Tagebuch von Henri Hochofen
November/Dezember 2003
Samstag, 1. November 2003
Boss nächste Woche nicht da. Ermöglicht mir Abfeiern von Überstunden. Versuch Eins zu schlafen von Halloween-Gören gestoppt. Mühsames Wieder-Müde-Werden durch Friedrich-Anekdoten und Fibonacci. Erfolglos bemüht, die Zahlen von 1 bis 9999 mit den Händen darzustellen. Zweiter Einschlafversuch von Papa Homeboy per Telefon gestoppt. Jetzt ist es 3:00 a.m., keine Minute geschlafen. In einer Stunde Aufbruch nach Hannover. Obwohl gemunkelt wird, eine Waschmaschine wäre vorhanden, lasse ich meine schmutzige Wäsche zu Hause. Kann mich nicht erinnern, wann mir Claudia das letzte Mal ein Lunchpaket hergerichtet hat. Möge ich nicht aus Müdigkeit vergessen, in Nürnberg umzusteigen.
Montag, 3. November 2003
Von der Pharmareferentin, mit der man mich nach Hannover gelockt hatte, war nichts zu sehen. Dafür barg das Fenster zum Hof die eine und andere freizügige Überraschung. Recht bald war mir allen Trübsinns Boden entzogen. Wenn da nicht die Geschichte mit der Niederlage auf Schalke gewesen wäre. Mama Homeboy feiert ihr Comeback nach der Babypause, zum Bibelwort (Ist er nicht der Zimmermann, Marias Sohn...?... Ein Prophet gilt nirgend weniger als in seinem Vaterland... Und er konnte allda nicht eine einzige Tat tun... Und er verwunderte sich ihres Unglaubens [Markus, 6,1]): „Jesus war ein Placebo“ Homeboy-Baby # 1 beschwert sich, daß Mama Homeboy in der Öffentlichkeit Unwahrheiten über sie verbreitet, und Baby #2 hilft bereits, die Einkäufe mit hochzutragen. Papa-Homeboy, welcher die Edeka-Weine alle schon kennt, favorisiert den Weinhändler um die Ecke mit der Weinkönigin an der Kasse, der Preis spielte, glaube ich, keine Rolle. Man entschied sich für einen Primitivo, den ein paar einzelne intellektuelle Winzer wiederzuentdecken im Begriffe sind, und für ein paar Kisten von einem ehrlichen Südtiroler und einem schweren Sizilianer, welcher der Dame des Hause wegen seines harzigen Nachgeschmacks nicht zusagte. Flummy-Ball, Frisierkopf, Mittellandkanal. And the same old stories. Viererbande der Familie Dr. K schläft stets in einem Bett. Mama Homeboy hat bei Mutter-Kind-Gruppen läuten hören, daß die Männer in Niedersachsen sehr viel bei der Hausarbeit helfen. Es gäbe noch so manches mitgehörte Telefonat zu schildern, aber wie Papa Homeboy gerne sagt: „Rede wenig, rede wahr, dann bringst du dich nicht in Gefahr.“ Stichwort schwul gilt für einige Content-Filter als jugendgefährdend. Eine Tragödie für Thôrstens Web-Auftritt. Mit Robert Walsers Gehülfen begonnen. Fräulein Hedwig allem Anschein nach noch immer in der Lebensversicherungsgesellschaft tätig.
Dienstag, 4. November 2003
Historiker-Homeboy legt in Sachen Matriarchat-Auseinandersetzung nach und bringt mich mit FAZ-Artikel auf den neuesten Stand. Abgesehen davon, daß in ihm ein Schulfreund von Mama Homeboys Dad zitiert wird, was trägt besagter Artikel zu unserer Erhellung bei? Hole wieder meinen Historiker-Entgegnungs-Nietzsche raus. „Nun ist alles Wesentliche der menschlichen Entwicklung in Urzeiten vor sich gegangen, lange vor jenen 4000 Jahren, die wir ungefähr kennen.“ Performance meiner Datenbankanwendung läßt noch zu wünschen übrig. E-Mails vom Wochenende abgefragt. 28 Penisverlängerungen und 15 Viagra-Sonderangebote.
Mittwoch, 5. November 2003
Claudia meint, ich sei selber schuld, wenn ich mir überall Informationsmaterial zukommen lasse. Geschwindigkeitshemmnis aus Quellcode entfernt. Performance ok. Endlich mal wieder Feierabend zu christlicher Zeit. Pinakothekbesuch VIII. Neue. Spätromantik. Biedermeier. Man hat umgeräumt. Mein ausgeklügeltes Besuchssystem bricht zusammen. Kann wieder ganz von vorn anfangen. Lustige Witwen wollten sich Spitzwegs Der Besuch des Landesvaters einpacken lassen. Mein heutiges Lieblingsbild, wie zu erwarten, Der arme Poet [temporärer Link], der im Nebensaal 10a ein Schattendasein führt. Der mittlerweile 33-jährige Homeboy K. meint, in Hannover gäbe es nicht zu viele Kinder, sondern in München zu wenig. Homeboys, hört die Botschaft wohl. Claudia nimmt die Pille wieder. Wovon ich nicht profitiere. Nicht bestritten werden kann dagegen, daß in Hannovers Küchen, zumindest in denen, die ich besuchte, Mangel an Oregano und Muskat herrscht. Szenen aus Frasier wie Szenen aus der Homeboy-WG. „Na, Frasier, wie war dein Date gestern abend?“- „Ich frühstücke mit euch, also ratet mal!“
Donnerstag, 6. November 2003
Und ich hab Kummer. Zweite Halbzeit des gestrigen Championsleague-Spiels leider ausgefallen. Keine Leidenschaft, kein Esprit, kein Selbstbewußtsein. Kein Team. Sehe nur eine Lösung. Wenigstens sparte sich Claudia die Frage nach dem Resultat. Und Number 4 eine spöttische Sms. Reiner Schabernack meint, Franz sei keine Lösung. Außerdem denkt er schon wieder ans Segeln. Etikettenlieferant hat den Barcode falsch gedruckt. Überstunden. Vielleicht kann Hitzfeld auf den Besinnungstagen am Tegernsee das Ruder nochmal rumreißen. IP-Telefonie beantragt. Thôrsten wird jetzt auch von Nicht-Heteros verleumdet.
Freitag, 7. November 2003
Habe mich daran erinnert, daß Bayern in der Saison, in der man die Championsleague gewann, ähnlich schlecht gegen Lyon aussah. Kaiser-Ansprache. Dr. Frasier Crane erfährt von Reynolds, daß sein Bruder Niles ein paar Flaschen 61-er Château Haut Brion besitzt. („Niles...we had a deal. Whenever I've found a case of rare wine, I've offered you half.“- „I understood that our deal only applied to vintages post 19...65.“- „That wasn't part of the agreement.“- „Well, I'll have to reread it.“- „It was oral!“- etc.) Manchmal inspirieren mich Claudias Zurückweisungen. Die Psychiatrie-Homeboys nennen es freie Assoziationen, ich sage Ejakulation ohne Feindberührung. Die Wahrheit liegt irgendwo dazwischen. Ich soll keine vor 9h ausgesprochenen Lebensweisheiten veröffentlichen. Dabei ist es da in New Orleans noch mitten in der Nacht. Für Ruth-Maria von F. gibt es keine schönere Arbeit als die, die man mit dem Gedanken ans Wochenende beginnt. Dann wären alle Arbeitstage gleich schön. Muß morgen nachmittag zu Hause sein, weil Claudia mit meiner Schwester zu Ikea fährt. Tragen helfen. Einer der Homebeuys ruft mich während Pinakothekbesuch .IX. an. Moderne. Neben der Spielraum-Theater-Ausstellung zum ersten Mal im ersten Stock. Mußte unwillkürlich lachen. Schwanke bezüglich heutigen Lieblingswerkes zwischen Scenes from an ideal marriage (Twombly), Weiße Übermalung II (Arnulf Rainer) und Capri-Batterie (Beuys). Der Gehülfe gönnte sich, wie ich, einen Drei-Stunden-Tag. Ach, es war heute das reine Tändeln mit der sonst so ernsthaften Feder.
