Tagebuch von Henri Hochofen
November/Dezember 2005
Dienstag, 1. November 2005 (Prohibition kehrt zurück)
EU plant Bierverbot unter 18. Mit Claudia telefoniert. Wasserschaden immer noch nicht repariert. Was mich wieder an die SPD erinnert. Volksparteien nun bald fest in ostdeutscher Hand. Sogesehen folgt meine Migration den künftigen Finanzströmen. Mrs Charles arbeitet. Und die Blumenverkäuferin wundert sich, daß die Lieferung heut' so knapp ausgefallen sei. Man kennt hier kein Allerheiligen. Südamerikanische Philosophie-Dozentin will den Rombach übersetzen, den ich ins Netz gestellt hab'. Stoiber kneift. Brüderle weint ihm nicht nach. Balkonszene mit Sternschnuppe. Mrs Charles gehört zu denen, die freie Wünsche gern mit unzulässigen Allquantoren versehen. So auf die Art. Du hast drei Wünsche frei. Und du wünscht dir, daß du immer glücklich bist. Das ist natürlich schwerer zu erfüllen als das gängige. Ich möcht Marlboro, Video und 'n Golf GTI.
Mittwoch, 2. November 2005 (Kein Glück in Turin)
Rote Rosen. Delphine und Kühe. Ein bißchen Kaspar Hauser. Die Ehe als Lizenz zur Übergröße. Wie sich Großeltern mit Führerschein von solchen ohne unterscheiden. Raclette in einem improvisierten Speisesaal. Mrs Charles tanzt zu ihrem neuen Lieblingslied. Ich hätte mein Diclofenac-Rezept schon einlösen sollen.
Donnerstag, 3. November 2005 (My girlfriend is a workoholic)
Mrs Charles bereitet mich auf die gehobene Mittelschicht vor. Schmatzen und Messerabschlecken sind fortan tabu. Auch für bayerische Naturvölker. Es stören. In dieser Reihenfolge. Der Schornsteinfeger, der Postbote und der Schaffner. In München gäbe es über 800 000 Autos, meint ein Mitreisender und beschwert sich über das Videoprogramm im Zug. Selbiger Monitor wurde auch von der Seniorin links neben mir thematisiert. Das is' für die Leut mit ihr'm Laptop und ihr'm Internet. Da können's direkt nei... Ab morgen wird beworben. Bad unbenutzbar. Claudias Zimmer bereits ausgeräumt. Hajime hat Shimamoto aus den Augen verloren.
Freitag, 4. November 2005 (Strangers in my house)
Handwerker und ehemaliger Hausmeister im Morgengrauen. Vermieter. Hausverwaltung. Frau des Hausmeisters. Schadensverursacher. Hund des Schadensverursachers. So viele Lebewesen waren noch nie an einem Tag in meiner Wohnung. Am Montag kommen zwei alte Füchse eines renommierten Installationsunternehmens. Bei der Gelegenheit meine Wohnungskündigung besiegelt. Auch mein DSL-Anbieter bestätigt, meine Leitung abzuschalten, möchte aber die Bereitstellungskosten weiter einziehen. Mrs Charles muß heute morgen auf meine Nutella-Arien verzichten. Erste Bewerbungen abgesandt. Fahre zu Mediamarkt. In Sachen Drucker-Instandsetzung. Am Dienstag hätte ich bereits einen Vorstellungstermin in Berlin, den ich aber sausen lassen muß. Hoffentlich bereu' ich das nicht.
Samstag, 5. November 2005 (Vier Minuten zu spät)
Weil ich keine JDBC-Connection bekommen konnte, verließ ich das Haus erst gegen zehn nach drei. Wie eine Fügung des Schicksal schien es mir, daß just in dem Moment ein Taxi vorüberfuhr. «Zur Allianz-Arena? Was gibt's da heute?» Dann erzählte mir der Fahrer von der guten alten Zeit, als Stoichkov noch für Barcelona kickte. Daß die WM ohne ihn stattfinde. Daß Hornbacher in der Tschechei groß geworden sei. Und daß die Schranke beim letzten Mal noch nicht dagewesen war. Langer Rede kurzer Sinn. Kam vier Minuten zu spät. Selbige vier Minuten wurden von Rubenbauer ungeschnitten wiederholt. Weil bereits zwei Tore und zwei Großchancen zu verzeichnen waren. Letzte unbezahlte Nachtschicht für meinen Noch-Arbeitgeber eingelegt. Wenigstens hatte ich Erfolg. Habe dem ursprünglich nach Varasdin strebenden Richling auf diese Weise einen ruhigen Fernsehabend beschert. Und Junior kommt im Homeboy-Café Nr. 1 gut ohne mich zurecht. Mrs Charles hätte sich fast eine Katze aufschwatzen lassen. Zu viel Kartoffelchips.
Sonntag, 6. November 2005 (Letzter Urlaubstag)
Papst hat auch keinen Job für Stoiber. Mrs Charles reizt ihr Mobiltelefon aus. Hajime möchte in Tokio studieren. Und Izumi gehört nicht gerade zum aufsässigen Typ. Haben die Ratiopharm-Zwillinge einen neuen Spot herausgebracht? Laut Google-Statistik werden sie wieder stärker nachgefragt. Zu viel weiße Schokolade. Der große Hans-Jochen Vogel, der mir mal die Hände schüttelte, als er noch Oppositionsführer war. Claudia bezweifelt, daß er sich daran erinnern kann. Bei Christiansen. Sogar Neururer will nicht Club-Trainer werden. Wo ist eigentlich Werner Lorant? Nadja beginnt ihre Masterarbeit. Und Chirac sagt auch mal was. Doku über 12. September 1683 wider Erwarten bis zum Schluß geguckt.
