Es ist ein Schoß entsprungen

wer glaubt noch an Sex

unterm weihnachtsbaum?

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Tagebuch von Henri Hochofen

November/Dezember 2004

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Montag, 1. November 2004 (Allerheiligen)
Wie üblich nicht am Brandner Kaspar vorbeigekommen. Swoboda will Enderlin kennenlernen. Man braucht so wenig. Ein hübsches Zimmermädchen, das sich ein bißchen was dazu verdienen will. So präzisiert Claudia meinen Bedarf. Chaplins großen Diktator aufgefrischt. Neue Domain für die Karrierefrau von der Au beantragt.

Dienstag, 2. November 2004 (Eichel rüttelt am Tag der Einheit)
Fände es konsequenter, nach den Arbeitsplätzen erst mal den Tag der Arbeit abzuschaffen. Es war nicht unklug, die US-Wahl in den Ramadan zu legen. Captain Picard stehen noch 318 Tage Urlaub zu. Schmerzen an Hüfte und Leiste führen zu temporärer Gehunfähigkeit. Hauptsache im Job flexibel. Wieso klingt jeder zweite Wissensmagazinsprecher nach Josef Meinrad?

Mittwoch, 3. November 2004 (Dann kam auch noch Pech dazu)
Fußballgott, warum hast du mich verlassen. Schon wieder ein exzessiver Kartoffelchipstag. Michael Moore braucht sich kein neues Thema suchen. Pflichtveranstaltung, bei der ich beinahe den Schulenden geschult hätte. Diclofenac-Test in Sachen Hüftgelenk. Oberstaatsanwalt sehr gestresst.

Donnerstag, 4. November 2004 (Arafat lebt angeblich)
Diclofenac beschert mir Vormittag ohne Beschwerden. Für letztere sorgen am Abend Pinnacle und Microsoft. Wieder Tag vergeudet. Komm zu gar nichts. Dabei hat Gantenbein jetzt ein Kind. Zu wenig Schlaf. Schon wieder halb drei.

Freitag, 5. November 2004 (Mord in Giesing)
Karrierefrau von der Au tappte völlig im Dunkeln. Hielt Meßdiener für schwul, verdächtigte den Kioskbesitzer. Der hatte nicht mal ein Motiv. So oblag es mir, den Tathergang zu rekonstruieren. Werde meinen beiden Assistenten, Radenkovic war auch dabei, eine Postkarte aus Wien schreiben. KvA findet Homeboy Junior wahnsinnig nett. Ebenso den gratisschnapsverteilenden Hochschulzimmerer. Rummenigge gibt Klinsmann die Schuld. Als ob Kahn im letzten Jahr fehlerlos geblieben wäre.

Samstag, 6. November 2004 (Sterben im Walde)
Stressfaktoren Nummer eins, Hitze und Ozon. Bei mir kommt noch der Schlafmangel dazu. Baggios erster freier Tag seit Monaten. Und gleich im Olypiastadion. Oddset-Kooperation mit Ingo wie üblich erfolglos. Oberstaatsanwalt hielt sich mit Ballack-Kritik zurück. Und der Wirt unseres Après-Futbol-Cafés verweigert „Alle Spiele, alle Tore“. Kein Roter. Elena zeigt Interesse für sonderbare Münzen. Claudia übernachtet bei ihm, was mir bayerischen Serienabend ermöglicht. A rechter Scheißdreck war's. Und a Negativwerbung.

Sonntag, 7. November 2004 (Novemberdepression)
Für das bißchen Sex. Eine Beziehung anfangen. Lohnt sich das? Was sind das für Gedanken. Arthur Daane (SZ-Bibliothek 33, Allerseelen, Nooteboom) dreht große Teile seines Dokumentarfilms in Berlin. Chaplin-Woche mit Moderne Zeiten abgeschlossen. Muß wieder lernen, Ja zu sagen.

Montag, 8. November 2004 (Nein!)
Was sagt man nicht alles nach der Masturbation. Küssen ist wie Bierholen, meint der Googler des Monats. So hat Claudia es nie formuliert. Schon wieder ein falscher Arzt aus München. Die Approbation unserer Arzt-Homeboys hat auch noch keiner gesehen. Es geht dahin. Hüfte. Versteifung. Es stimmt. Wenn es so weit ist, sieht man sein ganzes Leben an einem vorüberziehen. Und die berühmten Risiken, die man nicht einging.

Dienstag, 9. November 2004 (Kerry und Stoiber haben was gemeinsam)
Verlier's noch mal, Sam. Nahe Verwandte können. Wenigstens bei sich. Schlimme Diagnosen ausschließen. Pizza beugt Herzinfarkt vor. Und Schwerbehinderte werden bei der Einstellung bevorzugt. Es hat sich nicht alles gegen mich verschworen. Umfangreiche Hintergrundliteratur zum Thema effizientes Lesen bestellt.

