Chronischer Beischlafmangel

von diario zu diarrhöe ist nur ein schritt

Diario

2003

Tagebuch von Henri Hochofen

Quartal II (2003)

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Dienstag, 1. April 2003
Claudia hüstelt in der Tat. Wegen SARS-Gefahr an Sex nicht zu denken. Ebensowenig wage ich es, meinen Kontostand abzurufen. Wenn es wenigstens regnete! Humanitäre Hilfe darf nicht mit einer der Konfliktparteien identifiziert werden. Scheint ein Dogma zu sein. Johannes Rau hat Zweifel an der göttlichen Mission von George W Bush. Was heißt das jetzt? Ist Rau ein Agnostiker oder bloß ein Pazifist? Diese Asienreise von Landesvater Stoiber schmeckt mir nicht. Zumal er bisher keine Atemmaske trägt.

Mittwoch, 2. April 2003
Würde der Wunsch nach Arbeit nur ebenso schnell erhört werden, wie der nach Regen. Claudia hat zwar kein Fieber, aber ich hab ihr vorläufig untersagt, die Wohnung zu verlassen. Schlimm genug, daß wir uns das Bad teilen. Sagrotanverbrauch steigt unaufhörlich. NKL-Verkäufer nerven am Telefon. Soll ich mir die heutigen Stellenanzeigen noch ansehen, oder ist es Zeit aufzugeben?
Ruft einer an, will ein Vorstellungsgespräch am Telefon machen für einen User-Help-Desk-Job und erkundigt sich nach meinen Englischkenntnissen. Nach zwei/ drei Sätzen zog ich meine Bewerbung wieder zurück.

Donnerstag, 3. April 2003
0.50 Uhr. Heute die Verhandlung des Weltstars. Habe keine Vorladung erhalten und kenne den exakten Termin nicht. Claudias Quarantäne aufgehoben. Aufgrund meiner Libido. Dachte sie. Zunächst. Ich hab den Superlativ für meine beruflich-finanzielle Lage schon überstrapaziert. Heut muß was passieren. Wenn die Hoffnung zuletzt stirbt, verwundert mein gleichmäßiger Puls.
Märzrekord in der Arbeitslosenstatistik. Weltstar darf nach Urteil weiter auf Tournee hoffen. Wofür kann ich mich jetzt eigentlich noch bewerben? Sogar für Nachtportiers fordert man Berufserfahrung. Und am besten noch Fidelio-Kenntnisse. Gibts Gerichtsvollzieher wirklich?

Freitag, 4. April 2003
0.30 Uhr. Brauchte eine halbe Stunde, um das Wort NIKE so auszusprechen, daß die Spracherkennung meines CD-Englisch-Kurses dies akzeptierte. Werden die Homeboy-Truppen an der Nordfront verstärkt? Habe nun tatsächlich die Hannover-Bewerbung frankiert und werde sie im Morgengrauen einwerfen. Wenn es mit Detlev nicht besser wird, könnte Claudia sich vorstellen, mich nach Hannover zu begleiten.
Hege den Verdacht, daß es bei UPS und Deutscher Post einen Vermerk über mich gibt. Der Hochofen vom 1.Stock ist arbeitslos. Der ist immer daheim. Mittlerweile stapeln sich bei mir sogar schon die Päckchen für Leute vom Nachbarhaus. Wenn sie wenigstens abgeholt werden würden.

Samstag, 5. April 2003
Von Grass, Bush und Bin Laden geträumt. Geschwitzt. Besuch aus der Vergangenheit. Gelegenheit macht Liebe. Claudia ließ sich nicht beim Frühstück blicken. Fettnapf anziehender Homeboy stört mich bei Heute im Stadion. Den einzig interessanten Job in der SZ hat ein Ausbeuterunternehmen ausgeschrieben, für das ich schon mal kurz gearbeitet habe. Aufgrund meines absolut unsanften Abgangs Bewerbung ausgeschlossen.

Sonntag, 6. April 2003
Claudia lacht beim Frühstücksei über meine Jokes. Sie scheint beim Müllruntertragen die Kondome bemerkt zu haben. Ich hab sie nicht ganz unsichtbar zwischen den Erdnußschalen plaziert. Bediene mich ab morgen bei der Jobsuche einer neuen Strategie. Muß verschweigen, daß ich nicht mehr studiere. Heiserkeit und Schnupfen. Utinam ratiopharm gemini adessent! Und das alles, weil ich mir meine Vitamin-Dragees nicht mehr leisten kann. Kenn mich im Südirak schon besser aus als im Lallinger Winkel. Im Java-Tutorial ein neues Palindrom gesehen, endlich mal wieder eins, das mir gefällt. „Niagara. O roar again!“

Montag, 7. April 2003
Wann schickt die ARD ein Team und holt Stefan Kloss aus Bagdad raus? Erneut atemberaubende Kamerafahrten und ohrenbetäubende Großaufnahmen bei Denis Schecks Druckfrisch. Man reibe sich die Schleimhäute besser nicht mit Chili-Schoten ein. Auch wenn es in der Tat die Nase befreit. Beginnt der Einstieg ins kriminelle Milieu bereits durch folgende Schwerpunktverlagerung? Ich sage nicht mehr, ich brauche einen Job, ich sage, ich brauche eine Geldquelle. Claudia hat keine Brezen geholt. Ein Apfel ist noch da. Ein Himbeerjoghurt und etwas Kartoffelsuppe.
Ein Lichtstrahl? Am Mittwoch wieder ein Vorstellungsgespräch, sogar in München. Zur Feier des Tages Claudias Schubladen geplündert, zehn Euro gefunden für Vitamin C, E und Zink.

Dienstag, 8. April 2003
Miserabel geschlafen. Bei Flachlage starker Hustenreiz. Für Effi Briest empfiehlt sich, ein Französisch-Wörterbuch bei Hand zu haben. Wieso ruft Frau Huber vom HL-Markt nebenan immer erst dann „Zweite Kasse, bitte“, wenn ich bereits an der Reihe bin? Claudia läßt mir für zwei Wochen ein bißchen Haushaltsgeld zukommen. Der einzige Führungspolitiker, der zuletzt bei meinem Politbarometer in der Gunst gestiegen ist, heißt Tony Blair. Die Web-Abteilung des Arbeitsamtes ist scheinbar wieder mal auf Betriebsausflug. Jobs von gestern noch nicht online. Ich möchte, daß die guten alten Interviews der rot-grünen Hartz-Apologeten vom September wiederholt werden. Stattdessen läuft bei Claudia jeden Tag Hella von Sinnen. La Cucaracha, die Erregerin (Verbreiterin) von SARS? Claudia besteht darauf, mein Zimmer zu saugen, aber in den Wochen der Depression kann ich diesen Lärm nicht verkraften.

Mittwoch, 9. April 2003
Schlaf mit Baldrian möglich. Erkältung bessert sich. Claudia hat Bewerbungsdress nicht aufgebügelt. Falls die Frage „Warum sollten wir Sie einstellen?“ kommt, – wie neulich am Telefon – brech ich das Gespräch ab. Man wird sehen. 16:40 Uhr. Ich hoffe, ich habe ihnen ein Angebot gemacht, das sie nicht ablehnen können. Fände den Job spannend, halte aber die Konkurrenz für stark. Konnte nicht alle gewünschten Kenntnisse vorweisen. Entscheidung nicht vor zwei Wochen. Bagdad gefallen. Schröder kann sich wieder mit innenpolitischen Perspektiven auseinandersetzen, falls er schon eine Kommission eingesetzt hat, die solche entwickelt. Wieso lassen wir eigentlich Schröder so was machen? Ich bin dafür, daß die Uno in der deutschen Wirtschaftspolitik eine vitale Rolle übernehmen sollte.

Donnerstag, 10. April 2003
Telefon weckt mich früh: Nach Ostern ein Vorstellungsgespräch in Bad Homburg. Adieu, blanc-bleu. Sollte ich die Stadt wirklich verlassen? Einmal muß ich noch mit Claudia schlafen. Abschiedssex. Gegen einen der Stoffe aus meinen Hustenbonbons muß ich allergisch sein: Schafgarbenkraut, Süßholzwurzeln, Fenchel, Malvenblüten, Bibernell, Isländisch Moos, Spitzwegerich, Holunderblüten, Thymianblätter, Salbeiblätter, Pfefferminzblätter, Sternanissamen, Lungenkraut, Klatschmohnblüten, Lindenblüten, Königskerzenblüten, Brombeerblätter, Schlüsselblumen, Ringelblume, Glucosesirup, Zucker, Bienenhonig, Malz, Vitamin C, Eukalyptusöl oder Natürliches Menthol. Nach Sex mit Claudia, wenn ich mir wieder leisten kann, mich länger nicht zu waschen, muß ich mal zu einem Allergologen. Ob Homeboy # 4 mittlerweile schon eine neue Mitbewohnerin gefunden hat? Hoffentlich wirft er mein Lilith-Heft nicht weg.

Freitag, 11. April 2003
Claudia hat gesagt, Robin Gibb spendet drei Monate lang 50 Cent pro verkaufter Single für die Kriegsopfer. Sollte ich in dieser Frist noch einen Job bekommen, werde ich mir zehn Stück besorgen. Morgen ruft der Nockherberg. Auch bei Karrierefrau von der Au wurde nachgefragt, ob sich dies terminlich mit ihren Verpflichtungen vereinbaren lasse. Nervig, wegen eines Nachhilfeschülers in die Innenstadt fahren zu müssen. Wie er selbst sagt, hat Homeboy # 4 endlich Weißen Rauch aufsteigen lassen. Jetzt muß nur noch das Zölibat fallen. Das einzige Massenvernichtungsmittel, das in Saddams Palästen bisher gefunden wurde, ist ein Poster von Britney Spears. Ich hoffe, es wurde bereits vernichtet.

Samstag, 12. April 2003
In selbstloser Nachtschicht die ersten Kompositionen des Weltstars ohne Welt online gestellt. Leider mit gelegentlicher Werbung. Claudia fehlt der Gesang. Muß auch zu allem ihren Kommentar abgeben. Frauensuchender Homeboy glaubt nicht an den Nockherberg. Hab selbst schon gelesen, daß die Tische zu weit auseinander stehen sollen. Wie ein frischgebackener Fremdenführer aber mitteilte, endete das Starkbierfest bereits am 6. April. Ein Österreicher bietet mir ab Mai an, in Graz den Putz runterzuhauen, falls ich dann immer noch arbeitslos bin. Strauß soll nicht viel von Stoiber gehalten haben. Bregenz gegen Kärnten 1:2. Mit Agnostikern hat er's nicht so. Auch Bayern hat verloren. Gut daß Homeboy # 4 ins Café Mozart einlädt.

Sonntag, 13. April 2003
Mit Homeboy # 4 den Nahen Osten neu geordnet. Der momentan frauensuchende Homeboy konnte wegen Chattens (?) nicht bei unseren Konsultationen berücksichtigt werden. Obwohl auch er gern mehr von jungen Medizinstudentinnen erfahren hätte. Was ist jetzt passiert? Sind die weiblichen Ratiopharm-Zwillinge von männlichen Exemplaren abgelöst worden? Der körperliche Verfall, den im übrigen auch Homeboy # 4 schon zu bemerken glaubt, setzt mir immer mehr zu, der Heuschnupfen tut sein Übriges. Zur Programmierübung ein Memory-Gewinnspiel entwickelt. Homeboy aus Niedersachsen hat indes seine Frühjahrsdepression bereits hinter sich und macht sich wieder Sorgen um uns, 68 habe die Frauen aus ihrer Verantwortung entlassen und schuld sei ohnehin der Freudomarxismus. Claudia nicht da, Ex springt ein.

Montag, 14. April 2003
Der Gießplan, den Claudia zurückgelassen hat – kommt erst nach Ostern wieder – erweist sich als komplexer und ausgeklügelter, als ich dachte. Wegen Gummibaum und Topfplanzen werd ich mir noch einen Messbecher besorgen. Wehklagen über persönliches Schicksal wird lauter. Omne anmimal post. SPD hat scheinbar noch eine Basis. Bis 1. Juni.

Dienstag, 15. April 2003
Sturz von Schröder wäre eine große Chance für die SPD. Das Land braucht keinen roten Machtkanzler, dem aus Rat- und Visionslosigkeit nichts anderes übrigbleibt, als die Vorschläge der Opposition zu übernehmen. Wir müssen den Staat umbauen, um den Folgen von Globalisierung und Neoliberalismus zu trotzen und nicht um sich ihnen auszuliefern. Claudias fröhliches Gesicht, das mich morgens so nervt, fehlt nun doch. Jeder heitere Gedanke am heutigen Tag würde mich überraschen. Seit über 96 Stunden kein Jobangebot mehr gesichtet. Münti ist enttäuscht. Das ist ein gutes Zeichen.