Montag, 7. November 2005 (Ausgangssperre in den Vororten von Paris)
Auf der Suche nach einer einfachen Lösung wieder einen ganzen Tag verschleudert. Homeboys planen Hüttenzauber. Werde zu dem Termin kaum Urlaub bekommen, habe ich ihnen geantwortet. „Von wem?“, meinte Number Four. Wohingegen Homegirl K. weitblickendere Vermutungen anstellte. Falls ich aber noch keinen Job hätte, bis dahin , so werde man dort Berge versetzen. Wenigstens sind die Weihnachtsferien gesichert. Morgen kann ich mir meine Papiere abholen. Mrs Charles fühlt sich vernachlässigt und droht mit dem Concurrent Versions System. PCs sollten sich nach zehn Stunden automatisch abschalten. Kleine Menschen reden sich leicht. Sie haben viel mehr Zeit. Essen nicht so lange. Und das Waschen geht auch schneller. Claudia spottet über den Beginn einer wunderbaren Fahrgemeinschaft.
Dienstag, 8. November 2005 (Bisky scheitert auch im vierten Wahlgang)
"Unerhört", "heimtükisch" und "hinterhältig" sei das gewesen. Schreibt die Süddeutsche Online. Und will dabei Gysi und Lafontaine zitiert haben. Tag der Rechtschreibfehler. In meinem Arbeitszeugnis steht auch, ich hätte meine Aufgaben eingeständig umgesetzt. Im Zeitalter von Merkel und Platzeck könnte Gysi sich die Arien von der Ostdeutschen-Ausgrenzung sparen. Die MMS von Mrs Charles hatten früher viel mehr KiloByte. Bin traurig. Richling sagt, daß Thilo in England promoviert. Und sein neuer USB-TV-Stick eine integrierte Preiß-Erkennung besitzt. Empfängt kein bayerisches Fernsehen. Die Partei über mir kann zur Zeit nicht duschen. Träumte lieber von Sex und Servlets. Als von Diclofenac und NP-Vollständigkeit. Wenigstens hat Stoiber Seehofer noch installiert. Vor seinem Rückzug. Aus allen Ämtern. Der sich nicht mehr lang hinzieht, wenn man Richling Glauben schenken darf.
Mittwoch, 9. November 2005 (Ratiopharm droht "Stern" mit Klage)
Preis, laß nach. Gute Besserung. Gute Zwillinge. John HomeBoy strebt Umbennung in Holiday Boy an. DB-Ticket-Automat druckt für einfaches Hin- und Rückfahrticket acht(!) Belege aus. Claudias Umzug abgeschlossen. Wie manche Leute eine heimliche Schwäche für Gewitter, Erdbeben oder Stromausfälle haben, liebte Hajime dieses undefinierbare Etwas, das von manchen Angehörigen des anderen Geschlechts ausgeht. Das erinnert mich mal wieder an Chile. «Lo sentiste? El temblor? 'ta noche?» Partei über mir scheint sich nicht an das Duschverbot zu halten. Die Nachbarn haben mein Mediathek-Päckchen vor zwei Wochen entgegengenommen und sagen kein Wort. Jemand beschwert sich, daß ich immer nur mit einem Ohr zuhöre. Irgendwann besorge ich mir ein zweiohriges Headset. Erste schriftliche Bewerbung versandt. Mrs Charles möchte mal erleben, daß ich narrisch werd'. Was beinahe der Fall gewesen wäre, als ich mein SSL-Passwort nicht mehr wußte, und sich der Server nicht mehr starten ließ. Arbeite zu viel. Ernähre mich von einem abendlichen Telefonat und ein paar Zeilen Murakami in der U-Bahn.
Donnerstag, 10. November 2005 (Working Class Zero)
Wieder keine Mittagspause. Meine Kollegin sagt, ich müsse auf mich aufpassen. Auf der Suche nach VarReader meinte Google, ich soll's doch mal mit Fahrräder probieren. Die neue Plastik der Bildhauerin gewinnt an Konturen. Konnte die mir anvertrauten Geräte nicht ausschalten. Mangels Transponder-Freischaltung. Traum von einem riesigen Panorama-Plakat, einmal in Farbe mit Münti und einmal ohne und schwarz-weiß. Das war übrigens der Beweis. Von wegen. Männer träumen nur schwarz-weiß. Mrs Charles will keinen singenden Christbaum. Bahn teilt mir nach zwei Tagen mit. Daß der gewünschte Supersparpreis bereits ausgebucht war. Und hat meine Buchung wunschgemäß storniert. Wirbt aber für die gleiche Verbindung weiter mit dem Superspar-Angebot. Hätte mir beinahe an einem Türstopper ein Bein gebrochen. Die Versicherung hätte nichts gezahlt. Wegen Nichteinhaltung der gesetzlichen Höchstarbeitszeiten.
Freitag, 11. November 2005 (Große Koalition einigt sich)
Wegen außergewöhnlicher Belastung keine Zeit, die Rücktrittsdrohung von Jens Lehmann und die Steuererhöhungen zu kommentieren. Todmüde ins Bett gefallen. Erwarte Mrs Charles.
Samstag, 12. November 2005 (Warten auf das Überlastungssyndrom)
Schaffe es. Gerade noch vor acht zu meinem Minimal, der früher ein HL war. Der Stress muß langsam ein Ende haben. Denn. Bevor der Herzinfarkt mi' mit 40 in die Windeln prackt. Die Bottle Rotwein hab' ich schon. Fehlt nur noch der Ostseestrand. Renoir und Karrierefrau von der Au haben mich an einem schlechten Tag erwischt. Number Four's Hüttenplanungen gedeihen. Das System, das ich zu debuggen hatte. Gibt schon bei der kleinsten Überlastung den Geist auf. Und merkwürdige Geräusche von sich. Nora nimmt es mit Humor. 24 Indigo auf Bayern 3. Natürlich mit meinem Lieblingslied. Who's got the love... Mrs Charles fast pünktlich in München eingetroffen.