Mittwoch, 10. November 2004 (Bayern zweimal weiter)
Für das Spiel gegen unsere Amateure müßten wir nicht nach Berlin. Schließlich fahr'n zwei Niederbayern auch nicht nach Istanbul. Zum Heiraten. Für gewöhnlich. Pizza Salami gegessen. Bürokollegen alle krank. Die Chancen, die vorüberziehen, sind die einzigen, die man wahrnimmt. Neues Päckchen Lidl-Kondome.

Donnerstag, 11. November 2004 (Moderne Kommunikation)
So viel Pizza kann ich gar nicht essen, um die Risiken von Vitamin-E Kapseln, die mir auch von Homeboys in hohen Dosen ans Herz gelegt wurden, auszugleichen. Geheimnisvolle Googler(innen) versuchen, mir eine Nachricht zu hinterlassen. „Wer äussere Kommunikation, die Wirkung derselben und innere Motivation anderer analysiert und durchschaut, dem könnte dies vielleicht auch bei sich selbst gelingen...“ Da liest grad jemand im Archiv meines Tagebuchs (siehe 30.10.03) Die gleiche Person googelt kurz danach: Besser kein Sex mit Hochofen. Vor ein paar Monaten hätte ich bei so einer Aktion Claudia verdächtigt. Hat das was mit dem Päckchen Kondome zu tun? Ihr wißt ja nicht, was ich damit mache. Nicht mein Tag. Arafat ist tot. Und nach einer Diskussion kommt man zu dem Ergebnis, daß unsere Gruppe professioneller nach außen wirkt, wenn sie künftig nur noch mit einer Stimme spricht. Was nicht nur Claudia dahingehend interpretiert, daß ich meine Klappe halten soll. Nehme bei der nächsten Präsentation kein Diclofenac.

Freitag, 12. November 2004 (Kein Weihnachtsgeld für Henri Hochofen)
Dafür darf ich 42 Stunden arbeiten. Und weil ich kaum noch Freizeit habe. Wozu dann noch Urlaubsgeld? „Der gekündigte Tarifvertrag über die Zuwendung für Angestellte vom 12. Oktober 1973 sowie der gekündigte Tarifvertrag über ein Urlaubsgeld für Angestellte vom 16. März 1977 finden keine Anwendung.“ Danke, Mr. Stoiber. Freu' mich schon auf den sozialen Ausgleich bei der Krankenversicherung. Meine Ballungsraumzulage steht noch zur Disposition. Es geht ja nicht um mich. Es geht um meinen Zahnarzt. Fitzgerald versucht, für meine CD einen Altmettener Rabatt herauszuschlagen. Jedoch. Selbstmord, käufliche Liebe und Pflegenotstand geben nicht die richtige Kulisse für das Weihnachtsfest. Mit dem immer noch nicht verbeamteten Herrn E., dem in Düsseldorf die Queen zugewunken hat, nach Beyoglu. Karrierefrau von der Au hatte recht. Ist teuer geworden. Weißbier, 4,50 Euro.

Samstag, 13. November 2004 (CSU will Macht der Gewerkschaften brechen)
Wenn die noch Macht besitzen, wieso bekomm' ich dann kein Weihnachtsgeld? Erste Leseeffizienzversuche. Allein verbesserte Konzentration, Motivation, Sitzhaltung und eine Lesehilfe in Form einer ungekochten Spaghetti führen zu deutlicher Geschwindigkeitssteigerung. Allerseelen mit sehr geographischem Schluß. Mein Schub geht zurück. Jetzt wär ein Sexualobjekt recht. Claudia beim 6-Tage-Rennen. Schalke-Niederlage richtig getippt, Quote Vier. Beinahe Kino.

Sonntag, 14. November 2004 (Auswärtssieg für Bayern)
Dr. Frasier Crane bekommt in der dritten Staffel eine neue Chefin. Ein Stammleser hat nichts zu tun und googelt wild durch meine Logfiles. Number Four bietet Claudia zu teure Wohnung an. Erholsames Wochenende. Die Pointe gehört Elfriede Jelinek. Über die kopulationsfreudigen Tihuana Bibles. „Ob es jetzt gegen Mussolini geht oder gegen Laurel and Hardy. Es geht immer gegen die Macht.“

Montag, 15. November 2004 (Solidarisches Gesundheitsprämien-Modell)
Lassen wir Horst Seehofer entscheiden. Elmar will zurück in die Gesetzliche. Wenn man vergißt, an der richtigen Haltestelle aus der U-Bahn zu steigen. Will man dann nach Hause? Wenn es einem bei der nachfolgenden Busfahrt noch mal passiert, diesmal eher aus Unkenntnis denn Unachtsamkeit. Wenn man beim Fußmarsch zweimal die Langsamkeit entdeckt und wieder verliert. Wenn Claudia woanders schläft und du vergessen hast, Brot zu kaufen. Wenn man über's Burn-out-Syndrom nachdenkt. Hat man es dann schon?