Mittwoch, 16. April 2003
Noch 46 Tage bis zur möglichen Entmachtung von Gerhard Schröder. Daß Florian Pronold ein führendes Mitglied der Rebellen ist, nährt meine Zweifel und raubt mir die Hoffnung, daß die Rezepte der „Parteibasis“ sich von denen der Gewerkschaften unterscheiden könnten. Hausmannskost. Vermögenssteuer und so. Meine Schwester kommt, um ein Lehrvideo für ihre Zulassung zu schneiden. Anschließend Niederbayern.

Donnerstag, 17. April 2003
0:45 Uhr. Niederbayern. Meine Schwester wird systemkritisch. Thomas Andretzky bat mich, sein letztes Gedicht Astro-zo-o-po-esologie von der Homepage zu nehmen und zu vernichten. Brotlose Kunst meint er wohl. Hoffe auf Brodschen Ruhm. Mittlerweile bekomme ich mehr Absagen pro Tag als ich Bewerbungen abschicke. Hasse es, wenn Claudia beim Sex ans Telefon geht, als Beiwohner und Anrufer gleichermaßen. Ich weiß, daß Detlev es nicht sein kann. There's a stranger in my mouse. Mieze, unsere erste namenlose Katze, hat vier Junge bekommen. Die Rombach-Seite von Google endlich gebührend angenommen. Leserbriefe aus aller Welt bestätigen dies. So erreicht mich auch heute wieder eine ausführliche, ermutigende Zuschrift aus Argentinien.

Freitag, 18. April 2003, Karfreitag
Wie Schröder kehrt auch der Papst beeindruckend zu seinem eigentlichen Kompetenzbereich zurück. Friede sei mit allen. Beim Heiligen Abendmahl haben Heiden nichts zu suchen. Claudia verwechselte mal Eucharistie mit Euthanasie. Als Wort, nicht als Tat. Mich würde interessieren, wann sie zuletzt gebeichtet hat. Könnte die Beichte von Glaubensgenossen abgenommen werden... ich würde glatt katholisch werden. Der Tradition entsprechend gibts gleich Fisch. Anschließend werd ich die Fernsehzeitungen nach Klassikern wie Das Gewand abklappern. Trotz überzeugten Agnostizismus bin ich nach wie vor von der literarischen / historischen Figur Jesus fasziniert. Heimische mit Lovgate (Typ B) befallene Rechner gesäubert.
Das Gewand, Ben Hur und die Zehn Gebote. Wird am Ostersonntag schwer zu toppen sein. Oma trinkt täglich ein Stamperl Zitronen-Knoblauch-Gemisch. Offenbart sich mein Juckreiz eines Tages, sofern ich jemals wieder einen Arzt besuchen sollte, als Folge einer Waschmittel-Allergie, werde ich mich der Internationalen Naturisten Föderation anschließen.

Samstag, 19. April 2003, Karsamstag
Schlagerspiel Dortmund gegen Bayern. Und zu Hause gibt's Premiere. Katzenbabies haben Augen bereits geöffnet. Was kümmerts mich, wer heute Claudias Blumen gießt. 20:15 Uhr. Bayern macht mir Sorgen. Warten auf Ballack. Scholl. Santa Cruz und vielleicht Deisler. Homeboy # 4 weilt zur Stunde noch in der Landeshauptstadt. Da steckt doch a Wei dahinter!

Sonntag, 20. April 2003, Ostersonntag
Ist das bei der Schöneberger eigentlich echt? Das Lachen meine ich. Geweihte Eier, Gselchts, Salz, Semmel und Zwiebel zum Frühstück. Katzenbabies werden potentiellen Pflegeeltern vorgeführt. Auch die Mutter mußte begutachtet werden. Im Drei-Uhr-Zug eine Wochenendticket-Beifahrerin gefunden. Psoriasis und Kommunikationsbedürfnislosigkeit beließen die Anzahl meiner Silben während der eineinhalbstündigen Reise im einstelligen Bereich. Detlev hat Claudias Hanf-Aufzucht-Töpfe zu sehr gegossen. Ein Fall für Polaroid.

Montag, 21. April 2003, Ostermontag
Es ist einer dieser Tage in München, an denen mir keine Mitbewohnerin ein Kabarett auf den Tisch stellt. Stand ohnehin zu Hause auf der Waage. Soll ich mich auf mein Bad-Homburg-Vorstellungsgespräch überhaupt vorbereiten? Zulassungsvideos sind im Kasten. Stuttgarter Niederlage lindert mein rein rechnerisches Unbehagen. Hätte ich das Ticket nicht schon per Plan&Spar gelöst, ich würde morgen nicht fahren, Vorbereitung nicht möglich, da Karrierefrau von der Au und Weltstar ohne Geld einen Sündenbock – wir haben schließlich Ostern – benötigten. Der Weltstar klagte darüber hinaus, in letzter Zeit im sexuellen Bereich keine festen Beziehungen, sondern lediglich Freudsche Fehlleistungen und standing ovations hervorgebracht zu haben. Ich hab alle Schuld auf mich genommen und lebe fürderhin wie der Müller Xav von der Hypo Vereinsbank. Sterben und sterben lassen. Sintemal mein eigener Sarg, wie mir heute von allen Seiten bestätigt würde, durchaus noch nicht fertig gezimmert sei. Schöne Ostern.

Dienstag, 22. April 2003
Gestern den Magen verdorben. Kaum geschlafen. Vielleicht hätte Sex geholfen. Claudia zwar in der Nacht eingetroffen, aber gleich in ihrem Zimmer verschwunden. Kein Wort über die Pflanzen, bisher. Muß zum Bahnhof. Bad Homburg. Freund der Karrierefrau von der Au hat doch recht. Vom Frankfurter Zentrum aus gesehen liegt es nord-westlich. Weiteres morgen.

Mittwoch, 23. April 2003, Welttag des Buches
Tag des Bieres. Geburts- und Todestag von Shakespeare. Hab vielleicht einen neuen Latein-Nachhilfeschüler entdeckt. Aus einer Fortsetzung von Peter Schlemihl wird vorerst nichts. Das Gerede über zufliegende Kurschatten halte ich für reichlich übertrieben. Saß eine halbe Stunde vorm Kurhaus. Nichts. Für den Job, weswegen ich eigentlich in Bad Homburg vorsprach, bewarben sich 110 Personen, ich weiß nicht, wie viele vor mir kamen, aber bis nächsten Donnerstag sind täglich fünf (!) eingeladen. Die Anreise wird bezahlt, so daß ich mir nach Schlendern über die Kaiser-Friedrich-Promenade, in Frankfurt dann über das Museumsufer ein Wiener Schnitzel genehmigen konnte. Torte knapp verfehlt. Im ICE saß ich neben einem Bariton und einem Piano. Kamen von einem Vorspielen. Amüsiert zwei Seiten mitgeschrieben. Effi Briest konzentriert zu Ende gelesen. Letztes Jahr hat Claudia mir zum Geburtstag einen Gutschein für oralen Sex überreicht. Hab ihn törichterweise gleich eingelöst. Dieses Mal rechne ich mit Räucherstäbchen oder einem Blumenstock.

Donnerstag, 24. April 2003
Zum Frühstück einen meiner vier Teller zerbrochen. Claudia verweist auf das Sprichwort mit den Scherben und auf ihr Geschenk, ein Los der Glücksspirale, unter der Bedingung, daß der Hauptpreis geteilt würde. Schleswig Holstein stellt Museums-Magazin-Bestände ins Internet. Auch ich werde „meinen Andretzky“ bald digitalisieren.
Eigentlich hatte ich geglaubt, Claudia hätte die Abendzeitung wegen der Stellenanzeigen besorgt. Als ich aber die Schwanthalerstraße runter rollte – ein Lateinschüler hat die Wochentage verwechselt –, blieb mir der heutige Aufhänger nicht verborgen: Münchner Detektiv verrät: Die Tricks der Frauen beim Fremdgehen. Der durch Stundenausfall erzwungene Spaziergang führt mich weiter zu St. Paul's Cathedral. Beim Betreten der Kirche begegnet mir eine Frau mit Kopftuch: „Brauchen Sie eine Putzfrau?“ Fast hätte ich geantwortet: Tut mir leid, ich bin evangelisch. Sollte ich meine Jobsuche ebenso auf die Umgebung von Kirchen konzentrieren? Ich könnte meine Seele bei Ebay versteigern.

Freitag, 25. April 2003
Nicht zuletzt dank der Kontakte von Homeboy # 4 steht der Gründung einer Band mit dem bescheidenen Namen Hochofen nicht mehr viel im Weg. Höchstens daß die Gruppenlinke den Namen ändern möchte. Claudia kauft immer noch bei HL ein. Werd ihr nach einem Preisvergleich bei Plus vorrechnen, was sie hätte sparen können. Damit das Mathestudium nicht ganz umsonst war.

Samstag, 26. April 2003
Bin meinem Ehrgeiz entfremdet. Wenn Claudia die Schlagzeilen vorliest – sie spricht dabei sehr langsam –, dann huscht selbst bei einer Busen-tführung ein Lächeln über meine Lippen. Le plaisir est nécessaire. Ohne Lockerung des Kündigungsschutzes scheint der Stuhl von Clement sicher. Kein Job in SZ und TZ. Claudia hat einen Blick auf mein Wochenhoroskop geworfen: IHRE CHANCEN: Sie sind Glückskind der Woche! Fortuna unterstützt alle Ihre Unternehmungen. Besonders berufliche Verhandlungen stehen unter einem günstigen Stern. Ein Risiko-Geschäft, das man Ihnen vorschlägt, kann gigantische Gewinne bringen. [Glücksspirale?] Machen Sie einen Test! VORSICHT: Zurückhaltung in der Liebe üben. [Also wieder kein Sex mit Claudia] Sie kann jetzt reifen und zu einer glücklichen Entscheidung führen! [Was ist damit gemeint? Vielleicht nimmt sie die Pille wieder?] Tipp der Sterne: Nicht zu Notlügen greifen! [Also diese Woche keine Vorstellungsgespräche]
Das Blättern in alten Tagebüchern von 94 - 98 weckt meine eingeschlafenen Lebensgeister. Es geht doch! Das Horoskop schlägt zum ersten Mal zu. FCB ist Meister! Ballack unersetzbar.

Sonntag, 27. April 2003
Fast wäre ein Bandmitglied aus Angst vor den Texten bereits vor der ersten Probe abgesprungen. Hoffe aber, daß ich es zum Erscheinen um 15:00 Uhr überreden konnte. Claudia belächelt das Projekt.

Montag, 28. April 2003
1:30 am. Bin sehr zufrieden. Obwohl aus unterschiedlichen Lagern kommend, glaube ich, daß Keyboard und Bass, bzw. Mikrofon ohne Kabel, gut harmonierten, wenngleich der Bass schwere Bedenken gegen Text von Keine Macht den Drogen angemeldet hat. Lizenz zur Teepause bei Auftritt während dieser Nummer erteilt. Ansonsten mußten die geheimen Lebensmittelvorräte der Karrierefrau von der Au wegen eines Wasserrohrbruches aus deren Kleiderschrank gerettet werden. Dult professionell mitgenommen.
Vermute, wenn das Keyboard noch hetero wäre, dann hätte es versucht, den Bass rumzukriegen. Schreibe gerade die Schulaufgabe meines heutigen Latein-Nachhilfeschülers (Note 5-) zu einem Bericht über die Meisterschaft des Fc Bayern um. Claudia hatte eine gute Idee für den Song Tête à Tête. Damit steht der Refrain. Schröder droht erstmals mit Rücktritt. Ich hatte fast nicht mehr daran geglaubt. Wie man dem Tagebuch des Keyboards entnehmen kann, war meine obige Einschätzung richtig. In Vorstellungsgesprächen scheine ich schizophrene Veranlagungen nicht verbergen zu können. So läßt sich erklären, warum ich von einer Firma mehrere Absagen erhalte. Einmal nennt man mich Hochofen, das andere Mal Gülay.

Dienstag, 29. April 2003
Claudia hat im In München entdeckt, daß auf dem Münchner Arbeitsamt heute die Tag der Arbeit- Zeitarbeitsmesse stattfindet. Mache mich gleich auf den Weg. Angeblich viele freie Stellen.
An Zeitarbeitsmesse teilgenommen. Danke, Claudia, heut kannst du mit Strapsen Handstand schlagen, und du bist Luft für mich. 3,60 € Fahrtkosten. Gebracht hat's mir einen Werbekugelschreiber und eine weiter gesteigerte Abneigung gegen Arbeitsplatzerschmeichler, deren Zahl nicht unerheblich war. Dann probier ich's schon lieber mit Mitleid. So wie ich mich seinerzeit vor Wohnungsangeboten kaum retten konnte. Aber noch will ich diesen letzten Trumpf nicht ziehen.