Sonntag, 13. November 2005 (Hochofen im Kino)
Lange nicht mehr im Kino gewesen. Mrs Charles plant außerdem Theater, Tanz und eine Tennis-Revanche. Der reinste Triathlon. Als Shirley MacLaine auftauchte, drückten die Schuhe nicht mehr so sehr. Welcher Zeitgenosse Vera meine Handynummer gegeben hat, möge mir eine neue besorgen. In Schwabing mit Nora und Claudia hinter dem Kabarettisten gesessen, den ich in Regensburg mal live gesehen habe. Do nervt doch irgendwos!... Ohrloch? Haa? Ohrloch? Stecher lassen, oder? Stecher lassen? Claudia meinte, wenn ich Promis treffe, könnte ich mir meine Verklausulierungen sparen. Laut Junior hätten die ohnehin kein Privatleben. Na gut. Der Liegl war's. Und letzte Woche saß Christoph Süß im Café Jasmin. Wo übrigens erstaunlich viele hübsche Mädchen gastieren. Seit neuestem. Aber Reiner S. wollte ja lieber in den Hexenkessel. Wo man mir diese Tomatencremesuppe mit Fleischstückchen andrehte.
Montag, 14. November 2005 (Erste gemeinsame Zugfahrt mit Mrs Charles)
Der Reisevermittler der Bahn, der benachbarte Plätze versprach, hat es nicht einmal hingekriegt, zwei Plätze im gleichen Zugteil zu reservieren. Man sollte in Freiburg nicht fragen, wo die Uni ist. Diverse Anspielungen. Zu viele Zigaretten. Geh'n Sie nicht zum Nordpol. Geh'n Sie nicht dahin. Das ist bestimmt kein Paradies. Dem Zimmermädchen etwas Arbeit abgenommen.
Dienstag, 15. November 2005 (SPD-Parteitag)
Ostdeutsches Wahlergebnis. Mein Tagebuch auf dem Beamer. Beinahe wäre meine Tarnung aufgeflogen. Heftige Diskussion. Zweite Zugreise mit Mrs Charles. Mit Strom. Eine Wortliste mit Vanillekipferln und Potentialtöpfen. Keine Kidney-Bohnen mehr. Weihenstephaner Joghurt sowieso nicht. Nicht mehr in den Schwarzwald. Nicht nach Schweden. Manchmal stellt sich eine Mannschaft selbst auf. Die ersten Absagen trudeln ein. Die mitreisende Journalistin, die an einer Münti-Story arbeitet, kündigt Schneefall an. Nora kocht. Ich suche nach Stellenanzeigen. Die Nacht kommt zu früh.
Mittwoch, 16. November 2005 (Die MVG-Garantie - gut unterwegs mit U-Bahn, Bus und Tram)
Schnee kam ebensowenig wie die U-Bahn. «Wegen einer Weichenstörung kommt es auf der Linie U1 in beiden Richtungen zu Verzögerungen von bis zu 10 Minuten.» Wenn Mrs Charles geahnt hätte, daß nach 25 Minuten immer noch keine U-Bahn eingefahren ist. Hätte sie vielleicht noch in ein Taxi steigen können, auf dem Weg zu ihrem ICE. Service-Point Nr. 1 war nur für die S-Bahn zustänidg. Das Häuschen des MVV sei unten. Das erste Häuschen mit dem MVV-Ticket verkauft die Tickets nur. Die Reklamationsstelle sei noch weiter unten. Dort stieß man auf erfahrene Service-Mitarbeiter. Diese händigten Mrs Charles eine Karte aus. Für ihre Verbesserungswünsche und zur Äußerung ihrer Kundenzufriedenheit. Damit alles an den zuständigen Shredder weitergeleitet werden kann. Ein Fahrkarten-Verkäufer der Bahn meinte, man solle sich erst mal eine Bestätigung für die Verspätung geben lassen und damit zum Service-Point. Service-Point Nr. 1 hat auch mit der Deutschen Bahn nichts zu tun, obwohl DB drauf steht. Und im Ziel-Service-Point bekommt man eine Fahrkarte zum regulären Preis. Ohne Kulanz und Verrechnungsmöglichkeit mit der Fahrkarte für den nicht erreichten Zug. Da hätte man auch ausschlafen oder frühstücken können. Mein Cron-Job bricht zu früh ab. Zorro will PayPal. Claudia sagt, sie hätte das Plakat mit Gloria von Thurn-und-Taxis jetzt auch gesehen. Aber sie verkauft da nicht das Obdachlosenmagazin Biss, sondern Park Avenue. Wir richten einen Jour-Fix ein und wollen jeden Mittwoch telefonieren.
Donnerstag, 17. November 2005 (Nebenwirkungen von Tamiflu?)
Ballack sollte langsam unterschreiben. Erfolgreicher Performance-Test. Nora hat eine Datenbank verloren. Der Schimmel im Bad ist abgekratzt. Morgen heißt es wieder Bugs fixen. Mrs Charles formuliert meine Bewerbungsschreiben. Ich befinde mich derzeit in ungekündigter Anstellung, möchte aber aus privaten Gründen meinen Lebensmittelpunkt nach Berlin verschieben. Kann da noch etwas schief gehen?