Samstag, 8. November 2003
Mathematisch unmotivierter Bill über 1000 Kilometer mit dem Fahrrad in Osteuropa unterwegs. Reiner S., der den Kontinent nie verlassen hat, war 78 in der DDR und hat Einblick in die große Welt nehmen, bis in den Ural sehen können... Homeboy Junior, der sich auf magische Art und Weise seiner Agressionen entledigte, will noch was vom Leben haben und war heimlich in der Oper. Et cetera. Und Ruth-Maria von F., welche vor einem Disput flieht, kann die Etiketten auf den Schubladen, in die ich gesteckt werde, belassen und zeigt, daß sie an einer Veränderung der Perspektive nicht interessiert ist. Jeder macht Bilder nach Qualität seiner Linsen. Bei zehn Vorwürfen hör ich gewöhnlich auf zu zählen. Falls ich mich je in jemand verlieben werde, so wolle sie persönlich die entsprechende Person vor meinem Tagebuch warnen. Da wird ihr Claudia schon zuvorkommen. Burgerking am Hauptbahnhof öffnet um vier Uhr morgens. Soror ex machina. Gut, daß ich so spontan bin und mich auf unerwarteten Besuch einstellen kann.
So spielt denn Junior ein Geigensolo, zumal auch Number Four viel zu tun hat. Bin noch nicht ganz nüchtern, las gerade Bürgerkrieg am Hauptbahnhof.
Sonntag, 9. November 2003
Statt italienischer Reise ein Spaziergang mit Claudia in die Mondfinsternis. Meine Ergriffenheit wurde mir nicht abgenommen. Und von Sex nach drei wird ohnehin abgeraten. Number Four bringt München wieder zum Leuchten. Claudia meint, der gutaussehende Typ auf Number Four's Einladung, der mit der scharfen Blondine (Marylin Monroe) tanzt, sähe mir ähnlich. Thôrsten von Praunheim dagegen hält diesen für einen Transgender und will mir was anhängen. Beste Saisonleistung von Bayern. Schöner Abend. Im Prinzip unterstütze ich den Plan, Kinderlosen weniger Rente auszuzahlen. Allerdings solle man diejenigen ausnehmen, die medizinisch keine Kinder bekommen können. So wie mich. Früher wurde ich zur Benutzung von Kondomen genötigt, und jetzt ist mir das Zölibat auferlegt. Alles gegen meinen Willen.
Montag, 10. November 2003
Hildegard Müller vom CDU-Präsidium erklärt, ein solcher Vorschlag spalte das Land. Und diskriminiere den Mann, wie die Homeboys ergänzen. Denn den Scherz, den ich aus Gründen der political correctness oben ausgelassen habe, moniert erwartungsgemäß Homeboy Junior: „es sei erwähnt, dass die Forderung für die volle rente, nämlich medizinisch keine kinder bekommen zu können, nicht nur für HH sondern für alle männer gilt“ Von innerer Ruhe in der Arbeit nichts zu spüren. Hohes Aggressionspotential. Ich-AG ohne Akquise. Dies muß das Ziel sein. Hoffentlich fängt der Gehülfe nichts mit der Chefin an.
Dienstag, 11. November 2003
Weil ich grad die Schlagzeile von zwitschernden Landkarten überfliege, Papa Homeboy ist im Auto von Bob Dylan auf eine Vogelstimmen-Kassette umgestiegen. Schreckliche Nacht, kein Auge zugemacht, Ringe unter den Augen. Trotzdem kein Diclofenac. Nicht, daß ich wieder Überstunden mache. Der Gehülfe bekommt ungefähr mein Gehalt ausgezahlt. Sein Vorteil, er wohnt nicht mit Claudia zusammen und wird täglich bekocht. Thôrsten sucht weiter nach einer Wohnung. „Hallo Thôrsten!Um eins klar zu stellen:Du bist von Anfang an nicht unser Wunschkandidat gewesen.Abgesehen davon suchen wir keinen notgeilen Ficker als Mitbewohner.Wir suchen nen gleichaltrigen,der nur hier wohnt,egal wie viele Staatsexamen.Eine gute Zeit noch und viel Erfolg bei der Suche.“ Dabei hatte Thôrsten „nur“ einen der potentiellen Mitbewohner für schnuckelig befunden. Die Zeiten sind rauh. Auch wenn ich mich heute relativ mild zeigte. Kasparow-Fritz-Partie nachgespielt. Lebhaft.
Mittwoch, 12. November 2003
D-Day. Mußte wieder eine Nacht durchschlafen. Gehülfe neigt sich dem Ende zu. Sieht nicht gut aus mit Reklameuhr und Schützenautomat. Verlängerung noch immer nicht unter Dach und Fach. Eine Bewerbung geschrieben. Sternumfrage. Es ist so ähnlich wie bei der Wahl zum Besten Deutschen. Die Veröffentlichung von Umfragen über Nationalsozialismus und Antisemitismus sollte verboten werden. Viel Post. Das Meiste für Claudia. Thôrstens SMS-Verbrauch macht mir Sorgen. Chef konsultiert mich bei Fragen zur Lage der Nation. Epikur, ich beneide dich.
Donnerstag, 13. November 2003
Konnte mich in den Gehülfen, der sich mittlerweile den letzten Stumpen angezündet hat, viel zu gut hineinversetzen. Stimmt bedenklich. Wo doch sein Alter Ego lange Jahre in der Heilanstalt Herisau zubrachte. Und mir immer häufiger auch von Stammlesern krankhafte Geisteshaltungen untergeschoben werden. Nach dem Ausflug in den Kanon von Homeboy K. halte ich mich jetzt mal wieder an Reich-Ranicki. Entscheide spontan bei Hugendubel. Keller, Hesse oder Roth. Simon schmiert sich Dr. Frasier Crane's 65-Dollar-Aprikosen-Hautcreme auf seine Muffins. Und dann kam fast alles ganz anders. Bei Hugendubel. Fontane, Roth, Heine und Rawling. Selten, daß ich mich bei einer Vorrede so amüsiert habe, wie bei Heines Atta Troll, dem unlängst einige faule Äpfel an den Kopf flogen. „Unser Vaterland ist ein gesegnetes Land; es wachsen hier freilich keine Zitronen und keine Goldorangen, auch krüppelt sich der Lorbeer nur mühsam fort auf deutschem Boden, aber faule Äpfel gedeihen bei uns in erfreulichster Fülle, und alle unsere großen Dichter wußten davon ein Lied zu singen.“ Bin unverhältnismäßig gut aufgelegt. Das naßkalte Novemberwetter? Oder mein morgiger Ausflug? Claudia meint, so was resultiere aus dem persönlichen Biorhythmus. Kasparow verliert. Werde aus Großmeisterkommentaren nicht wirklich schlau.
Freitag, 14. November 2003
Schmerzfrei wäre zu dick aufgetragen, aber immerhin relativ schmerzarm aufgewacht. Bechterew-Notizen zur gestrigen Nahrungsgesamtaufnahme: (Breze, Mohnsemmel, Sesamsemmel, Butter, Salami, Zwiebelbrot, Joghurt Aloe Vera-Litschi, Weintrauben, Mandarinen, Erdnüsse, Wasser, Wein, Vitamin C, Vitamin E, Floradix Kräuterblut- Dragee und Baldrian. Also ausnahmsweise keine Kartoffelchips und keine Nudeln) Breche nach der Arbeit zu Pop-Soul-Funk-Delikatessen auf. „Noch einmal sattelt mir den Hippogryphen“ Reise in die Vergangenheit.
