Tagebuch von Henri Hochofen
6. Januar 2003
Kein Sex mit Claudia heute. Gerhard Schröder immer noch im Amt, ungläubig gestaunt. Die Passivität hat ein Ende, das Studium ist vorbei, morgen wird die Gitarre wieder ausgepackt, nach drei Jahren wieder einmal in der Harp. Schlagzeile HENRI HOCHOFEN LERNT VIERTEN AKKORD! Europaapotheke am Bahnhof (Schützenstraße) ging heute abend die "Pille danach" aus...
7. Januar 2003
Kein Sex mit Claudia. Ein Freund mailt mir den Rat „magis expedit inguina quam ingenia fricare“. Soll ich das übersetzen lassen? Was soll es nützen? Wahrscheinlich bleibt für heute ohnehin nur Masturbation. Bei der Gitarre fehlen noch zwei Saiten. Über mir wird renoviert. Meine Fenster sind die einzigen der Straße, die seit über einem Jahr nicht mehr geputzt wurden.
8. Januar 2003
Claudia hatte Migräne. Wahrscheinlich setzen Kälte und Schnee ihr zu. Nach einer harten schlaflosen Nacht hab ich mein Testament geändert. Werde mich doch nicht einäschern lassen, sondern meinen Körper der Deutschen Rheumaforschung zur Verfügung stellen.
10. Januar 2003
Claudia schlief bei einer Freundin. Hab gestern Nacht von Sigmar Gabriel geträumt. Da soll noch einer behaupten, Talk-Shows seien harmlos (war Gast bei Maybrit Illner). Bevor ich es meinem Therapeuten erzähle, muß ich erst nachlesen, was der Traum bedeuten könnte.
11. Januar 2003
Telefonkonferenz mit den Homeboys. Vereinbarung eines Benefizkonzerts für arbeitssuchende Mathematiker. Offen: die Baßgitarre und das Schlagzeug. Homeboy Nr. 1 [mittlerweile Nr.4] meint, daß weniger Pointen der Sache mit Claudia förderlicher wären, ich aber meine, Claudia sollte mal mit zu meinem Therapeuten gehen.
12. Januar 2003
Vielleicht hat Claudia einen andern? Heute schon um 14:00 Uhr aufgewacht, es war noch hell. Stolpe warnt Schröder vor Wortbruch im Irak-konflikt und faselt irgendwas von Glaubwürdigkeit. Hat er den Wortbruch nicht geadelt? Ja, ich habe den Koalitionsvertrag gebrochen. Ich sollte die Zeitung wieder abbestellen. Zur Zeit ist sowieso keine Bundesliga.
13. Januar 2003
Konstantin Wecker hat in Bagdad ein Stück Brot geschenkt bekommen.
Die CDU betet, daß drei Wochen lang nichts, aber rein gar nichts geschehen möge, keine gute Wirtschaftsnachricht, keine Irak-entscheidung, keine historischen Vergleiche, keine Richtungsdiskussionen und kein Hochwasser. Y après le déluge.
Gesellschaft und Politik haben aufgegeben, Globalisierung wenigstens in Frage zu stellen. Keine Visionen am Horizont, an deren Verwirklichung geglaubt werden kann. Das gilt auch für mich persönlich, was den Sex mit Claudia angeht. Der internationale Wettbewerb, ihre Situation in der Arbeit, der Zwang zur Selbstvorsorge, die biologische Uhr usw.
14. Januar 2003
Hab Claudia den ganzen Tag nicht gesehen (???). Hab gelesen, Antidepressiva machten weder abhängig, noch seien sie persönlichkeitsverändernd. Soll das heißen, ich hätte mir als Kind das Sanostol sparen können? Die Amerikaner verstärken ihre Truppen, Blix warnt u.a. vor Kosten des Krieges– vorsichtshalber mein Feuerzeug aufgeladen.
15. Januar 2003
Gerhard Schröder hat wieder gut lachen, wie es aussieht. Er muß es ja nicht bei Claudia probieren. Das Hartz-konzept scheint langsam zu greifen, oder wie soll ich den letzten Satz folgender bei www.arbeitsamt.de veröffentlichten Stellenanzeige interpretieren. Sieht mir sehr nach Kopfgeld für Sozialhilfeempfänger aus.
Bestellwesen,Datenbankpflege,Werbung, s.g.Deutschktn.in W/S,gute PC-Ktn.(Word,Excel,Internet) **AZ:Voll/Teilzeit 38,5/28 Std/wö möglich**Bewerber müssen vorwiegend Sozialhilfe beziehen************
16. Januar 2003
Vielleicht fehlt mir sex appeal? Schon wieder Sonnenschein, das Wetter sollte zur wirtschaftlichen Lage passen. Undefinierbarer Zweifel an dem Ziel der Ichlosigkeit und der physischen Todesbereitschaft östlicher Philosophien (Bogenmeister, Schwertmeister). Neurotischer Überlebenswille und Selbstverhaftetsein? Gedanken zum Dünsten von Sojasprossen.
18. Januar 2003
Claudia ist gestern heimgefahren. Trotzdem tanzen nicht die Mäuse. Memed mein Falke auf zwei Tage durchgelesen, türkischer Robin Hood gewürzt mit tragischer love-story. Große Stoffe scheint es in der Tat nicht viele zu geben. Zumindest in den letzten zweitausend Jahren, wenn wir von der Lindenstraße absehen.
Wenn Schröder&Co wirklich gegen den Krieg wären, dann dürften sie sich nicht darauf festlegen, daß sie bei einer neuen Uno-Resolution mit Nein stimmen. Denn dann wird es so hingedreht, daß es keiner zweiten Resolution bedarf, und es kommt zu dieser Nein-Stimmabgabe gar nicht. Die Festlegung auf ein Nein, bevor überhaupt klar ist, ob es zu einer Abstimmung kommt, verhindert also nicht den Krieg, sondern eher die Abstimmung.
20. Januar 2003
Bei unserem Monatstreffen (arbeitslose anonyme Alkoholiker) der wirtschaftlichen Lage im Lande gedacht. Immer noch Kopfweh. Kaum 100 Mal an Sex gedacht. Ist das schon die angekündigte Grippewelle.
21. Januar 2003
Wenn man sein Unfallrisiko selbst versorgen muß, hör ich mit dem Schachspielen auf. Aus Solidarität mit den Fußballern. Rotkäppchen und der Schwan und Harry Potter and the philosophers stone gelesen. Again no sex with You-Know-Who!
23. Januar 2003
Brauchte für ein Rezept Creme fraîche. Eine Stunde das Kühlregal von HL durchsucht, nichts gefunden. Hätte es Sauerrahm auch getan? Das Kochbuch ist nicht mehr neu, der Autor bereits verstorben, wie man mir beim Verlag mitteilte. Claudia legt mir jeden Morgen ausgeschnittene Stellenanzeigen auf den Tisch, doch ich les lieber den Feuilleton. Wären die Nächte befruchtender, könnte ich auf den Feuilleton vielleicht verzichten. Jetzt sagt sie auch noch, es heißt das Feuilleton. Wos woaß i? Gut, daß sie sich mit dem Computer nicht auskennt.
27. Januar 2003
Fußballbundesliga. Claudias Launen werden wieder sekundär. Bin kein idealer Gast für eine Feuerzangenbowle. Konnte aber einmal lachen.