Freitag, 18. November 2005 (Erster Schnee)
Verschlafen. Die Eindrücke zweier Python-Lobbyisten von einer Java-Konferenz als objektiv zu betrachten, kann man wirklich nicht verlangen. Dreimal umgestiegen. In Augsburg, Lüneburg und Büchen. Schrecklich unspektakuläre Zugfahrt. Von der üblichen Verspätung abgesehen. Im Kakadu eineinhalb Stunden nach Noras Testdokument Harvey gesucht. Todmüde. Raum und Zeit verschwimmen. Die Heisenberg'sche Unschärfe einer Fernbeziehung. (Leserbrief)
Samstag, 19. November 2005 (Pizzaro trifft auswärts)
Elche künden vom nahen Advent. Notebook-Verbot im Schlafzimmer zwischen 19:00 und 7:00 Uhr tritt bald in Kraft. Skat-Anfängerkurs. Geben. Hören. Sagen. Kreuz, Pik, Herz und Karo. Im Halbschlaf von Servlets gesprochen.
Sonntag, 20. November 2005 (Heiße Schokolade)
Tränen am Nachmittag. Schwimmende Christbäume. Kein Fernsehen. Und vor allem kein Sushi. Debuggen bis zum Umfallen. Mrs Charles träumt von Claudia.
Montag, 21. November 2005 (Verirrt in Berlin)
Mrs Charles ins Büro begleitet. Wenig Lust. Zurückzufahren. Abenteuerliche Fahrt nach Berlin. Stellwerkschaden. Umstieg auf S-Bahn ab Oranienburg. Mit einem Taxi könnte ich es vielleicht noch schaffen. Den Ostbahnhof rechtzeitig zu erreichen. Aber finde mal eins. In Berlin. Auf der Bornholmer Straße. Auf einer dunklen Bahnbrücke. Eine Viertelstunde steh ich da. Seh' mich schon in der Bahnhofsmission campieren. Nora recherchiert zu Haus und teilt mit, daß mein Zug auch den Bahnhof Zoo passiert. Siebzehn Minuten später. Auf Gleis Drei. Neue Hoffnung. Immer noch kein Taxi. Ein Kilometer weiter soll ein Stand sein. Ich laufe. Glatteis. Keine Spur von Taxistand. Aber. Schließlich weihnachtet es doch noch. Und ich sah. Auf den Dächerspitzen. Goldene Lichtlein blitzen. Kaum Verkehr. Wir schaffen es. Mein Liegewagennachbar wollte lieber oben liegen. Und jammert anschließend rum. Daß man dort oben jeden Knochen spüre. Unten war's gemütlich. Mit Strom. Und meinen handgeschmierten Stullen.
Dienstag, 22. November 2005 (Merkel ist gewählt)
Willi hat meinen roten Schal auf dem U-Bahn-Monitor gesehen. Zorro vermutet Sabotage. Herr E. möchte auf eine Vernissage. Jedoch. Championsleague geht vor. 4-0. Man kann zufrieden sein. Mrs Workoholic debuggt auch ohne mich. Bis spät in die Nacht. John-HomeBoy hat immer noch keine Ahnung von Fußball.
Mittwoch, 23. November 2005 (England schafft Sperrstunde ab)
Erstes Vorstellungsgespräch vereinbart. Tapetenwechsel bei Mrs Charles. Claudia findet Haidhausen ganz toll. Herr E. zeigt mir die Unerschöpflichkeit des Glockenbachviertels. Zwei neue Kneipen besucht. Bevor die Türsteher kamen. Kontroverse über den Kosovo. Und über Münti.
Donnerstag, 24. November 2005 (Kokain überholt Ecstasy)
Kaum fällt die Sperrstunde, treibt Angie sich in England rum. Telefon-Interview. Was sind Ihre Stärken? Diese Tour. Am Schluß sollte ich. Weil man so viele Bulgaren, Russen und Fremdkontinentler beschäftige. Ein wenig auf Englisch parlieren. Über mein Hobby. Und sie forderten ein paar Code-Proben an. Der Leser möge sich das Wortspiel sparen. Weiße Schokolade, Kaubonbons und zwei Zigaretten. Herr E. meint, so langsam verliere Berlin seinen Abbruchflair und Ostcharme. Trotzdem gebucht. Ein Teilprojekt neigt sich dem Ende zu. Mrs Charles vergleicht Zucker, Mehl und Pulverschnee. Und hält nicht viel vom Monte Kaolino.
Freitag, 25. November 2005 (Deutsche Bahn will Berlin verlassen)
Abbruchflair kommt eventuell zurück. Viel mit Frankfurt telefoniert. Ohne zu einem Abschluß zu kommen. Trennung von Logik und Layout. Ein Meilenstein. Wie die Trennung von Sex und Verhütung. Zorro bekommt seine Retouren-Administration. Lange konnte ich den Spruch mit den drei «B» vor Mrs Charles geheim halten. Nun ist es zu spät. Bechterewler brauchen Bewegung.
Samstag, 26. November 2005 (Mal wieder beim Après-Fútbol)
Mrs Charles sagt, es gäbe zwei neue ratiopharm-Zwillinge. Ich wäre empört, wenn ratiopharm sich von selbigen wegen zweier jüngerer getrennt hätte. Für Falten, Speck und Doppelherz. Gibt's denn da nichts von ratiopharm? Bayern gewinnt auch die sogenannten schwachen Spiele. Pizza in Garching. Hat die? Den anderen? Wirklich geschmeckt? Ingo macht sich Sorgen um die EM-Quali 2008. Zorro will nicht ausschließen, daß suizidale Neigung und Kritikfähigkeit aus Händen auszulesen sind. Simone guckt beim Korrigieren. Monaco Franze. Maman möchte wissen, was Nora und Anhang Weihnachten essen wollen. Die Tapete ist endlich ab. Und Kreuzberger Disskussionsabende sind lang.