Dienstag, 16. November 2004 (Trittin: Wir brauchen ein Ökosiegel für Skigebiete)
Zuerst will ich ein Gütesiegel für Sozialpolitiker. Kleine Erfolge des Daseins. Richtig ausgestiegen, bei Lidl die Salatkräuter nicht vergessen, einen Programmfehler identifiziert, Lohnsteuerkarte abgegeben, zwei Tage Urlaub beantragt. Schmerzen von Leiste in unteren Oberschenkel gewandert. Am meisten fehlen mir die ruhigen, höchstens von Sex unterbrochenen, gemeinsamen Fernsehabende.

Mittwoch, 17. November 2004 (Putin entwickelt neuartige Atomraketen)
Merkel wird sich weiterhin mit Gesundheitspolitik beschäftigen. Was soll ich noch fürchten? Bäckerei-Auszubildende versucht zwei Minuten lang erfolglos, mein Brot in Papier zu wickeln. Bis sie zu den Plastiktüten griff. Freundschaftsspiele werden überschätzt. Eliza erwägt, sich zu verlieben, und scheint mit Sturm und Drang wenig am Hut zu haben. Lasse mir aus Protest gegen Merkel/Stoiber CSU-Mitglieds-Unterlagen zusenden. Zu spät, für den übermorgigen Parteitag und für die Rettung von Horst Seehofer.

Donnerstag, 18. November 2004 (Harald Schmidt ersetzt Uefa-Cup)
Gebt mir fünf Minuten mit einem Allgemeinarzt oder einem Psychoanalytiker. Und ich bin für zwei Jahre krankgeschrieben. Claudia keine Sterbehilfe. Morgen ausschlafen. Auch wenn der neue Server kommt. Für William Somerset Maugham, von dem ich nicht weiß, wie man ihn ausspricht, Autor von SZ-Bibliothek 34, der Magier, waren die häufigen Einladungen aufs Land kein reines Vergnügen. Der Trinkgelder wegen, die man dem Butler geben mußte etc.

Freitag, 19. November 2004 (Hunde wenigstens treu)
Erfolglos in der Stabi, Kulturschlampengeheimtipp Nummer eins, nach Schlager eines unbekannten Interpreten gesucht. Linkes Auge gerötet, Gehen beschwerlich. Vielleicht zu viel Knoblauch zum Fisch. Nach Mitternacht zu DJ E. Sollte langsam wissen, wann die letzten U-Bahnen fahren.

Samstag, 20. November 2004 (Guten Tag, Sie sind mit dem technischen Support von Fujitsu Siemens verbunden)
Als sich nach einer Viertelstunde immer noch keiner um mich und meinen defekten Lüfter kümmern wollte, ließ ich Apparat Eins laufen, und wählte mit Apparat Zwei, ISDN machts möglich, die gleiche Nummer. Und sieh da, aus Apparat Zwei meldet sich irgendwann eine Stimme aus Ostdeutschland. Und wenn sie recht verdorben sind, so läutet Apparat Eins noch heute. Der Winter kommt und Ingo schwächelt. Nicht der FC Bayern. Mit spielstarker Vorstellung an die Tabellenspitze. Auch in einer parapsychologischen Erzählung geht letztendlich im Osten die Sonne auf. Homeboy K. hat Nachtdienst und darf Weihnachten zu Hause feiern. Junior Tagesgespräch in der Heimatpresse. Leicht erhöhte Temperatur. Sage Damenbesuch für morgen ab.

Sonntag, 21. November 2004 (Weltabgewandtheit)
Fieber.

Montag, 22. November 2004
„Ein Virus jagt durch Ihren Körper“, so der Hausarzt. Lebensrettungskommando aus Niederbayern täuscht Krankenbesuch vor und will vor allem Wohnung auf Vordermann bringen.

Dienstag, 23. November 2004 (Fahrenheit 102.9)
Delirium. Angst, meinen letzten Joke gerissen zu haben.

Mittwoch, 24. November 2004 (Fieber weg)
Kehrt, des Nachts, es nicht zurück, geht's morgen wieder ins Büro. Angeblich möchte Volontärin Ramona einen Homeboy über seine Sexsucht interviewen (Leserbrief). Angenehmer Nebeneffekt bei einem viralen Infekt. Mein Immunsystem kämpft ausnahmsweise mal nicht gegen mich.