Mittwoch, 30. April 2003
Mein kleiner Ärger über Claudia hat mich dazu gebracht, jemand anderem nicht nur spirituellen Trost zu spenden. Wieder zu wenig geschlafen. Um so schlimmer, wenn der Termin, wegen dessen Einhaltung man sich aus dem Bett gequält hatte, unilateral gebrochen wurde. Konnte einen Lehrer mit Mühe davon abhalten, seine Arbeitszeugnisse und Studienzeugnisse online zu veröffentlichen. Ein rechter Ohrring bietet Angriffsfläche genug. Claudias Horoskop noch immer nicht bestätigt. Mundharmonika-Homeboy scheinbar immer zum Musizieren bereit, hoffe, ich kann ihn für ein Spiel-mir-das-Lied-vom-Tod-Sample gewinnen.

Donnerstag, 1. Mai 2003
Man kennt keine Details, aber wie es aussieht, läßt die Karrierefrau von der Au ihre Wohnung räumen. Wegen Eigenbedarf? Homeboy # 4, der unlängst noch Pointen tabuisierte, hat sich wieder mit ihnen versöhnt. Die Preysingstraße wächst näher zusammen. Wir anderen Homeboys wurden wie üblich bei Grillparties und Liederabenden nicht berücksichtigt. Bleibt nur die Wissenschaft, wie sie auch zu definieren sei. Historische Vorlesung über das Fehderecht am Sendlinger Tor besucht (2:00 am s.t.). Kopfschmerz. Claudia hat kein Mitleid.

Freitag, 2. Mai 2003
Der familiäre Druck nimmt zu. Bass fürchtet sich nicht vor Keyboard. Mußte bei Claudias Freundin Festplatte austauschen. Man suche hier kein Wortspiel. Der nächste Song handelt von Allergien, wenn Bass zustimmt. Nein, Claudia, es soll Bass und nicht Boss heißen. Manchmal denke ich darüber nach, dieses Tagebuch für alle freizugeben, bis auf Claudia. Sinnlos. Sie kennt zu viele Männer. Ich glaube, daß heute Pollen fliegen, oder ich hab mir gestern eine Depression zugezogen. Augen tränen. Wenn Münti Oskar jetzt Feigheit vorwirft, doch wohl um zu provozieren, dann sägt auch er am Stuhl von Gerd. Schließlich weiß nur Oskar, wo das Herz schlägt. Der Homeboy mit der Mundharmonika will uns heute ins Hide Out schleppen.

Samstag, 3. Mai 2003
Da waren sie wieder, Jahrhunderte von Leid und Unterdrückung zogen an den ca. 60 überwiegend älteren und maskulinen Zuhörern vorüber. Zeiten, die mir erst bevorstehen. So museal stellt sich der Homeboy mit dem Musikunterricht-Gutschein die Homeboys und deren Publikum vor. 60-jährige Groupies, die mit dem Harmonikaspieler hinter der Bühne verschwinden. Das gefällt Sonny Boy Williamson Nr. 5. Starke Bechterew-Beschwerden am Morgen, Kopf kaum bewegbar. Der Blues hat mich gepackt. Wenigstens gibt der Lutz selbigem als einer der wenigen in dieser Stadt noch eine Chance. Den kürzesten Musikerwitz hatte ich in dieser Woche schon von Andretzky gehört. (Geht ein Musiker an einer Kneipe vorbei.) Claudia macht Kassensturz. Binnen sieben Tagen muß etwas geschehen. Hauptmieter ist sie schon.
Munich Homeboys im Olympiastadion, bis auf Nummer 4, der mußte auf Auer Dult, mit wem, wozu usw. konnte (noch) nicht geklärt werden. Ein standfester, prinzipientreuer Homeboy erklärte mir auf der Rolltreppe, er fahre heute schwarz, weil's ihm reicht. Am U-Bahnsteig deutete ich auf eine Bank mit vier schlecht getarnten MVV-Kontrolleuren. So schnell habe ich ihn seit der Rothaarigen nicht mehr laufen sehen. Auch damals in einem U-Bahnhof.

Sonntag, 4. Mai 2003
Diclofenac unumgänglich. Bis zu „Claudia und Detlevs Elf Uhr Sonntags Vormittags Sex“ fantastisch geschlafen. Sonnenbrand stärker als vermutet. Schlachtplan für diese Woche. Die wenn- alle- Stricke- reißen- Optionen kommen auf den Tisch: vorgetäuschter Studentenstatus, Mitleid, vielleicht auch noch Niederbayern. Karrierefrau von der Au und Zimmerherr konnten sich ohne Schlichter einigen. Stellengesuch fürs Kurz&Fündig: Jungrheumatiker, Studienabbrecher sucht Halbtagsjob. Wenn das nichts bringt, kann ich höchstens noch das Seborrhoische Ekzem in die Waagschale werfen. Dieses scheint unter Homeboys gehäuft aufzutreten, soll aber nicht ansteckend sein. Andretzki schreibt HENRI immer noch mit „Y“.

Montag, 5. Mai 2003
Wieder bringt mich Denis Schecks Druckfrisch zum Lachen. Natürlich wirkt auch noch das Diclofenac. Alexander Kluge verwies auf einen Leitsatz des Dada: „Mit einer Strassenkarte von GrossLondon den Harz durchwandern.“ Am Nachmittag, nach der AcI-Nachhilfe, wird das Werk von Thomas Andretzky katalogisiert, bis auf ausgeliehene und verkaufte Stücke. Claudia bereitet meine Jobinitiative vor.

Dienstag, 6. Mai 2003
Schmerzfreiheit bis heute morgen. Pille wirkte 40 Stunden. Harald-Lesch-Parodie nach Andretzky-Anregung in Vorbereitung. Vielleicht sollten sich zur Sexualisierung der Personalchefin andere Homeboys auf „meine Stellenangebote“ bewerben? Leider hat diese unausgegorene Theorie von Homeboy K. noch nie funktioniert.
Um nicht ein weiteres Mal darauf angesprochen zu werden, nicht Viagra wirkt 40 Stunden, die Rede war von einem NSAR. Willenlos führe ich Claudias Befehle aus. Seit drei Stunden überwacht sie meine Bewerbungsschreiben und hetzt mich auf Chiffre- und Briefkastenfirmen.Ich kann nicht mehr. Brauche eine Pause.
Keyboard hat Wohnung gefunden. Bassgitarre kann über den Witz, den Musiker bei jedem Saitenriß mit Vorliebe erzählen, nicht lachen, wird für Tonaufnahmen, momentan aber nicht für Live-Auftritte zur Verfügung stehen. Wie wir das dann mit den Tantiemen regeln, müssen wir sehen. Bad Homburg hat erwartungsgemäß abgesagt. Nebenkosten-Nachzahlung. Ja weil i vom Glück a Stiafkind bin.

Mittwoch, 7. Mai 2003
Weltstar ohne Welt hat endlich einen nicht gefakeden Gästebucheintrag. Da muß natürlich ein etwas verbesserter Homepage-Auftritt her, inklusive Galerie. Was mach ich um fünf Uhr morgens am PC? In drei Stunden tanzt Claudia wieder an zum Extreme Job Searching. Seh die „SPD-Linke“ und die Grünen, so letztere überhaupt noch existieren (pardon vegetieren), schon wieder bei Fuß.
Claudia bemüht sich sehr. Am End will sie verhindern, daß Detlev hier einzieht? Wieder drei Online-Gesuche aufgegeben, nur eines auf der Mitleids-Schiene. Wir powern den ganzen Nachmittag. Anschließend soll ich auch die Kontaktanzeigen durchgehen. Aber so viele großzügige Damen soll es da nicht geben. Ein Mäzen wär mir lieber.
Was sagte mein Lieblingskanzler: „Unter Freunden muss es möglich sein, auch mal unterschiedlicher Meinung zu sein und das mit Deutlichkeit und gelegentlich auch mit Härte auszutragen.“ Er meint diesmal nicht unsere amerikanischen Freunde, sondern die Gewerkschaften. Hätte man doch auch diese Meinungsverschiedenheiten schon auf den Marktplätzen der Wahlveranstaltungen ausgetragen!!! Detlev könnte ab 15. Mai einziehen, ich müßte nicht weisseln.

Donnerstag, 8. Mai 2003
0:18 Uhr. Glaube nicht mehr an Claudias Aktionismus. Konnte in letzter Sekunde verhindern, daß sie unter meinem Namen eine Bewerbung an die Firma „http://www.m-tec.ag/“ versendet. Der Leser mache sich selbst ein Bild, hier soll auf keinen Fall für dort angepriesene Güter geworben werden. Bei einem konservativen Marketingunternehmen (CSU-Plakate) wollte sie meine Homepage als Arbeitsprobe einreichen. Hätten die Homeboys nicht meine Umzugkartons widerrechtlich entsorgt, würde ich beginnen, meine Bücher einzupacken. Die Lage wird immer schwieriger, und Karl Marx ist tot.
Immerhin hat Claudia für heute zwischen 17 und 19 Uhr ein Telefoninterview herausgeholt. Auch ihr Elan versiegt allmählich. Speiseplan wenig abwechslungsreich. Gespräch brachte nichts ein. Die Lichter gehen aus. Zigaretten ein Euro teuro. Bis dahin wohn i sowieso wieder nah an der Tschechei. Der LSVD hat mit Thôml ein neues Zentralorgan.

Freitag, 9. Mai 2003
(2:45 a.m.) Zum Gewitter ein Glas Wein mit Claudia. Im Kerzenlicht. Meinen Blicken lag der Abschied inne. Trotzdem kein Sex. Si male nunc, non olim sic erit. Sie muß sich „Latein für Angeber“ besorgt haben. Heute erscheint das Kurz&Fündig. Allein mir fehlt der Glaube. Seit vier Monaten der gleiche Morgen, Monotonie der Jobsuche. Und täglich grüßt das Murmeltier. Der Schneesturm, dessen wegen ich hier festsitze, heißt Die Flut. Claudia ist mit Andie Mac Dowell nicht zu vergleichen. Außer daß wir keinen Sex haben. Hab an Fanny Ardent gedacht. Vielleicht kann ich jetzt schlafen. Der Regen läßt nach.
Die Firma, an die Claudia für mich eine Bewerbung als Bürobote geschickt hatte, sucht seit heute explizit eine Bürobotin. Dabei sag ich noch: „Leg besser kein Foto bei!“ Herzlich mit der Personalberaterin einer Zeitarbeitsfirma am Telefon gelacht,auf die Frage, ob sie mich nicht einstellen könnten.

Samstag, 10. Mai 2003
Claudia hat meine Kündigung. Sie will noch warten, ob es nicht doch nächste Woche mit dem Zeitarbeitsjob klappt. Das Keyboard um 9am angeblich bereits fit wie ein Turnschuh. Hätten es und die Bassgitarre mich nicht um 2am mit dem Handy vom Schoppenstüberl aus am Einschlafen gehindert, vielleicht hätte dies auch von mir behauptet werden können. Umzug geht mit Taxis über die Bühne. Es wohnt im vierten Stock. Die Anzahl der Stufen wird morgen bekanntgegeben.
Stress war zu groß. Zählung nicht möglich.
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Tagebuch-Eurovision: Gemeinschaftsproduktion Henri-Thômelle im Kraftakt:
Ois Tschicago
bissige bassgitarre,wahrlich keine mutter beimer.umzug geglückt.homeboy#4 retter in der not."darkrooms" are the girls best friends.langzeitoption in regensburg: kneipengründung "bei gerti".ratisbonne s'eveille!!! trinkgeldpranger am hamburger fischmarkt-bimbam.bärbelpostkarte.nichts neues in ägypten.besuch der trattoria torchio geplant-lesch&co-recherche. zimmerherr,dös "tschicago" bassd scho a so.
Ende Eurovision
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Karrierefrau von der Au und Freund von Umzugsaktivitäten kaum gestört. Wenn Bayern auswärts 6-3 gewinnt, helfe ich jeden Samstag beim Umzug. Mit wem Homeboy # 4, der sich über Ur-Faust amüsierte, auf der Auer Dult war, konnte immer noch nicht geklärt werden. Obwohl manche sich bereits fragen, wie viele Sehenswürdigkeiten den Homeboys noch vorgezogen werden können, wo diese doch München zum Leuchten brachten.

Sonntag, 11. Mai 2003
Tag ohne Perspektive. Dachte ich. Haben die Ratiopharm-Zwillinge eine neue Frisur? Sind sie noch geiler geworden? Oder waren das zwei andere Mädchen? Konnte den neuen Spot nur kurz sehen, da Claudia meist den Kanal wechselt, sobald meine Pupillen sich weiten. Iritisprophylaxe. Ungefähres Thema für unseren Abend bei Pascale gefunden.