Sonntag, 27. November 2005 (Advent, Advent)
Papa entdeckt das Nordic Walking. Heilig-Abend-Planungen wie üblich diffizil. Simone fährt nur heim, wenn bei Oma gefeiert wird. Silke kommt nur, wenn es Würschtl gibt. Und wenn es schon wieder Würschtl gibt, dann droht Esther mit Nichterscheinen. Im Zug ist es eklig voll. Sitze an der Heizung. Habe Angst, daß mein Weihnachtsmann schmilzt. Die ersten Plätzchen. Das Leben in der Pathologie soll nicht so beschaulich sein, wie man es sich gemeinhin vorstellt. Zuviel Gewebe. Meinen blöden Thread durch einen Blob ersetzt. Blob, das heißt Stop. Nun bleibt es dabei. Psyrembel erscheint mir zuverlässiger als die Brigitte-Community. Mrs Charles schreibt einen langen Brief.
Montag, 28. November 2005 (Schönhuber gestorben)
Hoffentlich muß die Wahl in Dresden nicht wiederholt werden. Der Blob tut es. Mrs Charles hat einen Schreck bekommen. Abendliche Nebenjob-Tätigkeiten fast erledigt. Vielleicht gelingt es mir mal wieder. Effiziente Graphenalgorithmen zu studieren. Diese Woche.
Dienstag, 29. November 2005 (Flasche leer)
Die Information, um die ich vor eineinhalb Wochen gebeten habe, ist eingetroffen. Übermittler war allerdings keine der Personen, die ich darum gebeten habe. Erstaunlich. Was man so alles erreichen kann. Wenn man nur ein halbes Jahr. Alles miesmacht. Mault. Und mobbt. Ich erwäge aus reiner Bosheit. In München zu bleiben. Dienst nach Vorschrift zu machen. Meine eigenen Bugs nicht zu fixen. Et cetera. Schmidt bei Gottlieb. Mein Seminar-Kommilitone hat sich das Thema noch nicht mal angesehen. Fanny Ardent weint. Mrs Charles sauer. Und wieder süß. Eine Personaltante versetzt mich. Minimal hat keine Briefumschläge. Meine Jobsuchaktivitäten potenzieren sich.
Mittwoch, 30. November 2005 (Döner-Umsatz geht zurück)
Regierungserklärung verpaßt. Der Bundestrainer erklärt mir, warum er mit zwei Bällen spielen läßt. Es war nicht abgesprochen, daß die Verbandsleitung mich schon vorher informiert. Zorro startet Winterschlußverkauf. Claudia zu Besuch. Erinnert sich, die ungeöffneten Rechnungen schon liegen gesehen zu haben. Als sie ausgezogen ist. Ich schätze diese kleinen Aufmunterungen. Habe geweint in einem Traum von Mrs Charles. Woody Allen ist nur noch doppelt so alt wie ich. Früher hätte ich gesagt. Vielleicht hab' ich dann endlich halb so viel Sex. Aber heute bin ich realistisch.
Donnerstag, 1. Dezember 2005 (Bambi für Beckenbauer)
Mein nächster Norddeutschlandtrip schließt immerhin zwei Vorstellungsgespräche ein. Münchner Tatort im WDR. Vorm Café Jasmin. Rund um den Glockenbach. Und ein alter Bekannter in einer Nebenrolle. Zorro rief an. Er wollte was vorbeibringen. Ich dachte an. Weihnachtsgeld. Bekam aber. Stattdessen. Eine CD, die in das Backend integriert werden muß. Mrs Charles gönnt sich einen Eierpunsch. And is committing as cvs_hochofen. Erstes Türchen, bzw. Säckchen geöffnet. Inhalt. Hanuta Mini. Homeboy Junior startet neues Weihnachts-Quiz.
Freitag, 2. Dezember 2005 (Niederländische Parlamentarier wollen Marihuana-Anbau legalisieren)
Es wird der Tag kommmen. Und in deutschen Schrebergärtchen gibt es keine Gartenzwerge mehr. Homeboy Number Four vergleicht München mit Deggendorf, plant umgehend eine Reise nach Den Haag und in die Dolomiten und nuschelt immer noch so. Angeblich hat er zu seinen Schinkennudeln ein Colaweizen bestellt. Von mir hätter er nur die Schinkennudeln gekriegt. Die Bedienung brachte ein richtiges Weißbier. Und der Barnachbar wollte ihm einen Aschenbecher rüberschieben. Bei den Buddenbrooks nervt ihn lediglich die neuerliche Darstellung des Bayern als Volltrottel. Es is' a Kreiz. Bis spät in die Nacht debuggt. Damit der Rechner dieses Mal bei Mrs Charles im Koffer bleiben kann. Ein Vorstellungsgespäch wurde verschoben.
Samstag, 3. Dezember 2005 (Beinahe Brandenburger Tor)
In letzter Sekunde den Zug erreicht. Wieso mein' ich immer? Das Brandenburger Tor läge am Potsdamer Platz? Der Weihnachts-Bazar am Gendarmenmarkt kostet Eintritt. Ein Kind möchte sich einen Engel an den Christbaum hängen. Zu den anderen Tänzerinnen. Ein Glühwein mit Mrs Charles, die sich heute sehr anstrengen mußte. Meine Neigung, ständig dazwischenzureden und zu widersprechen, konnte ihr nicht ewig verborgen bleiben. In Mecklenburg beim Fernsehen eingeschlafen.