Donnerstag, 25. November 2004 (Überstunden)
Am ersten Arbeitstag. Mitten in der Regeneration. Dazu ständig Homeboy Junior am AB. Wegen eines Notfalls. Ohne präzis zu werden. Mit der Bitte um Rückruf.

Freitag, 26. November 2004 (Linda Evangelista hat ihre Barbiepuppen mißhandelt)
Und das heute, wo bei Spiegel Online die Islam-Barbie thematisiert wird. Claudia meint, ich hätte einem TV-Beitrag über Sexsucht offener entgegenstehen können. Solls doch der Dustin Hoffmann machen, der konnte die Sexsucht auch ausleben. WHO rechnet mit zwei bis sieben Millionen Toten bei der nächsten Grippe-Pandemie. Erwäge, irgendwo Kabel Eins zu gucken und auf die Ratiopharm-Zwillinge zu warten. Mußte zuviel sprechen. Im Büro. Hoffentlich kein Rückfall. Morgen noch Stadionverbot. Kummer. Der Gschaftlhuberhomeboy scheint in diesem Jahr die Weihnachtsfeier zu organisieren.

Samstag, 27. November 2004
Licht aus. Um 22:00 Uhr. Trotzdem nicht geschlafen. Bayern phänomenal.

Sonntag, 28. November 2004
Sex und Urlaubsfotos anschauen wäre möglich. Lesen noch nicht.

Montag, 29. November 2004 (Leiden nimmt kein Ende)
Jeder Schlafzyklus erfordert Kleider- und Bettwechsel. Dann auch noch schwer heben. In welcher Weinachtsfeier leben wir eigentlich? Frägt sich der Freeman-Homeboy. Mein SuSE-Lieferant, ähnlich schwer erkältet wie ich, will auch was vom Kuchen haben. Da wendet er sich an den Richtigen. Claudia meinte, ich solle froh sein, daß er nicht gesagt, hat, er bekomme immer nur den Zipfel von der Wurst. Ramona von Pro7 läßt nicht locker. Welcher Homeboy übernimmt das Telefonat?

Dienstag, 30. November 2004 (Volksbegehren-Wald gescheitert)
Mea culpa. Noch immer Husten. Antriebsschwach, leseunfähig, müde. Wildmoser vor Gericht. Der hat sich wahrscheinlich auch nicht fürs Volksbegehren eingetragen. Nehme weiterhin kein Aufputschmittel.

Mittwoch, 1. Dezember 2004 (Same procedure as every year, Henri)
Schultreffen im Hofbräuhaus. Rummenigge ins Eigenheim gezogen. Unimog-Homeboy soll sich eine gscheide Arbeit suchen. Fitzgerald stellt reichlich Visitenkarten zur Verfügung. Jurist aus Varasdin will sein Google-Ranking verbessern und meint, ich soll mehr Äpfel essen. Und wer nicht krank werden will, wird es nicht. So ein Klassentreffen erspart dir die Mitbewohnerin. Kernfusion in Homeboykreisen belächelt. Der do-ut-des-Homeboy, der die Gefallen, die er mir schon mal getan hat, heute verschwieg, hat wenig Freude am neuen Laserdrucker.

Donnerstag, 2. Dezember 2004 (Prostitution in München stark angestiegen)
Mir sagt ja keiner was. Wenn man Blut spuckt, muß man etwas gegen seinen Husten unternehmen. Claudia hat mehrere Filme gesehen, in denen dies den nahen Tod symbolisiert. Spitzwegerich-Hustensaft-Einnahme begonnen. Man kann nicht immer warten, daß die wünchenswerten Dinge sich von selbst einstellen. Ejakulation erfolgt in der Regel auch nicht. Ohne Eigeninitiative. Immerhin wieder ein Buch angefaßt. McCullers, Das Herz ist ein einsamer Jäger, SZ-Bibliothek 35. Taubstummen scheint man das Herz ebenso bereitwillig auszuschütten wie Sexsüchtigen. Ermüde zu rasch.

Freitag, 3. Dezember 2004 (Neuwahlen in der Ukraine)
Wer zeigt den Menschen in Kiew aktuelle Bilder aus Ostdeutschland? Erzähle Hausarzt von Claudias Assoziationen, worauf er amüsiert einen Kafka-Joke anbringt. McCullers nicht grad ein Stimmungsaufheller. Doktor Copeland lungenkrank. Willie verliert beide Beine. Mick muß mit vierzehn bereits bei Woolworth arbeiten. Und der Taubstumme John Singer schießt sich eine Kugel in die Stirn. Von der Ungerechtigkeit ganz zu schweigen.