Montag, 12. Mai 2003
0:35 am. Homeboys in die Muppets-Show. Wir haben die komplette Crew der Tierklinik, einen Kermit, einen Fozzy und natürlich unseren Dr. Bunsen Honeydew. Hab das Gefühl, daß Claudia heut noch wackelt und zusammenbricht. Sie ist noch zwei Bier von der Kneipe um die Ecke holen gegangen. Gesetzt den Fall, es würde passieren, so sollte Detlev es nicht erfahren, nicht bevor er hier eingezogen ist.
Getrennte Betten. Vielleicht hab ich nicht mehr den Charme. Jedenfalls könnte die Zeitarbeitsgeschichte in Regensburg tatsächlich klappen. Ein vertrauter Dialekt bat mich für Donnerstag zu einem Vorstellungsgespräch. Leider kann ich nur mit Kappe erscheinen – das Haarschneidegerät spielte verrückt. Was ist denn heut los? Der Kanzler weilt in Asien – die Wirtschaft schöpft wieder Hoffnung. Morgen auch ein Vorstellungsgespräch, für einen Halbtagsjob, Nähe Sendlinger Tor. Die Glatze könnte zum Problem werden. Trotzdem bringt eine sanfte Brise der Hoffnung Gottes langsame Windmühlen wieder in Bewegung. Da nehm ich auch eine Katachrese in Kauf. Verspüre wieder so was wie linearen Optimismus. Vogelzwitschern vor meinem Fenster.
Dachte bisher, das Keyboard wollte mit seinem Konfuzius-Spruch der Woche etwas aussagen, bis ich feststellte, daß selbiger im Internet abonniert werden kann. Homeboy Dr. Bob (siehe oben) weiht mich in die Geheimnisse des BAT ein, ein Regelwerk, das er stets griffbereit neben der Milchflasche und den gesammelten Werken von Reinald Goetz aufbewahrt.

Dienstag, 13. Mai 2003
Wie Homeboy Dr. Bob mir bereits ankündigte, zeigte sich mein neuer Chef als literatur-, geschichts- und philosophie-interessiert. Am Telefon hab ich keinen so kommunikativen Eindruck gemacht. Arbeitsplatz unterirdisch, ebenso bezahlt. Aber das Betriebsklima scheint diametral. Und mobbingfrei. Übermorgen fang ich an. Oma hat geweint. Ich atme wieder frei.
Keyboard zieht bei Homeboy Dr. Honeydew seine Verfolgungswahnnummer ab. Alles Provokation. Gitter vor der Haustür des Keyboards. Zehn zu eins, daß sein Schlüssel binnen Jahresfrist durchs Raster fällt. Zwei Bücher gekauft, eines ausgeliehen. Wieder Mensch sein. Hoffentlich verliert Auge nicht in Nürnberg.

Mittwoch, 14. Mai 2003
Der Wohnungseigentümer wird im Dreieck springen. Claudia will die Hauptmieterschaft wieder zurückgeben. Polizeiliches Führungszeugnis kostet mittlerweile 13 €. Einzureichen ist außerdem mein Musterungsbescheid. Viel Altpapier weggebracht, die letzten 15 Jahre. Deutschland wieder solidarisch an der Seite der USA. Freunde und Freundinnen, die sich freuten, daß auch ich mich nun endlich am Bruttosozialprodukt beteilige, werden enttäuscht werden, da ich nicht erwarte, mehr als 20 € Lohnsteuer bezahlen zu müssen. Zwanzigjahrfeier der Landesarbeitsgemeinschaft für Zahngesundheit am Marienplatz: ein als Karies-Bazillus verkleideter Mime pendelt, am Feuerwehrkran schwebend, in der Luft, zerstört symbolisch einen 5 Meter hohen Zahn und wirft mit sarkastischem Lächeln Süßigkeiten in die begeisterte Kindermenge. Strahlende Zahnärzte. Lebe wieder im Luxus. Zeit. Statt Jobpilot und Arbeitsamt beschäftige ich mich wieder mit den wichtigen Fragen: Wie komm ich umsonst ins Theater? Ist der Museumseintritt am Sonntag wie früher frei? Und sollte ich versuchen, Claudia zurückzuerobern?

Donnerstag, 15. Mai 2003
Erster Arbeitstag. Claudia schläft noch. Vorbei die Zeit des gemeinsamen Frühstückens. Kurz die Sonne gesehen. Höhlengleichnis. Homeboy # 4- Ausspruch ubi tombui? läßt mir keine Ruhe, abgesehen vom zweifelhaften ubi statt quo habe ich noch keine lateinische Quelle gefunden, in welcher das Wort tombere je benutzt wurde. Nicht mal der dicke Langenscheid kann helfen. Homeboylatein.
Alle vier Wochen eine neue Steuerschätzung. Hans, bleib do! Du woaßt ja net, wia's Wetter wird. Auf der Fahrt in die Klinik sah ich noch einmal in so ein Psychosomatisches Lehrbuch unter Polyarthritis. Demnach bräuchte ich eine Psychotherapie. Davon hat mein Analytiker nie was gesagt. Hätte dann viel besser mitgemacht. Ich dachte, es wäre nur wegen der Neurosen, ohne welche ich mir gar keine Chancen mehr bei Claudia ausrechne.

Freitag, 16. Mai 2003
Schlafe bei Mondfinsternis immer gut. Matrix 2 in Cannes. Keyboard in Augsburg. Mit meinen Fähigkeiten im letzten Jahr, meine vitalen Bedürfnisse selbst zu befriedigen, war ich zufrieden und brauchte keine Hilfe. Versteh nicht, was die Frage soll. Claudia hat einen Fragebogen mitgebracht und will mich als Probanden gewinnen. Homeboy K. hält uns alle für Alkoholiker. Herr G. (→ http://www.zensiert url.de/ ) [Name und Link aus Mitleid zensiert, am 05.09.03] hat angeblich im öffentlichen Schaukasten des Bezirksausschusses erfahren, daß ich einen Antrag für eine Baumfällung gestellt hätte. Dubiose Werbepraktiken. Zumal auch Claudia schwört, keine Abholzung ihres Bonsai-Töpfchens in die Wege geleitet zu haben. Katzenjunge brauchen Pfingsten einen Babysitter.

Samstag, 17. Mai 2003
Ein Beweis für die Existenz des angeblich lateinischen Wortes tombere konnte immer noch nicht erbracht werden. Weiterhin schützt Homeboy # 4 seine Mitbewohnerinnen vor Schrecken und Gefahr. Homeboy mit der Mundharmonika führt uns in eine neue Kneipe. Wie er selbst sagt, das Essen war gut. Die Hunde waren zahlreich. Das Mitleid war groß. Und die Wände womöglich falsch gestrichen. Nach langen Verhandlungen konnten sich die Verfassungsväter endlich auf den ersten Paragraphen der Homeboy-Satzung verständigen.
§1. Würde des Homeboys
Wenn Homeboy # 4 sagt, „Trink ma no a Bier!“, so ist jeder anwesende Homeboy verpflichtet, noch ein Bier zu trinken. Niemand geht vor Homeboy # 4
9:30 am. Gut gelaunt. Wenn Claudia nicht heimgefahren wär, hätt ich ihr heute Brötchen geholt. Hoffentlich werd ich nicht krank. Zuviel Altruismus. Wo doch meine ersten Morgengedanken eine kürzlich gehörte Aussage betrafen, nach der Menschen, die sich rege im Vereinsleben engagieren, statistisch weniger von psychiatrischen Krankheiten bedroht seien. Abgesehen von der Ursache-Wirkung-Frage erwog ich kurz, den 1. Bayerischen Misanthropie Verein zu gründen, verwarf dies jedoch bereits bei der Morgentoilette. Meisterfeier in Rot-Weiß. Leider wurde Leopoldstraße-Triumphzug abgesagt. Zumindest kam keiner an der Brezn vorbei. Saukalt. Gottseidank nicht bei Paul McCartney- Konzert.

Sonntag, 18. Mai 2003
Das erste Bayern-Heimspiel der nächsten Saison kollidiert wahrscheinlich mit Schierling. Freue mich auf Spaziergang mit Regenschirm. Wird die wiedereingekehrte innere Ruhe auch auf meine Gesundheit schlagen? Mens sana. Oder gelassen untergehen. Claudia hat Vorratsschränke nicht aufgefüllt. Führe ab morgen Haushaltsbuch. Heute zur Tankstelle. Nach 10 Jahren rastloser Suche endlich ein Antiquariat mit Rombachs Welt und Gegenwelt gefunden. Keine schlechte Woche. Schon lange nichts mehr von extra-legalen Hinrichtungen in Bayern gehört. Keyboard verliebt. Hoffnung. Bassgitarre möchte sich manchmal am homeboylichen Unter-den-Tisch-Saufen beteiligen. Das entscheidet bei uns alles Gründungsmitglied Homeboy # 4.

Montag, 19. Mai 2003
Ganze Nacht nicht geschlafen. Rhythmusumstellung noch nicht gelungen. Reisekostenabrechnung nach Bad Homburg geschickt. Keyboard komponiert. Homeboy mit der Mundharmonika auf Doktorandenstelle aufmerksam gemacht. Schreib- und leseintensiv. Wer kann dazu schon nein sagen. Zukunft nicht mehr aufzuhalten. Auch an Aldikasse wird gescannt. Bis auf Omas Nußschokolade die Produktpalette kaum wiedererkannt. Was fürchten sich alle vor der Deflation? Wieso gibt es für Bundesregierungen keine Garantie? Hätt ich nur meinen Wahlzettel aufgehoben.

Dienstag, 20. Mai 2003
Antiquariate schicken Vorausrechnung. Man gewöhnt sich an die Wirtschaftskrise. Wie soll man auf den SPD-Parteitag vertrauen, wenn die Mitglieder, die Schröder abwählen würden, aus der Partei austreten? Mit Claudia läuft wohl doch nichts mehr. Trotzdem morgiges Blind Date abgesagt. Schließlich droht Donnerstag der Betriebsarzt. Hannover-Homeboys überraschend nach Bayern aufgebrochen. Alle wolln den Skoda sehen. Und Homeboy # 4's neue Mitbewohnerin. Und natürlich Claudia. Der reicht ein Homeboy.

Mittwoch, 21. Mai 2003
Von einer beeindruckenden Militärdemonstration hätte nicht mal Angie gesprochen. Am PC ist RESET mittlerweile eine der von mir am häufigsten gedrückten Tasten. Es wird wohl früher oder später mit meinem Baby zu Ende gehen. Claudia steht nicht mehr zum Frühstück auf. Heißt es, die Schwellkörper waren geschwellt oder geschwollen? Egal, die Heidi Klum Plakate am Sendlinger Tor, U-Bahnhof, wurden von Skoda und BMW ersetzt. Lese Hermann Schmitz. Bisher wenig konkret. Begrifflichkeiten teilweise noch nicht klar oder mir zu komplex.

Donnerstag, 22. Mai 2003
Sehtest bestanden. Personalabteilung will wissen, warum ich für sowenig Geld arbeite und vor allem warum halbtags. Bohème-Gründe können vom Chef nicht weitergegeben werden, also nennen wir es vielseitiges kulturelles Interesse. Lokaltermin am Rotkreuzplatz zwecks Besichtigung eines Partner-Unternehmens. Keyboard kreativ. Schmitz unterstellt Jung, was ich ihm selbst gestern vorgeworfen habe, nämlich daß in abstracto, abgesehen von Beispielen, aus seinen Worten nur mit Mühe zu entnehmen ist, worauf er hinauswill. Aber das sind nur Momentaneindrücke. Homeboys Revival, morgen 19:30 Uhr. Ob wir wie üblich vorher Essen gehen, ist noch nicht fix. Claudia hat angeblich ein unverschiebbares Date mit einem Freund, der sie durchs Abschlußjahr gebracht hat.

Freitag, 23. Mai 2003
Schmerzen in der Nacht. Vielleicht war der Blutverlust doch zu groß. Hippokrates hat dir einfach in die Augen geschaut und wußte Bescheid. Im Wohnheim meiner Schwester großflächiger Virenbefall. Werd mich vielleicht ein wenig mit Perl anfreunden. Karrierefrau von der Au und Keyboard haben sich wieder lieb. Eine Ex-Freundin verlangt ein Lebenszeichen. Wenn nächste Woche meine Digitalkamera kommt, werd ich ihr ein Foto mit aktueller Süddeutscher Zeitung unterm Arm schicken. Antrag auf Führungszeugnis unerledigt zurückgekommen. Meine Unterschrift nicht amtlich beglaubigt. Virtuelles Rathaus. Schachpartie auf nächste Woche verschoben. Welche Stellung von ihr bevorzugt wird, noch unbekannt. Ich bereite mich auf die Sizilianische vor.