Sonntag, 4. Dezember 2005 (Unterhaching siegt in der Allianz Arena)
Konnte schon einen Blick auf meine Nikolaus-Überraschung werfen. Bin gerührt. Mrs Charles bäckt vorzügliche Waffeln. Wenn mir morgen auch noch die Gnocchi schmecken. Was spricht dann noch gegen eine Ehe. Das mit dem Schweinebraten kriegen wir auch noch hin.
Montag, 5. Dezember 2005 (Tarifstreit beim Münchner Leichenschaudienst)
Auch Charon macht es nicht ohne ein paar Münzen. Mit sieben Einkaufstüten. Ist man da schon assig? Und ist assig noch negativ assoziiert? Wo bei der Jugend sogar prollig nur noch bei höchster Könnerschaft gebraucht wird. In Mecklenburg kombiniert man Weihnachtsmarkt mit Karussell und Auto-Scooter. Mrs Charles kann schon wieder nicht an den heißen Maronen vorübergehen. Die Gnocchi waren gut.
Dienstag, 6. Dezember 2005 (Nikolaus)
Verbindung Mecklenburg-Berlin liegt mir nicht. Letztes Mal der Stellwerkschaden. Heute den Zug verpaßt. Aus eigener Schuld. Mit Sixt. Nach Ostberlin. Auf der Ostseeautobahn. Zu den Klängen vom Ostseeradio. Navigiert von Mrs Charles. Und einem freundlichen Tankstellen-Frühstücker. Beim Alex links, wa? Den Taxifahrer, der mich anschließend nach Kreuzberg brachte, verwirren Linksabbiegespuren. Bei Termin Nummer eins konnte ich ein paar Detail-Fragen zu Design-Patterns nicht beantworten. Und bei Termin Nummer zwei glaube ich nicht an das Geschäftskonzept. Vier trostlose Stunden an noch trostloseren S-Bahnhöfen. Von Berlin hab' ich erst mal die Schnauze voll. Bevorzuge wieder. Die Strecke über Hannover.
Mittwoch, 7. Dezember 2005 (Juve holt Gruppensieg)
Wäre gern im Nachtzug liegengeblieben. Bin urlaubsreif. Der Schnee ist weg. Streitgespräch mit Claudia über öffentliche Portokassen. Die Ratiopharm-Zwillinge sind doch nicht ausgetauscht worden. Mrs Charles schickt eine Grafik, die meine Theorie bestätigt. Lasse Klassentreffen ausfallen. Finanzen wieder sehr angespannt.
Donnerstag, 8. Dezember 2005 (Munich loves you - München mag Dich!)
Weltstadt reanimiert ihr Herz. Morgen erwartet Herr Winter, der mir unter anderem den Lebenszyklus einer Immobilie aufzeichnete, ein Feedback. Ob ich mich weiter für die Stelle interessiere. Meine Psoriasis-Creme wecke Depressionen, heißt es in den Nebenwirkungen. Muß Jobsuche wohl ins nächste Jahr verlegen. Wegen Weihnacht' und Bürokratie. Der Januar wird fürchterlich. Mrs Charles läßt sich keine alten Bücher andrehen, ißt meine Chips auf und wagt die Flucht nach vorn.
Freitag, 9. Dezember 2005 (Deutschland ins Achtelfinale gelost)
Altkanzler Schröder im Aufsichtsrat der North European Gas Pipeline. Sogar Bütikofer sprachlos. Inhalt von acht Adventskalender-Säckchen verzehrt. Herrn Winter abgesagt. Einschulung jährt sich nächsten September zum dreißigsten Mal. Einladung liegt bereits vor. Das letzte Münchner Wochenende dieses Jahres. Da ist Swing angesagt. Mrs Charles hat Milch und Honig verdient.
Samstag, 10. Dezember 2005 (Vui zvui GUI)
Pizza verbrannt. Ansonsten. Den ganzen Tag gespart. Und mit Netbeans operiert.
Sonntag, 11. Dezember 2005 (Palindrom-Tatort)
Jagd auf den Palindrom-Mörder meiner neuen Wahlheimat Schwerin erhöht meinen Wortschatz um:
- Nie solo sein
- Die Liebe ist Sieger stets . Stets rege ist sie bei Leid
- Eine gülden gute Tugend, lüge nie
- Namen nenne man
- ein ego genie
- (Leserbrief)
Schrecklicher Kick in der Allianz-Arena. Einzig der Bombenleger, der Zorro vertritt, sorgt für Stimmung. Ingo freut sich, daß Rangnick Assauer den Krempel hinwirft. Mrs Charles backt Plätzchen.
Montag, 12. Dezember 2005 (Pipeline bleibt Pipeline)
Bei Landesvater Stoiber hätte ich die Weißwurstbrille aufgesetzt. Meint Mrs Charles. Als ob den noch einer nehmen würde. Für das Installations-GUI plane ich nun doch, eine ausgereiftere Lösung zu nutzen. Spät gekocht. Vorräte müssen weg. Der Arbeitsmarkt scheint. Für dieses Jahr auf Eis zu liegen.
Dienstag, 13. Dezember 2005 (FC Bayern schläft nicht)
Bewegung am Transfermarkt. Mrs Charles hat schon seit zwei Wochen keine Banane mehr gegessen. Deutscher Hochschulverband hält Professoren-Grundgehälter für zu niedrig. Ärzte-Straßenkampf für 30 % mehr Lohn vertagt. Und auch der Bundeskanzler ist auf ein Zubrot angewiesen. Schwere Zeiten. In diesem unserem Land.