Samstag, 4. Dezember 2004 (Bayern verpaßt vorzeitige Herbstmeisterschaft)
Konnte mir Bilder nicht ansehen. Spiegel Online betitelt eine Disziplin der Indianer-Olympiade: Mit dem Blasrohr auf Fischfang. Ich nenne es weiterhin Blind Date. Beinahe wiederhergestellt. Entschlossen, künftige Kneipentermine genauer zu prüfen. Homeboys sollten ihre Nase nicht in die Kondome anderer stecken. Glühwein und Lebkuchen mit Claudia.

Sonntag, 5. Dezember 2004 (E-Mail aus der Vergangenheit)
„Hola Henri, eres tu?, el que vino una vez a Chile?“ Cecilia ist drin. Sie möchte u.a. wissen, wovon die Homepage handelt. Man muß auch schweigen können. Wenn's nach mir ginge, hieße der Kanzlerkandidat der Union Heiner Geißler. Starke Vorstellung bei Christiansen. Adenauer war auch nicht viel jünger.

Montag, 6. Dezember 2004 (Merkel bleibt Parteivorsitzende)
When will those dark clouds disappear. Oh Angie, Angie... With no loving in our souls and no money in our coats. You Can't Say We're Satisfied. Cecilia glaubt nicht, daß ich mein Bohème-Dasein beendet habe. Von der 42-Stunden-Woche noch gar nicht gesprochen. Ich glaub's ja selber nicht. Nikolaus. Und niemand da, der böse war. Schumi-Nummer von Stefan Raab geht weiter. Elmar wird im Hallenbad regelmäßig angebaggert. Rückfall in Schulzeit-Ernährung. Zweimal Bifi und einmal Kartoffelchips. Aber Mineralwasser. Cecilia weckt mein Victor-Jara-Blut. Heiner Geißler gestern auch nicht weit entfernt.

Dienstag, 7. Dezember 2004 (Der Geist von Mannheim)
Einige Journalisten wollen den nicht gesehen haben. Cecilia, die lieber Araucaria oder Amanda heißen würde, arbeitet in der Regel 48 Stunden pro Woche. Also auch hier kein Mitleid in Sicht. Elmar hat sein Implantat verloren. Einkaufen. Abspülen. Jammern. Wieder gesund. Und fast genau so fertig wie zuvor. Claudia hat keinen Adventskalender. Bekommen. Vielleicht bin ich doch, wie ich es immer öfter höre, sehr caballero. Gab ihr meinen.

Mittwoch, 8. Dezember 2004 (Zustand des Waldes verschlechtert sich)
Hochofen. Das lebende Umweltbarometer. Passiere auf Nachhauseweg neuen Ayurveda-Laden. Mit Schaufenster. Nicht mal zum Yoga ziehen sie den Vorhang zu. Posen erinnern mich an den Tantra-Kurs, den ich nie hatte, aber laut Mitbewohnerin immer haben sollte. Ein unangenehmer, aggressiver, rachsüchtiger und peinlicher Traum, gestern Nacht. Rheuma in alter Frische. Esto no es vida!

Donnerstag, 9. Dezember 2004 (Waldsterben durch Rinderwinde?)
Steak oder Teak. Nicht die V-Leute vom Verfassungsschutz in der NPD machen mir Sorgen. Das Problem sind die V-Leute der NPD in der sächsischen CDU. Meetings und projektfremde Tätigkeiten. Claudia wundert sich, daß ich immer nur von meiner Sucht nach Kartoffelchips erzähle. Und die Kaubonbons verschweige. Cecilia unterschätzt meine Klagen. Verbringe die Abende ohne einen einzigen Gedanken.

Freitag, 10. Dezember 2004
Opa ist gestorben.

Samstag, 11. Dezember 2004 (Bahn möchte Tickets bei Aldi, Lidl oder Tschibo verkaufen)
Empfehle eher Edeka und HL. Bei Aldi seh' ich Billigflüge. Herr E. kollidierte mit regulärem Freitags-DJ. Cecilia nimmt meine natürliche Ausdrucksweise persönlich. Versuche, die Dinge zurechtzurücken. Ser antipático pertenece a mi imagen de un frustrado cinico de Baviera baja. Et cetera.