28. Januar 2003
Wo war Schröder, als der Krieg gegen Afghanistan beschlossen wurde? Stehe auf die ratiopharm-Zwillinge. Ratiopharm? Gute Brüste. Gute Besserung. Claudia ist gestern abend nicht nach Hause gekommen. In der Arbeit ist sie auch nicht zu erreichen. Bin nicht besorgt. Is this the end?
31. Januar 2003
Wer sang eigentlich „Ramona“? Morgens fährt alle zehn Minuten ein Bus nach Ismaning und glücklicherweise auch wieder zurück. Den Schlaf vor Zwölf Uhr holt man nie wieder rein, ich hätte nicht so früh aufstehen sollen. Claudia (obiges Intermezzo habe ich verdrängt) hat gesagt, sie kann keinen Orgasmus mehr bekommen. Sie ist noch so jung. Armes Ding. Thomas Andretzky jetzt online. Was soll man von Friedensdemonstrationen halten, solange sich keiner aufregt, daß täglich zig-Tausende Kinder verhungern. Vielleicht sollte Claudia einfach wieder mit mir schlafen?
1. Februar 2003
I dreamt a dream tonight. Kein Faible für Shakespeare.
Die Homeboys lassen mich beobachten. Alibi ist aufgeflogen. Claudia hat nichts bemerkt. Der Februar kam zu früh, auf MVV hätt ich gut verzichten können. Der Sonnenaufgang verwischt ihre Spuren, und der Schneefall dauert an. Sometimes it snows in april. Es gibt Tage, da wär ich gern das Bunny...
2. Februar 2003
Ramona hat Mitleid mit Claudia. Ich glaube wie der Kaiser, das Sexuelle wird häufig überbewertet. Ab heute wird gejoggt. Vielleicht trifft man das freche rothaarige Mädchen vom Luitpoldpark. Nein, der Luitpoldpark ist groß. Wieso sollten Musen nicht küssen können? Ein Freund fürchtet die midlife-crisis, die ich gottseidank schon hinter mir habe. In Claudias Tagebuch gelesen, daß ich im Schlaf gesprochen hätte. Es sei ein Name gefallen. Gut daß ich mich auf diese Auseinandersetzung vorbereiten kann. Wie es auch ausgehen mag, der Videorecorder bleibt bei mir.
3. Februar 2003
0:08 Uhr.
Kaum siedelt man zwei bayerische Arzt-Familien nach Hannover um, drehen sich auch schon die Machtverhältnisse. Hab Ramona alles erzählt. Sie wirkte betroffen und hat dafür gesorgt, daß Claudia und das rothaarige Mädchen, dessen Namen ich hier nicht nennen will, im Café Schwabing zusammen ein Stück Nußtorte aßen. Resultat: Exodus. Zurück blieben eine nicht geputzte Küche, eine alte Zahnbürste, ein vergessener abgebrochener Absatz, je ein Foto in meinem Portemonnaie und eine Notiz, daß Claudia für einige Zeit bei ihrer Mutter zu erreichen sei. Die Rothaarige soll sich nach Passau abgesetzt haben. Ein Homeboy, dem man in Sachen Frauen allerdings nicht trauen kann, hat wenigstens ihre Visitenkarte. Soviel zum Thema Ehrlichkeit.
2:45 Uhr.
Es war auch ein Fehler, kundzutun, daß Das Parfum in meinem Bücherregal unter dem Faust plaziert ist. Platziert hätte Claudia verbessert. Die Rothaarige hat eine email geschickt. Sie will auf absehbare Zeit nicht mehr in jemands Arem liegen. Was meint sie? Harem oder Armen? Wenn sich das mit Claudia und dem Medizinstudenten als etwas Ernstes herausstellt, kann doch von einem Harem nicht mehr gesprochen werden, wahrscheinlich meint sie in jemands Armen, nicht in jemands Harem. Dumm gelaufen. Hätte mich dieser Ramona nicht anvertrauen dürfen.
4. Februar 2003
7:45 Uhr.
Der Medizinstudent ruft mich an, was ich mit Claudia gemacht hätte, sie sagt, sie will mehr Freiraum, ihr Single-dasein genießen, könne sich jetzt höchstens eine Brieffreundschaft vorstellen. Den Schmarrn hat sie sicher von der Rothaarigen. Gestern passende Kabarettpartnerin kennengelernt. Astrid. Manko: Kann kein Bayerisch. Claudia hätte wenigstens bügeln können, bevor sie mich verließ. Jetzt hab ich für mein Vorstellungsgespräch nichts anzuziehen. Die Schuhcreme hat sie auch mitgenommen. Noch ein letzter Test. Warum sollen wir uns für Sie entscheiden? Was wollen Sie sonst noch über sich erzählen? Was war ihr größter Mißerfolg?
11:45 Uhr.
Sehr angenehm. Die Firma würd ich nehmen. Mußte nicht einmal falsche Tatsachen vorspiegeln. Lediglich die Sache mit Astrid wurde verschwiegen.
17:45 Uhr.
Claudia steht in der Küche und macht einen Schweinebraten, wie wenn nichts gewesen wäre. Glaubt wahrscheinlich, daß ich den Job bekomme. Dann hat sie die Wohnung für sich.
Im Fußball gewesen. Geweint. Vor Glück.
5. Februar 2003
Claudia wollte Sex. George Benson aufgelegt.
your eyes don't shine
not like they used to shine
and the thrill has gone
when your lips meet mine
I'm afraid, the masquerade is over
and so is love
and sohoho is love...
your words, they don't mean
what they used to mean
they were once inspired
now they're just routine
I'm afraid, the masquerade is over
and so is love
and sohoho is love...
Sie hat verstanden. Lilith ist Adams erste Frau. Die Rothaarige hat zu tief in meine Seele geblickt. Eben fällt mir ein, daß ich Thômls Geburtstag vergessen habe, trotz Erinnerung letzte Woche. So was passiert, wenn einem seine Traumfrau über den Weg läuft und man dann ein paar Tage träumt, sie wäre stehengeblieben. This dream is over.
6. Februar 2003
Sie ist nicht stehengeblieben, die Zeit. Pas de deux – Passau – Passé. Darf nicht vergessen, meine Bücher zurückzubringen. Zwei Homeboys haben gesagt, nirgendwo trifft man so viele hübsche Frauen wie in der Stadtbibliothek. Im Kurz & Fündig wegen Nachmieter(in) für Claudia inseriert, erscheint Dienstag. Oder sollte ich statt Brennesseltee doch lieber einen Roten trinken. Bring back my Bunny to me.
14:45 Uhr.
Vielleicht sollte ich mir einen netten jungen, alleinstehenden, gut betuchten Mann mit Schwäche für P. Süskind ins Haus nehmen, um die Rothaarige anzulocken. Militat omnis amans.
17:00 Uhr.
Dreimal Süskind ausgeliehen. Damit niemand sagen kann, ich hätte nicht alles versucht.
7. Februar 2003
Den Kontrabass gelesen. – Aber das am Rande. Kann mich nicht verbiegen. Sagt doch der frauenverstehende Homeboy: „Oder glaubst du, ich sammle Visitenkarten einfach so?“ Da hatte ich ihm einmal ein zweckfreies Tun unterstellt. Zwecklos. Niemand mehr da, der mir das Frühstück macht.
14:15 Uhr.