Samstag, 24. Mai 2003
Homeboys K&K über Oberschleißheim, Moosach gefahren. Bob Dylan an Bord. Homeboy mit der Mundharmonika beschwert sich, daß ich so wenig über spektakuläre Mordfälle und heiße Liebesaffären zu berichten weiß. Mir fehlen einfach Talent und Geschick, über Leichen zu stolpern, wohingegen er, ständig auf der Suche nach Indizien, wie die Helden seiner Romane, sogar in Homeboy # 4's Badezimmer fündig wird. (Ich hoffe, der Apostroph ist richtig.) Ständig neuen Abenteuern auf der Spur. Ständig in Gefahr, wenn nicht selbst reinzutreten, den Fettnapf übergossen zu bekommen.
Was die erotischen Momente angeht, er möge Claudia fragen, es gibt wirklich keine. Und im übertragenen Sinn ist es sicher richtig, zu behaupten, mein Sexualleben liegt zur Zeit in der Hand von Claudia. Münchner Lieblingsakkordeonspieler kommt bald aus Kur zurück. Befreundete Ärzte kennen aktuelle Impfempfehlungen nicht. § 1 mußte nicht angewandt werden.
Oma will partout kein Katzenbaby übernehmen. Auch die Homeboys sträuben sich. Homeboy K. philosophiert über den Sinn menschlichen Daseins und Grundsituation der Homeboys allgemein. Für Menschen da sein. Furzkissen nichts für kleine Kinder. Dortmund weitergereicht. Nichts Neues in Metten. Kasten Bier diesmal nicht von der nachts beleuchteten Tankstelle, welche die Mettener Kirchtürme bald als Wahrzeichen abgelöst haben wird, sondern vom Minimal-Getränke-Markt geholt.

Sonntag, 25. Mai 2003
Beinahe hätte mich die Leserzuschrift eines Rainer Schabernack, für dessen wahre Identität mehrere Verdächtige in Frage kommen, zu einer hastigen Umprogrammierung meines Webauftritts verleitet. Allein die wiedergefundene innere Ruhe und Sanftmut bestärken mich darin, daß bis zu einer neuen Version eine hier nicht weiter charakterisierte Menge Wasser die Isar hinunterrauschen wird. Dann aber steht Puristen auch eine Diogenes-Fassung zur Verfügung. Sicherlich haben Männer wie Rainer auch JavaScript deaktiviert und kein Interesse an Multimedia (Bild, Ton, Film). Im übrigen gibt es viele ausgebildete Hebammen, die keine Kinder bekommen können.

Sehr geehrter Herr Hochofen,
ich bin begeisteter Visiteur Ihrer Homepage, insbesondere des diary. Was mich aber gleichzeitig verwundert und abstoesst, ist die Tatsache (oder Frage), warum ein Absolvent der math.-infor. Fakultaet der Uni X. [Name und Ort der Universität zum Schutz selbiger geändert. Henri Hochofen.] nicht in der Lage ist, einen, zugegebenen einfachen, Internetauftritt ohne Hilfe von Active-X Steuerelementen und Flash-Objekten zu gestalten! Hier ist sicherlich noch Nachbesserungsbedarf.
 
Mit freundlichen Gruessen
 
Reiner Schabernack
Leserbrief vom 24.05.2003

Montag, 26. Mai 2003
Kurz nach Mitternacht. Wer ist Rainer Schabernack? (Er besteht zwar auf Reiner mit e, halte dies aber für eine Täuschung)

Sehr geehrter Herr Hochofen,
es war nicht meine Absicht, Sie aus dem inneren Gleichgewicht zu bringen! Mein Schreiben sollte Anregung sein, sich aus der Masse der schnell zusammengeschusterten Ich-hab-ne-hp-mit-Tagebuch Fraktion abzuheben. Fuer einen Uni X - Absolventen eher Pflicht als Kuer. Soviel zur Umsetzung.
Wenn man tagtaeglich immergleiche Inhalte in immerneueren Formaten darstellt und konsumiert, ist Schlichtheit ein knappes Gut und Purismus (und Puritanismus) die Folge. Ein nicht Koennen ist m.E. daher ein nicht Wollen.
Aendert sich die Aussage eines Zeugungs - oder Geburtsaktes, indem man ihn auf einer mit .NET erstellten Hompage (XP-Theme) per Webcam ins Internet uebertraegt ? Wohl kaum. Alle Inhalte, alle Fragen (und alle Antworten) sind in Faust I und II abgehandelt (Reclam-Ausgabe). Um dies multimedial darzustellen, braucht man nur einen [schwarzen] Bildschirm mit [gruener] Schrift. Und kein Java-Script.
Also, nur Mut und vergessen Sie nicht: als maennliche Hebamme ist der Faktor Zeit konstant.
Mit besten Gruessen
 
Reiner Schabernack
Leserbrief vom 25.05.2003
Habe die beiden E-Mails an einen Polizeipsychologen zur Erstellung eines Täterprofils weitergeleitet. Danach Sex. Nicht mit Claudia. Es handelte sich um eine Art Tröstung mit Eigenorgasmus. Rainers schnörkellose Mails kommen völlig ohne Umlaute aus. Ein Anfang. Sollte er nicht Wasser predigen und Wein trinken, muß er aber weiter daran arbeiten, die Vokale, die die Aussage eines Satzes nicht wesentlich verändern, gänzlich aus der deutschen Schrift zu entfernen. N gtr Prn wrft drchs n ndrs Lcht f Zgngskt ls Fst nd grn Schrft ds vrmgn.
 
Täterprofil „Reiner Schabernack“:
  • männlicher Einzeltäter zwischen 22 und 45 Jahren
  • eher keine feste Partnerschaft, höchstens Wochenendbeziehung, oder Eheprobleme
  • Internet-Junkie, Unix-Erfahrung, mindestens Abitur
  • fiel eventuell schon früher unter dem Namen Reiner Schabernack auf, denkbar auch Reiner Zufall
  • trat eventuell schon einmal als Bill-Gates-Bekämpfer in Erscheinung
  • hat per Anhalter durch die Galaxis nicht gelesen
  • leichter Hang zum Alkohol
  • Ordnungszwang, in verschiedenen Lebensphasen jedoch Chaos in der eigenen Wohnung
  • wird voraussichtlich wieder zuschlagen
Sachdienliche Hinweise bitte an mich. Unabhängig von seiner Identifizierung. Rainer wird sein Manna schon noch bekommen. Vorher habe ich der Bayerischen Staatsregierung sicherlich noch einige Ratschlüsse zu überbringen. In die begonnene Debatte um Rainer Schabernack hat sich auch Homeboy # 4 eingeschaltet.
Sehr geehrter Herr Schabernack,
 
was mich verwundert und gleichzeitig abstößt ist Ihr unbedarfter Umgang mit der deutschen Grammatik! LMU? [Name der Universität hier ausnahmsweise nicht geändert, da die Wertung in diesem ohnehin knappen Leser-Statement sonst nicht verstanden würde. Henri Hochofen]
 
grußlos
 
# 4
Leserbrief vom 26.05.2003
Bandprobe am Sonntag muß verlegt werden, da Bassgitarre im Frühtau zu Berge aufbricht. Digitalkamera gekommen. Geschlaucht. Hab zu lang gearbeitet. Dazu der Beischlaf in der Nacht. Wie hat Guido Westerwelle gesagt: „Wir haben ein weiteres Landesparlament zurückerobert!“ Unterdessen ist ein weiterer Lesebrief von R. Schabernack eingetroffen. „In meiner Sendung wird keiner rausgeschmissen!“ (Frank Elstner vor ca. 20 Jahren in Wetten Daß...) In einem künftigen Release finden solche Schreiben in einer Leserbriefecke ein eigenes Zuhause.
Mein lieber Herr Hochofen!
 
Warum diese Paranoia ? Nicht alles muss ausgedeutet werden. Ich denke, das hohe Maß an täglicher Eigenliebe steht in Widerspuch zu Ihrer (mehr oder weniger unbewussten) katholisch-orthodoxen Grundhaltung und ist Grund dieser Erscheinungen. (Der über die Webcam ausgelebte (aber durch Zusätze verleugnete) Exhibitionismus lässt auf ein in allen Belangen strenges Elternhaus schliessen und erhärtet die Vermutung). Gelebte Zurückhaltung ist der Lösung diesen Konfliktes förderlich. Wenn Sie desweiteren die Anzahl der Schoppen, die Sie in Ihrer Stube konsumieren, senken, ist das sicherlich ein weiterer Schritt hin zur Besserung.
Ausserdem befremdet es mich sehr, dass Sie mich in die Nähe von Straftätern rücken und meine Anregungen als persönlichen Angriff werten. Lassen Sie uns zum Anfänglichen zurückkehren, anstatt in die Abgründe von Verschwörungs-theorie und Verfolgungswahn hinabzugleiten. Ich habe deshalb die Tastatur gewechselt!
Wie im ersten Schreiben vom 42. diesen Monats schon erwähnt, fühle ich mich intellektuell beleidigt, wenn ich beim Aufruf einer Internetseite ersteinmal eine Reihe von MsgBoxen niederklicken muss. Sie offenbaren mir: hier waren Stümper am Werk ! schmidt.de ist beispielhaft für guten Willen und misslungene Umsetzung. Reihen Sie sich nicht in die lange Schlange dieser gescheiterten Selbstdarstellungen ein. Opfern Sie Ihr Talent nicht der überhasteten Implementierung!
 
Ich hoffe, wir können zu einem konstruktiven Dialog zurückkehren und verbleibe
 
Mit freundlichen Grüßen
 
Reiner Schabernack
Leserbrief vom 26.05.2003, Fortsetzung des Dialogs
Lassen wir die Polemik hinter uns, in der Tat, auch meinem Intellekt sind diese PoPP-Up-Fenster auf den täglich besuchten Schmuddelseiten ein Dorn im Auge. Herr Schabernack wurde einstimmig zum Leser des Monats gewählt, er gewinnt einen Schoppen Bier mit Henri Hochofen und möge sich zur Terminvereinbarung mit Frau Gieseke in Verbindung setzen. Bei besagtem persönlichen Treffen kann darüber diskutiert werden, wie die Vorschläge umgesetzt werden sollen, bzw. ob sie langfristig, strategisch mit der Hochofen'schen Unternehmensphilosophie zu vereinbaren sind. Das Wort Täter gebrauche ich wertfrei, entscheidend sind die Vorsilben. Straftäter. Attentäter. Aber vielleicht ist Rainer Schabernack ja der Sanitäter eines viel zu bunten Web-Auftritts. Du hast den Farbfilm vergessen! Bei meiner Seel!

Mittwoch, 28. Mai 2003
Neige in der Arbeit zur Selbstausbeutung. Mit zeitgenössischem Post-Neo-Dadaisten ein paar Bier getrunken. Er fühlt sich benachteiligt, weil ich mir das Recht herausnehme, ver-rückt zu sein und nicht bereit bin, Wahn und Neurosen auf eine Stufe zu stellen. Wenn die wahre Bühne das Leben selbst ist, eine one-man-show, live und improvisiert, so habe ich es satt, länger den advocatus diaboli zu spielen. Willkommen im Club. Möge die Selbstironie nicht auf der Strecke bleiben. Bassgitarre-E-Mails werden von GMX unter Spam-Verdacht gestellt. Rainer Schabernack outet sich in der Nacht von Freitag auf Samstag. Ich werde einen Umschlag mit den Namen der üblichen Verdächtigen ins Lokal mitbringen. Wir berichten. Gestern zufällig die hübscheste Frau meines Semesters in der U-Bahn gesehen. Falschen Ausgang gewählt. Keyboard glaubt nicht an Allergie-Song und Claudia hat eine Entgiftungskur begonnen. Kein Alkohol und keine Schokolade im Haus. Was kauft sie sich Kondome? Meine laufen bald ab. Hochofen-Band wird mehrere Benefiz-Konzerte für die Opfer des Freistaats Bayern miteinplanen. Helfen statt polemisieren. Jemand mußte Henri H. verleumdet haben. An einem bedeckten Mittwoch Vormittag bekam er an seiner Arbeitsstätte folgende Nachricht überreicht.

Einstellung von Herrn Hochofen zum 15.05.03 als Angestellter in der EDV
 
Sehr geehrter Herr XY,
 
mit Schreiben vom 20.05.03 haben Sie uns gebeten, die Einstellung für Herrn Henri Hochofen zum 15.05.03 auszuführen. Herr Hochofen soll nach VI b eingruppiert werden.
 
Bei Durchsicht der Einstellungsunterlagen müssen wir Ihnen leider mitteilen, dass Henri Hochofen ein Mathematikstudium an der TU erfolgreich abgeschlossen hat. Die Barchelorprüfung [auch im Original falsch geschrieben] stellt eine erste Hochschulprüfung dar, sie ist nicht mit der Masterprüfung (=Diplom) zu vergleichen.
Vergleichbar wäre ein Fachhochschulabschluss, der eine Eingruppierung nach Vergütungsgruppe Vb /IV b rechtfertigen würde. Das Bayerische Staatsministerium für Wissenschaft, Forschung und Kunst hat mit Schreiben vom 04.10.02 bei überqualifiziertem Personal zu einer äußerst restriktiven Praxis geraten. Zwischen den auszuführenden Tätigkeiten in der klinischen Dokumentation und dem abgeschlossenen Studium besteht ein enger sachlicher Zusammenhang. Somit kann man davon ausgehen, dass Herr Hochofen seine erworbenen Kenntnisse anwenden kann.
 
