der Dietmar überall. Hintergrundinformationen zum sexuellen Dreikampf blieben aus. Elmar wird auf Museen in Eichstätt, Donauwörth und Marrakesch hingewiesen. Auf Number Four und John-HomeBoy ist Verlaß. Ein Kneitinger-Kenner lobt ein nettes Bräuhaus in Jena. Herr E. kauft sich einen Zweitwagen. Um nicht uncool zu wirken – wir waren zu früh dran –, setzen wir uns, bevor wir in den Club gehen, noch in ein Café. Wobei ein bekannter Fernsehkoch den Tisch neben uns, gespickt mit Schicki-Prolls, freundlich unterhält. Wenigstens Angelina ging früh zu Bett.

Freitag, 23. September (Willkommen in der Expo- und Messestadt Hannover)
Ich muß damit rechnen, daß mein Umsetzungsantrag nicht genehmigt wird. Angelina trägt mich in Job-Suchmaschine ein. Die Vermieter meiner Hannover-Unterkunft beschrieben die Örtlichkeiten etwas unpräzise. Und so versuchten wir, mit dem Schlüssel eine Wohnung ohne Namensschild zu öffnen. Gottlob empfing uns nicht der tatöwierte Dicke, der in der Wedekindstraße einstieg und im Bus rauchte. Nein. Da stand nur ein älteres Fräulein. Ohne Nudelholz. Mit dem man reden konnte. Und das meinte, daß auch im dritten Stock keine Wohnung leerstünde. Schließlich fanden wir die richtige Tür. Die Waage im Bad hätte mich warnen sollen, nicht alle Sitzgelegenheiten auszuprobieren. Nachdem wir die Möbel zusammengeschraubt und ein wenig umgestellt haben, wurde es trotzdem noch recht gemütlich.

Samstag, 24. September (No sports)
Frühstück im Mezzo. Alkoholfreies Weißbier im Sprengelmuseum. Sportschau ausfallen lassen. Bei John-HomeBoy zum Essen eingeladen. Pünktlich gewesen. Eine halbe Stunde später kam der Chief. Mit den Zutaten. Nudeln mit Henri-Soße. Mit dem Muskat muß ich mir noch was einfallen lassen. Häschen und Schneckchen sollten bei Tisch tabu bleiben. Homechild Number One möchte wissen, warum die anderen Homeboys nicht heiraten. Und versteckt sich mit ihrem Bruder im Schrank. In Hannover sagen die Leute, denen man die Tür aufhält, angeblich «Ja.». Es wurde spät im Wintergarten. Man erzählt die alten Stories. Von den WGs im Osten und im Westen. Wie im Zusammenhang mit einer Eisenstange vielleicht mal ein ein falsches Wort gefallen sein mag oder wie der Chief gezwungen worden sein soll, die Wohnung zu putzen. Oder vom Sturm auf die Bastille. Bei unsrer Unterkunft in Hannover kann man auch fast von «Erhaltungswohnen» sprechen.

Sonntag, 25. September (Stehplatz im IC[E])
Schlüssel- und Butterübergabe am Moltkeplatz. Eis am Hauptbahnhof. Angelina wählt Kokos und Ananas. Einen so überfüllten Fernreisezug hab' ich nocht nicht erlebt. Kein Sitzplatz bis Nürnberg. Oma geht es wieder gut. Claudia meint, es sieht nach Großer Koalition aus. Mit Kanzlerrochade. Wenn sie Schröder zuerst ranlassen. Ruft er vorm Wechsel sicher Neuwahlen aus.