Die Taube gelesen. Das hätte dem Kontrabass-spieler auch passieren können. BIN ICH SCHON NEUROTISCH! Werde aufgrund einer Vorahnung auf die Geschichte von Herrn Sommer verzichten. Rothaarig beeinflußte Bewußtseinstrübungen haben schon viel zu viel bewirkt. Homeboy Nr. 1 und seine Ex gehen zusammen auf die Demo. „Mir wird ganz warm ums Herz“.
8. Februar 2003
Snow must go on. Die üblichen Zugangswege zum HL-Markt sind verschneit. Am Ende einer fast hedonistischen, da zu wenig maßhaltenden Nacht stand ich vor der Wahl. Luftmatratze in der Fremde, von Rebekka mundaufgeblasen. Es fuhren aber auch schon die ersten U-bahnen, für die ich mich entschied. Wäre ich nicht so schwer damit beschäftigt gewesen, nicht von der Bank zu fallen, der um halb sechs morgens offensichtlich absolut nüchterne Adac Motorsport-Leser gegenüber, mit dem rot-schwarzem Anorak und dazu passendem rot-schwarzem Rucksack, hätte mich aggressiv gemacht. Nicht selten möchte ich ein Abteil für mich allein. Die Rothaarige geht auf Exerzitien in ein nahegelegenes Jesuitenkloster. Ich baue eine Versorgungsbrücke zum HL-Markt, rechts an der Sparkasse vorbei.
9. Februar 2003
Ein neuer geheimer Schröder-plan, der eins zu eins umgesetzt werden wird. Deutsche Blauhelme besetzen neben anderen Nationen den Irak, der den Plan nach aller Erwartung ohne Androhung von Gewalt annehmen wird. Alibi-paket, oder ernsthaft kurzfristig verwirklichbar? Die Rothaarige hat nicht mal ihr Handy mitgenommen. Neuanfang suchende Seele. Ich hypochondriere an einer Thrombose. Ich hoffe, ich hypochondriere. Der Medizinstudent macht sich Sorgen um Claudia, ich fand sie stabil, weiß aber nicht, bei wem sie sich verkrochen hat. Bei ihrer Mutter ist sie nicht.
10. Februar 2003
Für rothaarige Damen mit Kaninchen bietet sich der Bestseller Red Rabbit an. Hierzu soll aber Denis Scheck in seiner neuen Sendung Druckfrisch (momentane URL http://www.daserste.de/druckfrisch/) gesagt haben: „Wärs ein Pferd, man müßte diesen Roman aus Mitleid erschießen.“ Überlasse dieses Fettnäpfchen anderen Homeboys. Trete am Nachmittag den 27. Münchner Spaziergang an. Vielleicht komm ich an der Stadtbibliothek vorbei und geb die Süskinds zurück. Uno-Inspektionen erinnern an Bundestags-Untersuchungsausschüsse.
11. Februar 2003
Seit sieben Uhr morgens läutet das Telefon, hatte extra Nicht vor 10:00 a.m. anrufen! gefordert. Die meisten wollen gleich heute besichtigen. Dachte, die Wohnungssituation hätte sich entspannt. Hab sie im 15-Minuten-Takt bestellt. Werd jeden das Gleiche fragen. Wie hast du von dem Zimmer erfahren? Was sind deine Schwächen? Wieso willst du gerade hier einziehen? Mietvorstellungen und Zusatzqualifikationen ...
Die Rothaarige ist immer noch nicht erleuchtet. Und auch wenn es immer wieder anders kolportiert wird, sei zu Ellen gesagt: Persönlichkeit? Ja. Zu große Nase? Nein. Es ist schön, daß es noch Körperteile gibt, von denen man unverfänglich behaupten kann: „Es hat genau die richtige Größe.“ Des weiteren überrascht ein Homeboy mit folgender E-Mail-Signatur:
„VERBOT: DIESE E-Mail und alle meine anderen darf weder
sinngemäß noch wörtlich, ganz oder in auszügen so
weitergegben oder veröffentlicht werden, dass bezüge
zum verfasser offenkundig werden. SIe unterliegt der Vertraulichkeit.“
Ich fürchte, den Homeboys selbst wird der Urheber solcher Zitate immer offenkundig werden.
Postkarte aus den Vorarlberger Alpen. Die Rothaarige, welche die Harry-and-Sally-Weisheit noch nicht am eigenen Leib zu spüren bekam, vergnügt sich in einer Skihütte, und wenn alles gut läuft, dann klappts auch mit dem Nachbarn. Bei den Leuten, die Claudias Zimmer anschauten, fehlte der Bringer.Morgen kommen noch zehn.
12. Februar 2003
Wohnungsbesichtigung. Nach drei indiskutablen Bewerbern stand plötzlich Claudia auf der Schwelle. Ich dachte, sie wollte den Schlüssel zurückbringen, dabei kam sie, um ihr Zimmer anzusehen, auf meiner Liste war sie als Elke um 10 Uhr vermerkt, ihr zweiter Vorname. Da stand sie nun, mit ihren Lachgrübchen und den hochgesteckten Haaren. Wurde weich. „Du kriegst das Zimmer.“ Was habe ich getan? Sie will am Abend wiederkommen, mit Hab und Gut. Zum Wiedereinzug einen Schweinebraten. Mit Knödeln. Und Sauerkraut. Meine schon relativ lang andauernde sublimierte Gefühlsstimmung wie weggeblasen. Hab kurz und heftig an Sex gedacht, aber gleich darauf an den Weltfrieden. Und daran, was Schröder noch dazu beitragen kann, die Lage zu verschärfen, ohne daß die Bevölkerung es zunächst merkt.
13. Februar 2003
Es war fast wie früher. Das Essen war gut und es kam nicht zu Sex. Wobenzym- und Homöopathie-kur begonnen. Das Länderspiel nicht gesehen.
Homepage-spezifisch habe ich die Ratgeber- und Aktuell-Links offiziell ausgehängt. Dafür jetzt endlich die guten alten Radioquizes aus den Jahren 1988 und 1989 freigegeben. Mögen keine Beschwerden von Moderatoren und Rundfunkanstalten auf mich zukommen. War doch ois a Spaß.
14. Februar 2003
Das mit Claudia entwickelt sich mehr zu einer WG. Bin noch unschlüssig, ob ich das positiv oder negativ bewerten soll. Wenigstens frische Brezen zum Frühstück. Die Rothaarige wieder im Land. Versteht sich besser mit Claudia als mit mir. Valentinstag vergessen. Mein Analytiker versucht herauszufinden, warum ich immer alles besser weiß und niemanden ausreden lasse. Genetische Gründe, meines Erachtens.
15. Februar 2003
Vier nicht zu kleine Knoblauchzehen pro Person bei einer Mahlzeit waren übertrieben. Poröse Nacht. Werbung auf n-tv, wenn der chilenische Vertreter im Weltsicherheitsrat zu sprechen beginnt. Die Rothaarige begleitet ihren Nachbarn eventuell ins Schoppenstüberl, Claudia mich zum Derby. In eine Sportsbar. SZ und TZ hat sie allerdings vergessen, was dazu führt, daß ich heute vor dem Mittagsläuten duschen und das Haus verlassen muß.
Derby erquickend. Claudia mit 60er-Schal. Hätt ich mir denken können.