Mittwoch, 14. Dezember 2005 (Hochofen schläft nicht)
In Wien hätt' ich was Interessantes gesehen. Sonst Fehlanzeige. 4:00 Uhr am. Wenn ich mich jetzt hinlege. Stehe ich nicht mehr auf. Kann mir keine Minusstunden mehr leisten. Schließlich geht es. Bereits am frühen Nachmittag gen Norden. Mit Zwischenstopp in Hannover. Pizza-Dienst funktioniert auch hier. Diskussionen über Schnuller, Papas Kuscheltiere, Perlen und Säue. Über Kinder, die die Eltern therapieren. John HomeBoy schläft am Sofa ein. Und wenn man eine Akademikerin heiratet, braucht man eine Putzfrau.
Donnerstag, 15. Dezember 2005 (Sturm an der Ostsee)
Zweite Demokratie-Diskussion in dieser Woche. Meine Affinität zu Donald Duck könnte um ein weiteres Detail ergänzt werden. Adventskalender und Plätzchen wurden gut angenommen. Als nächstes gilt es, hier das Christkind einzuführen und den Weihnachtsmann zurückzudrängen. Mrs Charles macht keine halben Sachen. Marie schöpft Verdacht.
Freitag, 16. Dezember 2005 (Bayern trifft auf Milan)
Mrs Charles zeigt mir die Ecken, die ich noch nicht kannte. Haben so die ganze Hansestadt zu Fuß umrundet. Da hör' ich mit dem Rauchen auf. Zusammen mit Mrs Charles. Und Seehofer läßt Gen-Mais zu. Sturmfreie Bude.
Samstag, 17. Dezember 2005 (Bundesliga-Halbrunden-Rekord)
Bet-And-Win mit Mrs. Charles. Christbaum gekauft. Und aufgestellt. Einführungskurs über Zeiger und Referenzen. Tôbias mit Leitmayr im homeboy- und karrierefraufreien Varasdin. DVD-Abend mit einem Geburtstagskind. Fast ohne Kartoffelchips. Wir nennen die Toten nicht. Eine Firma aus der Mecklenburger Region bietet mir ein sechsmonatiges unbezahltes Praktikum an.
Sonntag, 18. Dezember 2005 (Remis im Nordderby)
Nora möchte Sonntag Nachmittage nicht nur mit Extreme Programming verbringen. Und da waren sie wieder. Meine drei B. Die mich heute an die Warnow führten. Wo mir der Wind in die Ohren pfiff. Umgestürzte Skulpturen säumten unseren Weg. Bis ich von Kuchen und Badewanne belohnt wurde. Marie zündelt mit Adventskerzen. Tage im Norden gehen schneller vorüber. Blick auf den Leuchtturm von Warnemünde. Heilig-Abend-Kirche ausgewählt.
Montag, 19. Dezember 2005 (Marienkäfer im Dezember)
Aggressive Verkaufsstrategie eines Obdachlosenmagazin-Verkäufers am Bahnsteig. Beleidigung bei Nichtkauf. Willi gratuliert zur Meisterschaft. Bei Zorro Weihnachtsgeld beantragt. Heizungs-Ableser nicht mehr angetroffen. Online-Seminar geht in die heiße Phase. Mrs Charles möchte keine CD von Hildegard Knef. Und auch das Bügeleisen, das ich Claudia schon vor Jahren andrehen wollte, wird abgelehnt. Auch Simone will es nicht.
Dienstag, 20. Dezember 2005 (Ein Handball-Match dauert 60 Minuten)
Und Kiel schlägt Magdeburg mit 54:34. Zorro signalisiert Bereitschaft. Schon wieder Kuchen und Plätzchen. Willi stellt uns seine Nachbarn vor. Arthur raucht immer noch die parfümierten Zigaretten. Mrs Charles hat den Baum schon geschmückt. Kann rechten Arm kaum bewegen. Noch 48 Stunden Zeit für Weihnachtsgeschenke. Oder ich kaufe bei Mitropa. Von meinem ehemaligen Job als Modehaus-Warenverteiler geträumt. Emilia ist erkältet.
Mittwoch, 21. Dezember 2005 (Premiere verliert Bundesligarechte)
Zwei Stunden Hertie. Mit Claudia. Ohne Erfolg. Da hätt' ich auch alleine gehen können. Habe mir außerdem ein bayerisches Tamagotchi andrehen lassen. Gottseidank ohne Batterie. Mrs Charles etwas kleinlaut. Elton John hat geheiratet. Man rät mir eher zu Kästner als zu Walt Disney. Heargraves schießt uns in die nächste Runde. Harald Schmidt will erklären, wie man aus einem Premiere-Decoder ein süßes Vogelhäuschen bastelt. Ingo braucht seinen also nicht wegzuwerfen. Zorro verspricht sich jetzt noch Umsatzsteigerungen durch Preisnachlaß. Kann meine grauen Haare nicht mehr länger ignorieren. Teste Amazons Overnight-Express. Preacher Man verschickt Fotos seiner Asienreise.
Donnerstag, 22. Dezember 2005 (Letzte Übernachtung in München 2005)
Schneeflocken fallen auf München und uns're Firmenhomepage. Spinnweben von den Langlauf-Skiern entfernt. Überstunden. Meine Vermieter erwägen, neue Fenster anzuschaffen, und wollen zwischen den Feiertagen in die Wohnung. Harald Schmidt muß ganz schön Zeit schinden. Bei nur zwei Sendungen pro Woche. Nora hat keine Koffer mehr und muß etwas kürzer treten.