Sonntag, 16. November 2003
Angebot und Nachfrage verschieben sich. Karrierefrau von der Au bringt jetzt Familie mit unter einen Hut. Hat geheiratet. Fest kommt noch. In Konstantinopel. In Regensburger Apotheke auf meine Lieblingskrankenschwester getroffen. Peinlich. Hab Namen ihres Hundes, dachte immer „Sheila“, in der Nacht von Freitag auf Samstag schon wieder vergessen. Sah den Zigarettenautomat vor lauter Lieblingskrankenschwester nicht mehr. Altmettener Interpret sorgte mit Kollegin für gute Unterhaltung. Wenngleich sein Bruder andeutete, er stünde ohne Adidas-T-Shirt mit so was schon seit 1984 hier am Kai, was ein anwesender Schierling-Veteran bezweifelte. Buddha hat es „wohl“ nicht mehr geschafft. Mit McEnroe, der fußballthematisch lediglich zu polemisieren weiß, und Nackenmassagen-Expertin die Regensburger Sperrstunde ausgereizt. Anschließendes Frühstück im Musiker-Haushalt brachte, dessen Homepage betreffend, keine neuen Erkenntnisse. Simone zeigt mir Fotos von Urlaub und vom Traummann. Eine Fingerfraktur gefährdet den Karibikurlaub meiner Eltern. Oma hat nichts gegen Flüge, sofern sie mit „Aus“ beginnen. Jobangebot im Landkreis Plattling. Könnte ich überleben? Wo würde ich wohnen? Landshut, Deggendorf, Straubing oder Regensburg? Quintum non datur. Resonanz auf meine Internet-Annonce „Dausche Beniscilin gegen Vick Medinight“ nimmt auch ab. Claudia möchte nicht in Niederbayern wohnen.
Montag, 17. November 2003
Umstellung meines Lebensrhythmus steht möglicherweise bevor. Auf Claudias Videorecorder scheint jetzt Verlaß. War gestern einer längst abgeschworenen gedanklichen Versuchung erlegen. Noch immer nicht davor gefeit. Flucht in die Arbeit. Harter Elf-Stunden-Tag. Welche Querverbindung gibt es von Number Four zum Meidericher SV?
Dienstag, 18. November 2003
Reiner hat für jeden inneren Konflikt einen passenden Comic in der Sammlung. Die Sprechblasen sind wohl falsch zugeordnet. Bei mir entwickelt sich, später als von mir selbst erwartet, nach dem mörderischen Studium, langsam wieder so was wie Bewußtsein. Soll für intelligente Lebensformen charakteristisch sein. Trotz kollektiver Unvernunft. SPD-Führung hält auch die linke Backe hin. SPD-Basis, quo vadis? Hab mir wieder mal vorgenommen, nur noch nach dem Koitus zu rauchen. Claudia will auch aufhören. Ratiopharm-Zwillinge werden politisch und sehen von Spot zu Spot besser aus. Neoliberalismus- und Kapitalismuskritiker vom Chiemsee überrascht durch unvorhergesehenen Anruf. Ist zum dritten Mal Vater geworden, sie ist 23. Verteilt Ratschläge zur Entschärfung der sexuellen Lage. Lädt ein zu vorgezogener Weihnacht. Ich denke an Glühwein, Vanillekipferl und seine Tochter. Da meint er, das Massaker in Massar (Transport und Tod gefangener Talibankämpfer in Containern) sei ihm bis gestern unbekannt gewesen. Da finde man eine Überleitung. Claudia hat einen Bericht im Fernsehen drüber gesehen und sich aufgeregt, weil ich vergessen habe, Kaffee zu kaufen.
Mittwoch, 19. November 2003
Aktion „Änderung meiner Lebensgewohnheiten“ hat begonnen. Vermeide spätes Essen, lege mich mit Lektüre früh ins Bett, Claudias Videorecorder weiß, was er zu tun hat. Auch wenn ich mich noch nicht zum anvisierten Frühmorgens-Joggen aufraffen konnte. Zumindest sitze ich beim Frühmorgens-Frühstück. Voller Stolz. Aber ohne Kaffee. Primavera auf der Suche nach dem Formblatt Nr. 008 klein a. Konnte ihr wieder nicht helfen. Teile der Preysingstraße wurden heute in der Nußbaumstraße beobachtet. Pinakothekbesuch X. Alte. Kam mit dem Audio-Guide sehr langsam voran. Heutiges Lieblingsbild trotz immer hübscher werdender Marien: Beweinung Christi, Botticelli [temporärerer Link].
Donnerstag, 20. November 2003
Zigarette geraucht. Mich anschließend zum Besuch eines Rockkonzerts überreden lassen. Kings of Leon. Number Four hätt in gewohnt ungereimt königlich bayerischem Lapidarstil (Heine) gesagt: „TV Smith is' besser.“ Herrn E. aus Straubing getroffen. Die Vorband, wegen der er hier war, hat nicht gespielt. Ein Autorückspiegel bricht mitunter einfach ab. Pinakothekbesuch XI. Neue. Raum Elf. Lieblingsbild, nicht zuletzt wegen musikalischer Untermalung durch Audio-Guide, Ostende, Turner [temporärer Link]. Mein Entschluß, nächstes Jahr gen Istanbul zu reisen, gerät ins Wanken. Mal sehen, ob Homeboy Junior seine Pläne wahr macht.
Freitag, 21. November 2003
„Zu meiner Zeit hat uns noch der Radetzky gezwiebelt!“ Es starben bisher Joseph Trotta, Freiherr von Sipolje, selbst, der Retter des Kaisers Franz Joseph, sein Vater, und seine Frau, ebenso wie die Frau seines Sohnes. Von der Frau des Vaters war nie die Rede, und der Enkel hat noch keine. Im Traum wurde ich gefragt, was ich für ein Frauentyp sei. Mußte mich die ganze Woche nicht aufregen. Trotz täglichem „Hallo, Henri. Alles in Ordnung?“ Gute Pressekonferenz zum Gesundheitszustand von Sebastian Deisler. Mit Claudia bei C & A. Hosen kaufen. Leise Schauer. Als kündigte alles eine Geliebte mir an...
Samstag, 22. November 2003
Gemütlicher Freitagabend in der WG, allein mit Claudia, ohne Annäherungsversuch auf beiden Seiten. Beim Radetzky-Marsch ist Beischläferinnen weiterhin kein dauerndes Glück beschieden. Mittlerweile ist auch Frau Slama, die Frau des Wachtmeisters, die eben noch für Carl-Joseph kühle Limonade holte, im Kindbett verstorben. Versuche mit Oecotrophologen und Dumbo Karten für's Derby zu ergattern. Sonst Premiere-Pizzeria, in die sich auch Number Four (verschnupft, Gliederschmerzen) und die Bassgitarre begeben würden. Erstaunlich, bei idealem Bergsteiger-Wetter.
Sonntag, 23. November 2003
Gefälschte Derbykarten im Umlauf. Zu spät bemerkt. Arbeitssieg. Hoffnung auf hundertprozentige Leistungssteigerung am Dienstag. Bin vielleicht etwas zu aufgeschlossen. Schon wieder im Konzert. Grandaddy. Homeboy # 4 hat seine Kritik zwar nicht offiziell freigegeben, aber Stammleser sind ja im Bilde. Schon weil ich gerne widerspreche, teile ich diese Ansicht nicht. Dumbo empfiehlt, von Diclofenac auf Deltaran umzusteigen. Nichts Neues in Varasdin. Außer daß mir ein äußerst belesener Verfahrenstechniker einige zeitgenössische Autoren ans Herz legte. Claudia hat anhand meiner Kleidung bemerkt, daß ich meinem Vorsatz, nur noch bei besonderem Anlaß zu rauchen, untreu geworden bin. Sie traut mir sexuell nicht mehr viel zu. Darüber solle ich mich freuen, meint Reiner S., der jeden Artikel über Frauen um die 30 regelrecht verschlingt. Dies erspare mir das Inkraft-Treten von Plan B: das „schäbige, kleine Geheimnis der Frau von 30 Jahren, ein eiskalter Plan, die letzte große Hoffnung in ihrem Leben und vielleicht die erste große Enttäuschung: auf die romantische Liebe zu verzichten und Kinder zu kriegen mit einem, in den man nicht mal besonders verliebt ist, den man gar nicht liebt.“ Wieso sorgt sich Bayerische-Hochschulpolitik-Kritiker Reiner S. nicht auch um die Berliner Universitäten? Ich biete nie mehr an, einer Ex-Freundin bei PC-Problemen zu helfen. Thôrsten, heute ohne Möglichkeit, aufs Internet zuzugreifen, beauftragt mich, seine gestrigen geschmack- und niveaulosen Tagebucheinträge zu entfernen.