16. Februar 2003
Die Rothaarige hat auf der ganzen Linie enttäuscht. Einen Homeboy in flagranti beim Heavy Chatting ertappt. Dafür hat mich ein Filmteam bei Gerdi auf dem sentimentalen Fuß erwischt. Bitte schneiden, bitte schneiden. Nicht verschwiegen werden darf, daß Homeboy Nr. 1 mit seiner Ex (?) um halb sechs morgens – sie konnten weder zu ihm noch zu ihr? – lieber an der U-bahnhaltestelle Sendlinger Tor rumknutscht als an der U-bahnhaltestelle Frauenhoferstraße. Weil sie dort von weniger Homeboys gesehen werden konnten? Schröder hat laut www.spiegel.de gesagt, daß die irakische Zusammenarbeit noch nicht gut genug sei, „Also müssen wir internationalen Druck entfalten, dass sie noch besser wird.“–
Militärischen Druck wird er wohl nicht meinen. Soll Müntefering in den Irak geschickt werden? Werde Saddam Hussein und Gerhard Schröder gemeinsam für den Friedensnobelpreis vorschlagen. Der Homeboy-band wird schon entgegengefiebert. Schlagzeug klar. „Homeboys featuring Mona und Ramona“ als Arbeitstitel abgelehnt.
Übrigens soll sich nach weiblicher Analyse hinter dem zynischen Kern der drei WG-Homeboys eine romantische Ader ohne Gleichen verbergen. Behalte mir ein Veto vor.
19:40 Uhr
Die Rothaarige hat ihr Fernbleiben mittlerweile entschuldigt. Ist mit Claudia in einer Cocktailbar hängen geblieben. So wie diese aber heute aussieht, können 5 Caipis nicht alles gewesen sein.
17. Februar 2003
Claudia unterstützt mich jetzt bei der Jobsuche, schneidet entsprechende Inserate aus und legt sie zum Frühstück vor. Übergangsweise hält sie mich für alles geeignet, bis auf Masseur. Die Rothaarige fliegt ins Rheinland. Das Zwergkaninchen wird ständig hin- und hergerissen. Als Kind ein Buch gelesen, in dem suggeriert wurde, daß Schranner rückwärts Rennarsch heißen sollte. Entdeckte die Täuschung erst heute, 25 Jahre danach. Kam drauf, als ich über unseren obersten Rede-Orsch nachdachte. (Orsch : bayerisch/österreichisch für Gesäß)
18. Februar 2003
Auch das Wort Rothaarige eignet sich nicht für reine Palindrome. Hört sich an wie Einlaufutensilien. Staatschefrhetorik in Europa immer bunter. Diesmal Chirac über die Beitrittsländer: „Sie haben eine großartige Gelegenheit verpasst, den Mund zu halten“ Um es mit Schröders Worten zu sagen: Wir wollen eine multipolare Welt mit einem vereinten Europa, in welchem lediglich die Pole Deutschland und Frankreich und meinungsgleiche Länder was zu sagen haben. In der Küche einen Kassenbon vom Beate-Uhse-Shop entdeckt. Als erste Reaktion die Ökokiste abbestellt. Claudia meckert nicht, ist zuvorkommend, hält ihre Telefonate in Zimmerlautstärke und sieht auch noch süß aus. Paradies ohne Sex. Der Mangel an sexuellem Verlangen macht mir Angst. So hab ich mir die Arbeitslosigkeit nicht vorgestellt.
Gegendarstellung: Mehrere angeblich rothaarige Frauen nötigten mich per Email, mich dafür zu entschuldigen, daß sie rückwärts nicht klängen wie Rosenquarz oder Himbeereis. Auf gar keinen Fall sollte hier ein Zusammenhang dieser Damen mit „Einführhilfen“ hergestellt werden. Sprache ist nicht logisch.
19. Februar 2003
Claudia hat Reizwäsche gekauft. Ohne Erfolg. Die Rothaarige verkennt Ursache und Wirkung. Wenn sich jobmäßig nicht bald was tut, werde ich ein glücklicher Arbeitsloser.
Opa im Krankenhaus, Schlaganfall oder Herzinfarkt. Er weiß es nicht: „Niemand sagt mir was. Die sagen immer nur, wie alt ich bin. Das ist ja überall dokumentiert. An der Auskunft hab ich nicht soviel Interesse.“ Bin optimistisch.
20. Februar 2003
Indirekt proportionalen Zusammenhang zwischen meinem Chips-, Schokoladen und Gummibärchenverbrauch und der Aussicht auf Sex entdeckt. Heute keine Süß- und Knabberwaren. Könnte offen sprechen, will aber nicht, daß Claudia etwas mitkriegt. Virus per Email erhalten. Zur Stunde dauern die Gegenmaßnahmen noch an. Die Rothaarige immer noch an der niederländischen Grenze.
Profifußball ist Showbusiness. Wenn Paramount Julia Roberts haben will, muß Paramount zahlen, was Julia Roberts verlangt. Sonst dreht sie einen anderen Film. Dafür garantiert Julia Roberts höhere Zuschauerzahlen. Die Url des Anwalts, der in eigenem Auftrag Anzeige gegen Bayern gestellt hat, lautet „http://www.mein-recht-in-berlin.de/“, dabei wäre „http://www.bert-handschuhmacher.de/“ auch noch frei gewesen. Braucht wohl Klienten. Wer will eigentlich noch alles mit der Marke Fc. Bayern Geld verdienen?
Reicht es nicht, daß ich gerade einen FCB-Song schreibe? Ich bin immerhin Fan. „Gebt dem Kaiser, was des Kaisers ist!“
21. Februar 2003
Gut gelaunt. Dies gilt nicht für alle Personen in diesem Gemäuer, was den geplanten Alpenausflug ohne Skier in Hochnebel auflösen läßt.
22. Februar 2003
Schloß Nymphenburg konnte die Alpen nicht ersetzen. Ob Claudia etwas ahnt? Geschirr nicht abgespült. Müll nicht weggebracht. Nichts eingekauft. Wird mich wohl auf das heutige Derby nicht begleiten. Hauptsache, sie erzählt der Rothaarigen nichts. Uli Höneß- Presseerklärung hat die Dinge wieder zurechtgerückt. Juckreiz. Habe noch nicht entschieden, ob ich an einer Bier-, Baumwoll-, Nikotin- oder an einer Gelatine-allergie leide. Diese Woche nur zwei Absagen bekommen.
Sonntag, 23. Februar 2003
Fast Sex mit Claudia. Fast im nichtenglischen Sinn von beinahe. Ihre Wünsche nach Kerzen, Musik, Vorspiel und Matratze zerstörten den romantischen Augenblick. (In grauer Vorzeit hätte ich sie einfach hinten am Fell gepackt) Eineinhalb Päckchen Chips und eine Tüte Gummibärchen. Die Sache ist noch nicht ausgestanden. Es gibt zwar keinen konkreten Anhaltspunkt für Sex mit Claudia, jedoch besteht nach wie vor eine abstrakte Gefahr. Die Rothaarige mag die Internationale nicht. Die Kälte. Wird Zeit, daß die Ratiopharm-Zwillinge sich ihrer Winterjacken entledigen. Da gibts doch auch was von Palmers.