Da wir keine höherwertige Stelle zur Verfügung haben, kann einer Einstellung von Herrn Hochofen leider nicht zugestimmt werden. Die Arbeitsaufnahme von Herrn Hochofen erfolgte ohne unsere Zustimmung, deshalb müssen wir Ihnen leider mitteilen, dass Herr Hochofen seine Tätigkeit einstellen muss. Die von Herrn Hochofen hier verbrachte Zeit der Beschäftigung kann leider nicht über die von Ihnen genannte Planstelle vollzogen werden. Wir bitten deshalb, uns eine andere Verrechnung zu nennen (z.B. Drittmittel).
 
Ich hoffe auf Ihr Verständnis für diese Maßnahme und verbleibe
 
mit freundlichen Grüßen,
XX, RARin
Daneben wurde bei der betriebsärztlichen Untersuchung ein Eisenmangel festgestellt. Vom Betriebsrat selbst keine Hilfe zu erwarten, der mich einstellende Kollege scheint diesem a priori verdächtig. Hintergrund. Das Finanzministerium will verhindern, daß Mitarbeiter auf Eingruppierung in eine höhere Gehaltsstufe klagen könnten. Angeblich besäße auch eine Unterlassungserklärung wegen möglicher Anfechtbarkeit keine juristische Gültigkeit. Ich würde einen Eid auf das schwören, was gemeinhin Gott und CSU genannt wird, und mich verpflichten, mich nicht in BAT V oder BAT IV einzuklagen und schon gar nicht irgendwelche erworbenen Kenntnisse anzuwenden. Wie käme ich dazu? Nachdenklich würde ich höchstens bei BAT III, was nicht zur Debatte steht. Und da waren sie wieder meine drei Probleme, die sich vor allem auf die schlichte Formel BARGELD bringen lassen. Gracias a la vida.
Am Freitag geht's ins Arbeitsamt. Die zumutbare Arbeit, bei der ich meine erworbenen Kenntnisse nicht einsetzen kann, will ich sehen. Keyboard verscherbelt alte CD's und unlängst erworbene Konzertkarten. Soll ich die Stadt sofort verlassen oder meinen Laptop veräußern? Ich liebe mein Baby. Wir gehen zusammen. Oder keiner. Claudia könnte nächste Woche beim Umzug helfen. Thôml muß. Homeboys sind fraglich. Bassgitarre hätte für eine Bandprobe von Freitag bis Sonntag Zeit, würde bei einem Umzug jedoch vermutlich wieder Kopfschmerzen bekommen. Mal sehen, ob Rainer Schabernack kräftig gebaut ist.

Donnerstag, 29. Mai 2003
Wunder vollbringt meine Digitalkamera keine. Macht aus meinem Schneider keinen Picasso. Und auch mein Andretzky bleibt ein Andretzky. R. Sch.'s Engagement ist ausschließlich beratender Natur. Gedanken an eine Softwareberaterin mit den Initialen R. Sch., die sich vehement weigerte, den Faust zu lesen, verursachten ein kleines rothaariges Flashback. Wäre witzig, aber wenig wahrscheinlich. In Krisensituationen hilft es, sich einen Plan zurechtzulegen und ihn stur zu befolgen. Normalerweise sollte ein Notfallplan bereits vor dem Notfall in der Schublade bereitliegen, dort ruht aber lediglich ein Testament. Karrierefrau von der Au und ihr ehemaliger Mitbewohner: „A bissl muaß er schon selber schaun!“ Sollten sie angenommen haben, ich würde diese Aufgabe ernsthaft ihnen übertragen?
Seit sieben Stunden sichte ich die Stellenangebote der letzten vierzehn Tage, bisher vier Bewerbungen. Aber nur eine kleine Hoffnung auf eine kurzfristige Lösung. Werde die Wohnung kündigen, wenn mir mein persönlicher Arbeitslosenberater, den ich morgen kennenlerne, keine baldigen Zahlungsaussichten eröffnen kann. Claudia hat kein Brot gekauft. Reiswaffeln. Diclofenac wirkt allmählich. Auch Boris braucht Geld. Ich hätte Lafontaine lieber als Verlorenen Sohn auf dem Sonderparteitag gesehen als auf dem Kirchentag.

Freitag, 30. Mai 2003
Wenn der Freistaat meine Arbeit nicht bezahlen will, so soll der Bund meine Nicht-Arbeit finanzieren. Habe diese Logik nicht erfunden. Bürokratischer Zorn nimmt Besitz von mir. Sechs Zehen Knoblauch. Tut mir leid, Rainer. Claudia kocht so oft Blumenkohl, sie muß das ertragen. Zur Arbeitslosengeldbeantragung Einholung der Arbeitsbescheinigungen erforderlich. Schikane. Kann mit der Wohnungskündigung bis zum dritten Werktag des Monats Juni warten. Aber auch der SPD-Sonderparteitag wird die Lage nicht verändern. Ein Herr Köhler hat geklingelt und mir die schöne Botschaft überbracht, daß alle Toten auferstehen. Scheint kein Zeuge Jehovas gewesen zu sein. Hab ihn mit meinen zu seiner Begeisterung absolvierten Semestern Theologie kaum abwürgen können.
Der Job als Zapfer im Biergarten war schon weg. Kurzer und heftiger familiärer Krach über Trennung von Beruf, Berufung und Privatleben. Claudia gibt meiner Mutter Recht. Low-Budget-Tour mit Keyboard durch die Stadt. Rainer macht es ganz schön spannend. Trällere bereits seit frühestem Morgen Das hab ich in Paris gelernt. Razzia im Internet-Café am Hauptbahnhof. Konnten entkommen. Es gibt wichtigere Dinge, als ernst genommen werden zu wollen. Aber erklär das mal einer älteren Generation. Und deiner Generation. Und einer jüngeren. Brigitte Bardots Buch liefert Keyboard neue Nahrung.

Samstag, 31. Mai 2003
Treffen sich zwei Funktionen. Die eine führt sich etwas auf, da meint die andere: „Halt's Maul, sonst differenzier ich dich!“ Jeder Mathematiker kennt die weiteren Versionen und Pointen. Ich habe eine andere Dimension des Mathematiker-Schabernacks kennengelernt. Zunächst wurde Carl Friedrich, mein Analysis-Tutor, einer der wenigen, die wirklich wissen, wozu Luftschlangen zu gebrauchen sind, vorgeschickt, um friedliche Passanten zu fragen, ob sie Henri Hochofen seien. Nicht vermutend, daß sich mehrere Hochöfen in der Kneipe aufhielten, fühlte ich mich angesprochen und gab mich überrascht zu erkennen. Hatte mich in eventueller Erwartung einer Frau extra geduscht. Ein paar Minuten später sind mehrere Studenten meiner Fakultät eingetroffen. Till, Olli und Erasmus. Da keine versteckte Kamera auszumachen war und zufälliges Erscheinen mehr oder weniger glaubhaft simuliert wurde, hegte ich keinen Argwohn, mögen mich Arbeitslosigkeit und Eisenmangel auch geschwächt haben. Alle waren Tags zuvor in Biedermann und die Brandstifter. „Die Wahrheit ist die beste Tarnung.“ Wenigstens hat das Keyboard, dessen Vokabular hier verschwiegen werden soll, die Schmierenkomödie von Anfang an durchschaut und sich gleich auf den echten Reiner Schabernack konzentriert, dessen Ansichten von selbstinstallierenden Dialern (siehe Schmuddelseiten, weiter oben) nicht unbeeinflußt blieben. Er ließ sich vorerst nicht rumkriegen. Sah sich aber zumindest die Sonnenfinsternis an. Hätte die aufgegabelte Australierin nicht unlängst ihren Boy-Friend in die Klinik gebracht und wäre sie an partiellen Finsternissen interessiert gewesen, hätte auch ich mich diesem Naturschauspiel kaum verschließen können. [„I was working“ = past tense] Da ich beim Nachhausekommen nicht wenig Lärm machte, schlug Claudia vor, Fantreffen nicht mehr persönlich zu besuchen, sondern lediglich Autogrammkarten zu verschicken. Man wird sehen. Hole mein Fahrrad aus dem Keller und kaufe Lieblingsprodukt bei Aldi. Countdown fürs Pokalfinale läuft. Keyboard erwägt Änderung seines Sprachstils im Tagebuch, ich hielte eine Änderung desselbigen bei der Gerti für angebrachter. Reiner S. hat sich nach der gestrigen Begegnung eindeutig für die heterosexuelle Seite ausgesprochen, möchte Kinder zeugen und aufziehen und vielleicht auch nicht unbeeinflußt von besagter Begegnung gegebenenfalls selbst unterrichten. Nach Überfliegen der Schlagzeile Bush in Auschwitz wurde ihm warm ums Herz und war er hocherfreut, daß wir die sich verirrt habende Kolonialbritin in den richtigen Zug gesetzt und an der richtigen Stelle aussteigen lassen haben. So viel Menschlichkeit in einer Bewehellerseele. Wenn Marx das noch erleben könnte. [eigentlich sind Gegendarstellungen in der Metaphysik unüblich, aber Reiner S. besteht auf Vauwehellerseele.] Zwei Herzen ach in seiner Brust.

Sonntag, 1. Juni 2003
TV Smith. „It's expensive being poor!“ Bassgitarre nicht aus Stahl. Sehr streng, was die Performance angeht. Gestern erste Münchner Fahrrad-Durchquerung 2003. Homeboy # 4 hat den Klon einer Jugendliebe ausgemacht. Allein die ca. 15 Piercing-Ringe und der blickfangende Irokese verhindern, daß ich die Ähnlichkeit bestätigen kann. Stimmgerät runtergefallen. Kaputt. Schröder von SPD bestätigt. SPD-Linke noch kleiner als erwartet. Ereignis- und nahrungsarmer Tag.

Montag, 2. Juni 2003
Pesto und Vergnügen zum Frühstück. Wenn die Verwaltung nicht gerade Guter Bulle, Böser Bulle mit mir spielt, besteht laut Boss berechtigte Hoffnung, die Nichteinstellung außer Kraft zu setzen. Entscheidung bis Freitag. Claudia hat Eis gekauft. Ich liebe Tiramisu. Fahre ab jetzt täglich mit dem Rad und kann die Dulcolax-Werbung nicht mehr ertragen. Gibt's da nichts von Ratiopharm? Innere Ruhe macht mich ein paar Kilo schwerer. Finnisches Mädchen fragt, ob ich der Henri Hochofen sei, den sie vor fünf Jahren beim Campen in Venedig, Alba d'oro, kennengelernt habe. „Would you happen to be him?“ Vielleicht hätte ich doch lügen sollen.

Dienstag, 3. Juni 2003
The Finnish girl must be a very romantic person. Vielleicht höre ich mir ihre Lebensgeschichte doch noch an. Claudias Stories redundieren. Bezweifle, daß ich Die Kunst der Fuge wiedererkennen würde. Der Mutter eines Nachhilfeschülers ist dessen Gymnasium zu grün. „Die Grünen sollen fürn Umweltschutz sorgen, des langt.“ Wären Wahlabstimmungen (bereits) per Handy möglich, würde ich eine Soziale Romantische Partei gründen. Die Einführung der Amtssprache Latein im Deutschen Bundestag würde die Debatten versachlichen und den Einfluß der installierten Kameras wieder zurückdrängen. Nein, es soll nicht Romanistische Partei heißen. Es sind zwei unterschiedliche Gedanken in zwei aufeinanderfolgenden Sätzen. Kommt vor. Wir haben nicht nur ein Strukturproblem in Deutschland, wir haben auch einen Mangel an Romantik. Wenn ich da höre, daß Impotenz in den meisten Fällen auf behebbare organische Störungen zurückzuführen sei. Früher hätte man diese organischen Störungen noch Frauen genannt. Die Formulierungen der Finnin finden mein Gefallen: „Relationships have never suited me so I tend to avoid them.“ Hab sie auf www.teleauskunft.de verwiesen und jetzt hat sie den aus ihrer Sicht echten Henri unter genau der Adresse gefunden, die er ihr vor fünf Jahren in die Hand drückte. Wenn sie jetzt beide arbeitslos sind und zusammen nach Helsinki fahren, ist das Stoff für einen neuen Kaurismäki. Weint der Baum, wenn er ein Blatt verliert?
Mit verwirrter Bassgitarre beim Aumeister. Über Homeboys, Punk, Buddhismus und biologische Uhrwerke. Nie mehr ohne Fresspaket in den Biergarten.