Montag, 24. November 2003
Carl Joseph und der Regimentsarzt bei Tante Resi. Gerster, der Chef des florierendsten deutschen Unternehmens, hat für die Idee, die Bundesanstalt in Bundesagentur umzubenennen 820.000 Euro bezahlt? Wieso verkündet Schröder die monatlichen Arbeitslosenzahlen nicht selbst? Claudia überfliegt die Spiegel-Schlagzeilen. Eichel bleibt hart. Hoffentlich versteht sie alles richtig. Ehemaliger Kollege von der Machtzentrale Münchens findet technischen Fehler. Erneuter Tadel für den Webmaster. Homeboy K. wieder in Hannover, fand Mailand nicht so unvergeßlich wie ich.
Dienstag, 25. November 2003
Anspannung steigt. Der Druck ist enorm. Hoffe auf Salihamidzic. Leutnant Trotta, mittlerweile transferiert an die russische Grenze, schreibt einförmige Briefe an den Bezirkshauptmann. (Letzte Tote: Regimentsarzt und Jaques, der schon dem Helden von Solferino gedient hat) Von unerhört süßer Verkäuferin geträumt. Eichel träumt vom Aufschwung. Stabilitätspakt. Drei Prozent. Unverbindliche Preisempfehlung. Nächste Woche schneit wieder mal ein Vorstellungsgespräch herein. Zur rechten Zeit. Claudia will mit, Fußball schauen. Muß sehr vorsichtig sein. Wenn ich mich aus dem Haus schleiche.
Mittwoch, 26. November 2003
Celtic-Park überstanden. Haben es selbst in der Hand. Die Letzten werden die Ersten sein. Number Four moniert, daß mein Leben zu sehr sexuell ausgerichtet sei. Aber man betrachte nur den gestrigen Tagebucheintrag. Welcher an Prüderie und Keuschheit nicht zu übertreffen sein dürfte. Auch die angedeutete Traumschilderung blieb sauber. Dem Traum entsprechend. Unabhängig davon verbreitet sich das Gerücht, daß Mitte Dezember auch mit dem Sexualisierungs-Homeboy gerechnet werden kann. Unionsspitze denkt über Weiterbildungs-Maßnahmen für Hohmann-sympathisierende-Parteimitglieder nach. Grenzenlosen Ärger in der Arbeit aufgebaut. Nächster Ausbruch nicht mehr zu stoppen. Dank neuen Lebensrhythmus ist jetzt auch Zeitungs-Austragen eine Alternative.
Donnerstag, 27. November 2003
Bin mit Homeboy K., welcher mittlerweile die günstigen Call-by-Call-Nummern benutzen muß, die Taktik für das nächste Großereignis durchgegangen. Schwierig. Kommt wahrscheinlich auf die Tagesform an. Nur eine offizielle Reisewarnung der Bundesregierung könnte Junior noch stoppen. Kaiser Franz Joseph verbirgt seine Klugheit in der Einfalt. (Mit der gleichen Nummer versucht es auch mein Chef.) Der Friseur Hartenstein besaß Weib und Kind und einen guten Laden in Olmütz und hatte schon ein paarmal versucht, einen Gelenkrheumatismus zu simulieren, um recht bald entlassen zu werden. Dummerweise reagierte Friseur Hartenstein auf die Frage Franz Josephs, ob er denn beim Militär bleiben wolle, mit: „Jawohl, Majestät“ Darf mir nicht passieren. EDV-Fachliteratur erworben. Chiemsee-Exilant macht ein Angebot, das ich nicht annehmen kann. Claudia hat den Briefträger nicht gehört. Kostet eine Dreiviertelstunde, das Päckchen abzuholen. E-Commerde.
Freitag, 28. November 2003
Wenigstens kann man nicht behaupten, daß beim Radetzkymarsch Intelligenz säuft. Frau von F., korrigiere, von T. treibt Leutnant Kotta in den Ruin. Claudia nimmt diese Woche schon das zweite Mal die Vokabel „Chauvi“ in den Mund. Wenn sie „die Vokabel“ nur weglassen würde, hätte ein Chauvi hinzugefügt. Verfahrenstechniker hält mich für einen melancholischen Romantiker. Claudia findet „melancholisch“ zu positiv und schlägt „zynisch“ vor. Ich passe in jede Schublade. Ausbruch in der Arbeit wegen meiner latenten Affektinkontinenz nicht zu umgehen. Schmähungen, Persönliche Kränkungen, Richtigstellungen, und alle haben sich wieder lieb. Homeboy K. hält nichts von Supervision.
Samstag, 29. November 2003
Reiner S. verklärt das Wort „Schwängern“ ins Poetische. Schwabinger Kneipen entpuppten sich als Reinfall, so daß wir nach einer Stippvisite im Homeboy-Café Nr. 1 doch wieder in Varasdin landeten, wo wir auf den unkommentierbaren Thôrsten, der schon lange nicht mehr in New York war, und Ruth-Maria von F. trafen. Schön, daß es noch Frauen um die 30 gibt, die der Romantik nicht gänzlich abgeschworen haben. Frau von F. verliebt sich in Paul Weller und traut sich nicht zu, am Stachus innerhalb von fünf Minuten umzusteigen. Und ich bleibe dabei, Thôrsten hat Straubing gut getan. Subjekt und Dativ ergeben sich je nach Leser aus dem von ihm hergestellten Zusammenhang. „Thronfolger gerüchteweise in Sarajevo ermordet“ Radetzkymarsch kurz vor Abschluß. Dem Verfahrenstechniker, der Böll eher larmoyant denn melancholisch bezeichnet, ist es gelungen, einen gut-dotierten Job im Münchner Umland zu finden. Auch Thôrsten hat wieder realistische Optionen. Heimspiel des FC Bayern bewahrt mich davor, ihm beim Umzug zu helfen. Remis. Unzufriedenheit treibt mich auf die Straße, heut Nacht.
Sonntag, 30. November 2003
Tollwood und der Mond schien helle. Number Four wegen Vollrausch verhindert. Letzterer angeblich lediglich auf Alkohol zurückzuführen. Aber der hintergründige Homeboy denkt natürlich ganzheitlicher. Doktor Skowronnek hat keinen Schachpartner mehr und in den Ohren das sanfte Geräusch des herbstlichen Regens, der noch immer unermüdlich gegen die Scheiben rann, wenn er nicht sogar säuselte, wie sich Franz Joseph zuletzt ausdrückte. Wieder ist ein Kurzausflug nach Österreich beendet. Im Advent plane ich, Hogwarts zu besuchen. Claudia wäre alles in allem doch keine so schlechte Partie.
Montag, 1. Dezember 2003
Wie komm ich zu einem DGB-Kugelschreiber? Muß los. Vorstellungsgespräch. War nicht mein Tag. Warten. Am MVV-Automaten, auf die U-Bahn, am Postschalter. Claudia meint, ich hätte bei der Frage, ob ich mir vorstellen könne, im Team zu arbeiten, beispiellos versagt. Ich konnte es in diesem Moment nicht. Alles ist so vergänglich. Selbstgebastelter Adventskalender von Claudia. Hoffentlich war der ursprünglich für einen andern bestimmt. Sonst beschämt.
Dienstag, 2. Dezember 2003
Bin sehr bescheiden aufgewacht. Und sehr mißtrauisch. Als kündigte alles ein Gerippe mir an. Antriebslos. Liegt es vielleicht am Damokles-Schwert der Vollzeitbeschäftigung? Hämorrhoiden kehren zurück. Reloaded. Noch immer schätze ich es nicht, wenn unausweichliche Gesprächspartner sich über ihre eigenen Anekdoten zu sehr amüsieren. Die ständige Verneinung der Frage „Muß ich auch Heiterkeit an den Tag legen?“ führt bei fünf Lachern pro Minute schnell zu Verdruß. Primavera ewig nicht gesehen. Claudia. No Thrill. Frailty. My name is Henri.