Montag, 24. Februar 2003
Seltsame Träume. Die Rothaarige zum ersten Mal dabei, gleich mit einer Sprechrolle. Außerdem eine Frau von früher, mit der nie was war und die irgendwas Selbstgekochtes mit sich führte. Was genau der Topf verbarg, ich weiß es nicht. Ich hoff, es war nichts Wichtiges. Die meisten Homeboys haben mit der Traumdeutung nicht viel am Hut. Seit Süskind Lesehemmung. Am Nachttisch liegt ein spanisches, anspruchsloses Buch, das ich vor neun Jahren aus Südamerika mitgebracht habe. Vielleicht sollte ich mir zur Motivation und Unterhaltung einen Mensching gönnen, obwohl mir mein letzter Mensching nicht so zusagte. Weltpolitisch brechen meine Bedrohungsneurosen wieder durch.
Dienstag, 25. Februar 2003
Entfesselte Helden gesehen. Schöner Film. Heißt es nun Kuweit oder Kuwait? Gespannt, wann Schröder sein Chirac-Konto überzieht. Claudia wundert sich, daß ich nicht von ihr träume... Mich beruhigt dies eher. Erwarte heute eine unerfreuliche Jobabsage. Nehme den Ärger antizipatorisch vorweg, um am Telefon Gelassenheit zu demonstrieren. Trinke zu wenig und heize zuviel.
Mittwoch, 26. Februar 2003
Schönbohm will Folter bei Terror-Verdacht. Verdächtig. Habe unbemerkt einen Lichterzug von Augustenstraße 23 bis Augustenstraße 25 gegen dieses Vorhaben organisiert. Evi Sachenbacher zweifellos ein Bringer. Thôml versucht nicht mehr, die Welt zu revolutionieren: „Ça va pas changer le monde...“ Gegen 23:30 Uhr am gestrigen Abend ist es mir endlich gelungen, die Rothaarige zu vergessen. Trotzdem nicht mit Claudia geschlafen. Bei der Jobsuche nur noch einen Trumpf im Ärmel. Muß bluffen.
Donnerstag, 27. Februar 2003
Wie weiland Marlene Dietrich kämpft Angela Merkel in Amerika gegen die deutsche Regierung. Claudia war beim Friseur. Spiegelte vor, nichts zu bemerken. Steht ihr aber. Hätte Lust auf eine Partie Fernschach. Leider hat der Computer dem Unterschleif Tür und Tor geöffnet. Die Motivation für meine tägliche Expedition nach www.arbeitsamt.de, www.monster.de, www.stepstone.de, www.jobpilot.de, www.jobscout24.de, www.die-job-boerse.de und www.jobber.de läßt nach. Aufgrund irgendwelcher Anmerkungen auf irgendwelchen Akten werden Rückschlüsse auf Dürers Sexualleben gezogen. Wenn ich sterbe, verlange ich, daß meine Pornosammlung mit mir zusammen verbrannt wird. Noch immer erkundigen sich Homeboys besorgt und listig nach der Rothaarigen, für welche am Wochenend, wenn Windpocken dies nicht verhindern, die historische Chance bestünde, alle Homeboys zusammen zu sehen. Hoch Helga nervt langsam.
Fürs Blutspenden gibts 20 €, meint die Rothaarige, ob ich sie nicht mal begleiten wolle. Die genetische Intelligenz der Frau. Dabei hab ich ihr schon mal gesagt, daß die mein Blut nicht haben wollen.
Freitag, 28. Februar 2003
Verzweiflung. Fast hätte ich mich für eine Stelle in Nürnberg beworben. Claudia war dagegen. Habe nicht gefragt, wo sie gestern übernachtet hat. Fenster geputzt. Doppelverglasung. Im Zwischenraum klebt eine Fliege an der Scheibe. Bedauerlich. Auch für die Fliege. Die Rothaarige laboriert an einem Freizeitstresssyndrom. Sie hätte länger auf Exerzitien bleiben sollen. Glaube an den Schwarz-Weiß-Film. Pflegeversicherung soll abgeschafft und durch private Vorsorge ersetzt werden. Vielleicht der richtige Weg, um die hohe Lebenserwartung zu senken. Dafür sorgen die Erben. Ein homosexueller Freund unterstellt mir Homophobie. Sehr egozentrisch. Schließlich gilt meine latente Misanthropie auch süßen Heteros.
Samstag, 1. März 2003
Ein Homeboy verspätete sich zu einem blind date und wurde trotz Anzugs und TZ im Knopfloch nicht erkannt. Anschließend gab mir ein Freund zu verstehen, daß ich die Bedeutung seiner Verwandtschaft mit M. (San Diego, Kalifornia) intellektuell nicht gebührend einzuschätzen weiß. Er drückte sich dabei wesentlich drastischer aus, verschwand mit mehreren Flaschen Bier, wurde an der Isar von fröhlichen Passanten aufgelesen, die zufällig im Nebenhaus wohnten und ihn bei sich aufnahmen. Die Rothaarige tanzt unterdessen auf mehreren Hochzeiten. Was hat sie nur immer mit Samstag, das Faschingswochenende geht natürlich bis Dienstag. Fünf Uhr morgens. Zeit zu schlafen. Wo ich war, ist der Kunde nicht König, sondern Gast. Es waren keine Informationen über die erwarteten, entfremdeten Homeboys zu bekommen. Wohl doch Windpocken. Quarantäne.
Sonntag, 2. März 2003
Claudia in Rundfunkball, nun weiß ich, wofür die Uhse-Strapse gedacht waren. Was haben der momentan unruhigste Homeboy, im folgenden nur X genannt, und ich so erlebt? Zunächst die Rothaarige, über welche heute nur ein biologisch visuelles Urteil abgegeben werden kann, da Kommunikation aufgrund der Kalenderlage und Lautstärke sprachlich kaum möglich war. Aber sie machte auch hier keine schlechte Figur. X versuchte anschließend den alten Homeboy-Trick, „Des is d'a Henri!“, der wie immer nicht funktionierte, aber nach wie vor sehenswert ist. X hatte ja auch noch seine Hosenträger, deren vorderes Ende zu vorgerückter Stunde noch an diversen Oberteilen von weiblichen Bargästen befestigt wurde und je nach Blickwinkel und Tanzstil verschieden tiefe Einsichten zu bieten versprach. Mein Sehvermögen war allerdings schon ziemlich eingeschränkt.
Zwei Kilo zugenommen. Um nach diesem verlorenen Sonntag Nachmittag mit Schnitzler zu sprechen. „Ärgere mich über mich selbst, bin aber sehr nachsichtig.“
Montag, 3. März 2003 (Rosenmontag)
Der Typ, der vor kurzem Millionär geworden ist (Und Sie können das auch), ist auf dem Boden geblieben und turnt trotz seiner Rückenprobleme für die AOK auf Bäumen rum. Der Irak meldet Fund verschollener Anthrax-Erreger, befürchte eine die Amerikaner isolierende Lobeshymne von Hans Blix. Vier Bewerbungen abgeschickt. Dank Cut and Paste machen mir auch Sätze wie „Über ein persönliches Gespräch würde ich mich sehr freuen.“ nicht mehr viel aus. Claudia meint, das müsse sein. Google gibt mein Rombach-Projekt „Welt und Gegenwelt“ nicht zufriedenstellend wieder.
Dienstag, 4. März 2003 (Faschingsdienstag)
Rap-Text geschrieben. Titel Die Frau ausm Internet. Hat nichts mit der Rothaarigen zu tun. Claudia findet ihn ganz gut, muß ihn eine Woche ruhen lassen, um ihr Urteil überprüfen zu können. Ob heute auch Absagen verschickt werden? Gestern war dies der Fall. Homeboy Nr.1 mit vielsprachiger Frohnatur auf dem Viktualienmarkt. Es wird gemunkelt, daß ein Homeboy am Freitag ohne seine bessere Hälfte in München eintreffen wird. Die Gerüchteküche brodelt.