Sonntag, 12. Dezember 2004 (Die neuen Verfassungsväter)
Stoiber und Müntefering? Der Blind-Date-Homeboy plaudert aus dem Nähkästchen. Das Wochenende sei nicht dazu da, neue Frauen kennenzulernen, sondern die bereits bekannten rumzukriegen. Außerdem Haarspaltereien mit Junior. Dabei übersetzt sogar Langenscheid „Carpe diem“ mit „Nütze den Tag“. SZ-Bibliothek 36, Kafkas Amerika, ins Regal gestellt. Bereits bekannt. Mit Nummer 37 begonnen. Bruce Chatwin, Traumpfade. Ich empfinde eine angenehme Wohnstätte nicht als Gefängnis, Pascal hin oder her. Ansonsten einer der wenigen Tage mit ausreichend Schlaf und nahezu absoluter Schmerzlosigkeit. Epikur hat so recht. Was nervt. Ist. Daß alle auf meine Gewichtszunahme anspielen. Gestern Junior. Heute Claudia.

Montag, 13. Dezember 2004 (Doris verkauft nur bei Rossmann)
Und Rossmanns Hundezubehör kommt aus Fernost. Das heißt, bei den Chinareisen vom Gerd dreht sich nicht alles um's Waffenembargo. Muß Überstunden machen, wegen der Beerdigung. Zu wenig Schlaf und zu viel Schmerz. Ramona von Pro 7 möchte zu einem Ergebnis gelangen und fordert erfolgreich meine Telefonnummer. Die heisere Simone will nichts zu Weihnachten. Und Cecilia beklagt Scheinheiligkeit der chilenischen Rechten.

Dienstag, 14. Dezember 2004 (Uschi Glas hat große Liebe gefunden)
Man sieht. Der Niederbayer im allgemeinen vom Glück gesegnet. Beim Kauf meiner Reiselektüre zeigt die Kasse 278,50 Euro. Kassiererin meint, ich hätte noch nie was von Stornierung gehört, und beruhigt mich. Wer hätte gedacht, daß ich von der Weihnachtsfeier früher nach Hause komme als an manch regulärem Arbeitstag. Meine Anmerkung, daß ich und Bettina als einzige im Saale kein Weihnachtsgeld bekämen, hat zu keinen spontanen Sammlungen Anlaß gegeben. Mein Wirt vom Freitag entpuppt sich als Arbeitskollege. Arthur hat den Film verwackelt. Bettina entdeckt bizarren Ausschaltmechanismus. Und der Ayurvedaschuppen zieht mittlerweile die Vorhänge zu. Wahrscheinlich ist der Kurs voll. Oder die Übungen werden delikater.

Mittwoch, 15. Dezember 2004 (Auf der Trauerfeier)
Nur ein bißchen Chatwin gelesen. War doch keine zehn Stunden im Zug. Konnte, dank des glücklichen Umstands, daß unsere Bewegungsgeraden sich früher als erwartet schnitten, ab Hirschhaid mit Mama und Papa weiterfahren. Elektrischer Massagestuhl weckt Begehrlichkeiten. PfarrerIN führt durch Trauerfeier und läßt uneheliche Abenteuer aus. Von Opas Motorradunfall wußte ich noch nicht. Antonietta lädt alle an den Comer See ein. Dabei soll die Wohnung so klein sein, daß es für sie drei grade reicht. Der Cousin, der noch größer ist als der Jurist aus Varasdin, hat eine Bewerbung in München laufen. Während des Leichenschmaus' ist ein neues Kalb geboren worden. Günstiger Moment, um zum Hinduismus zu konvertieren. Rückfahrt über Regensburg, Simones neue Wohnung und ihre zwei Katzen anschauen. Im Zug wieder auf Antonietta getroffen und ihr meine wilden Frauengeschichten aufgetischt.

Donnerstag, 16. Dezember 2004 (Die Empfindlichkeiten der Menschen kennt keine Grenzen)
Und wer kennt da keinen Plural. Der Kaiser, Focus Online oder n-tv. Zuzutrauen wäre es allen drei'n. Zumindest kann der Kaiser noch erkennen, wenn einer den Ball fallen läßt. Beim Heimweg neun Frauen in die Augen geschaut. Schon vorm U-Bahnsteig. Mein Schnitt liegt sonst, schätze ich, höchstens bei drei. Hohlmeier will im Amt bleiben. Cecilias Blog wirkt etwas unpersönlich. Antonietta versteht von www.hochofen.de nicht viel mehr wie letztere.

Freitag, 17. Dezember 2004 (Bayern gegen Arsenal)
War ohnehin mein Wunschgegner. Schokoladen-Nikoläuse in französischen Schulen verboten. Wenn die alle wieder eingeschmolzen werden. Das sind die Schokoladen-Bin-Laden von morgen. Fotohandy bestellt. Ich glaube nicht, daß man dem Unimog-Homeboy bei unserem morgigen Treffen eigenen Antrieb unterstellen kann. Bat Cecilia um die Dokumente meiner Minne. Scheibchenweise. Confieso, estaba un romántico. Verdammt lang her.