Mittwoch, 3. Dezember 2003
Man hatte damit rechnen müssen. Soll ich dem Radetzkymarsch gleich den Hiob folgen lassen? Die persönlichen Niederlagen nehmen kein Ende. Nun also auch das. Dr. Frasier Crane hatte in den letzten vier Wochen mehr Sex als ich. Beispiele aus Hannover zeigen zwar, daß ein Homeboy sich an diesen Zustand gewöhnen könne, aber ich bin noch nicht so weit. Kanzler Schröder unterstützt eine strikte „Ein-China-Politik“. Sonst ergäbe die von ihm geforderte Aufhebung des Waffenembargos auch keinen Sinn. Ein unbenutztes Kondom liegt im Flur. Nicht meine Marke. Das gibt mir den Rest.
Donnerstag, 4. Dezember 2003
War der Jüngste am generationenübergreifenden Schultreffen. Kameraden zwingen mich, den einzigen, der die Fahnen der Absolvia 89 hochgehalten hat, durch ihr Fernbleiben wegen der eingeforderten Konsumgarantie von 750 Euro zu erhöhtem Alkoholgenuß. Gegenüber drei Steuer-, Finanzexperten in Existenzangst. Kirchhof-Reform. Homeboy Number Four gesellt sich zum inoffiziellen Teil, Mc Donalds war allerdings auf seine Bestellung nicht vorbereitet. Ein Hamburger und Pommes. „Aber wenigstens is die Mayonaise scho offen...“ Der öfters bei Ovid nachschlagende Homeboy mit dem Fahrrad unterwegs, wie meistens. Von dem Zauber eines zentralen U-Bahnhofs gegen 23:47 Uhr war in ars amatoria nicht die Rede. Dr. Frasier Crane, welcher nach Sexzellenz strebt, erhält für die gestrige Nacht mit Ross nur vier von fünf möglichen Tassen, er hätte das kurz vorm Schluß, wofür er sonst schon gelobt worden ist, weglassen sollen. Vier Stunden zum Aufstehen benötigt. Obwohl Claudia in der Küche Bayern Eins laufen ließ. Von einem Unwohlsein zu sprechen, wäre nicht übertrieben. Chinesischer Kollege erkundigt sich nach meinen Tischtennis-Fähigkeiten. Nein. Ich brauche jetzt Erfolgserlebnisse.
Freitag, 5. Dezember 2003
Mit Diclofenac Wochenschlafzeit nachgeholt. Transrapid, Plutoniumfabrik. Wieso versucht Gerhard, den Chinesen all das anzudrehen, was bei uns keiner haben will? Und wieso bleibt er nicht gleich dort? Ich hätte Oma nicht sagen sollen, daß Claudias Scheu vor dem feuchten Textil durchaus mit meiner konkurriert. Am Montag kommt die Putztruppe. Da ist am Wochenende zumindest eine Grobreinigung fällig. Uferlos. Für Bayern beginnt die Woche der Wahrheit. Mein ägyptischer Kollege hat nicht geahnt, daß der chinesische Kollege auch spielt wie ein Chinese. Komplott gegen Stoiber. Und gegen Harry Potter. Hedwig wieder frei.
Samstag, 6. Dezember 2003
Claudia hat keine Stiefel vor die Tür gestellt. Erinnere mich noch an den Nikolaus-Sex vom vergangenen Jahr. Die naheliegende Verbalerotik. Dieses Mal verzehre ich meine Mandarinen allein. FLYING FORD ANGLIA MYSTIFIES MUGGLES. Hoffentlich zeigt man in meiner Premiere-Sportsbar nicht die Löwen.
Auf diese Leistung kann man aufbauen. „Allein Stehende, egal welchen Alters, die sich mit dieser Situation nicht abfinden wollen, suchen in den Tagen vor dem Fest einen Partner“, meint Sexualwissenschaftler Kurt Starke. Weswegen man Homeboys im Advent bis auf Weihnachtsfeiern so selten zu Gesicht bekommt.
Sonntag, 7. Dezember 2003
Harmonischer Abend mit Donna Klara und Thôrsten, wenn die Elisabeth nicht woanders Lokalverbot g'habt hätt. Es war einer der Abende, an denen ich es vorzog, mich als schwul auszugeben. In den letzten Jahren selten einen zynischeren älteren Text gelesen als den von Mandeville. 1705.
Der unzufriedene Bienenstock oder Die ehrlich gewordenen Schurken.
Es gab kein Fach und Amt im Land
Wo Lug und Trug ganz unbekannt
...
Den Ärzten, wurden sie nur reich,
War ihrer Kranken Zustand gleich.
Aufs Heilen gaben sie nicht viel,
Sie setzten sich vielmehr zum Ziel,
Durch eifriges Rezepte-Schreiben
Des Apothekers Freund zu bleiben
...
Der Allterschlechteste sogar
Fürs Allgemeinwohl tätig war
...
Mit Tugend bloß kommt man nicht weit
Wer wünscht, daß eine goldene Zeit
Zurückkehrt, sollte nicht vergessen:
Man mußte damals Eicheln essen.
Die ständigen Reisen nach Varasdin gehen ins Geld.
Montag, 8. Dezember 2003
Es gibt noch verständnisvollere Ex-Freundinnnen als Claudia. Der Rückspiegel, dem ich zum Verhängnis wurde, immer noch nicht ersetzt. Chocolat mit Binoche. Ganz nett, aber nicht meine Lieblingssorte. Morgengrauen. Und wieder einmal wohne ich in der saubersten Wohngemeinschaft der ganzen Stadt. Claudia empfiehlt sich nicht als Schwiegertochter. Fisch und Computertisch bei Ikea. Und dann die schreckliche Nachricht. Bildleser Reiner wußte es als einer der ersten. Nichts ist mehr wie es vorher war. Gerade bekam ich mein Leben und Claudias Videorecorder in den Griff. 23 Uhr 15 ohne Harald Schmidt. Er war doch noch so jung. Zurückgeworfen auf mich selbst. Innere Leere, abedere. Studenten auf die Straße! Boykottiert Hexal, Nescafé, die Deutsche Bahn und die Darmkrebsvorsorgeuntersuchung. Deutschland braucht die Harald-Schmidt-Show. Nutzen die Grünen die vielleicht letzte Chance, sich einigermaßen aufrecht von dem auf Rechtsansprüche bzw. Rechtslücken, die er selbst geschaffen hat, hinweisenden Schröder zu verabschieden?
Dienstag, 9. Dezember 2003
Es wäre nicht die erste Kröte für die Grünen. Schluß mit der Frauenfixierung. Fast hätten Walzer-Heidi und Gertrud mich verführt, wieder zu versuchen, wofür ich nicht geeignet bin. Bin nicht nur kein Reißer, zumindest nicht, bevor ich mir meine Nase richten lasse, nein, ich bin auch kein Taktierer, beziehungsweise verlagere ich das Schlachtfeld umgehend, sobald ich meine Taktik durchschaut habe. Ovid, es reicht. Claudia meint ohnehin, zur mir passe nur eine Vulkanierin. Hätte erwartet, daß Schmidt sich in der gestrigen Show Gedanken über seinen Nachfolger machte. So wenig Schwermut. Comeback nur noch eine Terminfrage. Chiemgauer Konsumverweigerer vergißt Weihnachtsfeier. Fühle mich irgendwie geläutert. Und noch aufrichtiger als ich war. Zu mir selbst. Hab vergessen, bei Aldi nach einem Edelstahl-Reiniger zu schauen.