Montag, 26. September (Entbehrung und Askese)
Ein Löffelchen Antimaterie bringt mich aus dem Konzept. Sage alle Feierabendbierchen aus Kostengründen ab. Angelina heißt jetzt Angelique. Accorde meilleur avec Henri. EU-Statistikbehörde schätzt wie von der Bundesregierung erwartet das deutsche Haushaltsdefizit anders als Hans Eichel. Deswegen die Neuwahlen. Überstunde eingelegt. Und gleich Freizeitausgleich beantragt. Erste vielversprechende Stellenangebote. Dieses Gelaber von der größten Fraktion oder größten Partei geht mir langsam auf den Geist. Entscheidend sollte die absolute Mehrheit unter den Koalitionspartnern sein. Aus wie viel Fraktionen selbige auch bestehen mag. Ich finde. Wenn man sich fünf Monate kennt und sich verlobt hat. Dann könnte Sex durchaus mal ein Thema werden. Oder bin ich da zu schnell. Claudia meint, mit der Aufhebung der Askese verlöre das Blog seinen roten Faden. Das soll das Labyrinth nicht stören.

Dienstag, 27. September (Europacup-Premiere in der Allianz-Arena)
Müntefering scheint Stoiber als Kanzler zu fordern. Auch Seehofer hat man wieder lieb. Elmar und Ginger fürchten Beckstein als Nachfolger in Bayern. Angelique kämpft gegen Vorurteile. Und Hamburg ist doof. Baggio hat unseren Platz in der Allianz-Arena gefunden. Sieg ungefährdet, aber glanzlos. Potter soll die Eulen wechseln. Wenn er Kurznachrichten versendet. Nehme an, daß der Flug zurückverfolgt werden kann. Claudia meint, die gesetzliche Kündigungsfrist beträgt drei Monate. Ich hoffe auf vier Wochen.

Mittwoch, 28. September (Konstruktive Gespräche)
Äußerst müde. Trotzdem mit dem Fahrrad gefahren. Vor Angeliques Büro steht ein Papier-Shredder. Die ersten Kollegen wünschen mir alles Gute. Dabei hab ich noch gar nicht offiziell gekündigt. Fühl' mich wie Willy Sagnol. Schon wieder eins. Schlafe zu wenig. Kaum ein Gedanke an Sex. Nichts gelernt. Kein Jobportal besucht. Kann das sein? Daß ich schon wieder urlaubsreif bin?

Donnerstag, 29. September (Prosit der Gemütlichkeit)
Mit Elmar lange im Dunkeln ge-eldappt. Meine zensierten Passagen wurden endlich gegengelesen und müssen nicht länger unveröffentlicht bleiben. Claudia bringt einen Wies'n-Flirt mit heim. Hoffentlich schläft er so schnell ein, wie er aussieht. Hagrid wirkt verliebt. Die Begründung für die nicht genehmigte Umsetzung liest sich doch nicht wie eine Kündigung. Angelique zeigt kein großes Interesse an meinem Briefmarkenabo. Ich setze auf die Retrowelle. Aufreiß-Klassiker kommen immer wieder.

Freitag, 30. September (Primzahlenzerlegung)
Mit meinen Gläubigern Schinkennudeln essen. Der dostojewskinichtunverträgliche Homeboy Number Four versucht, mir einen zweifelhaften Primzahlenbeweis unterzujubeln. Ein Lateiner wie er hat keine Prinzipien. Obsta principiis! Harry und Ron erinnern mich an meinen Tanzkurs. Angelique hat eine Vision. Claudia will nie mehr Alkohol trinken.

Samstag, 1. Oktober (SPD erwägt Neuwahlen)
Habe nichts dagegen. Solange allen Abgeordneten eine neuerliche Kandidatur untersagt wird. Sitze seit halb drei an der Haltestelle Alte Heide. Und muß ACHT(!) überfüllte U-Bahnen vorbeifahren lassen. München braucht einen U-Bahn-Gürtel, der U2 und U6 verbindet, und auch in Fröttmaning hält. Diclofenac unumgänglich. Angeliques Vision wird wahr. Voldemort ist wieder auferstanden. Potter IV abgeschlossen. Heimlichkeit ist zu Ende. Wurde ganz schön abgeklopft. Alter. Herkunft. Politische Gesinnung. Wie ich zur Biermösl Blosn stehe. Altlasten. Ganz ohne Altlasten. Das ist auch verdächtig. Ein Glück, daß ich so gut Nein sagen kann. Dünner Mann Collection eingetroffen. Karrierefrau von der Au scheint doch noch Babysitter zu bekommen.