Samstag, 18. Dezember 2004 (Weihnachtsstreß)
Piepsen an der Schranke bei Saturn. Mußte vor einer 20-Mann-Schlange Rucksack und Tüten leeren. Einer der Vorteile als Single. Man hat keine Geschenke von Beate Uhse in den Taschen. Niederbayerisches Heimatvertriebenen-Treffen in Varasdin abgesagt. Sich über die Veröffentlichung meiner alten Liebesbriefe im Internet zu beschweren, macht im Glashaus wenig Sinn.

Sonntag, 19. Dezember 2004 (Da wächst was heran)
Südkorea Klinsmanns erster Gegner, der sich wehrte. Besuch in der Au. Die Karrierefrau war zwar in Österreich unterwegs. Aber ihr Mann kümmert sich um Haus, Kind und Homepage. Wenn alles gut läuft, komm ich dem Tollwood heuer aus. Cecilia denkt zu viel. Claudia zu wenig. Thema Sex für 2004 abgeschlossen.

Montag, 20. Dezember 2004 (Laurenz Meyer spendet 80.000 Euro)
Soll lieber den Platz für Geißler frei machen. Antonietta glaubt auch, daß das Jahr gelaufen ist. Kollegin von Ramona auf der Mailbox. Möchte sich gern mit mir unterhalten. Sexsucht echte Marktlücke. Auf Pro7. Cecilia kann sogar dem Blick aus einer Milbertshofener Arbeiterwohnung Positives abgewinnen.

blick aus dem fenster von henri hochofen

Die Straße sei nicht so nah, wie bei ihr in Santiago, was mich vom Straßenlärm verschone. Sie kennt Claudias Musikgeschmack nicht. Außerdem hab ich kein Teleobjektiv benutzt.

Dienstag, 21. Dezember 2004 (Ja, ist denn heut schon Weihnachten?)
Terrortage meines Funkweckers sind gezählt. Wie wir am Morgen erfahren haben, tritt ab 1. Januar eine neue Dienstzeitvereinbarung in Kraft. Keine Kernzeit mehr. Ausschlafen nach Bedarf. Daneben ersparen mir nette Nachbarn den Weg zur Post und nehmen mein Fotohandy in Empfang. Cecilia bekommt erste Latein-Lektion. Claudia bereits nach Hause gefahren. Nur diese romantischen Komödien wie Brot und Tulpen oder Shakespeare in Love tun mir nicht gut.

Mittwoch, 22. Dezember 2004 (Einmal werden wir noch wach)
Dann kommt Harald Schmidt. Ohne geschriebene Gags. Hoffentlich wird das keine Schiffsreise. Bezweifle, daß Laurenz Meyer sein Geld immer noch spenden will. Muß mich mehr auf Diclofenac-Einnahme konzentrieren. Sonst vergeht ein schmerzfreier Tag. Ohne sich dessen bewußt zu sein. Jeremies' Kampf um einen Stammplatz wird realistischer. Hat eine Loge in der Allianz-Arena angemietet.

Donnerstag, 23. Dezember 2004 (Herr Schmidt ist zurück)
E-Mail-Weihnachtsgrüße sollten mit Weihnachtsliedern nicht unter zwei Stunden bestraft werden. Lasse mir jedes Jahr teurere Weine andrehen. Diesmal aus Südafrika. Kässpätzle, Apfelschorle und eine Toilettenmarke am Hauptbahnhof. Chatwin sagt, daß „travel“ und „travail“ als gleiches Wort bezeichnet werden können. Die Individualtouren mit Claudia hatten in der Tat mit Dienstreisen viel gemein. Im Zug. Im Fahrradwagen. Schräg gegenüber ein ehemaliger Mitbewohner aus meiner letzten 5-er-WG. Hatte keinen Bock, für die kurze Strecke mehr small-talk aufzulegen als während unserer mehrjährigen gemeinsamen Wohnzeit. Also hab' ich ihn nicht gesehen. Simone saugrantig. Dafür Harald Schmidt gut aufgelegt. 64 Shows im Jahr sind zu wenig.

Freitag, 24. Dezember 2004 (Heilig Abend)
Letzte Einkäufe bei Karstadt. Papa ist sehr gut beraten worden. Und vor allem sehr schnell. Schweinswürst'l dies' mal aus Kirchroth. Neues Lametta an Omas Christbaum. Witz des Tages geht um einen tödlichen Verkehrsunfall. Simone nach fünf Ouzo wieder lammfromm. Schenkte mir das DVD-Set von Monaco Franze. Ich kaufte ihr das DVD-Set von Monaco Franze. Oman und Katar spielen, wie von Papa bei betandwind getippt, unentschieden.