Mittwoch, 5. März 2003 (Aschermittwoch)
In Bayern dauert der Fasching einfach einen Tag länger. Stimmung in Passau prächtig. „Clement. Viele Baustellen, nie ein Richtfest.“ „Diese Regierung hat viele Flügel, und Schröder hat mit Sicherheit einen großen Schnabel, aber es fehlt der Kopf zwischen den Flügeln.“ „Künast. Die macht zwar jede Menge Mist, aber deswegen verstehts noch nichts von der Landwirtschaft.“ Man hat Stoiber seit der kurzzeitig gewonnenen Wahl nicht mehr so viel lächeln sehen. Wie sagte Bahram einst: „An irgendeine Baustelle muß man ja glauben.“ Bei der Reise nach Jerusalem, äh Bagdad, sitzt der Kanzler noch im Sattel. Fischer hat den Aschermittwoch abgesagt, damit dem vorher Genannten der Stuhl nicht weggezogen wird. Claudia will Clement in Vilshofen sehen. Ich checke den Stellenmarkt. Ingo kommt heut abend nicht ins Fußball.
Donnerstag, 6. März 2003
Arbeitslosenzahlen steigen stärker als erwartet, und nicht vergessen, ich zähle wahrscheinlich noch nicht dazu. NOCH NICHT. In acht Tagen die ominöse Regierungserklärung, ich rechne mit der Ankündigung einer neuen Kommission. Oder liegen die Pläne bereits auf dem Tisch und müssen nur noch zügig umgesetzt werden? Homeboys haben den Termin morgen bestätigt. Persönliche Lage spitzt sich zu. Mußte Claudia anpumpen. Solange ich ihr Geld schulde, kommt Sex nicht in Frage.
Freitag, 7. März 2003
Der Tag der Wahrheit (jobmäßig) beginnt alles andere als vielversprechend. Ein Homeboy, der Menschenansammlungen zuletzt nicht gemieden hat, fing sich womöglich eine Grippe ein. Wieder sind die Homeboys gesprengt. Sehe außerdem langsam eine Analogie zwischen dem Börsenkurs und meinen finanziellen Verhältnissen. Siebenjahrestief.
15 Uhr. Etz mog i nimma. Nicht mal zugesicherte Absagen kommen pünktlich. Jobsuche ist ein dreckiges Geschäft. Soll ich den Ratschlägen der Homeboys nachgeben? Zu allem Elend droht am Abend die Influenza.
Claudia fährt übers Wochenende in die Berge, weil Mutti und Omi zu Besuch kommen.
Samstag, 8. März 2003
Wie so oft Kommunikationsprobleme. Zwei Blech Pizza für Homeboys, die grade beim Essen waren. Die eine hat zwei Kinder, die andere ist verheiratet, die dritte geschieden. Das Übliche halt. Die Karrierefrau aus der Au (oder von der Au) – von was für einer Ausstellung war eigentlich die Rede? – hat den Anklopfenden erwartungsgemäß das Tor nicht aufgetan. Sie arbeitet hart und redlich, so daß kein Homeboy wirklich sauer war. Was es mit dieser Michaela auf sich hat, die im Raume stand, wurde immer noch nicht ausführlich erläutert. Um die Rothaarige macht man sich keine Sorgen, wahrscheinlich hat sie bereits Karriere gemacht, bevor die Homeboys ernsthaft auf Tournee gehen. Erkenntnis des Abends: „Ein Paracetamol schadet nicht.“ Stunden auf der Homepage der Ratiopharm-Zwillinge verbracht. „Schatz, wirfst du mal bitte die Cabrioschlüssel runter?“ Da spreche ich gern von Doppelmoral.
Sonntag, 9. März 2003
Chronischer Schlafmangel. Unklare Allergie. Verstärkte Rheumabeschwerden. Weihraucheinnahme (H15) begonnen. In den Samstagszeitungen kein einziges meinem Profil entsprechendes Stellenangebot gefunden. Mutti und Oma waren kurz da und in Küche und Bad ist alles okay. Aufbruchstimmung, Optimismus trotz Müdigkeit, welche meine Paarungsbereitschaft merklich erhöht. Gut, daß Claudia noch nicht zurück ist.
Bilde mir ein, mittels H15 bereits eine fast diclofenac-artige Linderung für den Lendenwirbelsäulenbereich zu verspüren.
Montag, 10. März 2003
Noch vier Tage bis zur Bergpredigt. Gut geschlafen. Auch Masturbation ist wieder ein Thema, über das man sich Gedanken machen muß. Wo jetzt alles wieder besser wird. Hab einen Blick auf den Dissertationsentwurf der Karrierefrau von der Au geworfen und fand vor lauter Fußnoten und Zitaten den Haupttext nicht. Die Deutsche Post hat mir hier an meine Münchner Adresse einen Coupon geschickt. Zu gewinnen gibt es ein erlebnisreiches Wochenende in München mit Übernachtung im Hotel „Bayerischer Hof“ sowie einer Besichtigung des weltberühmten Deutschen Museums.
Die Karrierefrau korrespondiert seit heute Abend nur noch über ihre Sekretärin mit mir. Bei ihnen ist zur Zeit keine Stelle frei.
Dienstag, 11. März 2003
Ein Börsencrash würde derzeit nicht bemerkt werden. Claudia wieder da – nervt schon mit dem ersten Satz. „Hat sich immer noch nichts ergeben?“ Wenn die Bush-Administration nicht wirklich diplomatisch völlig unfähig sein sollte, müßte man den Eindruck bekommen, es ginge auch um die Entwaffnung der Uno. Wenigstens lese ich wieder anderes als Stellenangebote. Der Mossad hat das Projekt 18 unterwandert, der CIA fängt meine Bewerbungsschreiben ab und Claudia blockiert die Mails der Rothaarigen, die wild um sich grüßt.
Mittwoch, 12. März 2003
Ich weiß nicht, wie, aber ich hab mir während des Schlafes den Fuß verstaucht. Es gibt eine somnambule Episode in meinem Leben, die liegt aber schon lange zurück. French Fries heißen jetzt Freedom Fries. Die Affäre von Ex-Präsident Bill Clinton mit Monica Lewinsky wird künftig Freiheitsliebe bezeichnet. Die SPD-Linke will keine plumpen Sparmaßnahmen akzeptieren. Ich wußte gar nicht, daß die SPD-Linke noch im Parlament sitzt. Haben die Grünen eigentlich schon Stoiber attackiert, der im Wahlkampf den USA bei einem Alleingang die Überflugrechte nicht gewähren wollte? Mittlerweile auch Claudia pleite. Auf www.arbeitsamt.de fanden sich heute diese reizvollen Angebote:
- Fachreferent/in für Alternativmetoden zu Tierversuchen
- Medizin-/Radio u.Fehrnseh-/Hochfregwenztechniker
- Microsoft Certifield Systems Engineer
Vielleicht sucht das Arbeitsamt München ein paar Leckthoren. Obwohl, man weiß ja, was gemeint ist.
Donnerstag, 13. März 2003
Das Spiel ist aus. Time has run out for Henri Hochofen.