Sonntag, 2. Oktober (Union gewinnt Mandat dazu)
Schröder sieht sich weiter vorn. In einer großen Koalition. Vielleicht führt er ein paar Dossiers. Dreimal dünner Mann. Und dann noch Harry Potter. So cineastisch hatte ich mir den Sonntag nicht vorgestellt. Angelique wird nicht geblitzt. Trotz BMW. Winnetou muß mir eine Kopie seines Handelsregisterauszuges schicken. Der Bechterew gefällt mir nicht. Vielleicht sollte ich am Ramadan teilnehmen.

Montag, 3. Oktober (Schröder gibt Anspruch aufs Kanzleramt auf)
Er will sich jeder Entscheidung der Partei beugen. Man wäre schon zufrieden, wenn er sich dem Wählerwillen beugte. Semesterbeginn. Schlüssel fürs virtuelle Seminar entgegengenommen. Angelique hat Mitleid mit Winkey und bäckt Apfelkuchen. Hoffentlich bleibt mir das tägliche Selters an der Bahnhofsraststätte N. erspart. Fange auf meine alten Tage noch zu lispeln an. Jobmarkt in Mecklenburg ist etwas mau.

Dienstag, 4. Oktober (Sonderbare Gespräche)
SPD hofft weiter auf Selbstmordattentate bei der Union. Checkpoint Charlie und Berliner Mauer auf dem Mars wieder errichtet. Der nächste Scharlachfall im Büro. Neues SSL-Zertifikat für Zorro beantragt. Angelique kauft mir ein hühnerfederfreies Kopfkissen. Komme gar nicht mehr dazu, meine Reisetasche auszupacken. Der nahende Ortswechsel erspart mir Exerzitien in oberbayerischem Kloster. Wenn jetzt sogar James Bond Kondome nimmt. Hoffentlich steigen dann die Preise nicht.

Mittwoch, 5. Oktober (Beziehungen)
Vera verläßt ihren Mann. Er meint wegen IPP. Weil er keinen anderen Grund nachvollziehen kann. Claudia hatte auch mal einen Jugendfreund mit IPP. Der hat sich operieren lassen. Ohne Komplikationen. Das wünscht Vera ihrem Mann auch. Letzter Arbeitstag. Der Ramadan hat begonnen. Nur noch wenige Stunden Zug trennen mich. Von. Tja von wem eigentlich? Angeliques kommen zu häufig in Erotikfilmen vor. Das paßt nicht zu mir. Schwul würde zu mir passen. Also sagen wir. Der Captain erwartet mich. Wie es aussieht, darf ich mich auf mindestens acht schöne Jahre freuen. Weiter darf ich sowieso nicht planen. Bei meinem Rheuma.

Donnerstag, 6. Oktober (Soweit die Züge tragen)
Nachtzug Venus macht vier Wochen Pause. Reisende werden gebeten, auf folgende Linie auszuweichen. Link auf Fahrplanauszug. Schön, daß Verspätungen bei der Deutschen Bahn jetzt im Fahrplan stehen und nicht mehr überraschend kommen. 13 Stunden Fahrt. Wenigstens allein im Abteil. Mein Captain empfängt mich in Warnemünde und behauptet, an der Ostsee gäbe es keine Ebbe und Flut. Und wenn schon Paulaner Weißbier. Dann Helles. Oder Dunkles. Oder naturtrüb. Oder Kristall. Am besten aber verkneife man sich Weizendiskussionen an Bord. Der Seemann ist sensibel.

Freitag, 7. Oktober (Vorsicht Wessi!)
Ich muß aufpassen, daß sie mir hier nicht den Wessi anhängen. Es heißt Warno, Güstro und Panko, und nicht Warnoff, Güstroff und Pankoff. Bis ich mich an das nichtgesprochene slawische «w» gewöhnt habe, lese ich keinen Tschecho mehr. Darf den Plot von Harry Potter VII nicht mehr öffentlich ausplaudern. Sonst verklagt mich der Verlag. Eine historische Nachtwächterführung war zu gut besucht und brachte mir nichts ein. Von einem viele Aktivitäten behindernden Schnupfen abgesehen.