Mittwoch, 4. Juni 2003
In einem Traum wird mir beim Durchqueren eines verkehrsberuhigten Bereiches aufgelauert. Keine Kinder in Sicht. Führerschein weg. Greife mit der Radarpistole zur Selbstjustiz, entschlossen, die auszuführenden Beamten bis zu vier Wochen zu verfolgen...
Ist das ein gutes Omen, um mein polizeiliches Führungszeugnis ausgerechnet heute persönlich zu beantragen? Waren die Orakelsprüche von Delphi gratis? Claudia regt sich über das Fahrrad im Flur auf. Breche auf zur Meldestelle. Ohne historisch vorgebildeten Homeboys vorgreifen zu wollen, schließt ein Leser aus Hannover aufgrund folgender ausgegrabener Schatzhäuser auf einen regelrechten Orakelwucher: Schatzhaus von Sikyon, Siphnos, Theben, Poteidaia, Asklepieion, Athen, der Syrakusaner nach ihrem Sieg 413, Aitoler, Kyrene, Akanthier und Brasidas, Akanthos, Knidos, Megara, Naiskoi, Korinth und diverse nicht weiter identifizierte bzw. zerstörte Schatzhäuser. Sicherlich würde eine Quellen-Analyse diese These bestätigen, mag auch noch der Aspekt der freiwilligen Dankesgaben bei erfüllter Prophezeiung hinzukommen. Nicht zu vergessen, Spesen und Extras. Claudia hat Sonnenbrand. Bleiben heut abend daheim. Kochen gemeinsam. Kein sexuelles Begehren nach dem Essen. Vielleicht der Eisenmangel. Eisenpräparat, sobald ich es mir leisten kann.

Donnerstag, 5. Juni 2003
Mama und Papa starten in den Urlaub. Wollen per SMS auf dem Laufenden gehalten werden. Drei Katzenbabies schon weg, auch mein Liebling Coolman, das Vierte kommt vielleicht doch zu Oma. Bernhards Auslöschung beginnt ein bißchen schwarz-weiß. Schmitz' Ansatz, daß Gefühle Atmosphären sind, die den Menschen mit einer Räumlichkeit in sich einbetten und leiblich in Anspruch nehmen, wird langsam klarer (optisch-klimatische Atmosphären des friedilchen Abends, Freude, Scham). Akaba. Hoffentlich zieht Bush auch diese Sache durch, so skeptisch Homeboy # 4 auch sein mag. Kongo. Kriege, Gemetzel ohne amerikanische Beteiligung für die kürzlich wiederbelebte Friedensbewegung nach wie vor wenig interessant. Mittels diverser Verwaltungstricks klappt es nun doch, allerdings erst ab 1.Juli. Wenn Hannover-Homeboys einen Zwei-Wochen-Übergangs-Job auftreiben könnten, würd ich eine Reise tun.

Freitag, 6. Juni 2003
Entwicklungsumgebungen. Frauen. Daß oberflächliches Interesse immer gleich ins Detail gehen muß. Kein Rock im Park, kein Passau, kein Tegernsee. Homeboys bleiben voraussichtlich in München. T. Bernhard verdirbt sogar mir sympathische Gedanken durch unerträgliche Übertreibung und Vereinfachung. Heidi Klum am Sendlinger Tor wieder präsent. Detlev will mit Claudia zusammenziehen. Mir ist es egal. Mittlerweile. Nehme danach eine, die Latein kann. Wirkt stimulierend. Id mihi da, Henri! Homeboy # 4 hält die neue Mitbewohnerin nach wie vor geheim, es scheint was Ernstes zu sein.

Samstag, 7. Juni 2003
Werner wieder kurz an der Hammond-Orgel! Schnäppchen-Homeboy sucht Flug nach Hannover für 19 € und kann den Aufschwung bereits spüren. Hält die meisten Bücher für interessanter als die Frauen, die einem so begegnen, Lateinlehrerinnen ausgenommen. Will außerdem an der deutschen Steinkohle festhalten. Wenig Neues und Erhellendes über Delphi, außer daß in Ermangelung von Marktforschungsunternehmen keine gefälschten Statistiken und Studien gewünschte politische Aussagen unterstrichen, sondern eben gefaked-e Orakelsprüche. Alle Ängste, alle Sorgen, sagt Möllemann, liegen darunter verborgen. Dem Club Mediterranée hatte die Arbeitsgemeinschaft Bayerischer Wald wenig entgegenzusetzen. „Due Piazze!“ Ein Korse sang das Hohelied des zoon politikon. Un homme seul est toujours en mauvaise compagnie! Abusus. Auch bei Claudia ist es spät geworden.

Sonntag, 8. Juni 2003
Katzenstreu saugt den Geruch nicht so auf, wie die Werbung es verspricht. Homeboy # 4 wieder zu alter Form aufgelaufen, steht aber vor schwerer Entscheidung. Vielleicht Umtrunk am Dienstag. Kasten Irlbacher stünde bereit. Geerntet wird im Herbst. Außer Kirschen. Und Erdbeeren. A propos Erdbeeren? Wiener Schnitzel und Erdbeerkuchen bei Oma. Hannover-Trip wegen runder Familiengeburtstage unwahrscheinlich. Hätte vielleicht in Niederbayern bleiben sollen. Claudia nicht da. Zu müde, um zu lesen. Wird das Keyboard unverstimmt aus Straubing/ Regensburg zurückkehren?

Montag, 9. Juni 2003, Pfingstmontag
Ein Backenzahn weckt finanzielle Ängste. Philosophisch-Psychoanalytische Lektüre inspiriert Gedanken an den gern mit Fremdwörtern als Sex, Erotik oder Libido umschriebenen Geschlechtstrieb. Schmitz' Engungs-Weitungs-Begriff immer nachvollziehbarer. Claudia wohl auch auf irgendeinem Open-Air. Kein Sonntagsbrot. Frauen, die Abenteuer suchen, orthographieren diese häufig nicht zu Unrecht, wie bei einem Rendezvous festgestellt werden kann, Abendteuer. Erwäge ernsthaft, hatte ich zu Gambetti gesagt, Auslöschung nicht zu Ende zu lesen. Vielleicht sollte ich es aber tun, um T. Bernhard auszulöschen, hatte ich zu Gambetti gesagt. Mitleid mit Gambetti. Um die Mittagsstunde einen gelungenen Aphorismus ersonnen, nicht aufgeschrieben und verloren.

Dienstag, 10. Juni 2003
Vielleicht Glück. Übergangsjob bis 1. Juli in Aussicht. Entscheidung am Nachmittag. Würde mich der Finanzierung einer neuen Fc Bayern Jahreskarte näher bringen. Sonnenschein. Homeboy # 4 wird alt. Will man Möllemann zur unschuldig verfolgten deutschen Lady Di hochstilisieren? Goodbye Germany's Rose. Homeboy # 4 muß einen Virus zum Geburtstag bekommen haben. E-Mail sofort gelöscht. Was tut man nicht alles für den Fc Bayern? Hasse Akquise! Obgleich ich als Chat-Blind-Dater der ersten Stunde durchaus Talent zur Terminvereinbarung mitbringe. Ich terminiere alles und jeden, ob es dann zum Abschluß kommt, einerlei. Thomas A. löscht Straubing, Regensburg, München und Bayern aus.

Mittwoch, 11. Juni 2003
Hab Claudia gefragt, ob wir die Besenkammer nicht auch noch untervermieten könnten. Trotz fast tadellosen Benehmens hat die Mundharmonika geschwächelt, zusammen mit der Bassgitarre, die nach Weinkrampf und Gipfelrausch für nächsten Alpenkurs bereit steht. Wo blieb Volkers letztes Bier? Ente mit drei Küken auf Trottoir in der Müllerstraße...
Da mir von diversen Exfreundinnnen immer zurecht vorgeworfen wird, ich würde nie lachen. Schmitz vergleicht das Lachen gern mit der Bauchwelle am Reck; es ist die Kunst, im Sich-fallen-lassen in der Preisgabe an die Übermacht eines spontan ausbrechenden leiblichen Impulses, so viel Schwung für den Absturz in personaler Regression zu nehmen und diesen so zu wenden, daß er im Triumph zur Erhebung auf ein Niveau personaler Emanzipation zurückführt. Auch am Reck war ich eine Niete. Netten Herrn, der nicht Nein sagen kann, über den Tisch gezogen. Lediglich Homeboy # 4 wußte den Imperativ von dare zu nennen. Tombui wettgemacht. Welch triste Existenz führte ich ohne meinen gewaschenen und geschnittenen Aldi-Salat? Schnäppchen-Homeboy würde mein Baby umtauschen. Vielleicht kein Morbus Bechterew bei Eskimos nicht wegen des hohen Fischkonsums, sondern aufgrund der geringen Pollen- und Allergenbelastung? Auswandern auf die Faröer-Inseln?

Donnerstag, 12. Juni 2003
Hitze setzt mir zu. Claudia und Detlev könnten das Fenster dabei schließen. Hoffentlich zieht Unwetterfront nicht an München vorüber. Am U-Bahnsteig wartete neben mir nach dem Relief zu urteilen hochgradig schwangere Frau mit Streichholz-Beinen. Stieg aus Angst, es könnte während der Fahrt losgehen, in anderen Wagen ein. Noch keine Regenwolken su sehen. Detlev für drei Nächte in Berlin. Und es ist so heiß. Es ist Tage her, daß im Wäschekorb ein Teil von Claudia gesehen wurde, breiter als fünf Zentimeter. Das Eisfach ist noch leer. Friedlicher Schröder befaßt sich nicht mit Zeitgeschichte. Habe Bernhard nach 280 Seiten ins Regal zurückgestellt. Kann die penetrante Wiederholungsorgie nicht länger ertragen. Schwarzmalen und Depression allein wären kein Problem. Bis auf Maria interessiert mich keine Figur. Der Wind frischt auf. Hoffnung. Bei kühleren Temperaturen würde ich sogar weiterlesen.

Freitag, 13. Juni 2003
Das Schwitzen hat vorerst ein Ende. Sex wäre kein Lösung gewesen. Claudia zu anstrengend. T. Bernhard doch wieder im Handgepäck, mehr aus neurotischen Gründen. Schlafe zu wenig. Wecker tut mir nicht gut.
Gesetzt den Fall, das Gewissen, so es denn existierte, bestünde aus verschiedenen Teilen, welcher Teil belastet mich? Mich, der ich heute die dunkle Fratze des Kapitalismus und der Globalisierung aufsetzen mußte, in Sachen Outsourcing nach Indien. Belastet mich europäischer Patriotismus, handelt es sich um ein globales Unbehagen gegen alle Wörter, die mit GLOBA beginnen, habe ich meine Seele verkauft, kann ich mir noch ins Gesicht sehen? Mir ist übel. Keine WG kann mich retten. Urlaubsreif. Möchte mit Claudia für drei Monate ins Schlaflabor, um zu vergessen. Ohne Sex kann ich nicht einschlafen. Geschirr gespült. Beruhigt und macht zufrieden. Ich möchte, daß Eichel von Christine Scheel abgelöst wird. Ich möchte so vieles.

Samstag, 14. Juni 2003
Kurzfilm von M. E. mit Playmobilanimationen. Keyboards Wohnung als Kulisse nicht geeignet, zu sehr Altbau. Türsteher mit Gewehr in der Müllerstraße. Keyboard ohne Worte und glückselig lächelnd.
Ausgeschlafen. Ausgeschwitzt. Voller Energie. Vielleicht Generalangriff auf Claudia am Abend. Oder neues Projekt. Mysteriöse Panne in Garching. Homeboy # 4 schweigt. Sturm sorgt für belebende Abkühlung. Spontan-Blind-Date. Claudia rumzukriegen wäre ohnehin unwahrscheinlich, alle paar Stunden trudelt ein Kontroll(?)-SMS von Detlev ein.

Sonntag, 15. Juni 2003
Gesehen bei Gerti: Ruth-Maria von F. (verarmter rumänischer Landadel), vor ihrem geplanten Kurztrip nach Verona, in Begleitung von Henri Hochofen und Thomas Andretzky. Paparazzi folgen ins Lamms. Phillip trifft wunden Punkt der Adligen. Fast ein Abend wie im Peck-Klassiker „Ein Herz und einen in der Krone“. Nach Ankündigung, noch ein Hühnchen rupfen zu wollen, wie immer Henker und Henkersmahlzeit im Blick, extralegaler Abgang von Andretzky. Venceremos weckt Erinnerungen. Wäre Kafka mein Freund gewesen, meint Andretzky, wäre er 90 Jahre alt geworden und völlig unbekannt verstorben. „Franz, der Job bei der Versicherung ist nichts für dich! Du brauchst Muße! Du mußt schreiben!“ Ratiopharm verwöhnt mich. Nachmittags mindestens fünfmal die Zwillinge gesehen. Bei Christiansen, Gauweiler war da, wäre ein Ratiopharm-Spot angebrachter gewesen.