Claudia will nicht Hauptmieter werden. Eine Ex meint, ich sollte Arbeitslosengeld beantragen. Die Karrierefrau von der Au hätte einen Job für einen Tag, bei dem der Stundenlohn noch ausgefeilscht werden müßte.
Freitag, 14. März 2003
Gerhard hat heute morgen um Neun die Weichen für meine MVV-Fahrt zum Arbeitsamt am Montag gestellt. Bin irgendwo nach dem Kreditprogramm eingeschlafen und erst bei Angie wieder aufgewacht. Stoiber hätte mir besser im Arztkittel gefallen. Er freut sich, daß die Regierung am Baum der Erkenntnis der Union genascht habe. Clement will, daß in Deutschland wieder gelacht werden darf. Claudia den ganzen Tag im Bademantel in der Küche, beim Umblättern der Süddeutschen Zeitung Brust freilegend. Liest aber langsam.
Samstag, 15. März 2003
Kein Einfluß auf die Entscheidung, welche Dame neu in die Homeboy-WG am Rosenheimer Platz einzieht. Meine Sitzungen beim Psychoanalytiker kann ich mir nicht mehr leisten. Grad jetzt, wo's nicht mehr nur um Sex ginge, weil für den das Gleiche zutrifft. Hab mich übers Internet selbst diagnostiziert, glaube, es ist die ARBEITSLOSE-NEUROSE auf der Stufe des nicht-wahr-haben-Wollens. Träume von Mobbing, betriebsbedingten Kündigungen und Frührente. Wenigstens gewinnt der Fc. Bayern auch in diesen schweren Zeiten. Wenn die andern Homeboys sich nicht melden, geh ich mit Claudia auf ein Bier.
Sonntag, 16. März 2003
Claudia zog die Milchbar vor, und ich war wieder einmal auf mich allein gestellt. Die Wirtschaftskrise hat nun auch das Glockenbachviertel erfaßt. Kurz vor Zwölf leere Tische im Baader-Café. Café Mozart in der Tat homeboytauglich. „Piroschka aus Budapest“ entpuppte sich als Mann, der zu allem Überfluß auch noch monierte, ich solle mir meine Koteletten abrasieren. Die Taxifahrerin, die unlängst öffentlich behauptet hatte, meine Haare seien gefärbt, hat, wie ich bemerkte, in meiner Stammkneipe Lokalverbot, was mich von einer strafrechtlichen Verfolgung trotz bekannter Präzedenzfälle absehen läßt. Stupsnase, Breitmaulfrosch, Bunny, Schneckerl, Pornodirndlträgerin, Kleines und Honigbiene – all diese Kosenamen nach niederbayerischer Rücksprache aus meinem aktiven Flirtwortschatz gestrichen. Die Karrierefrau von der Au hat den Eintagesjob an einen günstigeren Anbieter vermittelt. Aaner hot immer des Bummerl. Trotz akuter sexueller Claudia-Abstinenz schon seit zehn Tagen auf jegliche Süßwaren verzichtet. Homeboy Nr. 1 immer noch erkältet.
Montag, 17. März 2003
Beim nächsten Hannoveraufenthalt muß ich in die Herrenhäuser Gärten. Für die Versicherung, bei der ich mich beworben habe, scheint die Stunde der Wahrheit immer noch nicht geschlagen zu haben. Nachdem auch das zweite Ultimatum ergebnislos ausgelaufen ist, will ich gar nicht mehr um eine Resolution nachfragen, glaube nicht, daß ich eine Mehrheit finde. Zögere den Gang zum Arbeitsamt erneut hinaus. Claudia ist der Ernst der Lage nicht gewärtig. Ein überraschender Besuch aus dem Chiemgau kündigt sich an, der große Gegner des Neoliberalismus hat seine Dreimonatsmeditation scheinbar beendet.
Dienstag, 18. März 2003
Wer mich wann auch immer in einer Straßengrube liegen sieht – ich tu das alles nicht aus Vergnügen. Nur das Schicksal hat mich heute nach Hause geleitet. Spitzmaulnashörner und Schnabeltiere scheinen beim weiblichen Geschlecht fast noch schlechter anzukommen als Breitmaulfrösche und Zwergkaninchen. Am besten ich eifere der Karrierefrau von der Au nach und kümmere mich nur noch um Job und Weiterkommen. Mit drei Preißn auf ihren Weg zur Toskana mit dem Fahrrad dem großen Unterschied der komplexen Zahlen zu weiteren im Verhältnis der reellen Zahlen zu den rationalen im wesentlichen nicht nähergekommen, obwohl Flohs vermeintliche Vollständigkeit durch algebraische Abgeschlossenheit leicht zerschmettert wurde. Wilf arbeitet weiter am Ansatz. Was wäre ich heute ohne die Erfindung der Plastiktüte.
Tatsächlich ein Vorstellungsgespräch in Sicht. Ist das schon das Wirtschaftswunder? Homeboy #4 hat für eine andere Bewerbung meinen cover letter redigiert und als erste Maßnahme gleich mein Gehalt bzw. meine Gehaltsvorstellungen gekürzt. Schlimmer als der Kanzler.
Mittwoch, 19. März 2003
Immer mehr Freiheit für Amerika. Nach den Pommes heißt jetzt auch der Irak-Feldzug „Iraqui Freedom“. Haushaltsdebatte. Abgeordnete sollten nicht zweimal hintereinander in den Bundestag einziehen dürfen. Das ganze Leben ist eine Talkshow. Man sieht am Deutschen Bundestag, wie eine großzügige Bezahlung der Zuschauer den Applaus beeinflussen kann. Bei Sabine Christiansen wird nicht soviel geklatscht. Claudia hat mir das Frühstück ans Bett gebracht und – nein, man kann es nicht Sex nennen. Heute war ein roter Persona Tag.
Donnerstag, 20. März 2003
Der ZDF-Mann aus Bagdad müßte den Telefonhörer etwas weiter weghalten. Claudia hat Kondome gekauft, aber nach zehn Stunden War-Zapping dürfte dies ergebnislos bleiben. Nichts neues an der Jobfront. Ein Freund der Karrierefrau von der Au hat heute seine erste große Rolle im deutschen Fernsehen, wenn der Sendeplatz nicht von der Kriegsberichterstattung verdrängt wird. Hierzulande sind die Ressentiments gegen Diktatoren nicht besonders groß. Gegen die von Saddam Hussein verursachten Toten geht/ging keiner auf die Straße. Vielleicht hat er ja auch Autobahnen gebaut. Zum Freund der Karrierefrau von der Au: die Folge der Serie wurde ausgestrahlt, jedoch hab ich ihn nicht gesehen.
Freitag, 21. März 2003
Claudia war gestern mit Detlev aus, ist wieder mal nicht nach Haus gekommen. Ausgerechnet jetzt, wo ich so labil bin. Was tun? Eine Ex anrufen? Prof. Dr. Günter Meyer weiß Bescheid– korrigiere, er weiß alles. Konkurrenz zu Peter Scholl-Latour. Bemühe mich am Nachmittag um einen Job als Nachhilfelehrer. Versuche außerdem Homeboy #4 zu animieren, Kontakte mit der Musikindustrie zu knüpfen.