Samstag, 8. Oktober (Ostseekrank)
Schiffsarzt verschreibt mir Nasenspray und Hustenbonbons. Landgang beschränkt sich auf Drogerien und Apotheken. Kerzenlicht und Schaumbad. Mit Krügen auf Köpfen kommt man in keine U-Bahn.

Sonntag, 9. Oktober (Schinkennudeln)
Fürsorglich gepflegt worden. Mit neuer Frisur eine Couch zum Sperrmüll gebracht. Alte DDR-Fahne entdeckt. Bei WLAN-Suche auf Bekannte von Achtern gestoßen. Zum Tee geladen. Tschechow heißt doch Tschechoff. Weil er eigentlich Cechov geschrieben wird. Und demzufolge mit Warnow, Güstrow und Pankow nichts zu tun habe. Tatort wirkte etwas konstruiert. Deshalb mit Mrs Charles eine DVD angesehen.

Montag, 10. Oktober (Gebt dem Osten Butter)
An der Kasse von Spar verschwindet jemand mit meinem Pfund Butter. Basisdemokratische Winterurlaubsabstimmung. Schröder gibt endlich auf. Stoiber geht nach Berlin. Wer wird der neue Landesvater. Muß auf der Stelle nach München zurück. Wen soll ich verhindern? Huber oder Beckstein? Pizza zum Abschied. Und selbstgebackenen Marmorkuchen. Obwohl ich Mrs Charles schon in ein Taxi zur Videothek gesetzt hatte, fand sie sich dennoch ein bißchen außer Atem am Bahnhof ein. Das Seemannslos ist hart und grausam. Ich brauch' einen anderen Job.

Dienstag, 11. Oktober (Nachtzug: Berlin, Hannover, Würzburg, München)
Die Frisur hält. Zu zweit wäre es im Abteil ja noch auszuhalten gewesen. Aber in Berlin gesellten sich zwei Italiener dazu. Welche ständig rumknutschten und viereinhalb der sechs Sitze in Beschlag nahmen. Mögen in Bayern auch die Nahrung vitaminreicher, die Bildung besser und die Temperaturen wärmer sein, womit Mrs Charles meine Unbedarftheit immer abzuschwächen versucht. Ich brauche meinen Schlaf. Togo, Ghana, Elfenbeinküste und Angola fahren zur WM. In Claudias Zimmer stehen Umzugkartons. Warte nicht, bis sie heimkommt. Will endlich schlafen.

Mittwoch, 12. Oktober (Beta-Blogger)
SZ-Blogger greifen auf, daß 50 Prozent aller Blogger ihre Blogs als Form von Therapie benutzen. Jetzt brauch ich nur noch Leser, die sich therapieren lassen. Man will mir weismachen, daß ein einfaches select max(row) from table im verwendeten Framework nicht möglich wäre, wenn row zu einem mehrteiligen Schlüssel gehört. Und schließlich könne ich das nicht beurteilen, weil ich in besagtem Framework noch nichts entwickelt hätte. Ja, eine halbe Stunde mußte man zur Lösung des Problems schon investieren. Mrs Charles bucht ein Winterhotel. Und ich hab' noch nicht mal meinen Lebenslauf aktualisiert.