Mittwoch, 10. Dezember 2003
Reiner bekommt Freikarten für heutiges Spiel. Connections. Unüberdacht. Finnland-Bürgschaft wahrscheinlich ein kalkulierter Versuch, um den Grünen ein Zugeständnis machen zu können. Claudia liest mein Tagebuch wieder. Dankt für meine Diskretion in der letzten Woche. Provoziert mich. Außerdem war der Typ sowieso verheiratet. Death- und Birthday-Parties sind Halloween- und Weihnachtsfeiern vorzuziehen. Mrs Norris has been petrified. Die Anspannung steigt. Und doch die leise Ahnung. Es gibt auch ein Leben ohne Fußball. Aber Erkenntnisphilosophie war meine Sache nie. Verlorene Unschuld wiedergewonnen. Keine versteckten Aggressionen, keine Ressentiments mehr in der Arbeit. Keine Gedanken, über Claudia herzufallen, zu Haus. Oberstaatsanwalt Gehrke und Ingo machen sich auf den Weg. Der Countdown läuft.
Donnerstag, 11. Dezember 2003
Claudia meint, ich müßte mich in die Versagensängste, die den FC Bayern in der zweiten Halbzeit befallen haben, doch hineinversetzen können. Meine Diskretion läßt sie eine kesse Lippe riskieren. Falstaff stimmt in Reiners Theorien mit ein. Warum am 11. September keine US-Flugzeuge aufgestiegen sind. Nato-Richtlinien. Und natürlich Kennedy. Außerdem Weichei-Vorwürfe. Ingo meint, die vereisten Sitzflächen wären Gift für meine Hämorrhoiden. Was ist so schlimm, wenn Klingelschilder fotografiert werden. Man muß Privatdetektive als Journalisten mit nur wenigen Lesern ansehen. Deisler sollte noch keine Interviews geben. SMS von Yvonne: „Hey süßer na noch fleißig? Ich hab erstmal schön ausgeschlafen :-) wär schön wenn du dich mal meldest wenn du Zeit hast würde gern was mit dir klären. Yvonne“ Was für eine Yvonne??? Vielleicht hätte ich meine charmante Antwort nicht mit Henri signieren sollen. Pyrrhussieg bei Darmentleerung. Unerklärlich müde. Erste Vanillekipferl von Oma ein Gedicht. Derek Wilder's Homepage endlich fertig.
Freitag, 12. Dezember 2003
Wie üblich, Real Madrid. Wir erwarten sie bescheiden. Aber nicht ohne Hintergedanken. Ein Tag Urlaub. Diclofenac. Hogwarts. Diary of Tom Riddle. Vielleicht pack ich die Ikea-Kartone aus. Auch Stoiber sollte sich nicht mehr über den FC Bayern äußern. So langsam sollte sich niemand mehr über den FC Bayern äußern, abgesehen von Uli und mir. And together they walked back through the gateway to the Muggle world. Erwarte von Fontane und Nietzsche weniger Tränen. Sollte ich in den nächsten Wochen wieder aggressiver werden, sieht Claudia darin einen Zusammenhang mit meiner Lektüre. Rät mir in diesem Fall, ganz auf Jugendliteratur umzusteigen.
Samstag, 13. Dezember 2003
Professor Schmidt, wie Frau Jenny Treibel aus der Adlerstraße, war Klassiker und Romantiker zugleich. Schmidt Willibald, nicht Harald. Spitzenspiel gegen den VfB. Reiners Unflexibilität und Mobiltelefonlosigkeit dürfte die Kartenübergabe verhindern. Unmittelbar danach Aufbruch nach Regensburg. Geburtstag von McEnroe. Es lockt der Kalbsrahmbraten von Monsieur Siegfried. Besuch des zeitgleich stattfindenden WG-Festes vom Vergiss-Es-Mach-Was-Du-Willst-Ich-Hab-Dich-Schon-Verstanden-Homeboy leider nicht möglich. Wer den Polen unlängst die verpaßte großartige Gelegenheit, den Mund zu halten, vorgeworfen hat, braucht sich über das Scheitern des EU-Gipfels nicht zu wundern. Reiner weder bei Schwimmhalle, noch am Olympiasee.
Sonntag, 14. Dezember 2003
Und es kam wieder mal alles ganz anders. Der Oberstaatsanwalt, der mich bis nach Landshut hätte mitnehmen sollen, trifft sich mit Homeboy K.- Number Four leiht mir sein Auto, unter der Bedingung, es bis drei Uhr am. zurückzubringen, sonst Diebstahl. McEnroe schafft auf der Minigolf-Langbahn eine 39. Und hat ne Weihnachtsmütze auf, weil er sie braucht. Neues Lieblingslied. Von Farin Urlaub. Siegfried plant weiter eine Zeit nicht entfremdeten Daseins. Wir müssen es hier schaffen, andere gehen nach Indien. Rückfahrt eine Tortur. Starker Regen. Homeboy-Baby #1 hat Husten. Number Four hat nicht übertrieben. Gertrud kannte mein Lieblingspalindrom bereits und wohnt gottlob im Erdgeschoß. Ein Homeboy heimst für frühmorgendlichen Tiramisu-Verzehr Komplimente ein. Bin froh, daß auch ich im Erdgeschoß wohne. Im falschen Viertel vielleicht. Frenchy interessiert sich nicht nur für Fußball. Stresemann, welcher meine CD arg kritisiert, bringt Verfremdung von Gaudeamus igitur, die sich durchsetzen wird. Bin froh, daß ich mit Claudia alleine wohne. Zwei solchen Kalibern wäre ich nicht gewachsen. Feuerzangenbowle bei Juristen aus Varasdin. Mit Heinz Rühmann. Interessante Spermatozytentheorie von Marco. Mit einem Afghanistan-Ist-Ganz-Was-Anderes-Ausdruck bedauert ein Homeboy die Ergreifung Saddams, da sie als Rechtfertigung für den Irak-Krieg dienen könnte. Claudia benutzt meinen Santa-Claus-Umhang als Bademantel.
Montag, 15. Dezember 2003
Hatte gerade Frau Jenny Treibel unters Kopfkissen geschoben. Reclam-Ausgabe. Da sucht Claudia halbnackt nach einem Feuerzeug. (Historisches Präsens) Hasse unvorhergesehene Spontanerektionen vorm Einschlafen, das dann auch auf sich warten ließ. Gut daß Dieter Bohlen bei MakroMarkt Prozente kriegt. Bräuhaus. Betrunken vor 18 Uhr. Die Produzentin von Dr. Frasier Crane würde sagen, „Auf eine positive Weise.“ Ein Kollege klärt mich über meine weitere Zukunft auf. Eben noch a bottle Rotwein in der Hand. Und dann mach ich mich selbständig. Das Konzept steht, Risiko gleich Null. Claudia macht große Augen, und ich leg Farin Urlaub auf. Und lieg am Strand. Mit einem eiskalten Getränk in meiner Hand. Reiner, der wie sein Lieblingsprof niemanden intellektuell beleidigen will, glaubt, Handybesitzer wie Falstaff und ich würden bei Treffen in einer Menschenmenge mit Nicht-Handy-Besitzern zu Nervosität neigen. Claudia hat eben eine zugegeben langatmige Passage des heutigen Eintrags gestrichen. Ungewöhnliche belletristische Ambitionen. Kann Nietzsche jetzt verstehen. Werde meinen Bildschirm mit Password schützen müssen. Jemand, der es wirklich wissen muß, teilt mir unter der Hand mit, es gäbe kaum normale Fraun. Ich ahnte es. Homeboy Junior plant kühne Einlage bei betrieblicher Weihnachtsfeier.
Dienstag, 16. Dezember 2003
Heizkosten-Ableser verpaßt. Schnee läutet Weihnachtsstress ein. Keine Ahnung, was ich Claudia kaufen soll. Ich weiß, es gibt viele Freunde von charakterisierenden, sprechenden Namen in Romanen und dergleichen. Aber wenn der Schwager von Professor Rindfleisch Herr Kuh heißt, wie bei Fontane, dann kann man nur hoffen, daß die Dame sich für keinen Doppelnamen entschieden hat. Besichtigung der Geschäftsräume von außen. Befinden sich im vierten Stock. Sehe keine Möglichkeit zur Schaufensteranmietung, zumal im Erdgeschoß die Konkurrenz ausstellt. Meine momentane Aldi-Lieblings-Angestellte, letzte Woche noch an der Kasse, heute an der Ameise, wie üblich ein Lächeln auf den Lippen. Eine Tüte Schnittsalat mehr gekauft als sonst. Ja, is denn heut schon Weihnachten? Sowohl Ingo als auch der Oberstaatsanwalt gratulieren bereits beim Stande von fünf zu null.