Samstag, 25. Dezember 2004 (Dehydration)
Obwohl ich als einziger in der Familie schnapsfrei geblieben bin, hab ich doch das meiste Kopfweh. Legte mich auf der Suche nach Wasser gegen fünf Uhr früh zum Sterben auf die Wohnzimmer-Couch. Erholte mich aber wieder und fand die Wasserstelle. Vielleicht hätte ich am Abend zu Hause bleiben sollen. Zumal John-Homeboy seinen Aufenthaltsort verleugnen ließ. Aber es war schon ausg'macht. Mama nimmt den südafrikanischen Wein zum Kochen her. Die eine Cousine hat Angst, einzugehen wie eine Primel, und die andere Cousine hat ihrem Freund eine Carrera-Bahn gekauft, just die gleiche, die Number Fours Neffen bekommen haben. Ethymologische Erläuterung zum Spitznamen eines Deutschlehrers. Wenn's so weiter geht, wird Simone bald älter geschätzt als ich. Und eine Tischdame verspeist Zitronenschalen.

Sonntag, 26. Dezember 2004 (Zweiter Weihnachtsfeiertag)
Homeboys gehen wie üblich nicht auf meine Terminvorstellungen ein. So blieb mir nur die Bahn. Ohne den neuen IKEA-Schrank. Aber mit Botho Strauß: Paare, Passanten (SZ-Bibliothek 38). Man schreibt aber doch auch, um sich nach und nach eine geistige Heimat zu schaffen, wo man eine natürliche nicht mehr besitzt. Das Motiv borg' ich mir. Man darf ein Jahr nicht vor Silvester beerdigen.

Montag, 27. Dezember 2004 (Dritter Weihnachtsfeiertag)
Mit Elena auf letzten Sex 2004 angestoßen. Ich bin. Ja, es muß ein Ende haben. Auch nur ein Mensch. Bestünde nicht die Gefahr des Mißbrauchtwerdens fürs Zeit-Totschlagen, müßte man den Versuchen eines Homeboys, die anderen Homeboys einzeln an aufeinanderfolgenden Tagen zu treffen, nicht so argwöhnisch gegenüberstehen, wie ich es tue.

Dienstag, 28. Dezember 2004 (Tsunami)
Hoffentlich kann die Frau, die nicht wußte, ob ihr Ayurveda-Hotel noch steht, helfen. Serverraum renoviert. Karrierefrau von der Au, der sie die Skier geklaut haben, beginnt Arbeit an ihrer Homepage. Claudia verbringt Silvester in Hütte. Erste Vorsätze. Nettsein strengt mich zu sehr an. Mag nicht mehr. Auch die Konfrontation reizt mich nicht. Zu redundant und unergiebig. Zurück in die Anonymität.

Mittwoch, 29. Dezember 2004 (Asiatische Börsen schlossen überwiegend fester)
Nicht auszudenken, ein Tsunami träfe das Rentnerparadies Mallorca. Gatte der Karrierefrau von der Au bittet mich klarzustellen, daß Design und Rechtschreibfehler wie Beyolglu für die Hochzeits-Homepage aus seiner Feder stammen. Elmar den Generationenvertrag erklärt. Wir Kinderlose zahlen die Rente unserer Väter. Und die Pflege seiner Kinder. Ziemlich erschöpft. Trotz Diclo.

Donnerstag, 30. Dezember 2004 (Sushi bedeutet langes Gericht)
Bisweilen auch langes Gesicht. Bei ehemaligem Arbeitskollegen zum Essen eingeladen. Mein alter PC soll dieser Tage seinen Geist aufgegeben haben. Viele neue Gesichter und Hintergrundinformationen zum alten pensionsnahen Chef und zu Jarolim. Da ich als bekennender Gegner von Pilzen und Huhn schon mit dem ersten Gang des asiatischen Menüs meine Probleme hatte, zeigte ich anschließend guten Willen. Fürs Sushi verteilt man den Reis ganz dünn auf gerösteten Seetangplatten. Dann der Lachs. Dann Flußkrebs. Oder (mir zuliebe?) Flußkrebsimitat. Rollen. Portionieren. Dippen. Ein Stück probiert und mich den Rest des Abends von Nachos und Kartoffelchips ernährt. Allen anderen mundete es vorzüglich. Bin einfach z'hoaglig.

Freitag, 31. Dezember 2004 (Silvester)
Neues Motherboard. Alte Grafikkarte paßt nicht in den Schlitz. Wo soll ich heut um halb drei eine neue Grafikkarte auftreiben. Wird Zeit, daß dieses Jahr zu Ende geht.

© Henri Hochofen 2004