Donnerstag, 13. Oktober (Wasserschaden)
Ganze Nacht kein Auge zugetan. Mute ich mir zuviel zu? Fürchte Iritis. Vera will sich selbst finden. Zorros Shop lief nicht. Bei Yahoo.de funktioniert der pop3-Zugriff nicht mehr. Wasserschaden. Übelriechender, gelblicher Fleck an Decke und Wand. Partei über mir hat nichts bemerkt. Mal wieder mit meinem Vermieter telefoniert und ihm neben dem Schaden gleich gemeldet, daß Claudia zum 1.12 und ich zum 1.2 ausziehe. Ein Kind beschwert sich, warum Erwachsene auf Arbeit keine Hausaufgaben bekommen. Obsessionen haben immer so was Bedrohliches. Mrs Charles hat über diesen Deggendorfer Fleischskandal schon gestern berichtet. SPD holt abgewählte Ministerpräsidenten ins Kabinett. Elmar muß mehrere Stunden ohne Heizung auskommen. Der Schmuddel-Lidl von Milbertshofen immer noch schmuddelig.

Freitag, 14. Oktober (Bayern in Gefahr)
Kampfkandidatur. Beckstein gegen Huber. Alternative? Maget? Dann vielleicht doch lieber die Aliens von Uderzo. Am frühen Morgen bereits mit Vermieter und Hausverwaltung telefoniert. Schlüssel bei Herrn Körner abgegeben. Dabei mache dieser die Hausmeisterei nicht mehr. Seit Jahren. Wie er mir in Unterhosen versicherte. Die Partei über mir wäscht weiter ihre Hände in Unschuld. Noch tropft es aber. Mit JSTL geliebäugelt. Junior kann kein E-Mails empfangen. Mrs Charles hält einen Vortrag und hat leichte Kopfschmerzen. Mit Claudia in der Marc-Retrospektive. Lieblingsbild. Träumendes Pferd. Wär' auch was für Nora gewesen. Katholizismus hilft gegen Stress. Das zeigt, daß die Religiosität auch in Bayern zurückgeht.

Samstag, 15. Oktober (Konzessionsentscheidung auf Schalke)
Wollen sie Seehofer aus dem Kabinett kicken? Dann soll er sich aber. Um das Amt des Ministerpräsidenten bewerben. Mrs Charles macht guten Eindruck bei Schwiegereltern und Colombo. Die einen nennen es Lokalverbot. Die Wirtin von Varasdin sagt einfach: Spezi, Cola, Wasser und Kaffee. Und frägt sich, wer ihren Schnaps ausgetrunken hat. Die Kneipe ist der sicherste Ort der Welt. Die meisten Morde geschehen in der Wohnung. Mrs Charles bestellt sich um halb drei noch zwei Fleischpflanzerl. Benedikt entdeckt österreichische Wurzeln. Die Gläser klingen 0.5 x n x (n-1)-mal. Und Taxifahrer wie den unseren soll man nicht provozieren.

Sonntag, 16. Oktober (Ist es wirklich schon so spät?)
Am Bahnhof gelitten. Noch mehr als sonst. Eine Käsereibe wechselt den Besitzer. Mrs Charles versucht sich im Zug an mathematischen Knobeleien. Family-Car von John-Homeboy wird konkreter. Omibus van(ita)s. Oder wie er selber sagt. The blue bus is callin' us. Zorro meint, gegen Juve geht's um nix. Claudia hält mich vom Lernen ab. Der Fleck im Bad wird feuchter.

Montag, 17. Oktober (Ein paar Stunden Koalitionsverhandlungen)
Und schon geht es aufwärts. Mit der Mehrwertsteuer. Mein Vermieter erkundigt sich bei mir über die Untätigkeit der Hausverwaltung. Vogelgrippe in Griechenland. Ein Impfstoff in den USA. Im Online-Seminar wollte mein Mikro' nicht. Alf haßt Software, die dann abläuft, wenn man sie braucht. Musiker Derek Wilder möchte neue Märkte erschließen und einen Link bei Zorros Shop setzen. Wie schnell geht ein Kuss vorüber. Mrs Charles schickt mir lang versprochenes Bildmaterial.