Mittwoch, 17. Dezember 2003
Höchster Auswärtssieg meiner aktiven Bayerfan-Zeit. Ikea-Schrank nach wie vor im Karton. Wie immer beim Aufstehen im Winter eine kurze melancholisch-gefärbte Phase voller Sinnfragen und Selbstzweifel. Mich friert. Und ich hab keine Lust, hinauszugehen. Meine ungewohnte Milde gegen Chef, Homeboys, Claudia usw. outet mich als unberechenbare Quartals-Existenz. Und in diesem Quartal hab ich alles schon gehabt. Tobsuchtsanfall, nüchternes Wochenende, eine gute Tat, Sex. Kann mir nicht vorstellen, daß da noch was kommt. Man sollte bei spätem Arbeitsbeginn viel öfters auf die Geschichte vom Weinberg zu sprechen kommen. Geschäftsidee offenbart noch einige Fragezeichen.
Donnerstag, 18. Dezember 2003
Schon wieder so spät, muß gleich los, die Geschäftsräume von innen besichtigen. Mit Falstaff, dessen Geliebter, Richard und Reiner auf dem Tollwood. Habe mir ein Traubenkissen andrehen lassen. Ominöse Stimme aus dem Off. Ein Architekt und Jurist,Baujahr 43, tröstet den Knaben Reiner. Er habe drei Häuser am Neuen Markt verloren. Und er beschwört ihn trotz seiner Probleme mit der Allianz-Aktie zu Zufriedenheit. Die Dame vom Nebentisch hat mal n'Typen getroffen, Engländer, voll cool, in der Hängematte, zufällig, sie hatten n'Schweinespaß und ha'm heute noch Kontakt, per E-Mail, nicht bei ihrem Afrika bzw. Südamerikaaufenthalt, sondern eher bei dieser Asienreise, wo sie mit der Minsk unterwegs war, die wohl den Geist aufgegeben hat, denn da haben sie sich ein Taxi geteilt, mit den andern zwölf Vietnamesen, auf alle Fälle hatte sie Typen im Bett, da hatte sie nachher gedacht, da hätt sie sich mehr erwartet... Alles etwas konfus. Auch die Treue wurde tangiert. Und so meinte die andere Tischdame: „Wenn das Angebot gut genug ist, dann gehst du fremd...“ Ich sollte nicht immer so auf Claudia rumhacken. Thôrsten, welcher keine Bücher zurückgibt und nach Friedrichs Meinung große Zähne hat, zensiert dessen Gästebucheinträge. Und niemand hat Primavera gesehen.
Freitag, 19. Dezember 2003
Geschäftsräume erfordern umfassende Renovierungsarbeiten. Weihnachtsfeier. Man ließ mir durch die Blume und einen Schuß Sophistik mitteilen, daß ich dazu neige, die Dinge mechanistisch zu erklären. Talk like an Egyptian. Scheint noch unabhängige Gerichte zu geben. In USA. Claudia will mit mir wichteln. Zu zweit. Sie sieht keine Ähnlichkeit zwischen Michael Moore und mir. Auch nicht mit Käppchen. Die Frau Mama sorgt dafür, daß Leopold Treibel höchstens eine Tasse Kaffee pro Tag ausgeschenkt wird. Sexuelles Begehren ganz unten. L'Appétit vient en mangeant. Doch Claudia kocht bekanntlich nicht. Grüße aus dem Haifischbecken. Wieder zwei Ex-Kollegen verschwunden. Jenny Treibel, geborene Bürstenbinder, trägt die Züge von jemand, der dies sicher nicht hören will. Primaveras Lächeln vermag, meine Laune zu heben. Erste Erfolge im Weihnachtsstress.
Sonntag, 21. Dezember 2003
Rückschläge im Weihnachtsstress. Gekaufte Geschenke alle für mich. Für was reiß ich mir eigentlich jeden Tag den Arsch auf? Mein Kompagnon ist nicht befugt, in Deutschland einer gewerblichen Tätigkeit nachzugehen, was die juristische Verantwortlichkeit auf mich abwälzen würde und meine Zuversicht relativiert. Fürchte Notoperation in den Weihnachtsfeiertagen. Ton und Film des geschnittenen Videos sind nicht synchron. Aus Wut DVD-Brenner erworben. Number Four's Bruder hat die Steuerklasse gewechselt. Junior wollte nicht über die Arbeit sprechen und heult mit den Wölfen. Homeboy-Begleitservice vermittelt uns an Ecuador-Connection um Julio, Margarita usw. Juniors Beinarbeit konzentriert sich nicht mehr nur auf sein eigenes Bein. Vielleicht werden die geschossenen Fotos www.hochofen.de eines Tages als Anschauungsmaterial zur Verfügung gestellt. Nach Waldorf-and-Stadler-Beginn hab ich Junior tanzen sehn wie einst den zu früh gehenden Juristen aus Varasdin. Bei Hölle Hölle Hölle. Tiramisu ohne Gertrud. Ist nicht dasselbe. Julio meint, Homeboys kämen zu langsam voran und sollten während des Werbens die Gesundheitsreform vergessen. Sieben auf einer Couch.
Montag, 22. Dezember 2003
Homeboy-Begleitservice hat zu nächtlicher Stunde Gertruds Handynummer mit Giselas verwechselt. Für Claudia unsern selbstgedrehten P. auf DVD gebrannt. Transcoder renderte 30 Stunden lang. So viel Sex hatte ich das ganze Jahr nicht. Hoffe, daß sich in den letzten Kapiteln von Jenny Treibel keiner vor die Droschke wirft. Ich hätte Claudias Kritik an meinem letzten Vorstellungsgespräch als gutes Omen werten sollen. Telefonische Zusage für einen Fünfjahres-Vertrag. Aber Vollzeit. Völlig indiskutabel – wäre ich nicht gerade so ausgeglichen. Altera pars. Audiatur et. Die verlorene Zeit hol ich vielleicht durch Essen-Gehen-Leisten-Können und die kürzere Anfahrt zur Arbeit wieder rein. Ich zähle die Mandeln. Indischer Mediziner überschätzt Leistungsdruck beim Seitensprung. Kennt Claudia nicht. Aktion „Hochofen hilft“ widmet sich dieses Jahr einem jungen Ehepaar aus Hannover mit zwei Kindern, von dessen Bedürftigkeit ich mich mit eigenen Augen überzeugen konnte. Zur Feier des Tages mit Claudia Pizza-Essen bei Antonio. Wie ferten. Erfolg macht sexy. Heute wollte ICH nicht.
Dienstag, 23. Dezember 2003
Gestern. Marienplatz. Kaufhof. Während des Schneetreibens. Ich habe überlebt. Doch ich muß noch mal hin. Drei-Jahres-Vertrag für Anke Engelke. So lang hatt' ich mir Haralds Pause nicht vorgestellt. Ikea-Kartone ausgepackt. Montierung vor Weihnachten nicht mehr möglich. Vielleicht sollte ich auch ein paar Weihnachtsgrüße versenden, wie der E-Card-Homeboy. Im nächsten Jahr. Alec Guiness macht mich sentimental. Claudia schon heimgefahren. Es fehlte nicht viel, und Homeboy K. hätte meinen juristischen Selbstmord an die Wand gemalt. Thôrsten möchte 2004 Tôbias genannt werden.
Mittwoch, 24. Dezember 2003, Heilig Abend
Das unsägliche Tollwood-Traubenkern-Kissen wird nicht verschenkt. Heute hat mich Jacques über den Tisch gezogen. Hoffentlich hat dem teuren Wein der Außenaufenthalt von ca. 15 Minuten bei diesen Temperaturen nicht geschadet. Homeboy Number Four holt mich ab. Harald Schmidt, Franz Beckenbauer: „Im Endspiel nicht die Taktik ändern.“ Vorhang zu, und alle Fragen offen. Wo soll er eigentlich hin?