Stellte mich um 15 Uhr im Nachhilfeinstitut vor und sagte, Latein könne ich eventuell auch unterrichten. Fragt er: „Was machen Sie um fünf?“ Da ich nichts vorhatte, hat er mir nicht nur einen Zögling für fünf, sondern auch noch einen für halb vier zugeteilt. Da stand ich wieder vor der oratio obliqua und der consecutio temporum.
Samstag, 22. März 2003
Damit die TV-Studio-Kriegs-Moderatoren nicht auch noch bei mir anrufen: „Nein. Ich bekomme hier keine weiterführenden Informationen. Ich kann nicht bestätigen, daß die 51. Division sich ergeben hat.“ Ich weiß ja nicht mal, wer bei Homeboy #4 neu einzieht. Wenn man mit 15 Punkten Vorsprung Meister werden will, dann muß man auch mal schlechte Spiele mit 1-0 gewinnen. Claudia immer noch nicht da. Unwichtig. Man macht gewöhnlich keine große Sache draus, aber als Single ist Sex schon noch was Besonderes. Es gibt da diesen Witz in Die Liebenden von Pont-Neuf: „Weil es heute abend ist.“
Sonntag, 23. März 2003
Versuchte, die Atemtechnik von Anne Will nachzuahmen. Erstickungsgefahr. Aumeister, die Erste. Mit wem war eigentlich der Homeboy mit der Geheimnummer gestern abend verabredet? Claudia wundert sich, daß ich so gut gelaunt bin.
Montag, 24. März 2003
Neue Husseinrede. Fazit. Die Kontaktlinsen sind wieder da. Nein. Die Bilder werden häßlicher. Claudia guckt nur noch Unsere kleine Farm. Ich muß wegen Sonnenbrand auf den zweiten Frühlingstag verzichten. Mathe-nachhilfe ohne Vorbereitung für Realschule („Können Sie einspringen, der hat morgen Schulaufgabe?“) ist nicht leicht. In meinen Augen bin ich gescheitert. Man bräuchte ein bißchen mehr Zeit, oder zumindest des Zöglings Schul- und Haushefte. Es ist einfacher, Claudia zum Bierholen zu bewegen.
Dienstag, 25. März 2003
Ziemlich müde. Wollte ursprünglich Fahrrad fahren. Darf man sagen, daß Wieczorek-Zeul's Haare gefärbt sind? Claudia begann um acht Uhr morgens (!!!), ihr Zimmer zu saugen. Ekelhaften Traum gehabt, der Zweifel an meiner geistigen Gesundheit aufkommen ließ. Muß mich mit didaktischem Lehrmaterial aus der Stadtbücherei eindecken. Kann dort eventuell eine These von Homeboy # 4 überprüfen.
Homeboy # 4 war lange nicht mehr im Gasteig. Sowohl die Dichte als auch die absolute Anzahl hübscher Frauen entsprach in keinster Weise dessen Erinnerungen.
Mittwoch, 26. März 2003
Ein Homeboy fährt seine Gäste nach Neuschwanstein. Wenn er den freien Platz in seinem Wagen ein wenig früher publik gemacht hätte! Claudia wäre interessiert gewesen. Ich muß in ein Vorstellungsgespräch. Probiers heut mit den Gehaltsvorstellungen von Homeboy # 4. Und ohne Diclofenac.
Trotz meines Entgegenkommens – denen war ich immer noch zu teuer. In Sendling stehen in der Hofmannstraße Wahlplakate wie: „Christoph Moosbauer. Mit Ihrer Erststimme wieder in den Bundestag.“ Sind das Reste vom September oder hat der Bundespräsident bereits Neuwahlen angesetzt?
Donnerstag, 27. März 2003
Beschäftige mich mehr mit Latein als zu Schulzeiten. Schröder denkt angeblich über Erhöhung des Verteidigungshaushaltes nach. Unterstützt er durch diesen Gedanken nicht die Logik des Krieges? Obwohl nach einer von mir angestellten Kopfrechnung heute ein grüner Personatag sein könnte, beachte ich das sommerliche Outfit von Claudia ohne Interesse. Aus purer Hoffnungslosigkeit rauche ich sogar nach dem Frühstück. Vier Tage Frühling, und in Milbertshofen wird zu meinem Leidwesen schon wieder Rasen gemäht.
Freitag, 28. März 2003
Was regt sich der Kanzler so über die Rürüpkommission auf? Das ist doch kontinuierliche, multipolare Regierungspolitik, die sich vorbildlich zwischen Hartzkonzept und Agenda 2010 einreiht. Peter Gauweiler bekommt viel Post. Ich dachte, ich würde auf dem Arbeitsmarkt mit Blumen und Musik empfangen. Warte, hoffe noch immer auf den deus ex machina.
Der eine Nachhilfeschüler findet das Unterrichtszimmer nicht auf Anhieb, der andere kommt gar nicht. Sed vitae... Homeboy # 4 will morgen shoppen gehn. Muß ihm noch vorschlagen, M&M mitzubringen.
Samstag, 29. März 2003
So, die Versicherung hat nach mehrmaligem Nachfragen endgültig abgesagt. Katharsis? Ich wollte keine Tragödie schreiben. Eine neue Suchmaschinen-Einfang-Seite freigeschaltet. Es kostete einige Mühe, Claudia davon zu überzeugen, daß dadurch nicht auf ihre bisweilen zu beobachtende Promiskuität angespielt werden soll. Homeboy # 4 verteilt meine Telefonnummer an Fragebogen-Interviewerinnen. Bleibt offen, ob der Proband Henri Hochofen für statistische Auswertung geeignet ist und, vorausgesetzt Homeboy # 4 konnte diesen Punkt überdenken, warum will er der Datenerheberin schaden? Muß beim Shoppen geklärt werden. Wieder keine gescheite Stellenanzeige in SZ und TZ. Blicke aus dem Fenster zum Hof liefern manchen Gag.
Sonntag, 30. März 2003
Beim Verlassen der Kneipe stand der kleine Zeiger erstaunlich hoch. Sommerzeiteffekt. Homeboy # 4 war etwas ungnädig sowohl angesichts mangelnder Flirtopfer als auch aufgrund fehlender Musiker. Wurde abgelöst vom Weltstar ohne Welt, der in dieser Woche einen Gerichtstermin in Weltstadt ohne Herz wahrnehmen muß. Homeboy # 4 gab mein Bier aus, was mich unvorsichtig werden ließ.
Weltstar: Also, wie viel Bier zoihst ma etz?
Hochofen: Des. Und des Letzte. Ach. I zoih d'a so viel, wie du noch trinken kannst.
Weltstar Seit Jahren warte ich, daß das jemand zu mir sagen würde...
Die Karrierefrau von der Au konnte sich des Weltstars glückliches Gesicht trotz obigen Zitates nicht erklären. Heute vielleicht Geburtsstunde des Projektes Die Hochöfen.
Montag, 31. März 2003
Die Kriegseinschaltquoten scheinen zu sinken, oder warum gabs gestern keinen Brennpunkt? Die Freistaatsgrenze ist gefallen. Habe mich für Job in der tiefsten Schweiz beworben. Bemerkte eine Träne auf Claudias Wange. „We always have Milbertshofen.“ Andretzky ließ Probe platzen. Ein Schüler, der am Donnerstag Schulaufgabe hat, kann noch nicht mal dominus deklinieren. SARS-Verdacht in München. Claudia war am Samstag beim Chinesen und ich fuhr mit der U-Bahn. Ich hatte noch Ziele.
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[weiter zu Quartal II (2003)]
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