Dienstag, 18. Oktober (Kleine Schritte nach Paris)
Mal wieder nichts gegessen. Nichts getrunken. Ja, gegen Feierabend hab' ich gemerkt, daß ich zehn Stunden lang nicht ausgetreten bin. Das muß diese Genügsamkeit sein, die Claudia mal an mir geschätzt hat. Zorro will nächste Woche überweisen. Ingo konstatiert, daß ich mich auf das Juve-Spiel nicht vorbereitet habe. Meine erhoffte Mitfahrgelegenheit am Wochenende treibt sich auf der Straubinger Biomasse-Messe rum. Mrs Charles erkauft sich einen kleinen Konsumrausch. Daß die Bahn mit Sparpreis50 und Sparnight werben kann, halte ich für bedenklich. Solange nicht auch eine Recherchefunktion zur Verfügung steht. Mit deren Hilfe man innerhalb dieser kontingentierten Angebote suchen kann. Vielleicht sollte man darauf hinweisen, daß in jeder Maschine nur maximal ein ermäßigter Platz zur Verfügung steht. Und daß die Wahrscheinlichkeit, diesen Platz zu bekommen, nur beim Vier-Uhr-Morgens-Zug meßbar ist. Nichts Neues von der Hausverwaltung. Der FC Bayern teilt mit, daß meine zusätzlichen Kartenwünsche für das Spiel gegen Duisburg nicht erfüllt werden können.

Mittwoch, 19. Oktober (Die Hysterie beginnt)
Vera strotzt vor Selbstbewußtsein, ist endlich wieder da, wo sie immer war. Und fühlt sich minderwertig. Dunkel war's. Der Mond schien helle. Der Gestank im Bad gibt Claudia den Rest. WILMAAAA. Vogelgrippe. Lasse mir von einem der Arzt-HomeBoys ein Tamiflu-Rezept ausstellen. Mrs Charles hat schon eins. Ach. Wär ich doch katholisch.

Donnerstag, 20. Oktober (SPD und Union wollen keine Stoibererhöhung)
So paranoisch scheint mein Anliegen nicht gewesen zu sein. Weil so bereitwillig d'rauf eingegangen wurde. Trotzdem könnte mein Rezept zu spät kommen. Roche stoppt Lieferungen nach Deutschland. Wegen dieser panischen Hamsterkäufe vieler Mitbürger. Ein soziales Pflichtjahr für alle soll laut Steffi Lemke gegen die Europäischen Menschenrechtskonventionen verstoßen. Seh' mich schon in Rostock weißeln. Hoffentlich muß ich nicht auch noch meine Wohnung renovieren. Benedikt wünscht sich nicht-tschechische Zigaretten zum Geburtstag. Mrs Charles hält's wieder mit der Religion. Fühl mich immer so müde. Curriculum vitae auf Anregung von Nora ergänzt. Jetzt muß der Stoiber den Osten nur noch in blühende Landschaften verwandeln. Dann kann die Migration beginnen.

Freitag, 21. Oktober (Niemand verläßt das Boot)
Bis Udos Handy wieder auftaucht. Vor der Impfung, Tetanus, nicht Vogelgrippe, meinte die Arzthelferin im Nebenraum zur Kollegin. «Des zum Schweigen, äh Lesen geb' ich ihm schon...» Nachher meinte sie, ich sollte jede außergewöhnliche Anstrengung vermeiden. Claudia sagt, für einen Rheumatiker sei Sex durchaus eine außergewöhnliche Belastung. So gesehen, konnte ich auf Benedikts Geburtstagsparty nichts versäumen. Mein Geschenk wurde gut angenommen. Von den Ideen der anderen werde ich mich bei nächster Gelegenheit inspirieren lassen. Freddy will. Nach der Verwirklichung großbayerischer Utopien. Seine Fühler nach Südtirol ausstrecken. Die Bedienung hat sich schon gedacht, daß Benedikt den billigen Sekt bestellt. Absurde Theorien über das Liebesleben auf Hogwarts. Indes hat Mrs Charles Band IV fast abgeschlossen. Der anwesende Arzt meinte auf meine Frage, ob er privat nicht auch schon Tamiflu geordert habe, daß er keine Erektionssteigerungen feststellen konnte. In Varasdin ein verloren geglaubtes Kleidungsstück von hohem idellen Wert wiedergefunden. Bevor mir der Maien blühte, hat mir die Dame am Nachbartisch mal gefallen. Karrierefrau von der Au schläft zehn Minuten später ein als üblich. Anette geht, ohne zu bezahlen. Und Benedikt fühlt sich übervorteilt. Thorsten hat letztlich doch eine relativ prosaische Übernachtungsgelegenheit gefunden. Die Forelle findet es dekadent, in Städten mit U-Bahn mit dem Taxi zu fahren. Und echte Honigbienen sind auch im Oktober fleißig.