Montag, 16. Juni 2003
Unwillig. Unausgeschlafen. Grantig. Erste Worte meiner temporären Vorgesetzten: „Ohne dir nahetreten zu wollen, schaust aber ned grad fit aus!“ I couldn't acquire. To anything higher. Keyboard deutet an, daß ich demnächst das Schicksal der Karrierefrau von der Au teilen würde. Wenn ich Mitmenschen nicht auf mögliche niveaulose Beleidigungen, wie bereits vorgekommen, vorbereiten darf, setze ich andere dem Risiko einer Konfrontation auch nicht mehr aus. Beende heute Schmitz, ihm mehr gewogen als zu Anfang, aber nicht verwundert, daß die Rezeption ihn bisher vernachlässigte. Seehofer in mein Schattenkabinett aufgenommen. An seiner Seite bisher Lafontaine, Ströbele und Schlemihl. Wundersame Regierung. Claudia hätte auch gern einen Adelstitel. Dabei würde das „von“ gar nicht mehr auf den Briefkasten passen.

Dienstag, 17. Juni 2003
Traum. Urlaub. Netter Küstenort. Halbstündiger Ausflug, Aufstieg. Wunderbare Aussicht. Ganz Deutschland als Umriß erkennbar. Im europäischen Meer? Westlich davon Großbritannien. Abwesenheit von Claudia, Frankreich, Österreich u.s.w. nicht bemerkt. (Nachträglicher Untertitel: Hochofen prophezeit Schmelzen der Alpengletscher.)
Strebe Kochabend mit Ruth-Maria von F. an. Hoffnung für das Baby. Canon-Vertragswerkstatt in München. Darlehen von Homeboy # 4 sichert Lebensstandard: FCB und Eisenpräparat. Claudia hat Jelängerjelieber-Seife gekauft. Wird Zeit, daß sie mit Detlev zusammenzieht.

Mittwoch, 18. Juni 2003
Um der Feiertage willen muß der Katholizismus erhalten werden. Ruth-Maria von F., inklusive Entourage, zum Landsitz in der Nähe von Verona aufgebrochen. Gerade Misanthropen wie mir ist sehr daran gelegen, in diesem Land kein Klima sozialer Kälte aufkommen zu lassen. Ehe die Stachelschweine näher zusammenrücken. Suche übers Internet Heimfahrgelegenheit nach Niederbayern. Claudia mit WG-Schirm unterwegs. Arbeitsbescheinigungen endlich eingetroffen. Am Freitag zum Arbeitsamt. Bitte unterstützt die Petition für ein softwarepatentfreies Europa. Es wird eng.

Link zur Petition gegen Softwarepatente!

Endlich wieder Wetter, wie ich es liebe. Seit ich von meinem Backenzahn erzählt habe, wartet Claudia mit selektiver Wahrnehmung auf. Entdeckte klassischen Versprecher bei der Ankündigung eines Seehofer-Beitrages im Zeitspiegel im Anschluß an dieses Rundschaumagazahn. Tröste mich in notwendigen Thomas-Bernhard-Pausen mit Ringelnatz-Gedichten.

Donnerstag, 19. Juni 2003, Fronleichnam oder so
Bernhard ausgelöscht. Begleitbuch zur Depression. Lese höchstens noch „Holzfällen“. Aus germanistischen Gründen. Nicht in den nächsten Jahren. Landesvater im Wahlkampf. Feiertage und Zahnlücken gehören zum bayerischen Lebensgefühl.

Freitag, 20. Juni 2003
Mein persönlicher Personalsachbearbeiter Herr Schnäbele auf meine Frage, wie er die Wahrscheinlichkeit der Zustimmung des Personalrats zu meiner Einstellung bei diesem Job beurteile: „Sehr schwierig.“ Wenn jemand meine Wohnung übernehmen würde, wäre ich imstande, mich auf eine trotzige Verrücktheit einzulassen. Arbeitsamt wie erwartet unverbindlich. Claudia hat Déjà-vu. Ich selbst blick gar nicht mehr durch. Zahnschmerzen. Kopfschmerzen. Schwer kontrollierbare emotionale Energie im Anstau. Dubiose private Arbeitsvermittler verlangen Provisionen für die Vermittlung noch dubioserer Freiberufler-Jobs, Provisionen höher als das angegebene, wahrscheinlich illusorische Monatsgehalt. Vermute, Anbieter dieser Jobs kassieren bei Provision mit. Hartz sei Dank, man akzeptiert auch Arbeitsamtgutscheine. Wo und wie kriegt man die? Online Mitfahrgelegenheit um 21:00 Uhr. Allen Alkoholikern aus der Gruppe, denen ich zuletzt den Rat gegeben habe, besser nichts mehr zu trinken: ich muß mich revidieren. Homeboy K. meint, auf keinen Fall abrupt aufhören, schön weiter trinken, genauso viel wie vorher, den Level halten, nicht ohne ärztliche Aufsicht mit dem Reduzieren anfangen.

Samstag, 21. Juni 2003
Mit A3 auf A92. 200 km/h. Wurde erstaunlich selten bleich. Lediglich einen BMW überholt. Neuer Jägermeisterspot gefällt. Auf das elementare Zerwürfnis des Seins. Schwesterherz hat Flug nach Mexico gebucht. Zulassung bereits im I-gib's-einfach-ab-Zustand. Papa läßt den Elektogrill an. Oma und Katze Mittelpunkt der kleinkinderreichen Nachbarschaft. Makay flirtet mit Barcelona. Namenlose Katze mit 40 Grad Fieber. Bekommt jeden Tag Antibiotika gespritzt. Bin die Ruhe selbst. Bei entsprechender Nachrichtenlage würde eine Explosion nächste Woche nicht überraschen.
Keyboards finanzielle Lage scheint sich zu bessern, hat redundante Handykurzmitteilungen wieder im Programm. Heimrechner von Virus gesäubert, diesmal Lovegate.F.

Sonntag, 22. Juni 2003
In der Stunde des Schmerzes nach wie vor auf überirdische Mächte konditioniert, die mich von jenem befreien sollten. Diclofenac in München vergessen. Ansonsten Rommé mit Oma und Cousine. Sieg. Heuschnupfen bei der älteren Generation noch immer nicht so anerkannt wie beispielsweise Leberzirrhose oder Röteln. Zu den Auswirkungen der Allergie auf die Lebensbereiche Freizeit und Ernährung meinte Oma lapidar: „Schamts eich!“ (hochdeutsch: Schämt euch) Brechen umgehend zum fünfzigsten Geburtstag von Tante 1 auf. Ganzes Dorf mit Geburtstagssteckbriefen plakatiert.

Montag, 23. Juni 2003
Schon durch die Erwähnung von Ludwig Klages hat sich Hermann Schmitz gelohnt. Genau der in dieser Woche benötigte Ton. Kommt man uns aber mit den abgedroschenen Redensarten vom „Schädlichen“ und „Fördernden“, so ist zu bemerken, daß Nützlichkeitsüberlegungen in der Lehre des Lebens überhaupt keine Stelle haben!. Ruth-Maria wieder in Bayern, kommt vielleicht mit zur Bassgitarre. Sucht Keyboard Gespräch mit Frau Hohlmeier am Marienplatz? Nein. Laut Claudia Recycling-Müll zu entsorgen. Wollte abnehmen. Jedoch. Wie immer, wenn ich auf gute Nachrichten warte, verfalle ich einem Gelüste nach Kartoffelchips. Anderenfalls drohten unkontrollierbare Übersprungsonanien.

Dienstag, 24. Juni 2003
Konnte Keyboard zum ersten Mal seit 8 Monaten nicht pathologisieren, benutzt die Argumente der Gegner, entsagt dem nebulösen Gerede von extralegalen Hinrichtungen, seine Worte nicht so sehr semantisch bedeutsam, sondern als gewaltige Ohm-Meditation zu sehen. Gibt außerdem seine frühen Gedichte frei. Claudia favorisiert den linken Hund (Text steht rechts!). Hoffnung für Band und Lesch-Parodie. Klages läßt mich am Geschlechtstrieb zweifeln. Leide vielmehr an Trieb zur Wollust. Nichts Neues vom Personalrat. Vormittagsgewitter zu früh zu Ende. Reiner S. auf Linux umgestiegen. Zum letzten Mal die Karl-Valentin-Straße gekreuzt. „Grüß Gott, mein Name ist Henri Hochofen von der XY GmbH. Wir sind ein mittelständisches Unternehmen und entwickeln und fertigen elektronische Bauteile und Geräte...“ Aquise-Trauma. Linderung durch autogenes Training? Bassgitarre hat die Sonne im Herzen. Zum zehnten Mal in diesem Monat Nudeln mit Tomatensauce.

Mittwoch, 25. Juni 2003
Keyboard geheilt. Ich wußte, es würde geschehen, irgendwahn. Ruth-Maria von F. outet sich als Kontrollverlusttrinkerin. Tropische Nächte. Claudia völlig unbekleidet, im Bad, in der Küche, sogar bei der Zigarette in meinem Zimmer. Wenn Detlev erwartet wird, schlüpft sie in einen Baumwollbikini. In Kronach wird ein Clown für Vogelkostüm gesucht. An solche Jobs kommt man nur als Student. Frau von F. korrigiert: nicht Kontrollverlust-, sondern Frustverlusttrinkerin. Hans Mahr zeigt sich in seiner Reaktion auf gefälschte E-Mails mit Homeboy junior wesensverwandt.

Donnerstag, 26. Juni 2003
Diclofenac. E-Mail an Herrn Schnäbele, ob die Anforderung weiterer Unterlagen von Frau Westermeier von der Bezügestelle einen Routinevorgang darstelle oder für eine positive Enscheidung des allmächtigen Personalrats zeuge. Prompte Antwort, alea iacta est. Nun auf der Suche nach Minijob. Stundenlang in der Küche, für ein Schüsselchen Zucchini. Bäder hätte mich angesichts der zu erwartenden Schrumpfung warnen müssen. Claudia hat nicht geholfen. Der Recycling-Müll, den ich in meinem Zimmer zwischengelagert hatte, steht jetzt wieder in der Küche.

Freitag, 27. Juni 2003
Attac-Newsletter bestellt. Ruth-Maria wundert sich, daß in Bayern jede Party „Fest“ genannt wird. A propos Fest, bei Klages heißt es, daß im Vergleich zur zermürbenden Furchtbarkeit des seellosen Heute das Laster des Trinkens noch einen festlichen Schimmer bewahrt. Wohnung riecht nach Knoblauch und Pommesbude. Auch Tote im Libanon werden für die Friedensbewegung erst interessant, wenn sie von Amerikanern verursacht werden. Ich weiß, ich wiederhole mich. Der Getränkeindustrie gehen die Flaschen aus. Dies konnte die Bundesregierung nun wirklich nicht vorhersehen. Der Kalauer sei dem Leser vorbehalten. Sechsmonatigen Arbeitsvertrag unterschrieben. Gipfel der Bürokratie! Oder wie Ruth-Maria von F. meint, ein Gebirge in meinem Kopf?

Samstag, 28. Juni 2003
Bassgitarre wurde 30. Homeboy # 4, Ruth-Maria und Keyboard anwesend. Nichts gesehen, nichts gehört und sag auch nichts (mehr). Bin von den Böllschen Beschwerden geprägter, als ich dachte. Die da wären: Monogamie, Melancholie und Kopfschmerz. Kühlschrank hat Phantomschmerzen. Auf der Party gabs auch nichts zu essen. Pseudobringer doch der Bringer. Keyboard Übersprungshetero oder doch fiftyfifty. Claudia ausgeflogen. Kann mir in ihrem Zimmer Klagenfurt ansehen, lasse aber die gebührende Aufmerksamkeit vermissen. Radisch mit neuer Frisur. Football is coming home. Im HL-Markt reden mehrere Kunden mit sich selbst und dem Gemüse.

Sonntag, 29. Juni 2003
Sex mit Ex. Verwische alle Spuren, bis Claudia zurückkommt. Kanzler gibt Interview im Park, Stoiber an der Isar. Schönwetterparolen. Neuer Homepage-Style (reine CSS-Navigation). Reiner S. wird mir auftretende Probleme sicher mitteilen.

Montag, 30. Juni 2003
Stammleser Reiner S. moniert fehlende Leserbriefecke. A Gästebuch brauch i net. Relevante Fragen und Anregungen werden im Tagebuch oder in den FAQs behandelt. Platonische Streicheleinheiten waren der Grund, warum sich das Keyboard mit einer Dame im Clo einschloß. Ein Herr bei Aldi mußte alle 100 Tüten Schnittsalat in die Hand nehmen und dreimal umdrehen, bis er sich für eine Packung entscheiden konnte. Drei Minuten hinter ihm gewartet. Fassungslos ihn auch noch die Kisten umschichten lassen. Wegen neuen Gesetzes erneute Vorsprache im Arbeitsamt in drei Monaten. Noch kein Mini-Job in Sicht. Grünen von mir nicht mehr wahrgenommen. In einem Schiff in Seenot schafft nur einer an. Der Kapitän ertrinkt immer zuletzt.


[weiter zu Quartal III (2003)]

 

© Henri Hochofen 2003