Freitag, 26. Dezember 2003, Zweiter Weihnachtsfeiertag
Same procedure as last year. Seven days too early. Auch wenn die Cousine mit der 7/8-Hose den Schweinswürstln gerne mal ein Käsefondue entgegensetzen würde. Durfte mich über die Wunschschwiegertochter meiner Eltern unterhalten. Damit war nicht Claudia gemeint. Wenigstens etwas. James Stewart. Ist das Leben nicht schön? Dobar Dan hat den Film versäumt, aber Simone und Claudia teilten mein Schicksal. La Sombra zieht eines Tages in die große Stadt. Eigentumswohnung hin oder her. Wenn ich einen Gag zehnmal in fünf Minuten gehört habe, nicht jeder wird es glauben können, dann dürfte auch mir die Pointe klar geworden sein. Ein Todesfall. Der Spender meines ersten motorisierten Fahrzeugs. Begleiter unzähliger Silvester.
Schüler-Caféteria mit neuem Kaffee-Automat sehr gut besucht, laut BR vor allem in den Pausen. Eine gemeinsame Bekannte von Homeboy Number Four und mir. Sehr leicht in positive Stimmung zu versetzen. Übrigens steckt hinter offen zu Tage tretendem Anti-Amerikanismus so manchen Homeboys kein Blanko-Scheck für die deutsche Bundesregierung. Diese Gegendarstellung war einfach fällig. „Mandeläugige“ liefert bei Google heute 531 Treffer. In Niederbayern wird Alkohol nach Meinung homeboy-affiner Kreise schneller abgebaut als anderswo. Wohingegen ich das erste Mal mit dem Taxi nach Hause fuhr. Mein Fahrer hat abgesagt. Existentialistisch. Fremd in der Heimat. Es kommen härtere Tage. Vollzeit.
Wieder in der Landeshauptstadt. Diskussion mit Homeboy Number Four über den Zweck der Unterdrückung sexueller Freiheit in einer von Ausbeutung und Unterdrückung gekennzeichneten Gesellschaft. Frei nach Fromm. Claudia schlägt die entsprechende Passage nach und streicht mir an, daß Tabus zwar sexuelle Besessenheit und Perversionen erzeugten, diese aber nicht frei machten. So hatte ich mir das Wiedersehen nicht vorgestellt.
Samstag, 27. Dezember 2003
Hätte Computer und Monitor ausmessen sollen. Eigentlicher Zweck des neuen Möbelstücks wird nicht erfüllt. Räume mein von Claudia und Feng Shui geprägtes Zimmer radikal um. Wasseradern hin oder her. Hauptproblem kurze Kabel verhindert Wunschformation. Sissi. Geweint. Schildbürgerstreich bei meinem Stamm-Lidl, wo vor kurzem Einkaufswägen mit Pfandmünzen eingeführt wurden. Kommentar der Kassiererin, die durch das Umdrehen der „Wagenschlange“ eine Rückgabe der Wägen unmöglich machte: „Weils 'n Kopf net ei'setzen!“ Selten so gelacht. Schmidtlos.
Wohnliche Situation erlaubt das Zubereiten und Verzehren von Salat noch nicht. Gezwungen, auszugehen. Claudia hat nicht gesagt, wo sie hin ist. Und nicht, mit wem. Sie denkt jetzt ihre Gefühle. Woraus ich auf weniger Emotion schloss, was sie bejahte. Sie verzichtet auf Alkohol, damit es auch klappt mit dem weniger emotional sein. Die Rothaarige wundert sich, daß sich überhaupt nichts verändert hat. Nach ALL DEN MONATEN. Ich erwarte sie beim griechischen Salat. Auch wenn der Tannenbaum brennt.
Die Rothaarige ist alt und langweilig geworden. Und ich kann mich wie früher nicht gegenüber dem Tiger behaupten. Gehörten nicht zwei dazu, würde ich mich an diesem Abend als verliebt bezeichnen. Und es war nicht schwarzes Bunny, sondern silbernes Bunny auf weißem Grund. Für die Historiker.
Sonntag, 28. Dezember 2003
Die Rothaarige läßt gar nicht erst Hoffnung aufkommen und findet, daß ich mit scharfem Verstand, Fakten und ganz wenig (Bauch)Gefühl besser fahre. Wieder mal ein äußerst kurzer Aufenthalt in Arkadien. Erwartungsgemäß spielen diverse Leserbriefe auf die überraschende Wiederkehr der Rothaarigen an. Noch immer Chaos in Sachen Unser Heim soll schöner werden. Immerhin hilft Claudia heute mit und dünstet mir sogar den Brokkoli. Die Gründe für meine neu entflammte Ballaststoffphilie setze ich als bekannt voraus. Oder schreibt man -philie mittlerweile mit „f“?
Montag, 29. Dezember 2003
Kam nicht aus 'm Bett. Das Bunny hat das Kapitel Männer abgeschrieben, die Rothaarige am Erfolg geschnuppert. Und ich überlege, ob ich meine beginnen müssende aktive Sportperiode Operation Waschbrettbauch oder weniger anspruchsvoll einfach ein bißchen Dauerlauf nennen soll. Auf die Frage der Rothaarigen, ob die Homeboys noch in der alten Konstellation existierten, meinte ich, auf wenig sei Verlaß in diesen Zeiten, die Homeboys blieben bestehen wie Fixsterne am Firmament. Bringen doch beide München zum Leuchten (frei nach Number Four). Bezüglich der Frage nach Schwangerschaften etwaiger Partnerinnen verwies ich auf meine Schweigepflicht. Und wie mein letzter Röntgenologe sagte: „Es gibt keine unsicherere Angabe als die einer Frau auf die Frage, ob sie schwanger ist.“ Willi Lemke, ich spar mir die Apposition, wird seinen Frieden nicht mehr finden. Trendforscher sehen es voraus. Auch mir droht Zeitknappheit. 2004. Papa Homeboys Tipp befreit mich aus mißlicher Situation. Unerklärlich müde. Nur drei Stunden gearbeitet. Wie üblich kein Sex. Zu schnell gegessen?
Dienstag, 30. Dezember 2003
Letzter Arbeitstag 2003. Hätte gestern Abend meiner Müdigkeit nachgeben sollen. Des Nachts kaum geschlafen. Liegt es an der Nord-Süd-Richtung des Bettes, wie Claudia vermutet? Schlägt noch einmal die Stunde für Diclofenac? Außerdem so nebenbei erfahren, daß Claudia Silvester mit Detlev zu verbringen gedenkt. Bei Homeboy Junior wird ein Zimmer frei. Milosevic ins Parlament gewählt. Jetzt versteh ich auch, warum Saddam kooperiert. Er hofft auf freie Wahlen. Hinweise zur Identifizierung von B. Langlos werden vertraulich behandelt. Oder ist alles wieder nur Schabernack? Scheine der einzige Single-Homeboy zu sein, der Silvester auf eine Non-Female-Single-Party geht. Marianne steht auf Fridolin. Ihr Verlobter Roediger hat eine Berufung nach Göttingen. Letztes Kochen mit Claudia in diesem Jahr. Dazu ein Bordeaux Supérieur. Claudias Oma mag den Patrick Lindner nicht mehr. Aber bevor Thôrsten Amnesty International einschaltet. Nicht wegen seiner sexuellen Ausrichtung. Wegen der Steuerhinterziehung. Pelzig unterhält sich. Gefällt mir immer besser.
Mittwoch, 31. Dezember 2003, Silvester
Erstes Silvester ohne Claudia. Masturbation besser als ihr Ruf. Terrorwarnungen beunruhigen. Einstimmung auf den wie jedes Jahr zu früh kommenden Silvesterabend mit „Hallo, this is Dr. Frasier Crane, I'm listening.“ I love Frasier Crane. Meine Maschine nach Regensburg startet um dreiviertel Sechs.
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[weiter zum Januar 2004]
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