Samstag, 22. Oktober (Nächster souveräner Heimsieg)
Fön. Der mit meinem Kopfweh nichts zu tun hatte. Kam zu spät ins Stadion. Verpaßte aber kein Tor. Kurztrip nach Niederbayern. John HomeBoy glaubt sich veranlaßt, mich zu warnen, ich solle Tamiflu nicht prophylaktisch nehmen, wegen zu erwartender Nierenschäden. Todmüde. Bei Mrs Charles Fischrezepten eingenickt.

Sonntag, 23. Oktober (Vogelgrippe in Großbritannien)
In Sachen Tamiflu laß' ich mir keine Paranoia mehr einreden. Schließlich ist es schade, wenn man sich auf etwas vorbereiten kann. Und man tut es nicht. Bin ich nicht auch. Während des Zölibats. Mit Kondomen in den Taschen. Ausgegangen. Number Four wäre gern eine Primzahl. Kommissar Lindholm ist wieder Single. Frau Merkel will ein Machtwort sprechen. Solang' nicht wieder ein Seehofer oder Merz auf der Strecke bleibt. Der Schaden in der Toilette über mir soll seit Mittwoch behoben sein. Tropft aber mehr denn je. Mrs Charles kämpft gegen Marmor. Wenn sogar Marmor, Stein und Eisen. So schwer bricht. Dann das and're. Sicher nicht.

Montag, 24. Oktober (Koch kündigt Heulen und Zähneklappern an)
35 Milliarden müssen eingespart werden. Mein Vermieter hat sofort reagiert. Nutzt eine Besichtigung meines Wasserschadens zur Übergabe der Nebenkostenabrechnung von 2004. Der Honig ist so fern. Simones neue Katze heißt Herr Bert. Adriano Celentano mischt Italien auf. Und auch Mrs Charles liest heute keine Gedichte vor, sondern rührt den Gips an.

Dienstag, 25. Oktober (Milch und Honig werden nicht fließen)
Münti bietet gesundes Brot und ordentlichen Aufstrich an. Ich wähle Mrs Charles. Frankfurt schlägt Schalke 6-0. Auch Waigel, der Nora an Bert von der Sesamstraße erinnert, und Goppel werden mit der Stoibernachfolge in Verbindung gebracht. In dem Fall kann Glos in Berlin bleiben und muß nicht bayerischer Verteidigungsminister werden. Frontal 21 hat sich fünf Minuten Gegendarstellungen von Gregor Gysi eingehandelt. Mrs Charles verbündet sich mit einem Makler. Mehrere Kollegen laden mich zur Mitarbeit ein. Sitze jedoch an eigenen Baustellen. Richling lebt und erzählt nichts vom Urlaub. Claudia hat einen Verdacht.

Mittwoch, 26. Oktober (Hochofen wieder schuldenfrei)
Zorro bringt Lohntüte vorbei. Number Four frisiert seinen Primzahlenbeweis mit Euler, durchforstet zur Zeit 1000 technische Skizzen am Tag und überlegt, ob er Stifters Witiko weiterlesen soll. Bayern bleibt im Soll. Bei Hugendubel erkundigt sich der Typ vor mir. Am Infostand. Nach dem gleichen Buch wie ich. DSL-Anschluß von Mrs Charles steht. Tamiflu- und Diclofenacrezept sind eingetroffen. Hausverwaltung hat den Wasserschaden nur deshalb für behoben erklärt, um meine Vermieterin zu beschwichtigen. Claudia möchte, daß ich für ihr letztes Monat Mietminderung beantrage. Fachgespräche mit Nadja. Biergartentemperaturen in der Innenstadt. Da wird es einem wieder bewußt. Daß man von der nördlichsten Großstadt Italiens zur südlichsten Kleinstadt Dänemarks überzusiedeln in Begriff ist.