Freitag, 23. Dezember 2005 (Kein Anti-Stress-Paket für Henri Hochofen)
Bei Wonnewerk hebt man nicht mehr ab. Noras Gesundheitsbarometer uneinheitlich. Reise im Sechser-Liegewagen sehr beschwerlich für Rheumatiker. Zumindest das Bett ganz oben. Dazu der small talk. Wie gern man Erntehelfer in Kanada wäre. Daß man den Eltern das nicht antun könne. Wie gut es sich am Rosenheimer Platz einkaufen lasse. Und die Isar wäre auch nicht weit. Daß man nächstes Jahr, wenn WM ist in München, in den Allgäu fliehen wolle, wegen der fußballbegeisterten Nachbarn. Daß die Landwirte, die keine Frauen finden, nicht mehr die Jüngsten wären. Verweigerte jegliche Getränkeaufnahme, um die beschwerlichen Abstiege auf ein Minimum zu reduzieren.
Samstag, 24. Dezember 2005 (Heilig Abend)
Vereinigung nord- und süddeutscher Traditionen führt zu folgendem Tagesablauf.
09:30 Uhr. Frühstück.
13:45 Uhr. Karpfen (blau)
17:00 Uhr. Gottesdienst in ungeheizter Kirche. Sopranistin singt auf Baugerüst.
18:45 Uhr. Schweinswürstl mit Sauerkraut.
19:15 Uhr. Bescherung durch das Christkind.
20:00 Uhr. Inbetriebnahme der Geschenke. (Tausche Schafe gegen Stroh)
Sonntag, 25. Dezember 2005 (Weihnachten im Taxi und im Krankenhaus)
Mit dem Taxi in die Klinik. Gleich nach dem Frühstück. Operation erforderlich. Der zur Erholung geplante Ski-Urlaub wird zur Therapie. Und hilft bei der Verdrängung von Unverarbeitbarem. Unser Mietwagen-Abenteuer endet wegen Glatteis bei Potsdam. Ein Taxi lotst uns zum ADAC-Stützpunkt. Erreichen unseren Nachtzug trotzdem noch rechtzeitig am Bahnhof Zoo.
Montag, 26. Dezember 2005 (En famille)
Meine sms «Sind um 8:50 Uhr in Plattling abzuholen.» wurde mehrfach mißverstanden. Mrs Charles und Co lernen Rest der Familie kennen. Bei Frühstück, Mittagessen, Kaffee und Abendbrot. Schon wieder erreichen wir, ebensowenig wie Simone, unser Ziel, dieses Mal Kalteck, nicht. Wenigstens bringt Mrs Charles das Auto sicher nach Hause. Weiterer Spieleabend mit Emilia.
Dienstag, 27. Dezember 2005 (Highway to Austria)
Wurden doch zum Mercedes überredet. Und starten gen München. Wo meine Langlauf-Skier zur Mitnahme bereit standen. Mrs Charles ändert noch ihre ADAC-Mitgliedschaft. Und es geht los. Nach Österreich. In ein verschlafenes Tiroler Nest, in dem wir uns unter anderem für eine sehr gute Ski-Fahrerin Ski ausleihen.
Mittwoch, 28. Dezember 2005 (Hochofen wieder alpin)
Bin nicht in der Lage, meine Schuhe ohne fremde Hilfe festzuschnallen. Aber das soll meinen Gang zum Bügellift nicht trüben, mit dem ich keine Probleme hatte. Lediglich am Sessellift hätte sich ein bedauerlicher Zwischenfall aus dem Skilager fast wiederholt. Zwei kleine Stürze beim Runterrutschen auf einer roten Piste, auf die ich versehentlich geraten bin. Weiß nun Bescheid. Über den Après-Ski. Und wie sich Mrs Charles ihre Ski-Künste erschlichen hat.
Donnerstag, 29. Dezember 2005 (Niki Hosp wird Zweite im Slalom von Lienz)
Keine Angst mehr vor der Piste. Wurden beim abendlichen Brettspiel in die allgemeine Gäste-Riege integriert. Der Charly läßt Grüße bestellen, an die Firma XY aus Deggendorf. Und Jean-Luc erzählt von Cordoba. Und daß seine Mutter moniert habe, er hätte als Kind beim Saugen den Clo-Deckel vergessen. Mrs Charles frägt unseren Wirt nach der Länge des Torlaufs von Lienz, was uns einen weiteren unbestellten Schnaps einbringt. Dieser verursache aber nach eigenen Angaben nichts als guten Stuhlgang. Die romantische Nacht-Langlauf-Loipe überrascht.
Freitag, 30. Dezember 2005 (Dreißig Grad Minus)
Schüttelreim zu dem benachbarten Ski-Gebiet. In Leermoos ist mehr los. Entschließen uns bei eisiger, ski-unfreundlicher Kälte zu einer Gondelfahrt auf die Zugspitze. Gut daß die Ingenieure der Gondel nicht so programmieren wie Jean-Luc. Am Gipfel erwarten uns -29 Grad. Panorama beeindruckend. Probiere in diesem Hochgefühl zum ersten Mal ein bißchen Weißwurst. Kommt «bißchen» von «Biss(ch)en»? Kurze Hörsturz-Panik bei der Talfahrt. Mrs Charles befällt ein Appetit auf Sauerkraut, der nicht befriedigt werden kann.
Samstag, 31. Dezember 2005 (Silvester)
Warmwetterfront. Von 20 Grad Minus auf Null Grad. In vierundzwanzig Stunden. Strahlender Sonnenschein. Ohne Handschuhe, Mütze und Schal im Pulverschnee. Frühlingshafte Küsse am Bügellift. Ein Hitchcock vor unserem Silvester-Buffet mit Charly und Jean-Luc. Die fünfjährige Tochter des letzteren möchte nur am Skikurs-Skirennen (mit Medaillenvergabe) teilnehmen, wenn sie auch einen Pokal bekommt. Ö3-Jahrescountdown. Am Walzer müssen Mrs Charles und ich noch üben.
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