Donnerstag, 27. Oktober (Krankheitswelle rollt an)
Drei der acht Personen, mit denen ich in dieser Woche im Büro zu tun hatte, sind heute krank. Claudia hält mich für 'ne Virenschleuder und 'nen Dauerausscheider, der selbst nie was kriegt. Wohingegen Mrs Charles, die mir beim Kofferpacken zuhört, sich dessen nicht so sicher ist und es lieber sähe, ich würde mein Tamiflu-Rezept einlösen. Café-Meineid-Folge mit Helmut Fischer, Gisela Schneeberger, Udo Wachtveitl, Miro Nemec und Kurt Weinzierl. Und im Hintergrund gestikuliert noch die junge Barbara Schöneberger. Schreibe gerade die Kündigung meines DSL-Vertrages. Hätte eigentlich noch lange Laufzeit. Spekuliere auf eine fristlose Kündigung aus wichtigen Grund. Nora sagt, daß Margaret Schlegel erkannt hat, zu vorsichtig gewesen zu sein. Howards nimmt kein End.

Freitag, 28. Oktober (Streifzug durch die Unterhaltungsmathematik)
Im ICE nicht über ein, zwei Algorithmen hinausgekommen. Das Königsberger Brückenproblem. Das Haus vom Nikolaus. Und leider auch ein etwas längerer Beweis zur NP-Vollständigkeit des Hamiltonkreisproblems. Dazu schneiden sich in Rostock Ebenen mit Geraden. Etc. Im Badminton dürfte Mrs Charles mehr Chancen haben als beim Tennis. Endlich mal Wind an der Ostsee. Besuch hat den Charakter einer Dienstreise.

Samstag, 29. Oktober (Bavarian spoken)
Heino-Konzert in Rostock war ein voller Erfolg. Mrs Charles findet, er sieht gar nicht mehr wie Heino aus. Eher wie Oliver Kahn. Jobsuche in Mecklenburg übersichtlicher als erwartet. Berlin ist noch nicht vom Tisch. Mrs Charles besucht heimlich Sprachunterricht und macht zum Frühstück zwoa Oa. Zorro dürfte Ballacks Kopfball-Torgarantie nicht länger verborgen bleiben. Im Cacadu mit unserem Laptop alle Gäste versprengt. Chips vor den Kindern versteckt. Es ist ja noch Kartoffelsuppe da. Number Four tut was für sein Geld.

Sonntag, 30. Oktober (Notebook around the clock)
Mrs Charles belegt das Notebook am Vormittag, ich am Nachmittag. Und abends wird Sims gespielt. Von nitratbelastetem Rucolasalat abgesehen, gehen die Lebensmittelvorräte langsam dem Ende zu. Mit so vielen Essern hat man hier nicht gerechnet. Federball und Tischtennis im Flur. Beim Bockerer geweint und im Zimmer geraucht.

Montag, 31. Oktober (Müntefering wird zum Rückzug gezwungen)
Eigentlich sollte jedes Vorstandsmitglied, dem nicht klar war, daß Münti durch Nahles geschwächt würde, seine politische Karriere ebenso beenden. Stoiber erwägt bereits, in München zu bleiben. Die Grünen. Sollten noch mal. Neu nachdenken. Über Jamaika. Nora zum Zoo begleitet. Ein Spaziergang am Tag ist genug, finde ich. Sims auf dem Kinder-PC installiert. Ein bißchen High School Fernsehen. Einiges erkannt. Mrs Charles frägt, warum ich heut' so unromantisch bin. Dabei klingt der Abend so romantisch aus und wir fixen gemeinsam einen Bug.

© Henri Hochofen 2005